Multimedia Project RIVERINE ZONES by Philipp Geist

7 07 2009

Ein sehr umfangreiches Projekt, das ich schon lange vorstellten möchte, sind die RIVERINE ZONES, eine Video-Raum-Installation, von Multimediakünstler Philipp Geist, Berlin. Es widmet sich einem sehr aktuellen Thema: die kostbare Ressource Wasser – in Form von Flüssen – und den Umgang mit ihr.

Geist war gerade auch bei den 48h Stunden Neukölln - “Humus Neukölln” (2009) – mit einem Projekt im Kunstraum t27 beteiligt. RIVERINE ZONES wird zudem auch vom Forschungsprojekt SPREE2011 vorgestellt, das im Deutschen Pavillon zur Architekturbiennale 2008 in Venedig zu sehen war:  Thema der Ausstellung im Deutschen Pavillon war “Updating Germany.

! Video-Eindrücke der RIVERINE ZONES ganz unten !

It’s a huge project that I wanted to introduce for quite a while now: RIVERINE ZONES is a continuous multimedia installation by German artist Philipp Geist, focusing water – in form of rivers – and how people treat it. Using subaqueous cameras, Geist films and documents rivers below the water surface, thus capturing foreign sceneries we usually don’t set eyes on.

I provide the links to Geist’s English texts, while writing in German here.

Recently RIVERINE ZONES was part of the Berlin art festival 48h Stunden Neukölln, and it is featured on the website of the research project SPREE2011 (the latter was part of the German contribution to the Architecture Biennial 2008 in Venice Updating Germany).

! Video impressions of RIVERINE ZONES below !

Illustr. © Philipp Geist

Philipp Geist (*1976, seit 1999 in Berlin) ist Künstler und Autodidakt und arbeitet international mit seinen Medien-Video-Installation, Audio/ Visuelle Performance, Malerei und Fotografie. Seine Projekte sind in erster Linie gekennzeichnet durch ihre Komplexität in der Integration von Raum, Ton und Bewegbild.

(Full CV, German + Engl.)

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Riverine Zones

( Quelle hier | English Description here )

Riverine Zones - Flyer © P. Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

RIVERINE ZONES zeigt Videoaufnahmen und Videostandbilder von nationalen und internationalen Fliessgewässern: Mit Unterwasser-Videokameras filmt Geist die Welt unter der Wasseroberfläche. Die Unterwasserwelten verschiedener Metropolen und Orte werden einander gegenübergestellt: Das klare Wasser des einen Flusses steht im Kontrast zu einem Kanal voller weggeworfener Objekte wie etwa Dosen, Straßenschilder oder auch Fahrräder. Aspekte des menschlichen Umgangs mit der kostbaren Ressource Wasser in unterschiedlichen Regionen der Welt werden so zu Tage befördert.

Riverine Zones - Videostill - Elbe (Dresden) © P. Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Die Installation besteht aus Aufnahmen von urbanen Flüssen, kleinen Bächen und großen Strömen in einer gleichberechtigten Gegen- überstellung, deren Ästhetik teils dokumentarisch, teils fremdartig, grob und pixelig, teils fehlbelichtet, unscharf, farbintensiv oder auch monochrom wirkt. Ohne die übliche Fernsehästhetik zu bedienen, erlauben sie dem Betrachter einen realen aber zeitgleich irritierenden Einblick. Vormals Bekanntes wird zu einer Landschaft des Surrealen. Die künstlerische Arbeit ist auch eine visuelle Nachzeichnung von bewusst geplanten sowie zufälligen Prozessen. Der Künstler lässt seine Kamera an ausgewählten Stellen an einem Kabel in das Gewässer eintauchen; die Kamera wird dann durch den Rhythmus der Strömung bewegt. So entsteht ein Wechselspiel zwischen ganz natürlichen Bewegungs- und menschlichen Gestaltungsprozessen.

Riverine Zones - Videostill - Isar (München) © P. Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Riverine Zones - Videostill - Isar (München) © P. Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Die Flüsse werden per Videoprojektion oder Monitor dar, und diese wahlweise mit meter- langen, im Raum schwebenden Bahnen aus aneinandergereihten Unterwasser-Videostandbildern ergänzt oder aber mit Flächen füllenden Bildreihen. Je nach den räumlichen und technischen Gegebenheiten können die Unter- wasserfilmsequenzen auf einem oder mehreren Monitoren präsentiert werden, oder über eine oder zahl- reiche Videoprojektionen. Auch ob, wie viele und in welcher Form und Anordnung die Videostandbilder gezeigt werden, entscheidet der Künstler jeweils in Bezug auf den Ausstellungsraum.

