STROKE.02: First art fair for urban and new contemporary art in Munich

27 04 2010

Letztes Jahr im Oktober verwandelte die erste Messe STROKE.01 München in die Landeshauptstadt der Urban Art und Contemporary Art – ein großer Erfolg für die erste Ausgabe der neuen Messe, der ersten weltweit für diese Kunst. Die zweite Ausgabe findet schon Ende Mai 2010 statt und die Macher versprechen einiges Neuerungen, um noch einen draufzusetzen und die STROKE.02 noch kreativer und abwechslungsreicher zu machen.

In October 2009, the first edition of the art fair STROKE.01 turned Munich into the capital of Urban and Contemporary Art – a great success for the new event, actually the first fair focussing on this art movement. The second fair is taking place in the end of May 2010 already, and the organizers promise to top last year’s event and make STROKE.02 even more creative and lively. (Following below is STROKE.02′s German press release. Please check out their bilingual website for information in English.)


STROKE.02

Die weltweit erste Messe für Urban Art und New Contemporary Art

27. – 30.Mai 2010

München

PR-Text: Auf 10.000 Quadratmetern präsentieren die Top-Galerien der Szene Ihre Künstler und schaffen somit ein abwechslungsreiches Ensemble der „Urban Art“. Unter den Galerien befinden sich Größen wie die Intoxicated Demons aus Berlin, Honeycumb aus New York, Laura McNamara aus Birmingham, United No Art Collection aus Mailand und xhoch4 aus München.

Außerdem werden bekannte Künstler wie Claudio Ethos, die MA`Claim Crew, Pisa 73 und Box 23 bei Live-Paintings ihre Arbeit näherbringen, den Besuchern einen Einblick in die Entstehung ihrer Kunst gewähren und ihnen ihr Verständnis von Kunst näherbringen.

Die STROKE.02 setzt aber noch einen drauf und bietet ein besonderes Highlight: Auf circa 300 Quadratmetern wird Kunst aus LEGO Bausteinen unter dem Motto „LEGO goes Graffiti” ausgestellt. Dies beweist die Vielseitigkeit des Kinderspielzeuges und spiegelt die Kreativität der Szene wieder. Bei einem „LEGO Live Charity Battle“ werden bis zu vier Künstler über die gesamte Länge der Messe überlebensgroße Kunstwerke bauen und Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Diese werden während der Messe versteigert, der Erlös wird gespendet.

Dieses umfangreiche Programm wird von abendlichen DJ Acts abgerundet und bietet den Besuchern somit ein komplettes Programm, bei dem für jeden etwas dabei ist.

„Schon jetzt sind wir ausgebucht“, freut sich Raiko Schwalbe über die durchweg positiven Rückmeldungen im Vorfeld. Er lebt seit zehn Jahren in München und betreibt gemeinsam mit seinem Bruder Marco in Berlin die Galerie Intoxicated Demons. Während sein Bruder als Grafikdesigner mehr für die kreative Seite zuständig ist, kümmert sich Raiko Schwalbe als ehemaliger Kundenberater hauptsächlich um den geschäftlichen Teil. Von dieser Symbiose profitiert auch das Münchner „Team From Hell“ um Florian Pop, Hubertus Becker und Qurin Schwanck, mit dem die Brüder Schwalbe innerhalb von drei Monaten die Urban Art-Messe STROKE.01 in einer ehemaligen BMW-Niederlassung auf die Beine gestellt haben.

Updates zu den Teilnehmern und dem Programm unter www.stroke02.com




“Das Streichen einer Wand ist also die egoistische Zerstörung von Lebensraum und Information.” Interview mit Stefan Hoenerloh

22 04 2010

Der Berliner Künstler Stefan Hoenerloh zeigt in seinen Gemälden Stadtansichten, die wie urbane Momentaufnahmen scheinen, welche auf einem Spaziergang durch eine Altstadt begegnen könnten – und die doch rein fiktional sind. Zu sehen sind keine Veduten, sondern menschenleere Ausschnitte urbaner Architektur: Monumentale Großbauten werden in Ausschnitten gezeigt, meist in Untersicht mit stürzenden Linien, wie man sie vor Ort erlebt. Hoenerloh bringt sie in einer altmeisterlich perfekten Technik vielschichtig lasierend auf den Bildträger.

Le Seuil de la Forêt 114 x 167 cm, 2003, Öl, Acryl auf LeinwandStefan Hoenerloh, Le Seuil de la Forêt, 114 x 167 cm, 2003, Öl, Acryl auf Leinwand

Dennoch handelt es sich nicht um reale Bauten, die etwa von einer Fotografie abgemalt oder vor Ort mit dem Pinsel anstelle der Kamera “aufgenommen” wurden. Hoenerlohs Motive sind reine Fiktion. Als typische Stadtarchitektur, wie sie überalle begegnen könnte,  verkörpern sie die Idee der “alten gebauten Stadt”. Denn zu sehen sind “alte” urbane Gebäude, wie sie in den alten Stadtkernen europäischer Städte begegnen. Die Gemälde sind in Grau-Tönen gehalten, dunkel, trübe, verwaschen. Die Gebäude haben Patina, deutlich nagt der Zahn der Zeit an ihnen.

Auch kunsthistorische Stilgeschichte zeigen die Gemälde nicht: Es wird nicht nur darauf verzichtet, Realarchitektur zu porträtieren, sondern auch darauf, reale Stile zu zeigen. Aus dieser zweifachen Fiktionalität gewinnen Hoenerlohs Arbeiten ihre Ausdruckskraft.

In einem Interview mit deconarch.com gibt Stefan Hoenerloh Einblicke in seine Kunst, schildert, welche besondere Faszination die Architektur für ihn hat, und verrät, warum er keine modernen Bauten malt.

Abb.:  © Stefan Hoenerloh

INTERVIEW

deconarch.com: Herr Hoenerloh, wie haben Sie zur Kunst gefunden? Welche Möglichkeiten eröffnet sie?

