People meet in ARTitecture: 12. Architektur-Biennale in Venedig (Teil 1)

1 11 2010

Meine erste Architekturbiennale! Nachdem ich in den letzten Jahren schon mehrere Kunstbiennalen besuchen konnte, habe ich es dieses Jahr das erste Mal zu einer Architekturbiennale geschafft. Ein Tag ist nicht gerade viel, um alles mitzunehmen, aber wir haben es geschafft, zumindest die Länderpavillons in den Giardini (ausgiebig) und das Arsenale (zügig) zu sehen. Die Eindrücke waren vielfältig und sind jetzt allmählich verdaut, so dass es an der Zeit für einen „Erfahrungsbericht“ ist: Was hat gefallen, was weniger, welche zwei Pavillons haben es in mein persönliches Best of geschafft und was hat es mit der ARTitecture auf sich?

Mehr Fotos auf meiner Facebook-Seite.

Das Medienecho war eher verhalten (wie das meist so ist, bei Großveranstaltungen dieses Kalibers). Daher habe ich mich bemüht, möglichst „uninformiert“ nach Venedig zu fahren und alles so unvoreingenommen wir möglich wirken zu lassen. Trotzdem waren die Erwartungen, nuja, mittelgroß: „Bist du auch schon auf der Biennale gewesen dieses Jahr?“ – „Nein, noch nicht … Lohnt es sich denn?“ – „Äh, nicht so …“ In dieser Form liefen einige Unterhaltungen im Vorfeld der Fahrt ab. Bezeichnenderweise fiel das Echo von Architektenseite her eher reduziert aus, während es von Künstlerseite sehr viel positiver war. Nicht ohne Grund, wie ich jetzt weiß …

Tatsächlich sind sehr viele Pavillons weniger architektonisch gestaltet, sondern künstlerisch. Soll heißen, es werden wenige Exponate gezeigt, die sich mit konkreten Fragen des praktischen Bauens beschäftigen, sondern vielmehr freiere Herangehensweisen an das Thema Architektur – manche gelungener, manche weniger. Alles in allem könnte man in Ahnlehnung an das diesjährige, von Kazuyo Sejima ausgegebene Motto sagen: People meet in ARTitecture. Für mich und den Standpunkt, den ich mit deconarch.com verfolge, also eigentlich genau richtig. Ich kann allerdings auch nachvollziehen, dass gerade Architekten von einer solchen „Bauschau“, die keine so richtig ist, eher enttäuscht sind.

Die Länderpavillons

Pavillon Kanada, Foto: SK

Pavillon Kanada, Foto: SK

Es versteht sich, dass bei einer Fülle von Pavillons, die von mehr als 50 Nationen bespielt werden, einiges mehr, einiges weniger gefallen kann. Auffallend ist, dass es bestimmte Typen der Pavillongestaltung gibt, die gehäuft vorkommen. Statt eines Aha-Effekts ertappt man sich daher häufiger bei einem Déjà-vu-Gefühl.

Pavillon Ungarn, Foto: SK

Pavillon Ungarn, Foto: SK

Da waren durchgestylte Raumlabyrinthe, meist mit Lichteffekten in Szene gesetzt, in denen mehr oder weniger Geheimnisvolles von der Decke hing – in Ungarn etwa sozialromantisch Bleistifte (Bleistifte? Achja, die gezeichnete Linie als Ursprung jedes Entwurfs, das Handwerkszeug des Architekten, Sozialromantisch eingesammelt von Schulen im ganzen Land), während in Kanada James Cameron grüßen lässt – sehr stylisch, sehr cool, aber trotz der grundsätzlich interessanten Idee von „Hylozoic Ground“ (der kanadische Architekt Philip Beesley hat einen Wald aus Acryl-Farn installiert als Vision einer neuen Generation responsiver Architektur) etwas zu viel Sci-Fi im Avatar-Stil und zu wenig Architektur.

An sich gar nicht uninteressant, aber streckenweise schwer zugänglich geben sich viele Pavillons, bei denen man sich fragt, wo genau der Architekturbezug, wenn nicht gar eine Auseinandersetzung mit dem Motto der Biennale ansetzen will. Bei einigen helfen die Zusatzinformationen weiter – das wäre bei sehr viel mehr Pavillons ebenfalls wünschenswert gewesen –, bei anderen bleibt dem Besucher nur viel Fantasie (oder weitergehen). Polen etwa präsentierte eine cool illuminierte Raumskulptur aus – Fahrradkörben? Vogelkäfigen? Der begleitende Text liest sich zwar im Nachhinein spannend, lässt sich aber aus der Installation nicht wirklich erschließen. „Emergency Exit”? Oh, ja bitte.

Im Pavillon der Nordischen Länder, Foto: SK

Im Pavillon der Nordischen Länder, Foto: SK

Viele Pavillons sind solide gestaltet – ganz ordentlich, ohne allzu viel Neues, Überraschendes, Aufregendes zu bieten: Brasilien etwa, mit einer Ode an Oscar Niemeyer, da kann man nicht viel falsch machen, ebenso etwa auch die USA (verschiedene urbanistische Konzepte), Frankreich (was ist METROPOLIS?) und Korea (traditionelle Bauweisen in der Gegenwart).

Spanien Pavillon, Foto: SK

Spanien Pavillon, Foto: SK

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Einige Pavillons widmen sich durchaus konkret der Architektur und dem Urbanismus (allerdings sind es nicht zwangsläufig auch die interessanteren Pavillons). Spanien etwa zeigt Solarhäuser, Österreich gibt sich egozentrisch-pompös (sehr treffend kommentiert HIER), Dänemark stellt didaktisch gelungen Fragen nach der Zukunft des Städtebaus. Auch der skandinavische Pavillons ist interessant, hier darf der Besucher sogar selbst Jury spielen und Goldene Hirsche an das gelungenste Exponat vergeben, oder Japan, das sich selbstkritisch mit dem „Metabolismus“ auseinandersetzt, der vor 50. Jahren als erstes einflussreiches Architekturmanifest aus Japan um die Welt ging. Etwas zu voll präsentiert sich der Pavillon zwar, bietet dem Besucher aber dennoch spannende Einsichten – sozusagen von oben und unten, von innen und außen: Über zwei Stockwerke ist ein Haus-Modell gebaut, in das man von unten in ein „Guckloch“ eintreten kann.

Serbien Pavillon, Foto: SK

Serbien Pavillon, Foto: SK

Australien Pavillon, Foto: SK

Australien Pavillon, Foto: SK

Und dann waren da noch – die Pavillons, die irgendwie cool/amüsant/interessant waren, aber irgendwie nicht so recht auf eine Architekturschau passen wollen. Australien etwa zeigt eine Disco-Laser-Licht-Show im Darkroom (ach ja, es gibt auch einen 3D-Film über Bauprojekte). Griechenland baut eine Arche mit allem Saatgut und Serbien einen Holzspielplatz für Erwachsene: Walk the plant! See you on the seesaw! Nicht wirklich architektonisch, aber definitiv der lustigste Pavillon – und genauer besehen auch einer der wenigen Ausstellungsräume, in dem man wirklich von „people meet“ sprechen konnte. Ohne Vermittlung sind diese Ideen jedoch nicht ohne Weiteres zugänglich.

To be continued …




Galerie Kvant, Berlin, presents Thomas Keller and Caroline Bayer

21 10 2010

Swiss photographer Thomas Keller has documented how after 20 years of the reunion of Germany there are still distinctive difference between the two regions – in respect of the built environments and the everyday life. Berlin Galerie Kvant presents his long-time photo series “Where Distances Lives”.

