Der gerahmte Raum, Comic-Zeichnungen und Video-Installationen in zeitraumexit Mannheim
28 12 2008zeitraumexit im Mannheimer Kunsthaus stellt „die Auseinandersetzung mit dem ‚gezeichneten’ und dem ‚erzählten’ Raum im Comic” in den Mittelpunkt. Gezeigt werden Arbeiten von vier Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und der Schweiz: Sofia Greff, Kathrin Borer, Géraldine Servais, Joelle Isoz. Mit der konventionellen Comic-Bildsprache haben ihre jedoch nicht viel gemein (mehr zu den Ansätzen der Künstlerinnen am Ende dieses Textes).
Der gerahmte Raum. Comic-Zeichnungen und Video-Installationen
Arbeiten von Sofia Greff / DE, Kathrin Borer / CH, Géraldine Servais / BE, Joelle Isoz / CH
kuratiert von Thilo Schwarz
30.11.08 – 24.01.09
Eintritt frei
16-20 Uhr, Sa/So 14-18 Uhr
Vom 22.12.08-8.1.09 ist die Ausstellung geschlossen.
Ein paar Gedanken…
Das Ausstellungsthema wirft komplexe und vielschichtige Fragstellungen auf.
Der Comic als Bildergeschichte ist eine sich linear weiterentwickelnde Erzählsequenz, die von „Bildkästchen zu Bildkästchen” voranschreitet und eine Handlung oder einen Vorgang erzählt. Streng genommen treffen damit zwei sich eigentlich widersprechende Situationen aufeinander: zum einen die Erzählung, die sich weiterentwickelt und voranschreitet, zum anderen das Bild, das einen Momentausschnitt für immer festhält (oder zumindest für so lange, wie das Bildträger-Material es erlaubt).
Das Bild als ein auf den dargestellten Moment festgefrorenen Ausschnitt – spätestens seit der „(Er-)Findung” der Zentralperspektive ist diese Sichtweise geläufig. Albrecht Dürer, der die Konstruktionsmethode der Linearperspektive aus Italien in den Norden gebracht, definiert: „Item Perspectiva ist ein lateinisch Wort, bedeutt ein Durchsehung.” Die malerische Perspektive ermöglicht es, einen Raumeindruck auf einer Bildebene abzubilden. Das Bild wird, mit Alberti gesprochen, zum „Fenster”, durch das man hinausblickt und einen bestimmten zusammenhängenden Ausschnitt sieht, der sich nach allen Seiten hin fortzusetzen scheint, wäre er nicht vom Rahmen des „Fensters” verdeckt.
Grundlegend für die Perspektive ist also, dass der zweidimensionale Bildträger, sei es eine Leinwand, sei es Holz oder Stein, als solcher negiert wird und als bloß materielle Fläche dient, auf die mit bestimmten Farbmitteln ein illusionistischer Malraum aufgetragen wird. Die so geschaffene Bild„ebene” erzeugt die Illusion einer Realitätsabbildung. Wichtig ist dabei, dass die ganze Malfläche zum „Systemraum” wird, in dem die dargestellten Gegenstände und Figuren sowie der sie umgebende Raum in entsprechenden Größenverhältnissen wiedergegeben sind.
Allerdings entsprechen auch (zentral- bzw. linear-) perspektivisch wiedergegebene Bilder nicht zu 100% dem real Gesehenen. Man denke an die Randverzerrung, die durch die gekrümmten Augäpfel entstehen. Panfosky setzt sich mit diesem Thema in seinem nicht undproblematischen Aufsatz „Die Perspektive als ‚Symbolische Form’” auseinander.
Damit ist ein weiteres Problem angeschnitten: So paradox es klingt, Raum an sich kann nicht wahrgenommen werden. Man denke sich einen absolut leeren Raum. Betrachtet man eine farbige Fläche oder ein dreidimensionales Volumen? Räumliche Tiefe wird erst durch die den Raum einfassenden „Ränder” oder durch zwei im Raum sich befindende Objekte, die vor/neben/hinter einanderstehen, wahrnehmbar.
Die Arbeiten in der Ausstellung “Der gerahmte Raum”
In “Der gerahmte Raum” werden vier unterschiedliche Raumauffassungen der Künstlerinnen gegenübergestellt.
Während die 21 Blätter von von der Künstlerin selbst mehrfach umgehängt und im Raum arrangiert wurden, halten sich die Arbeiten von Joelle Isoz an eine feste Reihenfolge. Bei Sofia Greff gibt der Ausstellungsraum selbst den Rahmen vor: Greff hat die Decke des Raums auf einem Oberlicht abgebildet, der Besucher erlebt aus der Froschperspektive ein neues Raumgefühl. Bei Géraldine Servais hingegen reicht der Bildraum ihrer Einzelbilder nicht aus, die Erzählung durchbricht den Rahmen.
Kategorien : Architecture + Art
Schlagworte : Albrecht Dürer, ausstellung, Der gerahmte Raum, Erwin Panofsky, Géraldine Servais, Joelle Isoz, Kathrin Borer, Mannheim, Perspektive, Sofia Greff, Thilo Schwarz




