Interview: This world is not my home (Ausstellungsprojekt in Berlin von Bonaventure S. B. Ndikung)
28 04 2008Ein interessantes Ausstellungsprojekt, das im September/Oktober ( 01.09.-07.10.08 ) im Kunsthaus Tacheles in Berlin stattfinden wird, befasst sich mit dem Thema „This world is not my home“ – diese Welt ist nicht mein zu Hause, meine Heimat.
Was ist Heimat?
Der Geburtsort oder der Ort, an dem man die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat? Die eigenen vier Wände?
Ist Heimat an Räumlichkeiten gebunden?
Kann ich mehrere Heimaten haben oder meine Heimat aus mehreren „Orten“ bestehen?
Und was ist, wenn ich mich nirgendwo heimisch fühle – heimisch fühlen darf? Was muss gegeben sein, damit ich mich heimisch fühlen kann, damit diese Welt doch meine Heimat ist?
Die Problematik um den Begriff „Heimat“ ist nicht einfach. Schon bei den Romantikern war die Suche nach der Heimat eines der zentralen Themen. Ernst Bloch hat im „Prinzip Hoffnung“ ein utopisches Verständnis von der Heimat als „Noch-Nicht“ entworfen, Martin Heidegger kann gar als „Heimatphilosoph“ bezeichnet werden (– was auch immer letztlich damit ausgedrückt werden soll, zumindest spielen Begriff wie „Heimat“ und „Heimkehr“ in Heideggers Gedankengebäude eine bedeutende Rolle).
Heimat als Beziehung zwischen Mensch und „Umraum“ – Umwelt, Umgebung, Umfeld?
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Ich freue mich sehr, dass ich mit dem Kurator der Ausstellung „This world is not my home“, Dr.-Ing. Bonaventure S. B. Ndikung, ein „Chatgespräch“ über sein ambitioniertes Ausstellungsprojekt führen konnte:
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„This world is not my home“ – das Thema ist nicht einfach und auch ein wenig provokant. Wie kam es zu dieser Fragestellung?
Ich werde täglich mit Heimatgeschichten konfrontiert. Ich lebe in Berlin – eine Multikulti-Stadt, aber auch eine Stadt, in der man täglich Geschichten über rechtsextremistische Übergriffe hört. Da stellt man sich oft die Fragen: Ist das hier meine Heimat? Wo ist meine Heimat? Reicht diese Welt überhaupt als Heimat? Und wenn ja – was machen wir daraus?
Ich glaube, das ist auch der Fall bei den Künstler, die an der Ausstellung teilnehmen werden.
Das waren meine Fragestellungen, aus denen ich das Ausstellungskonzept entwickelt habe – ohne pädagogischen Hintergrund und ohne erhobenen Zeigefinger.
Was verstehst du unter Heimat?
Die Frage ist zu klassisch… Es spielt eigentlich keine Rolle, was ich unter Heimat verstehe, sondern was die Leute in meiner Umgebung darunter verstehen, also die Resonanz meiner „Heimat“ auf mich.
Heimat ist sehr viel mehr, als nur die sprichwörtlichen eigenen vier Wände. Was sie ist, lässt sich aber nicht einfach fassen. Ein Definitionsversuch wäre: Heimat ist die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt/Umgebung/Umfeld.
Ist eine Annäherung an den Begriff „Heimat“ Ziel der Ausstellung?
Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Heimat“ ist eines der Ziele dieser Ausstellung. Je bewusster man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, desto näher kommt man dem Kern der Frage „Was ist (meine) Heimat?“.
Erst dann kann man sich und die Resonanz seiner Umgebung verstehen.
Die Resonanz seiner Umgebung?
Wir leben in konstanter Kommunikation mit unserer Umgebung! Wenn „Heimat“ die Beziehung ovn mir zu meinem Umfeld ist, dann gilt das ebenso in der umgekehrten Richtung. Wie heißt es so schön: „Wie man in den Wald hinein schreit, so hallt es heraus.” Das ist die Resonanz!
Es ist aber leider auch so, dass manchmal der Wald hallt, ohne dass man hinein geschrieen hat! ;-)
Mit diesem Diskurs, dieser Reflektion und diesen Widersprüche möchten wir uns in dieser Ausstellung befassen. Wir möchten uns und die Besucher der Ausstellung dazu anregen, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen… sprich: global zu denken (aber ohne denen Nachbarn Schaden zuzufügen).
Man kann natürlich immer jammern, dass man sich irgendwo nicht heimisch fühlt… aber was heißt das in einem globalen Kontext?
Man ist daher gezwungen, sich zu fragen, ob diese Welt unsere Heimat ist…
Es ist auch eine Frage nach unserer Beziehung zur Welt… Wie gehen wir mit unserer Heimat um? Wie gehen wir mit Menschen, Tiere, unsere Umwelt um? Auch dies im globalen Sinne gedacht.
Ist das nicht eigentlich ein Widerspruch – „Heimat“ und „global”? Man verbindet Heimat meist mit einem bestimmten Punkt, einem bestimmten Umfeld. Ich kann mich nur dann in der „Welt“ wohlfühlen, wenn ich diesen „Rückzugsort“ habe?
Es ist gleichzeitig ein Widerspruch und auch nicht… Heimat ist wahrscheinlich immer ein Bezugspunkt – aber es kommt auf die Definition dieses Bezugspunkt an, ist sie nur geografisch gefasst oder umfassender?
