„Meine Fotografie ist die Negation des ‘entscheidenden Augenblicks’, wie ihn einst Henri Cartier Bresson definiert hat.“ Interview mit Martin Zeller

25 11 2011

Für die Serie „The Diagonal Mirror. Space And Time In Photographing Hong Kong”[1], entstanden zwischen 2003 und 2007, hat Martin Zeller eine außergewöhnliche Art der Präsentation gefunden: Wir sehen keine rechteckigen Fotoprints an der Wand hängen, sondern zwei Fotografie-„Balken“, die aufeinander stoßen, die sich berühren oder überlagern, sich überschneiden oder durchdringen. Die großformatigen Fotografien – zwischen 2m und 4m – sind nicht in herkömmlicher Weise arrangiert, sondern an die Wand inszeniert und arrangiert.

Waterfall Bay, 2008

Waterfall Bay, 2008

Entstanden über einen längeren Zeitraum von rund 3,5 Jahren in Hong Kong zeigen die Aufnahmen Stadtansichten von der Metropole bei Nacht, Straßen und Gebäude, sehr reich an Details, Architekturaufnahmen. Dabei interessiert Zeller nicht das glamouröse Gesicht der Stadt, nicht die bekannten touristischen Ansichten, sondern das Marginale, Unauffällige. Es sind weder groteske noch sensationelle Szene, sondern ganz gewöhnliche Situationen, die die Aufnahmen präsentieren.

Die Szenerien sind bei Nacht entstanden und wurden analog aufgenommen bei sehr langen Belichtungszeiten, die von 30 Minuten bis zu 2 Stunden reichen.

Der Betrachter kann in diese Stadtpanoramen gleichsam eintauchen, in sie eintreten und auf Entdeckungsreise gehen. Allerdings muss er/sie, wenn man davor steht und versucht, sich diese Szenerie zu erschließen, nach der „richtigen“ Position suchen, sich vielleicht sogar hin und her bewegen, um den besten Blickwinkel zu finden. Nur – es gibt ihn nicht, „den“ richtigen Blickwinkel! Es gibt Unschärfen, Verschiebungen, Überschneidungen an den Stellen, an denen sich die Aufnahmen überlagern. Die Perspektive lässt sich nicht eindeutig erschließen, so wie wir es gewohnt sind. Es ist nicht klar, welche Szene, welcher Blickwinkel eigentlich zu sehen ist!

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Durch die Art der Präsentation dieser großformatigen Arbeiten wird der Betrachter aufgefordert, in die Stadt „einzutauchen“, in die Bilder einzutreten, er kann dies aber zugleich nicht „einfach so“. Die Fotografien können nicht einfach „konsumiert“ werden, die Perspektive erschließt sich nicht ohne Weiteres, sondern der Betrachter muss sich darauf einlassen, sich bemühen, sich die Vielschichtigkeit im wahrsten Sinne erschließen. Es gibt keinen Standpunkt und jeden Standpunkt gleichermaßen.

Er/sie sieht anders, auch mit chinesischen Augen.

Martin Zeller (*1961 in Mannheim) lebt und arbeitet seit 2003 in Hong Kong. Zeller ist Fotograf, jedoch kein expliziter Architekturfotograf. Sein Interesse gilt der Darstellung von Raum und Zeit in Bezug zur Kultur- und Mediengeschichte. Er fotografiert ausschließlich Orte, mit denen er vertraut ist, deren Geschichte er kennt. Daher ist es nicht überraschend, dass immer wieder auch städtische Umgebung und Gebautes in seinen Serien eine zentrale Rolle spielt.

Im Interview mit deconarch.com erläutert Martin Zeller, was ihn zu der ungewöhnlichen Präsentationsweise inspiriert hat, welche Themen ihn in seiner Arbeit beschäftigen und wieso er Henri Cartier Bressons „entscheidenden Augenblick“ negiert.

Illus. (c) Martin Zeller

(Alle Abbildungen aus “The Diagonal Mirror”)

INTERVIEW 

Auslöser für Ihre Serie „The Diagonal Mirror“ war Ihr erster Besuch in der Stadt 1998. Warum sind Sie damals nach Hong Kong geflogen?

Silent Witness, 2008

Silent Witness, 2008

Auf Einladung war ich 1998 zum ersten Mal in HK. Es war von meiner Seite eine spontane Zusage, so dass ich zwei, drei Wochen später relativ unvorbereitet im Flugzeug saß und nicht mehr Bilder im Kopf hatte, als wir alle. Also von der Skyline, der Börse und einigen Straßen mit unzähligen Neonreklamen.

Nach der Landung in HK nahm ich wie so oft lieber einen Bus als die Schnellbahn vom Flughafen in die Innenstadt. So kann man schon einmal einen Überblick über die Stadt mit ihrer Landschaft und den Vororten gewinnen. Ich bevorzuge es, Städte von der Peripherie her zu erkunden. So versuche ich auch Länder meist von einer kleinen Ortschaft aus kennenzulernen und erst später in die größeren Städte vorzudringen.

