Roman Bezjak | SOZIALISTISCHE MODERNE in Hamburg

2 02 2012

Slovenian photographer Roman Bezjak approaches the stony witnesses of planned economy and socialism unbiasedly, without the skepticism that usually directs our vision of socialistic modernism. Thus he presents an “archeology” of a past world which is mostly threatened by demolition unless it already is demolished, as is the Berlin Palast der Republik.

Roman Bezjak "Brühl, Leipzig" aus der Serie "Sozialistische Moderne"

Roman Bezjak "Brühl, Leipzig" aus der Serie "Sozialistische Moderne"

 
 

Roman Bezjak | SOZIALISTISCHE MODERNE

 21. Januar bis 17. März 2012

ROBERT MORAT | GALERIE, Hamburg
www.robertmorat.de

Gleichzeitig zu sehen: Dirk Reinartz | ST. GEORG


 
 
 

Roman Bezjak "Constanta" aus der Serie "Sozialistische Moderne"

Roman Bezjak "Constanta" aus der Serie "Sozialistische Moderne"

PR-Text: Während der Westen den zu Stein gewordenen Zeugen von Planwirtschaft und sozialistischer Moderne mit Skepsis begegnet, wirft Roman Bezjak einen unvoreingenommenen Blick auf die Architektur des Kommunismus. Mit der Großbildkamera fotografierte er Wohnungsbauten, funktionale Einrichtungen, Hotels und Kulturpaläste an vertrauten und fremden Orten von Tallin bis Tirana, von Dresden bis Dnjepropetrowsk. In Serien entsteht dadurch eine Art Archäologie der Nachkriegsmoderne ohne ostalgische Verklärung, denn auch die Abnutzung der Utopie und ihre Ankunft im Alltag werden sichtbar. So hält die Publikation eine vom Abriss bedrohte Welt fest, die teilweise, etwa im Fall des Palasts der Republik in Berlin, schon nicht mehr existiert.

Roman Bezjak, 1962 in Slowenien geboren, trat bis zu seiner Berufung als Professor an der Fachhochschule Bielefeld im Jahr 2000 vor allem mit preisgekrönten Arbeiten für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und für GEO in Erscheinung. Die Serie “Sozialistische Moderne” wurde im Jahr 2011 im Verlag Hatje Cantz veröffentlicht und fand großes mediales Interesse. Die Publikation begleitete eine Einzelausstellung im Sprengel Museum in Hannover; die Robert Morat Galerie freut sich sehr, diese Ausstellung in Hamburg übernehmen zu können.

Info + illus. courtesy Robert Morat Galerie




Hong Kong’s “Portraits from Above” in Dresden

6 02 2011

The exhibition “Portraits from Above – Hong Kong’s Informal Rooftop Communities” presents the photo documentation by Canadian architect Rufina Wu and German photographer Stefan Canham, including photos, drawings and texts. Within 3 months Wu and Canham have visited and portrayed the informal slum cities of Hong Kong – because of the city’s geographical disposition, these auxiliary sheds have been moved to the roofs of highrises from the 50s and 60s. On minimal space people are “residing” in corrugated iron shacks with up to three “storeys”. Since about 50 years these illegal informal communities are essential part of the HK cityscape.

From February to May 2011, “Portraits from Above” are presented in Dresden, at Deutsche Werkstätten Hellerau.

© Rufina Wu, Stefan Canham

© Rufina Wu, Stefan Canham

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“Portraits from Above – Hong Kong’s Informal Rooftop Communities”

Deutsche Werkstätten Hellerau

Dresden, Germany
9. Februar – 06. Mai 2011
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„Die Grundprinzipien der Architektur sind nicht neu, nur verschiebt sich durch die Epochen hin die Nutzung und damit auch etwas an der Form.“ Interview mit Yasmin Alt

5 02 2011

Die junge Dresdner Künstlerin Yasmin Alt erforscht plastisch, wie architektonische Formen funktionieren. Sie „baut“ ihre architektonischen Vorbilder nach, die sie auf ihre Grundformen, ihre Basis-Struktur reduziert, um ihrer Funktionsweise auf die Spur zu kommen – jedoch nicht, wie diese Bauten genutzt werden, sondern was beim Bauen (mit) dieser(n) Formen geschieht: Zugrunde liegt die Beobachtung, dass bestimmte Formen im Laufe der Zeit wiederkehren in unterschiedlichen Bautypen – so etwa die Entwicklung der „Halle“ von der antiken Basilika über den Kirchenbau hin zu Fabrikhallen in monumentalen Dimensionen.

Crying Chapel © Yasmin Alt

Crying Chapel © Yasmin Alt

Dafür arbeitet Alt mit unterschiedlichsten Ausdrucksmitteln, die sie zu räumlichen Collagen kombiniert. Zentral sind meist hüfthohen Gebäude-Plastiken, aber auch in Wandmodellen, die sie sorgfältig konstruiert. Ebenso finden sich jedoch auch rosettenartige runde Leuchtkästen, die an gotische Kathedralen erinnern, oder fotografische Dekonstruktionen. Ihre Arbeiten fügt sie zu raumgreifenden Installationen zusammen, anspielungsreich, vielschichtig, die Beziehungen untereinander aufbauen. Zugrunde liegt dabei eine immer intensive Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Raum, auf den Alt reagiert.

Immer wieder setzt sie sich auch mit ihren eigenen Werken auseinander, die sie durch das Prinzip des Zerschneidens und Wiederzusammensetzens weiterentwickelt und verfremdet.

Alt hat nicht auf direktem Weg zur Kunst gefunden. Sie hat zuerst Biologie in den USA studiert, hast dich dann aber entschlossen, Skulptur zu studieren: Ich habe dann auch wie Friedrich 2003 begonnen, in Dresden Bildhauerei zu studieren. Erst bei Professor Martin Honert und dann noch zwei Jahre als Meisterschülerin bei Professor Monika Brandmeier.

