MYAL. My Aleppo. Stadtlesebuch

22 09 2011

Out now: The new publication of the “Stadtlesebücher” (urban story books) by Edition Esefeld & Traub! After New York and Moscow (for more about MYMO read here) the focus is now on Syria:

 
 
Mein Aleppo My Aleppo

Buchpräsentation

Samstag, 15.10.11, ab 19:00 Uhr,

Galerie Robert Mayer Zeigt, Frankfurt
 
 
Einige der Autoren (wie Suleman Taufiq und Abed Azrié, Paris) sind anwesend.

 
 

Über das Buch (Back Cover): Außerhalb der arabischen Welt wird Aleppo nicht als „Metropole“ wahrgenommen – gleichzeitig ist die Stadt mit ihrer ca. 5000 Jahre langen Geschichte aber eine der ältesten Metropolen der Welt. So läßt sich MYAL (Mein Aleppo) als Exkurs über den Wandel des Metropolenbegriffs verstehen und stellt die grundsätzliche Frage, wodurch sich eine „Metropole“ definiert.

Heute ist die Stadt mit fast drei Millionen Menschen die Industrie- und Handelsmetropole Syriens, in der auf faszinierende Weise, Tradition und Moderne, östliche und westliche Welt zusammen kommen.

MYAL (Mein Aleppo) versucht, nicht nur die „Sehenswürdigkeiten“ Aleppos, sondern „Innenansichten“ vom Leben der Aleppiner zu zeigen: Städtische Strukturen sowie Lebens- und Umgangsformen, die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben und nun durch veränderte soziale, ökonomische und politische Bedingungen einem rapiden Wandlungsprozeß unterworfen sind.

Es sind eher alltägliche Momentaufnahmen von Einheimischen und Fremden, vom Sichtbaren und Unsichtbaren, aus den engen Altstadtquartieren und dem Suq mit seiner lärmenden Intimität, dem Blick von der Zitadelle über die Stadt, und vom Eintauchen in teilweise fremde und verborgene Lebenswelten Aleppos und seiner Bewohner.

Im Mittelpunkt des Buches stehen Photos aus der Zeit um 1900, u.a. aus dem Archiv Poche-Marrache und dem Archiv von Thierry Grandin, sowie Aufnahmen verschiedener Photographen aus den letzten Jahren. Ergänzt werden die Bilder durch Texte verschiedener Autoren über das alltägliche Leben in Aleppo.

Während der Fertigstellung dieses Buches manifestiert sich eine Aufbruchsstimmung in der syrischen Gesellschaft, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Somit dokumentieren die Beiträge im Buch vielleicht etwas, was bald ein Stück weit der Vergangenheit angehören wird (oder kann).

Die CD mit Liedern von Abed Azrié aus Aleppo schafft mit Texten und Photos einen Dreiklang der Stadt.

Die fehlenden deutschen, englischen bzw. arabischen Übersetzungen stehen ergänzend im Internet auf der Website www.editionet.de/myal.pdf.

Texts and translation in German, English and Arabic can be found online, www.editionet.de/myal.pdf.




Matthew Pillsbury in Berlin

18 09 2011

The second solo show in Germany by American artist Matthew Pillsbury is presented in Berlin. Pillsburg creates sceneries  capturing both physical and psychological athmosphere of locations. He works with natural light only and long exposure times, casting his photos in white light and making people appear ghost-like.

(c) Matthew Pillsbury

(c) Matthew Pillsbury

 
 
 
Matthew Pillsbury

3. September – 22. Oktober 2011

Galerie Hiltawsky, Berlin
www.hiltawsky.com

 
 
 
PR-Text: Die galerie hiltawsky zeigt in Zusammenarbeit mit der Bonni Benrubi Gallery, New York die erst zweite Einzelausstellung der Werke des amerikanischen Künstlers Matthew Pillsbury in Deutschland. Die ausgestellten Arbeiten sind aus den Serien ‘Time Frame’ und ‘Screen Lives’ sowie neue Arbeiten.

(c) Matthew Pillsbury

(c) Matthew Pillsbury

Den Verlauf der Zeit einzufrieren ist der konventionellste Trick einer Kamera. Matthew Pillsburys Fotografien leisten mehr, sie fangen die Erfahrung von Zeit sowohl physisch als auch psychologisch ein. Ursprünglich davon ausgehend das Leben seiner Freunde und Familie in ihrer Freizeit zu fotografieren, rückte schnell die Gemeinsamkeit viel Zeit vor Bildschirmen und Fernsehern zu verbringen und damit die Rolle moderner Technologie in das Zentrum seiner Arbeit. Inspiriert durch Hiroshi Sugimoto leuchtet Pillsbury seine Szenarien nur mit vorhandenem Licht aus und durch sehr lange Belichtungszeiten werden die Lichtquellen zu weissen Flächen und bilden die Oberfläche für unsere eigenen Interpretationen. Die menschlichen Bewegungen werden in außergewöhnlichen und ungesehenen Orten eingefangen, die Figuren wirken geisterhaft in ihrer Flüchtigkeit gegen die Permanenz der Umgebung und den Reichtum des Details des Materiellen.