Auf dieser Fahrt vom Flughafen Chek Lap Kok nach Kowloon hing ich vor Überraschung über die vorbeiziehende Stadtlandschaft nur noch am Fenster und meine einzige Frage war: Wie kann ich all diese faszinierenden Orte und Plätze wiederfinden, an denen wir jetzt mit dem Bus vorbeirauschen? Die 3,5 Jahre, die ich von Herbst 2003 bis Frühjahr 2007 mit „The Diagonal Mirror” verbrachte, war ich ausschließlich damit beschäftigt, diese Fahrt vom Flughafen ins Zentrum von HK wieder rückwärts aufzurollen.

Wie kam die Gestaltungsweise des „Diagonal Mirror“ zustande? Was hat Sie dazu inspiriert, großformatige Fotografien sich überschneiden zu lassen?

Run Down, 2008

Run Down, 2008

Bevor ich im Herbst 2003 nach HK ging, hatte ich in Berlin über 10 Jahre hinweg zwei große Projekte realisiert: Entstanden zuerst meist großformatige Fotoarbeiten der steinernen Metropole mit weiten Fluchten („Berlin“, 1997), so beschäftigte mich später der Bildraum als Ort von Überlagerungen visueller Informationen – und somit die Vielschichtigkeit des Bildlichen selbst („Die verklärte Nacht“, 2002). Die letzten Bilder, die für „Die verklärte Nacht“ entstanden, sind schon von meinen ersten HK-Besuchen beeinflusst. Arbeitete ich aber bisher vorwiegend in Städten/Regionen, die sich horizontal ausdehnen, war ich zuerst an der zusätzlichen vertikalen Dimension der Stadtlandschaft HKs interessiert.

HK wurde ursprünglich an sehr steiler Hanglage errichtet (Mount Austin, 552 m), was dazu führte, dass später nur noch eine Ausdehnung in der Vertikalen möglich war. Aber die ersten Bilder, die ich in HK machte, zeigten schnell, dass das rechteckige Bildformat ungeeignet war, um mich dieser organischen, vielschichtigen und dreidimensionalen Urbanität zu nähern.

Nach meiner Ankunft in HK hatte ich sogleich begonnen, mich auch mit chinesischer Malerei zu beschäftigen, vorwiegend mit der Landschaftsmalerei der Song Dynastie (960 bis 1279). Auf den ersten Blick sehen diese Bilder wie realistische Darstellungen der Landschaft aus, aber auf den zweiten Blick erkennen wir, dass Vorder-, Mittel-, und Hintergrund jeweils eine eigene Perspektive haben. Dies ermöglicht dem Betrachter, in ein Haus hineinzuschauen und zur gleichen Zeit auch über den Berg hinweg bis zum Horizont zu sehen. Interessant ist auch, dass christliche Mönche schon recht früh Kopien der Meister der Renaissance mit nach China brachten, so dass die chinesischen Künstler über den Schritt der europäischen Malerei zur Zentralperspektive Bescheid wussten. Aber bis auf eine kleine Epoche fand diese Sichtweise, die wohl auch eine Denkweise spiegelt, in China keinen Widerhall. Warum soll ich mich auf eine Perspektive konzentrieren, wenn ich auch zwei, drei oder mehr haben kann?

Hinzu kommt eine weitere Beobachtung, die ich bei einer Busfahrt in HK gemacht habe: Der Busfahrer war recht schnell unterwegs, so dass ich nach vorne blickte, um nach dem Rechten zu schauen. Dabei fiel mir auf, wie der Fahrer seinen Rückspiegel diagonal angebracht hatte. Jetzt verstand ich, wie ich die Stadtlandschaft HKs mit meiner Kamera erfassen konnte: mehrperspektivisch und diagonal.

Hollywood Queen, 2008

Hollywood Queen, 2008

Viele Ihrer Projekte seit 1989 entstanden bei Nacht, wie auch „The Diagonal Mirror“, mit Belichtungszeiten von 30 Minuten bis zu 2 Stunden. Arbeiten Sie bevorzugt bei Nacht?

Die Künstlichkeit des nächtlichen Lichts spiegelt sehr gut die Künstlichkeit des chemischen Prozesses bei der Entwicklung und Vergrößerung der Bilder wieder. Alle Bilder zu „The Diagonal Mirror” wurden analog auf Film aufgenommen und analog auf Fotopapier vergrößert.

Den Farben von Tagesaufnahmen, z.B. dem Blau des Himmels oder dem Grün der Blätter eines Baumes, haftet in der analogen Fotografie immer etwas Künstliches an, so dass ich es seit meinem Projekt „412 432″ vorzog, vorwiegend bei Nacht zu fotografieren.

Aber es entstanden auch immer wieder Arbeiten bei Tageslicht, etwa das erste Kapitel von „Das Dreieck” (1993), die Fotoinstallation „Rampenweg” (1993) oder die Arbeit „Märkischer Sand” (1996). Meist fotografierte ich dann bei gleißendem Sonnenlicht mit harten Schatten, was auch wieder eine gewisse Künstlichkeit des fotografischen Abbilds betonte.

Seit 2008 arbeite ich vorwiegend bei Tageslicht.

Warum Fotografie? Welche Möglichkeiten eröffnet Ihnen die Arbeit mit der Kamera?

