HOMEBASE in Düsseldorf

In our world of today, people seem to waver between contradictory desires. Aside from their longing for freedom and mobility, there is a need for security and a familiar refuge. The home has become the center of one’s social and professional life. Nowadays communication and consumption are possible without even leaving the private space. The contradiction is merely apparent: In this age of globally networked activities, people’s private microcosm in particular is gaining in importance. But to which extent have our homes changed and what will they look like in the future, when hardly any objective criteria remain in order to distinguish between the private and public sphere, between work and leisure, between day and night, between rest and activity? The interior has a notably strong presence in contemporary art. The group show Homebase reflects the great variety of current artistic approaches to this traditional genre. The paintings, projections, photographs and installations contained in the exhibition are representations, documentations and stagings of rooms, but – aside from the visitors – there are seldom people present within them. Some of these works document preexisting interiors: They speak for themselves, or rather of the people that live or lived in them, their particular preferences, their social status and cultural context.

Erik Steinbrecher, Coyoten, 2015, Markstand, Pilotenschlafsäcke, Konserven, Klorolle, Grösse variabel, Courtesy the artist und Galerie Zwinger, Berlin

Erik Steinbrecher, Coyoten, 2015, Markstand, Pilotenschlafsäcke, Konserven, Klorolle, Grösse variabel, Courtesy the artist und Galerie Zwinger, Berlin

Homebase

Laurenz Berges, Franz Burkhardt, Francisca Gómez, Patricia Lambertus, Zilla Leutenegger, Marjetica Potrč, Jörg Sasse, Gregor Schneider, Marcus Schwier, Taryn Simon, Erik Steinbrecher, Susa Templin, Claudia Wieser

8. April bis Juli 2016 

Kuratiert von Harriet Zilch und Ludwig Seyfarth

Kai 10, Arten Foundation, Düsseldorf

www.kaistrasse10.de

 

 

PR Info _ In unserer gegenwärtigen Welt scheint der Mensch zwischen widersprüchlichen Bedürfnissen zu pendeln. Seine Sehnsucht nach Freiheit und Mobilität steht neben dem Wunsch nach Geborgenheit und einem vertrauten Refugium. Das Zuhause ist zum Mittelpunkt des sozialen Lebens geworden und Beruf, Kommunikation und Konsum sind heute möglich, ohne das private Heim zu verlassen. Im Zeitalter global vernetzter Aktivität gewinnt – nur scheinbar widersprüchlich – gerade der private Mikrokosmos an Bedeutung. Inwieweit hat sich unser Zuhause verändert und wie wird es künftig aussehen, wenn es zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit, zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Tag und Nacht, zwischen Ruhe und Tun kaum mehr klare Unterscheidungskriterien gibt?

Franz Burkhardt, 2013, Installationsansicht ART COLOGNE, Courtesy Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf

Franz Burkhardt, 2013, Installationsansicht ART COLOGNE, Courtesy Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf

Im Kontext der Social Media scheint das Bedürfnis nach Privatsphäre nicht den Wunsch auszuschließen, Intimes mit einer mehr oder minder großen Öffentlichkeit zu teilen. Auch das Genre Interieur erlaubt per se den Blick in einen Raum, der als explizit privater Ort gerade vor diesen Einblicken geschützt sein sollte.

In der Gegenwartskunst erscheint das Interieur auffallend präsent. Die Gruppenausstellung Homebase zeigt, wie variantenreich sich Künstlerinnen und Künstler heute der traditionsreichen Bildgattung nähern. Die Bilder, Projektionen, Fotografien und Installationen der Ausstellung sind Darstellungen, Dokumentationen und Inszenierungen von Räumen, sparen aber – abgesehen von den Besuchern – selten Menschen, die in ihnen agieren, weitgehend aus. Manche der Werke dokumentieren vorgefundene Innenräume. Diese sprechen für sich beziehungsweise von den Menschen, die sie bewohnen oder bewohnt haben, von ihren individuellen Vorlieben, ihrem sozialen Status und kulturellen Kontext.

Die Fotografien von Laurenz Berges zeigen Wohnungen im Ruhrgebiet, die von den Bewohnern im Zuge des Abbaus von Produktionsstandorten der Schwerindustrie verlassen wurden. Auf den ausschnitthaften Fotos privater Räume von Jörg Sasse wirken Einzelheiten wie Steckdosen, Lampen oder Herdplatten fast wie arrangierte Stillleben. Susa Templinverwischt die Konturen der Interieurs, sie scheinen sich atmosphärisch aufzulösen. Bei Gregor Schneider folgt die fotografische und filmische Dokumentation den baulichen Eingriffen, mit denen der Künstler bereits als Teenager in seinem Elternhaus begann. Claudia Wieser überträgt modernistische Dekorzitate auf skulpturale Objekte, die wiederum an Mobiliar erinnern. Bei Patricia Lambertus werden die Wände zu überbordenden Bildträgern, auf denen sich verschiedene Zeiten, Orte und Realitätsebenen begegnen. Marcus Schwier fotografiert die Räume barocker Schlösser, die in der Nutzung ihrer heutigen Bewohner wie surreale Szenarien wirken. Zilla Leutenegger lässt einen gebauten Innenraum fast wie eine Zeichnung erscheinen, wie ein Gedankenbild, das sich materialisiert hat. Franz Burkhardt erschafft eine lebensgroße Fassade, hinter der weitere Zimmer zu vermuten sind, die jedoch verborgen bleiben. Taryn Simon lenkt den Fokus auf Räume, die aus Sicherheitsgründen der Allgemeinheit verborgen bleiben. Francisca Gómez’ Blick ins Verborgene zeigt im Dämmerlicht Wohnungen in Detroit, deren überschuldeten Bewohnern der Strom abgestellt wurde. Marjetica Potrč bringt ihre künstlerische Kompetenz in kommunale Projekte ein, bei denen die Bewohner in Eigeninitiative sowohl funktionale und zugleich experimentelle Wohnbauten errichten. Eher assoziativ auf Obdachlosigkeit und Nomadentum verweist Erik Steinbrecher mit der Einrichtung einer Wohnung, die wie eine funktionslos gewordenen Ruinenlandschaft aussieht.

Ist das heimische Interieur bald ein Relikt der Vergangenheit, wenn immer mehr Menschen überall auf der Welt temporär wohnen werden und alles, was einst die heimischen Schränke und Regale füllte, einer i-cloud anvertraut haben?

Die von Ludwig Seyfarth und Hariett Zilch kuratierte Ausstellung HOMEBASE. Das Interieur in der Gegenwartskunst und der begleitende Katalog entstanden in enger Kooperation mit der Kunsthalle Nürnberg.

Info + illus. courtesy KAI 10 

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