Gerade ging ihre Zeit in Frankfurt zu Ende, wo sie als Stipendiatin des Dynamo-Eintracht-Stipendium 2009-2010 gelebt und gearbeitet hat. Aktuelle Arbeiten von Yasmin sind derzeit in der 2. Plaza Show der Commerzbank Frankfurt „Hochparterre“ gemeinsam mit Fotoarbeiten von Friedrich Vater zu sehen.

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PLAZA SHOWS

Hochparterre

Yasmin Alt / Friedrich Vater

4. Februar bis 1. April 2011

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Im Interview mit deconarch.com erzählt Yasmin Alt über ihre Interesse an der Architektur, was sie für ihre Arbeit inspiriert und wie sie zur Kunst gefunden hat.

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INTERVIEW

Yasmin, deine Arbeiten bestehen aus verschiedenen Elementen, die Beziehungen untereinander aufbauen und ähnliche Prinzipien untersuchen. Sie sind wie räumliche Collagen. Dabei arbeitest du mit ganz unterschiedlichen Materialien – du baust Strukturen aus MDF, aber fertigst ebenso Foto-Collagen an oder Leucht-Mosaiken. Welche Themen interessieren dich besonders in deiner Arbeit?

© Yasmin Alt

© Yasmin Alt

Yasmin Alt: Das ist zum einen Bewegung oder besser: Simulation von Bewegung. Das klingt zunächst widersprüchlich, da ich ja hauptsächlich rigide Objekte fertige. Aber die Momentaufnahme oder die angehaltene Bewegung kommt wiederholt in meinen Arbeiten vor. Das bedeutet, dass ich mit verschiedenen Mitteln arbeite, die sozusagen gegen das Wesen der Skulptur gehen. So baue  ich gerne kleine Unstimmigkeiten in meine Arbeiten ein. Es kann leichte perspektivische Verzerrungen geben. Häufig zerteile ich Arbeiten auch, um sie wieder neu zusammenzusetzen. Das Fragmentarische spielt eine große Rolle. Darüber hinaus interessiere ich mich für die Baugeschichte der unterschiedlichsten Epochen. Gerade habe ich ein ziemliches Faible für die Gotik, aber auch Industriedenkmäler und Fassadengestaltungen interessieren mich.

Wo findest du Inspiration?

Yasmin Alt: Ich gehe meist von ganz konkreten Dingen aus der Realität aus. Das kann etwa ein Foto in einem Buch sein, das zur Initialzündung wird. Ich habe eine ganze Sammlung an antiquarischen Büchern über Architektur. Es kann aber auch ein Gebäude an der Autobahn sein. Plötzlich fällt mir etwas auf, gefällt mir und dann will ich untersuchen, was mir daran gefällt, und baue es nach. Dabei verändert es sich meistens von selbst. Allein durch die Größe zum Beispiel.

Häufig „baust“ du architektonische Vorbilder „nach“. Dabei reduzierst du sie auf ihre Grundformen, ihre Basis-Struktur, und erforschst ihre „Funktionsweise“ – nicht wie Bauten genutzt werden, sondern was beim Bauen passiert. Wie funktionieren Bauformen als Zeugnisse des Vergangenen?

Yasmin Alt: Vielleicht ist es das Monumentale und Erhabene, auf das ich reagiere, denn ich interessiere mich vor allem für Prachtbauten und was sie ausmacht. Dabei sind die Grundprinzipien der Architektur nicht neu, nur verschiebt sich durch die Epochen hin die Nutzung und damit auch etwas an der Form. Am Anfang produzierten die Kirchen die mächtigsten Bauwerke – riesige Hallen und zum Himmel strebende Türme für spirituelle Zeremonien. Später, in der Zeit der Industrialisierung, entstanden prächtige – hierzulande leider häufig unterschätzte – Gebäude, die mit einfachen Mitteln in große zweckmäßige Gebäuden strukturiert wurden. Es gelang, neben Monumentalität auch Abwechslung für das Auge zu schaffen.

Bei den Bauwerken, die mich interessieren, erforsche ich ihre Wirkung nach Außen hin. Ich baue ja nichts Zweckmäßiges, sondern ein Modell, und vielleicht ist es deswegen, dass sich die Arbeiten verändern müssen. Als Modell sind sie anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen und oft in einem Blick zu erfassen. Die Herausforderung liegt für mich eben darin, ihnen in dieser Größe wieder etwas Aufregendes zu verleihen.

Karussell © Yasmin Alt

Karussell © Yasmin Alt

Woher kommt dieses Interesse an der Architektur?

Yasmin Alt: Wahrscheinlich schwingt da schon der Wunsch mit, vergangene Zeiten erlebt zu haben. Als Kind wollte ich unbedingt Archäologin in Ägypten werden und konnte sogar einige Hyroglyphen lesen. Davon bin ich wieder abgekommen, aber die Liebe zu Ruinen und Vergangenem ist geblieben.

Du hast zuerst eine ganz andere Studienrichtung eingeschlagen. Warum hast du dich doch für Kunst entschieden?

Yasmin Alt: Ich merkte recht schnell, dass das Biologie-Studium für mich auf Dauer nichts war. Mit dem Eintauchen in die Molekularebene mit ihren Buchstabenkodes wurde es für mich immer bedeutungsloser. Die Liste der Unterenzyme und Cofaktoren wurde immer länger, aber näher an die Substanz von Leben kam man dadurch nicht. Also musste ich etwas ändern. Es war eine schwierige Zeit für mich und zur Kunst bin ich eher zufällig gekommen. Mir ging es einfach immer gut, wenn ich Kunst machte. Ich fuhr viel herum in dieser Zeit und habe fotografiert, Autobahnkreuze, verlassene Gegenden. Die Idee, Skulptur zu studieren, entstand über meine Beschäftigung mit Collagen und ein Freund riet mir, das doch zu versuchen, mein Interesse für die dritte Dimension zu verfolgen.

