Daniel Libeskind: Erweiterung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Dresden

1 04 2009

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, das Kontinuitäten und Brüche des Verhältnisses von Militär und Gesellschaft in Deutschland vom Mittelalter bis heute thematisiert, wird architektonisch und inhaltlich neugestaltet (mehr hier). Libeskinds Konzept sieht eine Keilspitze vor, die aus dem Haupttrakt der Anlage hervorragt: In der Form eines Keils hatten die britischen Bomberverbände im Februar 1945 die Altstadt Dresdens angeflogen. Die Keilspitze zeigt auf den Ort, an dem die ersten Bomben abgeworfen wurden.

Die Keilform nimmt nicht nur symbolisch Bezug auf die Bombardierung, sondern verweist auch auf die neue Konzeption der Ausstellung: Die chronologische Schau soll unter- und aufgebrochen werden durch den modernen Keil, der spezielle, epochenübergreifende Themen beinhalten soll. Ein Zitat aus der offiziellen Projektbeschreibung Libeskinds folgt unten.

Fertiggestellt soll das Militärhistorische Museum so aussehen:

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Die Keilspitze wurde im September 2008 montiert (die Fertigstellung ist für 2010 geplant, statt wie ursprünglich 2008). Aktuell sieht es so aus (Stand Mitte März 2009):

© Fotos SK (ja, das Wetter war nicht ideal!)

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Die Stahlkonstruktion ist 30m hoch und ragt bis zu 20m heraus; sie besteht aus ca. 140t Stahl, wurde aus zwei Seiten zusammengesetzt und steht auf 6 Bohrpfählen mit je 13 m Länge.

Die Verkleidung durch gelochte Aluminiumpaneelen folgt.

Der Umbau soll bis 2010 fertiggestellt werden, 2013 soll eröffnet werden (laut Angaben auf der Seite des Architekten).

Zur Projektbeschreibung heißt es auf der offiziellen Website Libeskinds:

Daniel Libeskind designed the new extension by cutting a wedge through the structural order of the arsenal, giving the museum a place for reflection about organized violence. This wedge creats an objective view to the continuity of military conflicts and opens up vistas to central anthropological questioning.

The new extension gives a fundamental re-orientation to the existing building. It opens up the view to the historical center of Dresden. The wedge soars above the roof of the existing building, creating an image of modernization to the outside world and offering the opportunity to experience the opening to the city.

The new façade is being conceived against the background of the existing building, in response and contrast to it. The openness and transparency of the new façade stands against the opacity and solidity of the old façade. As one represents the severity of the authoritarian past in which it was built, the other reflects the openness of a democratic society and the changed role of its military. In the new elevation of the Museum both are visible at the same time and one through the other. This correlation corresponds to the juxtaposition of new and old in the building’s interior; the rigid column grid of the old Arsenal is contrasted with a new column of free space.  The interplay of both together forms the character of the new Military History Museum.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden




Dresden…

28 03 2009

© Fotos SK


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Nachdem ich Mitte März endlich den langgeplanten Besuch in Dresden geschafft habe, steht das (nicht nur architektonische) Urteil aus: beeindruckend! In 2 Tagen haben wir zwar nur die Altstadt, aber dies dafür sehr intensiv :-). Die Aufbauleistung der Dresdner ist enorm – vom konservatorisch-restauratorischen Standpunkt aus mag es zwar nicht unstrittig sein, zerstörte Bauten historisierend wieder aufzubauen (erinnert sei an das Berliner Stadtschloss-Debakel), es ist in Dresden jedoch sehr gelungen.

dresden-3dresden-2Paradebeispiel ist natürlich die wiederaufgebaute und 2005 eingeweihte Frauenkirche; der Einsatz von alten und neuen Steinen, der die Fassade “gescheckt” erscheinen lässt, erreicht die beabsichtigte Wirkung des Mahnmals bestens.

Tatsächlich gibt es neben Zwinger, Frauenkirche, Semperoper, … auch eine ganze Reihe moderner Gebäude zu entdecken, etwa in der Prager Straße. Auch 20 Jahre nach der Wende herrscht noch rege Bautätigkeit.

Besonders interessiert haben mich (natürlich) zwei Bauten von “dekonstruktivistischen” Architekten: das UFA Kino von Coop Himmelb(l)au, das erste realisierte Gesamtgebäude der Österreicher, und der Ausbau des Militärhistorischen Museums durch Daniel Libeskind. Zu beiden folgen eigene Beiträge.

Entdeckt habe ich auch die Architekturgalerie hausFORM, die Informationen, eine Mediathek, Vorträge und Events zum Thema sowie Ausstellungen von Modellen und Entwürfen präsentiert.

Zwar hat das Wetter nicht ganz mitgespielt – und war eher Foto-unfreundlich – dennoch ein paar Foto-Impressionen:

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Und noch ein abschließender Tipp – die Kunsthofpassage. Hier wurde in den 1990er Jahren ein heruntergekommener Hinterhöfe-Komplex in der Dresdner Neustadt revitalisiert und neu gestaltet. Herausgekommen sind sechs von Künstlern kreativ und thematisch individuell gestaltete Höfe, wie man sie sonst nirgends findet: Im “Hof der Elemente” gibt es etwa ein “Regenrinnenglockenspiel”, während im “Hof der Tiere” Tierfiguren aus Sandstein die Fassaden bevölkern und Holzstämme und Flechtwerk die Balkone gestalten. Innen finden sich alternative Lädchen und Restaurants.

