Architektur in/aus Afrika? Ein Essay

26 10 2010

Architektur im Schatten der WM-Stadien – Gibt es zeitgenössische Architektur auf dem afrikanischen Kontinent?

Es ist noch nicht lange her, dass sich dank der Fifa-Fußballweltmeisterschaft die Blicke der Welt auf den afrikanischen Kontinent gerichtet haben. Das Sportgroßereignis hat im Gastgeberland Südafrika für einen Bauboom gesorgt, bei dem nicht zuletzt auch deutsche Architekten engagiert waren – drei der zehn Austragungorte wurden von den Hamburger Architekten gmp entworfen (mehr zum Thema). Aber nicht nur Stadien, sondern vor allem auch Unterkünfte für Zehntausende Besucher sowie die nötige Infrastruktur mussten geschaffen werden. Die WM wurde für Südafrika Anlass für umfangreiche stadtplanerische Aktivitäten. Diese Ziele wurden zumindest im Rahmen der WM erreicht, ob der Erfolg sich auch langfristig einstellen wird, bleibt abzuwarten.

Die Berichterstattung über Architektur in Südafrika erschöpfte sich jedoch weitgehend mit Dokumentationen über die Sportstadien. Weiter wurde der Blick auf zeitgenössische Architektur, ja auf eine mögliche Architektur-Avantgarde in und aus Afrika nicht verfolgt. Eine Situation, die symptomatisch ist für den gesamten Kontinent. Dubai und die arabischen Emirate, China und Fernost sind die neuen architektonischen Boomtowns – aber Afrika? Bedeutet dies, dass es in Afrika keine zeitgenössische Architektur gibt?

Zeitgenössische Architektur in und aus Afrika im WWW?

Erste Recherchen im Internet zeigen, dass das so nicht stimmt. Natürlich gibt es zeitgenössische Architektur in und aus Afrika. Allerdings ist die moderne afrikanische Architektur im westlichen Kulturraum bislang tatsächlich eher unbekannt und vor allem: Sie ist deutlich unterrepräsentiert. Gerade im deutschsprachigen Web findet sich nur wenig Informatives zum Thema. Wenn, dann wird man vor allem auf englischsprachigen Webseiten fündig.

Wer ohne größeres Vorwissen afrikanische Architekten und Architektur sucht, stößt auf Namen wie den ghanaischen Architekten David Adjaye (*1966), der in London lebt und arbeitet und Büros in Berlin und New York betreibt, oder den Ägypter Hassan Fathy (1900-1989), der für seine Lehmziegelhäuser berühmt wurde, mit denen er traditionelle, den Gegebenheiten seines Heimatlandes angemessene – im Gegensatz zu westlichen Bautechniken stehende – Bautechniken aufgriff. Auch das ambitionierte Operndorfprojekt von Christoph Schlingensief, das auch nach Schlingensiefs Tod unter der Ägide des burkinischen Architekten D. Francis Kéré in Burkina Faso realisiert wird (mehr hier), ist einer der ersten Treffer, den Suchmaschinen finden. Danach wird es jedoch dünn.

Modellcollage des Operndorfs © Kéré Architects

Modellcollage des Operndorfs © Kéré Architects

Dass es wenig zu finden gibt, liegt jedoch auch an der Art und Weise, wie in Afrika gebaut wird: Die ganz alltäglichen Gebäude baut man in Afrika selbst, im Dorfverband, mit überlieferten Techniken, ohne größere Bauintention. Größere Aufmerksamkeit erringt man als Architekten jedoch in der Regel mit Großprojekten – für die nicht zuletzt die Gelder fehlen. Der Kreis schließt sich.

Architekturparadies Afrika?

Dennoch hat Afrika in den vergangenen Jahrzehnten Investoren und Bauherren aus vielen Ländern angezogen. So sind etwa einige der „modernsten“ Bauvorhaben der klassischen Moderne auf dem afrikanischen Kontinent entstanden. Hier fanden die modernen Baumeister die ihren Vorstellungen vom Bauen der „Tabula Rasa“ entsprechenden Bedingungen vor. Das eriträische Asmara etwa ist eines der größten Ensembles moderner europäischer Architektur (mehr hier). Nur Miami South Beach, Tel Aviv und Napier, Neuseeland, haben entsprechende Anlagen aufzuweisen. Allerdings ist die typische moderne Bauweise – Glas und Beton – für viele afrikanische Länder, die sich etwa im (sub)tropischen Raum oder in Wüstengebieten befinden, nicht angemessen: Sie heizen sich übermäßig auf und müssen mit viel Energie gekühlt werden.

Heute ist es vor allem China, das Afrika als Investitionsland (und als Ressourcen-Paradies) entdeckt hat und Großbauten dort realisiert – allerdings wenig nachhaltig: Die chinesischen Firmen bringen oft nicht nur das Kapital und Know-how, sondern auch die (ungelernten) Arbeiter mit. Sind die Bauprojekte hingeklotzt, zieht man weiter – mitsamt dem technischen Know-how und den Arbeitern. Dadurch wird nicht nur die heimische Bauindustrie geschädigt, die bei den Dumping-Preis-Offerten der chinesischen Konkurrenz nicht mithalten kann, da sie den staatlichen Arbeitsgesetzen und Mindestlöhnen unterliegt. Auch die Leute vor Ort erwerben wenig Fachwissen – weder davon, wie man baut, noch wie man das Hingebaute fachgerecht instand hält. So begegnen die asiatischen Investoren den Afrikanern zwar auf Augenhöhe und nicht mit zum Teil zweifelhaften Entwicklungshilfeprojekten. Sie investieren jedoch auch nur in einer Art und Weise, die für sie selbst einen Vorteil verspricht.

