Architekturfotografie-Preis 2011: Nils Clauss, Paul Duri Degonda, Dawin Meckel

10 05 2011

Nils Clauss is awarded with the European architecture photography award 2011, 2 equal runner-ups are Dawin Meckel and Paul Duri Degonda. Currently, the 28 best series are presented at the German architecture museum in Frankfurt.

Nils Clauss, Urban Nature, Preisträger Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011 \\ © Nils Clauss, architekturbild 2011

Nils Clauss, Urban Nature, Preisträger Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011 © Nils Clauss, architekturbild 2011.

 

 

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Architekturfotografie-Preis 2011

Nils Clauss | Paul Duri Degonda | Dawin Meckel |

07.05.2011 – 19.06.2011

Deutsches Architekturmuseum Frankfurt

http://www.dam-online.de

www.architekturbild-ev.de

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PR-Text: Der Europäische Architekturfotografie-Preis, der seit 1995 alle zwei Jahre ausgelobt wird, geht 2011 an den Berliner Fotografen Nils Clauss.

Das Thema des Preises 2011 lautete »Dazwischen | in between«. Der weltweit erste Architekturfotografie-Preis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird seit 2005 von dem gemeinnützigen Verein architekturbild e.v. ausgeschrieben und vergeben. Nachdem das Deutsche Architekturmuseum und der Verein im Jahr 2008 die Kooperation in puncto Europäischer Architekturfotografie-Preis besiegelt haben, finden nun die Preisverleihung und die Erstausstellung der besten 28 Wettbewerbsbeiträge bereits zum zweiten Mal im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main, statt. 2005 wurde der weltweit erste Architekturfotografie-Preis zum ersten Mal von dem gemeinnützigen architekturbild e.v. organisiert. 2008 begann die Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main

Nils Clauss, Urban Nature, Preisträger Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011 \\ © Nils Clauss, architekturbild 2011

Nils Clauss, Urban Nature, Preisträger Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011 © Nils Clauss, architekturbild 2011

Wie bereits in den vergangenen Jahren interpretierten die teilnehmenden Fotografen auch beim aktuellen Wettbewerb das Thema »Dazwischen | in between« sehr vielschichtig. Unter den Beiträgen von 269 Teilnehmern aus 15 Ländern zeichnete die Jury – Vorsitzende war Christiane Gehner, 1. Vorsitzende des »Palais für aktuelle Kunst«, Glückstadt, und Mitglied der DGPh – die vierteilige Fotografieserie von Nils Clauss mit dem 1. Preis aus. Nils Clauss führt mit – auf den ersten Blick – irritierenden Bildern seiner Bildserie »UrbanNatur« vor, wie sehr die Grenzen zwischen Stadt und Land, zwischen urbanem und ländlichem Raum verwischen können.

Weiterhin wurden zwei gleichwertige zweite Preise vergeben. Paul Duri Degonda spielt in der Serie »l’unda | Die Welle« ebenfalls mit der Irritation. Spiegelungen, Durchblicke und Konturen des Gebäudes changieren, streiten miteinander. Aber in der Addition aller vier Bilder ergibt sich ein Gesamtbild der Welle (Zentrum Paul Klee, Bern). Dawin Meckel zeigt die Verlassenheit und unheimliche Leere der einst boomenden Autostadt Detroit in beängstigend hautnahen Bildern.

Die 28 besten Bildserien des zunehmend international bekannten Architekturfotografie-Preises werden beginnend mit der Preisverleihung vom 6. Mai bis zum 19. Juni im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main gezeigt.

Es erscheint ein Katalog (120 Seiten, 245 farbige und s/w-Abbildungen, Text deutsch/ englisch, Hardcover, Format quer 24 x 17 cm) in der avedition für 24,80 Euro.

Infos + illus. DAM




Herein! – Fotografierte Interieurs im Art Foyer DZ Bank Frankfurt

30 04 2011

“Herein!” – “Come in” is the title of the current exhibition at the Art Foyer DZ Bank in Frankfurt. It presents photographed interiors by several photographers who follow different approaches to the topic.

