Cathrin Schulz: Last Call _ Virtual Exhibition: A new feature by deconarch.com

21 08 2011

The photo series LAST CALL by German photographer Cathrin Schulz portrays Berlin inner city airport Tempelhof in an outstanding way. With its presentation as an online exhibition, deconarch.com starts a new experimental feature: Virtual Exhibition!

Last Call

Cathrin Schulz, Last Call

Tempelhof was one of the first traffic airports in Germany, opening its gates in 1923 until it was shut down on October 30, 2008. Historically charged – calling to memory the legendary Berlin Airlift, with the allied “Raisin Bombers” – and remarkable from a urbanistic geo-view – the airport is one of the biggest buildings in the world and covers a huge area of cityscape, as a view on the map shows –, the airport is laden with memories, dreamsand symbolic meaning. Yet even though shut down, the airport’s future is still not fully undecided.

Cathrin Schulz’s Tempelhof – always without human presence – appears calm and timeless, a of both historic as well as – maybe surprising to some – of architectural-aesthetic value.

Click here to see the Virtual Exhbition of Cathrin Schulz: Last Call!

Virtual Exhibition: A new feature by deconarch.com

ENGLISH

Mit der Fotoserie “Last Call” von Cathrin Schulz geht ein neues Feature von deconarch.com an den Start: Die Virtual Exhibition, ein Online-Experiment, das nicht nur das Angebot von deconarch.com ergänzt, sondern auch die Möglichkeiten des Internets weiter ausreizt.

Ist deconarch.com eine Plattform, die Kunst und Architektur – ARTitecture – zusammenbringt und als Begegnungsstätte mit der Vielfalt der künstlerischen Positionen, die diese Denkansätze verfolgen, fungiert, ergänzt Virtual Exhibition diesen Ansatz um die verstärkte visuelle Begegnung mit ARTitecture – in Form einer virtuellen Ausstellung.

Virtual Exhibition schöpft die Möglichkeiten des WWW aus: Es ermöglicht nicht nur die geografisch wie temporal unbegrenzte Begegnung und Zugänglichkeit der präsentierten Arbeiten, sondern auch ihre dauerhafte Verfügbarkeit, während Ausstellungen vor Ort immer nur in einem begrenzten Zeitraum präsent sind. In diesen virtuellen „Sehräumen” werden spannende Begegnungen möglich, die sich realiter so nicht ohne Weiteres finden lassen – Denkanstöße, Entdeckungen und Überraschungen inklusive!

 

More about Cathrin Schulz

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Cathrin Schulz, Last Call

The German photographer, living and working in the USA, works on two main bodies of works: A conceptual one called SIXTH SENSE, a photographic abstraction presented in form of installations. AND A second one, which she is currently working on, called AUTHENTI(C)ITY of AMERICA, documenting her vision of America as a German photographer.

“Immersing myself in the urban scenery of the United States I perceive its authenticity and diverseness’ and embrace it in soul places.”

About her work, Cathrin Schulz says: “With my images I underscore a graphic and aesthetic perfection of my motives and its tranquility without ever staging a setting. Approaching my subjects with a cool objectivity, lack of distortion, and emptiness of human presence my works convey a timelessness creating a blank screen onto which one can project ones own memories and emotions. As a self taught photographer, I have a very intuitive approach to my subjects of interest. My spirit is : FEEL WITH YOUR MIND, THINK WITH YOUR SENSES.”




„Innerhalb des Vierecks meiner Leinwand habe ich jede Freiheit, Welten zu erschaffen oder auch zu verwerfen.“ Interview mit Friederike Vahlbruch

15 08 2011

Die Arbeiten der Kölner Malerin Friederike Vahlbruch zeigen Szenen, die die Realität buchstäblich auf den Kopf stellen. In ihren New York-Ansichten setzen sich die endlos scheinenden Straßen- und Häuserzüge bis in den Himmel fort. Von allen Seiten stürzt “Stadt” auf den Betrachter ein – Hochhäuser, Straßen, Autos. Der Skyscraper scheint beim Wort genommen und nicht nur in den Himmel zu streben, sondern auch von dort zurückzustürzen.