Zudem befinden sich auch einige der Megacities der Welt auf dem afrikanischen Kontinent, deren Untersuchung künstlerisches wie architektonisches Interesse weckt. So erregt beispielsweise Lagos, die größte Stadt Nigerias, immer mehr Aufmerksamkeit. Rem Koolhaas etwa hat dort ein intensives Rechercheprojekt mit Harvard-Studenten durchgeführt – ein Film von Bregtje van der Haak hat Koolhaas dabei beobachtet –, während MAGNUM-Fotograf Thomas Dworzak die Stadt mit der Kamera porträtiert hat.

Dabei war Lagos lange Zeit keine Megacity: 1901 lebten gerade rund 37.000 Menschen dort, 1921 waren es schon 100.000 und 1971 schon 1,2 Millionen. Heute hat die Stadt die 9-Millionen-Grenze gesprengt, im Jahr 2020 sollen es über 14 Millionen Einwohner sein.

Auf Spurensuche: Architektur in/aus Afrika

Auslöser, sich auf Spurensuche zu begeben in die Welt der zeitgenössischen Architektur in und aus Afrika, war das neue Online-Magazin SAVVY | art.contemporary.african (demnächst online), das sich – erstmals im deutschen Sprachraum – der Vermittlung von zeitgenössischer Kunst in und aus Afrika widmen wird.

Für die erste Ausgabe von SAVVY | art.contemporary.african habe ich ein Interview mit D. Francis Kéré (vorab veröffentlicht in der AZ) über sein Operndorf-Projekt sowie über seine Arbeit allgemein geführt, das “Remdoogo” selbst stelle ich ebenfalls in einem Porträt vor.

Modellcollage des Operndorfs: Festspielhaus mit umliegenden Wohnmodulen  © Kéré Architects

Modellcollage des Operndorfs: Festspielhaus mit umliegenden Wohnmodulen © Kéré Architects

Dabei soll keinesfalls die genannte Lücke in der Berichterstattung über afrikanische Architektur in den deutschsprachigen Medien geschlossen werden – das Thema ist viel zu umfangreich, als dass es mit gelegentlichen Berichten zu schließen wäre. Vielmehr geht es darum, die Lücke überhaupt erst offenzulegen und aufzuzeigen.

Diese Annäherung ist auch für mich Neuland und daher möchte ich alle Leser einladen, sich mit mir auf Entdeckugnreise zu begeben und mit Kommentaren, Tipps, Hinweisen dazu beizutragen, dem facettenreichen Thema rund um die zeitgenössische Architektur in und aus Afrika ein Stück näher zu kommen!




Stadtausstellung in Berlin: Realstadt. Wünsche als Wirklichkeit

26 10 2010

“Ohne die gelben Schilder mit der Aufschrift »Realstadt« hätte der Nicht-Clubgänger (Tresor, ick hör dir trapsen) von heute den Eingang in die (jedenfalls von außen) unscheinbare Industriehalle des »Alten Kraftwerks Berlin Mitte« wohl nicht gefunden.

Nur die enorme Gebäudehöhe lässt die Belohnung ahnen, die man erwartet, nachdem man per Velo die Heinrich-Heine-Straße ab Moritzplatz in Richtung Spree hinter sich gebracht hat. Nicht eben zu den schönsten Ecken zählt diese Gegend. Vorbei an Autoschlangen streckt sich die längste Platte Berlins etwa 1 km. Zu ihr gesellen sich ungepflegt wirkende Grünflächen und merkwürdige Gestalten mit mürrischen Blicken. Den Ausstellungstitel im Kopf, ist man hier tatsächlich mit einer »Realstadt« konfrontiert, für die es eine Menge (Verbesserungs-)Wünsche gäbe. ….

HIER WEITERLESEN: Beitrag von Christian J. Grotzhaus in der AZ zur “Realstadt”, Berlin

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Realstadt

Wünsche als Wirklichkeit
2. Oktober 2010 bis 28. November 2010 im Kraftwerk Mitte, Berlin

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Fotos: Realstadt




Galerie Kvant, Berlin, presents Thomas Keller and Caroline Bayer

21 10 2010

Swiss photographer Thomas Keller has documented how after 20 years of the reunion of Germany there are still distinctive difference between the two regions – in respect of the built environments and the everyday life. Berlin Galerie Kvant presents his long-time photo series “Where Distances Lives”.

Th. Keller

© Th. Keller

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Thomas Keller – Häuser / Where Distance Lives

29. Oktober 2010 bis 1. Januar 2011

Galerie Kvant, Berlin

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PR-Text: Mit unbestechlichem Blick, der mit großer Einfühlungskraft und Genauigkeit selbst das Kleinste und Geringste wahrnimmt, hat der aus der Schweiz stammende, in Berlin lebende Künstler Thomas Keller in den Jahren 2004 bis 2010 eine fotografische Recherche und Bestandsaufnahme in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vorgenommen. In 129 Aufnahmen zeigt er architektonische Eigenheiten, bauliche Überbleibsel und Landschaftsansichten, also kulturelle Zeugnisse der Gegenwart im Nordosten Deutschlands, dem ehemaligen Agrarzentrum der DDR. Insbesondere sind es Häuser und Gebäudegruppen, die er mit einem Blick “von Außen”, porträtiert hat.