Entwurf bei Sonnenaufgang: 470 Nimoy Street 71 x 123 cm, 2000, Öl, Acryl auf PolyvinylStefan Hoenerloh, Entwurf bei Sonnenaufgang: 470 Nimoy Street, 71 x 123 cm, 2000, Öl, Acryl auf Polyvinyl

Stefan Hoenerloh: Man beginnt als Künstler seine Tätigkeit, ohne zu wissen, dass man Künstler wird. Das stellt sich erst später heraus. Anfangs gibt es einen unbändigen Wunsch, bestimmte Vorstellungen umzusetzen, und erst nach einigen Jahren Tätigkeit merkt man, dass man einen bestimmten Beruf hat, der bestimmte gesellschaftlich verankerte Normen zu erfüllen hat und einigen typischen Mechanismen unterworfen ist. Dies gilt aber nur für Künstler der Postmoderne, also ausgebildet bis etwa 1985; die Generationen danach haben andere Herangehensweisen und bemerken die Existenz dieser Normierung und Mechanismen wesentlich früher, teilweise im Studium bereits, und reagieren entsprechend. Der nachpostmoderne Künstler beabsichtigt zunächst, Künstler zu werden, und sucht sich dann sein Arbeitsfeld, während hingegen der postmoderne Künstler sein Arbeitsfeld quasi in die Wiege gelegt bekommt.

Die Frage der Authentizität stellt sich bei ersterem natürlich neu, da nach dem Ende der Grenzerfahrungen (mit der letzten noch ursprünglichen Kunstrichtung der Land Art 1979 dann abgeschlossen) nur noch Kunstrichtungen erschienen, welche eine Retroausrichtung beinhalten, also bereits Dagewesenes neu interpretieren (bestes Beispiel heutzutage: die Appropriation Art). Eine Kreativität im Sinne von Kreation (Neuschöpfung) ist heutzutage nicht mehr möglich, da alles ausnahmslos schon vorhanden gewesen ist. Künstler wie Schwarzkogler oder Duchamp vernichteten sozusagen jegliche Weiterentwicklungsmöglichkeit. Auch Mark Quinn mit „Shithead” ist nur ein Remake von „merde d’artista” von Piero Manzoni. Auch Tracy Emins ungemachtes Bett ist nur ein Remake von Eugene Delacroix „Un Lit Defait” von 1827.

Wo stehen Sie in dieser komplexen (post-)postmodernen Situation?

The Acceptance of the Inherent Lies in Everything 101 x 132 cm, 2001, Öl auf Polyvinyl/LeinwandStefan Hoerneloh, The Acceptance of the Inherent Lies in Everything, 101 x 132 cm, 2001, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Als Künstler, der 1960 geboren ist, stehe ich genau an der Grenzlinie dieser beiden Zeitabschnitte. Ein Teil wollte eigentlich nur bestimmte psychologische Themen verarbeiten, ein Teil war sich dessen bewusst, dass dies in einen Beruf mündet, den man auch dazu verwenden kann, nach außen zu treten – also auszustellen und zu verkaufen. Diese unheilige Verquickung bedroht dann ständig die eigentliche Herangehensweise an Kunst, eröffnet aber die Möglichkeit weiterzumachen, da man sich die Farben weiter leisten kann. Damien Hirst leistet sich sehr teure Farben, wie man weiß.

Auf den Kunstmarkt werden wir gleich noch einmal zurückkommen. Ein besonderer Schwerpunkt Ihres Werks liegt auf der Architektur bzw. dem Zeigen von architektonischen Räumen. Wie kam und kommt es dazu? Was beschäftigt Sie besonders in Ihren Arbeiten?

Dies ist eine der schwer zu erklärenden Fragen, da sie aus dem jugendlichen unartikulierten Bedürfnis erwuchs. Architektur ist eine vom Menschen geschaffene langfristige Raumsituation, welche gut dazu geeignet ist, Zeit, Informationstheorie und Negativraum gleichzeitig darzustellen. Da Bauwerke länger als Menschen existieren, heben sie sich über deren Wichtigkeit primär hinweg. Das ist günstig, um nicht in den Chor der anderen Menschenaffen einzustimmen, welche sich immer nur einen Spiegel vorhalten. Viele Kunstwerke zeigen nur menschliche Gesichter, als ob dies alles wäre, was im Universum wichtig ist.

Ihre Gemälde zeigen menschenleere Stadtansichten, verwittert, sie scheinen realistisch möglich und sind doch rein fiktional. Wie stellen sie die Fragen nach der Zeitlichkeit, dem Vermitteln von Informationen und dem Negativraum, um die Ihre Arbeiten kreisen?

 Stelenfeld 100 x 170 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/LeinwandStefan Hoenerloh, Stelenfeld, 100 x 170 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/Leinwand

Die Zeitfrage ist dadurch dargestellt, dass Gebäude übereinander gestellt sind, ohne dass sich ihr Baustil ändert. Dies zeigt eine Metapher für eine fortschrittslose Gesellschaft, in welcher das menschliche Gehirn Zeit hat, sich evolutionär den neuen Entwicklungen anzupassen; ergo eine sehr langsam vergehende, begreifbare Zeit.

Die entstandene Information komplexer patinierter verwitterter Oberflächen ist ein Symbol für eine Gesellschaft, die wahrscheinlich durch die höhere Quantität an Information die höherstehende ist. Die Bibliothek von Athen hatte gewiss weniger Bände als die British Library, genauso hat eine schmutzige Wandfläche tausendfach mehr Information als eine frisch gestrichene. Besonders für Kleinlebewesen ist die verwitterte Wand ein Sammelsurium an Versteckmöglichkeiten, komplex wie ein Tropenwald.

Das Streichen einer Wand ist also die egoistische Zerstörung von Lebensraum und Information.