Miriam Bäckström, Set Constructions, 1995-1990

Miriam Bäckström, Set Constructions, 1995-1990 © M. Bäckström

Herein! – Fotografierte Interieurs

14. April – 11. Juni 2011

ART FOYER DZ BANK
Eingang: Cityhaus I, Friedrich-Ebert-Anlage
Frankfurt
www.dzbank-kunstsammlung.de

 

Miriam Bäckström |Laurenz Berges |Katharina Bosse |Lynne Cohen | Lucinda Devlin | Martin Doerbaum | Julian Faulhaber | Luigi Ghirri| Alex Hartley |Matthias Hoch |Candida Höfer | Sarah Jones | Louise Lawler |Robert Longo | Paulo Nozolino | Jason Oddy |Lois Renner | Georges Rousse | Raïssa Venables

MEHR BILDER HIER

PR-Text: Herein, bitte! Jeder ist willkommen. Die Einladung ist freundlich und ernst gemeint. Aber Vorsicht! Wer der Aufforderung nachkommt, wird aus den betretenen Räumen womöglich schnell wieder heraus wollen, handelt es sich doch in den meisten Fällen um Flucht und Zufluchtsorte, die es entweder gar nicht gibt oder die kaum einen Ausweg offen lassen.

Es sind Innenräume, die die Besucherinnen und Besucher im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main in jeder Hinsicht gefangen nehmen. Vom 14. April bis 11. Juni 2011 sind hier in der Ausstellung „Herein!“ fotografierte Interieurs von 20 internationalen Gegenwartskünstlern zu sehen. Vertreten sind u.a. Miriam Bäckström, Laurenz Berges, Katharina Bosse, Lucinda Devlin, Martin Dörbaum, Luigi Ghirri, Matthias Hoch, Candida Höfer, Sarah Jones, Louise Lawler, Robert Longo, Paulo Nozolino, Jason Oddy, Georges Rousse und Raissa Venables.

„Seit den Anfängen in den frühen 1990er Jahren haben wir den Aufbau unserer Sammlung zeitgenössischer Fotografie nach den Gattungen der Kunstgeschichte konzipiert. Anhand unserer großen Bestände an Werken, die sich mit den klassischen Genrethemen auseinandersetzen, lässt sich nachvollziehen, in welchem Maße die Fotografie die Prinzipien der Malerei mit anderen Mitteln fortführt. Für unsere thematische Ausstellung „Herein!“ haben wir eine Auswahl getroffen, die diese Bezüge an einem der ältesten künstlerischen Sujet sichtbar macht“, erläutert Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung.

Julian Faulhaber, Cocoon, 2004

Julian Faulhaber, Cocoon, 2004 © J. Faulhaber

 

Lichtbildner des späten 20. und des 21. Jahrhunderts schaffen mit aus der Malerei entlehnten Motiven und Stimmungen innere Räume völlig neuen Zuschnitts. „Sobald wir die Künstler beim Bild nehmen, stellen wir fest, dass sie uns durch Irritation zu eigenen Gedankengängen herausfordern. Das ist Sinn und Zweck ihres trickreichen Treibens“, kommentiert der Kulturpublizist Günter Engelhard, der die Begleittexte zu dieser Ausstellung verfasste.

Der Becher-Schüler Laurenz Berges zum Beispiel erzeugt malerische Wirkung, indem er sich dem Lichteinfall auf Wandflächen widmet. Der Franzose Georges Rousse bemalt Architekturmotive mit geometrischen Blickfängen, bevor er die Kamera darauf ausrichtet. Raissa Venables (USA) bezieht sich auf surrealistische und kubistische Formen sowie auf den belgischen Symbolismus. Lois Renner, in Salzburg geboren, verbindet die Raumskulpturen seiner Atelier füllenden Gerüste zum Zweck fotografischer Verschmelzung mit der Gestik barocker Fresken.