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2009

Ich habe, seit ich 13 Jahre alt war, gemalt, mit 16 Jahren die erste Kamera gekauft und mit 24 Jahren mit Video begonnen. Meinen Abschluss an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt habe ich mit einer Videoarbeit bestritten, 1988 die erste Diplomarbeit in diesem Medium. Danach, im Jahr 1989, habe ich mehr aus Verdruss an der Arbeit mit Video (damals waren die Bilder schneller als die Technik erlaubte) und Zufall eine erste Nachtaufnahme mit langer Belichtungszeit am Rheinufer gemacht, deren Ergebnis mich so neugierig gemachte hat, dass ich 20 Kilometer dem Licht entlang des Rheins fotografisch gefolgt bin. Die Bilder des „412 432″-Projekts habe ich später im Rahmen des Kultursommers Ludwigshafen multimedial umgesetzt und ein Jahr später habe ich eine Arbeit mit Fotografien auf Transparentfilm auf dem Klüberplatz in Ludwigshafen realisiert. Ich war immer mehr am Medium Fotografie in Bezug zu anderen Medien wie Film, Video, der Malerei oder Skulptur interessiert. Die sogenannte dokumentarische Qualität der Fotografie hat mich nie interessiert.

Wie finden Sie Ihre Motive?

Reine Intuition.

Welche Themen interessieren Sie? 

Highland Spring, 2008

Highland Spring, 2008

Mein Interesse gilt der Darstellung von Raum und Zeit in Bezug zur Kultur- und Mediengeschichte. So war „412 432″ (1990) eine fotografische Reise entlang der gleichnamigen Rheinkilometer bei Nacht, aber auch eine Auseinandersetzung mit der New American Color Photography und ihren Verweisen auf den amerikanischen Film. „Berlin” (1997) zeigt die deutsche Hauptstadt nach dem Fall der Mauer, aber im Licht der frühen deutschen subjektiven Fotografie. „The Diagonal Mirror” spiegelt die sich von der europäischen Kultur unterscheidende asiatische Raum- und Zeitvorstellung.

Dieses Thema greife ich auch in meinem jüngsten Projekt „New Gardens” auf, das ich mit der chinesischen Künstlerin Sou Vai Keng realisiere: Auf der einen Seite beziehen wir uns auf Walter Benjamins Thesenpapier „Über den Begriff der Geschichte” von 1940, auf der anderen Seite nutzen wir Techniken der chinesischen Landschaftsmalerei.

Sie arbeiten nicht ausschließlich mit Architekturfotografie, trotzdem spielt sie – oder allgemeiner noch gesprochen: das Menschengemachte – in vielen Ihrer Serien eine Rolle. Warum?

Block Two, 2008

Block Two, 2008

Ursprünglich interessierte ich mich mehr für die Architektur des Lichts. Natürlich braucht Licht einen Gegenstand, an dem es sich brechen kann, um sichtbar zu werden, aber die Wahl dieses Objekts unterlag weniger architektonischen Kriterien, als meinem persönlichen Bezug zu ihm. So fotografiere ich ausschließlich Orte, mit denen ich vertraut bin, deren Geschichte ich kenne. Das ist wohl der Grund, weswegen meine ersten Fotoarbeiten in der städtisch und industriell geprägten Region von Mannheim, in der ich aufwuchs, entstanden sind. Meine Fotografie ist die Negation des „entscheidenden Augenblicks”, wie ihn einst Henri Cartier Bresson definiert hat. Ich besuche meine Aufnahmeorte immer und immer wieder, bis ich in einer inneren Kommunikation mit diesem Ort seine Essenz gefunden habe.

Heute interessiert mich mehr die Architektur des Bildes selbst. Die Arbeiten zu „The Diagonal Mirror” sind zugleich Bild und Objekt und auch die Präsentation der Arbeiten des neuesten Projekts „New Gardens”, die auf Reispapier vergrößert und als mehrteilige Rollenbilder präsentiert werden, birgt eine architektonische Qualität.

Analog oder digital?

Hollywood Queen, 2008

Hollywood Queen, 2008

Ich arbeitete bis 2008 ausschließlich analog, heute vorwiegend digital. Die Wahl zwischen analog und digital ist für mich weniger eine medienphilosophische Frage als vielmehr eine der Zweckmäßigkeit. Beide Techniken haben ihre Vor- und Nachteile und während ich früher immer den Grenzbereich der analoger Techniken auslotete, experimentiere ich heute mit den Grenzen der Digitaltechnik. Aber dies ist wirklich ein abendfüllendes Thema.

Was ist charakteristisch für Ihre Arbeit – in Ihren Worten?

Es ist besser, wenn man das als Künstler nicht weiß, sondern immer auf der Suche bleibt. Ansonsten unterliegt man zu leicht der Gefahr, sich zu wiederholen und seine Arbeit nur noch unter einem Markenzeichen zu sehen.

Zum Abschluss noch einen Ausblick auf Ihre neuesten Arbeiten?

„New Gardens“ wurde schon erwähnt. Daneben läuft auch ein Projekt mit dem Arbeitstitel „”Die Rückseite des Auges” ” ist eine weitere Zusammenarbeit mit der chinesischen Künstlerin Sou Vai Keng und bezieht sich auf den norwegischen Maler Edvard Munch.

Martin Zeller, herzlichen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit!