(c) Matthew Pillsbury

(c) Matthew Pillsbury

Matthew Pillsbury wurde 1973 in Frankreich geboren, ist dort aufgewachsen und hat 1995 an der Yale University und 2004 an der New York’s School of Visual Arts studiert. Seine Arbeiten sind in den letzten Jahren umfangreich in den USA und Europa ausgestellt worden und befinden sich in den Sammlungen des Whitney Museum of American Art, Museum of Modern Art in New York, Guggenheim New York, Los Angeles County Museum of Art, Museum of Fine Art in Houston, San Francisco MOMA und Elton John’s Photography Collection in Atlanta. Er wurde vom PhotoDistrictNews (PDN) 2005 als einer der Top 30 ‘emerging artists’ gewählt und hat 2007 den HSBC-Preis für Fotografie gewonnen. Matthew Pillsbury lebt und arbeitet in New York.

Info + illus. courtesy galerie hiltawsky

 




“Mich interessiert das Unfertige, das Fragmentarische und Provisorische. Räume in Rohbauten beispielsweise, also Räume, die sich im Entstehungsprozess befinden, können für mich skulpturale Qualitäten besitzen.” Interview mit Karl-Heinz Bogner

17 09 2011

Eines der ersten Interviews, die auf deconarch.com geführt wurden, war ein Email-Gespräch mit dem Stuttgarter Künstler Karl-Heinz Bogner. Umso mehr freue ich mich, jetzt eine intensive Fortsetzung des Austausches veröffentlichen zu können. Dieses Interview ist entstanden anlässlich meiner Ausstellung “(In)Visible Cities”, die im Oktober 2011 im Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen zu sehen sein wird und bei der auch neue Arbeiten von Karl-Heinz Bogner präsentiert werden.

Der Stuttgarter Künstler, von Haus aus Architekt, der jedoch nie als solcher gearbeitet hat, schafft filigrane Architekturobjekte sowie Malerei und Zeichnung. Die Plastiken ähneln architektonischen Objekten, allerdings sind sie, anders als die typischen Architekturmodelle, schwarz oder grau, nicht weiß. Formelemente, die entfernt an Gebäudeteile oder -fragmente erinnern, wie wir sie vor allem aus der modernen Architektur kennen, tauchen auf, ohne sich jedoch einem typischen Architekturkontext zuordnen zu lassen.

Bogner setzt sich mit verschiedenen Raumthemen wie „Rückzugsraum“, „Schutzraum“ oder „Zwischenraum“ auseinander. Seine Arbeiten lassen vertraute, modern-geometrische Bauformen in ungewohnt ästhetischer Qualität erscheinen.

Auch seine Malereien zeigen grafische Gemäldekonstruktionen in vorwiegend schwarzweißen Schattierungen. Sie haben etwas Architektonisches an sich, sind aber nicht eindeutig als Räume oder Bauten zu erkennen. Aus dem Neben- und Übereinander von dunklen und hellen Flächen ergibt sich eine räumliche Wirkung, ohne dass perspektivische Darstellungsmittel eingesetzt werden: Bogner „baut“ seine Gemälde aus Flächen und Linien, Hell und Dunkel, Licht und Schatten auf.

Im Interview erläutert Karl-Heinz Bogner, warum er sich für die Arbeit als Künstler interessiert hat, welche Themen in interessieren und welche Schnittstellen es zwischen der Architektur und seiner Arbeit gibt.

(c) Illus. Karl-Heinz Bogner

Interview

Sie sind studierter Architekt, haben aber nie als solcher gearbeitet. Wie haben Sie zur Kunst gefunden? 

Mein Interesse an Kunst und Architektur entwickelte sich schon sehr früh. Zunächst hatte ich vor, Malerei zu studieren, ich entschied mich dann aber für das Architekturstudium. Der künstlerische Aspekt der Architektur reizte mich und an der Kunstakademie waren die Freien Künste und die Architektur zusammen unter einem Dach. Während meines Architekturstudiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart suchte ich immer wieder die Nähe zu den dort vertretenen Freien Künsten. Es entstanden parallel zu den Entwürfen Bilder und Zeichnungen, in denen ich versuchte, meine Ideen in anderer Art als den üblichen Darstellungsformen von Architekturentwürfen auszudrücken. Diese Bilder und Zeichnungen verselbständigten sich im Laufe der Zeit und wurden zu autonomen Arbeiten, die sich von den Entwürfen loslösten.

Mein Bedürfnis, mich mit freikünstlerischen Mitteln auszudrücken, wuchs im Laufe der Zeit. Nach meinem Studium war mir klar, dass es mich mehr zur Freien Kunst zog als in die Architekturpraxis. Ich konzentrierte mich dann vorwiegend auf Malerei und Zeichnung, auch um Abstand zum Architekturstudium zu bekommen. Inhaltlich und formal hatten die Arbeiten, die in dieser Zeit entstanden, wenig Bezug zur Architektur.

Wie beeinflussen das Architekturstudium und die Architektur Ihre Kunst?

Meine heutige Arbeitsweise hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Die Auseinandersetzung mit Raum in Zeichnung und Modell, also denjenigen Instrumenten, mit denen ich heute neben der Malerei arbeite, waren für mich zentrale Bestandteile meines Architekturstudiums. Zudem hat das Studium mich für den Umgang mit Form, Raum und Material sowie für deren Wahrnehmung sensibilisiert.

Jede größere Ausstellung von mir plane ich zunächst im Modell. Die Ausstellungsräume, von denen ich meist Pläne vorliegen habe, baue ich einschließlich der ausgestellten Arbeiten in einem bestimmten Maßstab nach. Dieses Modell bildet dann die Grundlage, anhand der dann die Ausstellung vor Ort realisiert wird. Mein Anliegen ist es, die Arbeiten in den vorhandenen Raum so zu integrieren, dass sie mit ihm eine Symbiose eingehen und somit eine Gesamtkomposition entsteht.