Collage, Fotografien, MDF – du arbeitest mit ganz unterschiedlichen Materialien …

Yasmin Alt: Das richtet sich schon ein bisschen nach der Idee. Manchmal benötige ich bestimmte optische Oberflächeneigenschaften. Dann benutze ich Kunststoffe wie Polyester. Am liebsten ist mir aber MDF, das kann man schnell mit der Stichsäge sägen und mit Heißkleber grob fixieren. Es lässt sich sogar etwas biegen. Ich bin aber dazu übergegangen, das MDF noch mit Epoxydharz zu tränken, das gibt eine bessere Oberfläche und ist stabiler. Dann verspachteln und schleifen, verspachteln und schleifen. Eine gewisse Perfektion was Oberfläche und Kanten betrifft ist mir schon wichtig. Denn meine Arbeiten sind formtechnisch eher reduziert und daher empfinde ich es als störend, wenn man die Konstruktionsgeschichte noch sieht. Ein bisschen Magie muss sein! Das Material ist in solchen Fällen dann eher ein Farbträger.

Seit Kurzem beschäftigst du dich auch intensiv mit Farbe und der Farbigkeit deiner Objekte.

Damaskus © Yasmin Alt

Damaskus © Yasmin Alt

Yasmin Alt: Damit habe ich mich während meiner Zeit in Frankfurt verstärkt beschäftigt. Ich habe viele Collagen gemacht und so mein Augenmerk verstärkt auf die Wirkung von Farbe und Form auf der zwei-dimensionalen Fläche gerichtet. Hatte ich vorher die Farbigkeit eines Objektes als zweitrangig angesehen, und daher eine einfarbige Fassung vorgezogen, habe ich während des Stipendiums für mich neue Möglichkeiten des Farbauftrags erkundet. Durch die Verwendung von  Sprühlack ergaben sich spannende und auch sehr direkte Wege in der Farbgestaltung. So konnte ich eine weitere Illusionsebene hinzufügen. Das Objekt und die Farbigkeit als zwei sich überlagernde Ebenen begreifen, die einerseits die dreidimensionalen Eigenschaften des Objekts verstärken können und zusätzlich Illusion von Dreidimensionalität erzeugen, wo keine ist. Dadurch hat sich meine Arbeit in eine abstraktere Richtung entwickelt.

In deinen Worten: Was ist charakteristisch für deine Arbeit?

Yasmin Alt: Ich glaube das charakteristische an meinen Arbeiten ist, dass sie sich als dreidimensionale Collage zusammenfügen. Sie bestehen aus unterschiedlichen Elementen, die Beziehungen untereinander aufbauen und ähnliche Prinzipien untersuchen.

Yasmin, vielen Dank für das Interview!




Raïssa Venables: All that Glitters and Rolf Zscharnack’s Fast City in Berlin

17 11 2010

Using collage techniques, American photo artist Raissa Venables developed a way to capture architectural interiors into a spacial photographic impression. Her latest series brought her to Dresden’s treasures. Rolf Zscharnack photographs global cities at night – moving. Thus he transforms the silent cities into visions of light. “Fast City” are dynamic potraits of urban metopolises like Berlin, New York und Miami.

Raïssa Venables, Green Vault, 2010, C-Print / Diasec

Raïssa Venables, Green Vault, 2010, C-Print / Diasec

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Raïssa Venables – All that Glitters

29. Oktober – 4. Dezember 2010

WAGNER + PARTNER, Berlin

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PR-Text: Der Glanz der Gehäuse – Die international bekannte Fotokünstlerin Raïssa Venables (*1977) interpretiert in ihrer neuen Einzelausstellung, eingebettet in den 4. Europäischen Monat der Fotografie, verschiedene Räume auf bislang einzigartige Weise. Die Ausstellung führt den Besucher auf eine Reise durch das prachtvolle Grüne Gewölbe in Dresden, das Richard-Wagner-Haus in Bayreuth oder die coole Austern-Bar im New Yorker Bahnhof Grand Central. Jedes dieser „Gehäuse“ eröffnet eine verborgene Welt.

Raïssa Venables hat in den vergangenen Jahren einen markanten fotografischen Stil entwickelt, der die Grenze zur Malerei überschreitet und dessen Bilder seither im In- und Ausland in wichtigen Museen gesammelt werden. Ihre souveräne farbliche wie Raum bildende Collagetechnik übersetzt vorhandene Architektur in einen erlebbaren fotografischen Gesamteindruck. Dreidimensionale Räume werden zu Aggregatzuständen, eine vierte emotionale Dimension entsteht.

Raïssa Venables, Pillnitz, Palmhouse, 2010, C-Print / Diasec

Raïssa Venables, Pillnitz, Palmhouse, 2010, C-Print / Diasec

In den letzten Jahren hat sich die amerikanische Künstlerin vermehrt der europäischen Baugeschichte zugewandt. Hier sind es meist prachtvolle und prestigeträchtige Bauten. Nach Kirchen in Italien hat sie sich nun vor allem mit dem kulturellen Reichtum Dresdens auseinandergesetzt. In ihren neuesten Werken wird der Gründungsgeist vieler Architekturen wieder erlebbar. So vermittelt die sattgrüne Pflanzengruppe in dem Werk „Palmenhaus, Pillnitz“ noch einmal das Staunen über die ersten europäischen Glashäuser Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Sammelleidenschaft eines August des Starken wird in ihre ganzen Exzentrik wieder spürbar, wenn Venables das Grüne Gewölbe fotografisch durchmisst.

Info + illus. courtesy WAGNER + PARTNER, Berlin

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© Rolf Zscharnack

© Rolf Zscharnack

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Rolf Zscharnack

Fast City

11. Oktober – 23. Dezember 2010

SHOWROOM
Berlin

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PR-Text: Fast City erzählt von einer Fotoreise um die halbe Welt. So werden auf rund 23 großformatigen Farbfotos (Ilfochrom- Prints und Lightboxes zwischen 75 x 50cm und 240 x 125cm) Szenerien aus den Metropolen Berlin, New York und Miami gezeigt, urbane Gemeinsamkeiten dargestellt und wiederum städtetypische Besonderheiten kontrastiert.