Und der dritte Aspekt, der Negativraum …

Dann noch der Negativraum: Er bietet das Bühnenbild für Handlung, welche vom Betrachter imaginiert werden soll, das Kunstwerk entsteht sozusagen im Kopf des Betrachters. Dadurch wird das Kunstwerk interaktiv. Es ist nur die Weiterführung von Caspar David Friedrichs und Bellottos Räumen, welche noch nicht auf den Menschen als Referenzpunkt verzichtet haben. Dieses Bühnenbild kann ein Canyon sein, eine Straße oder ein Waldweg. Der Inhalt ist der gleiche, aber die natürlichen Dinge entbehren hier ein wenig der Kausalität, da sie ihren Sinn in sich selbst tragen und die Informationstheorie sowie die Zeitfrage bei ihnen keine Rolle spielt.

In ihren Arbeiten konzentrieren Sie sich ausschließlich auf „alte“ Bauten. Warum keine modernen Gebäude?

Die Sixtinische Madonna 58 x 85 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/LeinwandStefan Hoenerloh, Die Sixtinische Madonna, 58 x 85 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/Leinwand

Bei modernen Bauten findet man weder proportionierte Schönheit, noch gibt es eine patinierte Wand, welche durch ihren Komplexitätsgrad eine Allegorie zu Baumrinde, Holzboden oder Felswänden darstellt, sondern nur Oberflächen und Formen, welche eine möglichst weite Entfernung zu jeder Natürlichkeit zurückgelegt haben. Die Ängste der Menschen vor der Natur (und dem Tod) hat hier eine neue Dimension gewonnen. Die 3 Väter des Internationalen Stils (Le Corbusier, Mies v. d. Rohe und W. Gropius) haben einen Stil geschaffen, welcher zusätzlich eine extreme Ökonomie am Bau zuließ und sich damit komplett weltweit ausgebreitet hat. Diese Ökonomie (das Gegenteil von Kultur) lässt sich nun nicht wieder wegzaubern, die Gründe dazu sind in Tom Wolfes Buch „Mit dem Bauhaus leben” genauestens und verständlich dargelegt. Die Macht der Verbünde und Seilschaften an den Universitäten lässt anderes Bauen gar nicht erst zu, da es abgewertet wird. Nach dem Studium dieses Buches versteht man, warum große Teile der Architektur seit 1918 aufgehört haben zu existieren.

Wenn eine Klasse einen Kurs mit Aktzeichnen hat, dann arbeiten sie nach einem menschlichen Modell. Sie würden wohl kaum, wie es in der Architektur seit 1918 der Fall ist, stattdessen eine Schaufensterpuppe porträtieren.

Wie finden Sie Ihre Themen und Motive?

Die Themen und Motive zu finden ist eine andere, schwierigere Aufgabe. Ein Situation wird zunächst schemenhaft skizziert, da die schemenhaften Bilder sich selbst formen. Dann wird Haus für Haus soweit hin und her geschoben in einem virtuellen Grundriss, dass der Blickwinkel interessant ist.

Manchmal wird auch eine Situation aus einem Canyon nachgestellt, mit Hauswänden verdeutlicht.

Das Motiv des Canyons, der „canyon-haften“ Häuserschlucht, wird besonders deutlich auch in der Gegenüberstellung zu Fotografien von Natascha Wilms, die amerikanische Canyons porträtiert. Arbeiten Sie zusammen?

Natascha Wilms, The Wave in ArizonaNatascha Wilms, The Wave in Arizona © N. Wilms

Die Canyons sind prinzipiell eine ähnliche Situation: eine Darstellung der Zeit, nur in umgekehrter Reihenfolge, von oben nach unten. Städte wachsen andersherum. Beiden ist gemeinsam, dass der Negativraum die sichtbaren Flächen erst ermöglicht und verstärkt, je steiler die Wand ist. Architektur und Canyon sind Gebilde, die der Entropie entgegengerichtet sind und gegen sie kämpfen.
Damit kämpfen sie gegen den Tod, die Canyons dabei sehr erfolgreich, da sie schon sehr alt sind. Ich lasse mich von den Fotografien von Natascha Wilms auf neue städtebauliche Ideen bringen, man kann Flussläufe in Grundrisse umsetzen.

Ihre Arbeiten spielen auch mit der Seherwartung der Betrachter – „Hier bin ich schon mal gewesen!“ – und sind dennoch nicht „real“ existent. Malerei bietet andere Möglichkeiten als die „realistische“ Fotografie. Warum Malerei?

Wenn es die Möglichkeit gäbe, diese Bilder zu fotografieren, dann würde ich das tun. Da es die Gebäude aber nicht gibt, muss ich sie malen, dies aber nur ungern. Malerei ist eine hilflose Krücke mit der man nur einen Teil der eigenen Ideen verwirklichen kann. Aber das Ganze tatsächlich bauen, steht auf einem anderen Blatt.

Jede Situation muss genau auf der Grenzlinie zwischen Fiktion und Erinnerung balancieren, da nur dann jegliches Schubladendenken unterlaufen wird. Geht man zu weit und baut 5 Brücken übereinander, dann ist es unrealistisch und fordert keine Auseinandersetzung, da man sich mit Träumen nicht auseinandersetzen muss. Aber wenn zu wenig Brücken und Ebenen da sind, dann wirkt es wie eine Vedute; dann startet der Beunruhigungsprozess nicht.

Wer und/oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

 Stefan Hoenerloh im Atelier, Berlin 2003Stefan Hoenerloh im Atelier, Berlin 2003

Vorbilder ohne Ende, mein Kunstgeschichtestudium war recht lang. Das erste Vorbild war Max Ernst und ein wenig MC Escher, aber heute haben sich die Vorbilder verschoben. Monokausale Übereinstimmungen sind nicht mehr zu finden, sondern die Vorbilder liegen grundsätzlich  in einer Mehrschichtigkeit, welche immer auf einer primären (sichtbaren) und sekundären (konzeptuellen) Ebene ein Kunstwerk erfahrbar macht. Demnach Mark Tansey, Christoph Steinmeyer, Desiree Dolron, Rosson Crow, Dirk Skreber, Glenn Brown, Anselm Kiefer, Rebecca Horn und Mathias Weischer.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

Das frühere Ziel war es, mit einem didaktischen Ansatz eine Herkulesarbeit zu versuchen, da man diese Welt aber nicht auch nur einen Millimeter verändern kann, ist es mein jetziges Ziel möglichst viele Bilder mit irritierenden Namen zu malen wie: Udo Kittelmanns Breakfast, Larry Gagosians Daughter oder Greetings to Saatchi.

