From Berlin to Hamburg: Pawlok’s Moving Cities and Gütschow’s Interiors

23 02 2010

Nach Berlin jetzt Hamburg: Werner Pawlok (*1953), einer der großen Namen in der deutschen Fotografieszene, zeigt zerfließenden, formverlorenen Visionen von Stadtansichten von, wie könnte es anders sein, New York. Beate Gütschow hingegen inszeniert Innenräume und spielt mit unseren Sehgewohnheiten aus der Produktfotografie – hier sind es keine idealisierten Produkte, die arrangiert werden, sondern alltägliche und gebrauchte Gegenstände, die plötzlich fremd und “idealisiert” erscheinen.

From Berlin to Hamburg: Werner Pawlok (*1953), one of the big names of German photography, presents moving, form-less visions of cityscapes of – whereelse coudl it be – New York. Beate Gütschow however “stages” interiors (“I” = Innenraum/Interior) and challenges our viewing habits, trained by product photography -  she doesn’t present idealized products, but everyday and used objects, giving them a foreign and “idealized” appeareance.

"Tunnel II" (2000/2009), Pigment Print on Enhanced Paper, 70x100 cm, Edition 7 ©Werner Pawlok

Werner Pawlok, Tunnel II (2000/2009), Pigment Print on Enhanced Paper, 70x100 cm, Edition 7 ©Werner Pawlok

.

WERNER PAWLOK “Moving Cities”
19. Februar – 22. April 2010
G3 Gallery GmbH
Hamburg

.

.

.

Aus dem PR-Text: “Sie wirken wie Gemälde, diese zerfließenden, formverlorenen Visionen von Stadtansichten, und das sollen sie auch. Ihren Ursprung haben die “Moving Cities” in realen Momentaufnahmen, die durch die Bearbeitung eine Essenz des Urbanen herausfiltern – persönliche Eindrücke einer sich in ständiger Bewegung befindenden, modernen Metropolis.

[...]

‘Ich fotografiere, weil ich als Maler an meine Grenzen gestoßen bin’, sagt Werner Pawlok und hat doch mit seinen künstlerischen Fotoarbeiten längst die Grenze zur Malerei durchstoßen. Bei den “Moving Cities”, deren Grundlage ein Schnappschuss ist, werden die Pixel zu opaken Farbfeldern, die Bewegung zur schemenhaften Ahnung des Lebendigen: “Der Moment lebt weiter, er ist in eine neue Dimension eingetreten.” Und so sind die “Moving Cities”, die in der G3 Gallery ihre erste Einzelpräsentation erleben, “schnörkellose Augenblicke” einer Stadt, die New York ist, aber die auch stellvertretend für jedes dynamisch-urbane Gefüge unserer Gegenwart stehen können – Signifikanten für die Idee von Stadt.”

"Tunnel II" (2000/2009), Pigment Print on Enhanced Paper, 70x100 cm, Edition 7 ©Werner Pawlok

Werner Pawlok, Tunnel II (2000/2009), Pigment Print on Enhanced Paper, 70x100 cm, Edition 7 ©Werner Pawlok

Infos + Abb. G3 Gallery, Werner Pawlok

********************************

I#1 2009 Light box 91 x 66 cm Courtesy: Produzentengalerie, Hamburg; Beate Gütschow, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Beate Gütschow, I#1, 2009, Light box 91 x 66 cm, Courtesy: Produzentengalerie, Hamburg; Beate Gütschow, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

.

.

Beate Gütschow:   I

30. Januar – 13. März 2010

Produzentengalerie Hamburg

.

.

.

Aus dem PR-Text: “In ihrer aktuellen Ausstellung bei der Produzentengalerie Hamburg zeigt Beate Gütschow ihre neue Serie “I”. Dabei handelt es sich um Fotografien von Innenräumen (“I” steht für Innenraum oder Interior), deren Aufnahmen in Leuchtkästen präsentiert werden.

[...]

Beate Gütschow baut die Innenräume in ihrem Studio auf und fotografiert sie ab. Dabei nutzt sie fotografische Techniken, die aus der Produktfotografie stammen: Die Künstlerin ordnet die Gegenstände sorgfältig an, arbeitet die Oberflächenbeschaffenheit eines Objektes mit gebündeltem Seitenlicht heraus, nutzt Spiegelungen und setzt bewusst Lichtreflexionen ein. Der Raum wird in manchen Bildern sorgfältig ausgeleuchtet, in anderen blendet der dunkle, fast monochrome Hintergrund alle störenden Details aus. Das Zusammenfügen einzelner Fragmente, die Montage, findet also, anders als bei den früheren Werkgruppen, vor der Kamera statt.

