“Architektur muss brennen.” _ New TASCHEN book: Coop Himmelb(l)au’s complete works

22 09 2010

A new TASCHEN book is honouring the complete works of Austrian architects of Coop Himmelb(l)au:

(for Engl. information please click here)

Screenshot aus dem TASCHEN-Buch Coop Himmelb(l)au

ISBN: 978-3-8365-1788-1
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
Verfügbarkeit: September 2010

PR-Text: “Coop Himmelb(l)au ist keine Farbe, sondern die Idee, Architektur mit Phantasie leicht und veränderbar wie Wolken zu machen.” So beschreiben die Architekten selbst den Namen und das Konzept ihrer Gruppierung. In den 1960er-Jahren mit pneumatischen Kugeln und interaktiven Installationen beginnend, schuf die aus den Architekten Wolf D. Prix, Helmut Swiczinsky und Michael Holzer bestehende Gruppe nach der Leitlinie “Architektur muss brennen” schroffe Interventionen im urbanen Kontext. Ihre Gebäude ähneln überdimensionierten Schallkörpern mit tanzenden Silhouetten und kollabierenden Linien voller Dynamik und Echos. Als eine von nur wenigen Gruppen jener frühen Tage gehört Coop Himmelb(l)au heute dank seiner herausragenden Ausdruckskraft und Professionalität zu den international führenden Architekturbüros.

Herausgeber und Architekt erarbeiteten gemeinsam diese umfassende Werkschau, die mit ihren unzähligen, sorgfältig gewählten Skizzen, Modellfotos und technischen Zeichnungen neben visueller Opulenz auch einen Blick in die Planungswerkstatt von den Anfängen 1968 bis zu den aktuellen Großprojekten bietet.

Zu den bekanntesten Projekten von Coop Himmelb(l)au zählen: Dachausbau Falkestraße, Wien (1988); Groninger Museum: Ostpavillon, Groningen, Niederlande (1994); UFA Kinopalast (Kino), Dresden (1998); BMW Welt, München (2007); Akron Art Museum, Ohio, USA (2007) sowie Central Los Angeles Area High School #9 of Visual and Performing Arts in Los Angeles, USA (2008). Unter den jüngsten von Coop Himmelb(l)au auf der ganzen Welt verfolgten Projekten sind zu erwähnen: Musée des Confluences in Lyon, Frankreich; House of Music in Aalborg, Dänemark; Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main und Dalian International Conference Center in China.

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Dresden: UFA Cineplex von Coop Himmelb(l)au

28 04 2009

Noch ein weiterer Bau von einem dekonstruktivistischen Architektenteam ist in Dresden zu finden: Das UFA Multiplexkino von Coop Himmelb(l)au, der erste komplette Neubau, den das österreichische Architektenduo fertiggestellt hat (1998). Wie so viele Himmelb(l)aus Bauten ein sehr umstrittenes Projekt.

((Die folgenden recht ausführlichen Erläuterungen sind auch Teil meiner Arbeit (hier natürlich in stark gekürzter Form). Sollten jemand genauere Belege interessieren, bitte Bescheid geben.

Meine Kommentare in grün.))

© Fotos SK

Das Äußere…

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Blick auf "Kristall" und Betonblock

Der Kinokomplex ist aus zwei Teilen gebildet, dem Kinoblock aus Beton, in dem acht Vorführsäle untergebracht sind, und dem Kristall-Foyer. Typisch für die Coop ist der geschlossene Saalblock jedoch kein simpler Container, der die acht Kinor-Raumboxen zusammenfasst, sondern eine spitz zulaufende, vorkragende Beton-„Skulptur”, der auf einer Seite ein Gitter vorgespannt ist und die von einer öffentlichen Passage unterquert wird.

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Blicke auf die Umgebung

Das Foyer ist in einer Glas-Stahl-Konstruktion untergebracht, die wie ein unbearbeitetes Kristall-Stück schräg aus dem Boden ragt. Das Ensemble, das sich von jeder Seite anders präsentiert, wirkt an seinem prominenten Standort zwischen Dresdner Altstadt und Hauptbahnhof und umgeben von DDR-typischen Platten-Hochausscheiben der 1960er Jahre fremd und exotisch.