Das ist in der Tat irritierend und eröffnet kritische „Seitenblicke“ auf den aktuellen Kunstbetrieb. Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Via Volterra 42/II 95 x 71 cm, 1999, Öl auf Polyvinyl/LeinwandStefan Hoenerloh, Via Volterra 42/II, 95 x 71 cm, 1999, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Mehrschichtigkeit ist ausschlaggebend, das heißt, dass eine primäre Ebene den Zugang zum Werk eröffnet und die im Kunstbetrieb übliche Hermetik, das elitäre Ausschlussdenken unterminiert. Der künstlerische Elfenbeinturm entspricht ja nicht mehr der ursprünglichen Aufgabe der Kunst „The true artist helps the world by revealing mystic truth” (Bruce Naumann), sondern ist inzwischen völlig zweckfreiem ökonomischen Denken untergeordnet; Kunst ist ja nur noch Geldanlage und hat  damit ihren kulturellen Anspruch völlig verloren. Kunstsammeln ist heute gesellschaftlich so wichtig wie Briefmarken sammeln. Es sollte aber nicht der Sinn der Kunstakademien sein, hochbegabte Ökonomen zu erzeugen, die zuerst ans Geld denken, bevor sie sich einen Pinsel kaufen und später mühsam erkennen müssen, dass es zu viele von ihnen gibt, so dass die Relevanz des einzelnen Kunstwerks gegen null geht (siehe: Kursbuch 122/1995 Daghild Bartels: „Kunstdämmerung”: Wenn es nicht Venedig gewesen wäre, dann wäre ja keiner mehr hingegangen… Siehe auch Wirtschaftswoche 30.9.2007 von Gary Hill: „Man sieht kaum mehr Kunst von Künstlern, sondern Strategie von Strategen”).

Zweiter Aspekt: Antagonistenpaare, welche Spannung aufbauen. Homogene und heterogene Flächen; Architekturplanung und Abbau durch die Natur;  Bewegung durch Perspektive und trotzdem in sich ruhende Architekturlinie; unschönes Geordnetes und schönes Ungeordnetes; logische, die Kraft aufzeigende Elemente gemischt mit manieristischen ornamentalen Verbrechen, so dass keine strukturierende Logik das Gesamtsystem zu schnell erfassbar macht, so dass ein Rest Irrationalität stets bleibt.

Und zum Abschluss eine allgemeine Frage: Welche Bedeutung hat Architektur und überhaupt die gebaute Umwelt für uns?

Hierzu empfehle ich den Film Why Beauty Matters von Roger Scruton, der zwar eine einseitig gefärbte Weltsicht des Verlustes bestimmter gesellschaftlicher Werte beschreibt, aber dennoch auch für eine Zeit, die ständig auf Wachstum aufgebaut sein will, einen warnenden Rufer darstellt. Wachstum, also Fortschritt hat eine Kehrseite der Medaille: Der Fortschritt schreitet fort von dem Ort der möglicherweise einmal als gut befunden wurde. Fort heißt, unumkehrbar, ohne Zurück, also mit Verlust behaftet. Dieser Verlust sollte vermieden werden, sonst ist unsere Zivilisation keine bessere, sondern nur eine andere.

Ein Wachstumsbeschleunigungsprogramm ist also genau das, was wir nicht brauchen, es beschleunigt den Zerfall der Welt. Architektur ist heute nur noch ökonomisch orientiert und verwandelt sich binnen sehr kurzer Zeit in hässlichen Schrott; hingegen würde eine Architektur, die den Alterungsprozess einberechnet, womöglich im Laufe der Jahrhunderte interessanter. Einfach ist diese Aufgabe nicht, was das Dorf Poundbury beweist, welches von Prince Charles erbaut wurde:

Zwar wurden nur traditionelle Materialien und Formen verwendet, aber er vergaß den Schmutz und so mutierte das Dorf zu einer angepassten Rentnerstadt mit extremer Freiheitseinschränkung. Dass die Architektur für den Menschen einen Großteil seines positiven Lebensgefühls ausmachen kann, beweisen die intakten Altbauquartiere deutscher Städte in denen der Zufriedenheitsindex höher liegt als in Trabantenstädten. Wir werden sehen, ob Beijing damit klarkommt, alle Hutong-Altbaubestände flächendeckend abgerissen zu haben. Diese extreme Entwurzelung wird unzufriedene Menschen hervorrufen. Die Krise durch überschnelles Wachstum ist vorprogrammiert.

Stefan Hoenerloh, herzlichen Dank für das ausführliche Interview!




Andrew Moore’s photos of decay and renewal in Amsterdam) and I was here photo show in Luxembourg

19 04 2010

A glance to western Europe: the Galerie Alex Daniels – Reflex in Amsterdam presents Andrew Moore’s photographs in the Netherlands for the first time. The American photographer’s works capture the ravaged grandeur of disused, wrecked buildings all over the world. The group exhibit “I was here” in Luxembourg focuses on tourism and different approaches to it, tourism per se being  defined as (temporary) change of location, of habitation.