Bei Paulo Nozolino (Portugal) entdeckt der aufmerksame Betrachter verblassende Wandfarben in einem orientalischen Café, wie man sie aus dem verwaschenen Anstrich einer Wand im „Balkonzimmer“ von Adolph Menzel kennt. Die nachträglich abfotografierte Kohlemalerei, mit der der Amerikaner Robert Longo die Wohnung des Psychoanalytikers Sigmund Freud in der Wiener Berggasse erkundet hat, erinnert etwa an Edvard Munch. Die gebürtige New Yorkerin Louise Lawler bezieht Kunstwerke (z.B. einen Akt von Gerhard Richter) kontextuell auf die Wohnungen der Sammler. Die gespiegelten Räume von Katharina Bosse sind vergleichbar mit spannungsvoll kombinierten Farbflächen. Der Blick des 1992 verstorbenen Italieners Luigi Ghirri in den Dom von Orvieto führt in die Frührenaissance zurück.

Eine weitere Gruppe von Künstlern repräsentiert in der Ausstellung den Bereich der digital hergestellten Interieurs, die auf Autonomie pochen und den Wiedererkennungswert so weit wie möglich mindern. Bei Matthias Hoch besteht das anonymisierte „Paris“ aus einer Sitzgruppe und „Leipzig“ aus Säule und Teppichboden. Julian Faulhaber verfremdet scheinbare Räumlichkeit zur lebensfernen Zone: Betreten verboten! Martin Dörbaum verfolgt das Motto „Natürlich künstlich“.

Ähnlich absolut reduziert der Engländer Jason Oddy Innenräume auf das Zusammentreffen von Ecken und Kanten und säuberlich ausgerichtete Details. Demgegenüber wirken die „Camouflagen“ der in Kanada lebenden Amerikanerin Lynn Cohen vergleichsweise wie Interieur-Parodien.

Vielfach sind Interieurs auch Leerräume. Auf sich selbst gestellt durchwandert man die repräsentativen Kulturräume von Candida Höfer. Allein im Interieur fasziniert der Blick auf die Couch in den von der Engländerin Sarah Jones fotografierten „Consulting Rooms“. Letzte Lebensstationen hat Lucinda Devlin (USA) mit 30 ganz speziellen amerikanischen Interieurs zu einer „Omega-Suite“ zusammengestellt.

„Das Interieur“, so Günter Engelhard, „dient dem Selbstverhör. Reine Schönheit und wohliges Empfinden gibt es hier nicht mehr.“

Im ART FOYER der DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6000 Werken von über 600 Künstlern.

Info + illus. courtesy ART FOYER DZ BANK

 




„Die Grundprinzipien der Architektur sind nicht neu, nur verschiebt sich durch die Epochen hin die Nutzung und damit auch etwas an der Form.“ Interview mit Yasmin Alt

5 02 2011

Die junge Dresdner Künstlerin Yasmin Alt erforscht plastisch, wie architektonische Formen funktionieren. Sie „baut“ ihre architektonischen Vorbilder nach, die sie auf ihre Grundformen, ihre Basis-Struktur reduziert, um ihrer Funktionsweise auf die Spur zu kommen – jedoch nicht, wie diese Bauten genutzt werden, sondern was beim Bauen (mit) dieser(n) Formen geschieht: Zugrunde liegt die Beobachtung, dass bestimmte Formen im Laufe der Zeit wiederkehren in unterschiedlichen Bautypen – so etwa die Entwicklung der „Halle“ von der antiken Basilika über den Kirchenbau hin zu Fabrikhallen in monumentalen Dimensionen.

Crying Chapel © Yasmin Alt

Crying Chapel © Yasmin Alt

Dafür arbeitet Alt mit unterschiedlichsten Ausdrucksmitteln, die sie zu räumlichen Collagen kombiniert. Zentral sind meist hüfthohen Gebäude-Plastiken, aber auch in Wandmodellen, die sie sorgfältig konstruiert. Ebenso finden sich jedoch auch rosettenartige runde Leuchtkästen, die an gotische Kathedralen erinnern, oder fotografische Dekonstruktionen. Ihre Arbeiten fügt sie zu raumgreifenden Installationen zusammen, anspielungsreich, vielschichtig, die Beziehungen untereinander aufbauen. Zugrunde liegt dabei eine immer intensive Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Raum, auf den Alt reagiert.