In meinen Objekten, die den Charakter von Architekturmodellen besitzen, setze ich mich mit verschiedenen Raumthemen, wie zum Beispiel „Rückzugsraum“, „Schutzraum“, „Zwischenraum“ oder „Rekonstruktion“ auseinander, Themen, die auch in der Architektur eine Rolle spielen. Mit Architektur und überhaupt mit der gebauten Umwelt beschäftige ich mich sehr viel, sie ist für mich ein vielschichtiges und ständig präsentes Themenreservoir. Diese Tatsache beeinflusst auch meine Malerei, in der zum Beispiel Formelemente auftauchen können, die entfernt an Gebäudeteile oder -fragmente erinnern.

Können Sie das etwas präzisieren? 

Mir geht es hierbei weniger um das Auffinden von Motiven. Vielmehr sind die Form- und Bildwelten von verlassenen Industriearealen, Hafenanlagen, Baustellen und Gebäuden, die sich im Rohbau oder Abbruch befinden, für mich Inspirationsquellen und Anlass für Arbeitsprozesse. Mich interessiert das Unfertige, das Fragmentarische und Provisorische. Räume in Rohbauten beispielsweise, also Räume, die sich im Entstehungsprozess befinden, können für mich skulpturale Qualitäten besitzen. Themen wie Raumöffnungen, Raumdurchbrüche, Einblicke und Ausblicke kommen in diesem „Rohzustand“ in verdichteter Form zum Ausdruck. Die in solchen Räumen zusätzlich vorkommenden Materialansammlungen, Gerätschaften oder provisorische Konstruktionen haben für mich oftmals den Charakter von installativen Einbauten oder Möblierungen.

Im Atelier fließen diese Eindrücke und Beobachtungen in die entstehenden Skizzen und Zeichnungen ein. Die in einem weiteren Arbeitsschritt sich entwickelnden Objekte können einerseits ein Versuch einer Art Rekonstruktion des Beobachteten sein, andererseits können sie Erfindungen neuer Räume sein. An oben genannten Orten entstehen oftmals Arbeitsfotos, Skizzen oder ich schreibe mir auf, was mich an dem Ort in dem Moment beschäftigt. Auf diese Weise entstand in mir über Jahre hinweg eine Art „inneres Archiv“ an Raum- und Formthemen, auf die ich mich in meiner Arbeit beziehe.

Sie arbeiten sowohl „zweidimensional“ mit Malerei und Grafik als auch mit räumlichen Plastiken. Wie beeinflussen sich die Arbeitsweisen?

Meine Themen gehe ich mit verschiedenen Instrumenten an. Neben Zeichnungen, Collagen und Malerei ist der Bau von Objekten ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit. Oft bezeichne ich sie als gebaute Zeichnungen. Sie sind im Prinzip für mich ein Instrument, mit dem ich eine Thematik umsetze, wie ich es mit den Mitteln der Malerei so nicht erreiche. Während des Bauens, beziehungsweise während der Bauphasen, entstehen Skizzen und Zeichnungen. Diese kann man als Entwurfsskizzen sehen; sie dienen der Reflektion des Arbeitsprozesses. Der Entstehungsprozess eines Objekts, der sehr vielschichtig sein kann, ist für mich immer der Versuch einer Annäherung an ein inneres Bild, an eine Vorstellung beziehungsweise eine Erinnerung an Räume oder Architekturen. Über das Bauen und Skizzieren umkreise ich diese Vorstellung und versuche, mich ihr anzunähern.

Die Arbeit an den Objekten wiederum beeinflusst meine Malerei. Der Entstehungsprozess, an dessen Beginn das Ergebnis völlig offen ist, ist bei den Bildern ähnlich wie bei den Objekten. Im Entstehungszeitraum eines Objekts oder einer Objektserie arbeite ich parallel an Bildern, in denen ich Bezug nehme auf Form und Raum, der sich beim Bauen entwickelt. Bestimmte Bilder und Zeichnungen können somit wirken wie zweidimensionale Ausschnitte aus Objekten. Auch die Bilder werden insofern „gebaut“, indem die Räume Schicht für Schicht entstehen. Bauen und Komponieren hat für mich hier dieselbe Bedeutung. Die so im Bild entstehenden tektonischen Formen und Kompositionselemente wiederum können beim Bau der Objekte miteinfließen. Insofern beeinflusst die Arbeit an Bildern und Objekten sich wechselseitig.

Den Arbeitsprozess, sowohl in der Malerei, die sehr viel zeichnerische Elemente enthält, als auch beim Bau der Objekte, kann ich als Spiel mit offener und geschlossener Form bezeichnen. Meine Arbeiten, sowohl Bilder als auch Objekte, können für mich durchaus Entwürfe für skulpturale Architektur oder Räume sein.

Wo liegen Vorbilder für Ihre Arbeit, welche Einflüsse gibt es?