Andrew Moore "Palace Theater, Gary Indiana"

Andrew Moore "Palace Theater, Gary Indiana" © A. Moore

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Andrew Moore MAKING HISTORY
Photographs 1980 – 2010

Galerie Alex Daniels – Reflex Amsterdam

Amsterdam

10 April – 7 June 2010

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Quote from PR text: “We hope for better things; it will arise from the ashes,” was the motto adopted by the city of Detroit, after it was ravaged by the great fire of 1805. American photographer Andrew Moore distils the spirit of this message in his haunting large-scale images of decay and renewal. From Cuba to Russia to Detroit, Moore seeks out disused, wrecked buildings and captures the moment that nature stakes her claim on their ravaged grandeur.   [...]

Andrew Moore "Ballroom, Lee Plaza Hotel, Detroit"

Andrew Moore "Ballroom, Lee Plaza Hotel, Detroit" © A. Moore

The images on display are wide-ranging in their subject matter, but unified by clarity of detail as well as narrative complexity: The abandoned “Palace Theatre” Gary Indiana, once ringing with gaiety and glamour, is now a darkened wasteland of torn-up seats, peeling paint and collapsing infrastructure. It is a devastating image, yet the natural light that seeps in through the ceiling and side door gently illuminates the dusty sea of velvet, providing a glimmer of hope.    [...]

Over the past 30 years, Moore has travelled for months at a time to track down these secret places that are often the sad consequences modernisation or political turmoil. His guerrilla approach has at times required the help of young, urban explorers, as well as cagey real-estate agents and business people.

Moore’s embraces complexity in his work. “The images have multiple narrative threads, whether they be cultural, historical, or pictorial. I leave it up to the viewer to pick up on a few of these clues. There is always something to follow and latch on to.” Part of this complexity is due to the rich combination of artistic influences that inform his photographic style: he cites a broad range of inspiration from Walker Evans to the masters of American 19th-century painting.

There is a strong painterly quality to Moore’s photographs, both in scale, texture and use of colour. The vitality of his palette, and his carefully chosen tonal combinations provide the building blocks of his work. “Colour is the first thing that imbeds itself in the viewer. It sets the emotional key to the picture. It creates a unifying overall mood – and I establish that right through the beginning.”

Illus.: courtesy Galerie Alexs Daniels

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in almost every picture # 1, © Erik Kessels

in almost every picture # 1 © Erik Kessels

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I was here

Erik Kessels | Robert Schlotter | Joachim Schmid
+ selection of the collections of the Bibliothèque nationale de Luxembourg and

Centre national de l’audiovisuel, Dudelange, Luxembourg

26 March 2010 – 13 June 2010

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Quote from PR text: I was here questions and presents different approaches to the subject of tourism, from a photographic heritage, which seems to be innocuous, anonymous, forgotten and often of average quality – from the technical point of view.

Archiv, 1986-1999, © Joachim Schmid

Archiv, 1986-1999 © Joachim Schmid

Tourism and photography have always maintained a close relationship – one is growing parallel to the democratization of the other. Photography appears to be an indispensable means for tourists to own their subject, to fully possess the experience of a landscape, of a historic or cultural site. Speaking of all, trips, vacations and tourism, the pictures exhibited here, know different stages of valorization: on one side preserved for their aesthetic value and historic interest, on the other side reconsidered by artists and replicated in another context.

[...]

With almost obsessive rigor – but not without humor – Joachim Schmid explores the world of found photographs for many years now, Robert Schlotter, who draws his images from recovered Super8-films, addresses the process of creating memory, and Erik Kessels chases stories worth telling from the collections, which were taken out of their original context.

The artists’ shift of the pictures also allows us to withstand the temptation of a purely sentimental or nostalgic view and open a questioning of the visual codes, crossing the borders between public and private space; the categorizations (amateur – professional – artistic), the heritage value – symptomatic of our time.

Illus.: courtesy CNA





art up your life: arternity.com bietet Corporate Art

18 04 2010

Dass Innenräume besondere Wirkung entfalten und durch ihre Gestaltung wesentlich beeinflusst und verändert werden können, dürfte jede/r schon mehr als einmal selbst erlebt haben. Das Wechselspiel zwischen Gebautem und “Bauendem” ist fundamental für den Charakter von Architektur – dies gilt sowohl in funktionaler Hinsicht, wenn durch die Art der Nutzung der „Sinn“ eines Gebäudes geprägt wird – besonders drastisch sichtbar etwa am Kirchenbau, der zur Kneipe wird – als auch in ästhetischer Hinsicht, wenn durch die (visuelle) Ausstattung und Einrichtung das Gesicht eines Raumes gestaltet wird.

Letzteres wissen auch die Macher von arternity.com: Sie richten ihren Fokus auf die Verbindung von Architektur/Innenraum und Kunst. Unter dem Motto “art up your life” werden besonders Innenarchitekten und Planer angesprochen, denen eine Auswahl von Kunst geboten wird: Stichwort “Corporate Art”.

Aus dem PR-Text: „Mit arternity können Innenarchitekten und Planer auf einen Partner zugreifen, der entsprechend ihrer Gestaltungsvorgaben arbeitet, Themen, Stil, Farb- und Materialgestaltung berücksichtigt und Kunst auch unter Gesichtspunkten des Corporate Design und der Corporate Identity einzusetzen versteht“, erklärt Ralph Bielenberg, Geschäftsführer von arternity. „Dabei erzeugen wir durch einen ganzheitlichen, strategischen Gestaltungsansatz – der Corporate Art – Wiedererkennungswerte [...]. Mit Corporate Art gestalten wir auf ganz individuelle und zugleich zielgerichtete Weise: erzeugen Stimmungen, betonen die Architektur oder verändern den Charakter eines Raumes, stellen Bezug zu seinem Standort her oder steigern das Ambiente und schaffen zugleich einen Zusammenhalt der Interieur-Elemente.“

Dabei geht arternity.com als Art Scout vor, arbeitet mit Künstlern aus den unterschiedlichsten Medienbereichen zusammen und reagiert auf neue Entwicklungen. Im Angebot sind neben einem breiten Spektrum an Unikaten und limitierten Editionen darüber hinaus auch ergänzende Leistungen, die von der Erstellung integrierter Kunstkonzepte nach exakten Richtlinien der Planer über die Zusammenstellung passender Werke bis hin zu Individualentwicklungen im Bereich Corporate Art reichen.