Th. Keller

© Th. Keller

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Thomas Keller – Häuser / Where Distance Lives

29. Oktober 2010 bis 1. Januar 2011

Galerie Kvant, Berlin

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PR-Text: Mit unbestechlichem Blick, der mit großer Einfühlungskraft und Genauigkeit selbst das Kleinste und Geringste wahrnimmt, hat der aus der Schweiz stammende, in Berlin lebende Künstler Thomas Keller in den Jahren 2004 bis 2010 eine fotografische Recherche und Bestandsaufnahme in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vorgenommen. In 129 Aufnahmen zeigt er architektonische Eigenheiten, bauliche Überbleibsel und Landschaftsansichten, also kulturelle Zeugnisse der Gegenwart im Nordosten Deutschlands, dem ehemaligen Agrarzentrum der DDR. Insbesondere sind es Häuser und Gebäudegruppen, die er mit einem Blick “von Außen”, porträtiert hat.

Mit seiner komplexen Serie im Medium digitaler Farbfotografie führt uns Thomas Keller vor Augen, dass auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Zusammenschluss der deutschen Staaten markante Unterschiede zwischen beiden Gebieten bestehen – dies in Hinsicht auf die gebaute Umwelt und Lebenswirklichkeit der Einwohner beider Gebiete.

Betrachtet man Kellers Bilder etwas genauer, so wird erkennbar, dass dies kaum anders sein kann, denn die von den Menschen entwickelten Existenz- und Wohnsituationen unterscheiden sich nicht nur aufgrund regionaler Unterschiede, sondern auch wegen der divergenten Möglichkeiten zu planen, zu bauen und zu arbeiten.

Kaum ein Indikator kann so aussagestark und bildmächtig sein wie die Architektur, die für längere Zeiträume entwickelt wird, als das Allermeiste, das Menschen für sich herstellen und verwenden. Um Vieles deutlicher als im Westen des Landes zeigt sich in seinem Osten, wie verwickelt, verwirrend, sogar überfordernd die Situation nach der Wende für etliche Menschen in den neuen Bundesländern gewesen ist, auch was es bedeutet, etwas Neues zu beginnen ohne das Alte und Eigene ganz aufzugeben, sondern es in die neuen Umstände hinüberzuretten und zu integrieren. In diesem Sinne handeln die Fotografien nicht nur vom Umgang der Bewohner der Beitrittsgebiete mit architektonischen Angeboten – etwa solchen, die ihnen Baumärkte machten – sondern ebenfalls von Brüchen und Umwertungen bei ihrer Identität, bei Traditionen und Kommunikationsformen, die typisch für das improvisierende und auf gegenseitige Hilfe angelegte Leben in der DDR waren.

Die von Keller gemachten Aufnahmen zeigen die Ortschaften, Siedlungen und Situationen menschenleer und wie unbewohnt. Umso deutlicher spricht jedoch die in den Fotos festgehaltene bauliche Realität. Keineswegs ist diese uniform, selbst wenn sie monoton und verschlissen anmutet. Sie ist orts- und situationsgebunden vielgestaltig, meist schmucklos funktional und sich wegen der Materialknappheit behelfend. Und doch ist in diesem Stil der Ärmlichkeit etwas erhalten, das im wohlhabenden Westen kaum noch anzutreffen ist: Im guten Sinne ist dies eine bauliche Einfachheit und Anpassung in die natürliche Umgebung, im schlechten eine Öde und Verlassenheit, die zutiefst melancholisch stimmen kann. Letzteres, die Melancholie, hat diese gesamte Fotoserie ergriffen, sie spricht von einer Zurücknahme und merkwürdigen Selbstbezogenheit der Bewohner der Landstriche, die anscheinend bei jeder Gelegenheit die Jalousien herunterlassen, um sich im Inneren der Häuser zu verbergen. Zugleich scheint auch der Fotograf die Gefühlslage des Melancholischen gesucht zu haben und so ist die Stille, die uns seine Aufnahmen vermitteln, wohl auch seiner eigenen Gestimmtheit zu verdanken. Manches, was man erkennt, muss verstummt sein, als die DDR sich auflöste – so etwa die Betriebsamkeit der agrarindustriellen Ansiedlungen, deren Landarbeiter in Plattenbauten lebten, die wie Fremdkörper aus den Silhouetten kleiner Dörfer ragen. Spätestens mit der Zugehörigkeit zur EU war es mit den volkseigenen Landwirtschaftsbetrieben vorbei, die Facharbeiter Zootechnik und die Hirten wurden arbeitslos. Mit dem neuen West-Supermarkt hatte der kleine Konsum-Laden ausgedient und als Baumärkte auf der grünen Wiese entstanden, machte es keinen Sinn mehr, sich den Gartenzaun auf der Arbeit in eigener Initiative zu schlossern. Doch die Platte im Dorf, der leere Konsum und die Gartenzäune aus Metall sind vieler Orts stehen geblieben. Sie wurden angestrichen, umfunktioniert oder mit neuen Architekturelementen kombiniert und konfrontiert, so dass eine seltsame Mischung entstand, eine Collage aus Altem und Neuem, das sich nicht so richtig vertragen will, ganz ähnlich wie die Deutschen im Westen und Osten.

Die Dinge des Alltags, auch die Architekturen sind geblieben oder sie sind verschwunden. Manche Menschen haben ihre Heimat wegen der Arbeit verlassen, andere begannen Neues oder sie harrten aus, weil sie zu alt sind oder nicht gebraucht wurden. Tatsächlich gibt eine solche Entwicklung der Auflösung und des Verschwindens Anlass zur Melancholie, aber diese kann sich dennoch manchmal angenehm anfühlen, und so gibt es in der Fotoserie auch Aufnahmen, die seltsam berühren, weil sie etwas Altes und Beständiges benennen – besonders geschieht dies in den von Keller festgehaltenen Landschaftsbildern, die Momente einer abhanden gekommenen Ursprünglichkeit bezeichnen, etwas geradezu Naturinniges und Romantisches gespeichert haben, das eher in das 19., nicht ins 21. Jahrhundert zu gehören scheint.

Der Norden und Nordosten Deutschlands war seit dem frühen 19. Jahrhundert Großgrundbesitz, so genanntes Junkerland. Dieses Wirtschaftssystem wurde von der DDR abgeschafft, jedoch überlebten viele seiner Architekturen, die nach der Agrarreform und Kollektivierung der 1940er und 50er Jahre durch neue Bauten ergänzt und überformt wurden. Bereits damals ergaben sich auf dem Land Baucollagen, die bis heute erkennbar sind. Und nun ist dieses Gebiet seit 1989 noch einmal überformt und dekonstruiert worden, so dass etwas Uneinheitliches, Kombiniertes und Fragmentiertes entstanden ist, das sich mit den gerade verwendeten Begriffen sofort als ungewollt modern, ja zeitgemäß zu erkennen gibt.

Thomas Kellers fotografische Langzeitbeobachtung Häuser / Where Distance Lives stellt diesen Wesenszug der beiden bevölkerungsschwachen und eher armen Bundesländer mit seiner dokumentarisch-impressiven Fotografie vor und setzt ihrer Existenz dabei ein persönliches Denkmal, das die Handschrift des Fotografen trägt und seine Wahrnehmung deutlich belegt – sie ist introspektiv, unsentimental, präzise, voller Verständnis.