Vorbilder für meine Arbeit in dem Sinne habe ich keine. Vielmehr interessieren mich gestalterische oder künstlerische Haltungen von Architekten und Künstlern, die an der Schnittstelle von Kunst und Architektur arbeiten. Mich interessieren Themen, die in Grenzbereichen zwischen den Disziplinen entstehen. Ein begehbarer Raum kann zum Beispiel eine bestimmte Funktion haben und Architektur sein, er kann aber auch Skulptur sein, ohne einen bestimmten Zweck erfüllen zu müssen. Ich denke, dass die künstlerische Arbeit auf verschiedene Weise beeinflusst wird, wie zum Beispiel durch die nahezu permanent präsente Bilderflut der Medien. Mir ist wichtig, mich von den meist oberflächlichen Beeinflussungen frei zu machen, um dann zum Kern zu kommen, zu dem, was mich wirklich interessiert. Dabei können mich ich interessieren Entwicklungsprozesse und Lösungen, die oftmals parallel zu meiner eigentlichen Arbeit entstehen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

In meiner Arbeit geht es mir unter anderem darum, an der Schnittstelle von Malerei, Objekt und Architektur das Thema des Raumes weiter auszuloten und nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich Raumthemen ausdrücken und darstellen kann. Meine dreidimensional-plastische Arbeit in Form von Objekten und Modellen wird für mich zunehmend wichtiger. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Modell-Raum, in dem sich Malerei und Architektur treffen. Mich interessieren Entwicklungsprozesse und Lösungen, die oftmals parallel zu meiner eigentlichen Arbeit entstehen. Als Gedankenmodell, so kann ich es beschreiben, bildet die Malerei den szenischen Hintergrund, eine Art Bühnenraum, vor dem die plastischen Arbeiten agieren.

Was ist charakteristisch für Ihre Arbeit – in Ihren Worten?

Ein zentrales Thema meiner Arbeit ist der Umgang mit Raum beziehungsweise die Präsenz von Raum als Gegenstand. Dieser Umgang mit Raum sowie das Ausloten räumlicher Themen und Potenziale ist ein vielschichtiger Prozess, der auf verschiedenen Ebenen stattfindet. Hierzu setze ich, wie vorhin erwähnt, verschiedene Instrumente ein wie Malerei, Zeichnung, Collage oder Objekt. Jedes Instrument gibt mir auf seine Weise die Möglichkeit, in adäquater Form etwas thematisch oder inhaltlich auf den Punkt zu bringen. In meinen Bildern beispielsweise entsteht der Raum aus Raumausschnitten, Verdeckungen Überlagerungen und den daraus entstehenden Ein- und Ausblicken. In diesen „Rauminszenierungen“ spielt der Mensch als Thema nur scheinbar keine Rolle.

Gerade durch den die Bilder prägenden menschenleeren Raum erhält der Betrachter die Möglichkeit, in meine Bilder einzutreten und dadurch selbst zu einem Bestandteil der Arbeit zu werden. Ähnlich verhält es sich bei meinen Objekten. Der Betrachter ist es, der die Möglichkeit hat, Assoziationen zu entwickeln und gedanklich die Objekte zu betreten und sie zu beleben. Ein charakteristisches Merkmal meiner Objekte ist, dass sie in keinem bestimmten Maßstab gebaut sind. Anhand von Wandöffnungen oder der Dimensionierung bestimmter Bauteile lässt sich oftmals vom Betrachter ein bestimmter Maßstab erahnen. Ein anderer Aspekt, der wiederum charakteristisch ist für meine Malerei, ist das Thema der Lichtführung, die die Inszenierung der im Bild vorkommenden Raumschichten noch verstärkt.

Zum Abschluss eine allgemeine Frage: Welche Bedeutung hat Architektur – für Sie, für uns?

Ich denke, dass Architektur und überhaupt unsere gesamte gebaute Umwelt unser Leben mehr beeinflussen und prägen, als wir uns bewusst sind, auch weil wir sehr viel Lebenszeit in gebauten Räumen verbringen. Darüber hinaus haben Architektur und Raum für mich eine zentrale Bedeutung, weil sie eine Vielfalt an Themen beinhalten, auf die ich mich in meinen Arbeiten beziehe. Sie sind ein fester Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit.

Karl-Heinz Bogner, haben Sie herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview! 




Peter Funch | BABEL TALES REDUX in NY

15 09 2011

Babel Tales by Danish photographer Peter Funch focuses on human relations and interaction in a metropolis. Funch’s works are documents of moments that never existed, as they are composed of thousands of frozen moments taken over the duration of several weeks for each work. By shooting at the exact same position over a period of time, Funch is able to superimpose images, and he hereby creates a fictional work based on documentary photography.

© Peter Funch

© Peter Funch

 
 
 
Peter Funch | BABEL TALES REDUX

Show runs Sept 7-Oct 8

V1 GALLERY NYC, New York

www.v1gallery.com
 
 
PR text: Babel Tales focuses on human relations and interaction in a metropolis. Through repetition and juxtaposition Funch investigates human similarities and collective behavior, creating a strange, poetic and detailed picture of our presence as both individuals and communities in the public sphere. His uncanny works raise questions of reality contra fiction, and they challenge the notion of photography as being a depiction of a certain moment in time. Funch’s works are documents of moments that never existed, as they are composed of thousands of frozen moments taken over the duration of several weeks for each work. By shooting at the exact same position over a period of time, Funch is able to superimpose images, and he hereby creates a fictional work based on documentary photography.

© Peter Funch

© Peter Funch

In “High Noon” an inexplicable number of handcuffed individuals litter around the prison waiting to be taken in. In “Caretaker” the explosion of colours fulfills our senses while we are invaded by doubt… can these coincidences be purely fortuitous ?