Fotos: arternity.com

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Architekten fotografieren in Stuttgart und Iris Hutegger bittet in Nürnberg, Platz zu nehmen

17 04 2010

In Stuttgart fotografieren Architekten – und befinden sich damit in illustrer Gesellschaft: Von Le Corbusier und Erich Mendelsohn über Richard Neutra zu vielen Bauhäuslern haben Baukünstler auch mit der Kamera agiert. Die Liste lässt sich bis heute fortsetzen, wie die Stuttgarter Ausstellung zeigen will. In Nürnberg hat die “raumzeichnende Bildhauerin” Iris Hutegger eine raumgreifende Installation inszeniert, die den Betrachter mit Doppelbödigkeit und Mehrdeutigkeit, mit widersprüchlichen Bildinformationen und der Leere zwischen Wort, Bild und Bedeutung konfrontiert.

Architects taking pictures in Stuttgart – and they are in the very best company: Le Corbusier and Erich Mendelsohn, Richard Neutra and many Bauhaus artists used the camera, too.The list spans until today, how the Stuttgart exhibition tries to illustrate. In Nürnberg, Iris Hutegger, a ” scupltor drawing spatially“, installed an installation confronting the viewer with ambiguity and contradictory information, with the gap between word, image and meaning.

© Wolfram Janzer

© Wolfram Janzer

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RAUMBILDER | BILDRÄUME

Architekten fotografieren

vhs-photogalerie, Stuttgart

15. April – 12. Juni 2010
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Aus dem PR-Text: Architektur war der erste Gegenstand der Fotografie, und Architektinnen wie Architekten fotografieren, seit es das Medium gibt. Neben den funktionalen Gründen wie Ausbildung oder Sammlung von Vorbildern und Konkurrenten hat die Fotografie von Anfang an ästhetischen Eigenwert gehabt, ist Gattung gewesen und zur Herstellung dessen gebraucht worden, was unter dem Begriff Kunst zusammengefasst wird.

© Oliver Betz

© Oliver Betz

Auch daran sind Architektinnen und Architekten beteiligt. Die klassische Moderne der Architektur hat viele dieser doppelten Begabungen vorzuführen, von Le Corbusier und Erich Mendelsohn über Richard Neutra zu vielen Bauhäuslern. Die Liste lässt sich bis in die heutige Zeit verlängern, und gerade um diese Spannweite heutiger Ansätze geht es in der Ausstellung. [...]

Die Ausstellung Raumbilder | Bildräume. Architekten fotografieren präsentiert Arbeiten von Oliver Betz, Friedrich Dassler, Wilfried Dechau, Wolfram Janzer, Christian Kandzia, Klaus Kinold, Ulrike Lauber, Hans H. Münchhalfen, Klemens Ortmeyer, Anja Schlamann, Elmar Schossig, Verena von Gagern, Andreas Winkler.

Illus.: courtesy VHS Photogalerie

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Iris Hutegger, momentan windstill, 2009, Raumarbeit mit Erde, diversen Materialien, Fotografien, 14,5 x 17,5 m. Foto: © Hutegger

Iris Hutegger, momentan windstill, 2009, Raumarbeit mit Erde, diversen Materialien, Fotografien, 14,5 x 17,5 m. Foto: © Hutegger

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Iris Hutegger – Bitte, nehmen Sie Platz.

spitzbart_FORUMTREPPE®

FORUM für Treppen & Gegenwartskunst

Nürnberg-Oberasbach

18. März – 31. Mai 2010

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Aus dem PR-Text: Iris Hutegger ist als Grenzgängerin zwischen verschiedenen Kunstgattungen, deren Merkmale sie unterwandert und aushebelt, “raumzeichnende Bildhauerin”. Die Ausstellung setzt sich aus verschiedenen Werken zusammen. Der erste Eindruck beim Betreten des Raumes ist bestimmt durch eine ausgedehnte, sich aufwölbende Erddecke auf dem Betonboden der Halle. Mit Steinen, Stöcken, Wurzeln und ein paar Büscheln ausgedörrter Thymianzweige entsteht so der Eindruck einer wüsten und kargen Landschaft, deren Künstlichkeit eine Ansiedlung von Pflanzen unmöglich macht. Der Betrachter umschreitet diese stille Landschaftsszenerie wie in einer Choreografie. Er kann sich auf bereit gestellten Stühlen niederlassen und vielfältige Eindrücke wie den Geruch der Erde, eine fast monochrome Farbstimmung, Fensterspiegelungen und Wettereinflüsse wahrnehmen.
So nähert er sich auch den anderen Arbeiten an.  [...]

Im Ineinandergreifen der Arbeiten wird man der Widersprüchlichkeit der gelieferten Bildinformationen gewahr. Nur die Erkenntnis von deren Doppelbödigkeit und Mehrdeutigkeit tragen zum Verständnis bei. In der Leere zwischen Wort, Bild und Bedeutung liegt der Kern von Iris Huteggers Botschaft. [...]

Iris Hutegger, Landschaft Nr. 09-12-41, 2009, analoge Fotografie, benäht, 49 x 76 cm. • Foto: © Hutegger Iris Hutegger, Landschaft Nr. 09-12-41, 2009, analoge Fotografie, benäht, 49 x 76 cm. • Foto: © Hutegger

Iris Hutegger, Landschaft Nr. 09-12-41, 2009, analoge Fotografie, benäht, 49 x 76 cm. • Foto: © Hutegger

[...] Landschaft wird als Struktur vorgeführt, die der Mensch mit subjektiven Vorstellungen, mit im Lauf der Menschheitsgeschichte entwickelten Bildern von Landschaft oder aber ihrem Nutzen ‘bekleidet’. Die eigentliche Landschaft, die Natur ist abwesend und dem Menschen unbekannt, wenngleich ihnen seine Sehnsucht nach Vollkommenheit, nach zwingender Logik und Geborgenheit, nach dem verlorenen Paradies gilt. Die schwarz-weißen Fotografien von in träger, dramatischer Größe und mit uneinsehbaren Abbrüchen und Ausdehnungen gegebenen Landschaften sind mit farbigen, haptisch erfahrbaren Fäden benäht. Ihre Verortung im Sinne eines wieder erkennbaren Ortes ist unmöglich. [...]

