GELBFIEBER von Michael Brynntrup

26 05 2011

The yellow fever is rampant in tropical and subtropical regions, yet not in Asia. Michael Brynntrup, one of most important directors shown at the Berlinale for 15 times, focussed on his very own impressions and observations of the “Far East”. Galerie M, Berlin presents seven video installations and ten photo works by Brynntrup.

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GELBFIEBER von Michael Brynntrup

15.05. – 17.06.2011

Galerie M, Berlin

 

PR-Text: Die Ausstellung präsentiert sieben Videoinstallationen und zehn Fotoarbeiten, die Eindrücke und Beobachtungen des Künstlers in ’Fernostasien’ künstlerisch zusammenfassen. Höchst subjektiv betrachtet er ’Land und Leute’ und selbstverständlich auch den europäischen Blick auf die Kulturen des ‘Fernen Ostens’ selbst.

Das Gelbfieber-Virus ist in tropischen und subtropischen Gebieten in Südamerika und Afrika verbreitet, nicht aber in Asien.

Mit über 15 Teilnahmen bei der Berlinale gehört Michael Brynntrup zu den meistgezeigten Regisseuren des bedeutendsten Festivals in Deutschland. Das Museum of Modern Art New York widmete ihm mehrere Ausstellungen. Zahlreiche internationale Experimental- und Kurzfilmfestivals zeigten Retrospektiven seiner Arbeiten. Michael Brynntrup lehrt als Professor für Film und Videokunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Er lebt in Berlin.

 




Marzahn Dingliebe: Karl Heinz Jeron in der Galerie M

6 04 2011

Berlin Galerie M presents “Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe” – love of things. During strolls through this Berlin quarter, Marzahn, the artist has collected random things which he uses as simple “sound makers”: electric circuits change the objects into resonating volumes, thus creating their very own sound. The gallery space is resounding with the sounds of Marzahn.
Jeron collected these objects when strolling around the quarter on a “psychogeographic walk” inspired by situationist ideas.



Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe

Audioguide als Videodokumentation

Gefundene Objekte zum Klingen gebracht

Ausstellung vom 27.3. – 6.5.2011

Workshop zum Bau elektronischer Klangerzeuger am Sonntag, 10.4., 16.00 Uhr

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PR-Text: Ein Audioguide für einen psychogeographischen Spaziergang durch Marzahn

Er soll sich als fiktiver Layer über die reale Welt legen. Dazu benutzt der Künstler eine selbstentwickelte Software, die alle Straßennamen Marzahns auf Einträge im Gutenbergarchiv abfragt und sammelt. Das Gutenbergarchiv ist eine Sammlung zahlreicher klassischer Bücher in deutscher Sprache zum kostenlosen Lesen und legalen Kopieren. Mithilfe der Google Maps API ermittelt die Software alle zusammenhängenden Straßen und legt so die Route für den Spaziergang fest. Google Maps API ist eine Programmierschnittstelle, die den automatisierten Zugriff auf alle Daten von Google Maps erlaubt. Die zu den ermittelten Straßennamen korrespondierenden Texte aus dem Gutenbergarchiv werden mit einer Sprachsynthesesoftware in Audiodateien verwandelt. Zusammen mit der Karte ergeben sie einen Audioguide für Marzahn. Der Audioguide wird im Internet zum kostenlosen Herunterladen angeboten.

Die Idee bezieht sich auf die stituationistische Psychogeographie, also die experimentelle Untersuchung der architektonischen oder geographischen Umgebung auf ihre Einflüsse auf Wahrnehmung, psychisches Erleben und resultierendes Verhalten hin. Die Situationisten beschrieben mit dem Begriff Psychogeographie einen bewußten Zustand im Gegesatz zu DeQuinceys, für den Psychogeographie das planlos Durchwandern einer Stadt in einer Art Traumzustand bedeutet. Für Debor war es eine Frage von konzeptionellen Entscheidungen, wie und wo eine Stadt oder Landschaft „durchstreift“ wurde. Man reklamierte die Stadt als Terrain, das man eroberte, kartographierte und markierte. Eine Stadt oder auch eine Landschaft wird mittels der Psychogeographie erforscht und in psychische „Klimazonen“ eingeteilt. Die Stadt der Situationisten hat daher viele Zentren, die ständig in Bewegung sind. Die Orientierung zu verlieren und sich treiben zu lassen wird dabei als etwas Positives angesehen, etwas das die Abenteuerlust anregt und unvorhergesehene Ereignisse ermöglicht. “Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die größtmögliche emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft und des Lebens, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung mit geeigneten Aktionen durchzusetzen.” (Guy Debord , Rapport zur Konstruktion von Situationen) Vergleichbare Spaziergänge von mir sind auf der Website http://audioguide.projektraum.org dokumentiert.