Mit seiner komplexen Serie im Medium digitaler Farbfotografie führt uns Thomas Keller vor Augen, dass auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Zusammenschluss der deutschen Staaten markante Unterschiede zwischen beiden Gebieten bestehen – dies in Hinsicht auf die gebaute Umwelt und Lebenswirklichkeit der Einwohner beider Gebiete.

Betrachtet man Kellers Bilder etwas genauer, so wird erkennbar, dass dies kaum anders sein kann, denn die von den Menschen entwickelten Existenz- und Wohnsituationen unterscheiden sich nicht nur aufgrund regionaler Unterschiede, sondern auch wegen der divergenten Möglichkeiten zu planen, zu bauen und zu arbeiten.

Kaum ein Indikator kann so aussagestark und bildmächtig sein wie die Architektur, die für längere Zeiträume entwickelt wird, als das Allermeiste, das Menschen für sich herstellen und verwenden. Um Vieles deutlicher als im Westen des Landes zeigt sich in seinem Osten, wie verwickelt, verwirrend, sogar überfordernd die Situation nach der Wende für etliche Menschen in den neuen Bundesländern gewesen ist, auch was es bedeutet, etwas Neues zu beginnen ohne das Alte und Eigene ganz aufzugeben, sondern es in die neuen Umstände hinüberzuretten und zu integrieren. In diesem Sinne handeln die Fotografien nicht nur vom Umgang der Bewohner der Beitrittsgebiete mit architektonischen Angeboten – etwa solchen, die ihnen Baumärkte machten – sondern ebenfalls von Brüchen und Umwertungen bei ihrer Identität, bei Traditionen und Kommunikationsformen, die typisch für das improvisierende und auf gegenseitige Hilfe angelegte Leben in der DDR waren.

Die von Keller gemachten Aufnahmen zeigen die Ortschaften, Siedlungen und Situationen menschenleer und wie unbewohnt. Umso deutlicher spricht jedoch die in den Fotos festgehaltene bauliche Realität. Keineswegs ist diese uniform, selbst wenn sie monoton und verschlissen anmutet. Sie ist orts- und situationsgebunden vielgestaltig, meist schmucklos funktional und sich wegen der Materialknappheit behelfend. Und doch ist in diesem Stil der Ärmlichkeit etwas erhalten, das im wohlhabenden Westen kaum noch anzutreffen ist: Im guten Sinne ist dies eine bauliche Einfachheit und Anpassung in die natürliche Umgebung, im schlechten eine Öde und Verlassenheit, die zutiefst melancholisch stimmen kann. Letzteres, die Melancholie, hat diese gesamte Fotoserie ergriffen, sie spricht von einer Zurücknahme und merkwürdigen Selbstbezogenheit der Bewohner der Landstriche, die anscheinend bei jeder Gelegenheit die Jalousien herunterlassen, um sich im Inneren der Häuser zu verbergen. Zugleich scheint auch der Fotograf die Gefühlslage des Melancholischen gesucht zu haben und so ist die Stille, die uns seine Aufnahmen vermitteln, wohl auch seiner eigenen Gestimmtheit zu verdanken. Manches, was man erkennt, muss verstummt sein, als die DDR sich auflöste – so etwa die Betriebsamkeit der agrarindustriellen Ansiedlungen, deren Landarbeiter in Plattenbauten lebten, die wie Fremdkörper aus den Silhouetten kleiner Dörfer ragen. Spätestens mit der Zugehörigkeit zur EU war es mit den volkseigenen Landwirtschaftsbetrieben vorbei, die Facharbeiter Zootechnik und die Hirten wurden arbeitslos. Mit dem neuen West-Supermarkt hatte der kleine Konsum-Laden ausgedient und als Baumärkte auf der grünen Wiese entstanden, machte es keinen Sinn mehr, sich den Gartenzaun auf der Arbeit in eigener Initiative zu schlossern. Doch die Platte im Dorf, der leere Konsum und die Gartenzäune aus Metall sind vieler Orts stehen geblieben. Sie wurden angestrichen, umfunktioniert oder mit neuen Architekturelementen kombiniert und konfrontiert, so dass eine seltsame Mischung entstand, eine Collage aus Altem und Neuem, das sich nicht so richtig vertragen will, ganz ähnlich wie die Deutschen im Westen und Osten.

Die Dinge des Alltags, auch die Architekturen sind geblieben oder sie sind verschwunden. Manche Menschen haben ihre Heimat wegen der Arbeit verlassen, andere begannen Neues oder sie harrten aus, weil sie zu alt sind oder nicht gebraucht wurden. Tatsächlich gibt eine solche Entwicklung der Auflösung und des Verschwindens Anlass zur Melancholie, aber diese kann sich dennoch manchmal angenehm anfühlen, und so gibt es in der Fotoserie auch Aufnahmen, die seltsam berühren, weil sie etwas Altes und Beständiges benennen – besonders geschieht dies in den von Keller festgehaltenen Landschaftsbildern, die Momente einer abhanden gekommenen Ursprünglichkeit bezeichnen, etwas geradezu Naturinniges und Romantisches gespeichert haben, das eher in das 19., nicht ins 21. Jahrhundert zu gehören scheint.

