Julio Bittencourt at PHOTOQUAI 2009, Paris

29 08 2009

Brazilian photographer Julio Bittencourt is showing his “Prestes Maia 911” project as well as a new project “Citizen X” at the 2. PHOTOQUAI 2009, Paris, 22.09.-22.11.09.

PHOTOQUAI is a photo biennial initiated by the Musée du Quai Branly in 2007. This year will be shown 50 contemporary photographers from all over the world, including photographic talents hitherto unknown or little-known in Europe, in an exhibition on the embankment of the Seine. Their work is represented in the collections of the musée du quai Branly.

PHOTOQUAI announces as its fundamental mission to “highlight and make known artists whose work is previously exhibited and little known in Europe, to foster exchange and the exchanging of views on the world.”

A special focus is dedicated to Iranian photography:

165 Years of Iranian Photography”, an exhibit in the Musée du quai Branly which presents an overview of Iranian photography from the middle of the XIXth century until today: portraits from the Qajar era or images of the Shah Reza Pahlavi up until works by the most contemporary of major Iranian photographers. Artists or documentary makers, these photographers are currently working in Iran and abroad, and are making a contribution to their country’s artistic opening onto the world.

The artistic direction of the second PHOTOQUAI biennial has been entrusted to Anahita Ghabaian Etehadieh , an Iranian gallerist and founder of the Silk Road Gallery, a unique place in her country, specifically dedicated to
photography.

PHOTOQUAI is accompanied by contributing photo exhibition of the major Parisian cultural institutions.

During the biennial period, every Friday the musée du quai Branly will offer weekly “rendez-vous”, as a chance to meet and discuss with the photographers and associate curators from the main geographical areas.

For more information please read on:

www.photoquai.fr

www.juliobittencourt.com




What’s new…

29 08 2009

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und so langsam gibt es auch wieder mehr  zu berichten aus der Kunstszene.  Viele Leser werden sich vielleicht gewundert haben, dass es in den letzten Wochen sehr still war bei deconarch – das hat tatsächlich nur zum Teil mit dem Sommer zu tun:

deconarch läuft jetzt über eigene Domains:

deconarch.com und deconarch.de !

Die erfordert einige Umstellungsarbeit, die in den nächsten Wochen nach und nach durchgeführt wird – dies betrifft jedoch nur alte Artikel. Diese sind nach wie vor unter dem alten Link deconarch.wordpress.com erreichbar.

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Aber es hat sich noch mehr getan in den letzten Wochen:

So läuft bald eine Kooperation mit der AZ Architekturzeitung an, für die ich über die Berührungspunkte von Architektur und Kunst berichten werde. Tatsächlich ein Bereich, der in den Fachmagazinen stark vernachlässigt wird. Es lohnt sich also, in Zukunft auch bei AZ vorbeizusurfen!

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Außerdem steht bald ein neues Ausstellungsprojekt in Berlin ins Haus, das ich co-kuratiere: Consciences and Frontiers, eine internationale Gruppenausstellung in der Alten Post Neukölln (03.10.-24.10.09, Vernissage 02.10.09). Dort werden auch Arbeiten von Künstlern zu sehen sein, die ich auf deconarch vorgestellt habe (Junebum Park, Julio Bittencourt, Tuca Vieira, Soavina Ramaroson).

Auch für deconarch stehen einige interessante Themen an – so gibt es bald Interviews mit Philipp Geist und der Galerie M, neue Ausstellungsberichte,… – und eine Neuheit bei deconarch: Eine Rezension eines belletristischen Buchs, in dem eine Stadt die “Hauptrolle” spielen soll – nämlich L.A. -,  so die Eigenwerbung (James Frey, Strahlend schöner Morgen).

Freuen wir uns also auf den Herbst! :-)

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The summer holidays are slowly drawing to a close and step by step there’s happening more in the art scene to write about again. Many readers might have wondered how deconarch became so quiet during the last weeks – but this only partially due to the summer:

deconarch is now hosted by independent domains:

deconarch.com and deconarch.de !

Thus, there’s some work to do, “moving” all data and information to the new server, which I will adjust step by step during the upcoming weeks. However, this applies only to old articles, which are still available via the old link deconarch.wordpress.com.