© Rolf Zscharnack

© Rolf Zscharnack

In der 2009 begonnenen Fotoserie arbeitet Rolf Zscharnack mit der Kombination aus Kameraschwenk und Langzeitbelichtung; er fotografiert aus dem fahrenden Auto, aus der Bewegung oder Drehung heraus. Die Lichter der Stadt, Leuchtreklamen oder beleuchtete Häuserfronten werden zu abstrakten Lichtspuren. Menschen verflüchtigen sich zu schattenhaften Erscheinungen. Der konkrete Ort erlangt den Status einer Kulisse, einer Kulisse für ein Schauspiel, das sich so, wie es in Fast City sichtbar wird, nie ereignet hat. Das Foto avanciert zu einer visualisierten Lichtvision.

„Die ersten Fotos der Fast City-Serie entstanden, als ich nachts in Berlin mit dem Auto unterwegs war. Die Stadt ist dann wie ausgestorben, kaum Verkehr, wunderschön. Es sind flüchtige Eindrücke, die wie ein Bilderschweif an mir vorbeiziehen. Ich spüre, in welchem Moment ich ein Bild festhalten und wie schnell ich die Kamera bewegen muss, damit die Atmosphäre der erlebten Situation im Bild sichtbar wird“, so der Künstler.

Unter anderem inspiriert von László Moholy-Nagy, der zwischen 1937 und 1946 den nächtlichen Verkehr in Chicago fotografierte, changiert Rolf Zscharnack die Methodik und Herangehensweise der Aufnahme. Denn agierte Moholy-Nagy von einem ruhende Standpunkt aus, um die metropolitane Dynamik im Bild still stehen zu lassen, so ist es im Falle von Fast City Rolf Zscharnack selbst, der das Tempo vorgibt und damit das entstehende Bild inszeniert.

Bei jedem Städteportrait setzt der Fotograf auf die jeweils spezifischen ‚Farben der Stadt’ und schenkt dieser somit ihre eigene Licht-Dramaturgie und unterstreicht gleichzeitig ihre Einzigartigkeit.

„Nicht das, was ich fotografiere bewegt sich dabei, sondern ich bewege mich. Ich male Bilder mit meiner Kamera.“

Info + illus. courtesy Showroom Berlin




Autumn Exhibits in Germany: Deimel + Wittmar in Mülheim, Ara Güler in Stuttgart and Beate Gütschow in Dresden

13 10 2009

Nach der Sommerpause bietet der Herbst wieder eine Fülle spannender Ausstellung in ganz Deutschland. Die interessantesten stellt deconarch in diesen Tagen nach und nach vor. Und dass es nicht immer Berlin sein muss, zeigt diese Auswahl – in Mülheim werden Arbeiten von Deimel + Wittmar gezeigt, in Stuttgart sind Fotografien des bedeutenden türkischen Fotografen Ara Güler zu sehen und in Dresden ist Beate Gütschow zu Gast.

After the summer break there’s a lot to discover in autumn. Many exciting exhibitions are presented in and outside Germany. deconarch presents the most interesting ones within the next days, step by step. And it’s not always necessary to travel to the “art capital” Berlin – in Mülheim works by Deimel + Wittmar are shown, in Stuttgart photographs by the famous Turkish photographer Ara Güler, and Dresden hosts Beate Gütschow.

Hoechst Frankfurt

Deimel + Wittmar, Hoechst Frankfurt, C-print Diasec gerahmt, 100 x 70 cm © Deimel + Wittmar

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Deimel + Wittmar

Hubertus v. Amelunxen
Jenseits der zwanziger Jahre – Diesseits der Fotografie

12. September bis 16. Oktober 2009

Galerie Ricarda Fox, Mühlheim

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PR-Text: Deimel + Wittmar haben Architekturen der zwanziger Jahre gesichtet, haben Blicke zu Fotografien gemacht, ohne dass sie anderen als den eigenen Ansprüchen zu folgen hatten. Freie Bilder, Fotografien, die dem eigenen Verlangen entspringen können, Entsprechungen zu schaffen, die nicht der funktionalen, sondern der geistigen Bestimmung gelten. Sie haben seit 1996 Gebäude besucht, die zumindest architekturhistorisch am Rande liegen, weniger für den architektonischen »Aufbruch« als für eine eklektizistische Kontinuität stehen.

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm

Deimel + Wittmar, Disch-Haus Köln, C-print, 60 x 80 cm © Deimel + Wittmar

Was sie mit ihren Fotografien anbieten, ist eine Art erneuten Lesens der Bauten, wie ein Buch, das, nach vielen Jahren aus dem Regal genommen, wiedergelesen und nun erst geschrieben wird. Und eben dies vermag ja die Fotografie, mit jedem Schritt auf einem bekannten Weg Unerkanntes und nicht Gesehenes zu heben, Dinge oder Geschehen nicht zu dokumentieren, aber sie in die Zeit anderer Blicke zu stellen. Die Fotografien bieten Einblick in den strukturellen Umfang der Architekturen wie auch in die Distanz, die sich zu ihm offenbart. Es ist eine doppelte Distanz zur Architektur, in die uns Deimel + Wittmar mit ihren Arbeiten stellen. Jeden in der Aufnahme historisierenden Gestus vermeidend, werden sie dem Medium Fotografie gerecht und verhindern den Eindruck einer historischen Kontinuität in der bewussten Fragmentierung. In jedem Bild lassen sie die Architektur anders überleben, mit jedem Bild legen sie offen, was nicht zu sehen ist. Sie haben sich im Sinne Walter Benjamins fotografisch an die Arbeit der Übersetzung gemacht, Gänge durch die Arkaden der Architektur unternommen, um in formaler wie konzeptioneller Strenge uns ein Angebot der Teilhabe zu unterbreiten.

