Dokumentation über die Bauwut am Golf, ZDF aspekte 9.1.09
11 01 2009Die ZDF-Sendung “aspekte” hat am 9.1.09 einen interessanten Bericht über die aktuellen Entwicklungen in den arabischen Ländern gebracht: In der Golfregion wachsen die Hochhäuser, Luxushotels und künstlichen Inseln in Schwindel erregendem Tempo. Aber auch in die Kultur investieren die Emire, gründen milliardenschwere Stiftungen und neue Museen. Nur – welche Kultur wird es denn sein? Dieser Frage geht “aspekte” nach und hat sich dafür auf eine Reise in die boomenden Wüstenstaaten begeben.
Ein wichtiger Bestandteil des Beitrags war – natürlich – das Thema Architektur und Bauboom am Golf:
Sandkasten-Exzesse. Mega-Bauprojekte in Dubai
“Jeder vierte Baukran weltweit ist in Dubai im Einsatz. Der Hafen ist der größte der Welt, derzeit entsteht das höchste Gebäude der Welt in Dubai. Mit anderen Worten: Auf Wüstensand entsteht die Stadt der Superlative. Sie hat keine Zeit zu wachsen, sie explodiert – das Öl wird knapp, die neuen Märkte heißen Business, Tourismus und rücksichtslose Stadtvermarktung ohne erkennbaren Masterplan.” Christina Haberlik
Viele der auffälligsten Bauprojekte werden vorgestellt und kommentiert, etwa die Zaha Hadids Oper von Dubai oder Jeoh Min Peis Museum of Islamic Art (MIA) in Doha/Qatar.
Doha's skyline seen from the south side of Doha Bay, with the Museum of Islamic Art in the foreground.
Interessant ist auch ein Interview mit Rem Koolhaas, der schon seit mehreren Jahren das Geschehen am Golf kritisch studiert – aber durchaus selbst dort baut:
“Seit einigen Jahren schon studiert Rem Koolhaas, Pritzker-Preisträger und kritischer Geist unter den Star-Architekten, den Bauwahn am Golf: “Ich glaube, der Begriff ‘Wahnsinn’ trifft nicht nur für Dubai zu, sondern für das gesamte ökonomische System und zwar in dem Maße, wie sich die westliche Zivilisation in den letzten 20 Jahren dem Wachstum verschrieben hat”, so Koolhaas. “Und das ist für mich der eigentliche Wahnsinn, daher kommen diese Auswüchse, die wir hier sehen – ob sie nun hier stattfinden oder in unseren eigenen Ländern. Glücklicherweise könnte die Finanzkrise dazu führen, dass sich die Bauwut automatisch verringert – und das wird der Moment sein, sich wieder auf Inhalte zu besinnen statt den Exzess weiterzutreiben.”
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Mittendrin die kleine “Waterfront-City” – wer sie baut und geplant hat, überrascht dann doch: Es ist Rem Koolhaas. Er ist zwar ein kritischer Kopf – aber nicht gefeit gegen die Faszination, neue architektonische Welten miterschaffen zu können. Koolhaas verteidigt das: “Es geht hier nicht darum, Allmachtsphantasien zu entwickeln. Worauf wir in diesem speziellen Fall sehr stolz sind, ist, dass wir die Möglichkeit hatten, eine Stadt zu konzipieren, die alle traditionellen Elemente einer Stadt aufweist – sie hat eine Infrastruktur. Wir sind heutzutage ständig mit Projekten konfrontiert, die am Reißbrett entstanden sind, so dass es nahezu dämlich wäre, nicht ebenso zu arbeiten. Und was wir hier tun ist, tatsächlich eine fundierte, wohlüberlegte Enklave inmitten all dieses Wildwuchses zu schaffen.” “ Christina Haberlik
Daneben stellt die Dokumentation auch die Künstlerszene Dubais vor – rappende Emiratis, Gegenwartskünstler und eine durchsetzungsfähige Filmproduzentin -, die Luxusexzesse und ihre Auswüchse mit Prachtmalls, Luxusyachten – alles ist da: das höchste Gebäude, das größte Einkaufszentrum, der beste Vergnügungspark -, führt einige aufschlussreiche Interviews, etwa mit Michael Schindhelm und der Tochter des Emirs von Qatar, Sheikha Al Mayassa und führt sowohl die Errungenschaften als auch die Schattenseiten der Entwicklungen am Golf vor Augen.
Kategorien : Architecture
Schlagworte : Abu Dhabi, aspekte, Bauboom, Doha, Dubai, Golf, I. M. Pei, MIA, Michael Schindhelm, Museum of Islamic Art, Qatar, Rem Koolhaas, Zaha Hadid, ZDF







