Autumn Exhibits in Germany: Deimel + Wittmar in Mülheim, Ara Güler in Stuttgart and Beate Gütschow in Dresden

13 10 2009

Nach der Sommerpause bietet der Herbst wieder eine Fülle spannender Ausstellung in ganz Deutschland. Die interessantesten stellt deconarch in diesen Tagen nach und nach vor. Und dass es nicht immer Berlin sein muss, zeigt diese Auswahl – in Mülheim werden Arbeiten von Deimel + Wittmar gezeigt, in Stuttgart sind Fotografien des bedeutenden türkischen Fotografen Ara Güler zu sehen und in Dresden ist Beate Gütschow zu Gast.

After the summer break there’s a lot to discover in autumn. Many exciting exhibitions are presented in and outside Germany. deconarch presents the most interesting ones within the next days, step by step. And it’s not always necessary to travel to the “art capital” Berlin – in Mülheim works by Deimel + Wittmar are shown, in Stuttgart photographs by the famous Turkish photographer Ara Güler, and Dresden hosts Beate Gütschow.

Hoechst Frankfurt

Deimel + Wittmar, Hoechst Frankfurt, C-print Diasec gerahmt, 100 x 70 cm © Deimel + Wittmar

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Deimel + Wittmar

Hubertus v. Amelunxen
Jenseits der zwanziger Jahre – Diesseits der Fotografie

12. September bis 16. Oktober 2009

Galerie Ricarda Fox, Mühlheim

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PR-Text: Deimel + Wittmar haben Architekturen der zwanziger Jahre gesichtet, haben Blicke zu Fotografien gemacht, ohne dass sie anderen als den eigenen Ansprüchen zu folgen hatten. Freie Bilder, Fotografien, die dem eigenen Verlangen entspringen können, Entsprechungen zu schaffen, die nicht der funktionalen, sondern der geistigen Bestimmung gelten. Sie haben seit 1996 Gebäude besucht, die zumindest architekturhistorisch am Rande liegen, weniger für den architektonischen »Aufbruch« als für eine eklektizistische Kontinuität stehen.

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm © Deimel + Wittmar

Was sie mit ihren Fotografien anbieten, ist eine Art erneuten Lesens der Bauten, wie ein Buch, das, nach vielen Jahren aus dem Regal genommen, wiedergelesen und nun erst geschrieben wird. Und eben dies vermag ja die Fotografie, mit jedem Schritt auf einem bekannten Weg Unerkanntes und nicht Gesehenes zu heben, Dinge oder Geschehen nicht zu dokumentieren, aber sie in die Zeit anderer Blicke zu stellen. Die Fotografien bieten Einblick in den strukturellen Umfang der Architekturen wie auch in die Distanz, die sich zu ihm offenbart. Es ist eine doppelte Distanz zur Architektur, in die uns Deimel + Wittmar mit ihren Arbeiten stellen. Jeden in der Aufnahme historisierenden Gestus vermeidend, werden sie dem Medium Fotografie gerecht und verhindern den Eindruck einer historischen Kontinuität in der bewussten Fragmentierung. In jedem Bild lassen sie die Architektur anders überleben, mit jedem Bild legen sie offen, was nicht zu sehen ist. Sie haben sich im Sinne Walter Benjamins fotografisch an die Arbeit der Übersetzung gemacht, Gänge durch die Arkaden der Architektur unternommen, um in formaler wie konzeptioneller Strenge uns ein Angebot der Teilhabe zu unterbreiten.

(Gekürzte Fassung des Textes “Jenseits der zwanziger Jahre – diesseits der Fotografie” in: Ulrich Deimel/Petra Wittmar, “Jene zwanziger Jahre”, Ostfildern: Verlag Hatje Cantz 2003)

Info + Abb. Galerie Ricarda Fox, Deimel + Wittmar

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Ara Güler © Magnum Photos

Ara Güler © Magnum Photos

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Ara Güler Das Auge Istanbuls

30. September – 22. November 2009

vhs-photogalerie
Stuttgart

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Der große türkische Fotograf Ara Güler (*1928) porträtiert seine Heimatstadt Istanbul; dabei liegt sein Fokus häufig auf kleinen Details, dem einfachen Leben und Kindern. Er arbeitet meist mit einer Leica in Schwarzweiß.