So bewegt sich der Betrachter durch wage Bildräume, ungewisses Terrain, in den Leerstellen zwischen den Erscheinungen, dort wo er kaum jemals Spuren hinterlässt, als sehnsüchtig Suchender, ein Heimat Erheischender. Dort ist der Mensch zuhause. Text: © Dr. Annegret Winter

Illus.: courtesy Spitzbart Forum Treppe




muster/stadt/modell/stadt in Berlin and Alicia Framis’ Secret Strike in Hanover

16 04 2010

In Berlin ist zur Zeit eine Doppelausstellung zu sehen, die sich mit verschiedenen Aspekten des Verhältnisses von Stadt und Körper sowie der Wahrnehmung dieses Verhältnisses beschäftigt. Präsentiert werden Arbeiten von Ursula Döbereiner, Stéphanie Nava, Katharina Schmidt und Bettina Hutschek. Etwas weiter im Nordwesten, in Hannover, zeigt das Sprengel Museum “Secret Strike” (in der Rabobank, Niederlande) von der spanischen Video-Künstlerin Alicia Framis, die zur Zeit in Shanghai lebt und arbeitet. Was wäre, wenn jede “Arbeitsbiene” jeden Tag einen kleinen, persönlichen Streik einlegen würde – um nachzudenken?

In Berlin, a double exhibition presents art positions dealing with different aspects of city and men (in the city) and its perception (works by Ursula Döbereiner, Stéphanie Nava, Katharina Schmidt and Bettina Hutschek). Further north west, in Hanover, the Sprengel Museum shows a “Secret Strike” (in Dutch Rabobank Central) by Spanish video artist Alicia Framis, currently living and working in Shanghai. What if every “worker bee” would quit work for a little while every day, a personal strike – to start thinking?

aus: muster/stadt/modell/stadt

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muster/stadt/modell/stadt – Ursula Döbereiner, Stéphanie Nava, Katharina Schmidt

New York – Brest – Venezia – Bettina Hutschek

Kunstverein Tiergarten, Berlin

16. April – 22. Mai

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Ursula Döbereiner

Ursula Döbereiner

Aus dem PR-Text: Im Rahmen einer Doppelausstellung widmet sich der Kunstverein Tiergarten im Jahr 2010 erneut dem urbanen Lebensraum in internationalen Metropolen. Mit Ursula Döbereiner, Stéphanie Nava und Katharina Schmidt sowie Bettina Hutschek sind vier künstlerische Positionen eingeladen, ihre spezifischen Perspektiven auf Architektur, soziale Strukturen und die Repräsentation von Stadtraum vorzustellen. Die Ausstellung »muster/stadt/modell/stadt« zeigt Arbeiten, die verschiedene Aspekte des Verhältnisses von Stadt und Körper sowie die Wahrnehmung dieses Verhältnisses reflektieren.

Bettina Hutschek

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Die Ausstellung »New York – Brest – Venezia« stellt Portraits dreier Städte vor, deren urbane Räume Orte mentaler Projektionen und Mythen sind, gleichermaßen aber auch als Platzhalter für eine generelle Analyse städtischer Lebens- und Handlungsräume dienen. Stadt wird hierbei als eine Hyper-Struktur beschrieben, die zwischen dem Realen, dem Fiktiven und dem Imaginären angesiedelt ist. In diesem als ›Mega-Stadt‹ beschriebenen Raum ist Architektur sowohl Ausdruck und Verkörperung als auch Störung der eingeschriebenen Mythen, Erinnerungen und Kräfte der Natur. Das utopische Potential der durch die Arbeiten betrachteten Raumkonstruktionen stellt sich über Bettina Hutscheks spezifischen Blick und eine poetische Umsetzung her.

Illus.: courtesy Kunstverein Tiergarten

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ALICIA FRAMIS Secret Strike Rabobank, The Netherlands, 2004 Videostills

ALICIA FRAMIS, Secret Strike Rabobank, The Netherlands, 2004 Videostills

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Alicia Framis

Secret Strike Rabobank, The Netherlands, 2004

Sprengel Museum Hannover

31. März 2010 – 18. Juli 2010

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Aus dem PR-Text: Secret Strike (Geheimer Streik) besteht aus sechs Videos, wobei jedes Video in einem typischen und emblematischen Gebäude oder Unternehmen der jeweils für das Projekt ausgesuchten Stadt gedreht wurde.

Secret Strike Rabobank wurde im Hauptgebäude der Rabobank gedreht, der wirtschaftlich mächtigsten Bank Hollands, wo zweitausend Menschen arbeiten. Gezeigt wird ein ganz normaler Arbeitstag in der Rabobank-Zentrale.

Die Mitarbeiter führen ihre gewohnten, alltäglichen Aufgaben aus. Die Kamera führt uns durch das Gebäude, vom Untergeschoss aufwärts, Etage für Etage. Während des Filmens kommen alle laufenden Aktivitäten, sofern es solche gibt, zum Stehen und Erstarren. Alle Menschen [...] sind wie gelähmt. Was übrig bleibt, ist eine geheime Choreografie menschlicher Körper, die anscheinend ohne Grund zum Stillstand gekommen sind.