CROSS OVER 2011, Öl auf Nessel, 130x80 cm

CROSS OVER, 2011, Öl auf Nessel, 130x80 cm

Die Künstlerin, die nach einem Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Rissa seit 1991 in Köln lebt, schafft perfekte Illusionen. Ihr Ziel ist es,  im traditionellen Medium Malerei feste Vorstellungen des Betrachters außer Kraft zu setzen und ihn die gemalten Dinge und die Malerei neu sehen und erleben zu lassen, so sagt sie selbst. Waren es zunächst menschliche Figuren, die in realistisch-absurden Szenerien mit der Wahrnehmung des Betrachters spielen, wenden sich Vahlbruchs neue Arbeiten dem Erleben von Architektur zu.

Was sie dazu bewogen hat, Künstlerin zu werden und welche Rolle der Genter Altar dabei spielt, über die illusionistischen Möglichkeiten gegenständlicher Malerei, den „traditionellen“ Tabubruch in der Kunst und warum sie sich weniger in der Tradition der Surrealisten sieht, darüber gibt Friederike Vahlbruch im Interview mit deconarch.com Auskunft.

 illus. (c) Friederike Vahlbruch

INTERVIEW

Gleich zu Beginn eine „einfache“ Frage: Warum Kunst? Wie kamen Sie dazu, Künstlerin zu werden?

TOWNOVER, 2011, Öl auf Nessel, 110x130 cm

TOWNOVER, 2011, Öl auf Nessel, 110x130 cm

So einfach die Frage klingt – es ist schwierig, sie zu beantworten.

Ich hatte schon als Kind ein starkes Bedürfnis, mich durch Malerei ausdrücken zu wollen. Das beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem „Warum”, also der eigentlichen Sehnsucht hinter diesem frühen Wollen. Prägend war für mich als Sieben- oder Achtjährige der Anblick des Genter Altars. Diese perfekt gemalte Illusion, die Leuchtkraft der Farben, die Größe des Altars, all das setzte unglaublich starke und vielschichtige Gefühle in mir frei. Durch eigene Bilder vergleichbare Empfindungen bei mir und bei anderen Betrachtern zu bewirken ist wohl der ursprüngliche Wunsch hinter meinem Künstlerberuf.

Welche Möglichkeiten bietet Ihnen die künstlerische Arbeit?

„Land der unbegrenzten Möglichkeiten” war der Titel meiner letzten Ausstellung im Kunstverein Worms. Innerhalb des Vierecks meiner Leinwand habe ich jede Freiheit, Welten zu erschaffen oder auch zu verwerfen. Zugleich bin ich aber auf Kuratoren und Galeristen angewiesen, um meine Arbeit ausstellen zu können, und natürlich auf Käufer.
Die Möglichkeiten der künstlerischen Arbeit sehe ich daher zweigeteilt: Völlige Freiheit innerhalb meines Ateliers einerseits, angewiesen sein auf die Anerkennung durch die Kunstszene andererseits.
Das empfinde ich als nicht immer ganz einfaches Wechselspiel zwischen dem Bewahren der eigenen Authentizität und Haltung und dem Reagieren auf für mich wichtige Einflüsse von außen. Zeitgemäßer Ausdruck und die eigene Individualität müssen immer mal wieder miteinander in Einklang gebracht werden.

Narration, die illusionistischen Möglichkeiten der Malerei, auf der Leinwand Welten entstehen zu lassen – welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

COFFE CREAM, 2011, Öl auf Nessel, 25x25 cm

COFFE CREAM, 2011, Öl auf Nessel, 25x25 cm

Der Eindruck, den die perfekt gemalte Illusion des Genter Altars bei mir hinterlassen hat, wirkt bis heute nach. Ich interessiere mich für die Frage, wie das sein kann, dass man auf einem vorher festgelegten, flachen Viereck mittels Farbe und ihrer Anordnung Illusionen hervorrufen kann, die den Betrachter dazu bringen, etwas wahrzunehmen, zu erkennen und emotional darauf zu reagieren. Warum man glaubt, etwas Bestimmtes zu sehen und die Bedeutung dessen, was man sieht, zu kennen, ist eine zentrale Frage, die meiner Arbeit zugrunde liegt. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit Klischee- und Wunschvorstellungen, die oft schon Bilder und Assoziationen in der Vorstellung vorab entstehen lassen, bevor das Auge die Malerei richtig wahrnimmt. Ziel meiner Arbeit ist es, im traditionellen Medium Malerei feste Vorstellungen des Betrachters außer Kraft zu setzen und ihn die gemalten Dinge und die Malerei neu sehen und erleben zu lassen.

