“Das Streichen einer Wand ist also die egoistische Zerstörung von Lebensraum und Information.” Interview mit Stefan Hoenerloh

22 04 2010

Der Berliner Künstler Stefan Hoenerloh zeigt in seinen Gemälden Stadtansichten, die wie urbane Momentaufnahmen scheinen, welche auf einem Spaziergang durch eine Altstadt begegnen könnten – und die doch rein fiktional sind. Zu sehen sind keine Veduten, sondern menschenleere Ausschnitte urbaner Architektur: Monumentale Großbauten werden in Ausschnitten gezeigt, meist in Untersicht mit stürzenden Linien, wie man sie vor Ort erlebt. Hoenerloh bringt sie in einer altmeisterlich perfekten Technik vielschichtig lasierend auf den Bildträger.

Le Seuil de la Forêt 114 x 167 cm, 2003, Öl, Acryl auf LeinwandStefan Hoenerloh, Le Seuil de la Forêt, 114 x 167 cm, 2003, Öl, Acryl auf Leinwand

Dennoch handelt es sich nicht um reale Bauten, die etwa von einer Fotografie abgemalt oder vor Ort mit dem Pinsel anstelle der Kamera “aufgenommen” wurden. Hoenerlohs Motive sind reine Fiktion. Als typische Stadtarchitektur, wie sie überalle begegnen könnte,  verkörpern sie die Idee der “alten gebauten Stadt”. Denn zu sehen sind “alte” urbane Gebäude, wie sie in den alten Stadtkernen europäischer Städte begegnen. Die Gemälde sind in Grau-Tönen gehalten, dunkel, trübe, verwaschen. Die Gebäude haben Patina, deutlich nagt der Zahn der Zeit an ihnen.

Auch kunsthistorische Stilgeschichte zeigen die Gemälde nicht: Es wird nicht nur darauf verzichtet, Realarchitektur zu porträtieren, sondern auch darauf, reale Stile zu zeigen. Aus dieser zweifachen Fiktionalität gewinnen Hoenerlohs Arbeiten ihre Ausdruckskraft.

In einem Interview mit deconarch.com gibt Stefan Hoenerloh Einblicke in seine Kunst, schildert, welche besondere Faszination die Architektur für ihn hat, und verrät, warum er keine modernen Bauten malt.

Abb.:  © Stefan Hoenerloh

INTERVIEW

deconarch.com: Herr Hoenerloh, wie haben Sie zur Kunst gefunden? Welche Möglichkeiten eröffnet sie?

Entwurf bei Sonnenaufgang: 470 Nimoy Street 71 x 123 cm, 2000, Öl, Acryl auf PolyvinylStefan Hoenerloh, Entwurf bei Sonnenaufgang: 470 Nimoy Street, 71 x 123 cm, 2000, Öl, Acryl auf Polyvinyl

Stefan Hoenerloh: Man beginnt als Künstler seine Tätigkeit, ohne zu wissen, dass man Künstler wird. Das stellt sich erst später heraus. Anfangs gibt es einen unbändigen Wunsch, bestimmte Vorstellungen umzusetzen, und erst nach einigen Jahren Tätigkeit merkt man, dass man einen bestimmten Beruf hat, der bestimmte gesellschaftlich verankerte Normen zu erfüllen hat und einigen typischen Mechanismen unterworfen ist. Dies gilt aber nur für Künstler der Postmoderne, also ausgebildet bis etwa 1985; die Generationen danach haben andere Herangehensweisen und bemerken die Existenz dieser Normierung und Mechanismen wesentlich früher, teilweise im Studium bereits, und reagieren entsprechend. Der nachpostmoderne Künstler beabsichtigt zunächst, Künstler zu werden, und sucht sich dann sein Arbeitsfeld, während hingegen der postmoderne Künstler sein Arbeitsfeld quasi in die Wiege gelegt bekommt.

Die Frage der Authentizität stellt sich bei ersterem natürlich neu, da nach dem Ende der Grenzerfahrungen (mit der letzten noch ursprünglichen Kunstrichtung der Land Art 1979 dann abgeschlossen) nur noch Kunstrichtungen erschienen, welche eine Retroausrichtung beinhalten, also bereits Dagewesenes neu interpretieren (bestes Beispiel heutzutage: die Appropriation Art). Eine Kreativität im Sinne von Kreation (Neuschöpfung) ist heutzutage nicht mehr möglich, da alles ausnahmslos schon vorhanden gewesen ist. Künstler wie Schwarzkogler oder Duchamp vernichteten sozusagen jegliche Weiterentwicklungsmöglichkeit. Auch Mark Quinn mit „Shithead” ist nur ein Remake von „merde d’artista” von Piero Manzoni. Auch Tracy Emins ungemachtes Bett ist nur ein Remake von Eugene Delacroix „Un Lit Defait” von 1827.

Wo stehen Sie in dieser komplexen (post-)postmodernen Situation?

The Acceptance of the Inherent Lies in Everything 101 x 132 cm, 2001, Öl auf Polyvinyl/LeinwandStefan Hoerneloh, The Acceptance of the Inherent Lies in Everything, 101 x 132 cm, 2001, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Als Künstler, der 1960 geboren ist, stehe ich genau an der Grenzlinie dieser beiden Zeitabschnitte. Ein Teil wollte eigentlich nur bestimmte psychologische Themen verarbeiten, ein Teil war sich dessen bewusst, dass dies in einen Beruf mündet, den man auch dazu verwenden kann, nach außen zu treten – also auszustellen und zu verkaufen. Diese unheilige Verquickung bedroht dann ständig die eigentliche Herangehensweise an Kunst, eröffnet aber die Möglichkeit weiterzumachen, da man sich die Farben weiter leisten kann. Damien Hirst leistet sich sehr teure Farben, wie man weiß.

Auf den Kunstmarkt werden wir gleich noch einmal zurückkommen. Ein besonderer Schwerpunkt Ihres Werks liegt auf der Architektur bzw. dem Zeigen von architektonischen Räumen. Wie kam und kommt es dazu? Was beschäftigt Sie besonders in Ihren Arbeiten?

Dies ist eine der schwer zu erklärenden Fragen, da sie aus dem jugendlichen unartikulierten Bedürfnis erwuchs. Architektur ist eine vom Menschen geschaffene langfristige Raumsituation, welche gut dazu geeignet ist, Zeit, Informationstheorie und Negativraum gleichzeitig darzustellen. Da Bauwerke länger als Menschen existieren, heben sie sich über deren Wichtigkeit primär hinweg. Das ist günstig, um nicht in den Chor der anderen Menschenaffen einzustimmen, welche sich immer nur einen Spiegel vorhalten. Viele Kunstwerke zeigen nur menschliche Gesichter, als ob dies alles wäre, was im Universum wichtig ist.

Ihre Gemälde zeigen menschenleere Stadtansichten, verwittert, sie scheinen realistisch möglich und sind doch rein fiktional. Wie stellen sie die Fragen nach der Zeitlichkeit, dem Vermitteln von Informationen und dem Negativraum, um die Ihre Arbeiten kreisen?

 Stelenfeld 100 x 170 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/LeinwandStefan Hoenerloh, Stelenfeld, 100 x 170 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/Leinwand

Die Zeitfrage ist dadurch dargestellt, dass Gebäude übereinander gestellt sind, ohne dass sich ihr Baustil ändert. Dies zeigt eine Metapher für eine fortschrittslose Gesellschaft, in welcher das menschliche Gehirn Zeit hat, sich evolutionär den neuen Entwicklungen anzupassen; ergo eine sehr langsam vergehende, begreifbare Zeit.

Die entstandene Information komplexer patinierter verwitterter Oberflächen ist ein Symbol für eine Gesellschaft, die wahrscheinlich durch die höhere Quantität an Information die höherstehende ist. Die Bibliothek von Athen hatte gewiss weniger Bände als die British Library, genauso hat eine schmutzige Wandfläche tausendfach mehr Information als eine frisch gestrichene. Besonders für Kleinlebewesen ist die verwitterte Wand ein Sammelsurium an Versteckmöglichkeiten, komplex wie ein Tropenwald.

Das Streichen einer Wand ist also die egoistische Zerstörung von Lebensraum und Information.