Riverine Zones - Videostill - Isar (München) © Philipp Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Riverine Zones - Videostill - Isar (München) © Philipp Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Die künstlerische Auseinander- setzung mit dem allgegenwärtigen Element Wasser ist ein Kontakt- versuch mit unserer unmittelbaren und doch fernen Realität. Geist zeigt einen Teil dieser Realität auf, der für uns üblicherweise verborgen bleibt.

Ein weiterer Bestandteil des Projektes sind Satellitenbilder von Google Earth, auf denen rote Punkte zu sehen sind. Diese markieren die Stellen, an denen die Kamera ins Wasser gelassen wurde. Geist nimmt eine relativ genaue Lokalisierung seiner Unterwasser- bilder vor und vermittelt gleichzeitig einen Einblick der flussnahen Umgebung. Sein Mikroblick wird um einen Makroblick erweitert. Teils ragt die Kamera auch aus dem Wasser heraus, so dass aus einer ungewöhnlichen Perspektive, halb unter Wasser, halb über Wasser, das Ufer, Gebäude und Brücken zu sehen sind. Es sind diese Aufnahmen, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, einen unmittelbaren Bezug zwischen den Satellitenaufnahmen und den Wasserbildern herzustellen. Überwiegend ist der Zusammenhang zwischen den markierten Filmstellen und dem erworbenen Bildmaterial aber ein zweifelhafter, da Geist Satelliten- und Wasserbilder bewusst nicht in einer eins zu eins Gegenüberstellung präsentiert.

Riverine Zones - Videostill - Regent Canal (London/ UK) © Philipp Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Riverine Zones - Videostill - Regent Canal (London/ UK) © Philipp Geist 2006–2009 / VG Bild-Kunst Bonn

Flüsse als verbindende Netzwerke zwischen Ländern auf der einen Seite und als Begrenzungen auf der anderen Seite sind ein weiterer Aspekt der Installation. Der Fluss, der als Grenzfluss zwischen zwei Ländern fungiert und somit trennt, ist zugleich an einer anderen Stelle seines Verlaufs oder zu einer anderen historischen Zeit eine Wasserverbindung zwischen zwei Städten. Das vereinende Moment des eigentlich neutralen, aber doch höchst politischen Mediums Wasser thematisiert Geist, indem er die Satellitenbilder aller bereits gefilmten Flüsse in einer Collage zu einem einzigen internationale Flussgeflecht verbindet.

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RIVERINE ZONES ist als kontinuierliches Projekt angelegt, das weltweit Flüssen auf Vergessenes, Verdrängtes oder schlicht Unbekanntes erforscht. Um das lebensnotwendige Element Wasser in all seinen Facetten zu beleuchten, sollen dabei je nach Eigenheit des Flusses auch ethnologische, religiöse, politische und vor allem umweltpolitische Aspekte in Erscheinung gebracht werden.

Auch das Thema der Wasserverknappung, Gletscherschmelze, Austrocknung von Flüssen und ihre Verwandlung zu Salzwüsten wird bei dem Projekt in Zukunft nicht ausgeklammert werden. Die dramatische Situation der Wasserverknappung wird durch die Präsentation von Aufnahmen vertrockneter Flussbetten gezeigt. Darüber hinaus sind bei den Stationen der Ausstellung Symposien angedacht, auf denen verschiedenste Themenbereiche rund um das Thema Wasser angesprochen und diskutiert werden und durch einen ökologischen Informationsteil ergänzt werden.

Aktuelle Informationen über RIVERINE ZONES bietet Philipp Geist auf seinem Blog: riverinezones.blogspot.com

Einige visuelle Eindrücke bieten diese Videostreams dort gibt es auch weitere Infos zu Geists Arbeitsweise.

http://www.vimeo.com/4284047

http://www.vimeo.com/4213115

(Das gesamte Album auf vimeo.com)

Ein Interview mit Philipp Geist




s.h.e.inszeniert "Theoretisch tot" in Berlins kleinstem Ausstellungsraum || s.h.e. shows "Theoretically dead" in Berlin's tiniest show room

4 07 2009

s. h. e. – alias Stefan Heinrich Ebner – hat sich immer wieder intensiv mit Architektur auseinandergesetzt und sich lange mit Architekturtheorie befasst; seine Arbeiten sind davon grundlegend beeinflusst. Zur Zeit ist sein “Theoretisch tot” in der kleinsten Ausstellungsfläche von Berlin installiert (11.06.- Ende 08.2009).