Text von Peter Funken

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Noch bis zum 23. Oktober sind Arbeiten von Caroline Bayer zu sehen:

C. Bayer

© C. Bayer

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CAROLINE BAYER

NEU.

3. September bis 23. Oktober 2010

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PR-Text: Caroline Bayer durchstreift den urbanen Raum, fotografiert, skizziert und sammelt Architektursequenzen. Diese dokumentierten Fragmente, der uns umgebenden Architektur, werden zu Fundstücken, zum Vokabular des sich materialisierenden Objekts. War es bei den bisherigen Werken von Caroline Bayer die Konzentration der Formen auf das wesentlichen Liniengerüst, so überträgt die Künstlerin in ihrer Ausstellung NEU. ihre Architekturfundstücke als Objekt in den Galerieraum. Das Fundstück ihrer Ortsbesichtigungen wird zur kristallinen Form, zum realisierten Objekt einer Materialsammlung architektonischer Formsprache.

Caroline Bayer (*1973) hat an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht (NL) und an der Kunstakademie in Münster bei Maik und Dirk Löbbert studiert.

Info + illus. courtesy Galerie Kvant





Asmara – Africa’s Secret Capital of Modernism in HDA Graz

9 06 2010

One of the biggest ensembles of modern European architecture can be found in Eritrean capital Asmara. Only Miami South Beach, Tel Aviv and Napier (NZ) have comparable ensembles. The development toward a modern city started only in 1889, when Ethopia was occupied by Italian colonists. Asmara, a city looking back on over 700 years of history, became a military base, in 1900 it was declared capital of the Italian colony Eritrea. With Mussolini’s takeover in 1922 the city became a modern metropolis within few years, until 1941. A touring exhibition presents the intriguing architectural history of Asmara – Africa’s secret capital of Modernism, currently visiting Graz, Austria.

For extensive English information please read on: Asmara Architecture

Asmara - Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne. © Edward Denison 2010

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Asmara – Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne

HDA Graz

10. Juni bis 31. Juli 2010

Photographs: Edward Denison

Architectural models: Wolfgang Knoll (Atelier fuer Architektur + Gestaltung, Stuttgart)

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PR-Text: Mit der Befreiung Eritreas 1991 begann auch die Wiederentdeckung der räumlichen und baulichen Qualitäten der Hauptstadt Asmara als ein eindrucksvolles Beispiel des europäischen Städtebaus des frühen 20. Jahrhunderts. Trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs und des 30-jährigen Befreiungskampfes blieb die Architektur der Moderne fast vollständig erhalten und wurde seit dem Abzug der Italiener 1941 kaum verändert. Dieses Erbe wurde unter kolonialen, faschistischen und rassistischen Bedingungen geschaffen. Trotzdem identifiziert sich die Bevölkerung in hohem Maße damit und strebt der Staat Eritrea die Aufnahme der Architektur ins UNESCO Weltkulturerbe an.

Die Wanderausstellung, die u.a. unter der Schirmherrschaft der UNESCO und der UIA (Union International des Architects) steht, zeigt in Bildern und Modellen herausragende Beispiele moderner Architektur in Asmara unter Miteinbeziehung der historischen Zusammenhänge. Sie soll letztlich ihre Wanderschaft in Asmara beenden.

Kuratoren: Prof. Dr. Omar Akbar, ehemaliger Vorstand und Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau und Naigzy Gebremedhin, ehemaliger Direktor des CARP (Cultural Assets Rehabilitation Project)

Initiator und Leihgeber der Ausstellung: Projektgruppe „4Asmara – Arbate Asmera“ im „Verein zur Förderung von Bildung und Publizistik zu Umwelt und Entwicklung e.V.“

Infos + Abb. HDA Graz

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Cover: Asmara – Africa’s Secret Modernist City, Edward Denison, Guang Yu Ren & Naigzy Gebremedhin, 2003

Die Ausstellung basiert auf dem Buch Asmara – Africa’s Secret Modernist City” von Edward Denison, Guang Yu Ren & Naigzy Gebremedhin (Merrell Publishers, London/New York, 2003). In vier thematischen Einheiten wird nicht nur die Architektur, sondern auch ihr gegenwärtiger sowie ihr historisch-sozialer Kontext beleuchet.

Zum ersten Mal wurde die Schau im Oktober 2006 im Deutschen Architektur Zentrum in Berlin gezeigt, danach folgten Stationen in verschiedenen Städten weltweit. Zuletzt soll die Ausstellung als ständige Ausstellung in Asmara zu sehen sein.

Weitere Infos auf der Webseite Asmara Architecture.

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Food Design oder: Was haben Lebens- mittel und Architektur gemeinsam?

18 05 2010

Essen ist Kulturgut. Seit Jahrtausenden wird es zum Verzehr in bestimmte Formen gebracht. Dass bei der Zubereitung und Präsentation von Nahrungsmitteln auch ein ästhetisches Interesse zugrunde liegt, ist eigentlich nicht überraschend – Kuchen werden verziert, Teller dekoriert, Obstschalen angerichtet. Trotzdem ist es ungewohnt, Lebensmittel selbst als Designobjekte zu betrachten – aber eben dies sind sie: Oder warum gibt es so seltsam geformte Backwaren wie Brezeln und Hörnchen? Wieso gibt es Gummibärchen oder Toblerone-Stangen?

Foods are cultural assets. For thousands of years food has been shaped in order to make it consumable. Little surprising though, that preparation and presentation of edibles have aesthetic interests, too – cakes get decorated, plates garnished, fruit bowls arranged. But still it is uncommon to consider foods as design objects – but they are just that: Why else do we have weirdly shaped pastries such as pretzels or croissants? Why gummibears and toblerones?

In their book “Food Design” the authors (both originally educated as architects) give a summary of how different aspects – haptics, colour, sound, … – influence the preparation of foods. And along the way, they answer the question what food design and architecture have in common (as the German title of this article asks).

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Food Design

von der Funktion zum Genuss

Sonja Stummerer, Martin Hablesreiter

Springer Wien, New York, 2005

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.„In derselben Weise, wie wir Mode, Möbel oder Autos gestalten, um unser ästhetisches Wohlbefinden zu befriedigen, erwarten wir auch von Lebensmitteln, dass sie nicht nur unsere Bäche füllen, sondern auch unsere Sinne betören“ (9), sagen die Autoren von „Food Design“. Ihr Buch ist ein Plädoyer für eine bislang eher unbeachtete Designsparte.

Aber was hat Architektur mit Food Design zu tun? Nicht allzu viel, meint man im ersten Moment. Überraschend viel, stellt man fest, nachdem man einen Blick in das Buch geworfen hat. Denn Food Design bedeutet trotz des neudeutschen Begriffs letztlich nichts anderes, als das Formen und Gestalten von Lebensmitteln im Alltag. Und eben dies tut auch die Baukunst: „Ähnlich wie in der Baukunst, wo Funktion, Zeitgeist und Fertigungstechniken zusammenwirken, hinterließen die entscheidenden Etappen der Menschheitsgeschichte auch in der Küche ihre Spuren“ (13).

Diesen Spuren gehen die Autoren des Buches in acht Kapiteln nach. Woher kommt der ungewöhnliche Brezelknoten? Warum ist die Toblerone pyramidenförmig? Und wie kommt die Wurst ins Brot und der Sandwich auf den Tea-Time-Teller?