Und der dritte Aspekt, der Negativraum …

Dann noch der Negativraum: Er bietet das Bühnenbild für Handlung, welche vom Betrachter imaginiert werden soll, das Kunstwerk entsteht sozusagen im Kopf des Betrachters. Dadurch wird das Kunstwerk interaktiv. Es ist nur die Weiterführung von Caspar David Friedrichs und Bellottos Räumen, welche noch nicht auf den Menschen als Referenzpunkt verzichtet haben. Dieses Bühnenbild kann ein Canyon sein, eine Straße oder ein Waldweg. Der Inhalt ist der gleiche, aber die natürlichen Dinge entbehren hier ein wenig der Kausalität, da sie ihren Sinn in sich selbst tragen und die Informationstheorie sowie die Zeitfrage bei ihnen keine Rolle spielt.

In ihren Arbeiten konzentrieren Sie sich ausschließlich auf „alte“ Bauten. Warum keine modernen Gebäude?

Die Sixtinische Madonna 58 x 85 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/LeinwandStefan Hoenerloh, Die Sixtinische Madonna, 58 x 85 cm, 2007, Oel, Acryl auf Polyester/Leinwand

Bei modernen Bauten findet man weder proportionierte Schönheit, noch gibt es eine patinierte Wand, welche durch ihren Komplexitätsgrad eine Allegorie zu Baumrinde, Holzboden oder Felswänden darstellt, sondern nur Oberflächen und Formen, welche eine möglichst weite Entfernung zu jeder Natürlichkeit zurückgelegt haben. Die Ängste der Menschen vor der Natur (und dem Tod) hat hier eine neue Dimension gewonnen. Die 3 Väter des Internationalen Stils (Le Corbusier, Mies v. d. Rohe und W. Gropius) haben einen Stil geschaffen, welcher zusätzlich eine extreme Ökonomie am Bau zuließ und sich damit komplett weltweit ausgebreitet hat. Diese Ökonomie (das Gegenteil von Kultur) lässt sich nun nicht wieder wegzaubern, die Gründe dazu sind in Tom Wolfes Buch „Mit dem Bauhaus leben” genauestens und verständlich dargelegt. Die Macht der Verbünde und Seilschaften an den Universitäten lässt anderes Bauen gar nicht erst zu, da es abgewertet wird. Nach dem Studium dieses Buches versteht man, warum große Teile der Architektur seit 1918 aufgehört haben zu existieren.

Wenn eine Klasse einen Kurs mit Aktzeichnen hat, dann arbeiten sie nach einem menschlichen Modell. Sie würden wohl kaum, wie es in der Architektur seit 1918 der Fall ist, stattdessen eine Schaufensterpuppe porträtieren.

Wie finden Sie Ihre Themen und Motive?

Die Themen und Motive zu finden ist eine andere, schwierigere Aufgabe. Ein Situation wird zunächst schemenhaft skizziert, da die schemenhaften Bilder sich selbst formen. Dann wird Haus für Haus soweit hin und her geschoben in einem virtuellen Grundriss, dass der Blickwinkel interessant ist.

Manchmal wird auch eine Situation aus einem Canyon nachgestellt, mit Hauswänden verdeutlicht.

Das Motiv des Canyons, der „canyon-haften“ Häuserschlucht, wird besonders deutlich auch in der Gegenüberstellung zu Fotografien von Natascha Wilms, die amerikanische Canyons porträtiert. Arbeiten Sie zusammen?

Natascha Wilms, The Wave in ArizonaNatascha Wilms, The Wave in Arizona © N. Wilms

Die Canyons sind prinzipiell eine ähnliche Situation: eine Darstellung der Zeit, nur in umgekehrter Reihenfolge, von oben nach unten. Städte wachsen andersherum. Beiden ist gemeinsam, dass der Negativraum die sichtbaren Flächen erst ermöglicht und verstärkt, je steiler die Wand ist. Architektur und Canyon sind Gebilde, die der Entropie entgegengerichtet sind und gegen sie kämpfen.
Damit kämpfen sie gegen den Tod, die Canyons dabei sehr erfolgreich, da sie schon sehr alt sind. Ich lasse mich von den Fotografien von Natascha Wilms auf neue städtebauliche Ideen bringen, man kann Flussläufe in Grundrisse umsetzen.

Ihre Arbeiten spielen auch mit der Seherwartung der Betrachter – „Hier bin ich schon mal gewesen!“ – und sind dennoch nicht „real“ existent. Malerei bietet andere Möglichkeiten als die „realistische“ Fotografie. Warum Malerei?

Wenn es die Möglichkeit gäbe, diese Bilder zu fotografieren, dann würde ich das tun. Da es die Gebäude aber nicht gibt, muss ich sie malen, dies aber nur ungern. Malerei ist eine hilflose Krücke mit der man nur einen Teil der eigenen Ideen verwirklichen kann. Aber das Ganze tatsächlich bauen, steht auf einem anderen Blatt.

Jede Situation muss genau auf der Grenzlinie zwischen Fiktion und Erinnerung balancieren, da nur dann jegliches Schubladendenken unterlaufen wird. Geht man zu weit und baut 5 Brücken übereinander, dann ist es unrealistisch und fordert keine Auseinandersetzung, da man sich mit Träumen nicht auseinandersetzen muss. Aber wenn zu wenig Brücken und Ebenen da sind, dann wirkt es wie eine Vedute; dann startet der Beunruhigungsprozess nicht.

Wer und/oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

 Stefan Hoenerloh im Atelier, Berlin 2003Stefan Hoenerloh im Atelier, Berlin 2003

Vorbilder ohne Ende, mein Kunstgeschichtestudium war recht lang. Das erste Vorbild war Max Ernst und ein wenig MC Escher, aber heute haben sich die Vorbilder verschoben. Monokausale Übereinstimmungen sind nicht mehr zu finden, sondern die Vorbilder liegen grundsätzlich  in einer Mehrschichtigkeit, welche immer auf einer primären (sichtbaren) und sekundären (konzeptuellen) Ebene ein Kunstwerk erfahrbar macht. Demnach Mark Tansey, Christoph Steinmeyer, Desiree Dolron, Rosson Crow, Dirk Skreber, Glenn Brown, Anselm Kiefer, Rebecca Horn und Mathias Weischer.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

Das frühere Ziel war es, mit einem didaktischen Ansatz eine Herkulesarbeit zu versuchen, da man diese Welt aber nicht auch nur einen Millimeter verändern kann, ist es mein jetziges Ziel möglichst viele Bilder mit irritierenden Namen zu malen wie: Udo Kittelmanns Breakfast, Larry Gagosians Daughter oder Greetings to Saatchi.

Das ist in der Tat irritierend und eröffnet kritische „Seitenblicke“ auf den aktuellen Kunstbetrieb. Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Via Volterra 42/II 95 x 71 cm, 1999, Öl auf Polyvinyl/LeinwandStefan Hoenerloh, Via Volterra 42/II, 95 x 71 cm, 1999, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Mehrschichtigkeit ist ausschlaggebend, das heißt, dass eine primäre Ebene den Zugang zum Werk eröffnet und die im Kunstbetrieb übliche Hermetik, das elitäre Ausschlussdenken unterminiert. Der künstlerische Elfenbeinturm entspricht ja nicht mehr der ursprünglichen Aufgabe der Kunst „The true artist helps the world by revealing mystic truth” (Bruce Naumann), sondern ist inzwischen völlig zweckfreiem ökonomischen Denken untergeordnet; Kunst ist ja nur noch Geldanlage und hat  damit ihren kulturellen Anspruch völlig verloren. Kunstsammeln ist heute gesellschaftlich so wichtig wie Briefmarken sammeln. Es sollte aber nicht der Sinn der Kunstakademien sein, hochbegabte Ökonomen zu erzeugen, die zuerst ans Geld denken, bevor sie sich einen Pinsel kaufen und später mühsam erkennen müssen, dass es zu viele von ihnen gibt, so dass die Relevanz des einzelnen Kunstwerks gegen null geht (siehe: Kursbuch 122/1995 Daghild Bartels: „Kunstdämmerung”: Wenn es nicht Venedig gewesen wäre, dann wäre ja keiner mehr hingegangen… Siehe auch Wirtschaftswoche 30.9.2007 von Gary Hill: „Man sieht kaum mehr Kunst von Künstlern, sondern Strategie von Strategen”).