Peter Funch (Denmark, b 1974) is currently exhibiting at Louisiana Museum of Modern Art outside Copenhagen, Denmark, as part of the overwhelming Living exhibition. A large part of the Babel Tales series will also be included in the upcoming and celebrated Mannheim Foto Festival in Germany.

 Info + illus. courtesy V1 Gallery




BauWerk im Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart

14 09 2011

Stuttgart 21 kommt. Vielleicht. Oder auch nicht. Nicht. Die nächste Ausstellung im Schacher – Raum für Kunst jedenfalls, die sich (wie auch die letzten beiden Ausstellungen) dem großen Thema “Architektur” widmet, steht fest. Die “BauWerk” betitelte Schau, die am kommenden Freitag (16.9.) um 19 Uhr eröffnet wird, kombiniert und konfrontiert Steinskulpturen und Steindrucke von Uli Gsell mit zu Skulpturen geflochtenen Laserprints und Polaroids von Marc Dittrich – und beweist damit mal wieder, dass die Grenzen zwischen Architektur und Bildender Kunst fließend sind.

(c) Uli Gsell

(c) Uli Gsell


 
 
 
 
 
 
Marc Dittrich, Uli Gsell – BauWerk

Schacher – Raum für Kunst
Galerienhaus Stuttgart
www.galerie-schacher.de

 
 
 
PR-Text: Die Grenzen zwischen Architektur und Bildender Kunst sind bekanntlich fließend. Eindrucksvolles Beispiel: die sechste Ausstellung in der im Januar 2011 eröffneten Galerie „Schacher – Raum für Kunst“. Unter dem Titel „BauWerk“ kombiniert und konfrontiert die Schau Steinskulpturen und Steindrucke von Uli Gsell mit zu Skulpturen geflochtenen Laserprints und Polaroids von Marc Dittrich.

(c) Uli Gsell

(c) Uli Gsell

Uli Gsell ist ein Zauberer. Als „Zauberstab“ benutzt er einen Presslufthammer, eine Flex, ein Kernbohrgerät, ein Fräse und/oder einen Schleifstein und verwandelt so Steine zu Seherlebnissen, die zwischen abstraktem Augenkitzel und figurativen Erinnerungen changieren. Viele Skulpturen erinnern mit ihren Treppen, Eingängen, Ausgängen, Sackgassen, Kammern und Durchblicken an archaische Behausungen oder mutig erbaute Türme. Wer den Bearbeitungs-„Spuren“ folgt und in die Schächte schaut, wird mit überraschenden, ästhetischen Ein- und Durchblicken belohnt. Die Ambivalenz zwischen natürlichem und künstlichem bzw. künstlerischem Erscheinungsbild ist einer der Reize, welche die Skulpturen so anregend machen. Uli Gsell lässt große Teile seiner Findlinge naturbelassen und stellt zerklüfteten Oberflächen glatte Partien zur Seite. Raue Flächen und glatte Kanten, geschlossene Formen und Durchbrüche, Positiv- und Negativformen, Schwere und Leichtigkeit,  Ruhe und Bewegung ergänzen sich zu einer sicht- und spürbaren Balance zwischen Zufall und Präzision.

Relativ neu in Uli Gsells Schaffen sind die Abdrücke und Durchriebe auf Stoff. Der Künstler hat einige Skulpturen mehrmals gespalten und die neu entstanden Bruchflächen, die bisher im Stein verborgen waren, schwarz eingefärbt und auf Stoff gedruckt. Unebenheiten werden zu ausgefransten Wolken, Bohrlöcher zu weißen Linien. Als hieroglyphenartige Ab-Zeichen erzählen die Abdrucke von der Begegnung des Künstlers mit seinem Material, von der geheimen Geschichte von der Entstehung der Welt.

(c) Marc Dittrich

(c) Marc Dittrich

Auch Marc Dittrich hat magische Hände. Er druckt fotografische Aufnahmen von anonymen Hochhaus-fassaden aus und verflechtet mehrere Laserprints desselben Hauses zu neuen Kuben, die als Reliefs die Wände überwuchern und als Skulpturen den Raum füllen. So bricht er das starre und monotone Muster der Wand- und Fenster-Elemente auf. Aufgrund ihrer unperfekten, fragilen Erscheinung strahlen die Arbeiten einen angenehmen, „menschlichen“ Bastel-Charme aus, welcher in einem reizvollen Kontrast zur strengen Geometrie der Ausgangsmotive steht.
Auch seine aus Dutzenden von akkurat arrangierten Polaroidaufnahmen bestehenden Wandarbeiten offenbaren sich dem genauen Hinschauer als sympathische, gewitzte Augenkitzler. Weil der Künstler seine Fassaden-Fotos von Stuttgarter Gebäuden (u.a. Schlossgarten Hotel, Hallschlag, Assemwald) in seinem Atelier an eine Wand projiziert und erst dort als Polaroids abfotografiert hat, haben die entstandenen Resultate eine geradezu unwirkliche, geisterhafte, surreale Anmutung.

Eigentlich sind Marc Dittrich und Uli Gsell mehr Architekten als Bildende Künstler. Als Räume im Raum suchen und finden ihre Skulpturen und Wandarbeiten den Dialog mit der Architektur. Sie rufen den schlichten, weißen Galerieräumen ein neckendes „Ätschebätsch“ entgegen.