ALICIA FRAMIS Secret Strike Rabobank, The Netherlands, 2004 Videostills

ALICIA FRAMIS Secret Strike Rabobank, The Netherlands, 2004 Videostills

Framis hat sich gefragt, was geschehen würde, wenn wir plötzlich aufhören würden, die Dinge zu tun, die wir immer getan haben, tagein tagaus, Stunde um Stunde. Im Gegensatz zu einem wirklichen Streik, bei dem die Arbeit bewusst niedergelegt wird, um etwas Bestimmtes zu erreichen, handelt es sich bei Framis’ Geheimen Streiks um Konfrontationen mit unserem eigenen Selbst. Ein solcher Streik kann etwas Persönliches sein, etwas, das klein, bescheiden, aber dennoch stark ist. Wenn man tagtäglich einige Minuten aufhören würde zu arbeiten, um zu denken bzw. zu widerstehen, wäre das Ergebnis weitaus gefährlicher, als ein geplanter, groß angelegter Streik.

Illus.: courtesy Sprengel Museum Hannover




New York New York: Back from the city that never sleeps …

15 04 2010

Nach einer etwas längeren Schreibpause – die Entschuldigung dürfte überzeugen: Grund war ein Forschungsaufenthalt in NYC – ist es an der Zeit, wieder einen Blick auf das aktuelle Geschehen im Kunst-Architektur-Bereich zu werfen. Aber zunächst ein Kommentar zur Stadt der Städte: New York New York!

After a longer silence – the excuse might convince: due to a research trip to NYC – it is about time for another glance on what’s currently happening, art+architecture-wise. But first a little comment on the city that never sleeps: New York New York! To summarize all the impressions would probably go beyond the scope. In short – it is fascinating to walk through NYC’s architecture, be it the highrises of Manhattan, be it the Brownstones in Brooklyn (Heights) and New Jersey. And off the beaten tourists track, it is the following artists, that appear interesting from deconarch‘s point of view (partly in English, the links provided always direct to an English written site).

NYC – mit Sicherheit eine der meistfotografierten Städte auf der Welt. Alle Eindrücke, Beobachtungen, Besonderheiten zu beschreiben, würde wohl den Rahmen mehr als einmal sprengen. Mehr als faszinierend, die Architektur vor Ort “live” zu erleben und zu erlaufen – in Manhattan vor allem, mit seiner 3-dimensionalen Geschichte der Highrise Buildings, aber auch die Brownstones in Brooklyn (Heights vor allem) oder New Jersey.

Bilder © S. K.

Darüber hinaus sind – abseits der “Touristenlaufstrecken” – aus deconarch.com-Perspektive besonders folgende Künstler aufgefallen:

Im Whitney Museum of American Art ist noch bis Ende Mai die Whitney Biennial 2010 (25. Februar bis 30. Mai 2010) zu sehen, bei der ein Querschnitt durch das zeitgenössische Kunstgeschehens Amerikas präsentiert wird. Gezeigt werden 55 Positionen, die schlicht unter dem Thema “2010″ zusammengefasst sind.

James Casebere, Landscape #1 (Dutchess County, NY), courtesy Whitney.org

James Casebere, Landscape #1 (Dutchess County, NY), courtesy Whitney.org © J. Casebere

Darunter sind zwei Arbeiten von James Casebere, “Landscape#1 und #2″. Whitney.org zu Caseberes Arbeit:

“Since the 1980s, James Casebere’s photographs have transported viewers into ambiguous, evocative, and surreal environments. Casebere’s process involves constructing tabletop models out of modest materials, such as Styrofoam, plaster, and cardboard. He then dramatically lights these constructions and care¬fully positions his camera to manipulate the com¬position and the mood of the resulting photograph. Devoid of human figures, the constructions invite viewers to project into and inhabit the space.

For Landscape with Houses (Dutchess County, NY) #1 and Landscape with Houses (Dutchess County, NY) #2, Casebere constructed his grandest, most detailed model to date—an American subdivision based on one in Dutchess County, New York. The fabricated community is a hybrid development of the sort hit hard by the foreclosure epidemic of the past few years.”

Eine Arbeit von Casebere ist aktuell auch im Guggenheim Museum zu sehen.

Maureen Gallace, Sledding, oil on linen, 25.5 x 25.5 cm 2000, courtesy www.maureenpaley.com

Maureen Gallace, Sledding, oil on linen, 25.5 x 25.5 cm 2000, courtesy www.maureenpaley.com © M. Gallace

Maureen Gallaces Ölbilder fangen Häuser  durch sorgfältige Beobachtung und gezielte Auslassungen ein. Oft verzichtet Gallace auf beschreibende architektonische Details wie Fenster und Türen und bringt mit ruhigen, meist flächigen, pastellig-erdfarbenen Bildern den Betrachter dazu, seine Assoziationen zu entfalten. Ihre Motive findet sie in ihrer Heimat New England, oft eingefangen durch Fotografien, die sie aus dem fahrenden Auto heraus aufgenommen hat.

Ein Artikel im frieze magazine zu Maureen Gallace.

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Im P.S.1 , der neuen Außenstelle des MoMAs, ist ein Video der schwedischen Künstlerin Klara Lidén zu sehen, einer ausgebildeten Architektin, die in ihrer Arbeit architektonische Eingriffe und INstallationen kreiiert: (MoMA.org zu Klara Lidén) “Klara Liden (Swedish, b. 1979) creates architectural interventions and installations by cannibalizing existing structures and materials, such as cardboard, corrugated metal, drywall, wood, and carpet remnants. With a spirit of activism and rebellion, Liden rethinks the places we inhabit and builds spaces that deviate from their normal functions. In addition, the artist makes videos that challenge accepted codes of behavior. Brimming with physical intensity and ferocity, Liden performs illicit acts for the camera, from the methodical destruction of a bicycle to an eccentric dance on a crowded Stockholm commuter train.”

New York City Ballett: Architecture of Dance

New York City Ballet: Architecture of Dance

Aufgefallen sind darüber hinaus: Die Ausstellung Modernism at Risk (February 17 – May 1, 2010) im American Institute of Architects AIA New York und das aktuelle Thema des New York City Ballets: Architecture of Dance.