(Gekürzte Fassung des Textes “Jenseits der zwanziger Jahre – diesseits der Fotografie” in: Ulrich Deimel/Petra Wittmar, “Jene zwanziger Jahre”, Ostfildern: Verlag Hatje Cantz 2003)

Info + Abb. Galerie Ricarda Fox, Deimel + Wittmar

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Ara Güler © Magnum Photos

Ara Güler © Magnum Photos

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Ara Güler Das Auge Istanbuls

30. September – 22. November 2009

vhs-photogalerie
Stuttgart

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Der große türkische Fotograf Ara Güler (*1928) porträtiert seine Heimatstadt Istanbul; dabei liegt sein Fokus häufig auf kleinen Details, dem einfachen Leben und Kindern. Er arbeitet meist mit einer Leica in Schwarzweiß.

“Wenn ich die Hagia Sophia fotografiere, ist für mich am wichtigsten der Mensch, der an ihr vorbeiläuft.” A. Güler

Güler wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet: 1961 bezeichnete ihn das “Photography Annual” als einen der sieben besten Fotografen weltweit, 1962 wurde er zum “Master der Leica” gekürt, 1968 wurde er vom Museum of Modern Art, New York zu den “Zehn Meistern der Farbfotografie” gewählt. In seiner Karriere als Fotojournalist arbeitete er für große internationale Zeitschriften wie TimeLife, Paris Match oder Der Stern. Ara Güler ist Mitglied der Agentur Magnum Photos.

Eine Auswahl seiner Aufnahmen von Istanbul ist bis Ende November in der VHS Photogalerie Stuttgart zu sehen.

Infos + Abb. VHS Photogalerie Stuttgart

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Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-Bildkunst

Beate Gütschow S#3,1 2009 LightJet print 142 x 122cm © VG-Bildkunst

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Beate Gütschow place(ments)

10. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

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skd_guetschow3Beate Gütschow LS#7, 1999 LightJet print 164 x 116cm © VG-Bildkunst

Beate Gütschow (*1970) erringt zunehmend mehr Aufmerksamkeit für ihre Arbeiten, die auf den ersten Blick wie technisch perfekte Landschaftspanoramen, erscheinen, tatsächlich aber das Ergebnis eines aufwendigen Puzzles aus Fragmenten der Realität sind.

Aus dem PR-Text: Als Ausgangsmaterial verwendet die Künstlerin analoge Fotografien, die sie digitalisiert und archiviert. Am Computer setzt sie bis zu hundert Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammen.

Die vorgenommene Manipulation blendet die Realität weder aus noch versucht sie, sie zu überbieten; stattdessen konstruiert sie – aus den Fragmenten des Gegenwärtigen – Erkenntnisräume des Vergangenen (Landschaft) oder Aufzeichnungen des Zukünftigen (Stadt).

Beate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck © VG-BildkunstBeate Gütschow I#1 2009 LightJet print 91 x 66cm © VG-Bildkunst

Der komplexe Entstehungsprozess von Gütschows Arbeiten ist stets mitzudenken, hinterfragt die Künstlerin doch durch ihn die Authentizität fotografischer Reproduktionen. Mit den Mitteln der Fotografie bearbeitet sie ideale Projektionen von Natur und Architektur in der Kunstgeschichte, die bereits zu kollektiven Wahrnehmungsmustern und zur Bildkonvention geworden sind. Schon die Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts von Claude Lorrain, Nicolas Poussin oder Jacob van Ruisdael bediente eine Fiktion: Die ideale Landschaft wurde nach einem festgelegten Kompostitionschema im Atelier konstruiert. Im Gegensatz zu den arkadischen Landschaften herrscht in Gütschows schwarz-weißen Stadtbilder eine pessimistische Stimmung: Die großformatigen Fotos zeigen unwirtlichliche Gegenden mit heruntergekommenen Gebäuden, modernistische Fragmente fügen sich zusammen zu einer negativen Utopie.

In Dresden wird zum ersten Mal  Gütschows neue Serie I (Innenräume) gezeigt. Zum ersten Mal in Deutschland sind außerdem neue Arbeiten aus der Serie S (Stadtlandschaften) zu sehen. Außerdem werden auch Arbeiten aus LS (Landschaft) präsentiert, mit denen die Fotografin bekannt wurde. Insgesamt werden 40, teils großformatige, Arbeiten ausgestellt.

Webseite Beate Gütschow

Infos + Abb. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Beate Gütschow, alle Bilder Courtesy Sonnabend Gallery New York, Produzentengalerie Hamburg, Barbara Gross Galerie Munich, Collection Louise and Eric Franck




2 Photo Exhibits in Erfurt and Dresden: Loan Nguyen and Fredrik Marsh

6 10 2009

Zwei sehr unterschiedliche Fotografen sind in der Kunsthalle Erfurt und in Dresden zu sehen, die sich beide auf jeweils eigene Art mit landschaftlichen und architektonischen Räumen bzw. mit der Architektur Dresdens auseinandersetzen.

Two very different photographers show in Kunsthalle Erfurt and in Dresden, both of them dealing with landscape and architectonic spaces resp. with the architecture of Dresden in a particular way: Swiss photographer Loan Nguyen herself appears in her images, always pointing to something – the gesture is a reference to a long art historic tradition – the photographs composed in a painterly way. Her work can be understood as a comment on questions of “home” and “migration”.

American photographer Fredrik Marsh is tracing the “transitions” of Dresden, the changes and developments the city has come across since the reunion of the 2 Germanies. Like an archeologist he focusses the decayed buildings in the suburbs in particular.

Loan Nguyen: Dents de Vesivi, 2007, Lambda Print, 127 x 160 cm

Loan Nguyen: Dents de Vesivi, 2007 © L. Nguyen

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Loan Nguyen: Stellenweise
Kunsthalle Erfurt

08. 10. – 29. 11. 09

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Nach zahlreichen Beteiligungen an internationelen Ausstellungen in den letzten Jahren hat die Schweizer Foto-Künstlerin Loan Nguyen (*1977) jetzt ihre erste museale Einzelausstellung in Deutschland: In der Kunsthalle Erfurt wird Nguyens Arbeit “Mobile” gezeigt, eine eine einzige offene Serie,  an der die Fotografin sei 2003 arbeitet:

(PR-Text) In nahezu allen Aufnahmen erscheint sie selbst – dem nicht eingeweihten Betrachter zunächst als anonyme Figur – vor landschaftlichem oder architektonischem Hintergrund. Mit eher verhaltenen, stillen Gesten deutet Loan Nguyen auf etwas, weist sich über ihre bloße Anwesenheit im Bild eine Stelle in der Welt zu und den Betrachter auf diese hin. Dieser Zeigegestus hat in der Malerei eine lange Tradition. Auch Anlage und Komposition der einzelnen Fotografien sind ganz entschieden malerische.