I#2 2009 Light box 91 x 66 cm Courtesy: Produzentengalerie, Hamburg; Beate Gütschow, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Beate Gütschow, I#2, 2009, Light box 91 x 66 cm, Courtesy: Produzentengalerie, Hamburg; Beate Gütschow, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Bei ihren neuen Arbeiten geht es Beate Gütschow um die Bedeutung, die den Dingen durch ihre Handhabung im Bild zuteil wird: Sie sind merkwürdig ins Licht gerückt und werden durch die Inszenierung Träger von disparaten Assoziationen, die man – für sich genommen betrachtet – nicht auf den ersten Blick mit ihnen in Verbindung bringen würde. Die Inszenierung selbst ist in einigen Bildern deutlich sichtbar: So entpuppt sich ein schwarzer Hintergrund als eine gemalte Fläche, oberhalb derer ein Stück nackte weisse (Studio-)Wand zu sehen ist. Ebenso werden mit einem bestimmten Lebensgefühl und Zeitgeist ehemals in Verbindung stehende Gegenstände, die eben noch als Design-Ikonen und Identifikationsobjekte einer ganzen Generation galten, plötzlich als profane Gegenstände sichtbar.

Während in der Food-Photography oft Attrappen von Lebensmitteln statt echtem Essen fotografiert werden, die die vermeintlichen Speisen auf dem Foto noch realistischer aussehen lassen sollen als das tatsächliche Vorbild der verzehrbaren Ware, verhält es sich mit den Arbeiten von Beate Gütschow genau andersherum: Das, was authentisch ist, (und übrigens auch Gebrauchsspuren aufweist), wird so sehr fotografisch präpariert, dass es nun merkwürdig künstlich wirkt. (Text: Friederike Schönhuth)”

Infos + Abb. Produzentengalerie HH, Beate Gütschow




Autumn Exhibits in Germany: Deimel + Wittmar in Mülheim, Ara Güler in Stuttgart and Beate Gütschow in Dresden

13 10 2009

Nach der Sommerpause bietet der Herbst wieder eine Fülle spannender Ausstellung in ganz Deutschland. Die interessantesten stellt deconarch in diesen Tagen nach und nach vor. Und dass es nicht immer Berlin sein muss, zeigt diese Auswahl – in Mülheim werden Arbeiten von Deimel + Wittmar gezeigt, in Stuttgart sind Fotografien des bedeutenden türkischen Fotografen Ara Güler zu sehen und in Dresden ist Beate Gütschow zu Gast.

After the summer break there’s a lot to discover in autumn. Many exciting exhibitions are presented in and outside Germany. deconarch presents the most interesting ones within the next days, step by step. And it’s not always necessary to travel to the “art capital” Berlin – in Mülheim works by Deimel + Wittmar are shown, in Stuttgart photographs by the famous Turkish photographer Ara Güler, and Dresden hosts Beate Gütschow.

Hoechst Frankfurt

Deimel + Wittmar, Hoechst Frankfurt, C-print Diasec gerahmt, 100 x 70 cm © Deimel + Wittmar

.

Deimel + Wittmar

Hubertus v. Amelunxen
Jenseits der zwanziger Jahre – Diesseits der Fotografie

12. September bis 16. Oktober 2009

Galerie Ricarda Fox, Mühlheim

.

.

PR-Text: Deimel + Wittmar haben Architekturen der zwanziger Jahre gesichtet, haben Blicke zu Fotografien gemacht, ohne dass sie anderen als den eigenen Ansprüchen zu folgen hatten. Freie Bilder, Fotografien, die dem eigenen Verlangen entspringen können, Entsprechungen zu schaffen, die nicht der funktionalen, sondern der geistigen Bestimmung gelten. Sie haben seit 1996 Gebäude besucht, die zumindest architekturhistorisch am Rande liegen, weniger für den architektonischen »Aufbruch« als für eine eklektizistische Kontinuität stehen.

