Baltha Rauminstallation von Rolf Wicker in der Galerie M Berlin

28 11 2009

In der Galerie M in Berlin-Marzahn/Hellersdorf ist über den Jahreswechsel eine Rauminstallation von Rolf Wicker zu sehen:

Over the turn of the years, Berlin Galerie M presents an all-space installation by Rolf Wicker. The artist developed the scuplture in close connection to the on site situation thus making the gallery an basic part of the installation.

More info and images here.

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Ansicht vom Ausstellungsaufbau © Galerie M

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„Baltha“

Rauminstallation von Rolf Wicker

Ausstellung vom 27.11.2009 – 15.1.2010

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PR-Text: Basierend auf realen historischen Architekturformen entwickelte Rolf Wicker für die Galerie M eine einzigartige Skulptur raumfüllenden Ausmaßes. Der Galerieraum als formale Basis stellt sich als architektonische Gegenform der künstlerischen Gestaltung dar und wird zum Bestandteil der Arbeit.

Die Raumskulptur wurde von Rolf Wicker exakt auf den Galerieraum zugeschnitten, aus unzähligen Platten und anderen Baumaterialien entwirft er ein höchst ästhetisches Objekt an der visuellen Schnittstelle zwischen funktionsorientierter Architektur und zeitgenössischer Skulptur. Ab dem 22.11.09 haben Besucher täglich die Möglichkeit, den Entstehungsprozess dieser beeindruckenden künstlerischen Gestaltung mitzuerleben

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Ansicht vom Ausstellungsaufbau © Galerie M

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Rolf Wicker

Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Steinmetz/Steinbildhauer in Ravensburg studierte Rolf Wicker ab 1990 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, ab 1993 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB). 1996 war er Meisterschüler von Prof. Berndt Wilde, 1998 folgte ein Arbeitsaufenthalt in New York. Wicker erhielt zahlreiche Kunstpreise und Stipendien.

Er arbeitet als freier Bildhauer und ist Gastdozent für das Fach Künstlerische Grundlagen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

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Island in Progress: Mallorca changing photographed by Marc Räder

13 11 2009

Der Deutschen liebstes Urlaubsziel ist und bleibt Mallorca. Die Insel, liebevoll “Malle” genannt, hat nicht nur, was das Party-Macher-(Massentouri-)Herz begehrt, sondern auch eine überwältigende landschaftliche Schönheit. Nicht erst seit Wetten dass…? regelmäßig eine Sommersendung dort aufzeichnet, ist die Insel so was wie der südlichste Ausläufer Deutschlands geworden, so hat es zumindest manchmal den Anschein. Ob Dieter B. oder Boris B., eine mallorquinische Finca gehört zum guten Ton (auch wenn der Umbau nicht immer ganz problemlos verläuft…).

Ein solcher “Touri-Run” (übrigens nicht ausschließlich durch die Deutschen, so viel sei fairerweise angemerkt) hinterlässt jedoch seine Spuren und verändert das Gesicht der Insel nachhaltig. Der Fotograf Marc Räder hat über vier Jahre hinweg die Veränderungen durch den Tourismus dokumentiert und dafür eine besondere Bildersprache entwickelt.

Spanish island Mallorca is (one of) the most popular touristic locations for Germans. Infamous as party hotspot (for mass tourism), but also renowned for its beautiful landscape, Mallorca – in German party slang also called “Malle” – the island remains a touristic “in” site. Yet such touristic fervor leaves marks, the island’s “face” is changing constantly. The German photographer Marc Räder has documented these changes, especially apparent in architectural developments, for 4 years, using a particularly caputring picture language: playing with photographic blur, the images appear to show “toy” landscapes, landscapes that are “played with”.


Dam Gorg Blau, 2001 c-print, aludibond, plexi, framed 75 x 93 cm, ed 6 108 x 138 cm, ed. 4

Marc Räder, Dam Gorg Blau, 2001 c-print, aludibond, plexi, framed 75 x 93 cm, ed 6 108 x 138 cm, ed. 4 © M. Räder

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Marc Räder

Mallorca – Island in Progress

14. November 2009 – 9. Januar 2010

TZR Galerie Kai Brückner, Düsseldorf

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Marc Räder dokumentierte die Veränderungen der deutschen Lieblingsurslaubsinsel durch den Tourismus von 1998 bis 2001. Besonders deutlich zum Ausdruck kommt diese in der Architektur, in Hotels, Siedlungen, Golfclubs, aber auch Wirtschaftswege durch abgelegene Schluchten. Die Veränderungen haben einen intensiven Wandel von Landschaft und Orten der spanischen Insel zu Folge.

