People meet in ARTitecture: 12. Architektur-Biennale in Venedig (Teil 1)

Meine erste Architekturbiennale! Nachdem ich in den letzten Jahren schon mehrere Kunstbiennalen besuchen konnte, habe ich es dieses Jahr das erste Mal zu einer Architekturbiennale geschafft. Ein Tag ist nicht gerade viel, um alles mitzunehmen, aber wir haben es geschafft, zumindest die Länderpavillons in den Giardini (ausgiebig) und das Arsenale (zügig) zu sehen. Die Eindrücke waren vielfältig und sind jetzt allmählich verdaut, so dass es an der Zeit für einen „Erfahrungsbericht“ ist: Was hat gefallen, was weniger, welche zwei Pavillons haben es in mein persönliches Best of geschafft und was hat es mit der ARTitecture auf sich?

Mehr Fotos auf meiner Facebook-Seite.

Kroatien Pavillon, Foto: SK

Kroatien Pavillon, Foto: SK

Das Medienecho war eher verhalten (wie das meist so ist, bei Großveranstaltungen dieses Kalibers). Daher habe ich mich bemüht, möglichst „uninformiert“ nach Venedig zu fahren und alles so unvoreingenommen wir möglich wirken zu lassen. Trotzdem waren die Erwartungen, nuja, mittelgroß: „Bist du auch schon auf der Biennale gewesen dieses Jahr?“ – „Nein, noch nicht … Lohnt es sich denn?“ – „Äh, nicht so …“ In dieser Form liefen einige Unterhaltungen im Vorfeld der Fahrt ab. Bezeichnenderweise fiel das Echo von Architektenseite her eher reduziert aus, während es von Künstlerseite sehr viel positiver war. Nicht ohne Grund, wie ich jetzt weiß …

Tatsächlich sind sehr viele Pavillons weniger architektonisch gestaltet, sondern künstlerisch. Soll heißen, es werden wenige Exponate gezeigt, die sich mit konkreten Fragen des praktischen Bauens beschäftigen, sondern vielmehr freiere Herangehensweisen an das Thema Architektur – manche gelungener, manche weniger. Alles in allem könnte man in Ahnlehnung an das diesjährige, von Kazuyo Sejima ausgegebene Motto sagen: People meet in ARTitecture. Für mich und den Standpunkt, den ich mit deconarch.com verfolge, also eigentlich genau richtig. Ich kann allerdings auch nachvollziehen, dass gerade Architekten von einer solchen „Bauschau“, die keine so richtig ist, eher enttäuscht sind.

Die Länderpavillons

Pavillon Kanada, Foto: SK

Pavillon Kanada, Foto: SK

Es versteht sich, dass bei einer Fülle von Pavillons, die von mehr als 50 Nationen bespielt werden, einiges mehr, einiges weniger gefallen kann. Auffallend ist, dass es bestimmte Typen der Pavillongestaltung gibt, die gehäuft vorkommen. Statt eines Aha-Effekts ertappt man sich daher häufiger bei einem Déjà-vu-Gefühl.

Da waren durchgestylte Raumlabyrinthe, meist mit Lichteffekten in Szene gesetzt, in denen mehr oder weniger Geheimnisvolles von der Decke hing – in Ungarn etwa sozialromantisch Bleistifte (Bleistifte? Achja, die gezeichnete Linie als Ursprung jedes Entwurfs, das Handwerkszeug des Architekten, Sozialromantisch eingesammelt von Schulen im ganzen Land), während in Kanada James Cameron grüßen lässt – sehr stylisch, sehr cool, aber trotz der grundsätzlich interessanten Idee von „Hylozoic Ground“ (der kanadische Architekt Philip Beesley hat einen Wald aus Acryl-Farn installiert als Vision einer neuen Generation responsiver Architektur) etwas zu viel Sci-Fi im Avatar-Stil und zu wenig Architektur.

An sich gar nicht uninteressant, aber streckenweise schwer zugänglich geben sich viele Pavillons, bei denen man sich fragt, wo genau der Architekturbezug, wenn nicht gar eine Auseinandersetzung mit dem Motto der Biennale ansetzen will. Bei einigen helfen die Zusatzinformationen weiter – das wäre bei sehr viel mehr Pavillons ebenfalls wünschenswert gewesen –, bei anderen bleibt dem Besucher nur viel Fantasie (oder weitergehen). Polen etwa präsentierte eine cool illuminierte Raumskulptur aus – Fahrradkörben? Vogelkäfigen? Der begleitende Text liest sich zwar im Nachhinein spannend, lässt sich aber aus der Installation nicht wirklich erschließen. „Emergency Exit”? Oh, ja bitte.

Viele Pavillons sind solide gestaltet – ganz ordentlich, ohne allzu viel Neues, Überraschendes, Aufregendes zu bieten: Brasilien etwa, mit einer Ode an Oscar Niemeyer, da kann man nicht viel falsch machen, ebenso etwa auch die USA (verschiedene urbanistische Konzepte), Frankreich (was ist METROPOLIS?) und Korea (traditionelle Bauweisen in der Gegenwart).

Spanien Pavillon, Foto: SK

Spanien Pavillon, Foto: SK

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Einige Pavillons widmen sich durchaus konkret der Architektur und dem Urbanismus (allerdings sind es nicht zwangsläufig auch die interessanteren Pavillons). Spanien etwa zeigt Solarhäuser, Österreich gibt sich egozentrisch-pompös (sehr treffend kommentiert HIER), Dänemark stellt didaktisch gelungen Fragen nach der Zukunft des Städtebaus. Auch der skandinavische Pavillons ist interessant, hier darf der Besucher sogar selbst Jury spielen und Goldene Hirsche an das gelungenste Exponat vergeben, oder Japan, das sich selbstkritisch mit dem „Metabolismus“ auseinandersetzt, der vor 50. Jahren als erstes einflussreiches Architekturmanifest aus Japan um die Welt ging. Etwas zu voll präsentiert sich der Pavillon zwar, bietet dem Besucher aber dennoch spannende Einsichten – sozusagen von oben und unten, von innen und außen: Über zwei Stockwerke ist ein Haus-Modell gebaut, in das man von unten in ein „Guckloch“ eintreten kann.

Und dann waren da noch – die Pavillons, die irgendwie cool/amüsant/interessant waren, aber irgendwie nicht so recht auf eine Architekturschau passen wollen. Australien etwa zeigt eine Disco-Laser-Licht-Show im Darkroom (ach ja, es gibt auch einen 3D-Film über Bauprojekte). Griechenland baut eine Arche mit allem Saatgut und Serbien einen Holzspielplatz für Erwachsene: Walk the plant! See you on the seesaw! Nicht wirklich architektonisch, aber definitiv der lustigste Pavillon – und genauer besehen auch einer der wenigen Ausstellungsräume, in dem man wirklich von „people meet“ sprechen konnte. Ohne Vermittlung sind diese Ideen jedoch nicht ohne Weiteres zugänglich.

To be continued …

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