Klangobjekte

Während seiner Spaziergänge durch Marzahn hat KH Jeron verschiedene Gegenstände auf den Straßen gefunden und eingesammelt. Diese Gegenstände werden in der Galerie zum Klingen gebracht. Eine einfache elektronische Schaltung genügt, um mithilfe des elektrischen Widerstands der gefundenen Objekte Töne zu erzeugen. Unterschiedliche Widerstände erzeugen unterschiedliche Frequenzen. Im Galerieraum zischeln diese Objekte leise ihre eigene Melodie. Die 20 Straßen des Audioguides liefern 20 Objekte für die Klanginstallation. Inspiration dafür ist der Text Supernatural Apparitions and Domestic Life in Japan von Kazuhiko Komatsu.

Er beschreibt darin das Konzept des Ushirometasa. Although it has largely been forgotten since disposability became the order of the day, the Japanese once had a different attitude toward their household goods. They felt guilty about throwing things away, especially utensils made by human hands. The word used for these guilt feelings, ushirometasa, literally means feeling someone’s gaze behind one’s back. One has done something improper; anyone secretly watching would surely disapprove. The gaze implied by ushirometasa includes that of fellow humans, but traditionally it carried stronger connotations of the gaze of a divine spirit. When a utensil is discarded, the agent of the gaze is the spirit of the utensil itself.

Info + illus. courtesy Galerie M, KH Jeron




Karin Rosenberg: “Umbruch” in der Galerie M Berlin

21 10 2010

Karin Rosenberg’s installation spreads into the entire gallery space of Galerie M, Berlin. Its title “Umbruch” translates to “upheaval”, “on the move” – the German word connotes both negative and positive content – and is often used synonymously for “political change”. Rosenberg plays with these association, yet doesn’t show them visually: Using topical urban material she changed the gallery into a walk-in art work.


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Karin Rosenberg “Umbruch”

27.9. – 29.10.2010

Galerie M, Berlin

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Aktuell: Künstlergespräch, 21.10.2010, 19h

Dr. Ralf Hartmann (Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord) diskutiert mit Karin Rosenberg und Emess (Urban Artist) die schon in der Ausstellung thematisierten Fragen zu Kunst und öffentlichem Raum weiter.

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PR-Text: Karin Rosenberg zeigt in der Galerie M eine raumfüllende Installation mit dem Titel „Umbruch“. Umbruch – ein Begriff der heute oft als Synonym für die politische Wende gebraucht wird. Karin Rosenberg nutzt diese Assoziationen, ohne sie jedoch visuell zu spiegeln. Die Künstlerin inszeniert alltäglich wahrnehmbare städtische Materialien – Bauzäune, Platten und andere Baumaterialien und strukturiert so den Galerieraum als begehbares Kunstwerk. Fotomontagen, großformatige Folienschnitte und Texte geben der Installation eine Komplexität, die dem Titel der Ausstellung mehr als gerecht wird.

Alles in der Ausstellung beschreibt einen Zustand zwischen nicht mehr und noch nicht. Bauzäune stehen auf weichem Kunstrasen. Der Schriftzug „Umbruch“ in roten Leuchtbuchstaben an der Wand wird mit dem Bild eines Sprayers kombiniert – in klassischer Streetartmanier direkt an die Galeriewand gesprüht. Underground gegen Kommerz? Die Buchstaben im Stil der Sparkassenwerbung lassen dies vermuten, sind aber mehr. Der Begriff Umbruch steht hier nicht nur für Veränderung und Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse, er benennt und befragt Schnittstellen von Kultur und Natur, von privaten und öffentlichen Räumen.

Großformatige, floral anmutende Folienschnitte an den Wänden stellen Flechten dar. Diese Flechten, hier in schon gigantische Ausmaße vergrößert, werden in der Umweltforschung als Indikator für städtische Luftqualitäten genutzt. Natur als Sensor gesellschaftlicher Veränderungen. Die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten menschlicher Kultur und Natur durchziehen alle Bereiche der Installation.

Der Grundsatz der Chaosforschung “Alles hängt mit Allem zusammen” beschreibt, wenn auch sehr allgemein formuliert, den künstlerischen Ansatz der Ausstellung. Karin Rosenbergs Installation konkretisiert dies und fragt nach der veränderungsauslösenden Situation – für eine wahrnehmbare Veränderung, einen Umbruch.

Info + illus. Galerie M




Schöne Stadt – Urban Cliches: Ausstellung mit Stefan Hoenerloh und Hans Martin Sewcz in Berlin

3 07 2010

Vernissage morgen, 4.7.10 um 18h!