 


[1] The Diagonal Mirror, Kehrer Verlag Heidelberg 2008 (Begleitkatalog zur Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim 2009)




Götz Diergarten BACK TO THE ROOTS, Kaiserslautern

22 11 2011

Götz Diergarten was awarded with the Pfalzpreis für Bildende Kunst 2010 – Graphik/Fotografie/Video/Neue Medien for three photos of his series METROpolis. Since 2006, the artist focuses on the topical esthetics of underground stations in European capitals, tracing the microcultural differences of one culture group.

o.T. (Wien - Südtiroler Platz) © Götz Diergarten courtesy Galerie Kicken Berlin

o.T. (Wien - Südtiroler Platz) © Götz Diergarten courtesy Galerie Kicken Berlin


 
 
BACK TO THE ROOTS | Arbeiten 1995 – 2010

Pfalzpreis für Bildende Kunst 2010

18. November 2011 – 15. Januar 2012

mpk Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

www.mpk.de
 
Finissage: 15.01.2012, 11 Uhr – Künstlergespräch Fotografie und ihre Folgen – mit den Nachwuchspreisträgerinnen Sabrina Geckeis und Judith Walz, den Kuratoren Annette Reich und Heinz Höfchen sowie Götz Diergarten.
 
 
PR-Text: Götz Diergarten wurde der Pfalzpreis für Bildende Kunst 2010 – Graphik/Fotografie/Video/Neue Medien für drei Werke aus seiner fotografischen Serie METROpolis zuerkannt. Dieses Fotoprojekt, an dem der Künstler seit 2006 arbeitet, widmet sich der Alltagsästhetik am Beispiel der U-Bahnstationen europäischer Hauptstädte. Dabei geht es Diergarten um die Auseinandersetzung mit mikrokulturellen Unterschieden innerhalb ein und desselben Kulturkreises.

o.T.2 (Prag-Jirího z Podebrad) © Götz Diergarten courtesy Galerie Kicken Berlin

o.T.2 (Prag-Jirího z Podebrad) © Götz Diergarten courtesy Galerie Kicken Berlin

Der Künstler zeigt nur Stationen unter Tage und er reagiert auf das, was er vorfindet, er sucht das Besondere im Banalen. Wesentlich für Diergartens Fotografien sind gewisse Arbeitsregeln: Farbe, gleichmäßige Beleuchtung, durchgehende Schärfe, Augenhöhe, Realität in unspektakulären Motiven, serielles Vorgehen. Diergarten arbeitet in Serien: METROpolis steht als Fotoprojekt konsequent in der Abfolge seines Schaffens, das 1994 mit dem Thema Dienstleistungsläden einsetzt. Er zeigt Hausfassaden, Läden mit Typographie, dann – näher betrachtet – Türen und Fenster, auch mit zahlreichen Beispielen aus der Pfalz, denn er unterhielt bis 2005 ein Atelier am Donnersberg. Insofern ist unsere Ausstellung, die die Typographie- und Fassadenserien Diergartens einbeziehen wird, ein zurück zu den Wurzeln, eben ein Gang back to the roots.

Info + illus. courtesy Pfalzgalerie Kaiserslautern




Gregor Schneider: Sterberaum in Innsbruck

21 11 2011

I want to show a person who dies a natural death, or has just died a natural death. My goal is to show the beauty of death. This statement from an interview with the artist in Paris, February 2008, taken out of context, led to angry protests at the time, but also to professions of sympathy, especially in the German press. The artist even received death threats. Yet nobody has ever seen this dying room. Now it is being shown for the first time in Innsbruck. 


 
 
 
Sterberaum

Gregor Schneider

Kunstraum Innsbruck, Innsbruck, Austria

Curator: Veit Loers (Solo)

19.11.2011 – 28.01.2012
 
 
PR-Text: “Ich möchte eine Person zeigen, welche eines natürlichen Todes stirbt oder gerade eines natürlichen Todes gestorben ist. Dabei ist mein Ziel, die Schönheit des Todes zu zeigen. Diese aus dem Kontext gerissene Feststellung aus Anlass eines Interviews in Paris im Februar 2008 löste vor 3 Jahren wütende Proteste, aber auch Sympathiebezeugungen vor allem in der deutschen Presse aus.Gregor Schneider erhielt sogar Morddrohungen. Dabei hat niemand jemals diesen Sterberaum gesehen. Nun wird er erstmals in Innsbruck gezeigt.

Gregor Schneider u60, WAND, wall in front of a wall, breeze blocks and plaster blocks, plastering, white (272 x 259cm), DREI ARBEITEN, Museum Haus Lange, Krefeld, 4.09.1994 - 23.10.1994 Photo: © Volker Döhne / Museum Haus Lange

Gregor Schneider u60, WAND, wall in front of a wall, breeze blocks and plaster blocks, plastering, white (272 x 259cm), DREI ARBEITEN, Museum Haus Lange, Krefeld, 4.09.1994 - 23.10.1994 Photo: © Volker Döhne / Museum Haus Lange

Schneider beschreibt im Interview mit Heinz-Norbert Jocks (Kunstforum International 2008) ausführlich das Aussehen des gebauten Kunstraums: Ich habe einen Sterberaum gebaut, der für mich als Bildhauer das eigentliche Kunstwerk ist. Doch dieser kann auch als solcher genutzt werden. Er ist ein Nachbau eines Raums aus dem Museum Haus Lange/Esters [Krefeld], der in meinen Augen einer der empfindsamsten und künstlerisch anspruchvollsten ist, die wir für die Gegenwartskunst als Museumsbau haben. Es handelt sich dabei um einen von Licht durchfluteten Wohnraum mit großen Fenstern und Holzboden. Von Mies van der Rohe konzipiert, ist er für mich ein Ausdruck von räumlicher Freiheit… Der Kunstraum kann die nötige Würde schaffen um das Sterben und den Tod auch öffentlich sichtbar zu machen.