s.h.e. – alias Stefan Heinrich Ebner – has studied architecture and architecture theory intensively. Thus this influence is obvious in his works. Presently his “Theoretisch tot” (Theoretically dead) is installed in Berlin’s smallest show room, measuring only 4sqm (11.06.- End 08.2009).

nsicht Theoretisch tot in der Loge © Katia Hermann (Art and Events)

Ansicht "Theoretisch tot" in der Loge © Katia Hermann (Art and Events)

Stefan Heinrich Ebner (*1965 in Freiburg, arbeitet seit 1986 in Berlin) hat Projektionen und Installationen entwickelt, nichtsimultane Räume, 3D-artige Farbfeldanimationen, Lichtbilder, Raumfilter, Raumfotografie. Seine Bildarchitekturen haben ale ihren Ursprung in einem strukturellen Aufbau. 1989 gründete er das „Jour Fix im Cafe Einstein, Tisch 133″, indem über raumbezogene Kunst und soziale Skulptur diskutiert wurde.

Nach vielen Jahren der Arbeit am Computer packte s.h.e. das Verlangen, “fassbare” Strukturen, Skulpturen, in den realen Raum zu bringen.  So entstanden in den letzten Jahren eine Reihe von hängenden Strukturen, mit Fell oder auch Federn bedeckt, die unsere Sinne ansprechen und das Verlangen erzeugen, sie zu umgehen, zu streicheln oder gar hineinzusteigen – so auch bei „Theoretisch tot“:

Ansicht Theoretisch tot in der Loge © Katia Hermann (Art and Events)

Ansicht "Theoretisch tot" in der Loge © Katia Hermann (Art and Events)

Bis Ende August ist die Arbeit “Theoretisch tot” in der Loge in der Berliner Friedrichstraße – Berlins kleinster Ausstellungsfläche: ca. 4qm groß mit einem unregelmäßigen Grundriss – inszeniert: eine raumgreifendes Gebilde aus fragilen Stäben, die mit Tierfellen umhüllt sind. Frei in der Loge hängend ertasten diese Elemente wie Fühler die Dimension des Raumes und streben nach Ausdehnung. Struktur und Fell wirken wie eine wesenhafte Einheit.

Entwicklung und Wachstum, Entfaltung und Erfüllung, Leben und Tod – „Theoretisch tot“ regt die Reflexion über diese Themen an, mit einer gewissen Ironie, die im Titel zum Ausdruck kommt.

Die Loge widmet sich übrigens , seit Martin Mlecko und Wolfgang Schöddert die Location restauriert haben, der Präsentatio raumbezogener. Urpsünglich war hier eine Registratur im historischen Zeitungsquartier Berlins untergebracht. Ihre künstlerischen und kuratorischen Grundgedanken basieren dabei stets auf sozialpolitischen Zielsetzungen.




Raumordnungen in Stuttgart | übersehen in München

2 07 2009
Auch über den Sommer gibt es einige interessante Ausstellungen zu entdecken. Beginnen wir in Süddeutschland: in Stuttgart und München werden zwei Fotografie-Ausstellungen gezeigt, die einen besonderen Blick auf die alltägliche gebaute Umwelt werfen.
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Two photo exhibits in Southern Germany, Munich and Stuttgart, present works casting a particular glance to everyday environments. “Raumordnungen” – Spatial Structures (Stuttgart) shows Kurt Laurenz Theinert who adds his photographed perspective a second perspective – usually in abstract constructive elements, casually chosen: he turns around 180° from his standpoint and photographs the “backside” of his motives.
In Munich, Kai-Uwe Schulte-Bunert shows “Übersehen” – Overlook(ed): He portrays the memory of spaces/places – it is well-known objects we see, but still they seem distant, static, useless, foreign.

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Gegenwelt, Stuttgart 2009/5, 2-teilig je 50cm x 60cm, Lambda Laserchrome Vergrößerung auf Alu-Dibond

Kurt Laurenz Theinert: Gegenwelt, Stuttgart 2009/5, 2-teilig je 50cm x 60cm © K. L. Theinert

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Raumordnungen

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Fotografien von Kurt Laurenz Theinert und Jutta Strohmaier

2. Juli – 15. August 2009

bildkultur, Stuttgart


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aus den PR-Texten:

Der Stuttgarter Fotograf und Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert (*1963) reflektiert mit seinem Schaffen stets das Medium Fotografie und den Akt des Fotografierens.