Eine Plattenbausiedlung ist trist, eintönig, hässlich. Das Leben hier ist unpersönlich, anonym, uniform. In modernen Zweckbauten, wie man sie in Marzahn findet, will keiner leben, auch wenn sie zu ihrer Zeit als fortschrittlich, modern, erstrebenswert galten. Altbauten hingegen haben Konjunktur: Hohe Räume, luftig und mit einem besonderen Flair wohnt es sich in ihnen gemütlich, individuell, schön.

Aber wer nach Marzahn kommt, findet zwischen den Hochhäusern viel Grün, offene Plätze, Kunst am Bau – es ist bei weitem nicht so trist, wie es das Klischee von der 70er-Jahre-Plattensiedlung glauben macht.

Altbauten sind schön, funktionale Nutzbauten sind hässlich: Sind die „Schubladen“ im Denken so einfach oder sitzen wir urbanen Klischees auf?

Stefan Hoenerloh

Stefan Hoenerloh, Empire of Light, 2010 © S. Hoenerloh

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Schöne Stadt – Urban Cliches

Ausstellung in der Galerie M

5.7.2010 – 17.9.2010

kuratiert von Karin Scheel und Simone Kraft

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Menschenleere Häuserschluchten, verwaschene Hauswände, hohe Bauten in teils verzerrender Untersicht, an denen deutlich der Zahn der Zeit nagt, zeigen Stefan Hoenerlohs Gemälde. Momentaufnahmen, Ausschnitte aus verschiedenen historischen Altstädten europäischer Städte scheinen die von Grau- und Brauntönen dominierten Stadtansichten zu präsentieren. Hoenerlohs Stadtporträts sind reine Fiktion. Fast in altmeisterlicher Manier komponiert er seine Bauten aus architektonischen Elementen auf die Leinwand. Dabei balanciert der Künstler auf der Grenzlinie zwischen Fiktion und Erinnerung und „baut“ auf der Leinwand Architekturen, die sich an der Grenze des Möglichen bewegen, die realistisch zu sein scheinen und es doch nicht sind. Hoenerlohs Stadtpanoramen wirken beunruhigend, verstörend, sie sind eine Spur zu trist, zu grau, um „schön“ kontemplativ zu sein. Zu deutlich sichtbar sind die Spuren des Verfalls, die die Zeit hinterlassen hat, um „schön“ im landläufigen Sinne zu sein. In einer Gratwanderung zwischen malerischer Perfektion und realistisch Möglichem schöpft der Künstler die Möglichkeiten der Malerei aus, komponiert, eröffnet Perspektiven und vermischt Sichtweisen, ohne den Anspruch, Wirklichkeit abzubilden.

Hans Martin Sewcz, Portrait ICC Berlin, 2003 © H. M. Sewcz

Dem stehen Hans Martin Sewcz Fotografien gegenüber. Sie zeigen Ansichten von Berliner Bauten aus den 1960er und 1970er Jahren, Nutzbauten wie der ICC  oder dem „Ahornblatt“, die zwar funktional und zweckmäßig sind, aber weniger als „schön“ empfunden werden.

Sewcz begegnet diesen Gebäuden anders als gewohnt: nicht nüchtern, sondern emotional. Er porträtiert die Bauten wie „Persönlichkeiten“ mit ihren besonderen Stärken und Schwächen, durch die ihr Charakter zum Ausdruck kommt. Intuitiv reagiert Sewcz auf die urbane Umwelt, durch die er sich bewegt. So setzt ein Prozess der Auseinandersetzung ein, auf dessen Weg die Arbeiten reifen.

Der Fotograf nimmt bewusst die Position eines Beobachters ein, der der ihn umgebenden urbane Umwelt unvoreingenommen begegnet und sie auf sich wirken lässt. Seine Architekturfotografien transportieren eine Realität moderner und postmoderner Zweckbauten, die meist verborgen bleibt: Sie zeigen ein unerwartetes, ein „schönes“ Gesicht der funktionalen Gebäude. Die Seherwartungen des Betrachters werden herausgefordert und auf den Kopf gestellt. Macht er sich die individuelle Perspektive des Fotografen zu eigen, kann er sich mit einem neuen Blick durch die Stadt und ihre Architektur bewegen und seine eigenen urbanen Klischees hinterfragen.  (Text: Simone Kraft)