But there’s been happening more these weeks:

Soon a cooperation with (German-written) architecture magazine AZ Architekturzeitung will start where I will report about the architecture and art.  Indeed a topic which is neglected by the  specific magazines.

Moreover an international group exhibition I am co-curating will open its doors: Consciences and Frontiers, Alte Post Neukölln (03.10.-24.10.09, Vernissage 02.10.09). There will also be shown works by artists introduced on deconarch (Junebum Park, Julio Bittencourt, Tuca Vieira, Soavina Ramaroson).

Yet, also on deconarch many interesting subjects are pending – among others interviews with Philipp Geist and Galerie M (Berlin), new exhibitions, … – and a novelty on deconarch: A review of a fiction book “starring a city – L.A.- according to the self-description (James Frey, Bright shiny morning).





Exhibition Broken Vision in Mannheim: Imagin(in)g Reality

15 08 2009

Ist das, was wir sehen, real? Welche Bilder zeigen die Wirklichkeit? Was ist real? Diesen Fragen spüren 13 zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und Japan in der Ausstellung „Broken Vision“ im Mannheimer Kunstverein (12. Juli – 13. September 2009) nach. In ihrem Werk nähern sie sich der Abbildung von Realität an und setzen sich mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen und Medien mit der Thematik auseinander. Und werfen dabei mehr Fragen auf, als sie beantworten.

How real is what we see? Which images show reality? What is real? 13 contemporary artists from Germany, Belgium and Japan are tracing these questions in the exhibition “Broken Vision” in Mannheim, Germany. They all deal with questions about imaging reality using different artistic mediums and technics. One important subject area thematizes structuring of habitats and the difficulties to locate oneself in a globalized world.

Philipp Weber

Philipp Weber: Die Jagd – Nora, Kady und Ulrike, 2005, Öl auf Leinwand, 200 x 280 cm, courtesy Galerie Gering, Frankfurt/M.

Überall wird gephotoshopt, digital korrigiert, nachbearbeitet,… Dass wir Bildern in der herrschenden Bilderflut nicht mehr alles glauben dürfen, was wir darauf sehen, ist schon fast zum Gemeinplatz geworden. Im Web-Zeitalter ist auch der Wirklichkeitsbegriff dynamisch und flexibel geworden. Realism 2.0 – echt ist, was der Computer „ausspukt“?

Mit der Thematik der Wirklichkeitsabbildung und den vielfältigen Möglichkeiten und Lösungen dafür, die ein Blick in die Kunstgeschichte offenbart, habe ich mich in Realism 2.0: Wie real ist die Wirklichkeit? auf Art and Events näher befasst. Dort wird auch ein Blick auf die Fotografie geworfen, die den Anspruch auf die uneingeschränkte Abbildung der Realität erhebt, der jedoch bei genauerer Betrachtung nicht so eindeutig zutrifft, wie es oft dargestellt wird.

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Auch die in Mannheim gezeigten Künstler Michael Bach, Beate Bilkenroth, Felix Burger, Eckart Hahn, Christian Hellmich, Ives Maes, Lisa Schairer/Grete Turtur, Josef Schulz, Koshi Takagi, Andreas Wachter, Philipp Weber und Maik Wolf spüren in ihren Arbeiten konstruierten Wirklichkeiten nach – nicht real, aber immer plausibel.

Ein  großer Themenschwerpunkt kreist um die Strukturierung von Lebensräumen und die Schwierigkeiten, sich in einer globalisierten Welt zu verorten, die sich immer mehr angleicht. Dabei beschäftigen sich mehrere Künstler auf unterschiedliche Weise mit Architektur.

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm Copyright: Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm © Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz fotografiert Industriehallen, wie sie auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Am Computer werden seine analogen Aufnahmen nachbearbeitet, alle konkreten Hinweise wie Ortsbezüge, Verweise auf Funktion, Zeit und Größe – kurz alles was einordnenbar macht – entfernt. Die so nur auf Farbe, Fläche und Form reduzierten Zweckbauten gleichen minimalistischen Skulpturen und entfalten in intensiven, kräftigen Farben eine von der Realität abstrahierte Ästhetik, die klassische Züge annimmt:  Die Bauten werden “Tempelartig” präsentiert mit einem tiefen Horizont und in einer Proportionierung, die dem Goldenen Schnitt entspricht.