Loan Nguyen Marrée haute, 2009

Loan Nguyen, Marrée haute, 2009 © L. Nguyen

Ihre Arbeit lässt sich aber auch im Kontext virulenter Themen wie “Heimat” und “Migration” interpretierten. Zum einen über ihren eigenen, asiatisch anmutenden Phänotypus im Kontrast zur europäischen Landschaft. Zum anderen über das Projekt, “De-Retour”, entstanden anlässlich der Reise ihres Vaters, Schweizer Staatsbürger wie sie, der erstmals nach 38jähriger Abwesenheit wieder das Land seiner Kindheit Vietnam besuchte.

Für die Erfurter Ausstellung produziert Loan Nguyen darüber hinaus eine weitere Werkgruppe “Weather”, die bewusst-naive Bemühungen, auf das Wetter (und den Klimawandel) Einfluss zu nehmen, zeigt.

Infos + Fotos Kunsthalle Erfurt

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Fredrik Marsh, Verlassene Wohnung, nahe Stauffenbergallee, Dresden 2006

Fredrik Marsh, Verlassene Wohnung, nahe Stauffenbergallee, Dresden 2006 © F. Marsh


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Fredrik Marsh

Übergänge. Das Dresden Projekt | Transitions. The Dresden Project

Technische Sammlungen Dresden. Museen der Stadt Dresden

18. 09. 2009 bis 24. 01. 2010

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Die Fotografien von Fredrik Marsh (*1957) reflektieren die “Übergänge”, die Veränderungen im städtebaulichen Ambiente Dresdens als Folge der gesellschaftlichen Umbrüche nach 1989. Wie ein Archäologe arbeitete sich der aus Columbus (USA) stammende Fotograf seit 2002 immer weiter in die Geschichte der Stadt vor. Sein Interesse galt dabei besonders den verlassene Wohn- und Industriegebäuden in den Randzonen der Stadt. Hier fing er mit Panoramafotografien und großformatigen Außen- und Innenbildern von Gebäuden die Überlagerung historischer Schichten, die Spuren gelebten Lebens ein, die die jüngere ostdeutsche Geschichte sowie die Veränderungen durch den Wiederaufbau und die Erneuerung Dresdens hinterlassen haben.

Fredrik Marsh, Gasometer, Dresden-Reick, Dresden 2002

Fredrik Marsh, Gasometer, Dresden-Reick, Dresden 2002 © F. Marsh

“Die Übergänge sowohl im rein Gegenständlichen wie in der kollektiven Psyche der Einwohner der Stadt haben mich tief bewegt. Deshalb ist es mein Anliegen, eine visuelle Dokumentation dieser historischen Periode zu überliefern, bevor ihre Spuren – und das dazugehörige kulturelle Gedächtnis – für immer verblassen.”
Fredrik Marsh 2009

Infos + Fotos Technische Sammlungen Dresden und Frederik Marsh




Dresden: UFA Cineplex von Coop Himmelb(l)au

28 04 2009

Noch ein weiterer Bau von einem dekonstruktivistischen Architektenteam ist in Dresden zu finden: Das UFA Multiplexkino von Coop Himmelb(l)au, der erste komplette Neubau, den das österreichische Architektenduo fertiggestellt hat (1998). Wie so viele Himmelb(l)aus Bauten ein sehr umstrittenes Projekt.

((Die folgenden recht ausführlichen Erläuterungen sind auch Teil meiner Arbeit (hier natürlich in stark gekürzter Form). Sollten jemand genauere Belege interessieren, bitte Bescheid geben.

Meine Kommentare in grün.))

© Fotos SK

Das Äußere…

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Blick auf "Kristall" und Betonblock

Der Kinokomplex ist aus zwei Teilen gebildet, dem Kinoblock aus Beton, in dem acht Vorführsäle untergebracht sind, und dem Kristall-Foyer. Typisch für die Coop ist der geschlossene Saalblock jedoch kein simpler Container, der die acht Kinor-Raumboxen zusammenfasst, sondern eine spitz zulaufende, vorkragende Beton-„Skulptur”, der auf einer Seite ein Gitter vorgespannt ist und die von einer öffentlichen Passage unterquert wird.

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Blicke auf die Umgebung

Das Foyer ist in einer Glas-Stahl-Konstruktion untergebracht, die wie ein unbearbeitetes Kristall-Stück schräg aus dem Boden ragt. Das Ensemble, das sich von jeder Seite anders präsentiert, wirkt an seinem prominenten Standort zwischen Dresdner Altstadt und Hauptbahnhof und umgeben von DDR-typischen Platten-Hochausscheiben der 1960er Jahre fremd und exotisch.

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Blick durch die Glasscheiben ins Innere (Spiegelung des gegenüberliegenden Rundkinos)

Innen…

Im Innern des Foyers befinden sich Treppenanlagen, zwei geknickte Aufzugstürme aus Sichtbeton, eine herabhängende, pyramidenförmige Projektionsfläche, die den Raumfluss unterteilt, sowie die “Skybar”, eine kegelförmige Seilnetzkonstruktion, in der eine Bar untergebracht ist – einer der frühesten Einsätze der Doppelkegels, der in späteren Entwürfen eine wichtige Rolle spielt. Der Raum wird bestimmt von sichtbaren Streben, Stützen und Zugstangen, von Abhängungen und Verankerungen. Die komplizierte Gestaltung wurde erst dank der computerunterstützten Entwurfspraktiken realisierbar. Die Vielzahl von sich überschneidenden und durchdringenden Raumsequenzen bietet den Besuchern des Foyers ein komplexes, aber auch verwirrendes, weil nicht mehr zentralperspektivisch erfassbares Raumerlebnis.