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Und zum Abschluss noch eine kulinarische Empfehlung:

dresden-maru Durch Zufall entdeckt in der Dresdner Neustadt – das traditionelle koreanische RestaurantMaru. Gerichte werden in einem Mini-Wok am Tisch zubereitet und von typisch koreanischen Beilagen wie Kimchi begleitet. Angerichtet in Raku-Geschirr und Seladon-Tee-Service – schöner geht’s nicht! Leckerer auch kaum – im Vergleich zum standardisierten Durchschnittsasiaten wirklich ein kulinarisches Erlebnis.

Maru, Förstereistraße 5, Dresden (Haltestelle Louisenstraße)




Das Felix-Nussbaum-Haus von Daniel Libeskind

23 04 2008

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

nach einigem verlegerischen Hin- und Her ist es jetzt erhältlich:

Das Felix-Nussbaum-Haus von Daniel Libeskind

Entstanden ist die Schrift als “sehr gute” Magisterarbeit an der Universität Heidelberg, vorgelegt 2006. Es ist die erste wissenschaftliche Aufarbeitung des Felix-Nussbaum-Hauses, des ersten fertiggestellten Gebäudes von Daniel Libeskind (1998). Da im Jahr darauf jedoch das Berliner Jüdische Museum eröffnet wird (noch ohne Ausstellung), steht der Osnabrücker Bau im Schatten des größeren Museums – eine Tatsache, die dem Felix-Nussbaum-Haus nicht gerecht wird, denn Libeskinds komplexes Architekturverständnis wird kommt hier fast noch deutlicher und komprimierter zum Ausdruck, als im bedeutend größeren Berliner Gebäude.

Das Osnabrücker “Museum ohne Ausgang”, so Libeskinds Titel für das Projekt, beherbergt eine einzigartige Sammlung von Werken Felix Nussbaums, dessen Leben das Gebäude ,,räumlich porträtiert”. Architektur und Gemälde werden zum Gesamtkunstwerk.

Im Buch habe ich in drei thematischen Blöcken zuerst einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Museums erarbeitet. Daran schließt sich eine ausführliche Analyse des Gebäudes selbst an umd schließlich das Felix-Nussbaum-Haus in das Werk Libeskinds einzuordnen.

Ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung

2) Entstehungsgeschichte des Felix-Nussbaum-Hauses

2.1) Das Kulturhistorische Museum Osnabrück

2.2) Die Entstehung der Felix-Nussbaum-Sammlung

2.3) Die Vorbereitung für einen Museumserweiteurngsbau

2.3.1) Auf dem Weg zu einem Museumserweiterungsbau

2.3.2) Der Realisierungswettbewerb

2.4) Die Realisierung des Felix-Nussbaum-Hauses

….

2.3.2) Libeskinds Entwurf und seine Modifikationen

3) Das Leben Felix Nussbaums in der Dreigliederung Libeskinds

4) Das Felix-Nussbaum-Haus – Entwürfe, Bauidee und realisiertes Gebäude

….

4.2) Libeskinds Wettbewerbsentwurf

4.2.1) Die Bestandteile des Wettbewerbsentwurfs…

4.2.2) Analyse und Interpretation der Entwurfspläne

4.3) Libeskinds Bauidee(n) für das Felix-Nussbaum-Haus

4.4) Ein Rundgang durch das Felix-Nussbaum-Haus

…..

5) Daniel Libeskind – Eine Biografie ((ist in dieser ausführlichen Form auf dem dt. Markt bisher nicht erhältlich))

6) Libeskinds Architektur-Theorie

6.3) Die Architektur-Zeichnung: De-Kon-Struktion der Grundlagen der Architektur

6.4) Libeskinds Lösungsansatz: Das “Andere” in der Architektur

6.5) Die Planung eines Gebäudes: “Ort”, Geschichte, Erinnerung – Die Präsenz der Leere

6.6) Daniel Libeskind als Dekonstruktivist?




Deconstructivist Architecture Exhibition at the MoMA 1988

16 02 2008

Das Wesentliche in aller Kürze:

1988 wurde im Museum of Modern Art New York eine Architektur-Ausstellung unter dem Titel “Deconstructivist Architecture” veranstaltet, kuratiert von Philip Johnson und Mark Wigley.

Gezeigt wurden 7 Architekten, die meisten von ihnen noch recht jung. Mittlerweile spielen alle 7 in der obersten Liga weltweit mit:

Zaha Hadid

Bernard Tschumi

Rem Koolhaas

Coop Himmelblau

Daniel Libeskind

Peter Eisenman

Frank O. Gehry

Seit besagter Ausstellung werden diese Architekten – salopp gesagt – in die “Schublade” Dekonstruktivismus einsortiert, eine Zuordnung, die eigentlich keiner von ihnen unterstützt. Hinzu kommt, dass die Dekonstruktion eigentlich ein Begriff ist, der aus der Philosophie stammt und einige Jahre zuvor von Jacques Derrida eingeführt wurde.

Problematisch dabei ist, auf welcher Grundlage also ein ursprünglich philosophischer Terminus in eine andere Disziplin übertragen werden kann:

Haben Kontakte bestanden zwischen Philosophie und Architektur? (Jein – bis auf Tschumi und Eisenman hat sich keiner der Architekten intensiv mit Derrida auseinander gesetzt. Aber keiner sagt jedoch “ich übertrage den philosophischen Begriff jetzt in die Architektur”.)

Hat der De-Konstruktivismus etwas mit dem modernen russischen Konstruktivismus zu tun? (auch hier wieder: jein)

Wird denn etwas “de” gemacht, wie die Vorsilbe nahe legt, also zerstört? (nein, gerade nicht. Alle Architekten entwerfen hoch-komplexe und konstruktiv höchst anspruchsvolle Bauten.)

Warum also die Bezeichnung Dekonstruktivismus in der Architektur?