Zweiter Aspekt: Antagonistenpaare, welche Spannung aufbauen. Homogene und heterogene Flächen; Architekturplanung und Abbau durch die Natur;  Bewegung durch Perspektive und trotzdem in sich ruhende Architekturlinie; unschönes Geordnetes und schönes Ungeordnetes; logische, die Kraft aufzeigende Elemente gemischt mit manieristischen ornamentalen Verbrechen, so dass keine strukturierende Logik das Gesamtsystem zu schnell erfassbar macht, so dass ein Rest Irrationalität stets bleibt.

Und zum Abschluss eine allgemeine Frage: Welche Bedeutung hat Architektur und überhaupt die gebaute Umwelt für uns?

Hierzu empfehle ich den Film Why Beauty Matters von Roger Scruton, der zwar eine einseitig gefärbte Weltsicht des Verlustes bestimmter gesellschaftlicher Werte beschreibt, aber dennoch auch für eine Zeit, die ständig auf Wachstum aufgebaut sein will, einen warnenden Rufer darstellt. Wachstum, also Fortschritt hat eine Kehrseite der Medaille: Der Fortschritt schreitet fort von dem Ort der möglicherweise einmal als gut befunden wurde. Fort heißt, unumkehrbar, ohne Zurück, also mit Verlust behaftet. Dieser Verlust sollte vermieden werden, sonst ist unsere Zivilisation keine bessere, sondern nur eine andere.

Ein Wachstumsbeschleunigungsprogramm ist also genau das, was wir nicht brauchen, es beschleunigt den Zerfall der Welt. Architektur ist heute nur noch ökonomisch orientiert und verwandelt sich binnen sehr kurzer Zeit in hässlichen Schrott; hingegen würde eine Architektur, die den Alterungsprozess einberechnet, womöglich im Laufe der Jahrhunderte interessanter. Einfach ist diese Aufgabe nicht, was das Dorf Poundbury beweist, welches von Prince Charles erbaut wurde:

Zwar wurden nur traditionelle Materialien und Formen verwendet, aber er vergaß den Schmutz und so mutierte das Dorf zu einer angepassten Rentnerstadt mit extremer Freiheitseinschränkung. Dass die Architektur für den Menschen einen Großteil seines positiven Lebensgefühls ausmachen kann, beweisen die intakten Altbauquartiere deutscher Städte in denen der Zufriedenheitsindex höher liegt als in Trabantenstädten. Wir werden sehen, ob Beijing damit klarkommt, alle Hutong-Altbaubestände flächendeckend abgerissen zu haben. Diese extreme Entwurzelung wird unzufriedene Menschen hervorrufen. Die Krise durch überschnelles Wachstum ist vorprogrammiert.

Stefan Hoenerloh, herzlichen Dank für das ausführliche Interview!




Bauhaus zwanzig-21 Gordon Watkinson im Haus der Gegenwart, München

23 02 2010

Ab dem 24. Februar werden im Haus der Gegenwart München, einem experimentellen Wohngebäude Fotografien von Gordon Watkinson gezeigt, die Bauten der Bauhaus-Architekten porträtieren. Den modernen Gebäuden stellt der Fotograf zeitgenössische, typologisch ähnliche Bauten gegenüber.

From February 24th on, the Haus der Gegenwart Munich, an experimental residential house,  presents photographs by Gordon Watkinson. Watkinson has portrayed the buildings of Bauhaus architects and contrasts them with contemporary houses of similar types.

Gordon Watkinson

© Gordon Watkinson

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BAUHAUS ZWANZIG-21
Fotografien von Gordon Watkinson im Haus der Gegenwart
24. Februar bis 14. März 2010
Haus der Gegenwart, München

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PR-Text: “Bauwerke von Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Hannes Meyer, Georg Muche und Richard Paulick fest. Watkinson verzichtet in seiner Fotografie bewusst auf unwichtige Elemente, um sich stets auf das Wesentliche zu konzentrieren und hält auf diese Weise die zeitlose Formsprache der modernen Architektur fest. In „Bauhaus zwanzig-21“ stellt er die charakteristischsten Gebäude aus dieser Zeit gegenwärtigen, typologisch ähnlichen Bauten gegenüber. Zu den Architekten der Gegenwart, deren Bauwerke in der Ausstellung zu sehen sind, zählen Allmann Sattler Wappner, Rolf Disch, Fink+Jocher, Ingvartsen, Graham Phillips, RCR Arquitectes, Werner Sobek und Wingårdhs.

Die Fotografien, die die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit und des Funktionalismus vor Augen führen, werden
durch Reeditionen von Bauhaus-Möbeln ergänzt. In den 1920er und 1930er Jahren entworfen, werden sie noch heute von Firmen wie Knoll, Tecnolumen und Thonet produziert.”

Haus der Gegenwart München

Haus der Gegenwart München

Das Haus der Gegenwart ist ein vom SZ-Magazin initiiertes, experimentelles Wohngebäude, das sich als Labor des Alltags für den Diskurs gesellschaftlicher Fragen aus den Bereichen Architektur, Design und Wohnen versteht und sich bei Architekten, Designern, aber auch der designinteressierten Öffentlichkeit als offenes Forum für Ausstellungen, Workshops und Podiumsdiskussionen etabliert hat.

Infos + Abb. Haus der Gegenwart München




Magic Places in Stuttgart and tracing history in Villa Tugendhat: Sabine Wild, Christoph von Haussen | Rolf Linnemann and Dirk Brömmel

6 02 2010

2 Ausstellungen in Stuttgart zeigen Fotografien, die sich mit der Region beschäftigen – Sabine Wild verfremdet und dynamisiert Stuttgarter Gebäude digital, während Christoph von Haussen und Rolf Linnemann unbeachtete “Magic Places” in der Schwäbischen Alb aufspüren -, in Ingoldstadt begibt sich Dirk Brömmel auf die Spurensuche der klassisch modernen Villa Tugendhat von van der Rohe.

2 exhibits in Stuttgart, South Germany, present photographs focusing on the said region – Sabine Wild is digitally alienating and dynamizing buildings in Stuttgart, Christoph von Haussen and Rolf Linnemann are tracing unnoticed “Magic Places” in Schwäbische Alb (Swabian mountains) -, while in Ingolstadt, Dirk Brömmel is seeking for traces of the inhabitants of the classically modern Villa Tugendhat by Mies van der Rohe.

Sabine Wild: Porsche Museum, 2009, Lambdaprint/Acrylglas, 60 x 120, Auflage 3

Sabine Wild: Porsche Museum, 2009, Lambdaprint/Acrylglas, 60 x 120, Auflage 3 © S. Wild

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SABINE WILD – STUTTGART

30. Januar – 27. März

Dengler und Dengler
Galerie für Schöne Künste

www.denglerunddengler.de

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PR-Text: „Seit einigen Jahren entstehen im Berliner Atelier von Sabine Wild Arbeiten, die stets irritierend zwischen Malerei und Photographie changieren. Durch digitale Nachbearbeitung ihrer Architekturphotographien gelingt es Sabine Wild, deren strukturelle Klarheit mit dem verwischenden und verunklärenden Eindruck spontaner, pastoser Malerei zu überlagern. Die meist menschenleeren Räume sind oft von einem Rauschen durchdrungen, von einem kollektiven Leben durchpulst, in dem sich das Individuum aufgelöst hat. So gelingt Sabine Wild in der Tradition des Expressionismus ein zeitgemäßes Bild urbaner Geschwindigkeit.

Sabine Wild: Hauptbahnhof Stuttgart III, 2009, Lamdaprint/Acrylglas, 107 x 160, Auflage 3

Sabine Wild: Hauptbahnhof Stuttgart III, 2009, Lamdaprint/Acrylglas, 107 x 160, Auflage 3 © S. Wild

Durch die Bearbeitung reduziert Sabine Wild die Erkennbarkeit ihrer Motive. Sie bricht deren architektonische Strukturen auf und überträgt sie in eine malerische Formensprache. Offenbar ist die Reproduktion von Architektur nicht ihr Interesse. Sie exemplifiziert am Einzelfall ihres Motivs etwas Allgemeines, das Bild der lebendigen Stadt, das im Prinzip auch auf andere Städte oder Gebäude übertragbar ist. Und dennoch ist es eine besondere Freude, hinter den Arbeiten bekannte Gebäude aus der alltäglichen Umgebung zu erkennen.“

Infos + Abb. Dengler und Dengler, Sabine Wild

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© Christoph von Haussen | Rolf Linnemann

© Christoph von Haussen | Rolf Linnemann

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Magic Places
Christoph von Haussen | Rolf Linnemann

4. Februar – 31. März 2010

vhs-photogalerie, Stuttgart
www.vhs-photogalerie.de

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Die Künstler Christoph von Haussen und Rolf Linnemann (beide *1958)  nehmen ihr Medium beim Wort – photos + graphein – und “schreiben” mit Licht.