Kunst hat für mich einen zutiefst im positiven Sinne humanen Anspruch. Sterben kann auch Kunst sein. Im Grunde ist ein Sterberaum ein persönlicher Gestaltungsauftrag für den Raum und die Umgebung, in der wir sterben uns auflösen um dann Tod zu sein. Eine Gestaltungsaufgabe die jedem Menschen bevorsteht.

Die öffentliche Darstellung kann den Tod aus dem gesellschaftlichen Tabu führen. Ist es vorstellbar das sterben und den Tod ähnlich der Geburt eines Menschen, zu einem positiven Erlebnis werden lassen?

Schneider, 1969 in Rheydt (Mönchengladbach) geboren, ist vor 15 Jahren durch sein Totes Haus ur bekannt geworden, ein gründerzeitliches Reihenhaus, in dem Schneider über viele Jahre hinweg alptraumhafte Raumfolgen schuf, die zunächst in verschiedenen Museen zu sehen waren und dann in ihrer Gesamtheit in den Deutschen Pavillon der 49. Biennale von Venedig (2001) verpflanzt wurden. Gregor Schneider erhielt dafür den „Goldenen Löwen“. Seitdem hat er international zahlreiche Projekte verwirklicht, den für den Markusplatz in Venedig geplanten Cube, eine Replik der Kaaba in Mekka, die an der Kunsthalle Hamburg verwirklicht wurde, das Raumlabyrinth Weisse Folter in der K21 der Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, die Cells des Bondy-Beachs bei Sydney, END am und im Museum Abteiberg Mönchengladbach und kürzlich it’s all Rheydt für das Durga Puja Festival in Kolkata.

Parallel zum Sterberaum wird im Centro de Arte Dos de Mayo C2M Madrid Gregor Schneiders neues Projekt Punto Muerto (Dead End) gezeigt. Ein gewaltiges darmartiges Röhrensystem mit einzelnen ur-Räumen durchzieht von außen das Museum, durch die der Besucher auch den Ausgang finden muss, ohne das Museum zu betreten.

Zur Ausstellung erscheint im Neuen Jahr ein dokumentarischer Katalog.

Info + illus. courtesy Gregor Schneider

 




Stephen Craig “Thrills & Spills”: Preis des Kuratoriums des Mannheimer Kunstvereins

20 11 2011

Combining both architecture and art in his work, Irish artist Stephen Craig is awarded with the prize of Mannheim Kunstverein’s board of trustees. Craig combines different media, starting from sculpture and installation and finishing with video and photography. His “Thrills & Spills” transform the Kunstverein into a weird kind of funfair…

 
 

STEPHEN CRAIG Thrills & Spills

Plastiken, Installationen, Malerei

Preis des Kuratoriums des Mannheimer Kunstvereins

Mannheimer Kunstverein, 06. November – 23. Dezember 2011

www.mannheimer-kunstverein.de

 

 

Thrills & Spills verspricht das poppigbunte Plakat: Ein Karussell, zwei Kassenhäuschen, ein Cowgirl mit Pistole, viele Glühbirnen … – ein Jahrmarkt im Kunstverein? Der nordirische Künstler Stephen Craig verwandelt die Mannheimer Räumlichkeiten in eine andere Welt. Diese Ausstellung steht ganz unter dem Zeichen temporärer Architekturen, die bald wieder verschwinden – wie die Jahrmarktbuden, die das Jahr über von Markt zu Markt ziehen.

“Stephen Craig versteht sich als Künstler und Architekt. Seine mehrdeutigen Arbeiten spielen immer wieder mit der Grenzziehung zwischen autonomer Skulptur und Architektur. So sind seine Modelle Ergebnisse künstlerischer Imagination, werden aber auch zu Wohn- oder Ausstellungsräumen umgesetzt. Vor allem Mies van der Rohe mit seinem Konzept der Befreiung der architektonischen Elemente und der damit verbundenen Schaffung von Übergangszonen zwischen Innen- und Außenraum ist für Craig ein wichtiger historischer Referenzpunkte. Aber auch Alberto Giacometti und seine skulpturale Auseinandersetzung mit Raum und Proportionen haben ihn nachhaltig beeinflusst.” (zititert nach Link)

In seiner Arbeit verbindet Craig Architektur und Kunst. Er spielt mit ganz unterschiedlichen Medien, arbeitet mit Skulptur und Rauminstallationen ebenso wie mit Zeichnung und den neuen Medien, mit Film, Video und Fotografie. Seine Objekte sind Ergebnisse komplexer Arbeitsprozesse, wie er in einem Interview betonte: „Ich persönlich sehe die Dinge mehr als fest gewordene plastische Denkprozesse in Materialform, wie Eisbergspitzen. Ich muss einfach immer gleichzeitig denken und machen. Der Denkprozess wird im Machen zu Ende gedacht – ausgearbeitet. Weil ich nicht immer ganz Großes machen kann, entstehen solche Sachen, die man Modelle nennt“ (Link). Dabei sind Craigs Arbeiten immer auch verbunden mit einem feinen Humor, der das Undenkbare für denkbar hält und das Denkbare ins Absurde zieht.