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Auch in den Gemälden von Beate Bilkenroth, Maik Wolf, Christian Hellmich und Michael Bach werden alltägliche Raumerfahrungen künstlerisch verarbeitet. Beate Bilkenroth etwa zeigt serielle Wohnbauten, typische „Menschenorte“ jedoch ohne Protagonisten: Wohnen im funktionellen Planquadrat.

Michael Bach malt ebenfalls alltägliche Räume, typische, aber unspektakuläre Großstadt-“Ansichten“ – etwa eine Londoner Ubahn-Station. Eine vertraute Umgebung, mit technischen Elementen, Rolltreppen, Lochblechen, künstlichem Licht – aber Menschenleere, wo sonst Hektik herrscht. Durch die meist sehr großen Formate wirken diese Bilder fremd und entfalten Unbehagen.

Christian Hellmich

Christian Hellmich: Pavillon 2008 Öl auf Leinwand 204 x 150 cm courtesy Tanja Pol Galerie, München und Galerie Lehmann Maupin, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Christian Hellmich (*1977) hingegen  abstrahiert auf andere Weise: Er malt eigenartige „Architekturen“, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Zwar werden eindeutige architektonische Elemente eingesetzt, die jedoch keine Bauten formen -  jedenfalls keine Bauten, wie wir es gewohnt sind. Hier fehlt die klare Einteilung in Innen und Außen. Es gibt Berührungspunkte mit dem, was wir kennen, nicht mehr. Möglichkeitsebenen überlagern sich, Illusionsräume entstehen.

Auch Maik Wolf (*1964) konstruiert aus Bilder-Fundstücken, wie sie in den Massenmedien zuhauf begegnen, Landschaften und Wohnsiedlungen. Dadurch ähneln seine Kompositionen den Bildern, die einem tagtäglich begegnen – wo haben wir welche Abbildung zuletzt gesehen? TV, Internet, Print? Wolf reagiert damit auf ein Phänomen unserer Zeit – die Städte weltweit gleichen sich immer mehr an, die Bilder werden immer ähnlicher: visuelle Globalisierung.

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Amy von Milo

Andreas Wachter: Amy, 2008, Terrakotta 90 x 40 x 40 cm, Leihgeber Sammlung Hofmann Karlsruhe, courtesy GALERIE Supper, Karlsruhe

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Ein anderer Themenkomplex der Ausstellung befasst sich mit gängigen Konstruktionen von Weiblichkeit und den Geschlechterrollen-Klischees, die nach wie vor vorherrschen. Andreas Wachter etwa zeigt eine „Amy von Milo“: Die skandalträchtige Popikone Amy Winehouse wird in der Pose der antiken Venus von Milo inszeniert. Unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an das Bild einer Frau werden überlagert. Was ist archaisch, was modern?

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Informationen aus dem Katalog von “Broken Vision”, Mannheimer Kunstverein

© Abb. die Künstler, KV Mannheim, VG-Bildkunst




Von Amts wegen in Saarbrücken: Photography by Benedikt Steinmetz

7 08 2009

Trotz der Allgegenwart der Politik in den Medien – Stichwort Wahljahr – begegnet der Bürger dem Staat nur in einer virtuell-fiktiven Form. Den konkreten Kontakt mit der Staatsmacht erfährt er über Ämter, Behörden, Verwaltungen, die nicht nur das architektonische Bild der Städte prägen, sondern auch das “Gesicht” des Staats in der öffentlichen Wahrnehmung.

In seiner Arbeit “Von Amts wegen“, die zur Zeit in der Saarbrücker Architektenkammer zu sehen ist, spürt Benedikt Steinmetz dieser Präsenz der Politik in seiner Heimatstadt Saarbrücken nach – durchaus mit einer Prise Humor, wie der Titel verrät.

Even though politics are omnipresent in the media – in Germany it’s election year – citizens encounter state only in a virtual way. Actual contact with state power one has via offices, agencies, administrations which not only coin the architectural “face” of cities, but also influence the “face” of state in the everyday life.