Für die Leute, die nicht über den Tellerrand hinausschauen wollen, ist Heimat tatsächlich nur ihre eigenen vier Wänden und der Stadt, in der sie leben, demzufolge ein Widerspruch zu „global“.
Das Verständnis von „Heimat“ sollte aber viel größer sein!
Von einen subjektiven Standpunkt gesehen ist mein Bezugspunkt die Welt! Das heißt, ich will das Recht haben mich grenzenlos zu bewegen und mich irgendwo zuhause zu fühlen… wenn die “Einheimischen” das zulassen. Die Welt ist mein Rückzugsort und wenn das nicht der Fall ist, dann gilt „This world is not my home“.
Das ist das Thema der Ausstellung. Was kann und soll Kunst zu dieser Problematik beitragen?
Kunst kann Brücken schlagen…. sie kann Mauern einreißen… oder einfacher, Kunst kann kommunizieren.
Zum Beispiel die europäische Moderne: Der Einfluss der afrikanischen Kunst auf der europäische Moderne hat - für die, die es verstehen wollten – zu einer großen Verständigung zwischen den Kulturen geführt. Man hat versucht, die Symbolik des anderen zu verstehen. Und so kommt man den anderen näher.
Oder aktueller: Ai Wei Wei, der als Beitrag zur Dokumenta 1001 Chinesen nach Deutschland gebracht hat und zum Austausch zwischen den Kulturen beigetragen. Kann man dem noch viel mehr hinzufügen?
Oder Hans-Ulrich Obrist, der als Wanderkurator durch die Welt geht.
Oder Simon Njami, der mit der „Afrika Remix“-Ausstellung von zeitgenössischer afrikanischen Kunst, praktisch eine Welttournee macht mit Stationen in Düsseldorf, London, Paris, Tokio und Johannesburg.
Das alles kann die Kunst, wenn sie nicht missbraucht wird. Sie kann zu einer besseren Verständigung führen.
Die Zeitgenössische afrikanische Kunst ist ein Thema, auf das ich gerne zurückkommen möchte. Aber zunächst möchte ich ein paar konkretere Fragen zu deinem Ausstellungsprojekt stellen. Was wird in der Ausstellung zu sehen sein?
Wir versuchen, so viele verschiedene Medien der Kunst zu präsentieren wie möglich. Wir wollen weg von der Vorstellung einer reinen „Foto-“ oder „Malerei-Ausstellung“. Auf einer Flächen von 400m2 werden Videos, Installationen, Malerei, Fotografie, Performance… zu sehen sein.
Die meisten Künstler machen neue Arbeiten zu dem Thema, extra für die Ausstellung.
Welche Künstler werden gezeigt?
Die beteiligten Künstler kommen aus verschiedenen Ecken der Welt. Manche leben in Berlin, andere in London, Heidelberg, Barcelona, Prag…
Es gibt Künstler, die in ihren 20ern sind, andere sind in ihren 40ern. Es gibt Autodidakten, es gibt einen Kunstprofessor. Es gibt Frauen und Männer. Manche haben nur in Berlin ausgestellt, andere in New York oder Peking.
Es ist eine breite Palette.
Ziel ist es, 12-15 verschiedene Künstler zu zeigen. Die endgültige Auswahl wird Ende Mai getroffen.
Nach welchen Kriterien wird diese Auswahl getroffen?
Die aussagekräftigsten Arbeiten werden ausgewählt. Es geht dabei nicht um den Künstler, sondern um die Arbeit, um die Kunst.
Einige der Künstler haben schon sehr gute Arbeiten zu dem Thema gemacht. Vielleicht, weil die meisten in einem fremden Land leben, werden sie täglich mit dem Thema „Heimat“ konfrontiert.
Joris Vanpoucke etwa ist Belgier und hat in Südafrika gewohnt. In dieser Zeit hat er viele Arbeiten zum Thema „HOME“ gemacht.
Joris Vanpoucke ……….. Alexander Steffens….Bonaventure S.B.Ndikung
Die Ausstellung wird im bekannten Berliner Kunsthaus Tacheless zu sehen sein. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Tacheles?
Weil es zum Thema passt! TACHELES heißt auf Jiddisch „Klartext reden, jemandem seine Meinung sagen“ und auf Hebräisch „ein Ziel verfolgen“ oder „etwas auf den Punkt bringen“.
Das Tacheles mit seiner wechselhaften Geschichte ist ein Inbegriff des Wandels Berlins, aber gleichzeitig auch der Stagnation der Stadt!
Das Tacheles ist ein Ort, wo Künstler leben und Ausstellungen organisieren, aber auch ein Ort, wo „Heimatlose”, Obdachlose manchmal ein wenig Ruhe finden können, ein Ort, der, obwohl dort so viel gemacht wird, keine Unterstützung von der Stadt mehr bekommt… Es ist wie ein Flüchtling in seinem eigenen Land…
Eine Ausstellung über Heimat, Sich-heimisch-fühlen und all den Schwierigkeiten, die damit verbunden sein können, über die wir geredet haben, ist in einer solchen Umgebung besonders spannend/gewinnt in einer solchen Umgebung an Ausdruckskraft….
…to be continued…
Weitere Informationen: www.artou.de und www.soh-bonny.com







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