In thematischen Kapiteln wie „Knusperspaß und Farbenfreude“ oder „Spannung in Hülle und Fülle’“ wird deutlich, welche enorme Rolle Haptik, Geräusch und Farbe beim Essen spielt – warum g ibt es eigentlich keine violetten Gummibärchen? –, wieso es Knuspriges oder Streichfähiges gibt und wie die Sachertorte dank ihres „Schokopanzers“ ihren Siegeszug um die Welt antreten konnte.

Amüsant und kurzweilig geschrieben nehmen die Autoren ihre Leser mit auf einen Spaziergang durch die Küchen Europas. Leicht und interessant zu lesen garantiert „Food Design“ einige neue Sichtweisen aufs tägliche Brot und bietet dabei ebenso überraschende wie interessante Einblicke gerade auch auf Lebensmittel, die ganz alltäglich erscheinen – seien es die schon erwähnten Brezeln und Gummibärchen oder das Croissant und das Fischstäbchen. Gewürzt werden die Ausführungen mit historischen Anekdoten, die bis in die Antike zurückreichen, und mit Seitenblicken auf die Entstehung echter Küchenklassiker vom Würfelzucker bis zum Tomatenketchup

Garniert mit kreativen Fotografien (fotografiert von Ulrike Köb) von Lebensmitteln macht „Food Design“ auch optisch Spaß. So manche kreative Spielerei verblüfft den Leser, etwa die in Scheiben geschnittene Torte und der in Tortenstücken geteilte Brotlaib – beide rund, beide in Stücke zu zerteilen, um sie essen zu können, nur käme man nie auf die Idee, die Sahnetorte in Schnitten aufzutischen. Warum eigentlich?

Eine Zeitleiste am Ende des Buches listet die nachhaltigsten Erfindungen in der Küche auf – von der Mayonnaise im 18. Jahrundert über die erste Erwähnung der Pasta mit Tomatensauce und der Erfindung des Frankfurter Würstchens (beide 19. Jh.) bis hin zu den essbaren „Ikonen“ des 20. Jahrhunderts: das Eis am Stiel, Nutella, Kinderüberraschung, Coca Cola, …

Entwickelt und geschrieben haben „Food Design“ die Österreicher Martin Hablesreiter und Sonja Stummerer, beide von Haus aus Architekten und eher durch Zufall in die Richtung des Lebensmittel-Gestaltung gekommen. Wie ungewöhnlich und gelungen ihre Arbeit ist, zeigt die öffentliche Aufmerksamkeit für „Food Design“, das schon einiges gewonnen hat. Mittlerweile ist ihrem Erstling „Food Design XL“ (2010) gefolgt, das gerade beim Bewerb des „Le Cordon Bleu World Food Media Awards 2010″ in der Kategorie “Best Food Book” in Adelaide, Australien ausgezeichnet wurde.




Kunst im Stadtumbau Gespräch in der Galerie M im Rahmen der Stadtumbauwoche Berlin

11 10 2009

Das Gespräch im Rahmen der Berliner Stadtumbauwoche soll Fragen zum Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen des Stadtumbauprozesses thematisieren. Ist die Umsetzung ortlos gewordener Kunst an neue Standorte möglich oder hat sie mit dem Verlust des Ortes ihre Funktion verloren? Diese und weitere Fragen zum Thema stehen am 11.10.09 ab 18.00 Uhr in der Galerie M zur Diskussion.

The talk about “Kunst im Stadtumbau” (Art and Urban Reconstruction) thematizes questions on how to deal with art in public spaces during urban reconstruction measurements. Is it possible to move art works created for a certain public space to a new location (when the original location gets changed) or has it lost its value with the loss of the original position?


The discussion takes place at Galerie M, Berlin (11.10.09, 18h), and is part of the “Stadtumbauwoche Berlin 2009″, an event to raise awareness for urban reconstructive developments in the different districts of Berlin.

Stadtumbau_vorn2 Kopie-

Kunst im Stadtumbau, Gespräch

Galerie M

www.galerie-mh.de
www.kunstraum-m.de

18.00-20.00h, 11.10.09

Gäste:
Josephine Günschel , Künstlerin
Thorsten Goldberg, Künstler
Bruno Ebersbach, Architekt
Gabriele Pütz, Landschaftsplanerin
Norbert Lüdtke, Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
NN, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Moderation:

Peter Funken

Foto: Karin Scheel

Fassade von Jim Avignon, Marzahn, Foto: Karin Scheel

Mit dem Bau der Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf entstanden vor 30 Jahren auch die ersten Werke von Kunst im öffentlichen Raum. Sie waren vorwiegend architekturbezogen und schmückten die Eingänge von Kindereinrichtungen, die Räume der ersten Gaststätten oder die Fassaden von Schulgebäuden. Sie waren das Startsignal für ein bis heute einmaliges Kunstprogramm in einem neu geschaffenen Stadtraum. Nach Abzug der Baukombinate legte das Kunstprogramm für die Großsiedlungen einen Zwischenstopp ein. Im Zuge der Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung lebte es in den 1990er Jahren vor allem in Hellersdorf wieder auf. Im Unterschied zu den 1980er Jahren kam nun vielfach das Verfahren des Kunstwettbewerbs für vordefinierte Standorte zum Zuge. Der Beginn des neuen Jahrtausends stand unter dem Vorzeichen des Stadtumbaus und stellte die Kunst im öffentlichen Raum vielfach auf eine harte Probe. Im Zuge von Rückbaumaßnahmen konnten nicht alle Kunstwerke erhalten werden.
Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat von Anfang an die Kunst im öffentlichen Raum als Bestandteil des Stadtumbau-Programms vorgesehen und eine Bestandsaufnahme veranlasst. In deren Folge wurden einzelne Kunstwerke konservatorisch abgenommen, gesichert und in einem Schaudepot „Zwischenablage“ (Riesaer Str. 94) erneut präsentiert und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein deutschlandweit bislang einmaliges Projekt für einen zeitgemäßen Umgang mit Kunstwerken, die ihren Standort verloren haben.
Seit kurzem liegt mit dem Buch „Kunst in der Großsiedlung“ eine umfassende Dokumentation von 462 Gestaltungen vor, die den Stadtraum der Großsiedlung geprägt haben.

Stadtumbauwoche 2009

Mit der Stadtumbauwoche möchte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit den Bezirksverwaltungen, ihren Beauftragten und programmbeteiligten Akteuren die Bürger und Bürgerinnen der Stadt auf die Vielfalt der Stadtumbauaktivitäten sowie beispielhafte und innovative Veränderungen aufmerksam machen, die sich im Kontext des Stadtumbaus in vielen Stadtteilen vollziehen.

Infos + Bilder: Galerie M und Stadtumbau Berlin




Von Amts wegen in Saarbrücken: Photography by Benedikt Steinmetz

7 08 2009

Trotz der Allgegenwart der Politik in den Medien – Stichwort Wahljahr – begegnet der Bürger dem Staat nur in einer virtuell-fiktiven Form. Den konkreten Kontakt mit der Staatsmacht erfährt er über Ämter, Behörden, Verwaltungen, die nicht nur das architektonische Bild der Städte prägen, sondern auch das “Gesicht” des Staats in der öffentlichen Wahrnehmung.

In seiner Arbeit “Von Amts wegen“, die zur Zeit in der Saarbrücker Architektenkammer zu sehen ist, spürt Benedikt Steinmetz dieser Präsenz der Politik in seiner Heimatstadt Saarbrücken nach – durchaus mit einer Prise Humor, wie der Titel verrät.