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm © Deimel + Wittmar

Was sie mit ihren Fotografien anbieten, ist eine Art erneuten Lesens der Bauten, wie ein Buch, das, nach vielen Jahren aus dem Regal genommen, wiedergelesen und nun erst geschrieben wird. Und eben dies vermag ja die Fotografie, mit jedem Schritt auf einem bekannten Weg Unerkanntes und nicht Gesehenes zu heben, Dinge oder Geschehen nicht zu dokumentieren, aber sie in die Zeit anderer Blicke zu stellen. Die Fotografien bieten Einblick in den strukturellen Umfang der Architekturen wie auch in die Distanz, die sich zu ihm offenbart. Es ist eine doppelte Distanz zur Architektur, in die uns Deimel + Wittmar mit ihren Arbeiten stellen. Jeden in der Aufnahme historisierenden Gestus vermeidend, werden sie dem Medium Fotografie gerecht und verhindern den Eindruck einer historischen Kontinuität in der bewussten Fragmentierung. In jedem Bild lassen sie die Architektur anders überleben, mit jedem Bild legen sie offen, was nicht zu sehen ist. Sie haben sich im Sinne Walter Benjamins fotografisch an die Arbeit der Übersetzung gemacht, Gänge durch die Arkaden der Architektur unternommen, um in formaler wie konzeptioneller Strenge uns ein Angebot der Teilhabe zu unterbreiten.

(Gekürzte Fassung des Textes “Jenseits der zwanziger Jahre – diesseits der Fotografie” in: Ulrich Deimel/Petra Wittmar, “Jene zwanziger Jahre”, Ostfildern: Verlag Hatje Cantz 2003)

Info + Abb. Galerie Ricarda Fox, Deimel + Wittmar

.

.


Ara Güler © Magnum Photos

Ara Güler © Magnum Photos

.

Ara Güler Das Auge Istanbuls

30. September – 22. November 2009

vhs-photogalerie
Stuttgart

.

Der große türkische Fotograf Ara Güler (*1928) porträtiert seine Heimatstadt Istanbul; dabei liegt sein Fokus häufig auf kleinen Details, dem einfachen Leben und Kindern. Er arbeitet meist mit einer Leica in Schwarzweiß.

“Wenn ich die Hagia Sophia fotografiere, ist für mich am wichtigsten der Mensch, der an ihr vorbeiläuft.” A. Güler

Güler wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet: 1961 bezeichnete ihn das “Photography Annual” als einen der sieben besten Fotografen weltweit, 1962 wurde er zum “Master der Leica” gekürt, 1968 wurde er vom Museum of Modern Art, New York zu den “Zehn Meistern der Farbfotografie” gewählt. In seiner Karriere als Fotojournalist arbeitete er für große internationale Zeitschriften wie TimeLife, Paris Match oder Der Stern. Ara Güler ist Mitglied der Agentur Magnum Photos.

Eine Auswahl seiner Aufnahmen von Istanbul ist bis Ende November in der VHS Photogalerie Stuttgart zu sehen.

Infos + Abb. VHS Photogalerie Stuttgart

.

.

Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-Bildkunst

Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm © VG-Bildkunst

.

.

Beate Gütschow place(ments)

10. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

.

.

.

skd_guetschow3Beate Gütschow LS#7, 1999 LightJet print 164 x 116cm © VG-Bildkunst

Beate Gütschow (*1970) erringt zunehmend mehr Aufmerksamkeit für ihre Arbeiten, die auf den ersten Blick wie technisch perfekte Landschaftspanoramen, erscheinen, tatsächlich aber das Ergebnis eines aufwendigen Puzzles aus Fragmenten der Realität sind.

Aus dem PR-Text: Als Ausgangsmaterial verwendet die Künstlerin analoge Fotografien, die sie digitalisiert und archiviert. Am Computer setzt sie bis zu hundert Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammen.

Die vorgenommene Manipulation blendet die Realität weder aus noch versucht sie, sie zu überbieten; stattdessen konstruiert sie – aus den Fragmenten des Gegenwärtigen – Erkenntnisräume des Vergangenen (Landschaft) oder Aufzeichnungen des Zukünftigen (Stadt).

Beate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-BildkunstBeate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm © VG-Bildkunst

Der komplexe Entstehungsprozess von Gütschows Arbeiten ist stets mitzudenken, hinterfragt die Künstlerin doch durch ihn die Authentizität fotografischer Reproduktionen. Mit den Mitteln der Fotografie bearbeitet sie ideale Projektionen von Natur und Architektur in der Kunstgeschichte, die bereits zu kollektiven Wahrnehmungsmustern und zur Bildkonvention geworden sind. Schon die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts von Claude Lorrain, Nicolas Poussin oder Jacob van Ruisdael bediente eine Fiktion: Die ideale Landschaft wurde nach einem festgelegten Kompostitionschema im Atelier konstruiert. Im Gegensatz zu den arkadischen Landschaften herrscht in Gütschows schwarz-weißen Stadtbilder eine pessimistische Stimmung: Die großformatigen Fotos zeigen unwirtlichliche Gegenden mit heruntergekommenen Gebäuden, modernistische Fragmente fügen sich zusammen zu einer negativen Utopie.

