Email-Interview Tobias Weber

2 04 2008

Vor kurzem habe ich die Arbeit von Tobias Weber vorgestellt und gefragt, was passiert, wenn ein studierter Architekt Kunst macht. Ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, diese und ein paar weitere Fragen zu beantworten.

(For English translation, please scroll down)

weberwesttangente.jpgweberzurich2.jpgwebertiefgarage.jpg

Wie haben Sie zu Ihrer Arbeitsweise gefunden (mit „Tuben zeichnen“)?

Die „Outlines“ verfolge ich schon seit mindestens zehn Jahren.
Ursprünglich haben mich die Umfassungslinien beim Comix fasziniert, da diese den Bildern eine unglaubliche Prägnanz und Klarheit verleihen. Die Outlines verhindern zudem, dass sich verschiedenen Farbflächen an deren Grenzen vermischen, was das Sujet noch klarer zum Vorschein bringt. Nun suchte ich immer nach den perfekten Outlines und wurde schliesslich bei der fliessenden Tube fündig, mit welcher ähnlich wie ein Farbstift freie ununterbrochene Linien generiert werden können. (Und natürlich gefällt mir die unglaubliche Plastizität!)

Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?

Weiss ich bis heute nicht! Ich glaube dennoch, dass die beiden Metiers nicht grundverschieden sind. Sowohl Architekt wie auch Künstler (Kunstmaler)
benötigen eine hohe Affinität zur Zeichnung. Die meisten Architekten und Kunstmaler finden mit Skizzen zur gesuchten Lösung.

Arbeiten Sie auch als Architekt?

Ja, ich arbeite weiterhin ca. 50 % als Architekt. Ich tue dies allerdings aus Liebe zu beiden Metiers und das eine inspiriert jeweils das andere.

Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur Ihre Kunst? Bei der Arbeitsweise, bei der Themenwahl?

Ja, das Architekturstudium hinterliess tiefe Spuren. Es schärfte mein Verständnis für die gebaute Umwelt, in welcher die meisten von uns sich täglich aufhalten. Funktionalität, Abstraktion, Natürlichkeit, Rationalität oder andere Kriterien lassen Gebäude plötzlich ästhetisch oder gar schön erscheinen, sobald diese in ihrer Idee und ihrer Zeit betrachtet werden.
Alltägliche Zweckarchitektur wie beispielsweise Tiefgaragen, Autobahntunnels oder S-Bahn-Brücken empfinde ich als schön, weil sie eine logische Folge aus Bedürfnissen darstellen und sie dem Nutzen entsprechend konzipiert und gestaltet wurden.
In meinen Bildern probiere ich mittels Ausschnittwahl, Farbgebung und Abstraktion aufzuzeigen, dass solche Räume durchaus unsere Beachtung
verdienen und geschätzt werden können.
Meine Arbeitsweise ist nicht spezifisch von der Architektur beeinflusst.

http://www.tobiasweber.ch

English translation, please click…

I introduced Tobias Weber’s work recently, and asked what happens when an architect by profession is making art. I am glad that he found the time to answer this and further questions.

How did you develop your method “drawing with tubes”?

I’ve been working on the “outlines” for at least 10 years. First I was fascinated by the contours of comix because they give an unbelievable conciseness and clarity to the pictures. Moreover, the outlines prevent the different colour fields from mixing; thus the subject is brought out even clearer. Well, I was looking for the perfect outlines and finally I found it with the fluid tube as you can generate free, continuous lines with it, similar to coloured pencils. (And of course, I like the incredible plasticity!)

Why does an architect by profession become artist?

I still don’t know that! Though I believe both metiers are not entirely different. Both architect and artist (painter) need a high affinity with drawing. Most architects and painters find their results by using sketches.

Are you working as an architect, too?

Yes, I am still working as architect, ca. 50%. But I’m doing it out of love for both metiers and either one is inspiring the other one.

How does your architectural studies, architecture influence your art, your method, your choice of subjects?

Yes, the architectural study left profund marks. It sharpened my understanding of the built environment wherein most of us are staying every day. Functionality, abstraktion, unsophistication, rationality, or other critieria make a building suddenly seem aesthetic or even beautiful, as soon as you are considering it in its ideas and time context.

I find topical utilitarian architecture, like underground parkings, highway tunnels or tram bridges to be beautiful, because they represent a logical consequence of necessities and were designed and constructed according to use. In my pictures, I try to show, by choice of details, colouring and abstraction, that such spaces do indeed deserveout attention.

My working style is not particularly influenced by architecture.

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