Even though politics are omnipresent in the media – in Germany it’s election year – citizens encounter state only in a virtual way. Actual contact with state power one has via offices, agencies, administrations which not only coin the architectural “face” of cities, but also influence the “face” of state in the everyday life.

Benedikt Steinmetz focuses this topic in his project “Von Amts wegen“, presently shown in Saarbrücken, Germany. He traces the presence of politics and state in his hometown Saarbrücken – not lacking a certain humour, as the title reveals: “Von Amts wegen” is a German idiom, literally “officially”/”on account of office”, yet often used in a satirical-critical context.

Ordnungsamt © Benedikt Steinmetz

Ordnungsamt © Benedikt Steinmetz

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Von Amts wegen

Benedikt Steinmetz
Fotografien in Schwarz- Weiss

Haus der Architekten, Saarbrücken
30. Juli – 24. August 2009

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Wie präsentiert sich aber der Staat im täglichen Leben? Im Alltag des Bürgers, im Erscheinungsbild seiner Stadt, in seinem Lebensraum? Sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Architektur dem Zufall oder der Funktion geschuldet? Kann die Architektur dem Betrachter etwas über das Selbstverständnis des Staates sagen, der hinter diesen Fassaden waltet?

Ministerium für Umwelt © Benedikt Steinmetz

Ministerium für Umwelt © Benedikt Steinmetz

Diesen Fragen spürt der Fotograf Benedikt Steinmetz (*1961) aus Saarbrücken in seiner Arbeit “Von Amts wegen” nach. Tatsächlich kommt der Bürger, wenn er im täglichen Leben mit “der Politik” zu tun hat – und dies ist im Wahljahr 2009 und der allgegenwart des Themas in den Medien nicht wenig – nicht mit der Fiktion des Staates in Berührung. Kontakt hat man mit der Staatsmacht in Form von Amtsstuben, Behörden oder Verwaltungen, die “Rückseite der Macht”. Sie ist es auch, die umgekehrt das Bild des Staates in den Augen der Bürger bestimmt

In der Ausstellung in der saarländischen Architektenkammer werden Aufnahmen von verschiedenen über die Stadt Saarbrücken verteilten Behörden und Verwaltungen einander gegenübergestellt. Der Betrachter kann Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Fassaden erkunden und  eigenen Antworten auf diese Fragen finden. Zum Konzept gehört auch die Lage des Ausstellungsortes im Haus der Architekten. Durch die Nähe zu den dargestellten Gebäuden schließt die Ausstellung eine Aufforderung an den Betrachter ein, die Sichtweise des Fotografen mit eigenen Augen in der Wirklichkeit zu überprüfen.

Darüber hinaus legt der “Von Amts wegen” nahe, dass sich Steinmetz auch für skurrile und humorvolle Aspekte interessiert. Nicht statische, konventionelle Architekturfotografie ist sein Ziel, sondern der Blick für das Besondere, für überraschende Details sowie dynamische Elemente und scheinbar Zufälliges, das in die Bilder mit aufgenommen wird. In Steinmetz’ Arbeiten treffen Hintersinn und Humor in der Bildgestaltung mit der Strenge der Architektur zusammen.

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Jugendamt © Benedikt Steinmetz

Jugendamt © Benedikt Steinmetz

Benedikt Steinmetz (*1961) befasst sich mit dem urbanen Raum und dem Leben darin als einer Umgebung, in der man sich ständig bewegt, ohne sie – gewöhnlich – selbst mitgestaltet zu haben. Oberflächlich betrachtet erscheint diese gebaute Umwelt sehr verschiedenartig und abwechslungsreich, im Kern jedoch folgt sie immer gleichen Regeln wie dem rechten Winkel, der Mathematik, der Statik…

Neben diese gebaute Umwelt tritt ein unsichtbares, nicht fassbares Umfeld, das das menschliche Zusammenseins regelt: Gesetze, Konventionen, Rollen, soziale Verhaltensregeln, EU-Richtlinien…

“Zwischen den sichtbaren Strukturen unserer Umwelt und den scheinbar unsichtbaren Regeln entwickelt sich unsere Lebendigkeit.

Lebendigkeit im formalen Raum – das Spannungsfeld meiner Arbeiten.” B. Steinmetz

Seit 2005 setzt Steinmetz kontinuierlich fotografische Projekte um.




Gebaute Inseln im Strom der Zeit Stefan Hoenerlohs Stadt-Gemälde | Painted Cities by Stefan Hoenerloh

5 06 2009

Nach einer ganzen Reihe von Fotografen, die sich mit Architektur beschäftigen – die Fotografie scheint das bevorzugte Medium für die Auseinandersetzung mit architektonischen Themen – wieder ein Künstler, der sich malerisch mit Architektur befasst: Stefan Hoenerloh zeigt in seinen Gemälden Stadtansichten, die wie urbane Momentaufnahmen auf einem Spaziergang durch eine Altstadt begegnen könnten und doch rein fiktional sind.

After a number of photographs focusing on architecture – photography appears to be the medium of choice when dealing with architectural topics – finally another painter thematizing architecture: Stefan Hoenerloh paints urban situations as  one could happen to encounter on a stroll through an old European city center – no vedutas, but “snapshot”-like views in  bottom view. Yet was seems so real is actually pure fiction. His painted buildings appear like “built islands in the course of time” (as says the German title of this article)

(Informationen und Abb. von der Website des Künstlers, available in German + English)

 Brooke Alexander Avenue 115 x 182 cm, 1998, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Brooke Alexander Avenue 115 x 182 cm, 1998, Öl auf Polyvinyl/Leinwand

Hoenerloh arbeitet in einer altmeisterlich perfekten Technik und bringt seine Motive vielschichtig lasierend auf den Bildträger. Sein Thema ist die Architektur, genauer: die gebaute Stadt. Zu sehen sind jedoch keine Veduten und Panoramen von Städten, wie sie etwa Canaletto so meisterhaft angefertigt hat, sondern Ausschnitte urbaner Architektur, Momentaufnahmen, wie sie einem auch bei einem Spaziergang durch eine Stadt begegnen: Monumentale Großbauten werden in Ausschnitten gezeigt, meist in Untersicht mit stürzenden Linien, wie man sie vor Ort erlebt.

The Knarz Room, Ten Years Later 2001, Öl auf Polyvinyl/Leinwand, 122x151cm

The Knarz Room, Ten Years Later 2001, Öl auf Polyvinyl/Leinwand, 122×151cm

Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch nicht um reale Bauten, die etwa von einer Fotografie abgemalt oder vor Ort mit dem Pinsel anstelle der Kamera “aufgenommen” wurden. Hoenerlohs Motive sind reine Fiktion. Als typische Stadtarchitektur, wie sie überalle begegnen könnte,  wollen sie die Idee der “alten gebauten Stadt” verkörpern. Denn zu sehen sind “alte” urbane Gebäude, wie sie in den alten Stadtkernen europäischer Städte begegnen.

Allerdings zeigen die Gemälde auch nicht Stilgeschichte: Elemente zwischen Renaissance und Klassizismus und ihren Neo-Formen werden malerisch verbunden, ohne jedoch den diesen zugrundeliegenden Ideen zu entsprechen. Es wird nicht nur verzichtet darauf, Realarchitektur zu porträtieren, sondern auch darauf, reale Stile zu zeigen.

Aus dieser zweifachen Fiktionalität gewinnen Hoenerlohs Arbeiten ihre Ausdruckskraft.