Für seine Arbeit erhält Stephen Craig, seit 2001 Professor für Visual Arts an der Architekturfakultät der Universität Karlsruhe, als achter Preisträger den Preis des Kuratoriums des Mannheimer Kunstvereins. Diese Auszeichnung wird seit 1996 alle zwei Jahre an junge Künstler und Künstlerinnen vergeben als Anerkennung für ihre Arbeit und entspricht damit der Zielsetzung des Kunstvereins, junge Kunst zu fördern. Der Preisträger erhält neben einem Preisgeld von 5000€ die Gelegenheit, seine Werke in einer Einzelausstellung im Kunstverein Mannheim zu präsentieren.




Diverse Zimmer. Philip Topolovac in Berlin

19 11 2011

In his current exhibition, Philip Topolovac generates an interior of remembrance: a time machine, equipped with war-torn artifacts that he discovered on construction sites in the center of Berlin within the last few years. In earlier works Topolovac already focused on voids and gaps: the unconscious. In his present project he concentrates on holes within the urban space: construction sites and wastelands, where he discovers layers of the past. Along the former Berlin wall, gaps are being closed rapidly. The design and aesthetics of the results are quite dodgy and ambivalent. History is being deleted and newly written at the same time: the city as a palimpsest.


 
 
Diverse Zimmer
by Philip Topolovac

19. November 2011 – 7. January 2012

Galerie Invaliden1, Rosenthaler Platz Berlin
www.invaliden1.com
 
 
PR-Text: Philip Topolovac erzeugt in seiner aktuellen Ausstellung ein Erinnerungsinterieur, eine Zeitmaschine, bestückt mit kriegsversehrten Artefakten, die er in den letzten Jahren auf Baustellen im Zentrum Berlins gefunden hat. Bereits in bisherigen Arbeiten stehen Leerstellen und Zwischenräume, Unheimliches und Unbewusstes im Zentrum seines Interesses. So z.B. bei den in Wänden montierten Lochinstallationen, aus denen technische Apparaturen wuchern. Im jetzigen Projekt konzentriert er sich auf Löcher im städtischen Gefüge: Baustellen und Brachen, in denen er die Schichtungen der Vergangenheit entdeckt.

Entlang des ehemaligen Mauerstreifens werden rasant langjährige Baulücken geschlossen. Die Ergebnisse sind in ihrer Gestalt und Ästhetik durchaus ambivalent und fragwürdig. Geschichte wird ungeschehen gemacht und zugleich neu geschrieben – die Stadt als Palimpsest.

[...] Den kurzen Zeitraum zwischen dem Aushub der Baugruben und der erneuten Versiegelung des Bodens nutzt Topolovac für eine Recherche nach der vergessenen Zeit. Die Habseligkeiten der ehemaligen Bewohner werden durch die Schaufeln der Bagger wieder zum Vorschein gebracht. Topolovac birgt die Objekte aus den zur Entsorgung bestimmten Schuttschichten.

Der Titel der Ausstellung, Diverse Zimmer, der von einer im Schutt gefundenen Buchseite übernommen ist, bezieht sich dabei nicht nur auf die verschwundenen Häuser, aus denen die gesammelten Objekte stammen, sondern auch auf die Zeiträume, die zwischen damals und heute liegen – die unterschiedlichen Blickwinkel und letztlich die Frage nach dem, was wir als vergangene und gegenwärtige Realität empfinden.

[...]

Diese Artefakte, banale Bruchstücke untergegangener, verschwundener Biografien, werden in einer eigenen Architektur aufgehoben und neu vernetzt. Die Installation aus MDF und Schnellbaumaterial erscheint dabei wie eine Mischung aus Skulptur und Möbelstück – irgendwo zwischen Merzbau, Raumschiff und Frankfurter Küche. Ein umgestülptes Interieur, daß sowohl rekonstruierend als auch inszenierend wirkt und den Gegenständen eine neue Präsenz verleiht. Neutrales Grau und scharfe Kanten heben das eigentlich Vergessene heraus und ermöglichen einen präzisen Blick auf die erstarrten Formen. Geschmolzene Flaschen, zerbeulte Kannen, deformierte Leuchter, Undefinierbares werden in die Regale und Nischen einsortiert. Es entsteht eine abstrakte Rekonstruktion der verschwundenen Räume, in denen diese Dinge einst Verwendung fanden.

Die zeitliche Distanz zu einer unbegreifbar gewordenen Vergangenheit und die räumliche Nähe zu ihren Überresten lassen etwas Neues entstehen. Eingefügt in die Installation werden die Objekte zu selbsreferentiellen, skulpturalen Aliens. Topolovac Installation wird zur Zeitkapsel, zum Trajekt, das diese Exemplare im Jetzt verortet und sichtbar macht. Nicht der Blick zurück steht dabei im Vordergrund, sondern wir, die Blickenden selbst und unser Verhältnis zum Vorher und Nachher. Was bleibt, ist die Frage, wie unsere Flatscreens und Iphones dereinst aussehen werden, wenn man sie aus einem Loch in der Erde gräbt. (Peter Lang)

Info + illus. courtesy Galerie Invaliden1




Dazwischen | in between Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011, Stuttgart

16 11 2011

Noch bis zum 20. November in Stuttgart: Die Gewinner des Europäischen Architekturfotografie-Preises 2011 zum Thema “Dazwischen / in between”.