Der Norden und Nordosten Deutschlands war seit dem frühen 19. Jahrhundert Großgrundbesitz, so genanntes Junkerland. Dieses Wirtschaftssystem wurde von der DDR abgeschafft, jedoch überlebten viele seiner Architekturen, die nach der Agrarreform und Kollektivierung der 1940er und 50er Jahre durch neue Bauten ergänzt und überformt wurden. Bereits damals ergaben sich auf dem Land Baucollagen, die bis heute erkennbar sind. Und nun ist dieses Gebiet seit 1989 noch einmal überformt und dekonstruiert worden, so dass etwas Uneinheitliches, Kombiniertes und Fragmentiertes entstanden ist, das sich mit den gerade verwendeten Begriffen sofort als ungewollt modern, ja zeitgemäß zu erkennen gibt.

Thomas Kellers fotografische Langzeitbeobachtung Häuser / Where Distance Lives stellt diesen Wesenszug der beiden bevölkerungsschwachen und eher armen Bundesländer mit seiner dokumentarisch-impressiven Fotografie vor und setzt ihrer Existenz dabei ein persönliches Denkmal, das die Handschrift des Fotografen trägt und seine Wahrnehmung deutlich belegt – sie ist introspektiv, unsentimental, präzise, voller Verständnis.

Text von Peter Funken

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Noch bis zum 23. Oktober sind Arbeiten von Caroline Bayer zu sehen:

C. Bayer

© C. Bayer

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CAROLINE BAYER

NEU.

3. September bis 23. Oktober 2010

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PR-Text: Caroline Bayer durchstreift den urbanen Raum, fotografiert, skizziert und sammelt Architektursequenzen. Diese dokumentierten Fragmente, der uns umgebenden Architektur, werden zu Fundstücken, zum Vokabular des sich materialisierenden Objekts. War es bei den bisherigen Werken von Caroline Bayer die Konzentration der Formen auf das wesentlichen Liniengerüst, so überträgt die Künstlerin in ihrer Ausstellung NEU. ihre Architekturfundstücke als Objekt in den Galerieraum. Das Fundstück ihrer Ortsbesichtigungen wird zur kristallinen Form, zum realisierten Objekt einer Materialsammlung architektonischer Formsprache.

Caroline Bayer (*1973) hat an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht (NL) und an der Kunstakademie in Münster bei Maik und Dirk Löbbert studiert.

Info + illus. courtesy Galerie Kvant





Karin Rosenberg: “Umbruch” in der Galerie M Berlin

21 10 2010

Karin Rosenberg’s installation spreads into the entire gallery space of Galerie M, Berlin. Its title “Umbruch” translates to “upheaval”, “on the move” – the German word connotes both negative and positive content – and is often used synonymously for “political change”. Rosenberg plays with these association, yet doesn’t show them visually: Using topical urban material she changed the gallery into a walk-in art work.


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Karin Rosenberg “Umbruch”

27.9. – 29.10.2010

Galerie M, Berlin

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Aktuell: Künstlergespräch, 21.10.2010, 19h

Dr. Ralf Hartmann (Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord) diskutiert mit Karin Rosenberg und Emess (Urban Artist) die schon in der Ausstellung thematisierten Fragen zu Kunst und öffentlichem Raum weiter.

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PR-Text: Karin Rosenberg zeigt in der Galerie M eine raumfüllende Installation mit dem Titel „Umbruch“. Umbruch – ein Begriff der heute oft als Synonym für die politische Wende gebraucht wird. Karin Rosenberg nutzt diese Assoziationen, ohne sie jedoch visuell zu spiegeln. Die Künstlerin inszeniert alltäglich wahrnehmbare städtische Materialien – Bauzäune, Platten und andere Baumaterialien und strukturiert so den Galerieraum als begehbares Kunstwerk. Fotomontagen, großformatige Folienschnitte und Texte geben der Installation eine Komplexität, die dem Titel der Ausstellung mehr als gerecht wird.

Alles in der Ausstellung beschreibt einen Zustand zwischen nicht mehr und noch nicht. Bauzäune stehen auf weichem Kunstrasen. Der Schriftzug „Umbruch“ in roten Leuchtbuchstaben an der Wand wird mit dem Bild eines Sprayers kombiniert – in klassischer Streetartmanier direkt an die Galeriewand gesprüht. Underground gegen Kommerz? Die Buchstaben im Stil der Sparkassenwerbung lassen dies vermuten, sind aber mehr. Der Begriff Umbruch steht hier nicht nur für Veränderung und Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse, er benennt und befragt Schnittstellen von Kultur und Natur, von privaten und öffentlichen Räumen.

Großformatige, floral anmutende Folienschnitte an den Wänden stellen Flechten dar. Diese Flechten, hier in schon gigantische Ausmaße vergrößert, werden in der Umweltforschung als Indikator für städtische Luftqualitäten genutzt. Natur als Sensor gesellschaftlicher Veränderungen. Die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten menschlicher Kultur und Natur durchziehen alle Bereiche der Installation.

Der Grundsatz der Chaosforschung “Alles hängt mit Allem zusammen” beschreibt, wenn auch sehr allgemein formuliert, den künstlerischen Ansatz der Ausstellung. Karin Rosenbergs Installation konkretisiert dies und fragt nach der veränderungsauslösenden Situation – für eine wahrnehmbare Veränderung, einen Umbruch.

Info + illus. Galerie M




Christian von Steffelins Palastschaustelle in Berlin

19 10 2010

And another vernissage in Berlin, Friday 22 Oktober: berg19 raum für fotografie presents Christian von Steffelin’s long time series of the the disappearance of Palast der Republik in Berlin. The exhibition is part of the 4. European Month of Photography Berlin 2010.

