Götz Diergarten in Bremen, Stephen Shore und die Becher-Schule in Düsseldorf, Jan Banning in Iserlohn

10 09 2010

In Bremen, photographer Götz Diergarten’s first solo show in a museum is held, presenting his researches on everyday architectures. Shot according to strict conceptual outlines, his photographs show a nearly abstract compositional quality.
The NRW-Forum Düsseldorf poses a spectacular question: Did Stephen Shore inspire the well-known Becher School? The exhibition presents an extensive overview of the beginnings of the Düsseldorf photo school.
Finally, Jan Bannings “Bureaucratics” can now be seen in Iserlohn.

Götz Diergarten, o.T. (Lancing), Diptychon – links, 2003 © Götz Diergarten 2010

Götz Diergarten, o.T. (Lancing), Diptychon – links, 2003 © Götz Diergarten 2010

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Götz Diergarten – Photographs

21. August – 31. Oktober 2010

Weserburg | Museum für Moderne Kunst, Bremen

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Aus dem PR-Text: Götz Diergarten (*1972 in Mannheim) lenkt und sensibilisiert mit seinen Fotografien unseren Blick auf das Gewohnte unserer Umgebung. In seinen typologischen Serien untersucht er das Erscheinungsbild alltäglicher Architekturen: deutsche Fassaden, belgische Strandkabinen, britische Badearchitektur und europäische Untergrundbahnen. Die vordergründige Banalität von Putz- und Klinkerimitat, Fenstern, Garagentoren und einfachen Baukörpern verwandelt sich bei ihm in ihrer fotografischen Reihung zu einer Typologie der Alltagskultur.

Götz Diergarten, o.T. (London – Highbury & Islington), 2007 © Götz Diergarten 2010

Götz Diergarten, o.T. (London – Highbury & Islington), 2007 © Götz Diergarten 2010

Seine Werke sind geprägt vom klaren, dokumentarischen Stil der berühmten Becher Schule. Häuserfassaden, Strandhütten sowie U-Bahntunnel werden nach strengen bildnerischen Vorgaben aufgenommen: frontale Ansicht, diffuses Licht und enger Ausschnitt – lediglich der Typus variiert. [...]

Was Diergartens Originalität ausmacht, ist vor allem die konzeptuelle Verbindung von Typologie und Farbe. Seine selbstverständliche Praxis der Farbfotografie geht auch auf die US-amerikanische Tradition seit den 1970er-Jahren zurück, beispielsweise auf die beiläufigen Alltagserkundungen William Egglestons und Stephen Shores. Wer sich auf Diergartens Werke einlässt, sieht in ihnen keine banalen Fassaden oder Häuser mehr, sondern abstrakte Kompositionen, die in einer fein abgestuften Farbigkeit eine nahezu malerische Qualität gewinnen. Seine Fotografien setzen auf einen bewusst langsamen Wahrnehmungsvorgang und stehen damit ganz im Gegensatz zur grellbunten Bilderflut, die uns mit immer größerer Geschwindigkeit trifft. So kann man Götz Diergarten auch als Bewahrer einer großen fotografischen Tradition sehen.

Illus. (c) Götz Diergarten

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Stephen Shore Church Street and Second Street, Easton, Pennsylvania, June 20, 1974 © Stephen Shore, Courtesy 303 Gallery New York

Stephen Shore Church Street and Second Street, Easton, Pennsylvania, June 20, 1974 © Stephen Shore, Courtesy 303 Gallery New York

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Der Rote Bulli

Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie

11. September 2010 – 16. Januar 2011

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf

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PR-Text: Stephen Shore als der US-amerikanische Inspirator der berühmten deutschen Becher-Klasse?

Mit dieser spektakulären These untersucht die Ausstellung “Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie” des NRW-Forum Düsseldorf erstmals ein bedeutendes Kapitel der jüngeren Fotogeschichte: Den transatlantischen Einfluß auf die Fotografie der 1970er und 80er Jahre. Ihr Kern markiert eine Künstlerfreundschaft, die im Jahre 1973 in New York ihren Anfang nimmt. In der US-Metropole lernt der 26jährige Stephen Shore die Düsseldorfer Fotografin Hilla Becher kennen, deren typologische Bilddokumentation von Wassertürmen, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd Becher erstellt hat, im Vorjahr in der renommierten Galerie von Ileana Sonnabend gezeigt wurde. Zwei Jahre danach werden Stephen Shore (als einziger Farbfotograf) und das Ehepaar Becher (als einzige europäische Position) in der legendären Gruppenausstellung New Topographics präsentiert. So erkundet die Ausstellung die Frage, wie die von Bernd Becher geleitete Fotoklasse an der Düsseldorfer Kunstakademie, deren erste Generation später Weltruhm erlangt, sich von US-amerikanischen Sujets und Bildkonzepten der 1970/80er Jahre inspirieren ließ. In Konfrontation mit dem fotografischen Werk von Stephen Shore werden die transatlantischen Einflüsse auf die Becherklasse kaleidoskopartig präsentiert. Die Ausstellung zeigt umfassend in frühen Arbeiten die Entstehung der Neuen Düsseldorfer Fotografie.