Da wir offenbar zu äußerst ungünstigen Zeiten vorbeischauten (später Abend, Nachmittags?), konnte ich den Kinokomplex allerdings nicht von innen begutachten.

Fließende Räume…

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Das Fließende der Räume – für die Architekten eines der wichtigsten Interessen in diesem Entwurf – beschränkt sich nicht nur auf die zirkulierende Wegeführung im Inneren des Baus, sondern entfaltet sich auch in den Stadtraum hinaus. Vom Innern des gläsernen Foyers aus sind nicht nur die Bewegungen der Menschen auf den verschiedenen Ebenen des Baus, sondern auch draußen zu beobachten. Das Foyer will keine schlichte Eingangshalle zu den Kinos sein, sondern ein Durchgangsort, der neuen Stadtraum schafft.

Ob das allerdings so erfolgreich umgesetzt wird, wie es die Konzeption vorsieht – ich habe nach meinem Besuch vor Ort Zweifel.

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Blick von "hinten" auf den Betonblock

Zugleich dringt der Stadtraum im wahrsten Sinne durch den Einsatz von rauen, unbehandelten Materialien wie Beton, Aluminiumbleche und -gitter, die als typische Stadtmaterialien gelten, in das Gebäude ein. Zudem wird der erleuchtete Glas-”Kristall” nachts in den Stadtraum projiziert. Auf diese Weise treten Stadt und Gebäude miteinander in Dialog, so die Architekten, die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen und es wird ein neuer, überdachter “flüssiger” Stadtraum geschaffen: “definiert, aber nicht abgeschlossen”.[2]

Diese Erfahrung lässt sich vor Ort schon eher bestätigen, auch wenn die Beleuchtung eher weniger kristallin war (was aber nicht dem Entwurf anzukreiden ist).

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Ein Kino als öffentlicher Raum? Coop Himmelb(l)aus Ziele…

Der Kinobau will mehr als ein monofunktionales Filmvorführhaus sein; vielmehr stand die Beschäftigung mit dem eigentlichen Zweck „Kino” bei der Entwicklung des Entwurfs im Hintergrund. Wichtiger war die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, für die die Coop die beschriebenen Lösungen gefunden hat.

Damit reagieren sie nicht nur auf die besondere Lage des Kinozentrums, sondern auch auf die urbanen Probleme der Stadt: durch Nachverdichtung sollte „Dresdens Zentrum urbane Dichte und Qualität zurück[ge]geben” werden.[3] Die Coop sah die Situation bedroht durch die häufig üblichen Verkäufe von öffentlichen Raum an private Bauunternehmen, und setzten ihren Entwurf entgegen: Durch das Verweben von urbanen Räumen, öffentlichen Innenräumen und Durchgangswegen sollte die Monofunktionaliät aufgehoben und das neue Zentrum Dresdens verdichtet werden.

Der UFA-Komplex wurde nicht nur als Kino, sondern vor allem auch als öffentlicher Raum gebaut – “kein Innenraum, sondern ein Außenraum, der zufällig abgedeckt ist”.[4]

Die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, die Coop Himmelb(l)au von Anfang an beschäftigt und schon hinter den aktionistischen Projekten ihrer ersten Jahre stand, wird in Dresden erstmals in einem Bauprojekt thematisiert und umgesetzt. Dieser Punkt macht den Kinosolitär jedoch auch angreifbar: Kritiker bezeichnen den Bau als „unstädtisch”, weil er zuviel formale Willkür zeige und daher als Stadtbaustein wenig geeignet sei.

Kommentar…

Gerade zu letzterer Kritik gilt aber – für meinen Geschmack: alles halb so wild. Zum einen ist der Coop’sche Bau gar nicht so groß, wie er auf Illustrationen oft wirkt, und ist daher nicht so überdominant, wie es die Kritiken beschwören wollen.

Zum anderen ist die Lage tatsächlich sehr ungünstig für einen einladend gestalteten öffentlichen Platz: sie hat etwas von einem Reststück zwischen Straße und Wohnblock”riegel” zur Pragerstraße hin (auf den Abbildungen stellenweise im Hintergrund zu sehen. Zu diesem Wohnblock habe ich allerdings keine Informationen). Das extravagante Kino macht das Beste aus dieser ungünstigen Stelle, die sonst mehr eine “Hinterhof/Parkplatz”-Atmosphäre hätte, und verleiht ihr einen eigenen Charakter.  (Mehr hier).

Fundierter ist dagegen die Kritik, dass es stadtplanerisch unklug sei, einen Kinokomplex an einer Stelle zu konzentrieren – dies trifft erfahrungsgemäß und nicht nur für Dresden mit Sicherheit zu.

Zu einem weiteren Vorwurf, dass Ausführung des Baus eher mangelhaft sei (die Gestaltung des Innenraums sei für Nutzer unübersichtlich und erschwere die Orientierung, die Schallisolierung der Wänden zwischen den einzelnen Sälen unzureichend) kann ich nicht beurteilen. Einzuräumen ist jedoch auch, dass das gebaute UFA-Kino nur eine „Spar-Variante” des ursprünglichen Entwurfes gewesen ist, so die Architekten (DNN vom 12.01.05).


[1] Projektbeschreibung auf www.coophimmelblau.at.

[2] Prix, Wolf D., Architektur am Ende des 20. Jahrhunderts. Vortrag von Wolf D. Prix im Rathaus Wien. 1998, in: Prix, Wolf D., Coop Himmelblau: Get off of my cloud. Texte 1968 – 2005, hrsg. von Martina Kandeler-Fritsch und Thomas Kramer, Ostfildern-Ruit 2005,S. 202.

[3] Werner, Covering + Exposing. Die Architektur von Coop Himmelb(l)aus, Basel, Berlin, Boston, 2000, S. 53.