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Blick durch die Glasscheiben ins Innere (Spiegelung des gegenüberliegenden Rundkinos)

Innen…

Im Innern des Foyers befinden sich Treppenanlagen, zwei geknickte Aufzugstürme aus Sichtbeton, eine herabhängende, pyramidenförmige Projektionsfläche, die den Raumfluss unterteilt, sowie die “Skybar”, eine kegelförmige Seilnetzkonstruktion, in der eine Bar untergebracht ist – einer der frühesten Einsätze der Doppelkegels, der in späteren Entwürfen eine wichtige Rolle spielt. Der Raum wird bestimmt von sichtbaren Streben, Stützen und Zugstangen, von Abhängungen und Verankerungen. Die komplizierte Gestaltung wurde erst dank der computerunterstützten Entwurfspraktiken realisierbar. Die Vielzahl von sich überschneidenden und durchdringenden Raumsequenzen bietet den Besuchern des Foyers ein komplexes, aber auch verwirrendes, weil nicht mehr zentralperspektivisch erfassbares Raumerlebnis.

Da wir offenbar zu äußerst ungünstigen Zeiten vorbeischauten (später Abend, Nachmittags?), konnte ich den Kinokomplex allerdings nicht von innen begutachten.

Fließende Räume…

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Das Fließende der Räume – für die Architekten eines der wichtigsten Interessen in diesem Entwurf – beschränkt sich nicht nur auf die zirkulierende Wegeführung im Inneren des Baus, sondern entfaltet sich auch in den Stadtraum hinaus. Vom Innern des gläsernen Foyers aus sind nicht nur die Bewegungen der Menschen auf den verschiedenen Ebenen des Baus, sondern auch draußen zu beobachten. Das Foyer will keine schlichte Eingangshalle zu den Kinos sein, sondern ein Durchgangsort, der neuen Stadtraum schafft.

Ob das allerdings so erfolgreich umgesetzt wird, wie es die Konzeption vorsieht – ich habe nach meinem Besuch vor Ort Zweifel.

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Blick von "hinten" auf den Betonblock

Zugleich dringt der Stadtraum im wahrsten Sinne durch den Einsatz von rauen, unbehandelten Materialien wie Beton, Aluminiumbleche und -gitter, die als typische Stadtmaterialien gelten, in das Gebäude ein. Zudem wird der erleuchtete Glas-”Kristall” nachts in den Stadtraum projiziert. Auf diese Weise treten Stadt und Gebäude miteinander in Dialog, so die Architekten, die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen und es wird ein neuer, überdachter “flüssiger” Stadtraum geschaffen: “definiert, aber nicht abgeschlossen”.[2]

Diese Erfahrung lässt sich vor Ort schon eher bestätigen, auch wenn die Beleuchtung eher weniger kristallin war (was aber nicht dem Entwurf anzukreiden ist).

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Ein Kino als öffentlicher Raum? Coop Himmelb(l)aus Ziele…

Der Kinobau will mehr als ein monofunktionales Filmvorführhaus sein; vielmehr stand die Beschäftigung mit dem eigentlichen Zweck „Kino” bei der Entwicklung des Entwurfs im Hintergrund. Wichtiger war die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, für die die Coop die beschriebenen Lösungen gefunden hat.

Damit reagieren sie nicht nur auf die besondere Lage des Kinozentrums, sondern auch auf die urbanen Probleme der Stadt: durch Nachverdichtung sollte „Dresdens Zentrum urbane Dichte und Qualität zurück[ge]geben” werden.[3] Die Coop sah die Situation bedroht durch die häufig üblichen Verkäufe von öffentlichen Raum an private Bauunternehmen, und setzten ihren Entwurf entgegen: Durch das Verweben von urbanen Räumen, öffentlichen Innenräumen und Durchgangswegen sollte die Monofunktionaliät aufgehoben und das neue Zentrum Dresdens verdichtet werden.

Der UFA-Komplex wurde nicht nur als Kino, sondern vor allem auch als öffentlicher Raum gebaut – “kein Innenraum, sondern ein Außenraum, der zufällig abgedeckt ist”.[4]

Die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, die Coop Himmelb(l)au von Anfang an beschäftigt und schon hinter den aktionistischen Projekten ihrer ersten Jahre stand, wird in Dresden erstmals in einem Bauprojekt thematisiert und umgesetzt. Dieser Punkt macht den Kinosolitär jedoch auch angreifbar: Kritiker bezeichnen den Bau als „unstädtisch”, weil er zuviel formale Willkür zeige und daher als Stadtbaustein wenig geeignet sei.

Kommentar…

Gerade zu letzterer Kritik gilt aber – für meinen Geschmack: alles halb so wild. Zum einen ist der Coop’sche Bau gar nicht so groß, wie er auf Illustrationen oft wirkt, und ist daher nicht so überdominant, wie es die Kritiken beschwören wollen.