In seiner jüngsten Serie ‘Gegenwelten’ ergänzt er den Blickwinkel – der meist abstrakt konstruktive Elemente erfasst – durch eine zweite, zufällige Perspektive. Vom gleichen Standpunkt wendet er seinen Blick um 180°, um zusätzlich die Situation im Rücken des eigentlich gewählten Motivs aufzunehmen. Die absurde Kombination zweier Ansichten schließlich, die außer dem Standpunkt nichts gemein haben, verführt zu Assoziationen, die letztlich nur der Gedankenwelt entspringen. Selbst von ein und demselben Standpunkt gibt es unterschiedliche Sichtweisen und keine ist richtiger als eine andere. Vielmehr ist die Gleichzeitigkeit vielfältiger Weltsichten die größte Bereicherung.

Jutta Strohmaier schafft Wirklichkeiten – losgelöst vom Realen. Poetisch bewegen sich ihre Arbeiten über die verschiedenen Genres: von der digitalen Fotografie zu Grafik und Skulptur und wieder zurück zum Lichtbild. „In ihren Fotogrammarbeiten zeigt sich, ausgehend von der Natur als Kulisse und Requisit, eine grundsätzliche Auseinander­setzung mit den Möglichkeiten von Konstruktion und Dekonstruktion von Raum. Ganz bewusst operiert sie dabei mit der Überschreitung medialer Grenzen und hinterfragt die spezifischen räumlichen Eigenheiten des jeweiligen Mediums.“ (Maria Schindelegger)

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aus "Vaterland" 30 x 30 cm Lambda-Print auf Aluminium unter Acryl © Kai-Uwe Schulte-Bunert

K.-U. Schulte-Bunert aus "Vaterland" 30 x 30 cm Lambda-Print auf Aluminium unter Acryl © K.-U. Schulte-Bunert

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Kai-Uwe Schulte-Bunert

“Übersehen”

26. Juni – 5. September 2009

filser & gräf, Galerie für Kunst und Design, München

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In “Übersehen” wird ein analytischer Blick auf die Arbeitsweise von Kai-Uwe Schulte-Bunert geworfen und Beispiele aus verschiedenen Arbeitsreihen des Künstlers präsentiert.

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aus dem PR-Text (gekürzt):
Kai-Uwe Schulte-Bunert arbeitet in äußerst präzisen Reihen. Über eine besondere Ästhetik hinaus ist seinen Arbeiten eines gemeinsam: Das Gedächtnis der Orte. Es sind bekannte, vertraute Dinge die wir in diesen Fotografien entdecken. Und dennoch wirken sie, obwohl wir sie nie und doch immer schon gesehen haben, in ihrer Statik und ihrem funktionslosen Dasein fremdartig leer.

aus "Specie di Spazio" 100 x 100 cm Lambda-Print © Kai-Uwe Schulte-Bunert

K.-U. Schulte-Bunert, aus "Specie di Spazio" 100 x 100 cm Lambda-Print © K.-U. Schulte-Bunert

In der stetigen Offenbarung von Ungesagtem und Unbewusstem liegt wohl der persönlichste Aspekt der Arbeit des Künstlers. Dieses fast private Chiffre findet man in den Arbeiten über scheinbar oder tatsächlich verlassene Orte, welche in einem Moment des Wartens wahrgenommen sind. Dies sind Orte, die ein Teil seiner Kindheit sind, wie die Dörfer der Reihe Vaterland, Baustellen der Reihe Passaggi, Grenzstädte aus 2_geteilte orte, Rimini oder die Landschaften aus Fondo Vivo.

Es handelt sich um Orte, in denen das Verhältnis zwischen Gebautem / Hinzugefügtem und Kontext bzw. Zusammenhang perfekt kalibriert ist, aber gleichzeitig von fast surrealen Details unterbrochen wird. Wenn die Zeit Spuren auf den Dingen hinterlässt, liest Schulte-Bunert diese mit einer ganz besonderen Sensibilität und betont das Gedächtnis der Orte mit einer fotografischen Wiedergabe, die durch ihre fast monochrome Spannung eine große ästhetische Wirkung erzeugt.

Schulte-Bunerts Arbeit, in welcher Intuition und Bewusstsein, Emotion und Dokumentation vereint werden, basiert auf einer tiefen Analyse der Beziehung zwischen dem Objekt und seiner Darstellung.