Aus dem PR-Text: “Auf den ersten Blick unspektakuläre Schauplätze waren das Ziel der Fotografen. Zu allen Jahreszeiten haben sie nachts menschenleeren Plätze und scheinbar vergessene Dinge auf der Schwäbischen Alb fotografiert und effektvoll in Szene gesetzt. Ihre Fotografien fangen die geheimnisvolle Atmosphäre ein, die verwaisten Orten eigen ist. Fotografiert wurde ausschließlich ohne vorhandenes Licht, nur mit künstlicher Ausleuchtung. Dabei wurde nichts inszeniert. Die Aufnahmen von rostigen Autowracks, morschen Fassaden und einsamen Landschaften erzählen Geschichten.”

Infos + Abb. vhs Galerie Stuttgart, Christoph von Haussen | Rolf Linnemann

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Dirk Brömmel V.T., Nr. 3, 2002 Lambda C-Print, Diasec/Aludibond

Dirk Brömmel V.T., Nr. 3, 2002 Lambda C-Print, Diasec/Aludibond © D. Brömmel

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Dirk Brömmel – Villa Tugendhat

30. Januar – 14. März 2010

Städtische Galerie im Theater, Ingoldstadt

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PR-Text: “Die Villa Tugendhat, von Mies van der Rohe 1929/30 für die Familie Tugendhat in Brünn errichtet, gehört zu den bedeutendsten Bauten der Moderne. Aufgrund ihres jüdischen Glaubens musste die Familie Tugendhat bereits 1938 nach der Annexion des Sudetenlandes ihr neues Haus wieder verlassen um nach Amerika zu fliehen. Eine Rückgabe der Villa Tugendhat an die Familie fand niemals statt.

Dirk Brömmel (*1968) setzt sich in seinen Arbeiten mit dieser Architekturikone nicht im Sinne klassischer Architekturfotografie auseinander, sondern verbindet auf besondere Weise die Vergangenheit des Gebäudes und der damaligen Bewohner mit der bestehenden, gegenwärtigen Situation. Ausgehend von Originalaufnahmen aus dem Fotoalbum der Familie Tugendhat begab sich Dirk Brömmel vor Ort selbst auf die Suche nach den abgebildeten Plätzen. Im Sandwich-Verfahren legt er schließlich alte Fotografien über seine aktuellen und erschafft so faszinierende, mit der Wirklichkeit und der Zeit spielende Dokumente.”

Infos + Abb. MKK Ingolstadt, Dirk Brömmel




Gegenräume: Strenge Reduktion in Grautönen Ben Willikens in Stuttgart

5 10 2009

Bis zum 4. Oktober zeigte das Kunstmuseum Stuttgart in einem Teil seiner Räume am Kleinen Schlossplatz Arbeiten von Ben Willikens (*1939), der für seine streng komponierten, menschenleeren architektonischen Räume in Grautönen bekannt ist:

Ben Willikens

Licht und Dunkel

25.7.- 4.10.2009

In der Stuttgarter Sonderausstellung werden Arbeiten aus den späten 1970er Jahren neuere Werke aus den 1990er Jahren gegenübergestellt.

The Kunstmuseum Stuttgart showed works of Ben Willikens (*1939), who became known for his severely composed, deserted rooms, painted in grey tones in the 1970s. These series culminated in the “Gegenräume” (Opposite/Opposing Rooms) of the late 1970s in which Willikens intensively worked on da Vinci’s famous “Last Supper”. A younger series emerged in the 1990s: “Orte” (Places). Now the artist portrayed real buildings from in- and outside, the buildings being reminiscent of the German fascist regime of the 1930s.

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Ben Willikens: Abendmahl 1976-79

Ben Willikens: Abendmahl 1976-79

Schlagartig bekannt wurde Willikens in den 1970er Jahren mit streng perspektivisch konstruierten Raumausschnitten aus Krankenhäusern, in denen er die Erfahrungen eines längeren Klinikaufenthalts verarbeitete. Seine neutralen Klinikinterieurs – Gänge etwa und Krankenzimmer ohne Figurenpersonal – wirken beklemmend und kalt. Eine Wirkung, die durch den Einsatz einer Sprühpistole verstärkt wird: Der Farbauftrag wird „perfekt“, der manuelle Farbauftrag und die Hand des Künstlers sind nicht mehr unterscheidbar; die Wirkung der Bilder wird auch dadurch weitgehend anonymisiert. Dies kann – auch – als Hinweis auf eine zunehmende Neutralisierung und Isolierung des Einzelnen in der Massengesellschaft verstanden werden.

Ben Willikens: München, Ehrentempel 1999
Ben Willikens: München, Ehrentempel 1999

Diese Werkreihen kulminieren in den „Gegenräumen“ der späten 1970er Jahre: Über mehrere Jahre hat sich Willikens intensiv mit Leonardo da Vincis Abendmahl in Mailand auseinandergesetzt. Zahlreiche Studien und Gemälde entstanden. In ihnen ist die biblische Szene reduziert auf die räumliche Situation, Jünger und Christusfigur werden nicht gezeigt, auch andere erzählerische Elemente fehlen. Das kunsthistorische Vorbild wird verdichtet auf eine Licht-Raum-Architektur. Dabei zeigt es sich jedoch so prägnant, dass Betrachter, – sofern er mit dem Original vertraut ist -, es trotz der reduzierten und konzentrierten Darstellung doch sofort als die bekannte Abendmahlsszene erkennt. Das kunsthistorische Vorbild wird verdichtet und für den zeitgenössischen Kontext geöffnet.

Neben zahlreichen verschiedenformatigen Entwürfen entstand 1979 ein monumentales Tafelbild, das sich im Besitz des DAM Frankfurt befindet und in Stuttgart nach fast 30 Jahren erstmals wieder gezeigt wurde.

Ben Willikens: Nürnberg, Zeppelinfeld 1996

Ben Willikens: Nürnberg, Zeppelinfeld 1996

Diesen Arbeiten stellte das Kunstmuseum Stuttgart die Reihe „Orte“ gegenüber: Zehn Leinwände und 15 Gouachen, entstanden 1996 bis 1999, die hier vollständig zu sehen waren. In diesen Bildern hat Willikens erstmals den Innenraum verlassen und reale Bauten auch von außen porträtiert. Motive sind Bauwerke aus den 1930er Jahren, in denen den Allmachtsfantasien der Nazis Gestalt verliehen wurde: Darunter etwa das Zeppelinfeld in Nürnberg oder die Reichskanzlei in Berlin. Auch diese Bauten zeigt Willikens ohne Personal und ohne Dekoration/Machtinsignien. Reduziert auf Raumstrukuren und in einer lichtabsorbierenden Grauskala gemalt, ist das Zentrum hier dunkel – war es bei den Gegenräumen helles Weiß, das die Mitte des “Abendmahlsraums” bestimmt, so wird die Mitte der “Orte” von dunklem Schwarz/Grautönen eingenommen. Dies lässt sich lesen als Verweis auf das faschistische Regimes, das diese Bauten errichten ließ.

Diese Serie wurde von der »Daimler Kunst Sammlung« für das Kunstmuseum Stuttgart erworben und diesem als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Ben Willikens: Berlin, Reichskanzlei I

Ben Willikens: Berlin, Reichskanzlei I

Die dritte Gruppe in der kleinen Schau in Stuttgart waren die „Räume der Moderne“, in denen sich Willikens mit den bekannten architekotnsichen Srukturen der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt. Ähnlich dargestellt wie die “Orte” bilden sie einen inhaltlichen Gegenpol zu dieser Werkgruppe, galten die Bauten von Mies van der Rohe, Walter Gropius und Alfred Loos unter den Nationalsozialisten als entartet.