Dawin Meckel, DownTown

Dawin Meckel, DownTown

 
 
Dazwischen | in between

Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011

Nils Clauss | Paul Duri Degonda | Lars Kreyßig | Dawin Meckel | Frank Meyl | Bernd Uhde | u.a. 

29. September – 20. November 2011

vhs-photogalerie, Stuttgart
www.vhs-photogalerie.de
 
 

PR-Text:  Wer Architektur im Auftrag fotografiert, nähert sich dem Bauwerk oft wie einer Skulptur. Schön, ins rechte Licht gerückt, eher kühl, singulär und unnahbar wirken viele Bauten, deren Abbilder uns dann in den Fachzeitschriften und Prospekten begegnen.

Nils Clauss, UrbanNature

Nils Clauss, UrbanNature

Der seit 1995 vergebene Europäische Architekturfotografiepreis hat dieser Präsentation von Architektur von Beginn an andere Bilder entgegengesetzt. „Mensch und Architektur“ lautete das Thema der ersten Ausschreibung; später ging es um „Architektur im Kontext“, „Urbane Räume“ oder „Neue Heimat“. Stets waren die Teilnehmer gefordert, ihre Sichten und Interpretationen in einer Serie von exakt vier Bildern umzusetzen. Eine kluge Vorgabe, schließt das doch einerseits die eher zufällig gelungenen Einzelbilder aus und zwingt andererseits zur Konzentration.

2011 stand das „Dazwischen“ im Mittelpunkt, auch das ein typisches Thema dieses Wettbewerbs, ging es doch „weniger um die Dinge selbst, sondern um den Kitt, den Mörtel, der sie zusammenhält“ … „sei es störend, trennend oder verbindend, vermittelnd“ (Zitate aus der Ausschreibung). Sowohl Fotografen als auch Bildbetrachter sind damit herausgefordert, auch das Abseitige, Überraschende, Verbindende oder Störende in den Blick zu nehmen und Aspekten Aufmerksamkeit zu widmen, die sonst eher vernachlässigt werden.

Frank Meyl, Open Spaces

Frank Meyl, Open Spaces

Viele Fotografen haben ein Faible für „Unorte“ und so kann es nicht verwundern, dass es bei der Jury dieses Wettbewerbs etliche Bilder von Baustellen, Brachen und Lücken zu sehen gab. Aber das „Dazwischen“ wurde von den insgesamt 269 Bewerbern erfreulich vielfältig umgesetzt. Zeitlich (zwischen Aus- und Einzug oder in der Vor- bzw. Nachsaison), im Übergang von Innen und Außen, wortwörtlich als Blick zwischen Häuser (mitunter gen Himmel) oder auch mit Bildern ungeplanter Ensembles unterschiedlicher Baustile, Fragmente, Fassaden, Materialien und Farben. Viele Teilnehmer sind weit gereist für ihre Aufnahmen. Nationale Besonderheiten machen sich bemerkbar. Gerade die Fotografie kann sichtbar machen, mit was für einem merkwürdigen baulichen Mix wir uns umgeben. Das steht oft im Kontrast zu den Absichten der Städteplaner und Architekten, ist aber mitunter gerade in seiner Unkontrollierbarkeit lebendig. So wie die tapfere Pflanze, die sich in der Betonritze behauptet.

Und die Menschen? Nicht nur ihre Spuren, auch sie selbst sind in einigen Arbeiten zu sehen: etwas verloren in den heruntergekommenen Straßen von Detroit, spielend einen Neubaukomplex erobernd, in schwarzweißen Szenen am Rande einer Hochhaussiedlung oder als Performance-Gruppe, die in bunten Kleidern das Thema kreativ umsetzt.

All das kann hoffnungsfroh stimmen, trotz manch gestalterischer Fehltritte, auf die die ausgewählten Arbeiten sehr wohl aufmerksam machen. Dank der fotografischen Transformation bekommen selbst „Unorte“ einen Reiz. Betrachter werden regelrecht verführt, genauer hinzuschauen. Nichts scheint statisch in diesen Bildern, alles ist ständig im Wandel. Manch einer wird das beunruhigend finden, aber es bietet auch die Chance, das „Dazwischen“ immer wieder neu zu entdecken und zu besetzen. (Anna Gripp)

Info + illus. courtesy www.architekturbild-ev.de, www.vhs-photogalerie.de




Thomas Weinberger | Von Licht und Zeit in Berlin

15 11 2011

Photographer Thomas Weinberg explores the possibilities of his medium in a fundamental way. His large formated shots show particular light and coloring, resulting not from digital production, but from crossfading of two takes of the same location by day and night. Weinberger’s motives focus on architectural situations. 