Busstop, 2000 c-print, aludibond, plexi, framed 45 x 55 cm, ed. 8

Marc Räder, Busstop, 2000 c-print, aludibond, plexi, framed 45 x 55 cm, ed. 8 © M. Räder

Aus dem PR-Text: Um der fortschreitenden Kultivierung der urtümlichen Natur und Lebensweisen Mallorcas Ausdruck zu verleihen, lassen [Räders] Bilder den Eindruck einer Spielzeug-Landschaft entstehen. [...] Strandbar, Pool oder Schlucht, von oben gesehen, wirken wie Miniaturen und versetzen den Betrachter in die Position eines Beobachters. Ein Schwimmbad in unmittelbarer Nähe zum Meer, Sonnenschirme in Reih und Glied und der verwahrloste Rohbau einer zum Verkauf stehenden Mini-Finka offenbaren sich als absurde Inszenierung eines Tourismus, bei dem die Reisenden schönste Landstriche aufsuchen, um eben dort, in Abgrenzung zur lokalen Natur und Kultur, dem Pauschaltourismus als Selbstzweck zu frönen.

Räders Kommentar zur typisch mallorkinischen Urlaubskultur findet seinen nuancierten Ausdruck mittels einer besonderen Schärfe/Unschärfe-Regie, die der Künstler ebenfalls in den Arbeiten der Gruppe ‘Scanscape’ erstmals in der Kunst erprobte.

Bilder der Serie Scanscape sind bereits in der Sammlung MoMA New York, sein Folgeprojekt Mallorca – Island in Progress wurde 2007 als Buch im Nazraeli Verlag veröffentlicht (besprochen in der FAZ vom 14. Februar 2008).

Informationen + Abb. TRZ Galerie und Marc Räder




Buchpräsentation: HDA Graz in der Berliner Fachbuchhandlung Pro qm

8 11 2009

Für alle Berliner und Berlin-Besucher: Am 13.11.2009 wird das HDA Graz sein neues Jahrbuch “Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark” in der thematischen Buchhandlung Pro qm, Berlin vorstellen.

Über das Jahrbuch werde ich noch genauer berichten.

For all Berlin residents and travellers: On 13.11.2009 the HDA Graz (House of Architecture) will present its new yearbook in Berlin, at the specialized bookshop Pro qm.

More info in English are provided on the website of HDA Graz.

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“Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark. Architektur Graz Steiermark Jahrbuch 2008/2009″
Mit Fotografien von Livia Corona.

Preis: 39,90 €

Verlag Haus der Architektur Graz
Herausgeber: Ilka und Andreas Ruby
Text: deutsch/englisch
332 Seiten mit 111 farbigen, ganzseitigen Abbildungen und 45 Grundrissen, Schnitten und Ansichten
Format: 24×31 cm, Broschur
Projektleitung: Markus Bogensberger, Heinz Rosmann, Fabian Wallmüller
Projektkoordination: Tanja Gurke
Erscheinungstermin: Oktober 2009
ISBN 978-3-901174-71-1

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Buchpräsentation am 13.11.2009 um 20:30h in der Buchhandlung Pro qm Berlin.

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In der vierten Ausgabe des Jahrbuches des Haus der Architektur Graz zeichnet der Berliner Architekturkritiker Andreas Ruby für die Auswahl der veröffentlichten Bauten verantwortlich. Die fotografische Dokumentation der Gebäude und ihrer Bewohner durch die New Yorker Fotokünstlerin Livia Corona sowie Interviews mit Nutzern, Architekten und Auftraggebern garantieren einen subjektiven und pointierten Blick auf das aktuelle Baugeschehen in der Steiermark. Die Darstellung zeitgenössischer Bauten auf den Ebenen Architekturkritik und Fotokunst verleiht dem Buch Komplexität und Vielschichtigkeit.

Gemeinsam mit dem Mitherausgeber des Architecture in the Netherlands Yearbook Roemer van Toorn, werden Markus Bogensberger und Heinz Rosmann (Haus der Architektur Graz) mit Ilka und Andreas Ruby (Herausgeber) über Publikationsstrategien zeitgenössischer Architektur sprechen.