Immer wieder setzt sie sich auch mit ihren eigenen Werken auseinander, die sie durch das Prinzip des Zerschneidens und Wiederzusammensetzens weiterentwickelt und verfremdet.

Alt hat nicht auf direktem Weg zur Kunst gefunden. Sie hat zuerst Biologie in den USA studiert, hast dich dann aber entschlossen, Skulptur zu studieren: Ich habe dann auch wie Friedrich 2003 begonnen, in Dresden Bildhauerei zu studieren. Erst bei Professor Martin Honert und dann noch zwei Jahre als Meisterschülerin bei Professor Monika Brandmeier.

Gerade ging ihre Zeit in Frankfurt zu Ende, wo sie als Stipendiatin des Dynamo-Eintracht-Stipendium 2009-2010 gelebt und gearbeitet hat. Aktuelle Arbeiten von Yasmin sind derzeit in der 2. Plaza Show der Commerzbank Frankfurt „Hochparterre“ gemeinsam mit Fotoarbeiten von Friedrich Vater zu sehen.

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PLAZA SHOWS

Hochparterre

Yasmin Alt / Friedrich Vater

4. Februar bis 1. April 2011

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Im Interview mit deconarch.com erzählt Yasmin Alt über ihre Interesse an der Architektur, was sie für ihre Arbeit inspiriert und wie sie zur Kunst gefunden hat.

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INTERVIEW

Yasmin, deine Arbeiten bestehen aus verschiedenen Elementen, die Beziehungen untereinander aufbauen und ähnliche Prinzipien untersuchen. Sie sind wie räumliche Collagen. Dabei arbeitest du mit ganz unterschiedlichen Materialien – du baust Strukturen aus MDF, aber fertigst ebenso Foto-Collagen an oder Leucht-Mosaiken. Welche Themen interessieren dich besonders in deiner Arbeit?

© Yasmin Alt

© Yasmin Alt

Yasmin Alt: Das ist zum einen Bewegung oder besser: Simulation von Bewegung. Das klingt zunächst widersprüchlich, da ich ja hauptsächlich rigide Objekte fertige. Aber die Momentaufnahme oder die angehaltene Bewegung kommt wiederholt in meinen Arbeiten vor. Das bedeutet, dass ich mit verschiedenen Mitteln arbeite, die sozusagen gegen das Wesen der Skulptur gehen. So baue  ich gerne kleine Unstimmigkeiten in meine Arbeiten ein. Es kann leichte perspektivische Verzerrungen geben. Häufig zerteile ich Arbeiten auch, um sie wieder neu zusammenzusetzen. Das Fragmentarische spielt eine große Rolle. Darüber hinaus interessiere ich mich für die Baugeschichte der unterschiedlichsten Epochen. Gerade habe ich ein ziemliches Faible für die Gotik, aber auch Industriedenkmäler und Fassadengestaltungen interessieren mich.

Wo findest du Inspiration?

Yasmin Alt: Ich gehe meist von ganz konkreten Dingen aus der Realität aus. Das kann etwa ein Foto in einem Buch sein, das zur Initialzündung wird. Ich habe eine ganze Sammlung an antiquarischen Büchern über Architektur. Es kann aber auch ein Gebäude an der Autobahn sein. Plötzlich fällt mir etwas auf, gefällt mir und dann will ich untersuchen, was mir daran gefällt, und baue es nach. Dabei verändert es sich meistens von selbst. Allein durch die Größe zum Beispiel.

Häufig „baust“ du architektonische Vorbilder „nach“. Dabei reduzierst du sie auf ihre Grundformen, ihre Basis-Struktur, und erforschst ihre „Funktionsweise“ – nicht wie Bauten genutzt werden, sondern was beim Bauen passiert. Wie funktionieren Bauformen als Zeugnisse des Vergangenen?