© Christian von Steffelin, links: ©2009, C-Print, 125 x 150cm gerahmt re: ©2006-8, C-Prints, je 20 x 20cm

© Christian von Steffelin, links: © 2009, C-Print, 125 x 150cm gerahmt re: ©2006-8, C-Prints, je 20 x 20cm

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Palastschaustelle
Christian von Steffelin

23. Oktober – 27. November, 2010
berg19 raum für fotografie, Berlin


Vernissage 22. Oktober, 2010, 19-22Uhr

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PR-Text: Christian von Steffelin dokumentiert in Langzeitstudien Orte, die im Verschwinden begriffen sind. Besonders intensiv hat er sich mit dem Palast der Republik auseinandergesetzt, der einstigen Machtzentrale der DDR, dessen Transformation und Rückbau er mehr als 15 Jahre lang begleitet hat.

Information / Palast der Republik, 1996, C-Print, 40 x 50cm

Christian von Steffelin, Information / Palast der Republik, 1996, C-Print, 40 x 50cm © Christian von Steffelin

Christian von Steffelin beschäftigt das Wesen der Vergänglichkeit. Er versucht dem Vergessen und Verschwinden Herr zu werden, indem er sich einem Ort immer wieder und unter wechselnden Voraussetzungen nähert. So ist im Falle des Palasts ein regelrechtes Konvolut an Aufnahmen entstanden, sowohl vom langsamen Rückbau des Gebäudes, als auch von den Menschen, die ihn mitverfolgt haben.

Ein Bauarbeiter schweißt Stahlträger in Einzelteile. Ein Päarchen betrachtet die Zerstörung aus einiger Entfernung, während Kinder ein ‚Rettet den Palast’ Schild vor sich hochhalten. Neben dem dokumentarischen Festhalten von Geschichte, geht es Christian von Steffelin darum die besondere und vielfältige Atmosphäre einzufangen, die solch ein Ort ausstrahlt.

Text: Petra Karadimas

Info + illus. courtesy berg19 raum für fotografie, © Christian von Steffelin

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Im November 2010 erscheint  bei Hatje Cantz ein Katalog von von Steffelins Palast der Republik-Serie, auf die deconarch.com bereits hingewiesen hat:

Christian von Steffelin, Palast der Republik 1994-2010. Texte von Knut Ebeling, Manfred Schmalriede, Christian von Steffelin, Gestaltung von Kai-Olaf Hesse. Deutsch/Englisch, 248S. 258 Abb., davon 237 farbig, 30 x 22,5cm, gebunden, €39,80 (D), CHF 56,90





“DAS LETZTE HAUS — vom Verschwinden der Dinge” von Antje Stürholz und “BURNING DOWN THE HOUSE” von Norman Behrendt in Berlin

17 10 2010

Berlin gallery »erstererster« presents photographs by Antje Stürholz and Norman Behrendt, both dealing with questions of identity in their work. In their photographs they show us how intertwined our identity is with the location where we are living, and our personal background.
The exhibition is a cooperation with Wiebke Loeper, professor of photography at FH Potsdam. And for all of you in Berlin: The opening is on Friday, 22 October.

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© Antje Stürholz

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»DAS LETZTE HAUS — vom Verschwinden der Dinge« von Antje Stürholz
»BURNING DOWN THE HOUSE« von Norman Behrendt

22. bis 31.10.2010
“erstererster”, Berlin

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Vernissage am Freitag, 22.10.2010, 19h

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© Norman Behrendt

© Norman Behrendt

PR-Text: Antje Stürholz und Norman Behrendt setzen sich in ihrer fotografischen Arbeit mit Fragen der Identität auseinander. Anhand ihrer Bilder zeigen sie, wie stark in diesem Kontext Abhängigkeiten von Ort und Herkunft auf uns einwirken und zu welchen außergewöhnlichen Ergebnissen das Streben nach sozialer Anerkennung führen kann. Beide zielen damit, wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln, auf eine individuell geprägte Definition ihrer persönlichen Lebenswelt, die fähig ist, Traditionen und überlieferte Normen neu zu interpretieren, bzw. neue Formen von Identitätsstiftung zu definieren.

© Antje Stürholz

© Antje Stürholz

Antje Stürholz, Jahrgang 1980, stellt Auszüge ihres Zyklus »Das letzte Haus—Vom Verschwinden der Dinge« vor, in dem sie das Leben und die Menschen ihres Wohnhauses dokumentiert. Am Gebäude werden, wie auch im gesamten Kiez-Umfeld, seit geraumer Zeit tiefgreifende Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten vorgenommen. Die ursprünglichen Besitzverhältnisse unterliegen einer Umstrukturierung, was mitunter dazu führt, dass Großteile der bisherigen Bevölkerung aus ihrem vertrauten Wohnumfeld verdrängt werden. Diesem allgemein auch als Gentrifizierung bezeichnen Prozess ist Stürholz selbst ausgesetzt. Sie dokumentiert die entsprechenden Veränderungen im Kleinen: Porträts der noch verbliebenen Hausbewohner in ihren Wohnungen, Spuren des Vergangenen im Übergang zu Neuem. Ihre Fotografien erzählen auf eindringliche Weise von der Veränderung, dem Verschwinden, dem Verstummen von Geschichte, die auch unsere eigene sein kann.