Mehr Infos

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Pro qm ist eine thematische Buchhandlung zu Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst & Theorie in Berlin. 1999 gegründet befindet sich Pro qm seit 2007 in Räumlcihkeiten in der Almstadtstraße nahe des Rosa-Luxemburg-Platzes. Die Buchhandlung hat sich international etabliert als Fachbuchhandlung und Veranstaltungsort für interdisziplinäre Debatten um Stadt, Architekturtheorie und künstlerische Praxis.

Die Gestlatung den neuen Räumlichkeiten organisiert den Raum weniger als optimierte Verkaufsfläche, sondern als offenes räumliches Potential für Diskussionen und Bewegungen und wurde konzipiert vom Architekturbüro ifau und Jesko Fezer.

Infos + Bilder Pro qm




Sketches of Urbanity: Loic Bréard in Hamburg, Petra Karadimas in Berlin

6 11 2009

Die Fotografen Loic Bréard und Petra Karadimas setzen sich auf jeweils eigene Weise mit der gebauten Umwelt auseinander. Während Bréard in ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen “urbane Skizzen” eingefangen hat, konzentriert sich Karadimas auf städtische Nebenschauplätze wie Baustellen und Brachen. Durch gezielte Retusche gelingt es ihr, die Wahrnehmung solcher Szenerien zu hinterfragen.

The photographers Loic Bréard and Petra Karadimas react on their surroundings in their very own way. While Bréard captured “urban sketches” in his b/w shots, Karadimas focusses on urban side sceneries like constructions sites and waste land. Using retouching she questions the perceptions of such locations.

Urban Sketches # 29, 2008

Loic Bréard, Urban Sketches #29, 2008 © L. Bréard

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Loïc Bréard

Urban Sketches, 1999 – 2009

Galerie Hilaneh von Kories, Hamburg
16. Oktober – 18. Dezember 2009

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Gezeigt wird eine Auswahl von rund 50 hochwertigen Schwarzweiß-Bildern von Loïc Bréard, für den das Leben der Menschen, ihr Gestaltungswille, die Formen der Architektur zusammengehört. In der Komposition vollendet zeigen sie, mit viel Sinn für Dramaturgie, Ansichten unserer gebauten Umwelt: Architekturdetails, serielle Strukturen, Fassaden.

Urban Sketches # 7, 2008

Loic Bréard, Urban Sketches #7, 2008 © L. Bréard

Aus dem PR-Text (v. Marc Peschke): Immer wieder sind es Spiegelungen, die Bréard begeistern. [...] Doch Spiegelungen, Verzerrungen und Dopplungen – sein Hang zum Experimentellen – können nicht verbergen: Bréards fotografischem Werk wohnt stets ein klassisch-eleganter, aber auch technisch vollendeter Zug inne. Er fotografiert ausschließlich analog und ausschließlich in Schwarzweiß – weil Schwarzweiß, wie der Fotograf einmal gesagt hat, “in völlig unnachahmlicher Weise das Sein hinter dem Schein, die Emotion hinter der menschlichen Fassade hervortreten lässt”.

Und das ist es wohl, was uns an diesen Fotografien so fasziniert: die Tiefe in den Bildern. Die Tiefe der Kompositionen, der Schatten, doch auch die Tiefe in einem philosophischen und psychologischen Sinn: Die Kamera durchleuchtet das Leben der Menschen, sie beschreibt die Lebensweise in den großen Städten, skizziert die Anforderungen, welche an jene gestellt werden, die hier leben und arbeiten. [...] Architektur ist in diesen Bildern nicht nur gebauter Raum, ist nicht nur Ordnung und Detail. Sie wird – und das zeichnet Bréards Meisterschaft aus – zur Metapher des Lebens selbst.

[...] Menschen sind im urban verdichteten Raum paradoxerweise fehl am Platz – nie zeigt er sie. Und dennoch sind sie immer anwesend.

Infos + Abb. Galerie Hilaneh von Kories, Loic Bréard

Webseite Loic Bréard.

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'Galeria', 2008, C-Print, 75 x 105cm

Petra Karadimas, Galeria, 2008, C-Print, 75 x 105cm © P. Karadimas

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Petra Karadimas

31. Oktober bis 5. Dezember 2009

berg19 raum für fotografie, Berlin

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berg19 Raum für Fotografie in Berlin Mitte bietet ein Forum für innovative und grenzüberschreitende Ansätze in der fotografischen Praxis und Präsentation.

