Fotoausstellungen: Bunker und Gated Communities in Bremen und Braunschweig

26 03 2009

Zwei Foto-Ausstellungen in Niedersachsen (nu gut, Bremen und Braunschweig) thematisieren verschiedene Architekturtypen – Johanna Ahlert und Silke Schmidt dokumentieren einen U-Boot-Bunker aus dem 3. Reich in Bremen, während in Braunschweig eine Werkschau der  kritischen Landschaftsfotografie von Laurence Bonvin, die sich mit der zunehmenden Verstädterung und Zersiedelung der Landschaft auseinandersetzt, gezeigt wird.

© Johanna Ahlert l Silke Schmidt

© Johanna Ahlert l Silke Schmidt

Johanna Ahlert l Silke Schmidt: Bunker Valentin – dokumentarische Fotografien

Kunstfoyer Radio Bremen
Hinter der Mauer 5, 28195 Bremen
Eingang: Restaurant weserhaus

c/o Aplanat Galerie für Fotografie


27. März bis 24. April 2009

Die Fotografinnen haben den als U-Boot-Werft geplanten Bunker “Valentin” an der Weser in Bremen-Nord fotografisch dokumentiert. Der Bunker wurde zwischen 1943-45 errichtet, jedoch nicht fertiggestellt, und ist der flächenmäßig größte Bunder in Deutschland, der zweitgrößte in Europa. Entstanden sind überraschend ästhetische Aufnahmen.

Die Fotografinnen beschreiben ihr Projekt folgendermaßen:

“Der Bunker Valentin ist eines der größten faschistischen Bauwerke des Nationalsozialismus, das bis heute existiert und dessen Zukunft ungewiss ist.

© Johanna Ahlert l Silke Schmidt

© Johanna Ahlert l Silke Schmidt

Als Fotografinnen interessierte uns der Jetzt-Zustand eines geschichtsträchtigen Ortes: Wie gehen wir heute mit den Spuren, den Zeichen, den Resten aus der Vergangenheit um, wie werden diese wahrgenommen, und gestaltet oder in die heutige Nutzung integriert?

Die Fotoarbeit hat einen dokumentarischen Anspruch. Die Bilder zeigen Innen- und Aussenaufnahmen des Gebäudes und einige in der umliegenden Landschaft schwer auffindbaren Reste der damaligen Arbeitslager.

Die Arbeit ist ein Versuch, Eindrücke und widersprüchliche Stimmungen dieses Ortes abzubilden und mit Erinnerungen an die Geschichte zu verbinden. Das Mittel der Fotografie hat uns den Zugang zu diesem Ort erleichtert und zu einer persönlichen, intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema geführt.

Es ist durchaus gewollt, dass der Betrachter in den Bildern eine Faszination und Schönheit empfindet. Die Bilder sollen einen Anreiz geben, den Ort zu besuchen und sich mit der Geschichte auseinander zu setzen, damit diese nicht in Vergessenheit gerät.”

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Laurence Bonvin. On Location.

27. März – 3. Mai 2009

Museum für Photographie Braunschweig

Die Ausstellung bietet einen ersten Rückblick auf die Arbeit der der Schweizer Fotografin Laurence Bonvin (*1967) seit dem Anfang der 1990er Jahre. Bonvins setzt sich in verschiedenen Projekten mit den fortschreitenden Formen der Suburbanisierung und Zersiedlung von Landschaft auseinander. Ihre künstlerische Haltung steht in der Tradition der “skeptischen Landschaften”, die seit der Ausstellung der “New Topographics” in Rochester 1975 zu einem eigenen Genre der kritischen Landschaftsfotografie geworden ist.

Laurence Bonvin, aus der Serie " On the Edges of Paradise", 2005/06

In ihrer zentralen Serie “On the Edges of Paradise“, 2005/6, fotografierte Bonvin “Gated Communities” im Umland Istanbuls, umzäunte und bewachte Wohnsiedlungen, in denen sich wohlhabende Kreise der türkischen Gesellschaft niedergelassen haben. Gezeigt wird die Struktur der Siedlung mit stereotypen Einfamilienhäuser mi Gärten, Garagen und Swimmingpools und ihre Abschirmung nach außen. Eine “heile Welt” wird konstruiert, die das Leben der nahen Großstadt ausblendet.

Weitere Informationen gibt das Photographie-Museum in der Pressemitteilung:

© Laurence Bonvin, aus der Serie  On the Edges of Paradise, 2005/06

Laurence Bonvin, aus der Serie " On the Edges of Paradise", 2005/06

In ihren unterschiedlichen Arbeiten hat Laurence Bonvin nicht nur das erweiterte Themenfeld der urbanistischen Diskussion der letzten Jahre mit in den Fokus genommen, sie hat auch der nüchtern registrierenden Sichtweise einer topografischen Dokumentarfotografie eine subjektive, hermeneutisch offene Dimension der Betrachtung zur Seite gestellt. So berühren ihre Bilder Fragen, die bereits von französischen Situationisten in den 1950er Jahren gestellt wurden: Wie wirkt sich die funktionalistische Architektur unserer Städte auf die Wahrnehmung der Menschen aus, welchen Platz nimmt der Bewohner in ihr überhaupt noch ein? Dafür finden die Fotografien der Serie “As a One-Eyed Little Owl” eine visuelle Entsprechung, indem sie die modernen “Unorte” durch das nächtliche Kunstlicht in rätselhafte Schauplätze verwandeln. Mit Porträtaufnahmen aus Meyrin, einem Vorort von Genf, betreten Jugendliche einer multikulturellen Gesellschaft das “Setting” dieser Ausstellung. Wie die Protagonisten eines Films streifen sie durch die ehemals modernen, gebauten Utopien der Vorstädte und verleihen den längst schon verwitterten Versatzstücken der 1970er Jahre-Betonarchitektur ein Gesicht.


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1 Antwort zu “Fotoausstellungen: Bunker und Gated Communities in Bremen und Braunschweig”

26 04 2009
Ralf Meyer: Architektonische Nachhut (Ausstellung Stuttgart) « deconarch (09:47:39) :

[...] Auseinandersetzung mit dem Erbe der jüngeren Vergangenheit scheint ein aktuelles Thema zu sein (vgl. hier) – nach Bunkern jetzt die “Architektonische Nachhut” von Ralf Meyer – eine Annäherung an die [...]

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