Die Städte und Bauten sind leer, keine Menschen,  keine Tiere oder Pflanzen sind zu sehen. Der Betrachter muss seine Gefühls- und Gedankenwelt aktivieren und in die gemalte Stadt “eintreten”, sich selbst in Beziehung zu den Bauten setzen – man könnte schon einmal dort gewesen sein, könnte schon einmal in einer Stadt einer ähnlichen Situation begegnet sein.

 Winner of the Isabel Rawsthorne Competition: Das Gummipferd 1999, Öl, Acryl auf Polyvinyl/Leinwand, 93x130cm

Winner of the Isabel Rawsthorne Competition: Das Gummipferd 1999, Öl, Acryl auf Polyvinyl/Leinwand, 93x130cm

Aus dieser Spannung zwischen Gewesenem und Möglichem entfalten Hoenerlohs Bilder ihre Anziehungskraft.

(Zitat Gerhard Charles Rump:)

“Und ist man im Vorstellungsraum der Bilder, dann sieht man die Details, die das Erlebnis bereichern. Da gibt es Räume, die kann man nicht bewohnen, auch wenn es zunächst den Anschein hat. Da gibt es große Gebäudeteile, die gar keine Räume besitzen, auch wenn man erst dachte, das sei der Fall. Da gibt es die ausbalancierten Gegensatzpaare, die Treppen die nach oben und unten führen, die Seufzer-Brücken, die verbinden, was unverbunden erscheint.”

Das führt zu einer reichhaltigen, aber auch paradoxen Erfahrung von Architektur durch das Medium der Malerei, denn erst in der Malerei wird deutlich, was Architektur sein kann, und was sie nicht ist. [...] Sie wird so zu einer symbolischen Konkretisation von Welterfahrung.”

Bilder sind in Grau-Tönen gehalten, dunkel, trübe, verwaschen. Die Gebäude haben Patina, deutlich nagt an ihnen der Zahn der Zeit. Dieser Aspekt spielt für Hoenerloh eine wichtige Rolle: Gebäude sind wie Inseln im Zeit-Strom, sie trotzen der Vergänglichkeit und haben eine Geschichte, sind jedoch davon nicht unberührt, sondern zeigen durchaus Zeichen des Verfalls.

Beim näheren Hinsehen zeigt sich in diesen “minutiöse[n] Registraturen des materiellen Verfalls” (Rump), die an den gemalten Gebäudefassaden zu beobachten sind, auch das Malerische der Arbeiten: Hoenerlohs Gemälde sind immer auch als Malerei erkennbar.




Legendäre Architekturmagazine im Reprint: domus und A&A im TaschenVerlag

20 05 2009

Der Taschen-Verlag hat zwei große Architektur-Magazine als Reprints neu verfügbar gemacht:

domus,1928 bis 1999 (Reprint)

12 Bände, originalgetreu reproduzierte Seiten der Zeitschrift mit zahllose Artikel über die Design- und Architekturgeschichte der Moderne.

Die 12 Bände sind separat erhältlich.

Hrsg. von Charlotte und Peter Fiell

Seit mehr als acht Jahrzehnten gilt domus als das einflussreichste Architektur- und Design-Magazin der Welt. Die Zeitschrift, die 1928 vom berühmten Mailänder Architekten Gio Ponti gegründet wurde, gewährt dem Leser einen Einblick in das Wesen eines bestimmten Stils und Zeitalters, von Art Deco, Modernismus und Funktionalismus über Pop und Postmoderne bis hin zur Spätmoderne. In wunderschöner Aufmachung und mit umfassendem Begleitmaterial präsentiert domus die aufregendsten Design- und Architekturprojekte der Welt.  (PR-Text Taschen)

Band I —1928 – 1939
Band II —1940 –1949
Band III —1950 – 1954
Band IV —1955 –1959
Band V —1960 – 1964
Band VI —1965 –1969
Band VII —1970 – 1974
Band VIII —1975 –1979
Band IX —1980 –1984
Band X —1985 – 1989
Band XI —1990 – 1994
Band XII —1995 – 1999


A&A Arts & Architecture 1945 – 1954

Alle Ausgaben als vollständiges Faksimile des legendären Magazins, das ein Stück Zeitgeschichte der modernen amerikanischne Architektur ist – 40 Jahre nach seinem Erscheinen.

hrsg. von David Travers, Redakteur, Herausgeber und Leiter von A&A

Der vorliegende erste Teil der Edition umfasst zehn Schuber, die je einen kompletten Jahrgang von A&A aus den Jahren 1945–54 enthalten, angefangen mit Entenzas Ausschreibung des Case Study House Program im Jahr 1945.

Während andere noch am Dienstboteneingang der Moderne warteten, stieß John Entenza vorne die Haustür weit auf. Der charismatische Herausgeber von Arts & Architecture und Initiator des Case Study House Program war maßgeblich daran beteiligt, die amerikanische Architektur und das moderne amerikanische Design weltweit bekannt zu machen. Doch A&A berichtete in den Jahrzehnten nach dem 2.Weltkrieg nicht nur geistreich, frisch und spannend über Architektur, sondern auch über Kunst, Musik und Politik. Dank John Entenza, der das Magazin über zwei Jahrzehnte leitete, wurde aus diesem ehrgeizigen Projekt ein Magazin, das völlig neue Maßstäbe setzte. A&A präsentierte die größten Architekten seiner Zeit, darunter Neutra, Schindler, Saarinen, Ellwood, Lautner, Eames und Koenig. Hier wurden zwei der heute international erfolgreichsten Architekten, Frank Gehry und Richard Meier, zum ersten Mal vorgestellt. Mitwirkende am Magazin waren u. a. die Fotografen Julius Shulman und Ezra Stoller, die Autoren Esther McCoy und Peter Yates und die Cover-Designer Herbert Matter und Alvin Lustig. (PR-Text Taschen)

118 vollständig nachgedruckte Ausgaben, 6.076 Seiten

Zusätzlich Begleitheft mit einem Essay des früheren A&A-Herausgebers David Travers , Gesamtindex und alle Inhaltsverzeichnissen der Jahre 1945–54.

Nach Arts & Architecture 1945–54 wird bei TASCHEN bald auch ein zweites Set mit den vollständigen Ausgaben der Jahre 1955–67 erscheinen.

Mehr: Arts & Architecture Magazine





Daniel Libeskind: Erweiterung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Dresden

1 04 2009

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, das Kontinuitäten und Brüche des Verhältnisses von Militär und Gesellschaft in Deutschland vom Mittelalter bis heute thematisiert, wird architektonisch und inhaltlich neugestaltet (mehr hier). Libeskinds Konzept sieht eine Keilspitze vor, die aus dem Haupttrakt der Anlage hervorragt: In der Form eines Keils hatten die britischen Bomberverbände im Februar 1945 die Altstadt Dresdens angeflogen. Die Keilspitze zeigt auf den Ort, an dem die ersten Bomben abgeworfen wurden.

Die Keilform nimmt nicht nur symbolisch Bezug auf die Bombardierung, sondern verweist auch auf die neue Konzeption der Ausstellung: Die chronologische Schau soll unter- und aufgebrochen werden durch den modernen Keil, der spezielle, epochenübergreifende Themen beinhalten soll. Ein Zitat aus der offiziellen Projektbeschreibung Libeskinds folgt unten.