Yasmin Alt: Vielleicht ist es das Monumentale und Erhabene, auf das ich reagiere, denn ich interessiere mich vor allem für Prachtbauten und was sie ausmacht. Dabei sind die Grundprinzipien der Architektur nicht neu, nur verschiebt sich durch die Epochen hin die Nutzung und damit auch etwas an der Form. Am Anfang produzierten die Kirchen die mächtigsten Bauwerke – riesige Hallen und zum Himmel strebende Türme für spirituelle Zeremonien. Später, in der Zeit der Industrialisierung, entstanden prächtige – hierzulande leider häufig unterschätzte – Gebäude, die mit einfachen Mitteln in große zweckmäßige Gebäuden strukturiert wurden. Es gelang, neben Monumentalität auch Abwechslung für das Auge zu schaffen.

Bei den Bauwerken, die mich interessieren, erforsche ich ihre Wirkung nach Außen hin. Ich baue ja nichts Zweckmäßiges, sondern ein Modell, und vielleicht ist es deswegen, dass sich die Arbeiten verändern müssen. Als Modell sind sie anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen und oft in einem Blick zu erfassen. Die Herausforderung liegt für mich eben darin, ihnen in dieser Größe wieder etwas Aufregendes zu verleihen.

Karussell © Yasmin Alt

Karussell © Yasmin Alt

Woher kommt dieses Interesse an der Architektur?

Yasmin Alt: Wahrscheinlich schwingt da schon der Wunsch mit, vergangene Zeiten erlebt zu haben. Als Kind wollte ich unbedingt Archäologin in Ägypten werden und konnte sogar einige Hyroglyphen lesen. Davon bin ich wieder abgekommen, aber die Liebe zu Ruinen und Vergangenem ist geblieben.

Du hast zuerst eine ganz andere Studienrichtung eingeschlagen. Warum hast du dich doch für Kunst entschieden?

Yasmin Alt: Ich merkte recht schnell, dass das Biologie-Studium für mich auf Dauer nichts war. Mit dem Eintauchen in die Molekularebene mit ihren Buchstabenkodes wurde es für mich immer bedeutungsloser. Die Liste der Unterenzyme und Cofaktoren wurde immer länger, aber näher an die Substanz von Leben kam man dadurch nicht. Also musste ich etwas ändern. Es war eine schwierige Zeit für mich und zur Kunst bin ich eher zufällig gekommen. Mir ging es einfach immer gut, wenn ich Kunst machte. Ich fuhr viel herum in dieser Zeit und habe fotografiert, Autobahnkreuze, verlassene Gegenden. Die Idee, Skulptur zu studieren, entstand über meine Beschäftigung mit Collagen und ein Freund riet mir, das doch zu versuchen, mein Interesse für die dritte Dimension zu verfolgen.

Collage, Fotografien, MDF – du arbeitest mit ganz unterschiedlichen Materialien …

Yasmin Alt: Das richtet sich schon ein bisschen nach der Idee. Manchmal benötige ich bestimmte optische Oberflächeneigenschaften. Dann benutze ich Kunststoffe wie Polyester. Am liebsten ist mir aber MDF, das kann man schnell mit der Stichsäge sägen und mit Heißkleber grob fixieren. Es lässt sich sogar etwas biegen. Ich bin aber dazu übergegangen, das MDF noch mit Epoxydharz zu tränken, das gibt eine bessere Oberfläche und ist stabiler. Dann verspachteln und schleifen, verspachteln und schleifen. Eine gewisse Perfektion was Oberfläche und Kanten betrifft ist mir schon wichtig. Denn meine Arbeiten sind formtechnisch eher reduziert und daher empfinde ich es als störend, wenn man die Konstruktionsgeschichte noch sieht. Ein bisschen Magie muss sein! Das Material ist in solchen Fällen dann eher ein Farbträger.

Seit Kurzem beschäftigst du dich auch intensiv mit Farbe und der Farbigkeit deiner Objekte.