Benedikt Steinmetz focuses this topic in his project “Von Amts wegen“, presently shown in Saarbrücken, Germany. He traces the presence of politics and state in his hometown Saarbrücken – not lacking a certain humour, as the title reveals: “Von Amts wegen” is a German idiom, literally “officially”/”on account of office”, yet often used in a satirical-critical context.

Ordnungsamt © Benedikt Steinmetz

Ordnungsamt © Benedikt Steinmetz

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Von Amts wegen

Benedikt Steinmetz
Fotografien in Schwarz- Weiss

Haus der Architekten, Saarbrücken
30. Juli – 24. August 2009

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Wie präsentiert sich aber der Staat im täglichen Leben? Im Alltag des Bürgers, im Erscheinungsbild seiner Stadt, in seinem Lebensraum? Sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Architektur dem Zufall oder der Funktion geschuldet? Kann die Architektur dem Betrachter etwas über das Selbstverständnis des Staates sagen, der hinter diesen Fassaden waltet?

Ministerium für Umwelt © Benedikt Steinmetz

Ministerium für Umwelt © Benedikt Steinmetz

Diesen Fragen spürt der Fotograf Benedikt Steinmetz (*1961) aus Saarbrücken in seiner Arbeit “Von Amts wegen” nach. Tatsächlich kommt der Bürger, wenn er im täglichen Leben mit “der Politik” zu tun hat – und dies ist im Wahljahr 2009 und der allgegenwart des Themas in den Medien nicht wenig – nicht mit der Fiktion des Staates in Berührung. Kontakt hat man mit der Staatsmacht in Form von Amtsstuben, Behörden oder Verwaltungen, die “Rückseite der Macht”. Sie ist es auch, die umgekehrt das Bild des Staates in den Augen der Bürger bestimmt

In der Ausstellung in der saarländischen Architektenkammer werden Aufnahmen von verschiedenen über die Stadt Saarbrücken verteilten Behörden und Verwaltungen einander gegenübergestellt. Der Betrachter kann Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Fassaden erkunden und  eigenen Antworten auf diese Fragen finden. Zum Konzept gehört auch die Lage des Ausstellungsortes im Haus der Architekten. Durch die Nähe zu den dargestellten Gebäuden schließt die Ausstellung eine Aufforderung an den Betrachter ein, die Sichtweise des Fotografen mit eigenen Augen in der Wirklichkeit zu überprüfen.

Darüber hinaus legt der “Von Amts wegen” nahe, dass sich Steinmetz auch für skurrile und humorvolle Aspekte interessiert. Nicht statische, konventionelle Architekturfotografie ist sein Ziel, sondern der Blick für das Besondere, für überraschende Details sowie dynamische Elemente und scheinbar Zufälliges, das in die Bilder mit aufgenommen wird. In Steinmetz’ Arbeiten treffen Hintersinn und Humor in der Bildgestaltung mit der Strenge der Architektur zusammen.

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Jugendamt © Benedikt Steinmetz

Jugendamt © Benedikt Steinmetz

Benedikt Steinmetz (*1961) befasst sich mit dem urbanen Raum und dem Leben darin als einer Umgebung, in der man sich ständig bewegt, ohne sie – gewöhnlich – selbst mitgestaltet zu haben. Oberflächlich betrachtet erscheint diese gebaute Umwelt sehr verschiedenartig und abwechslungsreich, im Kern jedoch folgt sie immer gleichen Regeln wie dem rechten Winkel, der Mathematik, der Statik…

Neben diese gebaute Umwelt tritt ein unsichtbares, nicht fassbares Umfeld, das das menschliche Zusammenseins regelt: Gesetze, Konventionen, Rollen, soziale Verhaltensregeln, EU-Richtlinien…

“Zwischen den sichtbaren Strukturen unserer Umwelt und den scheinbar unsichtbaren Regeln entwickelt sich unsere Lebendigkeit.

Lebendigkeit im formalen Raum – das Spannungsfeld meiner Arbeiten.” B. Steinmetz

Seit 2005 setzt Steinmetz kontinuierlich fotografische Projekte um.