Ihre Gemälde zeigen ganz unterschiedliche Inhalte, Stadtansichten ebenso wie Figurenpersonal. Immer aber gibt es ein irritierendes Moment, eine illusionistische Verzerrung oder Verdrehung …

FOREST TOWN, 2011, Öl auf Nessel, 180x150 cm

FOREST TOWN, 2011, Öl auf Nessel, 180x150 cm

Während meiner Studienzeit musste ich mich zunächst einmal mit der Frage auseinandersetzen, ob ich Inhalte in meiner Kunst zulassen will und in welcher Form. Ich habe mich früh für die gegenständliche Malerei entschieden. Wenn ich mich aber für die gegenständliche Darstellung in der Malerei entscheide, kommt automatisch die Ebene des Erzählens mit hinzu. Rein formal, in einer Art zufällig zusammengestellter Collage vorzuführen, was alles handwerklich bei der Darstellung des Gegenständlichen möglich ist, würde meiner Ansicht nach zu kraftlosen, akademischen Ergebnissen führen. Die immer wieder in der Akademiezeit an uns Studenten gestellte Forderung, Kunst zu machen, die nichts aussagt, für sich selbst steht, ein Geheimnis bleibt und dem rein formal zu sehenden Avantgardestreben verpflichtet ist, halte ich in großen Teilen für ein Missverständnis.  Die Künstler der abstrakten Kunstrichtungen, die nach dem 2. Weltkrieg die Malerei neu definierten, stellten zwar in Ihren Bildern nichts dar, trotzdem vermittelten sie mit der Entscheidung, nur pure Malerei zu zeigen, eine klare Botschaft: Sie wendeten sich mit ihrer Gegenstandslosigkeit gegen den Missbrauch des Gegenständlichen etwa zu Propagandazwecken und befürworteten eine Haltung, die Kunst als reine Kunst ohne Zweckgedanken erlaubt, als Ausdruck einer freiheitlich denkenden Gesellschaft. In der Zeit des Kalten Krieges, als diese Haltung am klarsten lesbar war, war die Wirkung der abstrakten Bewegung am größten. Die erzählerische Ebene in meinen Bilder ist daher beabsichtigt, aber sie soll vielschichtig sein und verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zulassen.

Wie finden Sie Ihre Motive und Themen?

Meine persönliche Sicht auf das Zeitfenster, in dem wir gerade leben, hat großen Einfluss auf meine Themenwahl. Ich empfinde die Gegenwart als Umbruchzeit, in der viele Werte unserer Gesellschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten galten, kritisch hinterfragt werden sollten. Das vorbehaltlose Akzeptieren von Innovation, Wachstum und Kommerzdenken als Motoren unserer Gesellschaftsordnung löst bei mir Gefühle des Unbehagens aus. Die Fragwürdigkeit unserer derzeitigen Werte und Normen ist dann auch das übergeordnete Thema meiner Arbeit. Entsprechend wähle ich meine Motive aus. Bevorzugte Motive sind die, die mit Wunschvorstellungen wie etwa dem Traum von Wohlstand einhergehen, also z.B. mein Haus, mein Auto, mein Swimmingpool. Oder Motive, die etwas mit Utopien zu tun haben. Megacitylandschaften wie New York sehe ich als nach und nach Wirklichkeit werdende Utopie immerwährenden Wachstums ohne Grenzen.

Zum Bespiel „New York“. Die Stadt scheint hier buchstäblich Kopf zu stehen. Können Sie uns mehr zu dieser Arbeit erzählen?

NEW YORK, 2009, Öl auf Nessel, 180x105 cm

NEW YORK, 2009, Öl auf Nessel, 180x105 cm

Die Idee zum Bild „New York” kam mir 2009 während einer Amerikareise. Gleich unsere erste Station der Reise war New York und es war mein dritter Aufenthalt in der Stadt. Dieses Mal fuhren wir das erste Mal mit der „Grey Line”, einer Touristenlinie, die mit doppelstöckigen Bussen durch Manhattan und andere Stadtteile New Yorks fährt. Die Busse haben kein Dach und ich saß ganz vorne, so dass ich in ca. 3,50 Metern Höhe durch eine dieser langen Straßen Manhattans Richtung Downtown fuhr. Der Effekt war eine veränderte Blickperspektive. Die extreme Vertikale und Fülle der Architektur boten ohnehin schon ein beeindruckendes Bild städtebaulicher Hybris, aber nun, abgehoben vom Boden, schien sich die Architektur auf einmal endlos fortzusetzen. Es war einer dieser magischen Momente, wenn Vorstellungskraft, Sehen und Erleben sich vermischen und Bilder erzeugen. Vor meinem inneren Auge schloss die nach oben hin wuchernde Architektur mit einer weiteren Straße ab, als ob sich die Stadt eine weitere Dimension erobern würde. Eigentlich wollte ich dann sofort wieder nach Hause und ins Atelier, aber ich hatte noch drei Wochen spannende Amerikareise vor mir.