Damaskus © Yasmin Alt

Damaskus © Yasmin Alt

Yasmin Alt: Damit habe ich mich während meiner Zeit in Frankfurt verstärkt beschäftigt. Ich habe viele Collagen gemacht und so mein Augenmerk verstärkt auf die Wirkung von Farbe und Form auf der zwei-dimensionalen Fläche gerichtet. Hatte ich vorher die Farbigkeit eines Objektes als zweitrangig angesehen, und daher eine einfarbige Fassung vorgezogen, habe ich während des Stipendiums für mich neue Möglichkeiten des Farbauftrags erkundet. Durch die Verwendung von  Sprühlack ergaben sich spannende und auch sehr direkte Wege in der Farbgestaltung. So konnte ich eine weitere Illusionsebene hinzufügen. Das Objekt und die Farbigkeit als zwei sich überlagernde Ebenen begreifen, die einerseits die dreidimensionalen Eigenschaften des Objekts verstärken können und zusätzlich Illusion von Dreidimensionalität erzeugen, wo keine ist. Dadurch hat sich meine Arbeit in eine abstraktere Richtung entwickelt.

In deinen Worten: Was ist charakteristisch für deine Arbeit?

Yasmin Alt: Ich glaube das charakteristische an meinen Arbeiten ist, dass sie sich als dreidimensionale Collage zusammenfügen. Sie bestehen aus unterschiedlichen Elementen, die Beziehungen untereinander aufbauen und ähnliche Prinzipien untersuchen.

Yasmin, vielen Dank für das Interview!




Hochparterre in Frankfurt mit Yasmin Alt und Friedrich Vater

31 01 2011

Ab Donnerstag eröffnet die zweite PLAZA Show in der Lobby der Frankfurter Commerzbank mit einer Ausstellung von Yasmin Alt und Friedrich Vater. Begleitend dazu erscheint eine kleine Publikation mit Interviews von mir mit den beiden Künstlern. Insbesondere Yasmin richtet denFokus ihrer Arbeit auf die Auseinandersetzung mit architektonischen Formen.

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PLAZA SHOWS

Hochparterre

Yasmin Alt / Friedrich Vater

4. Februar bis 1. April 2011

Vernissage: Donnerstag, den 3. Februar 2011, um 18:00 Uhr

in der Lobby des Commerzbank-Towers, Kaiserplatz, 60311 Frankfurt

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PR-Text: Der Fokus der beiden Künstler liegt auf Installationen und Objekten. Die skulpturalen Arbeiten der 32jährigen Künstlerin aus dem hessischen Bad Schwalbach sind anzusiedeln zwischen Abstraktion und Figuration. Friedrich Vater, 1977 im brasilianischen Salvador geboren, beschäftigt sich mit dem Thema Identität. Er lotet in seinen Arbeiten die Grenzen der Identitätsbindung aus und fragt nach, wie sich die Position des Einzelnen in der Gesellschaft und die Gesellschaft insgesamt wechselseitig beeinflussen.




Exhibitions on (urban) space: Stuttgart – Munich – Frankfurt

4 03 2010

Neues aus dem Süden: Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt Katinka Bock in der “Frischzelle”; die Künstlerin setzt sich intensiv mit dem Ort auseinander, für den ihre Arbeiten – Skulpturen, Filme, Installationen – bestimmt sind. In München geht eine neue Kooperation zwischen einem Architekturbüro (Henn) und einer Galerie (Beck & Eggeling) an den Start, die sich dem Thema Raum widmet – mit Fotografien von Thomas Wrede. Und in Frankfurt spürt eine Gruppenausstellung in der Galiere Galerie Anita Beckers dem “Paradise is somewhere else” nach.

News from the German south: The Kunstmuseum Stuttgart presents Katinka Bock, who’s analyzing intensively the location where her works will be shown – sculptures, films, installations.  In Munich, a new cooperation between an architecture studio (Henn) and a gallery (Beck & Eggeling, Dusseldorf) is about to start, dealing with space – the opening exhibition presents photographs by Thomas Wrede. And in Frankfurt gallery Anita Beckers, a group exhibition traces how “Paradise is somewhere else”.