REVIEW: Julius Shulman. Modernism Rediscovered, by TASCHEN

1 07 2009

Zum 25jährigen Jubiläum des TASCHEN Verlags ist die über 1000 Seiten starke dreibändige Publikation „Julius Shulman. Modernism Rediscovered“ (2000) in einer „Light Version“ erschienen. Dennoch keine „leichte“ Lektüre, denn auch die gekürzte Sonderausgabe zum spektakulären Preis von knapp 20€ – das Original kostet 250€ – ist immer noch über 400 Seiten stark und im XXL-Format (24,8 x 31,5 cm) und bietet wundervolle Bilder von Julius Shulman.

For a short English summary please scroll down.

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Julius Shulman, Modernism Rediscovered

Gössel, Peter (Ed.)

Serraino, Pierluigi / Shulman, Julius / Shulman, Julius

Hardcover, 24.8 x 31.5 cm, 416 Seiten

€ 19.99

ISBN: 978-3-8365-0326-6
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Wie es der Titel verspricht, bietet der Band so etwas wie eine „Wiederentdeckung“ der Moderne: Erstmals versammelt werden beinahe 250 Fotografien des weltbekannten Architekturfotografen Julius Shulman von Bauwerken der US-amerikanischen Moderne, die zwischen 1939 und 1980 entstanden sind. Die Abbildungen wurden bislang kaum oder nur ein paar Mal publiziert und sind daher aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Shulman, mit dem der TASCHEN Verlag bereits Ende der 1990er Jahre für „Architecture and Its Photography” eng zusammengearbeitet hat, hat sein Archiv geöffnet und es so möglich gemacht, zahlreiche architektonische Kostbarkeiten, nicht nur an der kalifornischen Westküste, sondern auch in den gesamten Vereinigten Staaten sowie in Mexiko, Israel oder Hongkong neu zu entdecken (letztere allerdings in der umfangreichen Ausgabe).

Julius Shulman

Shulmans Fotografien der kalifornischen Moderne, seine Aufnahmen des Kaufman House etwa oder die Porträts der Case Study Houses, haben unser Bild von der Architektur der 1950er und 1960er Jahre geprägt wie kaum ein anderer. Nach wie vor begegnen die Aufnahmen immer wieder in Magazine und Bücher. Shulman hat jedoch – natürlich – wesentlich mehr Bauten fotografiert und es gibt bedeutend mehr moderne Bauten als „nur“ die Case Studies oder die Arbeiten von Frank Lloyd Wright. Aus verschiedenen Gründen sind viele dieser Gebäude, die den bekannten Bauwerken in Qualität kaum nachstehen, jedoch wenig(er) publiziert worden und so in Vergessenheit geraten. Ihnen ist die TASCHEN Publikation gewidmet, die eine Auswahl dieser Bauten wieder ins Bewusstsein holen und so den kalifornischen Modernismus in seiner Vielfalt würdigen will.

Übrigens: Leben und Werk Shulmans widmet sich die filmische Dokumentation “Visual Acoustics”.


Modernism Rediscovered

Modernism Rediscovered ist, wie die meisten TASCHEN-Bücher, in erster Linie ein Bilderbuch, das von den Abbildungen der Shulman-Fotos lebt. Die ausgewählten Gebäude werden in mehreren Abbildungen, sowohl in s/w wie in Farbe, präsentiert und von kurzen Erläuterungstexten in 3 Sprachen begleitet, in denen Angaben zur Veröffentlichungsgeschichte und dem gegenwärtigen Zustand sowie, soweit möglich, auch Literaturangaben gegeben werden. Stellenweise wird auch ganz auf Informationen verzichtet.

Ausgewählt wurden die Aufnahmen nach dem Beitrag, den die porträtierten Gebäude jeweils für die Architekturszene ihrer Zeit leisteten. Ihre Anordnung in der Publikation orientiert sich an Shulmans Archivierungsverfahren, d.h. sie werden chronologisch nach der Auftragsnummer, die der Fotograf vergeben hat, aufgeführt, gefolgt vom Namen des Architekten, dem Standort des Gebäudes sowie dem Datum der Aufnahmen.

Am Ende führt die Publikation Kurzbiografien ausgewählter Architekten auf, ebenfalls in drei Sprachen, sowie einen Index aller präsentierter Architekten mit ihren jeweiligen Gebäuden. Eine Bibliografie bietet eine Einsteiger-Übersicht mit wichtigen Publikationen zur kalifornischen und amerikanischen Moderne, zu Theorie und Technik der Architekturfotografie – hier sind vor allem auch Shulmans Texte interessant – sowie zur Thematik des Bildes/Fotografie in den Medien.