Informations + Illustrations:

Kunstmuseum Stuttgart und Ben Willikens




WOLKENKUCKUCKSHEIM | CLOUD-CUCKOO-LAND: Zum Interpretieren von Architektur

18 06 2009

The online architectural magazine WOLKENKUCKUCKSHEIM – CLOUD-CUCKOO-LAND – VOZDUSHNYI ZAMOK is usually published biannually in three languages; the abstracts of the articles are translated into German, English and Russian. The project has been edited by Eduard Fuehr at the chair ‘Theory of Architecture’ of the Brandenburg Technical University of Cottbus and alternate curators for the individual issues since October 1996.

It strives to create a ‘cloud-cuckoo-land,’ a space between the two spheres, in the field of meditative architectural theory, with practice, a flat reality can also come to converge with creative ideas. A space where thinking applies to action, construction applies to living, work applies to process and art applies to everyday life.

The present 2nd edition is:

On the Interpretation of Architecture

Applied Interpretation

Available in German, English, Russian.

‘Author’ – ‘Work’ – ‘Recipient’ and the relationship of those three entities in the context of the daily routine and in the space of time are topics being touched by each theory of interpretation that thereby develops its specific matrix.

The underlying second issue concerning the interpretation of architecture illustrates a specific approach for each individual work.

All essays can be read and downloaded for free.

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Essays included:

Heidi Helmhold Deterritorialization. The Faculty of the Humanities of the University of Cologne from the Point of View of its Users

Claus Dreyer Interpretation of Architecture as a Semiotic Programme – On Gregor Schneider’s Cube in Hamburg 2007

Andrzej Piotrowski Building as Unselfconscious Representation

Sven Martensen & Anne Gelderblom Writing Choreographies into Space

Sokratis Georgiadis Korai and Antefixes – Metamorphoses of the Human Figure in Greek Architecture and their Interpretation

Henrik Hilbig „Approaches of a New Architectural Style…“ Interpretation between Meaning and Action by the Example of Anthroposophical Architects from 1925 to 1939

Ulrike Seeger Architecture of Relationships and Interconnections – A New Approach Exemplified by the Central Railway Station in Stuttgart

Sabine Brinitzer About the Complexity of Interpreting “Organic Architecture”

Alban Janson “Presenting and Withdrawing” The Villa Müller in Prague by the Architect Adolf Loos

Christine Neuhoff The Villa Tugendhat by Mies van der Rohe. Canon und Autobiography

Ulrike Sturm ‘Against Interpretation’ – Re-Visiting the Bauhaus Building at Dessau

Lukas Zurfluh The ‘Flowing Space’ of the Barcelona Pavilion – A Metamorphosis of Interpretation?

Silke Langenberg Planned Design – Built Process. Architecture of the Sixties and Seventies

Matthias Korn A Modest Proposal for Getting to Know Architecture: Destruction. Gordon Matta-Clark’s Building Cuts

Zeuler R. Lima The Reverse of the Reverse: Another Modernism according to Lina Bo Bardi

Christine Neuhoff The Myth of Vals

Jan Pieper Critical Approach of the Architecture’s Periphery

Jörn Köppler Interpretation and the Aesthetic Experience, Discussed at the Example of the Embassy of the Netherlands in Berlin by OMA / Rem Koolhaas

Ryszard Sliwka Sublime Phenomena: Notes on the Architecture of the Horizon

Ryszard Sliwka Genetic Architecture

Anna M. Eifert-Körnig The Block Beuys – A Traditional Occurrence as Interpretation of Architecture

Katharina Lehmann The Constructed Room with its Effect on Reception and Experience of Perception

Fred Truniger The Accumulation of Images – A Cinematic Interpretation of the Landscape of England




Modernism in Germany: Weissenhofsieldung Stuttgart Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier

9 06 2009

Ende Oktober 2006 wurde das Museum zur Geschichte der weltbekannten Weissenhofsiedlung von 1927 in Stuttgart eröffnet. Das kleine, feine Museum ist untergebracht in einem der bekanntesten Häuser der Architektursiedlung, dem Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in der Rathenaustraße.

Abbildung SK

P9020136

Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

The Museum about the history of the renowned Weissenhofsiedlung (1927) in Stuttgart/Germany opened in October 2006. The small, but excellent museum is situated in on of the best known houses: the semi-detachted house by Le Corbusier and Pierre Jeanneret. The left half of the building provides an exhibition about the history of the settlement, the right half is reconstructed in the shape the architects designed in 1927. Thus it is the first house being accesible to the public since the exhibi in 1927 (the others being inhabited or destroyed). Together with a stroll through the Siedlung the Weissenhof provides a first hand experience of modern architecture: the list of the participating architects reads like a “Who’s who” of modernism.

((This article has been published online already, yet is now offline due to system changes of the website. I wrote it some time ago after a visit to Stuttgart.))

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Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

Während in der linken Haushälfte eine Ausstellung über die Geschichte der Architektursiedlung informiert, wurde die rechte Doppelhaushälfte in vier jähriger Renovierungsarbeit so rekonstruiert, wie sie die Architekten 1927 entworfen hatten. Damit ist erstmals seit 1927 wieder ein Gebäude der Weissenhofsiedlung der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich.

Die Weissenhofsiedlung

Die Weissenhofsiedlung, eines der wichtigsten Zeugnisse der modernen Architektur, entstand 1927 im Rahmen einer Ausstellung des Deutschen Werkbundes. Unter dem Thema „Die Wohnung“ wurden 17 Architekten des Neuen Bauens eingeladen, Modellbauten für den „modernen Großstadtmenschen“ zu entwerfen.

Die Teilnehmerliste der Werkbund-Ausstellung liest sich heute wie ein „Who’s Who“ der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Mies van der Rohe haben neben Le Corbusier und Pierre Jeanneret unter anderem auch Walter Gropius, Ludwig Hilberseimer, Hans Scharoun, J.J.P. Oud, Bruno und Max Taut Häuser auf dem Stuttgarter Killesberg gebaut. Entstanden sind Prototypen aus richtungsweisenden neuen Materialien und Methoden für die moderne Verbindung von Ästhetik und Funktionalität.

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Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

Bei den Zeitgenossen erregte die Weissenhofsiedlung außerordentliche Aufmerksamkeit. Praktisch erfolgreich allerdings waren nicht alle Häuser – nach dem Ende der Ausstellung sollten die Bauten vermietet werden: Für das innovative Doppelhaus von Le Corbusier etwa, in dem heute das Museum untergebracht ist, fanden sich erst nach längerer Suche Bewohner, die darüber hinaus die Inneneinteilung des Hauses grundlegend umgestalteten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude der Weissenhofsiedlung zerstört, weitere nach Kriegsende abgerissen oder in konventioneller Bauweise umgebaut. Von den 33 modernen Bauten sind heute noch 11 Häuser original erhalten. Die Siedlung steht seit 1958 unter Denkmalschutz. Bis auf das Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret sind alle Gebäude heute bewohnt und daher nicht öffentlich zugänglich.

Eine virtuelle Tour durch die Weissenhofsiedlung gibt es hier.

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Blick aus dem Weissenhofmuseum / vom Killesberg auf Stuttgart

Das Weissenhofmuseum

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Im Weissenhofmuseum

Einen Überblick über die Geschichte der Weissenhofsiedlung von 1927, ihre Entstehungsgeschichte, den Ausstellungsverlauf sowie ihr Schicksal danach bis heute, vermittelt das Informationszentrum des neuen Museums. Mit Hilfe von Schauwänden, zahlreichen Modellen und beweglichen Info-Schubladen nutzt die Ausstellung die verhältnismäßig kleine Schaufläche in der linken Doppelhaushälfte des Le Corbusier/Jeanneret-Gebäudes gewinnbringend – letztendlich handelt es sich um eine 3-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung.

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Trennung zwischen den beiden Doppelhaushälften

Glasstellwände und Markierungen auf dem Boden deuten die ursprüngliche Raumeinteilung an ohne dabei die Veränderungen, die seit den 1930er Jahren durchgeführt wurden, rückgängig zu machen.

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Im Weissenhofmuseum

Die originale Raumgestaltung der Architekten kann dagegen in der rechten Haushälfte erlebt werden, die über die Dachterrasse erreicht wird. Hier wurden die Farbgebung und der Großteil der Einrichtung nach Le Corbusier/Jeanneret rekonstruiert. Der Besucher erhält einen Eindruck des Hauses, wie ihn auch die Besucher der Werkbundausstellung 1927 gewonnen haben.