© Norman Behrendt

© Norman Behrendt

Der 1981 geborene Norman Behrendt zeigt Fotografien aus seiner Serie »burning down the house«, welche einen Einblick in die Writer-Szene Berlins gewährt. Die Porträts zeigen teils vermummte, teils offen vor der Kamera sich präsentierende Personen, deren Identität für den Aussenstehenden nicht nachvollziehbar ist. Für den Insider lassen sich jedoch aufgrund bestimmter visueller Codes der Kleidung, der Inszenierung und auch der einbezogenen Örtlichkeiten Zuordnungen treffen, die Hinweise liefern zur Entschlüsselung der Identität des Writers. Auf diese Art und Weise öffnet sich dem Betrachter ein Einblick in eine Welt, die sich abseits der üblichen gesellschaftlichen Normen verortet. Die eindrucksvollen Porträts zeigen die Protagonisten einer Subkultur, welche neue Möglichkeiten der Erfahrung öffentlichen Raumes auslotet.

Text: Daniel Klemm

Info + illus. erstererster and the photographers




Architecture photography in Stuttgart and Munich: Sebastian Burger and Gerrit Engel

14 10 2010

Two interesting shows in southern Germany: f75 in Stuttgart presents Sebastian Burger’s shots from Baku, capital of Azerbaijan, where about 800 highrises have been erected in the past 10 years – though many new appartments remain empty and are often only considered as investment items. Baku’s cityscape is changing rapidly. Henn Galerie in Munich shows the first retrospective of Berlin based photographer Gerrit Engel whose focus is on “portrait studies” of buildings.

© Sebastian Burger

© Sebastian Burger

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Sebastian Burger: Baku . Stadt der schlagenden Winde.
12. Oktober 2010 – 26. November 2010
f75 Fotogalerie Stuttgart

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PR-Text: In der aserbaidschanischen Hauptstadt wurden in den letzten zehn Jahren etwa 800 Hochhäuser errichtet. Neue Appartements stehen oft leer, Wohnungen werden nicht selten nur als Geldanlage gekauft. Das alte Stadtbild Bakus verändert sich rasant. Der Wandel geht mit der Verdrängung des aserbaidschanischen Kulturerbes aus der Zeit um 1900 einher. Sebastian Burger hat den Wandel mit all seinen Brüchen und Verwerfungen porträtiert, liebevoll und einfühlsam, aber ohne Beschönigung.

© Sebastian Burger

© Sebastian Burger

Sebastian Burger wurde 1979 in Seeheim-Jugenheim geboren. Nach Fotografen-Praktika in Hamburg und München studierte er an der Hochschule für Künste, Bremen.

Info + illus. courtesy f75

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Gerrit Engel: Agway, 1997, aus der Serie Buffalo Grain Elevators, c- Print, 100 x 70 cm (Ed. 3)

Gerrit Engel: Agway, 1997, aus der Serie Buffalo Grain Elevators, c- Print, 100 x 70 cm (Ed. 3) © Gerrit Engel

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Gerrit Engel Arbeiten 1996-2010
8. Oktober – 23. Dezember 2010

HENN GALERIE, München

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PR-Text: Die Ausstellung in der Henn Galerie ist die erste Werkschau des Berliner Fotografen Gerrit Engel. Gezeigt werden Auszüge aus den wichtigsten Werkgruppen der letzten 15 Jahre, darunter Buffalo Grain Elevators (1997), Marzahn (1999), Manhattan NEW YORK (2006), Berlin (2009) sowie die bisher noch nicht ausgestellte Arbeit Palast der Republik (2009). ARBEITEN 1996 – 2010 ist als Installation angelegt, die sich an thematischen und stilistischen Aspekten orientiert und die charakteristischsten Arbeiten aus Gerrit Engels Schaffen zeigt.

Einen Schwerpunkt in Gerrit Engels Fotografie bilden die so genannten „Portait-Studien“ von Gebäuden. Die Fotografien zeugen von einer sachlich-nüchternen Annäherung wie auch von einer sympathisierenden Haltung des Fotografen, der das Objekt zum Individuum mit skulpturalen und ikonischen Qualitäten erhebt. Wie schon bei Engels viel beachtetem Debüt Buffalo Grain Elevators gelingt ihm auch bei seinen stadträumlichen Projekten eine baugeschichtliche Bestandsaufnahme voller sozialer und politischer Zeichen.

Gerrit Engel: Agway, 1997, aus der Serie Buffalo Grain Elevators, c- Print, 100 x 70 cm (Ed. 3)

Gerrit Engel: Agway, 1997, aus der Serie Buffalo Grain Elevators, c- Print, 100 x 70 cm (Ed. 3) © Gerrit Engel

Gerrit Engel lebt und arbeitet in Berlin. Der 1965 in Essen geborene Fotograf studierte von 1990 bis 1997 Architektur und Fotografie an der Technischen Universität München und am City College New York. Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Anlässlich der Eröffnung des Neuen Museums für Kunst und Design in Nürnberg im Jahr 2000 wurde sein Projekt über Marzahn präsentiert und in die ständige Sammlung aufgenommen. 2009 zeigte die Pinakothek der Moderne die erste umfangreiche Einzelausstellung mit Bildern aus den Werkgruppen Manhattan und Berlin in München. Weitere Arbeiten sind derzeit in Leipzig und Madrid und ab November in Rotterdam zu sehen.

Info + illus. courtesy Henn Galerie




Currently in London: Zaha Hadid designs art fair booth for Pavilion of Art & Design

14 10 2010

For the fourth time, the “Pavilion of Art & Design” in London (Berkeley Square) presents selected works of Design, modern art, photography, jewelery and tribal arts. Swiss gallery Gmurzynska, one of the 50 leading international galleries, shows classical modern and contemporary art – in a fair boot exclusively designed by Zaha Hadid.