Modernism Rediscovered: Die Fotografie und die Amerikanische Moderne. Vom frühen International Style bis zu den 70er-Jahren
Pierluigi Serrainos Einleitungsessay

Eingeleitet wird die Publikation von dem Essay Die Fotografie und die Amerikanische Moderne. Vom frühen International Style bis zu den 70er-Jahren von Pierluigi Serraino, einem Architekten aus der San Francisco Bay Area, der mehrere Artikel und Bücher über Architektur verfasst hat, darunter auch das TASCHEN-Buch „Saarinen“. Auch dieser Text ist in englisch, deutsch und französisch auf jeweils 2 Doppelseiten verfügbar.

Serraino stellt die drei Ziele der Publikation vor, die neben der Absicht, unbekannte Arbeiten von Shulman einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, auch die „Diskussion über die kalifornische Moderne und die moderne Architektur im Mittelwesten neu [...] beleben“ sowie zeigen will, „dass in den aktuellen architektonischen Datensammlungen [der USA... entscheidende] Dokumente [...] fehlen“ (10) – eben jene Bauten, die aus diversen Gründen trotz baulicher Qualitäten selten publiziert wurden.

Der Text bietet damit also keine Einführung ins Werk des Fotografen, auch keine fachliche Annäherung an seine fotografische Arbeit, wie man dies von auf eine Künstlerpersönlichkeit ausgerichteten Monografien gewöhnt ist. Der Fokus liegt auf dem „Modernism rediscovered“: Serrainos Darstellung von Zusammenhängen zwischen publikatorischen Mechanismen und der Bekanntheit von Architektur gibt einen aufschlussreichen Einblick indie Funktionsweise unseres Bildgedächtnisses. Wie in der Werbung gilt auch für die Architektur die simple Gleichung: Je mehr Publicity, desto mehr Aufmerksamkeit und desto länger im öffentlichen Gedächtnis:

„Für die professionelle Anerkennung von Bauwerken in der Gesellschaft kann es eine entscheidende Rolle spielen, dass ihre Arbeiten in den Medien Beachtung finden. Eine langfristige [...] Öffentlichkeitsarbeit [...] hilft [...].“ (13)

Um dies zu erreichen nennt Serraino drei „Strategien für ein architektonisches Gedächtnis“. Diese publizistischen Strategien und die Verbreitung der Architekturbilder entscheiden maßgeblich über die Bedeutung eines Gebäudes bzw. eine architektonischen Idee sowie der Ideen ihres Schöpfers über einen größeren Zeitraum und lokalen Rahmen hinaus. Provokant gesagt: Ein Gebäude ist nur so gut, wie seine Fotografie und ihre Verbreitung/ die Berichterstattung darüber.

Dank der stark visuellen Ausprägung unserer Wahrnehmung spielen die Fotografen damit eine nicht unerhebliche Rolle als Mittler zwischen Architekten und Redaktionen, entscheiden doch seine Aufnahmen letztlich über das „Gesicht“ des Baus.

Darüber hinaus gibt Serraino auch einen kurzen Abriss über die publizistische Szene in USA und insbesondere Kalifornien in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg, zur Blüte des International Styles. Er präsentiert die wichtigsten Zeitschriften und nennt ihre Funktion bei der Darstellung von Architektur. Neben den professionellen Fachmagazinen sind dies v. a. auch populäre Zeitschriften wie „LIFE“ oder die Sonntagsbeilage der „Los Angeles Times“, die „zu einem pädagogischen Instrument [wurde], das eine fachlich nicht vorgebildete Leserschaft systematisch dazu erzog, Konzepte modernen Wohnens zu akzeptieren und das Verständnis für seine gesellschaftliche Bedeutung zu erhöhen“ (11f.).

Zudem bespricht der Autor auch, wie die drei wichtigsten Kunst. und Architekturindices der USA – Avery Index, Architectural Index und Art Index – funktionieren.

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Modernism Rediscovered provides a selection of little known photographs by Julius Shulman, all taken from Shulman’s huge archive. Thus the publication actually offers the chance to rediscover a part of American and esp. Californian modernism.

The introductory essay by Pierluigi Serraino – indeed not a typical introduction to Shulman’s work, as you would expect to find in a monographic publication of this kind – offers an insight about how our “visual memory” works. Concentrated on a provoking sentence you might state: The more publicity, the more attention a building receives and the longer does it remain in public perception.

All texts are provide in English, German and French.