Aus dem PR-Text: “Die Arbeiten von Petra Karadimas (*1967) befassen sich mit Situationen, die auf Nebenschauplätzen stattfinden – Baustellen, Brachen, Grünanlagen. Wirken die Bilder anfänglich noch alltäglich und banal, treten bei näherer Betrachtung erste Unstimmigkeiten ans Licht.

'grün', 2009, C-Print, 66 x 99cm

Petra Karadimas, grün, 2009, C-Print, 66 x 99cm © P. Karadimas

Ausgangspunkt von Karadimas’ Arbeiten sind eigene Fotografien, die sie in einem intensiven Arbeitsprozess digital retuschiert. Jedes Bildelement wird quasi einer Transformation unterzogen. Aufgrund der aufwendigen Arbeitsweise entstehen nur etwa 4-6 Arbeiten pro Jahr. Die digitale Bearbeitung resultiert in einer eigenartigen Bildmaterialität, die zugleich malerisch und künstlich wirkt. Die fotografische Körnung weicht einem ‘digitalen Pinselstrich’, der zwar virtuell vorhanden ist, jedoch nicht in Form von tastbarer, greifbarer Textur.”

Wird die Retusche in der Werbung v.a. zur Optimierung und Idealisierung eingesetzt, geschieht hier etwas anderes: Schon die ausgewählten Motive entsprehcen nicht dem gängigen Ideal von Schönheit und Perfektion.  Durch die Nachbearbeitung wird hier nicht korrigiert, sondern sie wird eingesetzt, um Bilder prinzipiell in Frage zu stellen:

'Jalousie', 2009, C-Print, 29 x 44cm

Petra Karadimas, Jalousie, 2009, C-Print, 29 x 44cm © P. Karadimas

Aus dem PR-Text: “Eine Fotografie entsteht im Bruchteil einer Sekunde. Die digitale Bearbeitung hingegen dauert unzählige Stunden. Die Bearbeitung verwischt die fotografische Spur, lässt aber an deren Stelle unvermittelt etwas anderes treten. Die Retusche wird selbst zum künstlerischen Stil, zu einer Handschrift, die aber tatsächlich keine ist. Es ist dieser ambivalente Arbeitsprozess, der den Bezug zwischen Bild und Wirklichkeit in den Vordergrund treten lässt und letztlich aufsprengt. Die Rahmenbedingungen für Wahrnehmung beginnen sich zu verschieben. Die prinzipielle Authentizität fotografischer Realitätsbezeugung wird genauso hinterfragt wie der subjektive Ausdruck, den man sich von Malerei erwartet.”

Infos + Abb. berg19 raum für fotografie und Petra Karadimas

Webseite Petra Karadimas





Ein Roman über die „Stadt der Engel“ und den unkaputtbaren American Dream James Frey: Strahlend schöner Morgen

1 11 2009

Wie soll man sich einen Roman vorstellen, dessen heimliche Hauptrolle eine Stadt besetzt? Beschreibungen von Stadtvierteln, Gebäuden, Verkehrsnetzen? Was macht eine Stadt aus?

deconarch startet eine Themenfeld, in dem in unregelmäßigen Abständen über Literatur berichtet wird, die Architektur und Urbanismus zum Thema hat. Den Auftakt macht James Freys Roman “Strahlend schöner Morgen” (Bright shiny morning) über die Megacity Los Angeles.

What is a novel like whose protagonist is a city? A collection of descriptions of quarters, buildings, transport systems? What is the core of a city?

deconarch is starting a new topic line about literature dealing with architecture and urbanism at irregular intervals. It kicks off with James Frey’s “Bright shiny morning” staging the megapolis Los Angeles.

(A short Engl. summary to follow.)


Cover James Frey

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James Frey: Strahlend schöner Morgen. Ullstein. 592 Seiten.

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»Er hat ein großes Buch geschrieben. Über eine Stadt. Über Los Angeles.« (New York Times) Und: »Leidenschaftliche Hommage an Los Angeles … James Frey erzählt nicht die Geschichte einer Stadt, er erzählt ihren Mythos.« (Der Tagesspiegel, 09.08.09, Wiebke Porombka)

Was Joyce für Dublin, Dos Passos für New York oder Durrell für Alexandria gelungen sei, das habe Frey für die „Stadt der Engel“, (schreibt jedenfalls die The Washington Post), denn L.A. spiele die eigentliche Hauptrolle von James Freys „Strahlend schöner Morgen“.