For an English info please use this link.

Pavilion of Art & Design, London 2010

13. – 17. Oktober 2010

Galerie Gmurzynska‘s booth by Zaha Hadid

Explosion Graphic for Pavilion of Art and Design / London, ZAHA HADID ARCHITECTS, Gmurzynska Gallery 30/09/2010

Explosion Graphic for Pavilion of Art and Design / London, ZAHA HADID ARCHITECTS, Gmurzynska Gallery 30/09/2010

Aus dem PR-Text der Galerie Gmuzynska: Spektakulär war schon die Ausstellung „Zaha Hadid and Suprematism“ diesen Sommer in der Züricher Galerie Gmurzynska, welche von Zaha Hadid kuratiert und designt wurde. Nun verwandelt die Stararchitektin den Messestand der Galerie bei „Pavilion of Art & Design, London 2010“ in ein Gesamtkunstwerk. Das dynamische, transformative Schwarz/Weiß Design des Messestands ist durch eine Explosion inspiriert. Somit entsteht ein Dialog zwischen dem Stand und den Kunstwerken der Klassischen Moderne wobei die Themen Abstraktion, Verformung, Zersplitterung und Schweben im Fokus stehen. Eine 2-dimensionale Zeichnung wird in einen 3-dimensionalen Raum projiziert, wodurch der Stand zu einem räumlichen Kunstwerk wird: Die Grenzen der flachen Bilder werden ausgedehnt und damit erlebbar gemacht. Diese Umgebung bietet die perfekte Bühne für eine Auswahl an Zaha Hadids Kunstwerken und Werken der Klassischen Moderne.

Die Stararchitektin Zaha Hadid hat im September den „Stirling Prize 2010“ gewonnen, die höchste Auszeichnung des „Royal Institute of British Architecture“, und wurde vom Time Magazine in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2010 aufgenommen.

Akutelle Ansicht des Messestandes

Aktuelle Ansicht des Messestandes

Galerie Gmurzynska ist seit mehr als 40 Jahren spezialisiert auf die Meisterwerke der Klassischen Moderne, der zeitgenössischen Kunst und auf Künstler der russischen Avantgarde. An den drei Standorten St. Moritz, Zürich und Zug setzt die Galerie Zeichen und informiert über die wichtigste Kunst des letzten Jahrhunderts . Mehr als 100 Kataloge, Bücher und Werksverzeichnisse entstanden in enger Zusammenarbeit mit weltweit renommierten Experten. Galerie Gmurzynska wird in Zukunft ihr Galerieprogramm erweitern und ihren Fokus vermehrt auf die Werke des frühen 20. Jahrhunderts und deren Einfluss auf die heutige Kunst legen. Damit baut die Galerie eine Brücke zwischen moderner und zeitgenössischer Kunst.

Info + illus. Galerie Gmurzynska




Rezension: 3 Stadia 2010. Architektur für einen afrikanischen Traum

2 10 2010

Es liegt schon ein wenig länger neben meiner Couch und ich und Gäste blättern immer wieder gern durch seine Seiten: 3 Stadia 2010 ist nicht nur vom (Über-)Format ein eindrucksvolles „Coffee-Table-Book“. Es erzählt die Geschichten der drei Fußballstadien, die das Hamburger Architekturbüro gmp zur WM 2010 in Südafrika gebaut hat, in Texten und Bildern. Und es sind vor allem die eindrucksvollen Fotografien, die sowohl die Stadien illustrieren als auch die Städte “um die Stadien herum” einfangen und ein wenig WM-Flair nachwirken lassen.

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3 Stadia 2010
Architektur für einen afrikanischen Traum

Herausgeber: Falk Jaeger
DEUTSCH/ENGLISCH
176 Seiten
mit 157 farb. und 12 s/w Abbildungen
Hardcover
Format: 24 x 32 cm
Euro 34.00  sFr 60.00
ISBN 978-3-86859-063-0

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Herausgegeben von Falk Jaeger, der schon für mehrere Bücher mit dem Jovis Verlag zusammengearbeitet hat, versammelt die zweisprachige Publikation Beiträge von mehreren Autoren aus Architektur und Journalismus und teilt sich in zwei Kapitel: Während im ersten Teil die „Macher“, die Architekten von gmp und die Ingenieure Schlaich Bergermann und Partner zu Wort kommen, widmet sich der zweite Teil den Stadien selbst.

Die Architektur hatte einen sehr konkreten politischen Auftrag zu erfüllen – die Ausrichtung einer Fußballweltmeisterschaft war auch eine deutliche und bewusste Botschaft einer Nation an die Welt, dass hier ein neues, demokratisches Südafrika im Entstehen begriffen sei. Hellen Zille, einzige weiße Provinzgouverneurin Südafrikas, hat dafür eine eingängige Formulierung gefunden: „Yes Afri-can!“

So wurde etwa das Cape Town Stadium in Kapstadt nicht in einem schwarzen Township – Fußball ist in Südafrika vor allem ein „schwarzer“ Sport –, sondern mitten im weißen Viertel von Greenpoint errichtet (was freilich nicht ohne Widerstände auszuführen war).