„New York” gehört zu Ihrer Arbeitsreihen „Landscapes”. Die Verbindung von Stadt- und Naturlandschaft kommt in anderen Arbeiten noch deutlicher zum Ausdruck, etwa in „Mondrian City”.

Das Bild „Mondrian City” hat den Kontrast zwischen dem Formenreichtum der Natur und dem menschlichen Gestaltungswillen zum Thema. Der Titel spielt auf den Maler Piet Mondrian an, der seine letzten Jahre in New York verbrachte. Unter anderem in seinen Baumbildern formte Mondrian einen Baum schrittweise durch Reduktion so um, dass am Ende nur noch die horizontale und die vertikale Linie, sowie die Grundfarben Rot, Gelb, Blau und Schwarz und Weiß als Gestaltungselemente der Bildfläche übrig blieben. Ich sehe das als eine Art Ökonomisierung des Naturformenreichtums. Ähnliche Maßstäbe spielen auch in der Architektur eine Hauptrolle und so ist das Viereck und der rechte Winkel Grundlage für die meisten Gebäude.

MONDRIAN CITY, 2010, Öl auf Nessel, 160x210 cm

MONDRIAN CITY, 2010, Öl auf Nessel, 160x210 cm

Die Stadtlandschaft  New Yorks mit ihrer endlosen Variation und Wiederholung des Vierecks beeinflusste Mondrian, deshalb  bezeichnete er seine Kunst auch als „Kunst der Metropole”. Das Bild „Mondrian City” ist eine Art gewebter Teppich aus diesen verschiedenen Vorstellungswelten.

Architektur und architektonische Elemente haben erst in den letzten Jahren Einzug in ihre Arbeit gefunden. Gibt es dafür Gründe?

KICKER, 2011, Öl auf Nessel, 25x25 cm

KICKER, 2011, Öl auf Nessel, 25x25 cm

Dafür gibt es zwei Gründe: Früher zeigten meine Bilder eher Situationen mit einer oder mehreren Figuren. Das legte die Bildaussage zu sehr auf die bestimmte Situation mit ihren individuell handelnden Personen fest. Ich wollte eine größere Allgemeingültigkeit meiner Inhalte erreichen und da ich Häuser und Städte als sichtbare Hülle einer Gesellschaft begreife, wurden sie mein Motiv. Lieblingsmotiv ist die wuchernde instabile Hybris von Megastädten als Ausdruck unserer Gesellschaftsordnung.

Meine kritische Auseinandersetzung mit dem ungeprüften Bewahren von Werten aus der Moderne ist der zweite Grund für mein Interesse an Architektur. Unter anderem auch vom Bauhaus beeinflusst entwickelten sich viele künstlerische Wertmaßstäbe bei Architekten und Künstlern während dieser Zeit parallel. Funktionalität, Reduktion des Formenreichtums, ökonomisches Gestalten, Hinwendung zur Rationalität, Abwertung von emotional aufgeladenen Dingen als Kitsch, das sind Qualitätsmaßstäbe aus der Zeit der Moderne die bis heute für Architekten wie Künstler ihre Bedeutung haben. Aber der Satz „Weniger ist mehr.” klingt für mich heute eher so: „Weniger ist mehr – denn das rechnet sich!” Will ich die Kehrseite der oben genannten Wertmaßstäbe sehen, fahre ich in eine dieser monströsen Trabantenstädte, in denen der Mensch kein Maßstab mehr ist sondern nur noch klein angesichts der steinernen Masse aus Architektur. Wir in Köln haben vor unseren Türen den „Kölnberg.”

Wie gehen Sie vor, wie ist Ihr Arbeitsprozess?

