islands+ghettos: Caracas + Caracas Urban Think Tank

17 05 2008

Caracas, die Hauptstadt von Venezuela, ist eine der globalen Megacities mit mehr als 5 Mio. Einwohnern, die in den letzten Jahren über einen relativ kurzen Zeitraum hinweg gewachsen sind. Typisch für Caracas wie für zahlreiche andere südamerikanische Städte ist die extreme Zersplitterung in Stadtviertel, in denen Arm und Reich tatsächlich „Wand an Wand“ leben.

Sao Paulo, Foto Tuca Vieira – ist tatsächlich KEINE Collage…

Caracas lieg in einem länglichen Tal. Dadurch entsteht die ungewöhnliche Situation, dass das moderne Zentrum und die wohlhabenden Viertel drumherum „unten“ liegen, während „oben“ an den Berghängen Barackenviertel wuchern, die Barrios.

(Google Earth)

Caracas ist eine Ölstadt und eines der Wirtschaftszentren Südamerikas. Erdöl macht etwa die Hälfte der Staatserlöse aus. Die Folgen dieser wirtschaflichen Entwicklung lasen sich im Stadtbild ablesen. Durch die Konzentration der Wirtschaft auf diese Stadt kommen immer mehr Landbewohner in die Stadt – da sie in der Regel nicht in der Lage sind, die offiziellen Wohnungspreise zu zahlen, siedeln sie sich in den Barrios an.

Diese Barrios – wörtliche Bedeutung ist eigentlich nur „Stadtviertel“ wachsen illegal, ungeplant, von öffentlicher städtischer Seite ungewollt. Jeder baut, wie er will, und mit dem Material, das er findet.Bezeichnend ist, dass die Barrios nicht in öffiziellen Stadtplänen verzeichnet sind.

Es gab und gibt keine urbanistischen Planungskonzept. In den Barrios gibt es oft keine Wasser- und Stromversorgung, nur unzureichende Infrastruktur, schlechte Straßen, keine Müllabfuhr, aber auch keine Schulen, Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr. Die Kriminalität nimmt zu – noch vor dreißig Jahren war Caracas quasi frei von Gewalt, heute steht es an dritter Stelle in der Kriminalitätsstatistik Südamerikas (nach Medellín und São Paulo) .

Die Mittel- und Oberschichten ziehen sich in ihre Viertel zurück, engagieren private Wachdienste, verbarrikadieren sich. Öffentliches Leben gibt es meist nur noch in den jeweiligen Siedlungen. Oft sind ganze Straßenzüge abgeriegelt und bewacht. Caracas zersplittert zunehmend in Stadtteile. Das ehemals öffentliche städtische Leben weicht in der Megastadt einem zunehmend privat organisierten. Eine Situation, die sich derzeit durch die politische Lage noch verschlimmert: Die Stadtviertel zerfallen zunehmend in die Chavez-treuen Barrios und die Chavez-feindlichen wohlhabenderen Viertel.

Mehr dazu hier und vor allem hier, außerdem ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht.

Dennoch ist auch in Caracas die Situation nicht so eindeutig, wie es zunächst scheint. So paradox es klingen mag, sind die Barrios doch auch mehr als nur Slums. Sie sind Stadtviertel mit einer je eigenen Lebensweise, mit Musik, Kultur, sozialem Zusammenleben.

Damit befasst sich auch der Caracas Urban Think Tank (von hier stammen auch die Fotos).

Caracas ist übrigens auch Thema eines ambitionierten Ausstellungsprojekts des Heidelberger Kunstvereins “Islands + Ghettos“, über das ich für art info berichte.




Islands + Ghettos, Kunstverein Heidelberg

15 05 2008

Ein ambitioniertes Ausstellungsprojekt, über das ich in der nächsten art info berichte, zeigt zur Zeit der Heidelberger Kunstverein:

Das Projekt thematisiert aktuelle Phänomene in der Stadtentwicklung weltweit. Dabei dreht es sich um die Tendenzen zur Ghettoisierung und Inselbildung in den Megacities, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Schwerpunkte der Ausstellung bilden Dubai und Caracas, zwei Städte, in denen sich die genannten Entwicklungen in einer Extremform beobachten lassen (auf beide Städte werde ich noch einmal in eigenen Beiträgen eingehen).

Im Rahmen des Projektes haben sich verschiedene Künstler – nationale wie internationale, bekannte wie noch wenig bekannte – mit Dubai und Caracas sowie mit anderen urbanen Agglomerationen, wo ähnliche Phänomene zu beobachten sind, beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden ab Juni 2008 im Heidelberger Kunstverein zu sehen sein.

Das Ausstellungsprojekt in in 5 Phasen angelegt:

click click | PROJEKTRAUM | 29.02.-18.05.2008
click click | VORTRAGSREIHE | 23.04.-02.07.2008
click click | AUSSTELLUNG | 06.06.-31.08.2008
click click | SYMPOSIUM | 07.06., 16.07., 17.07.2008
click click | KATALOG | ERSCHEINT AM 01.07.2008

Das Projekt ist groß angelegt – das größte, das der Heidelberger Kunstverein seit langem veranstaltet – und arbeitet nicht nur mit dem Mannheimer Kunstverein, dem Ernst-Bloch-Zentrum LU und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zusammen, sondern hat als Recherchepartner auch die American University of Sharjah und den Caracas Urban Think Tank gewonnen.

Wichtige Vertreter dieser Institutionen werden im Rahmen der Vortragsreihe (Phase II) Vorträge zum Thema halten.

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Weitere Informationen finden sich auch im Interview, das ich mit dem Leiter des Kunstvereins, Johan Holten, geführt habe und das ebenfalls in der nächsten art info veröffentlicht wird.