Info + illus. courtesy Schacher – Raum für Kunst





Claudio Zanon: autostrade in Stuttgart

13 09 2011

Stuttgart photo gallery f75 presents Italian photographer Claudio Zanon who is into artifical buildings penetrating langscapes. His shots show astonishing, sometimes surprising, sometimes surreal appearances.

© Claudio Zanon

© Claudio Zanon

 

 

 

Claudio Zanon | autostrade

13. September bis 14. Oktober 2011

Fotogalerie f 75, Stuttgart

www.f-75.de

 

 

PR-Text: Claudio Zanon hatte schon immer ein Faible für Kunstbauten in der Landschaft. Den Hintergrund dieser Serie liefern die Berge. Straßen und Viadukte schneiden bisweilen tief in die Landschaft ein. Ihre Präsenz und die damit verbundenen, dramatischen Veränderungen der Natur sind gewaltig, aber sobald man seinen Standort wechselt und die Situation aus anderer Perspektive wahrnimmt, kann man dem auch interessante, neue Aspekte abgewinnen.

 

 

© Claudio Zanon

© Claudio Zanon

Die Fotos für diese Serie hat er in der Toskana (Appennino tosco-emiliano), im Friaul (Alpi Carniche), im Veneto (Prealpi) und in Ligurien (Alpi Marittime) aufgenommen.

Info + illus. courtesy f75




Jörn Vanhöfen – Landschaften zwischen Schönheit und Verwüstung, in Berlin

13 09 2011

Jörn Vanhöfen’s photographs appear reduced and silent, void of humans. Nevertheless, the human presence is always attendant – his landscapes are locations which were left behind by man. The photographs urge the viewer to not only look at them, but read them.

Jörn Vanhöfen, Continental Motors # 5729, 2009

Jörn Vanhöfen, Continental Motors # 5729, 2009

 
 
 
 
Jörn Vanhöfen 

27. August – 8. Oktober 2011

Kuckei + Kuckei, Berlin

www.kuckei-kuckei.de

 

 

 

PR-Text: Von Menschen Hand – Landschaften zwischen Schönheit und Verwüstung

Menschen kommen in den stillen Bildern des Fotografen Jörn Vanhöfen nur vereinzelt vor, zumindest auf den ersten Blick. Denn hinter dem ästhetischen Reiz seiner Bildkomposition, liegt die Ambiguität der Ästhetik und die menschliche Omnipräsenz in Zeiten der Globalisierung.

Jörn Vanhöfen, Chicago # 2767, 2009

Jörn Vanhöfen, Chicago # 2767, 2009

Seine Landschaften sind Orte, wo der Mensch gewirkt, achtlos hinterlassen und vergessen hat, aber auch Orte der Transformation wie die Aufnahmen von Wald- und Buschbränden in Portugal, von Dürren oder dem Marmorabbau in Cararra. Der Mensch hat mit seinen Hinterlassenschaften Landschaften geschaffen, die verwüsten, verseuchen und verdrängen: Berge von Schrott, Papier und alter Autoreifen, Industriebrachen und aufgegebene Gelände von Megametropolen. Es entstehen eigentümlich poetische Fotografien, die irritieren und unsere Erfahrung von Wirklichkeit hinterfragen, weil sie sich der Eindeutigkeit entziehen. Und so stoßen uns Vanhöfens Fotografien, auch auf »das moderne, sentimentalische Naturgefühl«, von dem schon der Philosoph Georg Lukás sagte, dass es nur die »Projektion des Erlebnisses und die selbstgeschaffene Umwelt für den Menschen kein Vaterhaus mehr ist, sondern ein Kerker«. Die Natur ist nicht mehr das Trostbringende, sondern »die geschichtsphilosophische Objektivation der Entfremdung zwischen dem Menschen und seinen Gebilden«.

Jörn Vanhöfen, Ratchaprarop # 397, 2010

Jörn Vanhöfen, Ratchaprarop # 397, 2010

Sicher, es ist heute fast schon trivial hervorzuheben, dass Bilder mehrdeutig sind. Doch bei der Vielzahl der Bilder und visuellen Reize, die uns tagtäglich umgeben und das genaue Sehen verflachen, scheint es notwendig, gerade die bewusste Wahrnehmung und Aufmerksamkeit wieder einzufordern. Aufmerksamkeit beschreibt die Qualität der Wahrnehmung. Jörn Vanhöfen zwingt den Betrachter seiner Bilder, nicht nur zu konsumieren, sondern die Bilder wirklich zu lesen. Er selbst nennt sich einen »politischen Landschaftsfotografen«, der mit seinen reduziert anmutenden Bildern Klarheit erreichen und seine Landschaften »als Auseinandersetzung über kulturelle Eigenarten darstellen möchte«, wie er in einem Interview sagte. Vanhöfen reiste überall dorthin, wo die Folgen von permanentem Wachstum und grenzenlosen Profithandels inzwischen unübersehbar sind: Afrika, Europa, Asien und Nordamerika. Die Schönheit und das Erschrecken liegen dabei immer sehr eng beieinander, aber ohne jene Spur von Erhabenheit.