 FOG TOWN, 2011, Öl auf Nessel, 120x160 cm

FOG TOWN, 2011, Öl auf Nessel, 120x160 cm

Mein Arbeitsprozess ist ein Weg der kleinen Schritte. Wie bei mir visuelle Eindrücke zu Ideen für ein Bild werden, habe ich schon am Beispiel des Bildes „New York” beschrieben. Danach beginnt die akribische, planvolle Vorarbeit, denn jedes Bild beginnt mit einem komplexen Entwurf. Teilweise am Computer, teilweise mit der Schere entsteht eine Collage aus vielen Teilen, die ein absurdes, aber gleichzeitig unbedingt logisches Ganzes ergeben muss.  Die gestalterische Herangehensweise dabei ist mal kalkuliert und mal rein zufällig, damit der Entwurf am Ende stimmig, aber trotzdem überraschend ist. Um zu vereinfachen und die Fotovorlagen lebendiger zu machen, wird der Entwurf auf Folie noch einmal neu gezeichnet und auf die Leinwand übertragen. Die Malerei ist nass in nass in einer Schicht, schnell und ohne Reue aufgetragen. Ich halte mich nicht genau an den Entwurf, sondern sehe ihn als Ausgangspunkt für die Malerei, die nicht zu sehr nach Fotorealismus aussehen darf. Wenn das Bild eine unmittelbare und gleichzeitig irritierende Wirkung hat, bin ich zufrieden und lasse es noch eine Weile für kleine Korrekturen im Atelier.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeit?

„Reduktion ist ja offensichtlich nicht meine Sache.”, habe ich vor einiger Zeit auf die etwas provokativ gestellte Frage des Journalisten Volker Stephan geantwortet, warum es in meinen Bilder so wenig ruhige Flächen gäbe. Seine Beschreibung  „Die in Köln lebende Vahlbruch lässt die Eindrücke auf die Kunstfreunde einstürzen, als gäb´s kein Morgen.”[1] empfinde ich als sehr treffende Beschreibung meiner Arbeit und meines Lebensgefühls.
Öfter schon ist meine Malerei als surrealistisch bezeichnet worden. Ich hingegen sehe mich eher von Künstlern des Manierismus beeinflusst, wie z.B. Arcimboldi. Charakteristisch für meine Arbeit sind meiner Meinung nach Paradoxien, extreme, fantastische, mitunter satirische Bildideen, labyrinthische Welten mit wechselnden Perspektiven, die ambivalente Gefühle zwischen pulsierendem Leben und latenter Bedrohung auslösen.
Charakteristisch für meine künstlerische Haltung ist meine Skepsis gegenüber einem Qualitätsbegriff für Kunst, der mit der Forderung  nach Grenzerweiterung der Kunst und Provokation als reinem Selbstzweck auskommt. Diese Auffassung wirkt auf mich heute sehr traditionell, denn sie hat sich schon lange im Kunstbetrieb fest etabliert. Was ist heute provozierender: Der Tradition des Tabubruchs in der Kunst weiter zu folgen oder diese Tradition in Frage zu stellen und andere Wege zu beschreiten?

Friederike Vahlbruch, besten Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit!

 


[1] in: Verkehrte Welt in New York, Westfälische Rundschau Nr. 63 / Unna, 16. März 2011.




AI WEIWEI Art / Architecture im Kunsthaus Bregenz

2 08 2011

When Ai Weiwei was invited to mount a big solo exhibition at the Kunsthaus Bregenz one and a half years ago, no one could have foreseen the present situation. Although the Kunsthaus Bregenz exhibition was not planned as a reaction to current events, it is nevertheless important, because the works and their spatial layout were selected and conceived by Ai Weiwei himself in close cooperation with the Kunsthaus. From the start, the artist and we agreed that not only formal criteria and the cultural positioning of his architecture, but also its social and political significance, should be dealt with.

Read the full statement of Kunsthaus Bregenz HERE.

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AI WEIWEI  Art / Architecture 

16. 07. – 16.10.2011

Kunsthaus Bregenz 

www.kunsthaus-bregenz.at

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Aus dem PR-Text: Als Ai Weiwei vor eineinhalb Jahren zu einer großen Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz eingeladen wurde, ahnte keiner die Situation voraus, in der wir uns heute befinden. Anfang April 2011 wurde der Künstler am Flughafen von Peking festgenommen und nach zweieinhalb Monaten der Ungewissheit gegen Kaution aus der Haft entlassen. Ai Weiwei ist damit zwar nicht mehr inhaftiert, muss sich aber an strenge Auflagen halten. Er darf Peking in den kommenden 12 Monaten nicht ohne Erlaubnis verlassen, nicht über seine Haft sprechen und der Presse keine Interviews geben. Ihm werden von der chinesischen Regierung „Wirtschaftsverbrechen“ angelastet und die Steuerbehörden fordern nach Aussage eines engen Freundes des Künstlers Geldstrafen in Millionenhöhe.

[...]