Über eine Treppe gelangt man vom Ober-/Dachgeschoss in den ersten Stock, dem eigentlichen Wohnbereich des Gebäudes; im Erdgeschoss befinden sich Haushaltsräume und ein Dienstmädchenzimmer (! was eigentlich den sozialen Anliegen der Zeit widerspricht !), im zweiten Stock eine Büro-Nische sowie die Dachterrasse.

Le Corbusier/Jeanneret-Bau: Fünf Punkte und Maschinenästhetik (Zug)

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Dachgarten Weissenhofmuseum

Das Gebäude ist gemäß der Fünf Punkte Le Corbusiers gestaltet, die er für die Werkbund-Ausstellung erstmals auch schriftlich formuliert hatte: Ein Stützensystem aus Pilotis (Punkt 1) ermöglicht freie Grundriss- und Fassadengestaltung (Punkt 3+5) mit Längsfenstern (Punkt 4) und Dachgarten (Punkt 4).

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Im Weissenhofmuseum

Gestalterisches Leitmotiv für das transformable Haus ist ein Zugabteil: Drei Zimmer bilden einen großen zusammenhängenden Raum, der durch bewegliche Schiebewände in kleinere Zimmer unterteilt werden kann. Ausgestattet mit Einbaumöbeln können diese Räume nach Bedarf in Schlafzimmer umgewandelt werden – ganz im Sinne des Schlafwagen eines Zuges, in dem „Wohnen“ und „Schlafen“ im gleichen Abteil geschieht, das durch wenige Handgriffe umgestaltet wird.

Verbunden werden die Räume „hinten“ durch einen schmalen Gang, der für den heutigen Besucher erstaunlich eng ist, aber ganz der Logik eines Zugwaggons entspricht: Lediglich für die nächtliche Nutzung gedacht führt er zu den sanitären Anlagen. Nach „vorne“ eröffnet sich aus dem Wohnbereich durch die durchgehenden Längsfenster ein eindrucksvoller Panoramablick über die Stadt.

P9020132Die Erfahrung der Gesamtraumwirkung des Doppelhauses sowie die kleinen Details, die nur vor Ort zu beobachten sind, lassen den Besuch im Weissenhof zu einem spannenden Erlebnis werden. So überrascht den Besucher, dass das innovative und mittlerweile weltberühmte Baukonzept Le Corbusiers und Jeannerets doch gemischte Gefühle weckt: Die Innenräume sind kleiner als von außen erwartet, der lange enge Gang und die nüchtern-kalten Einbaumöbel wirken wenig wohnlich. Zugleich wirken jedoch die langen Fensterbänder und der Dachgarten auch heute noch erstaunlich modern und fortschrittlich.

Rundgang durch die Weissenhofsiedlung heute

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Reihenhaus von J. J. P. Oud | Eingangsfront, heute Rückseite

Unbedingt anschließen sollte man nach dem Besuch im Weissenhofmuseum einen Rundgang durch die Siedlung selbst.

Auch hier gilt: Das Erlebnis des Gesamtensembles vor Ort lässt sich von keiner noch so detaillierten Beschreibung ersetzen. Interessant zu beobachten ist, wie die elf noch erhaltenen Werkbund-Häuser im Laufe der Zeit den Bedürfnissen ihrer Bewohner angepasst worden sind.

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Reihenhaus von J. J. P. Oud | Rückfront, heute Eingang

Der Eingang von Ouds Reihenhäuser etwa wurde nach „hinten“ an die Straße verlegt, während van der Rohes Wohnblock durch zusätzliche Isolierung „dicker“ geworden ist – deutlich sichtbar an den verkürzten Fenstergittern. Gerade der Mies-Bau wurde stark verändert und ist zu einem am besten angenommenen Häuser der Siedlung geworden. Leichte Ironie der Zeit: Die teilweise enormen Eingriffe in die Bausubstanz sind für den Architekturhistoriker ein Graus, während sie die Absicht des Architekten, einen Nutzbau zu schaffen, der von seinen Bewohnern nach ihren Wünschen mitgestaltet werden kann, bestens erfüllen.

Wohnblock von Mies van der Rohe

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Le Corbusier/Jeanneret: Einfamilienhaus "Haus Citrohan", neben Doppelhaus

Ein weiteres (Einfamilien-)Haus von Le Corbusier und Jeanneret neben dem Doppelhaus ist übrigens die erste Realisierung des sogenannten Haus Citrohan, der Prototyp für Le Corbusiers Wohnmaschinen.

Bemerkenswert ist auch der Kontrast, wo moderne Bauten zwischen später errichteten Häusern stehen und sich die Reaktionen der Bewohner auf die innovative Architektur erkennen lässt: Nachdem zunächst anstelle der zerstörten Häuser traditionelle Gebäude mit „ordentlichem“ Satteldach errichtet wurden, werden etwas später wohlwollender die Neubauten angepasst und mit Flachdach ausgestattet.

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Hans Scharoun: Einfamilienhaus

Darüber hinaus sind es gerade die kleineren Details, die Rückschlüsse auf das alltägliche Leben der ersten Weissenhof-Bewohner geben und den

Vor-Ort-Besuch zum unersetzlichen Erlebnis machen: So etwa die Vorhangstangen auf dem Balkon des Scharoun-Hauses, das den Bewohnern ungestörte Frühgymnastik an der freien Luft gemäß des anthroposophisch-ganzheitlichen Lebensideals ermöglichen sollte, oder der zentral gelegene Milchladen, der leicht verderbliche Lebensmittel anbot – den ersten europäische Kühlschrank gab es erst 1929.

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Hans Scharoun: Einfamilienhaus

Ein Besuch im Weissenhofmuseum sowie ein Rundgang durch die Weissenhofsiedlung bietet dem Besucher Architekturgeschichte live. Spannend, aufschlussreich und interessant vermittelt das Info-Zentrum eine Überblick über die Geschichte der Siedlung, die durch den Besuch des rekonstruierten Le Corbusier/Jeanneret-Hauses abgerundet wird.

(Dieser Artikel ist bereits vor etwas längerer Zeit entstanden und war bereits online. Durch eine Systemumstellung ist er jedoch verschwunden und nicht mehr aufzurufen – daher eine mit Abbildungen ergänzte Version hier.

………………

Die Kochenhofsiedlung

P9020169Nur wenige Meter entfernt von der Weissenhofsiedlung befindet sich eine weitere architekturhistorisch interessante Siedlung: Die Kochenhofsiedlung wurd 1933 unter Paul Schmitthenner errichtet als traditionalistisches Gegenstück zum modernen “Kameldorf” im Weissenhof. Aus diesem Grund wird die Kochenhofsiedlung auch weniger häufig erwähnt. Vor einer vorschnellen Verurteilung sei jedoch gewarnt, da die Planungen bereits 1927, parallel zum Weissenhof begannen. Die nationalsozialistische “Machtergreifung” hat jedoch eine besonders “traditionalistische” Version dieser Modellbausiedlung – Satteldachpflicht” – möglich gemacht.

Weitere Informationen über die Kochenhofsiedlung hier.





Mies van der Rohe und die Fotografie: Ausstellung zur Fotografie-Auktion

31 03 2009

Aus Zeitgründen direkt aus der Pressemitteilung zitiert:

Ikonen der Architekturgeschichte in der Villa Grisebach: In der Photo-Auktion am 4. Juni wird auch ein Konvolut von mehr als zwei Dutzend Photographien zum Werk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) versteigert. Vom 28. März bis 27. Mai sind die Arbeiten vorab in einer Ausstellung zu besichtigen.

Berliner Bild-Bericht, BARCELONA PAVILLON, BLICK VON DER BELEUCHTBAREN  GLASWAND IN DEN INNENRAUM. 1929. Vintage. Silbergelatineabzug. 16,6 x 22,8 cm

Berliner Bild-Bericht, BARCELONA PAVILLON, BLICK VON DER BELEUCHTBAREN GLASWAND IN DEN INNENRAUM. 1929. Vintage. Silbergelatineabzug. 16,6 x 22,8 cm © Villa Grisebach

Das Hauptlos ist eine Aufnahme Curt Rehbeins von 1922, die Mies van der Rohes berühmtes Modell eines gläsernen Wolkenkratzers zeigt. [...] Zusätzlich zu dem seltenen Abzug werden bei Grisebach zwei originale Glasnegative versteigert, die das gleiche Motiv sowie eine Variation zeigen.