[4] Prix, Architektur am Ende, 2005, S. 202




Daniel Libeskind: Erweiterung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Dresden

1 04 2009

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, das Kontinuitäten und Brüche des Verhältnisses von Militär und Gesellschaft in Deutschland vom Mittelalter bis heute thematisiert, wird architektonisch und inhaltlich neugestaltet (mehr hier). Libeskinds Konzept sieht eine Keilspitze vor, die aus dem Haupttrakt der Anlage hervorragt: In der Form eines Keils hatten die britischen Bomberverbände im Februar 1945 die Altstadt Dresdens angeflogen. Die Keilspitze zeigt auf den Ort, an dem die ersten Bomben abgeworfen wurden.

Die Keilform nimmt nicht nur symbolisch Bezug auf die Bombardierung, sondern verweist auch auf die neue Konzeption der Ausstellung: Die chronologische Schau soll unter- und aufgebrochen werden durch den modernen Keil, der spezielle, epochenübergreifende Themen beinhalten soll. Ein Zitat aus der offiziellen Projektbeschreibung Libeskinds folgt unten.

Fertiggestellt soll das Militärhistorische Museum so aussehen:

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Die Keilspitze wurde im September 2008 montiert (die Fertigstellung ist für 2010 geplant, statt wie ursprünglich 2008). Aktuell sieht es so aus (Stand Mitte März 2009):

© Fotos SK (ja, das Wetter war nicht ideal!)

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Die Stahlkonstruktion ist 30m hoch und ragt bis zu 20m heraus; sie besteht aus ca. 140t Stahl, wurde aus zwei Seiten zusammengesetzt und steht auf 6 Bohrpfählen mit je 13 m Länge.

Die Verkleidung durch gelochte Aluminiumpaneelen folgt.

Der Umbau soll bis 2010 fertiggestellt werden, 2013 soll eröffnet werden (laut Angaben auf der Seite des Architekten).

Zur Projektbeschreibung heißt es auf der offiziellen Website Libeskinds:

Daniel Libeskind designed the new extension by cutting a wedge through the structural order of the arsenal, giving the museum a place for reflection about organized violence. This wedge creats an objective view to the continuity of military conflicts and opens up vistas to central anthropological questioning.

The new extension gives a fundamental re-orientation to the existing building. It opens up the view to the historical center of Dresden. The wedge soars above the roof of the existing building, creating an image of modernization to the outside world and offering the opportunity to experience the opening to the city.

The new façade is being conceived against the background of the existing building, in response and contrast to it. The openness and transparency of the new façade stands against the opacity and solidity of the old façade. As one represents the severity of the authoritarian past in which it was built, the other reflects the openness of a democratic society and the changed role of its military. In the new elevation of the Museum both are visible at the same time and one through the other. This correlation corresponds to the juxtaposition of new and old in the building’s interior; the rigid column grid of the old Arsenal is contrasted with a new column of free space.  The interplay of both together forms the character of the new Military History Museum.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden




Dresden…

28 03 2009

© Fotos SK


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Nachdem ich Mitte März endlich den langgeplanten Besuch in Dresden geschafft habe, steht das (nicht nur architektonische) Urteil aus: beeindruckend! In 2 Tagen haben wir zwar nur die Altstadt, aber dies dafür sehr intensiv :-). Die Aufbauleistung der Dresdner ist enorm – vom konservatorisch-restauratorischen Standpunkt aus mag es zwar nicht unstrittig sein, zerstörte Bauten historisierend wieder aufzubauen (erinnert sei an das Berliner Stadtschloss-Debakel), es ist in Dresden jedoch sehr gelungen.

dresden-3dresden-2Paradebeispiel ist natürlich die wiederaufgebaute und 2005 eingeweihte Frauenkirche; der Einsatz von alten und neuen Steinen, der die Fassade “gescheckt” erscheinen lässt, erreicht die beabsichtigte Wirkung des Mahnmals bestens.

Tatsächlich gibt es neben Zwinger, Frauenkirche, Semperoper, … auch eine ganze Reihe moderner Gebäude zu entdecken, etwa in der Prager Straße. Auch 20 Jahre nach der Wende herrscht noch rege Bautätigkeit.

Besonders interessiert haben mich (natürlich) zwei Bauten von “dekonstruktivistischen” Architekten: das UFA Kino von Coop Himmelb(l)au, das erste realisierte Gesamtgebäude der Österreicher, und der Ausbau des Militärhistorischen Museums durch Daniel Libeskind. Zu beiden folgen eigene Beiträge.

Entdeckt habe ich auch die Architekturgalerie hausFORM, die Informationen, eine Mediathek, Vorträge und Events zum Thema sowie Ausstellungen von Modellen und Entwürfen präsentiert.

Zwar hat das Wetter nicht ganz mitgespielt – und war eher Foto-unfreundlich – dennoch ein paar Foto-Impressionen:

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Und noch ein abschließender Tipp – die Kunsthofpassage. Hier wurde in den 1990er Jahren ein heruntergekommener Hinterhöfe-Komplex in der Dresdner Neustadt revitalisiert und neu gestaltet. Herausgekommen sind sechs von Künstlern kreativ und thematisch individuell gestaltete Höfe, wie man sie sonst nirgends findet: Im “Hof der Elemente” gibt es etwa ein “Regenrinnenglockenspiel”, während im “Hof der Tiere” Tierfiguren aus Sandstein die Fassaden bevölkern und Holzstämme und Flechtwerk die Balkone gestalten. Innen finden sich alternative Lädchen und Restaurants.

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Und zum Abschluss noch eine kulinarische Empfehlung:

dresden-maru Durch Zufall entdeckt in der Dresdner Neustadt – das traditionelle koreanische RestaurantMaru. Gerichte werden in einem Mini-Wok am Tisch zubereitet und von typisch koreanischen Beilagen wie Kimchi begleitet. Angerichtet in Raku-Geschirr und Seladon-Tee-Service – schöner geht’s nicht! Leckerer auch kaum – im Vergleich zum standardisierten Durchschnittsasiaten wirklich ein kulinarisches Erlebnis.

Maru, Förstereistraße 5, Dresden (Haltestelle Louisenstraße)