Jörn Vanhöfen, der an der Folkwangschule Essen studierte und Meisterschüler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig war, arbeitet mit einer Großformatkamera sowie mit einer 6×7 Plaubel Makina. »Schon durch die Wahl meiner Kamera und durch ihre Langsamkeit bin ich gezwungen, Abstand zu wahren. Daher muss ich die Situation viel länger beobachten und viel bewusster meinen Standpunkt einnehmen. Mein Kamerastandpunkt ist mein innerlicher Standpunkt – und auf Distanz und Vielschichtigkeit programmiert.« (Caroline Schilling)

Info + illus. courtesy Kuckei + Kuckei




Ahmet Ertug | Ara Güler in Paris

12 09 2011

Paris based Polka Galerie presents works by Ahmet Ertug, architect by training, who takes pictures of monuments which are steeped in history – like the Hagia Sophia and the Opera Garnier. Also shown are works by Turkish “Henri Cartier-Bresson”, Ara Güler.

Ahmet Ertug, Hagia Sophia, Istanbul, Turkey

Ahmet Ertug, Hagia Sophia, Istanbul, Turkey

 

 

 

Ahmet Ertug | Monumenta

Ara Güler | The Eye of Istanbul

Polka Galerie, Paris

10 September – 5 November 2011

www.polkagalerie.com

 

 

PR-Text: Polka Galerie is pleased to exhibit the works of the Turkish photographer Ahmet Ertug. Architect by training, Ahmet Ertug takes pictures of monuments which are steeped in history. “Serenity and power of the picture” are the key words of his aestheticism.

Ahmet Ertug, Hagia Sophia, Istanbul, Turkey, 2011

Ahmet Ertug, Hagia Sophia, Istanbul, Turkey, 2011

Taken with a view camera, Ertug’s monumental photographs play on shadows and lights. They unveil the soul of these places full of meaning. For this first exhibition, Polka Galerie shows two series: “Hagia Sophia”, majestic pictures of the old basilica Saint Sophia in Istanbul, and “Palaces of Music”, the photographer’s latest production, a study of opera houses around the world.

Saint Sophia, also called Hagia Sophia, means the “divine wisdom”. It is a masterpiece of the Byzantine architecture. By photographing the interior, the details, and the evolution of its monumental restoration, Ahmet Ertung paid it an outstanding tribute. Today, the whole series is permanently exhibited at the basilica, now a museum.

The Opera Garnier in Paris magnified by crafted trims, chandeliers and the ceiling painting by Marc Chagall, is solemn. Through the photographs of Ahmet Ertug, the auditorium and the foyer of the Parisian Opera become real icons.

Ara Güler, Galatasaray, Istanbul, Turkey, 1954, Gelatin silver print, 60 x 80 cm

Ara Güler, Galatasaray, Istanbul, Turkey, 1954, Gelatin silver print, 60 x 80 cm

Ara Güler – the “Turkish Henri Cartier-Bresson” according to the beautiful tribute that his friend Marc Riboud paid to him – is in love with his country, Turkey, and with his town, Istanbul.

His early works made on the banks of the Bosphorus in the fifties testify to the increasing dynamism of the town. In the detroit, the traffic is intense, and the merchandise voluminous. On the billows, some imposing liners heckle the fishermen’s crafts.

Enveloped by the fog and the melancholy, the pictures of Ara Güler feed on literary, pictorial and cinematic references – Federico Fellini, Elia Kazan, Orson Welles were friends of the photographer.

The photographic testimony of Ara Güler, “the eye of Istanbul”, is now part of the heritage of the town.

Info + illus. courtesy Polka Galerie




Walter Niedermayr – Recollection. Fotografien aus dem Iran

9 09 2011

Die Anfang des Jahres 2011 im Hatje Cantz Verlag erschienene Publikation “Recollection”, die der Fotokünstler gemeinsam mit dem Verlag und den Grafikern selbst entwickelt hat, präsentiert eine neue Serie des Südtiroler Fotografen Walter Niedermayr (*1952). „Recollection“ versammelt Aufnahmen, die Niedermayr zwischen 2005 und 2008 in Teheran, Isfahan, Yazd, Schiraz sowie in kleineren Städte und historischen Stätten des Irans gemacht hat. Entstanden ist eine Werkgruppe, in der die architekturhistorischen Zusammenhänge der aktuellen iranischen Architektur vor ihrem kulturellen und geschichtlichen Kontext hinterfragt werden.

 

Walter Niedermayr
Recollection

Texts by Amir Hassan Cheheltan, Lars Mextorf, graphic design by Mevis & van Deursen, By Walter Niedermayr

German/English

2010. 170 pp., 90 color ills., 17 foldouts

26.10 x 30.20 cm, hardcover

ISBN 978-3-7757-2738-9

www.hatjecantz.de 

 

Die Fotografien zeigen Ansichten aus Persien in der für Niedermayr charakteristischen zurückgenommenen, hellen Farbgebung, die die Szenerien fast durchsichtig erscheinen lässt. Es gelingen ihm Aufnahmen, die die arabischen Siedlungen ohne die gängige „Wüstenfarben“ in Sandgelb und Rot zeigen. Die kräftigste Farbe, die begegnet, ist überraschenderweise ein sattes Grün von Pflanzen.

Präsentiert werden die Fotografien in der Publikation ebenso als Einzelansichten wie als Foldouts für die typischen ausladenden Sequenzen des Fotografen. Die Bilder laden ein, darin auf Entdeckungsreise zu gehen: Erscheinen die Aufnahmen zunächst unspektakulär und in sich ruhend entdeckt man bei genauerer Betrachtung die Spuren der Zivilisation. Feine Differenzen ergeben sich aus den verschiedenen Blickpunkten auf die Landschaften. Der Blick für eine nuancierte Wahrnehmung wird geschärft. Die Motivauswahl spannt sich von historischen Stätten bis hin zu neugebauten Arealen und zeigt eine überraschende Fülle. Und, am überraschendsten, auch hier gibt es Schneebilder.