So und ähnlich lauten Beschreibungen des fast 600 Seiten starken Buches. Kritikerstimmen überschlagen sich von beeindruckt bis begeistert und das Buch wurde bereits vor offiziellem Erscheinen in Deutschland hochgelobt. Der Einband verspricht einen – ja eigentlich den – amerikanischen Gegenwartsroman über die Megacity L.A. Was ist dran an diesen Kommentaren? Kann eine Stadt die Hauptrolle eines Buches, dazu eines Romans besetzen?

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„Strahlend schöner Morgen“ ist mit Sicherheit kein gewöhnlicher Roman. Schon optisch fällt auf, was denn auch für Stil Freys und den Handlungsverlauf des Buches charakteristisch ist: Der Text ist nicht im Blocksatz gedruckt, sondern in „ausgefransten“ Sätzen, die Seiten wirken dadurch sehr bewegt und unruhig. Unruhig und bewegt ist auch der Inhalt von „Strahlend schöner Morgen“. Frey nimmt in seiner Schreibweise und in der Art, seine Kapitel anzuordnen, ein Charakteristikum von L.A. auf: Die Stadt ist ein Konglomerat aus zahlreichen Vierteln und Orten, die sich ohne Zentrum aneinanderfügen (erst in den letzten Jahren gibt es entsprechende urbanistische Bestrebungen, dieses Fehlen zu beheben).

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Frey gibt Los Angeles Gesichter. In zahlreichen Episoden erzählt er die Lebenswege von Menschen, die die Hoffnung auf ein besseres Leben in die Stadt der Engel geführt hat. Er reiht – mehr oder weniger ausführlich – Abrisse unterschiedlichster menschlicher Schicksale aneinander von Menschen ganz oben oder ganz unten oder irgendwo in der Mitte der gesellschaftlichen Hierarchie, deren Wünsche und Träume meist nicht oder anders als erwartet erfüllt werden – sei es die Hoffnung auf eine Karriere als Sportler, auf ein erfolgreiches Studium, auf ein Haus am Strand, auf ein Leben in Wohlstand oder immer wieder auf den Aufstieg im Film- und Musikbusiness. Manche dieser Lebensläufe werden nur kurz angerissen, andere kehren häufiger wieder.

Es wird schnell klar, dass der Morgen in L.A. nicht so strahlend schön ist, wie es den Anschein haben mag, und dass häufig kaum mehr diese Qualität erfüllt, als das Wetter selbst (L.A. hat rund 300 Sonnentage im Jahr).

L.A. begegnet als Moloch mit unendlich vielen Facetten. Die fiktiven Geschichten zeichnen ein fesselndes, ein grelles, trauriges, auch düsteres Bild der Megacity. Sie zeigen nicht die glamouröse Stadt, die die Filmfabrik Hollywood zu sein scheint, sondern den Blick hinter die Kulissen des Molochs L.A., in dem (meist) gescheiterte Existenzen um das Überleben ihres American Dream kämpfen.

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Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es vor allem vier Geschichten sind, die dem Leser immer wieder begegnen. Da sind das Teenagerpaar Maddie und Dylan, die ihr tristes Leben in Ohio verlassen haben und sich an der Westküste eine Zukunft aufbauen wollen, und der Filmstar Amberton, der alles hat, Geld, Aussehen, Familie, der aber seine Homosexualität geheim hält. Da sind der obdachlose Old Man Joe, der aus seinem vom Alkohol bestimmten Leben heraustritt, als er beginnt, einem drogensüchtiges Mädchen zu helfen, und die junge Mexikanerin Esperanza, die als Haushaltshilfe einer tyrannischen Lady arbeitet, um sich das College zu finanzieren, und sich in den Sohn der Arbeitgeberin verliebt.

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Am Ende ist alles offen. Die Geschichten und Handlungsstränge werden – überraschenderweise – nicht inhaltlich zusammengeführt, kein auktorialer Eingriff löst die aufgebaute Spannung oder gibt Informationen auf den Ausgang der Geschichten. Einzig dass die vier zentralen Schicksal in einem letzten Kapitel nacheinander aufgeführt werden und, ist alles, was an Zusammenführung möglich ist.