Teilnehmende Künstler:

Stephen Shore, Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Miles Coolidge, Martin Rosswog, Thomas Ruff, Candida Höfer, Claus Goedicke, Simone Nieweg, Stefan Schneider, Kris Scholz, Wendelin Bottländer, Elger Esser, Andreas Gursky, Boris Becker, Bernhard Fuchs, Laurenz Berges, Andi Brenner, Volker Döhne, Claudia Fährenkemper, Matthias Koch

Illus.: courtesy NRW-Forum Kultur und Wirtschaft

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© Jan Banning. Yemen, 2008

© Jan Banning. Yemen, 2008

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Jan Banning Bureaucratics

10. September – 24. Oktober 2010

Städtische Galerie Iserlohn

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Mehr Info

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Island in Progress: Mallorca changing photographed by Marc Räder

13 11 2009

Der Deutschen liebstes Urlaubsziel ist und bleibt Mallorca. Die Insel, liebevoll “Malle” genannt, hat nicht nur, was das Party-Macher-(Massentouri-)Herz begehrt, sondern auch eine überwältigende landschaftliche Schönheit. Nicht erst seit Wetten dass…? regelmäßig eine Sommersendung dort aufzeichnet, ist die Insel so was wie der südlichste Ausläufer Deutschlands geworden, so hat es zumindest manchmal den Anschein. Ob Dieter B. oder Boris B., eine mallorquinische Finca gehört zum guten Ton (auch wenn der Umbau nicht immer ganz problemlos verläuft…).

Ein solcher “Touri-Run” (übrigens nicht ausschließlich durch die Deutschen, so viel sei fairerweise angemerkt) hinterlässt jedoch seine Spuren und verändert das Gesicht der Insel nachhaltig. Der Fotograf Marc Räder hat über vier Jahre hinweg die Veränderungen durch den Tourismus dokumentiert und dafür eine besondere Bildersprache entwickelt.

Spanish island Mallorca is (one of) the most popular touristic locations for Germans. Infamous as party hotspot (for mass tourism), but also renowned for its beautiful landscape, Mallorca – in German party slang also called “Malle” – the island remains a touristic “in” site. Yet such touristic fervor leaves marks, the island’s “face” is changing constantly. The German photographer Marc Räder has documented these changes, especially apparent in architectural developments, for 4 years, using a particularly caputring picture language: playing with photographic blur, the images appear to show “toy” landscapes, landscapes that are “played with”.


Dam Gorg Blau, 2001 c-print, aludibond, plexi, framed 75 x 93 cm, ed 6 108 x 138 cm, ed. 4

Marc Räder, Dam Gorg Blau, 2001 c-print, aludibond, plexi, framed 75 x 93 cm, ed 6 108 x 138 cm, ed. 4 © M. Räder

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Marc Räder

Mallorca – Island in Progress

14. November 2009 – 9. Januar 2010

TZR Galerie Kai Brückner, Düsseldorf

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Marc Räder dokumentierte die Veränderungen der deutschen Lieblingsurslaubsinsel durch den Tourismus von 1998 bis 2001. Besonders deutlich zum Ausdruck kommt diese in der Architektur, in Hotels, Siedlungen, Golfclubs, aber auch Wirtschaftswege durch abgelegene Schluchten. Die Veränderungen haben einen intensiven Wandel von Landschaft und Orten der spanischen Insel zu Folge.

Busstop, 2000 c-print, aludibond, plexi, framed 45 x 55 cm, ed. 8

Marc Räder, Busstop, 2000 c-print, aludibond, plexi, framed 45 x 55 cm, ed. 8 © M. Räder

Aus dem PR-Text: Um der fortschreitenden Kultivierung der urtümlichen Natur und Lebensweisen Mallorcas Ausdruck zu verleihen, lassen [Räders] Bilder den Eindruck einer Spielzeug-Landschaft entstehen. [...] Strandbar, Pool oder Schlucht, von oben gesehen, wirken wie Miniaturen und versetzen den Betrachter in die Position eines Beobachters. Ein Schwimmbad in unmittelbarer Nähe zum Meer, Sonnenschirme in Reih und Glied und der verwahrloste Rohbau einer zum Verkauf stehenden Mini-Finka offenbaren sich als absurde Inszenierung eines Tourismus, bei dem die Reisenden schönste Landstriche aufsuchen, um eben dort, in Abgrenzung zur lokalen Natur und Kultur, dem Pauschaltourismus als Selbstzweck zu frönen.

Räders Kommentar zur typisch mallorkinischen Urlaubskultur findet seinen nuancierten Ausdruck mittels einer besonderen Schärfe/Unschärfe-Regie, die der Künstler ebenfalls in den Arbeiten der Gruppe ‘Scanscape’ erstmals in der Kunst erprobte.

Bilder der Serie Scanscape sind bereits in der Sammlung MoMA New York, sein Folgeprojekt Mallorca – Island in Progress wurde 2007 als Buch im Nazraeli Verlag veröffentlicht (besprochen in der FAZ vom 14. Februar 2008).

Informationen + Abb. TRZ Galerie und Marc Räder