Zum anderen ist die Lage tatsächlich sehr ungünstig für einen einladend gestalteten öffentlichen Platz: sie hat etwas von einem Reststück zwischen Straße und Wohnblock”riegel” zur Pragerstraße hin (auf den Abbildungen stellenweise im Hintergrund zu sehen. Zu diesem Wohnblock habe ich allerdings keine Informationen). Das extravagante Kino macht das Beste aus dieser ungünstigen Stelle, die sonst mehr eine “Hinterhof/Parkplatz”-Atmosphäre hätte, und verleiht ihr einen eigenen Charakter.  (Mehr hier).

Fundierter ist dagegen die Kritik, dass es stadtplanerisch unklug sei, einen Kinokomplex an einer Stelle zu konzentrieren – dies trifft erfahrungsgemäß und nicht nur für Dresden mit Sicherheit zu.

Zu einem weiteren Vorwurf, dass Ausführung des Baus eher mangelhaft sei (die Gestaltung des Innenraums sei für Nutzer unübersichtlich und erschwere die Orientierung, die Schallisolierung der Wänden zwischen den einzelnen Sälen unzureichend) kann ich nicht beurteilen. Einzuräumen ist jedoch auch, dass das gebaute UFA-Kino nur eine „Spar-Variante” des ursprünglichen Entwurfes gewesen ist, so die Architekten (DNN vom 12.01.05).


[1] Projektbeschreibung auf www.coophimmelblau.at.

[2] Prix, Wolf D., Architektur am Ende des 20. Jahrhunderts. Vortrag von Wolf D. Prix im Rathaus Wien. 1998, in: Prix, Wolf D., Coop Himmelblau: Get off of my cloud. Texte 1968 – 2005, hrsg. von Martina Kandeler-Fritsch und Thomas Kramer, Ostfildern-Ruit 2005,S. 202.

[3] Werner, Covering + Exposing. Die Architektur von Coop Himmelb(l)aus, Basel, Berlin, Boston, 2000, S. 53.

[4] Prix, Architektur am Ende, 2005, S. 202




Dresden…

28 03 2009

© Fotos SK


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Nachdem ich Mitte März endlich den langgeplanten Besuch in Dresden geschafft habe, steht das (nicht nur architektonische) Urteil aus: beeindruckend! In 2 Tagen haben wir zwar nur die Altstadt, aber dies dafür sehr intensiv :-). Die Aufbauleistung der Dresdner ist enorm – vom konservatorisch-restauratorischen Standpunkt aus mag es zwar nicht unstrittig sein, zerstörte Bauten historisierend wieder aufzubauen (erinnert sei an das Berliner Stadtschloss-Debakel), es ist in Dresden jedoch sehr gelungen.

dresden-3dresden-2Paradebeispiel ist natürlich die wiederaufgebaute und 2005 eingeweihte Frauenkirche; der Einsatz von alten und neuen Steinen, der die Fassade “gescheckt” erscheinen lässt, erreicht die beabsichtigte Wirkung des Mahnmals bestens.

Tatsächlich gibt es neben Zwinger, Frauenkirche, Semperoper, … auch eine ganze Reihe moderner Gebäude zu entdecken, etwa in der Prager Straße. Auch 20 Jahre nach der Wende herrscht noch rege Bautätigkeit.

Besonders interessiert haben mich (natürlich) zwei Bauten von “dekonstruktivistischen” Architekten: das UFA Kino von Coop Himmelb(l)au, das erste realisierte Gesamtgebäude der Österreicher, und der Ausbau des Militärhistorischen Museums durch Daniel Libeskind. Zu beiden folgen eigene Beiträge.

Entdeckt habe ich auch die Architekturgalerie hausFORM, die Informationen, eine Mediathek, Vorträge und Events zum Thema sowie Ausstellungen von Modellen und Entwürfen präsentiert.

Zwar hat das Wetter nicht ganz mitgespielt – und war eher Foto-unfreundlich – dennoch ein paar Foto-Impressionen:

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Und noch ein abschließender Tipp – die Kunsthofpassage. Hier wurde in den 1990er Jahren ein heruntergekommener Hinterhöfe-Komplex in der Dresdner Neustadt revitalisiert und neu gestaltet. Herausgekommen sind sechs von Künstlern kreativ und thematisch individuell gestaltete Höfe, wie man sie sonst nirgends findet: Im “Hof der Elemente” gibt es etwa ein “Regenrinnenglockenspiel”, während im “Hof der Tiere” Tierfiguren aus Sandstein die Fassaden bevölkern und Holzstämme und Flechtwerk die Balkone gestalten. Innen finden sich alternative Lädchen und Restaurants.