Die Grundstimmung ist eher wenig einladend und sehr kritisch gegenüber dem American Dream, der sich mit der kalifornischen Westküste verknüpft ist, wie mit kaum einem anderen Staat der USA. Die Geschichten haben immer etwas Düsteres, Bedrohliches, als ob das Glück nur von kurzer Dauer sein darf.

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Fakten, Fakten, Fakten…

Den romanhaften Kapiteln stehen kurze Erläuterungen zur Stadtentwicklung Los Angeles von der Siedlungsgründung im späten 18. Jahrhundert bis zur Metropole der Gegenwart gegenüber. Sie vermitteln sehr knapp die wichtigsten Fakten in der Stadtentwicklung und geben ein Bild über zentrale Ereignisse in der Entstehung L.A.s. Dabei werden nicht nur urbanistische, sondern auch (sozial-)politische Punkte aufgeführt, sondern auch Aspekte wie die Eingemeindung verschiedener Gebiete, die Entwicklung der Wasserversorgung und die Entstehung öffentlicher Einrichtungen in wenigen Worten umrissen sowie immer wieder kritische Aspekte wie die (für Europäer befremdliche) Waffen-Gesetzgebung und die Dominanz der Öl-Lobbies, die etwa den Ausbau des ÖPNV-Netzes verhindert, gestreift.

Dazu werden auch im Text selbst vermehrt Kapitel eingeschoben, die ebenfalls faktische Informationen geben zu zentralen Themen von L.A. und die in ihrer umfangreichen Auflistung etwas von einer Fleißarbeit haben. Dies ist sehr informativ, allerdings streckenweise auch anstrengend zu lesen. Aufgeführt werden etwa immer wieder die Gewalt der Stadt, Banden und Gangs sowie die unterschiedlichen Rassen und der überall präsente Rassismus. Daneben sind die Beschreibungen der unterschiedlichen Stadtviertel und ihrer Geschichte(n) von Chinatown über Beverly Hills bis Hollywood interessant. Auch das Straßennetz und die Bedeutung des Automobils wird ausführlich kommentiert (L.A. als die „horizontale“ Autostadt) – einprägsam ist etwa das Schicksal einer New Yorker Galeristin, die in L.A. von einem Bus überfahren wird:

Da dort kein Mensch zu Fuß geht, hat der Busfahrer schlicht nicht damit gerechnet, dass jemand die Straße zu Fuß überqueren würde. ((Die Geschichte ist wohl vor allem für die mit Gehwegen verwöhnten Europäer bemerkenswert und erfüllt sicherlich auch einige klischeehafte – allerdings eben gerade nicht unbegründete – Vorurteile.))

Eingestreut werden auch „lustige Fakten“, die bei Frey jedoch sehr zynisch anmuten (aber durchaus unterhaltsam zu lesen sind).

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„Strahlend schöner Morgen“ ist kein typischer Roman, aber ein starkes Buch über das zeitgenössische Amerika. Es ist kein schönes, einladendes Bild, das Frey zeichnet. Er stellt die Stadt L.A. vor und verleiht ihr eindrucksvoll Profil, indem er ihr nicht ein, sondern gleich 100te Gesichter gibt. Das ist interessant und streckenweise auch spannend zu lesen, kann aber auch ermüden – Frey neigt zu Aufzählungen und gehäuftem Einsatz von Trikola. Da ich das Buch aber auf Deutsch gelesen habe, bewerte ich die Sprache weniger. Die Übersetzung zumindest ist gelungen!

Freys sehr kritische, skeptische Grundhaltung macht den Roman zudem zu einer nicht ganz einfachen Lektüre. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird von James Freys Roman über die Metropolis L.A. beeindruckt sein.


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Noch ein paar abschließende Worte zum Autor: Frey stammt aus dem Nordosten der USA (Ohio und Michigan) und hat ab 1996 als Drehbuchschreiber und Filmschaffender in Los Angeles gelebt. Heute lebt er mit seiner Familie in New York City. Mit dem vorgeblich autobiografischen Roman A Million Little Pieces (dt: Tausend kleine Scherben), der 2003 erschien, gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller. Um die angeblichen autobiografischen Details, die sich weitgehend als erfunden herausstellten, entwickelte sich eine große Kontroverse, mehr dazu umreißt etwa das allzeit informierte Wikipedia.