Fertiggestellt soll das Militärhistorische Museum so aussehen:

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Die Keilspitze wurde im September 2008 montiert (die Fertigstellung ist für 2010 geplant, statt wie ursprünglich 2008). Aktuell sieht es so aus (Stand Mitte März 2009):

© Fotos SK (ja, das Wetter war nicht ideal!)

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Die Stahlkonstruktion ist 30m hoch und ragt bis zu 20m heraus; sie besteht aus ca. 140t Stahl, wurde aus zwei Seiten zusammengesetzt und steht auf 6 Bohrpfählen mit je 13 m Länge.

Die Verkleidung durch gelochte Aluminiumpaneelen folgt.

Der Umbau soll bis 2010 fertiggestellt werden, 2013 soll eröffnet werden (laut Angaben auf der Seite des Architekten).

Zur Projektbeschreibung heißt es auf der offiziellen Website Libeskinds:

Daniel Libeskind designed the new extension by cutting a wedge through the structural order of the arsenal, giving the museum a place for reflection about organized violence. This wedge creats an objective view to the continuity of military conflicts and opens up vistas to central anthropological questioning.

The new extension gives a fundamental re-orientation to the existing building. It opens up the view to the historical center of Dresden. The wedge soars above the roof of the existing building, creating an image of modernization to the outside world and offering the opportunity to experience the opening to the city.

The new façade is being conceived against the background of the existing building, in response and contrast to it. The openness and transparency of the new façade stands against the opacity and solidity of the old façade. As one represents the severity of the authoritarian past in which it was built, the other reflects the openness of a democratic society and the changed role of its military. In the new elevation of the Museum both are visible at the same time and one through the other. This correlation corresponds to the juxtaposition of new and old in the building’s interior; the rigid column grid of the old Arsenal is contrasted with a new column of free space.  The interplay of both together forms the character of the new Military History Museum.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden




Interview Sven Hamann

3 02 2009

Was passiert, wenn ein Architekt Kunst macht?

Ein weiterer Architekt und Künstler, der sich mit dem Verbindung von Architektur und Kunst beschäftigt, ist Sven Hamann, den ich vor Kurzem vorgestellt habe. Ich freue mich sehr, ihn und seine Arbeit im folgenden Email-Interview näher präsentieren zu können.

(Abbildungen © Sven Hamann)

o.T. - #095_16080_08, Mischtechnik auf Leinwand 2008, 160/80 cm

Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?

Um das zu beantworten muss man noch einen Schritt zurückgehen und sagen, warum ich Architektur studiert habe. Mein Wunsch, kreativ zu arbeiten, stand von Anfang an im Vordergrund – in welcher Ausprägung das sein sollte, war mir zu Studienbeginn selbst nicht ganz klar. Entsprechend war ich mir unsicher bei der Wahl des Studiengangs. Doch schnell merkte ich, dass mich das Thema Architektur fesselte – daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich habe also mein Diplom gemacht und begann nach einer Phase mit Wettbewerben (auch im Bereich der Kunst) als angestellter Architekt zu arbeiten. Dabei merkte ich aber sehr schnell, dass der Berufsalltag wenig Spielraum für Kreativität in meinem Sinne zuließ und meinem Wunsch, eigene Ideen zu verwirklichen, durch gesetzliche Vorschriften und Bauherren starke Schranken gesetzt wurden. Da mein damaliger Arbeitgeber selbst auch erfolgreicher Künstler war, hatte ich einen guten Einblick in die Praxis eines Künstlers. Das war der Anfang.

Wer war dieser Arbeitgeber?

Das war der mittlerweile verstorbene Prof.Klaus Neuper, ein bekannter Maler.

Wie ging es nach dieser ersten Begegnung mit der Praxis eines Künstlers weiter? Hast du eine Zeit lang als Architekt und Künstler parallel gearbeitet oder schnell den Sprung ins kalte Wasser gewagt und nur als Künstler gearbeitet?

Was die Architektur angeht, gab es dann einen harten Schnitt. Als Architekt zu arbeiten und das gleiche Thema künstlerisch umzusetzen war für mich ein Widerspruch. Natürlich konnte ich nicht von meiner Kunst leben, sodass es noch andere Einkommensquellen gab.

Seit 2002 bist du freischaffender Künstler, nachdem du davor ein paar Jahre als Architekt gearbeitet hast. Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur deine Kunst, etwa bei der Arbeitsweise und/oder bei der Themenwahl?

o.T. - #092_6080_08, Mischtechnik auf Leinwand 2008, 60/80 cm

Sven Hamann: o.T. - #092_6080_08, Mischtechnik auf Leinwand 2008, 60/80 cm

Als ich den Beruf des Architekten ausgeübt habe, wurde mir bei vielen Projekten bewusst, wie wenig sich Bauherrn mit dem Thema und der Theorie der Architektur auseinandersetzen. Entsprechend schwierig waren für mich die Bauvorhaben, da ich es mit den mir vorhandenen Mitteln nicht schaffte, für das Thema Architektur zu sensibilisieren. Ganz anders in der Kunst – hier kann ich mich unabhängig von äußeren Anforderungen auf einen Aspekt konzentrieren und diesen ausarbeiten.

Du möchtest für das Thema Architektur zu sensibilisieren: Welche Ziele verfolgst du mit deinen Arbeiten?

Ich möchte die Menschen für das Thema der Architektur begeistern und sensibilisieren und den Blick des Betrachters für Architektur schärfen.

Warum ist es nötig und wichtig, den Blick für Architektur zu schärfen?

Welche Bedeutung hat Architektur für uns?

F08_060R - Fotografie 2008, 75/50 cm, Auflage 3+1

Sven Hamann: F08_060R - Fotografie 2008, 75/50 cm, Auflage 3+1

Wir sind in unserer Zivilisation permanent mit Architektur umgeben, verbringen einen Großteil unseres Lebens darin – allein dadurch ergibt sich schon der zwingende Bedarf, sich der Thematik zu stellen. So wie wir uns beispielweise mit dem Thema Mode beschäftigen, das uns unmittelbar auf der Haut betrifft, wünsche ich mir eine Auseinandersetzung mit der räumlichen Hülle, die uns als Menschen umgibt. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass das Thema Architektur bereits in der Schule stärker eingebracht werden müsste. Vielleicht könnte man so auch eine intensivere Auseinandersetzung erreichen, was mein Anliegen wäre – ich möchte keine Meinung vorgeben nach dem Motto: Das ist gut und dies ist schlecht – sondern animieren, sich auseinanderzusetzen und ein eigenes Urteil zubilden.

Ein interessanter Gedanke, Architektur schon in der Schule stärker einzubringen. Ich möchte gern später darauf zurückkommen.

Zunächst aber zurück zu deinen Arbeiten. Mittlerweile bist du seit 6 Jahren freischaffender Künstler und arbeitest sowohl mit Fotografie als auch mit Malerei. Warum diese beiden Medien Fotografie und Malerei?