“Wenn ich die Hagia Sophia fotografiere, ist für mich am wichtigsten der Mensch, der an ihr vorbeiläuft.” A. Güler

Güler wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet: 1961 bezeichnete ihn das “Photography Annual” als einen der sieben besten Fotografen weltweit, 1962 wurde er zum “Master der Leica” gekürt, 1968 wurde er vom Museum of Modern Art, New York zu den “Zehn Meistern der Farbfotografie” gewählt. In seiner Karriere als Fotojournalist arbeitete er für große internationale Zeitschriften wie TimeLife, Paris Match oder Der Stern. Ara Güler ist Mitglied der Agentur Magnum Photos.

Eine Auswahl seiner Aufnahmen von Istanbul ist bis Ende November in der VHS Photogalerie Stuttgart zu sehen.

Infos + Abb. VHS Photogalerie Stuttgart

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Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-Bildkunst

Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm © VG-Bildkunst

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Beate Gütschow place(ments)

10. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

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skd_guetschow3Beate Gütschow LS#7, 1999 LightJet print 164 x 116cm © VG-Bildkunst

Beate Gütschow (*1970) erringt zunehmend mehr Aufmerksamkeit für ihre Arbeiten, die auf den ersten Blick wie technisch perfekte Landschaftspanoramen, erscheinen, tatsächlich aber das Ergebnis eines aufwendigen Puzzles aus Fragmenten der Realität sind.

Aus dem PR-Text: Als Ausgangsmaterial verwendet die Künstlerin analoge Fotografien, die sie digitalisiert und archiviert. Am Computer setzt sie bis zu hundert Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammen.

Die vorgenommene Manipulation blendet die Realität weder aus noch versucht sie, sie zu überbieten; stattdessen konstruiert sie – aus den Fragmenten des Gegenwärtigen – Erkenntnisräume des Vergangenen (Landschaft) oder Aufzeichnungen des Zukünftigen (Stadt).

Beate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-BildkunstBeate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm © VG-Bildkunst

Der komplexe Entstehungsprozess von Gütschows Arbeiten ist stets mitzudenken, hinterfragt die Künstlerin doch durch ihn die Authentizität fotografischer Reproduktionen. Mit den Mitteln der Fotografie bearbeitet sie ideale Projektionen von Natur und Architektur in der Kunstgeschichte, die bereits zu kollektiven Wahrnehmungsmustern und zur Bildkonvention geworden sind. Schon die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts von Claude Lorrain, Nicolas Poussin oder Jacob van Ruisdael bediente eine Fiktion: Die ideale Landschaft wurde nach einem festgelegten Kompostitionschema im Atelier konstruiert. Im Gegensatz zu den arkadischen Landschaften herrscht in Gütschows schwarz-weißen Stadtbilder eine pessimistische Stimmung: Die großformatigen Fotos zeigen unwirtlichliche Gegenden mit heruntergekommenen Gebäuden, modernistische Fragmente fügen sich zusammen zu einer negativen Utopie.

In Dresden wird zum ersten Mal  Gütschows neue Serie I (Innenräume) gezeigt. Zum ersten Mal in Deutschland sind außerdem neue Arbeiten aus der Serie S (Stadtlandschaften) zu sehen. Außerdem werden auch Arbeiten aus LS (Landschaft) präsentiert, mit denen die Fotografin bekannt wurde. Insgesamt werden 40, teils großformatige, Arbeiten ausgestellt.

Webseite Beate Gütschow

Infos + Abb. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Beate Gütschow, alle Bilder Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck

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