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Und zum Abschluss noch eine kulinarische Empfehlung:

dresden-maru Durch Zufall entdeckt in der Dresdner Neustadt – das traditionelle koreanische RestaurantMaru. Gerichte werden in einem Mini-Wok am Tisch zubereitet und von typisch koreanischen Beilagen wie Kimchi begleitet. Angerichtet in Raku-Geschirr und Seladon-Tee-Service – schöner geht’s nicht! Leckerer auch kaum – im Vergleich zum standardisierten Durchschnittsasiaten wirklich ein kulinarisches Erlebnis.

Maru, Förstereistraße 5, Dresden (Haltestelle Louisenstraße)




Coop Himmelb(l)au: Get off of my Cloud

11 11 2008

As I’m working on Coop Himmelb(l)au’s deconstructivist (or not) tendencies currently, I had to go through their “Get off of my Cloud”, too. With over 500 pages it is quite a tome!

By the way, I’m writing about the German edition.

Published in 2005 – in German -, it assembles selected texts by the Austrian Architects from 1968 (the year of their foundation) to 2005. Structured in 6 chapters, the book presents “Programmatic Texts” (these texts can hardly be missing in any publication of the Coop), “Selected Projects Texts” (Conceptual descriptions of some important projects, like Villa Rosa, Open House, Wien, Melun-Sénart), Speeches, Interveiws, Comments “About friends and foes” and “other texts”. Prefaces by Jeffery Kipnis and Christian Reder.

Particularly helpful and revealing are both speeches and interviews, even though they often repeat certain ideas and comments. As the pictures are in black-white and the volume is enormous – the pages can’t be easily turned over. Well, of course, turning them over is not the problem, but keeping them open while reading is. You know how it is with such a bulky tome). So I’d say – to watch the illustrations (it’s actually not that many illustrations), better choose other publications or the architects’ website, but for a collection of informative texts and a overview of 40 years of Coop Himmelb(l)au as well as a first approach to their theoretical thinking, the book is definitely worth its money.

Another “by the way”:

Get off of my cloud is the second international No.1 hit single by the Rolling Stones in 1965/66 – as Coop Himmelb(l)au not only have been avowed fans of the Stones and Rock’n'Roll since the 60s, but also have always included the ideas of clouds, sky, lightness, changeability, the title probably couldn’t have been chosen better.




Deconstructivist Architecture Exhibition at the MoMA 1988

16 02 2008

Das Wesentliche in aller Kürze:

1988 wurde im Museum of Modern Art New York eine Architektur-Ausstellung unter dem Titel “Deconstructivist Architecture” veranstaltet, kuratiert von Philip Johnson und Mark Wigley.

Gezeigt wurden 7 Architekten, die meisten von ihnen noch recht jung. Mittlerweile spielen alle 7 in der obersten Liga weltweit mit:

Zaha Hadid

Bernard Tschumi

Rem Koolhaas

Coop Himmelblau

Daniel Libeskind

Peter Eisenman

Frank O. Gehry

Seit besagter Ausstellung werden diese Architekten – salopp gesagt – in die “Schublade” Dekonstruktivismus einsortiert, eine Zuordnung, die eigentlich keiner von ihnen unterstützt. Hinzu kommt, dass die Dekonstruktion eigentlich ein Begriff ist, der aus der Philosophie stammt und einige Jahre zuvor von Jacques Derrida eingeführt wurde.

Problematisch dabei ist, auf welcher Grundlage also ein ursprünglich philosophischer Terminus in eine andere Disziplin übertragen werden kann:

Haben Kontakte bestanden zwischen Philosophie und Architektur? (Jein – bis auf Tschumi und Eisenman hat sich keiner der Architekten intensiv mit Derrida auseinander gesetzt. Aber keiner sagt jedoch “ich übertrage den philosophischen Begriff jetzt in die Architektur”.)

Hat der De-Konstruktivismus etwas mit dem modernen russischen Konstruktivismus zu tun? (auch hier wieder: jein)

Wird denn etwas “de” gemacht, wie die Vorsilbe nahe legt, also zerstört? (nein, gerade nicht. Alle Architekten entwerfen hoch-komplexe und konstruktiv höchst anspruchsvolle Bauten.)

Warum also die Bezeichnung Dekonstruktivismus in der Architektur?