Katinka Bock, Landschaft unter dem Tisch, 2009, Holz, Terracotta, 70x70x60cm, Installationsansicht Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft; Foto: Stephan Minx, © Katinka Bock

Katinka Bock, Landschaft unter dem Tisch, 2009, Holz, Terracotta, 70x70x60cm, Installationsansicht Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft; Foto: Stephan Minx © K. Bock

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FRISCHZELLE_12: Katinka Bock
6. März – 6. Juni 2010

Kunstmuseum Stuttgart

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PR-Text: Bevor Katinka Bock mit einer Arbeit beginnt, begibt sie sich auf Spurensuche. In intensiver historischer Recherche setzt sie sich mit den Orten auseinander, für die ihre Skulpturen, Filme und Installationen bestimmt sind. Mithilfe natürlicher Materialien wie Ton, Papier, Holz, Metall und Stein macht die 33-Jährige Verborgenes sichtbar. Anhand vorhandener Geschichts- und Raumbezüge gestaltet die in Paris lebende Künstlerin abstrakte Landschaften, in denen durch das Aufeinanderprallen von Natürlichkeit und Künstlichkeit neue Dimensionen entstehen. Als zwölfte Künstlerin in der Ausstellungsreihe junger Kunst wird Katinka Bock die »Frischzelle« im Kunstmuseum einmal mehr auf neue Weise gestalten.

Info + Abb. Kunstmuseum Stuttgart

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"Swimmer", 2002, 95 x 67 cm aus der Serie Manhattan / Picture Worlds - 2001-2007, C-Print Diasec

"Swimmer", 2002, 95 x 67 cm aus der Serie Manhattan / Picture Worlds - 2001-2007, C-Print Diasec © Th. Wrede

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THOMAS WREDE

Manhattan / Picture Worlds

4. März – 30. April 2010

Henn Galerie in Kooperation mit Beck & Eggeling

München

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Eine spannende Kooperation: Das renommierte Architekturbüro Henn hat sich für eine Ausstellungsreihe zeitgenössischer Kunst mit dem weitgefassten Thema “Raum” mit der erfahrenen Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling zusammengeschlossen. Den Auftakt der Kooperation markiert die Ausstellung “Manhattan / Picture Worlds” mit Fotografien von Thomas Wrede in München.

"King Kong", 2006, 95 x 123, 150 x 194 cm  aus der Serie 'Manhattan / Picture Worlds - 2001-2007', C-Print Diasec

"King Kong", 2006, 95 x 123, 150 x 194 cm aus der Serie 'Manhattan / Picture Worlds - 2001-2007', C-Print Diasec © Th. Wrede

Aus dem PR-Text: Während der letzten sieben Jahre fotografierte Thomas Wrede (*1963) die großen Plakatwände im New Yorker Manhattan, die für ihn signifikante Architekturelemente der schnelllebigen Metropole darstellen. Die von der Werbung vermittelten Ideale setzt er gekonnt in Kontrast zum Realismus der Straße, in dem er die Menschen und die Atmosphäre des New Yorker Alltags mit seiner Kamera einfängt. Es entsteht eine Real-Collage, in der sich die unterschiedlichen Ebenen der Realität zu einem spannungsreichen Bild komplettieren, das nur mithilfe einer Fotografie erzeugt werden kann. Die Stadt wird so zur Bühne und Kulisse; die auf übergroße Formate aufgeblasenen Ideale der Werbung verschwimmen mit dem amerikanischen Alltag.

Wie schon in früheren Fotoserien wie beispielsweise den bekannten “Real Landscapes”, geht es Thomas Wrede auch hier um die Verschiebung von Größenverhältnissen und vor allem die Erzeugung unterschiedlicher Realitätsebenen.

Ab dem 24. März 2010 zeigt die Kunsthalle Bielefeld ebenfalls Arbeiten aus der Serie ‘Manhattan / Picture Worlds’.