In Dresden wird zum ersten Mal  Gütschows neue Serie I (Innenräume) gezeigt. Zum ersten Mal in Deutschland sind außerdem neue Arbeiten aus der Serie S (Stadtlandschaften) zu sehen. Außerdem werden auch Arbeiten aus LS (Landschaft) präsentiert, mit denen die Fotografin bekannt wurde. Insgesamt werden 40, teils großformatige, Arbeiten ausgestellt.

Webseite Beate Gütschow

Infos + Abb. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Beate Gütschow, alle Bilder Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck




Beate Gütschow: Ganz woanders Architektur- und Landschaftsfotos

17 02 2008

Beate Gütschow ist eine deutsche Fotografin, die mir in der Februar-Ausgabe (2008) von Monopol aufgefallen ist, da sie in ihren Arbeiten sowohl Architekturen als auch vollkommen „Architektur-freie“ Landschaften inszeniert.

S_2

Beate Gütschow,"S2" (Courtesy Louise and Eric Franck collection, London. © B. Gütschow / VG Bild-Kunst Bonn 2007)

Meine Bilder sind fotografische Konstruktionen. Keine dieser Landschaften und keine dieser Städte gibt es wirklich. Meine Bilder entstehen am Computer und sind oft aus mehr als 100 verschiedenen Einzelaufnahmen zusammengesetzt.“

Gütschow inszeniert Naturaufnahmen ebenso wie Stadtansichten auf sehr großen Formaten (bis zu 105 x 380 cm). Ihre Naturbilder erinnern an die heroischen französischen Landschaften des 17./18. Jahrhunderts oder die romantische Landschaftsmalerei in England, so monumental und perfekt erscheinen sie. Und doch – auf den zweiten Blick stimmt etwas nicht, die Inszenierung ist zu „ideal“.

Die schwarzweißen Architekturlandschaften wirken gerade entgegengesetzt: triste, ausweglose Betonwüsten. Jedes Anzeichen von Identifikation fehlt. Die Aufnahmen lassen sich keiner konkreten Stadt zuordnen, könnten überall und nirgends zugleich sein.

Aber auch hier ist das Ganze einen Tick zu “perfekt” – zu negativ, zu trostlos, zu verloren. Zugleich entwickeln die Fotografien aber auch etwas auf seltsame Weise Anziehendes, Geheimnisvolles, Beeindruckendes.

Mehr Infos + Bilder gibt es hier und hier. Und natürlich auf der Website der Fotografin.

In Berlin, Haus am Waldsee, findet aktuell eine Ausstellung von Beate Gütschow statt (25.1.-24.3.2008).

LS_7

Beate Gütschow, “LS #7″ (Courtesy Louise and Eric Franck collection, London. © Beate Gütschow / VG Bild-Kunst Bonn 2007)

Beate Gütschow is a young German photographer who grabbed my attention in the February edition of Monopol (German art magazine) as her works stage both architectures and “architecture-free” landscapes.

“My pictures are photographil constructions. None of these cities and landscapes is for real. My pictures are generated with the computer and sometimes, they are composed of more than 100 single pieces.”

Gütschow stages nature views as well as cityscapes in a huge format (up to 105 x 380 cm). Her nature pictures, so monumental and perfect, resemble heroic French landscapes of 17th / 18th century or romantic landscape painting in England. But still – on the second glance, there’s something wrong, the staging is too “ideal”.
The black and white architecture-scapes seem just opposite: dull, hopeless concrete jungles, lacking every sign of identity. The photographs cannot be allocated to a particular city, they could be everywhere and nowhere at once.

But here, too, everything seems a little too “perfect” – too negative, too dull, too lost. Yet, at the same time the photopragphs develop something weirdly attracting, something mysterious and impressive.

More info and pictures here and here. And on the photographer’s website, of course.

An exhibition of Beate Gütschow can currently be seen in Berlin, Haus am Waldsee (25.1.-24.3.2008).

PS: The German title “ganz woanders” means “somewhere totally else”.