Informal Arrangements by Peter Bialobrzeski | REZENSION

Kliptown is not only the oldest, but also a historically very important part of Soweto: In 1955 the anti-Apartheid Congress of the People was held here, when the Freedom charter got published. This Charter became the basis of the new South Africa’s constitution. Kliptown however remained very poor black township. Peter Bialobrzeski photographed the interiors of the shanties, which the inhabitants are trying to turn into homes, against all odds. The calm, unagitated photographs reflect these efforts and present striking „portraits in absentio“ (no humans are present in the photos) of Kliptown’s inhabitants.

Kliptown ist nicht nur der älteste, sondern auch ein historisch für die Geschichte Südafrikas sehr bedeutsamer Bezirk von Soweto. 1955 versammelten sich hier 3000 Apartheid-Gegner – unter ihnen auch Walter Sisulu und Nelson Mandela – zum Congress of the People und formulierten die Freiheitscharta, ein Gegenentwurf zu damaligen Apartheid-System. 1990 wurde diese Charta zur Basis der Verfassung des neuen Südafrikas. Seit fünf Jahren erinnert ein steinernes Monument auf einem neu angelegten Platz an die Charta. 

(c) Peter Bialobrzeski

(c) Peter Bialobrzeski

Kliptown ist aber auch ein Stadtteil Sowetos, der das Scheitern – oder zumindest die Schwachstellen – der Charta allzu augenfällig aufzeigt. Noch lange nicht sind die darin formulierten Ideale realisiert und flächendeckend umgesetzt. Rund um den Gedenkplatz in Kliptown leben die schwarzen Armen in Hütten, die mehr an Verschläge erinnern. Im Viertel neben dem WM-Stadion, Soccer City ist knappe 10km Luftlinie entfernt, wohnen sie in provisorischen Unterkünften, deren Einrichtung oft nicht einmal dem Wert eines Eintrittsticket entsprechen würde.

Trotzdem versuchen diese Menschen, ihre Unterkünfte zu einem Heim werden zu lassen. Mit Blättern aus Werbezeitungen werden Wände tapeziert und Farbe hineingebracht, mit Postern, Seiten aus Unterwäschekatalogen, Stoff wird Wohnlichkeit erzeugt. Kalender, Vorhänge, auf Betten drapierte Kissen. Hier steht Beauty-Zubehör, dort liegen Kleider, hier ein Fernseher, dort Radio oder DVD-Player.

(c) Peter Bialobrzeski

(c) Peter Bialobrzeski

Der deutsche Fotograf Peter Bialobrzeski blickt in diese Hütten, die so eng sind, dass sie kaum auf das Bild zu passen scheinen. Er präsentiert Ansichten der Behausungen, sehr private Einsichten – ohne Menschen zwar, aber dadurch fast noch intimer: Hier nämlich wird die private Hülle, der persönliche Rückzugsort der Bewohner Kliptowns porträtiert. Gleichsam „schutzlos“ wird er dem Blick der Kamera offenbart und so zum „Porträt in absentio“ – die räumliche Hülle, das Zuhause verrät oft mehr über seinen Bewohner, als man denken mag.

 

Peter Bialobrzeski

Informal Arrangements

Text von Peter Bialobrzeski, Indra Wussow,

Gestaltung von Peter Bialobrzeski, Kathrin Hufen

Deutsch, Englisch, 2010.

ISBN 978-3-7757-2660-3

 

 

 

Bialobrzeski präsentiert diese fast intimen Einsichten in einer ruhigen, unaufgeregten Bildsprache, die sich auch in der Machart der Publikation, bereits dem 7. Projekt des Fotografen mit dem Hatje Cantz Verlag, widerspiegelt. Den fast seitengroßen Abbildungen wird sehr viel Platz eingeräumt, ohne Text oder Beschriftung wirken sie ganz für sich und lassen den Betrachter viel Raum, um sich in sie zu vertiefen.

Voraus geht ein kurzer einleitender Essay auf Englisch und Deutsch von Indra Wussow, deren Johannesburger Kulturstiftung jozi art:lab den Fotografen überhaupt erst zu seinem Projekt in Südafrika gebracht wird.

Abbildungen Hatje Cantz

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