Info + Abb. Galerie Henn

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Sandra Senn Forces #1, 2009 210 x110 cm Pigment print on Hahnemühle paper Edition 5/ + 2 AP Courtesy Galerie Anita Beckers

Sandra Senn Forces #1, 2009 210 x110 cm Pigment print on Hahnemühle paper Edition 5/ + 2 AP Courtesy Galerie Anita Beckers

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Paradise is Somewhere Else

Niklas Goldbach | Nathalie Grenzhaeuser | Monica Ursina Jäger | Zhenchen Liu | Uriel Orlow | Julia Oschatz | Sandra Senn

February 26th – April 10th, 2010

Galerie | Anita Beckers | Frankfurt

Die Gruppenausstellung in der Galerie Anita Beckers präsentiert Arbeiten von  Niklas Goldbach (*1973), Nathalie Grenzhaeuser (*1969), Monica Ursina Jäger (*1974), Zhenchen Liu (*1976), Uriel Orlow (*1973), Julia Oschatz (*1970) and Sandra Senn (*1973). Die Arbeiten zeigen fiktive Architketurne, künstliche Landschaften und historische Ruinen und spielen mit unserem Blick auf die Welt und hinterfragen heutige Ideale – und ihr Fehlen.

Niklas Goldbach "HABITAT C3B", 2008 Video Loop, 7:37 min, HD Video, Stereo Edition 5 + 1 AP Courtesy Galerie Anita Beckers

Niklas Goldbach "HABITAT C3B", 2008 Video Loop, 7:37 min, HD Video, Stereo Edition 5 + 1 AP Courtesy Galerie Anita Beckers

Aus dem PR-Text: Bordering important political issues and yet unwilling to take sides, Niklas Goldbach’s film “Habitat C3B” depicts a series of performers unfolding different unexplainable actions in a modernist setting. Lapsing into the totalitarian, these actions re-enact the economic and social realities of our world, forcing us to question how exactly free is our urban and social space and how much room for self-determination we really have.

[...]

Taking up the no longer-existing “Palais der Republik” in Berlin as a motive, Sandra Senn photographed its ruins and manipulated them into a new constructed reality. If in one work the rainbow suggests a dream-like quality in other work the remainings of the building have a desolated war- like setting.

In “Paradise is Somewhere Else” all imaginary and constructed landscapes seem to point to unidentifiable places, in terms of place as well as of time. Either a memory of the past or a vision of a world to come, these images seem to cling to a disturbing documental reality, yet unable to find its anchor in the familiar order of things.

Info + Abb. Galerie Anita Beckers




Richard Meier in Mannheim

26 07 2008

(Fotos von S.)

Eine unerwartete Entdeckung kann man in Mannheim machen: seit 2007 kann man in einem von Richard Meier entwickelten Kaufhaus (P&C) shoppen gehen.

Meier (*1934) ist einer der großen Architekten weltweit; Pritzker-Preisträger von 1984 und einer der New York Five.

Offizielle Website von Richard Meier & Partners

Typisch für Meier sind mit weißen standardisierte Quadern verkleidete geometrische Baukuben mit lichtdurchfluteten Innenräumen, wie es auch in Mannheim zu beobachten ist:

Außen fällt die typische weiße Fassadenverkleidung auf, die allerdings – ein Kaufhaus eben – von sehr viel durchgehender Verglasung “unterbrochen” wird. Innen wirkt der Bau stylisch, unterscheidet sich jedoch nicht wirklich von anderen Käufhäusern. Da ist ein anderer Baublock in der Nähe bedeutend auffälliger und eindrucksvoller – der Store of the Year 2008 (engelhorn-Neubau vom Architekturbüro Blocher Blocher Partners).

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Das Kaufhaus in Mannheim ist übrigens nicht der einzige Meier-Bau in Südwestdeutschland: in Frankfurt ist bereits von 1979-1985 das Museum für Angewandte Kunst entstanden, in Baden-Baden gibt es seit 2004 das “Juwel im Park” / Frieder Burda Museum.