Gebaute Inseln im Strom der Zeit Stefan Hoenerlohs Stadt-Gemälde | Painted Cities by Stefan Hoenerloh
5 06 2009Nach einer ganzen Reihe von Fotografen, die sich mit Architektur beschäftigen – die Fotografie scheint das bevorzugte Medium für die Auseinandersetzung mit architektonischen Themen – wieder ein Künstler, der sich malerisch mit Architektur befasst: Stefan Hoenerloh zeigt in seinen Gemälden Stadtansichten, die wie urbane Momentaufnahmen auf einem Spaziergang durch eine Altstadt begegnen könnten und doch rein fiktional sind.
After a number of photographs focusing on architecture – photography appears to be the medium of choice when dealing with architectural topics – finally another painter thematizing architecture: Stefan Hoenerloh paints urban situations as one could happen to encounter on a stroll through an old European city center – no vedutas, but “snapshot”-like views in bottom view. Yet was seems so real is actually pure fiction. His painted buildings appear like “built islands in the course of time” (as says the German title of this article)
(Informationen und Abb. von der Website des Künstlers, available in German + English)
Hoenerloh arbeitet in einer altmeisterlich perfekten Technik und bringt seine Motive vielschichtig lasierend auf den Bildträger. Sein Thema ist die Architektur, genauer: die gebaute Stadt. Zu sehen sind jedoch keine Veduten und Panoramen von Städten, wie sie etwa Canaletto so meisterhaft angefertigt hat, sondern Ausschnitte urbaner Architektur, Momentaufnahmen, wie sie einem auch bei einem Spaziergang durch eine Stadt begegnen: Monumentale Großbauten werden in Ausschnitten gezeigt, meist in Untersicht mit stürzenden Linien, wie man sie vor Ort erlebt.
Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nicht um reale Bauten, die etwa von einer Fotografie abgemalt oder vor Ort mit dem Pinsel anstelle der Kamera “aufgenommen” wurden. Hoenerlohs Motive sind reine Fiktion. Als typische Stadtarchitektur, wie sie überalle begegnen könnte, wollen sie die Idee der “alten gebauten Stadt” verkörpern. Denn zu sehen sind “alte” urbane Gebäude, wie sie in den alten Stadtkernen europäischer Städte begegnen.
Allerdings zeigen die Gemälde auch nicht Stilgeschichte: Elemente zwischen Renaissance und Klassizismus und ihren Neo-Formen werden malerisch verbunden, ohne jedoch den diesen zugrundeliegenden Ideen zu entsprechen. Es wird nicht nur verzichtet darauf, Realarchitektur zu porträtieren, sondern auch darauf, reale Stile zu zeigen.
Aus dieser zweifachen Fiktionalität gewinnen Hoenerlohs Arbeiten ihre Ausdruckskraft.
Die Städte und Bauten sind leer, keine Menschen, keine Tiere oder Pflanzen sind zu sehen. Der Betrachter muss seine Gefühls- und Gedankenwelt aktivieren und in die gemalte Stadt “eintreten”, sich selbst in Beziehung zu den Bauten setzen – man könnte schon einmal dort gewesen sein, könnte schon einmal in einer Stadt einer ähnlichen Situation begegnet sein.

Winner of the Isabel Rawsthorne Competition: Das Gummipferd 1999, Öl, Acryl auf Polyvinyl/Leinwand, 93x130cm
Aus dieser Spannung zwischen Gewesenem und Möglichem entfalten Hoenerlohs Bilder ihre Anziehungskraft.
“Und ist man im Vorstellungsraum der Bilder, dann sieht man die Details, die das Erlebnis bereichern. Da gibt es Räume, die kann man nicht bewohnen, auch wenn es zunächst den Anschein hat. Da gibt es große Gebäudeteile, die gar keine Räume besitzen, auch wenn man erst dachte, das sei der Fall. Da gibt es die ausbalancierten Gegensatzpaare, die Treppen die nach oben und unten führen, die Seufzer-Brücken, die verbinden, was unverbunden erscheint.”
Das führt zu einer reichhaltigen, aber auch paradoxen Erfahrung von Architektur durch das Medium der Malerei, denn erst in der Malerei wird deutlich, was Architektur sein kann, und was sie nicht ist. [...] Sie wird so zu einer symbolischen Konkretisation von Welterfahrung.”
Bilder sind in Grau-Tönen gehalten, dunkel, trübe, verwaschen. Die Gebäude haben Patina, deutlich nagt an ihnen der Zahn der Zeit. Dieser Aspekt spielt für Hoenerloh eine wichtige Rolle: Gebäude sind wie Inseln im Zeit-Strom, sie trotzen der Vergänglichkeit und haben eine Geschichte, sind jedoch davon nicht unberührt, sondern zeigen durchaus Zeichen des Verfalls.
Beim näheren Hinsehen zeigt sich in diesen “minutiöse[n] Registraturen des materiellen Verfalls” (Rump), die an den gemalten Gebäudefassaden zu beobachten sind, auch das Malerische der Arbeiten: Hoenerlohs Gemälde sind immer auch als Malerei erkennbar.






[...] Berliner Künstler Stefan Hoenerloh zeigt in seinen Gemälden Stadtansichten, die wie urbane Momentaufnahmen scheinen, welche auf einem Spaziergang durc…. Zu sehen sind keine Veduten, sondern menschenleere Ausschnitte urbaner Architektur: Monumentale [...]