Schering, Berlin C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 149,1 cm, 2003, edition of 5.  © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Schering, Berlin C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 149,1 cm, 2003, edition of 5. © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

 
 
 
Thomas Weinberger | Von Licht und Zeit

28. Oktober bis 31. Dezember 2011

Galerie Martin Mertens, Berlin

www.martinmertens.com

 
 
 
PR-Text: Nicht nur in der Fotografie – aber besonders hier – ist es ausgesprochen schwer, Künstler zu finden, die sich sehr grundlegend und neuartig mit den Bedingungen und Möglichkeiten ihres Mediums beschäftigen. Thomas Weinberger gelingt in seinen fotografischen Arbeiten aber genau das. Seine großformatigen Fotographien verbindet eine sehr eigentümliche Lichtsituation und Farbgebung. Diese speziellen Eigenschaften sind jedoch nicht das Ergebnis von fotografischen Filtern oder gar der Nachbearbeitung am Computer, sondern sie entstehen durch das pixelgenaue Übereinanderblenden von zwei Aufnahmen des selben Ortes am Tag und in der Nacht.

History Rising, Dubai C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 149,5 cm, 2006, edition of 5.  © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

History Rising, Dubai C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 149,5 cm, 2006, edition of 5. © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Für den Betrachter ergibt sich daraus eine gewisse Desorientierung. Ist es Tag oder Nacht? Die Bilder bekommen eine surreale Wirkung. Sie erscheinen im ersten Moment wie Fotos von Modelllandschaften – ähnlich den Arbeiten von Thomas Demand, in denen das vermeintlich dokumentarische Foto eine reale Szenerie abzubilden scheint, obwohl es tatsächlich ein Papiermodell zeigt. Bei Weinberger sind die Orte zwar real, doch erhalten sie durch seine spezielle Behandlung etwas Malerisches. Er selbst sagt dazu: „Wo Fotografie ihrem Wesen nach nach “Wahrheit” und “Realität” zu streben scheint, wollte ich eine Verdichtung von Zeit und Licht. Also Dichtung statt Wahrheit. So führe ich den Anspruch der Abbildung von “Realität” ad absurdum, der zumindest teilweise und in Abgrenzung zur Malerei, von der Fotografie gefordert, oder besser gesagt ihr unterstellt wird.“

Einer der Kernaspekte der Fotografie – nämlich das Festhalten eines Augenblicks – wird in Weinbergers Arbeiten vollkommen negiert. Durch das Verbinden von zwei getrennten Betrachtungszeiträumen und somit zwei unterschiedlichen Informationskomplexen über das Motiv, nähern sich seine Bilder vielleicht eher dem Wesen der Dinge und hier liegt vermutlich die größte Annäherung an die Malerei. Eine gute Malerei ist in der Lage hinter die Oberfläche der Dinge oder Menschen zu blicken und mehr auszusagen als es das bloße Abbilden der Oberfläche vermag.

IEPE, Madrid C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 154 cm, 2007, edition of 5.  © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

IEPE, Madrid C-Print auf Aluminium, hinter Glas, gerahmt 125 x 154 cm, 2007, edition of 5. © Thomas Weinberger/ VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Bei der Motivwahl konzentriert sich Weinberger auf architektonische Situationen, Stadtansichten, Baustellen, Gerüste, allgemein den Lebensraum, den sich der Mensch in Abgrenzung zur ungezügelten Natur selbst schafft. Marc Gisbourne verweist in seinem Katalogtext zu Recht darauf, dass Weinberger in seinen Werken eine überzeugende Synthese aus subjektiver Wahrnehmung bzw. Bewusstsein des Betrachters und den äußeren Eigenschaften des Gegenstandes gelingt.

Info + illus. courtesy Galerie Martin Mertens

 




Tagung in Marburg: Architekturfotografie

6 11 2011

Gegenstand der Tagung »Architektur-Fotografie« mit internationaler Beteiligung ist die spannungsvolle Beziehung zwischen Architektur und Fotografie.

Gefragt wird nach den Wechselwirkungen zwischen dem ältesten der neuen Bildmedien und der monumentalstenaller künstlerischen Gestaltungsformen.

Zur Debatte steht zunächst das fotografische Bild der modernen und zeitgenössischen Architektur, einschließlich seiner Modifikationen unter den Bedingungen der digitalen Medienwelt. Von verschiedenen Standpunkten aus soll Architektur-Fotografie im Kontext der Historiographie erörtert, deren Rolle im architektonischen Entwurfsprozess sowie in der Präsentation, Vermittlung und Vermarktung von Architektur analysiert werden.

Inwiefern die fotografische Perspektive auf Architektur als künstlerische Interpretation und zugleich als Dokumentation zu betrachten ist, wird anhand der Präsentationen bekannter Fotografinnen und Fotografen angesprochen.

Referenten sind u.a. Burcu Dogramaci, Andreas Nierhaus, Annett Zinsmeister. Ich werde am Samstag 12.11.11 über “Architektur als Motiv künstlerischer Fotografie” referieren.

Die Tagung findet vom 10. – 12.11.2011 in Marburg statt.

Das vollständige Programm finden Sie »hier«.




“Bahnhöfe-gares-stazioni-railwaystations” in Zurich

2 11 2011

A group show on “Railway stations” at Zurich gallery Alex Schlesinger presents works by MORITZ HASSE, REMI JACCARD, RICCARDO POCCI, TOBIAS WEBER and KONRAD WINTER.


Bahnhöfe

Galerie Alex Schlesinger, Zürich

29. Oktober – 26. November 2011

Mit Arbeiten von MORITZ HASSE, REMI JACCARD, RICCARDO POCCI, TOBIAS WEBER und KONRAD WINTER.