Das Angebot umfaßt außerdem Photographien des Frühwerks aus Mies van der Rohes Berliner Zeit wie der Stuttgarter Weissenhof-Siedlung 1927 und des Barcelona-Pavillons 1929. [...] Weitere Arbeiten zeigen den oben erwähnten Wettbewerbsbeitrag “Turmhaus an der Friedrichstraße”, auch “Wabe” genannt, den Entwurf für das Mahnmal der Neuen Wache, die Wohnbauten an der Afrikanischen Straße, das Haus Lemke in Hohenschönhausen oder die in den 1970er Jahren abgerissene Trinkhalle in Dessau.

Provenienz: Alle Arbeiten stammen ursprünglich aus dem Nachlaß des Architekten Eduard Ludwig (1906-1960), einem Bauhausschüler und Mitarbeiter von Mies van der Rohe, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. [...]

“Mies van der Rohe und die Photographie“

Ausstellung im Rahmen der Photographie-Auktion am
4. Juni 2009

28. März – 11. April 2009; 16. April – 3. Juni 2009
Villa Grisebach
Fasanenstraße 25, 10719 Berlin




Hasselblad-Preisträger in Mannheim / Architekturfotografie von Hiroshi Sugimoto + Bernd und Hilla Becher

4 10 2008

Eine hochkarätige Fotoausstellung ist seit gestern (3.10.08) in Mannheim zu sehen – “Weltstars der Fotografie” hält in diesem Fall auch, was der Name verspricht: Die bisher 27 Hasselblad-Preisträger – sozusagen der Nobelpreis der Fotografie – sind erstmals alle versammelt, angesichts des kuratorischen Aufwands, der mit einer so umfangreichen Schau verbunden ist und so unterschiedliche Charaktere bzw. Verwaltungseinrichtungen, die für die Fotografien verantwortlich sind, eine sehr beeindruckende Leistung. Die Schwierigkeiten, die damit verbunden waren, schimmern an der ein oder anderen Stelle in der Bildauswahl noch durch – es hätten mit Sicherheit noch kraftvollere, ausdrucksstärkere, vielleicht auch repräsentativere Arbeiten gezeigt werden können, zumal von jedem Fotografen im Schnitt etwa 6 Werke zu sehen sind.

Dennoch – die Ausstellung ist sehr beeindruckend und lohnt den Besuch. Selten hat man die Gelegenheit, so viele so gute und unterschiedliche Fotografen gemeinsam zu erleben – darunter 2007 Nan Goldin, 2003 Malick Sidibé, 2002 Jeff Wall, 1999 Cindy Sherman, 1995 Robert Häusser, 1991 Richard Avedon, 1989 Sebastião Salgado, 1987 Hiroshi Hamaya, 1984 Manuel Alvarez Bravo, 1982 Henri Cartier-Bresson, 1981 Ansel Adams, 1980 Lennart Nilsson (Liste aller Preisträger hier).

……………………………………..

Zu sehen sind auch Arbeiten von Hiroshi Sugimoto (Preisträger 2001), dem “Großmeister der Grautöne“: Bilder der seiner Architecture-Reihe sowie eine Fotografie der Theatre-Serie.

I decided to trace the beginnings of our age via architecture. Pushing my old large-format camera’s focal length out to twice-infinity―with no stops on the bellows rail, the view through the lens was an utter blur―I discovered that superlative architecture survives,however dissolved, the onslaught of blurred photography. Thus I began erosion-testing architecture for durability, completely melting away many of the buildings in the process.

Hiroshi Sugimoto

(Peter Zumthor, Kapelle Sogn Benedetg / Mies van der Rohe, Seagram Building / Le Corbusier, Chapelle Notre-Dame du Haut Ronchamp; Abb. aus dem WWW – Quell-Links durch Anklicken der Abb.)

[...] seine architektonischen Fotos, aus ungewöhnlichen Perspektiven aufgenommen, wollen nicht dokumentieren, sondern Atmosphäre herstellen. Sie trennen berühmte Strukturen aus ihrem Umfeld und ermöglichen ihnen so eine entrückte neue Existenz. Sugimoto hielt auf diese unnachahmliche Weise unter anderem Mies van der Rohes “Seagram Building”, das “World Trade Center” sowie Häuser von Frank Gehry, Frank Llloyd Wright oder Philippe Starck fest. [...]

Sugimotos Fotos, meist Silbergelatine-Abzüge, sind faszinierend und rätselhaft zugleich, erfordern hochkonzentrierte Betrachter, die sowohl die Aura der Ruhe genießen können als auch die vielen Details in Nahsicht. Die Werke, formal reduzierte Denk-Bilder von unnachahmlicher Schönheit, sind gleichzeitig Lehrstücke über den medial gelenkten Blick der Neuzeit. Denn im Jetzt wirkt die vollkommene Ruhe und Schönheit, die größtmögliche Präzision und diese geheimnisvolle Aura der Sugimoto-Fotos eher verstörend und beunruhigend. [...]

((Zitiert aus Stern online))

In Mannheim beeindruckt vor allem die Aufnahme des Innenraums der Le Corbusier-Kirche in Ronchamp (Abb. 3)

………………………….

Preisträger 2004 waren Bernd und Hilla Becher, deren Doku-Fotoreihen von Industriebauten zum Begriff geworden sind. Von ihnen sind 6 Fotografien von Wassertürmen auf der ganzen Welt.

(Abb. aus dem WWW – Quell-Links durch Anklicken der Abb.)

In dem Werk von Bernd und Hilla Becher verbinden sich klassische Momente der Archivierung mit innovativer künstlerischer Ästhetik im Rückgriff auf die große Tradition des dokumentarischen Realismus. So zielt das dokumentarische Konzept der Bechers nicht etwa auf eine Idealisierung der von ihnen photographierten Industrieobjekte, vielmehr geht es darum, diese erkennbar zu machen und damit in einer neuen Art und Weise für die Wahrnehmung zu erschließen. Diese Form der Wahrnehmungsschulung hat im Laufe der Jahre in unterschiedlichste Bereiche hineingewirkt, und das Werk berührt seinerseits ganz verschiedene Betrachtungsebenen und Disziplinen: die Industriearchäologie, die Architektur, die Ingenieurskunst, die Wissenschaft und schließlich den großen Bereich der Kunst, in dem Bernd und Hilla Becher inhaltlich wie formal neue Maßstäbe gesetzt haben. Ihre Photographien von Wassertürmen, Fördertürmen, Gasbehältern, Hochöfen, Kühltürmen, Getreidesilos oder Kalkwerken bewahren die wohl wichtigste Epoche der industriellen Entwicklung, die in etwa die Zeit von 1870 bis 1960 umfaßt. Rund 100 Jahre technischer Innovationen und Experimente, die im industriellen Sektor weltweit immer neue und verbesserte Apparaturen und Funktionsbauten hervorbrachten, die ihrerseits in ständiger Veränderung und schon in der Phase ihrer Konstruktion letztlich Provisorien waren.

„Man mußte diese Objekte festhalten, um sie zu konservieren, da sie schließlich doch verschwinden würden“, sagte Bernd Becher vor einigen Jahren in einem Interview [...].

((Zitiert aus einer Rede von Suanne Lange))

Ausführliche Einführung ins Werk der Bechers mit Werkchronografie hier.




Collecting Architecture? – update -

10 08 2008

(Update)

Kaufman House has been sold for $ 15 million on May 15 2008 (please note: to add is still the buyer’s premium, fees, … so total would be something between $ 16 million and $ 19 million, according to different sources, cf. links) – and not:

“The contract has been terminated by the Seller by reason of a breach of its terms by the buyer,” as Christie’s officially stating. Why? No comment. So now – what? “Nothing has been decided.” Well then – to market again, I guess?