Ungeachtet der Tatsache, dass wir die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz nicht als Reaktion auf die aktuellen Ereignisse geplant haben, kommt ihr eine besondere Bedeutung zu, weil die Auswahl der Werke und ihre räumliche Abfolge von Ai Weiwei selbst in enger Zusammenarbeit mit uns bis ins Detail konzipiert wurde. Dabei waren der Künstler und wir uns gleich zu Beginn einig, dass nicht nur die formalen Kriterien und die kulturelle Verortung seiner Architektur thematisiert werden, sondern auch auf deren soziale und politische Bedeutung eingegangen werden muss. Ai Weiweis Auseinandersetzung mit der spezifischen Situation in China, den strukturellen und urbanistischen Problemen der Gesellschaft dort, hat immer wieder dazu geführt, dass er von der chinesischen Regierung mit Repressionen belegt wurde. [...] Auch der im letzten Jahr veranlasste Abriss seines kurz zuvor fertig gestellten Atelierkomplexes in Shanghai muss als ein weiteres Druckmittel gedeutet werden, mit dem der Staat Ai Weiwei einzuschüchtern versuchte. Der Künstler ließ sich jedoch nicht von seiner kritischen Haltung abbringen, filmte die Zerstörung seines Ateliers und schuf so eine Videoarbeit, die in der Bregenzer Ausstellung zu sehen sein wird. Außerdem zeigen wir seine bekannten Videos, in denen er in statischen Aufnahmen die Ringautobahnen von Peking filmt und dadurch einen beredten Kommentar von der urbanen Situation der Stadt gibt.

Insgesamt konzentriert sich die Ausstellung im KUB auf die exemplarischen Architekturkooperationen Ai Weiweis, die mit anderen Architekturbüros entwickelt wurden. Dramaturgisch ist die Präsentation so aufgebaut, dass sie mit Architekturmodellen, Plänen, Fotografien und Videodokumentationen zu konkreten Bauvorhaben im ersten Stock beginnt, in den folgenden zwei Stockwerken das Thema der Baukunst zunehmend abstrakter wird. Neben einem Video zu seinem Atelierkomplex in Shanghai werden im ersten Obergeschoss auch Bauten vorgestellt, die zusammen mit dem jungen Schweizer Büro HHF architekten geschaffen wurden. Zu den Höhepunkten der Architekturkooperationen zählt sicher Ai Weiweis Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron, die er in der Planung des berühmten Nationalstadions in Peking (2008) beriet. Außerdem zeigen wir das ebenfalls von dem Schweizer Duo in Gesprächen mit Ai Weiwei geplante Kooperationsprojekt Jindong New District, das zwar weniger bekannt, aber in seiner spezifischen Ausformulierung ebenso bemerkenswert ist. Den Auftrag für den neu entstehenden Stadtteil Jindong der Millionenstadt Jinhua in der südchinesischen Provinz Zhejiang erhielten Herzog & de Meuron durch die Vermittlung Ai Weiweis, der ursprünglich hierfür engagiert war. Dieser zog aber eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Büro für Jinhua – den Geburtsort seines Vaters und in China sehr verehrten Dichters Ai Qing – vor.

Im zweiten Obergeschoss des Kunsthaus Bregenz ist eine neue, anlässlich der Ausstellung entstandene spektakuläre Arbeit von Ai Weiwei zu sehen, die die gesamte Fläche des Stockwerks (500 m²) einnimmt und die allein aufgrund ihrer ästhetischen Sonderstellung zwischen Architekturmodell und freier künstlerischer Arbeit beeindruckt. Ausgangspunkt dieses Werks ist die Architekturkooperation ORDOS 100, für die der Künstler vor drei Jahren 100 junge Architekturbüros aus der ganzen Welt eingeladen hatte, entsprechend einem von ihm konzipierten Masterplan Einfamilienhäuser in der mongolischen Steppe zu entwerfen. Im obersten Geschoss wird die Arbeit Moon Chest (2008) in einer eigens hierfür entwickelten Anordnung ausgestellt. Hierbei handelt es sich um eine freie, nicht konkret auf eine bestimmte Architektur hin realisierte Arbeit. Auch wenn diese eine klassische autonome Skulptur in der Tradition der Minimal Art ist, erinnert sie gleichzeitig mit ihren spezifischen rechteckigen und lang gezogenen Formen an Hochhäuser.

Die vollständige Stellungnahme des Kunsthaus Bregenz ist HIER nachzulesen.

Info + illus. courtesy Kunsthaus Bregenz