F07_021 - Fotografie 2007, 40/30 cm, Auflage 5+1

Sven Hamann: F07_021 - Fotografie 2007, 40/30 cm, Auflage 5+1

Es gibt Aspekte, die kann ich besser mit der Fotografie transportieren, andere mit der Malerei. Mein Anfang in der Fotografie war auch in meiner Studienzeit – ich glaube, es gibt kaum einen Architekturstudenten ohne Kamera. Hier stand der dokumentarische Aspekt im Vordergrund. Schnell merkte ich aber, dass natürlich die Art der Perspektive entscheidend ist, wie und was der Betrachter wahrnimmt. In der klassischen Architekturfotografie wird meist mit Perspektive gearbeitet, um die räumliche Situation festzuhalten. Mir geht es aber in meiner Fotografieserie, die mittlerweile auf fast 70 Arbeiten angewachsen ist, um die Fassade. Die von mir gewählte Perspektive, die eigentlich gar keine Perspektive ist, sondern ein frontales zweidimensionales Abbild der Fassade, erzwingt eine Beschäftigung mit der Fassade, da der Blick nicht der Perspektive zum Fluchtpunkt folgen kann, da es keinen Fluchtpunkt gibt. Also ein Spiel mit der Wahrnehmung des Betrachters, um gewohnte Seh-Muster aufzubrechen.

Ein Verfremden der gewohnten Seh- und Sichtweisen?

Ich glaube, Verfremden ist nicht der richtige Begriff – es ist eher ein Zwingen zu einer anderen, direkten Sichtweise. Auch der Sichtweise des Architekten beim Prozess der klassischen Fassadengestaltung.

Auf die Fassaden komme ich gleich zurück.

Die Fotografien haben keine Titel, nur einen Nummerncode. Warum?

Die Fotografien sind eine umfangreiche Serie, die in den letzten Jahren seit 2006 entstanden sind. So wichtig mir jede einzelne Fotografie, jede einzelne Fassade ist, so wichtig ist mir letztendlich die Gesamtheit, die Serie. Dabei ist ein ganz wichtiger Aspekt das Lösen der Architektur aus ihrem baulichen Kontext – sprich, das Extrahieren aus der Umgebung der gezeigten Architektur. Nur dadurch ist ein ortsunabhängiger Blick und ein Vergleichen möglich. Es gibt zum Beispiel die typischen Plattenbaufassaden in Ostdeutschland. Genau den gleichen Typus findet man aber auch in fast jeder westdeutschen Stadt, nur nicht so gehäuft.

Deswegen lässt auch der Code, der den Titel ersetzt, einen Schluss auf den Ort nicht zu.

Wie und warum kam dann die Malerei dazu?

Wie entsteht ein Gemälde? Wird es inspiriert von den Fotografien?

o.T. - #091_8060_08, Mischtechnik auf Leinwand 2008, 80/60 cm

Sven Hamann: o.T. - #091_8060_08, Mischtechnik auf Leinwand 2008, 80/60 cm

Die Malerei war von Anfang an ein Medium, das ich nutzen wollte, da es mir andere Möglichkeiten bietet als die Fotografie. Die erste Phase war geprägt durch viel Probieren, mit welcher Technik ich meine Ideen am besten transportieren konnte.

Ich werde oft gefragt, ob ich meine Fotografien in der Malerei „umsetze”. Es ist jedoch kein Kopieren in das Medium der Malerei, sondern eine abstrahierte Inspiration, die auch formale Gründe hat.

Nämlich welche?

Proportionen, Material, Farbe, Geometrie.

Kommen wir zurück zu den Fassaden, die in deiner Arbeit eine wichtige Rolle spielen.

In gewisser Weise werden deine Gemälde „gebaut”, nämlich geschichtet und durch typische „Baumaterialien” geformt (Lehm, Sand, Zement). Hat dieser Gedanke eine Rolle gespielt bei der Entscheidung, mit diesen Materialien zu arbeiten?

Andeutungen - #041_LW_2430_1006, Mischtechnik auf Leinwand 2006. 24/30 cm

Sven Hamann: "Andeutungen" - #041_LW_2430_1006, Mischtechnik auf Leinwand 2006. 24/30 cm

Ich habe schon im Studium viel gezeichnet und auch skulptural gearbeitet – es kam dann die Phase, in der ich viel probiert habe. Es fing an mit Wandobjekten aus Stahl, wobei mich hier der Prozess des Rostens (Thema ästhetischer Reiz des Vergänglichen) interessierte. Es folgte eine Phase mit Objekten aus Beton, bis ich schließlich bei meiner momentanen Technik gelandet bin, mit der ich sehr gut das Thema der Fassade und dem „Dahinter” transportieren kann. Dabei war es für mich immer sehr wichtig tatsächlich auch mit Materialien zu arbeiten, die einen starken Bezug zur realen Architektur haben.

Das „Dahinter” der Fassade – wie meinst du das? Den Raum hinter der Fassade oder das Material, aus dem die Fassade aufgebaut ist?

Das rein Bautechnische – wie ist tatsächlich eine Fassade aufgebaut – spielt eine untergeordnete Rolle. Allerdings kann ich hier durch die Materialität und durch das haptische Moment meiner Arbeiten auch dafür sensibilisieren.

Mein Fokus liegt in der Malerei jedoch auf dem Individuellen, was hinter der gebauten Fassade liegt: Das, was sich uns in Ausschnitten durch die Fassadenöffnungen zeigt. Es sind zwar „nur” Ausschnitte und kleine Einblicke, die uns aber sehr viel sagen über das, was sich dahinter befindet – und damit meine ich nicht (nur) das Materielle, sondern den Menschen und letztendlich unsere Gesellschaft, denn Architektur ist die Hülle unserer Gesellschaft.

Arbeitest du – neben Fotografie und Malerei - auch mit anderen Medien?

Ich werde im Februar am Kunstpreis Langwasser in Nürnberg teilnehmen – das Thema: „Urbane Welten”. Dabei werde ich die gesamte Serie der Fotografien als Projektion zeigen. Die Projektion hat für mich zwei Vorteile: Zum einen natürlich die Größe und damit die Präsenz im Raum, zum anderen ergibt sich hier ein ganz neuer Aspekt – nämlich die Interaktion zwischen Betrachter und Projektion in dem Sinne, dass sich je nach Standpunkt des Betrachters sein Schatten auf der Fassade zeigt. Dadurch stellt sich der Rezipient auch eher die Frage: Was hat die Architektur eigentlich mit mir zu tun? Wie beeinflusse ich Architektur?

Das ist der Anfang von raumbezogenen Arbeiten, an denen ich momentan arbeite. Es gibt noch andere Ansätze und Ideen, es wäre aber verfrüht, über diese im aktuellen Stadium zu sprechen.

Wer und/oder was beeinflusst deine Arbeit? Gibt es bestimmte wichtige Vorbilder?

Meine Technik in der Malerei habe ich zum ersten Mal bei Prof. Klaus Neuper gesehen, bei dem ich ja nach meinem Studium als Architekt und Assistent gearbeitet habe. Auch andere bekannte Künstler haben einen sehr „materialistischen” Malstil wie zum Beispiel der Italiener Giorgio Celiberti oder Antoni Tàpies. Das sind aber reine Vorbilder zur Technik. Beim Thema und der Formensprache habe ich keine konkreten Vorbilder. Wichtig für mich sind meine europaweiten architektonischen Fotografiereisen, die Grundlage meiner künstlerischen Arbeit sind. Durch das Fotografieren und den darauf folgenden Prozess habe ich eine extrem intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Architektur. Das fängt an bei der Motivwahl, dem Ausschnitt, der passenden Tages- und Jahreszeit, geht weiter über die Belichtungsmessung, die Auswahl der Dias, das Scannen und die ganz wichtige Bearbeitung der digitalen Daten am Computer.

Eine letzte Frage: Was ist deiner Meinung nach charakteristisch für deine Arbeiten?

Die geradlinige Auseinandersetzung mit dem Thema Architektur.