More about the sale here and more about the called-off-sale here.

in March I wrote:

Christie’s New York hat in seinem nächsten „Post War and Contemporary Art Sale“ am 13. Mai 2008 ein architektonisches Juwel im Angebot:

Christie’s New York is offerin an architectural masterpieces at the next “Post War and Contemporary Art Sale”, 13th May, 2008:

Richard Neutra, Kaufmann House in Palm Springs, California, 1946.

kaufmannslide3.jpg More? Extensive Slideshow, New York Times

Es ist eines von drei Häusern, die Neutra in dieser Umgebung errichtet hat und ein Meisterwerk des amerikanischen Modernismus’.

It is one of three houses Neutra built in this environment and it’s a masterpiece of American modernism.

Mehr Informationen hier zum österreichisch-amerikanischen Architekten Richard Neutra (1892-1970), der in den 1920ern nach Amerika emigrierte und dort einer der wichtigsten Vertreter der Moderne wurde hier.

More information about the Austrian-American architect Richard Neutra (1892-1970) who emigrated to America in the 1920s and became one of the most important modernist architects there here.

Weitere Details zum Kaufmann House hier / Further details about Kaufmann house here.

Sollte sich ein Bieter finden, der bereit ist, das Spitzenlos von 25 Millionen Dollar zu zahlen, so könnte sich daraus möglicherweise ein neues Sammelgebiet entwickeln – neben Kunst und Skulptur auch klassische Architektur?

If there is a bidder willing to pay the highest estimate of 25 mio. Dollars, then this could give rise to a new area of collector’s interest – besides fine arts and sculpture, architecture, too?

In den letzten Jahren wurden entsprechende Auktionen üblicher / In the past years, according auctions became more common:

2003: Sotheby’s – Farnsworth House (1951), Mies van der Rohe, 7,5 Mio. Dollar

farnsworth-house.jpg

2007: Christie’s – Maison Tropicale (1951), Jean Prouvé, 4,97 Mio. Dollar

maison-tropicale.jpg (FAZ-Artikel dazu)

2002: Samuel and Luella Maslon House (1962), ein weiteres Neutra-Haus bei Palm Springs, wird bei Sotheby’s 2,4 Millionen Dollar versteigert – und knappe vier Wochen später abgerissen.

2002: Samuel and Luella Maslon House (1962), another one of Neutra’s houses close to Palm Springs, sold by Sotheby’s for 2,4 Mio. Dollars – and torn down 4 weeks later.

neutra-before.jpg [Eindrucksvolles "Before - After"] neutra-after.jpg

Ein ähnliches Schicksal hat zunächst auch dem Kaufmann House gedroht. In den 1990ern stand es als potenzielles Abrissprojekt über drei Jahre zum Verkauf, ehe es von zwei Privatleuten, Beth Edwards Harris und Brent Harris zum Grundstückspreis von 1,5Mio Dollar erworben wurde.

Was dann folgt, liest sich ein bisschen wie eine romantische Traumgeschichte: Sie, eine Architekturhistorikerin, und er, Investment Manager, entdecken das leerstehende Gebäude im Urlaub, kaufen es spontan, renovieren dann sechs Jahre lang und unternehmen alles, um es in den Originalzustand zurückzuversetzen (in den Jahren wurde das Haus zeitgemäß ergänzt und in seiner ursprünglichen Konzeption bedeutend verändert).

Aber wie das Leben so spielt: jetzt lassen sich die Harris’ scheiden und das Haus soll verkauft werden.

Ist das gut oder nicht?

Kritische Stimmen geben zu denken, dass es wohl besser wäre, wenn diese Häuser nicht an den Meistbietenden veräußert würden, sondern von einer öffentlichen Institution betreut würden, so dass die Häuser öffentlich zugänglich wären.

Das war etwa bei Farnsworth House der Fall: es wurde vom National Trust for Historic Preservation erworben und ist jetzt der Öffentlichkeit zugänglich.

Dr. Beth Edwards Harris dagegen hält die Versteigerung für förderlich:

“It’s an odd thing, but the more money this house goes for, the better it is for preservation in my point of view.[…] I think it will encourage other people who have the income to go out and get places like these to restore, rather than just looking for some pretty palace somewhere.” (zitiert nach NY Times Artikel)

Das wird sich zeigen.

[Ausführlicher Bericht der New York Times und bei Monopol, März-Ausgabe]




Collecting Architecture?

10 03 2008

Christie’s New York hat in seinem nächsten „Post War and Contemporary Art Sale“ am 13. Mai 2008 ein architektonisches Juwel im Angebot:

Christie’s New York is offering an architectural masterpieces at the next “Post War and Contemporary Art Sale”, 13th May, 2008:

Richard Neutra, Kaufmann House in Palm Springs, California, 1946.

kaufmannslide3.jpg More? Extensive Slideshow, New York Times

Es ist eines von drei Häusern, die Neutra in dieser Umgebung errichtet hat und ein Meisterwerk des amerikanischen Modernismus’.

It is one of three houses Neutra built in this environment and it’s a masterpiece of American modernism.

Mehr Informationen hier zum österreichisch-amerikanischen Architekten Richard Neutra (1892-1970), der in den 1920ern nach Amerika emigrierte und dort einer der wichtigsten Vertreter der Moderne wurde hier.

More information about the Austrian-American architect Richard Neutra (1892-1970) who emigrated to America in the 1920s and became one of the most important modernist architects there here.

Weitere Details zum Kaufmann House hier / Further details about Kaufmann house here.

Sollte sich ein Bieter finden, der bereit ist, das Spitzenlos von 25 Millionen Dollar zu zahlen, so könnte sich daraus möglicherweise ein neues Sammelgebiet entwickeln – neben Kunst und Skulptur auch klassische Architektur?

If there is a bidder willing to pay the highest estimate of 25 mio. Dollars, then this could give rise to a new area of collector’s interest – besides fine arts and sculpture, architecture, too?

In den letzten Jahren wurden entsprechende Auktionen üblicher / In the past years, according auctions became more common:

2003: Sotheby’s – Farnsworth House (1951), Mies van der Rohe,  7,5 Mio. Dollar

farnsworth-house.jpg

2007: Christie’s -  Maison Tropicale (1951), Jean Prouvé, 4,97 Mio. Dollar

maison-tropicale.jpg (FAZ-Artikel dazu)

2002: Samuel and Luella Maslon House (1962), ein weiteres Neutra-Haus bei Palm Springs, wird bei Sotheby’s 2,4 Millionen Dollar versteigert – und knappe vier Wochen später abgerissen.

2002: Samuel and Luella Maslon House (1962), another one of Neutra’s houses close to Palm Springs, sold by Sotheby’s for 2,4 Mio. Dollars – and torn down 4 weeks later.

neutra-before.jpg [Eindrucksvolles "Before - After"] neutra-after.jpg

 

Ein ähnliches Schicksal hat zunächst auch dem Kaufmann House gedroht. In den 1990ern stand es als potenzielles Abrissprojekt über drei Jahre zum Verkauf, ehe es von zwei Privatleuten, Beth Edwards Harris und Brent Harris zum Grundstückspreis von 1,5Mio Dollar erworben wurde.

Was dann folgt, liest sich ein bisschen wie eine romantische Traumgeschichte: Sie, eine Architekturhistorikerin, und er, Investment Manager, entdecken das leerstehende Gebäude im Urlaub, kaufen es spontan, renovieren dann sechs Jahre lang und unternehmen alles, um es in den Originalzustand zurückzuversetzen (in den Jahren wurde das Haus zeitgemäß ergänzt und in seiner ursprünglichen Konzeption bedeutend verändert).

Aber wie das Leben so spielt: jetzt lassen sich die Harris’ scheiden und das Haus soll verkauft werden.

Ist das gut oder nicht?

Kritische Stimmen geben zu denken, dass es wohl besser wäre, wenn diese Häuser nicht an den Meistbietenden veräußert würden, sondern von einer öffentlichen Institution betreut würden, so dass die Häuser öffentlich zugänglich wären.

Das war etwa bei Farnsworth House der Fall: es wurde vom National Trust for Historic Preservation erworben und ist jetzt der Öffentlichkeit zugänglich.

Dr. Beth Edwards Harris dagegen hält die Versteigerung für förderlich:

“It’s an odd thing, but the more money this house goes for, the better it is for preservation in my point of view.[…] I think it will encourage other people who have the income to go out and get places like these to restore, rather than just looking for some pretty palace somewhere.” (zitiert nach NY Times Artikel)

Das wird sich zeigen.

[Ausführlicher Bericht der New York Times und bei Monopol, März-Ausgabe]