Über die Entwicklungen des Landes Südafrika in den vergangenen Jahrzehnten, mit seinen Fortschritten, aber auch den Problemen, die nach wie vor herrschen, schreibt Afrika-Korrespondent Thomas Scheen. Hubert Nienhoff von gmp beschreibt die Erfahrungen der Architekten im Stadionsbau, welche Ziele sie konkret für die afrikanischen Bauten verfolgt haben und nicht zuletzt wie es dazu kam, dass gmp den „Hattrick“ in Südafrika geschafft hat. Er schildert aber auch, welche Probleme dem deutschen Architekturbüro begegnet sind, wie Zweifel und internationale Entwicklungen das Vorangehen der Projekte gebremst haben, wie die südafrikanische Art der Entscheidungsabläufe – „wait and see“ – gewöhnungsbedürftig und fremd waren.

Auch Knut Göppert vom Tragwerksplaner-Unternehmen gibt Einblicke in die Art und Weise des Arbeitsprozesse, die den Ingenieuren in Südafrika begegnet sind. Mit fremden und zunächst unbekannten Anforderungen war ebenso umzugehen wie mit spezifischen Erfordernissen der lokalen Wirtschaftsförderung – so wurden etwa die zu vergebenden Aufträge auf möglichst viele Büros aufgeteilt und ungelernte Bauarbeiter auf der Baustelle gezielt qualifiziert.

Der zweite umfangreiche Teil ist den drei Stadion-Bauten in Durban, Port Elizabeth und Kapstadt gewidmet: Moses Mabhida Stadium, Nelson Mandela Bay Stadium und Cape Town Stadium. Neben einem Porträt der Städte von Richard Klug und Wolfgang Drechsler – Klug ist seit 2006 ARD-Korrespondent für das südliche Afrika mit Sitz in Johannesburg, Drechsler seit 1995 Afrika-Korrespondent für das Handelsblatt mit Sitz in Kapstadt – mit einem Überblick über die jeweiligen historischen Entwicklungen und die soziale Situation vor Ort, folgt die Darstellung des jeweiligen Gebäudes von der Entwurfsphase bis hin zum fertigen Bau von Falk Jaeger. Kurzweilig geschrieben bieten die Texte eine ganze Reihe von Informationen und interessanten Einblicken, die nicht nur Fußball-Fans ein paar der architektonischen Facetten der WM, sondern auch Architekturinteressierten die Stadienbauten näher bringen.

Den Abschluss bildet ein weiterer Text von Richard Klug, in dem nachgezeichnet wird, welche besondere Bedeutung das Fußballspielen in Südafrika hat und wie die Fußball-WM auch „Balsam für die nationale Seele“ war: Dazu gehören amüsante Anekdoten wie die von der „Makarapa“, der ausgefallenen Kopfbedeckungen der südafrikanischen Fans, und natürlich der unüberhörbaren „Vuvuzela“, dazu gehören aber auch ernste Geschichten wie die von der „Makana“, der wohl seltsamsten Fußball-Liga weltweit: 1963 beantragten die Häftlinge auf der Gefängnisinsel Robben Island, Fußball spielen zu dürfen. Erst vier Jahre später wurde der Antrag gewährt und die Gefangenen konnten beim Fußball den harten Alltag im Gefängnis im wahrsten Sinne ein wenig „überspielen“. Fußball ist in Südafrika immer auch politisch.

„3 Stadia“ bildet einen schönen Nachklang zur WM 2010, bei dem auch die Schwierigkeiten rund um die Bauarbeiten sowie im südafrikanischen Alltag erwähnt werden. Allerdings herrscht der positive Blick auf die Realisierung der „Architektur für einen afrikanischen Traum“ vor. Schön wäre es noch gewesen, wenn auch Südafrikaner zu Wort gekommen wären. Aber das könnte ja in einem Nachfolgeband nachgeholt werden – in vier Jahren etwa: Dann wäre es interessant zu erfahren, was mit den Stadien nach der WM geschieht.




ARCHITEKTUR IM FILM: Cinema Quadrat in Mannheim

1 10 2010

Eine kleine Filmreihe des Mannheimer Kinos Cinema Quadrat widemt sich im Oktober der “ARCHITEKTUR IM FILM”. Besonders freue ich mich, dass darunter auch “Visual Acoustics” ist, der Doku-Film von Eric Bricker über Architekturfotograf Julius Shulman, auf den ich bereits mehrfach hingewiesen habe (am 24.10.).


8.10. / 9.10. / 12.10. /13.10. jeweils 19.30h
MUSIK FÜR HOCHZEITEN UND BEGRÄBNISSE (MUSIKK FOR BRYLLUP OG BEGRAVELSEN)
NOR 2002. R: Unni Straume, D: Lena Endre, Bjorn Floberg, Goran Bregovic. 97 Min., OmU

14.10. – 17.10. jeweils 19.30h
BUILDING THE GHERKIN – NORMAN FOSTER BAUT IN LONDON

CH 2005. R: Mirjam von Arx. Dokumentation. 89 Min. OmU

19.10.-20.10. jeweils 19.30h
DER ARCHITEKT ANTONI GAUDÍ – MYTHOS UND WIRKLICHKEIT
DEU 2010. R: Frederike Müller. Dokumentation. 69 Min.

20.10.-23.10. / 26.10. jeweils 19.30h
OSCAR NIEMEYER – DAS LEBEN IST EIN HAUCH (OSCAR NIEMEYER – A VIDA É UM SOPRO)
BRA 2007. R: Fabiano Maciel. Dokumentation. 85 Min., OmU

24.10. um 19.30h
VISUAL ACOUSTICS – THE MODERNISM OF JULIUS SHULMAN

USA 2008. R: Eric Bricker. Dokumentation. 83 Min., engl. OF

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