Bekannt geworden ist Niedermayr durch seine fotografischen Erkundungen des alpinen Raumes – für seine erste Serie „Die Bleichen Berge“ erhielt er 1995 den European Photography Award – ebenso wie von Architekturen und Infrastrukturen. Sein Augenmerk gilt vornehmlich dem durch Infrastrukturen bestimmten Raum, die Spuren, die Zivilisation, Urbanisierung und Technisierung in Landschaften hinterlassen haben, wie sie auch in „Recollections“ fotografisch thematisiert werden.

Begleitet werden die Aufnahmen von Essays von Amir Hassan Cheheltan und Lars Mextorf, die auf Englisch, Persisch und Deutsch vorliegen. Cheheltan, einer der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller des Irans, berichtet in „Das unvollendete Projekt: Die Entwicklung Teherans“ aus politischer ebenso wie sozialer Sicht über die Geschehnisse in der Stadt in der jüngeren Vergangenheit, über die Veränderungen, die mit dem Sturz des Schahs einhergingen und welche Folgen diese für das Stadt- und Siedlungsbild hatten.

Lars Mextorf hingegen geht in „Das Versprechen der Moderne“ näher auf die Arbeit von Niedermayr selbst ein und bietet an einigen exemplarischen Bildbesprechungen Hintergrundinformationen zu dem Fotografen. Mextorf erläutert auch den Titel „Recollection“ im Sinne des englischen Romantikers William Wordsworth: „Erinnerung ist beides, die Trauer um den Verlust des emotionalen Kontakts zur Vergangenheit und die Möglichkeit, sie imaginierend zu supplementieren.“

 




Katja Stuke | Oliver Sieber – Our House in Braunschweig

3 09 2011

»Who are you this time?« – This quote from a song by Tom Waits is paradigmatic for the artistic approach of Katja Stuke and Oliver Sieber. Being both photographer and artist, curator and initiator of exhibition, designer and editor of art books, the artists have multiple roles. The exhibition »Our House« transfers this vast cosmos into the halls of the photo museum Braunschweig.

Katja Stuke und Oliver Sieber, »Megastore«, Düsseldorf, 2003

Katja Stuke und Oliver Sieber, »Megastore«, Düsseldorf, 2003

 

 

 

Katja Stuke | Oliver Sieber – Our House

2. September – 30. Oktober 2011

Museum für Photographie, Braunschweig

www.photomuseum.de

 
 

 

Katja Stuke und Oliver Sieber, »Roy’s Cafe«, 2002, aus der Serie »O.i.F.«

Katja Stuke und Oliver Sieber, »Roy’s Cafe«, 2002, aus der Serie »O.i.F.«

PR-Text: »Who are you this time?« – Diese Zeile aus einem Song von Tom Waits findet sich in einem der über 550 Einträge der »Böhm/Kobayashi Encyclopedia«. Keine passendere Frage könnte man an die Herausgeber der genannten Publikation selbst stellen. Hinter »Böhm/Kobayashi« verbergen sich Katja Stuke und Oliver Sieber, doch hinter ihrer Identität stecken viele Figuren: Fotograf/in und Künstler/in, Kurator/in und Initiator/in von Ausstellungen, Gestalter/in und Herausgeber/in von Künstlerbüchern. Durch ihr Werk und ihre Vermittlungstätigkeit sind sie jedoch längst schon zu Moderatoren einer bestimmten fotografischen Kultur geworden. Die Ausstellung »Our House« wird diesen Kosmos der beiden Künstler ein Stück weit in die Torhäuser des Museums für Photographie Braunschweig übersetzen.

Katja Stuke, London, 2007, aus der Serie »Suits«

Katja Stuke, London, 2007, aus der Serie »Suits«

Who are you this time? – Diese Frage könnte sich zunächst an die Protagonisten von Oliver Siebers und Katja Stukes eigenen Arbeiten richten. So unterschiedlich ihre jeweiligen Ansätze auch sind, so stellen sie doch auf ihre Weise die alte Frage des fotografischen Porträts: Wer bist Du als Einzelner und als soziales Subjekt? Oder besser, welches Bild, welches Image möchtest Du von Dir geben?

Die Arbeiten »Imaginary Club« und »Suits« (in den Räumen dieses Torhauses), existieren auch in der Form von Künstlerbüchern oder tauchen im Dialog auf den Seiten eines Magazins auf, das nicht unwesentlich zur internationalen Bekanntheit von Katja Stuke und Oliver Sieber beigetragen hat. »Frau Böhm«, später »Die Böhm« oder schlicht nur »Böhm« lauten die Ausgaben ihres »Fanzines«, eines Künstler-Magazins in kleiner Auflage, das sie seit 1999 herausgeben.

Zu sehen sind sie, neben anderen Dokumenten und Projekten, wie etwa die umfangreiche Arbeit »O.i.F.« zu den Drehorten von Filmen und der Projektion »Japanese Lesson«, im südlichen Torhaus, das sich die beiden Künstler ganz zu eigen machen und, wie es der Titel der Ausstellung verspricht, in ihr Haus verwandeln.

Illus. + info courtesy Museum für Photographie, Braunschweig