“Mit Ästhetik fängt alles an.” Interview mit Hans Martin Sewcz

29 06 2010

Es ist die Beschäftigung mit der Alltagskultur und dem alltäglichen Lebensgefühl, das sich wie ein roter Faden durch das vielfältige Werk des Fotografen und Konzeptkünstlers Hans Martin Sewcz zieht. In den 1970er Jahren, noch als Student an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, dokumentierte er mit der Kamera das Leben auf den Straßen in Leipzig und Ostberlin und porträtierte vor allem Jugendliche und Künstler in der Tradition der Porträtfotografie von August Sander bis Diane Arbus. Immer interessier(t)en ihn dabei die psychologisch wesentlichen Momente eines Augenblicks, den einzufangen er sich bemüht  – ähnlich in seinem Vorgehen etwa H. Cartier Bresson, der über seine Arbeit sagt: „Das Handwerk hängt stark von den Beziehungen ab, die man mit den Menschen herstellen kann. Ein Wort kann alles verderben, alle verkrampfen und machen dicht.“ (Quelle Zitat)

Juni 1990. Berlin. Marzahn. HO-Kaufhalle mit DDR-Produkten. Salz

Juni 1990. Berlin. Marzahn. HO-Kaufhalle mit DDR-Produkten. Salz

In den 1980ern widmete sich Sewcz der DDR-Produktkultur, die er zunächst etwa in den kargen Schaufensterauslagen fotografisch festhielt und schließlich auch in Form ihrer Produkte und deren Verpackungen selbst sammelte. Diese Sammlung von industriellem Produktdesign, die mittlerweile ein ganzes Lager füllt und durch den Lauf der Geschichte damit auch historisch besonderen Wert hat, integriert er in Installationen und skulpturalen Werken. Durch die Transferierung in einen neuen Zusammenhang werden die alltäglichen Objekte künstlerisch aufgewertet, erhalten zu ihrer kulturellen Aussage auch einen neuen ästhetischen Wert. Sewcz arbeitet häufig mit vorgefundenen Objekten, die er in Anlehnung an Marcel Duchamp „ready founds“ nennt. Im Gegensatz zu dem französischen Modernen jedoch geht Sewcz noch einen Schritt weiter: Er arrangiert und inszeniert die gefundenen Objekte präzise in ihrem Umraum, der dadurch ästhetischer Teil des Werks wird, so etwa fügen sich in der Installation „Industrial Vegetation“ Schaufelköpfe zu organisch wirkenden, pflanzenartigen Stelen.

H. M. Sewcz mit seiner Installation INDUSTRIAL VEGETATION, 2007, Foto: Klaus Rudolf

H. M. Sewcz mit seiner Installation INDUSTRIAL VEGETATION, 2007, Foto: Klaus Rudolf

Nach wie vor arbeitet der Künstler, dessen Arbeiten in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten sind -  etwa im Deutschen Historischen Museum in Berlin, in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Staatsgalerie Stuttgart und dem Designmuseum London -,  aber auch mit der Kamera. So hat er im Zuge der deutsch-deutschen „Wiedervereinigung“ die Bruchstellen der Wende festgehalten, wie sie sich in den Veränderungen im Berliner Stadtbild widerspiegeln. Seit den 1990ern hält er zudem die Gegenwart und das Lebensgefühl im wiedervereinigten Berlin nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch filmisch fest: Straßenszenen, Techno-Paraden,  (Künstler-)Porträts, ready founds, Autobiografisches, … – der Künstler findet seine Motive überall und setzt sich mit Vielfalt des Alltags auseinander.

Palast der Republik

Palast der Republik 1993

Auch die Auseinandersetzung mit der Architektur spielt eine bedeutende Rolle im Schaffen von Sewcz, hat jedoch bislang noch nicht viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Er begegnet den Bauwerken wie Persönlichkeiten, die er fotografisch porträtiert und sie in ihrem besonderen Wesen einzufangen sucht.

Desweiteren erarbeitet er auch unterschiedliche Installationen und realisiert Kunst-am-Bau-Projekte, wobei sein architektonischer Bezug Anwendung findet. Sewcz sieht sich somit einerseits als wahrnehmender, andererseits als “ideengebärender” (Konzept-)Künstler.

Aktuell sind Sewcz’ Arbeiten gemeinsam mit Gemälden von Stefan Hoenerloh in der Ausstellung “Schöne Stadt – Urban Cliches” in der Berliner Galerie M zu sehen (4.7.-17.9.2010).

In einem Interview mit deconarch.com erklärt Hans Martin Sewcz, wie er Gebäude porträtiert, was ihn an der Architektur moderner und postmoderner Bauten interessiert und welche Möglichkeiten ihm die künstlerische Auseinandersetzung mit seiner Umwelt bietet.

Abb.:  © Hans Martin Sewcz

INTERVIEW

Ein paar Worte zu Ihrem Werdegang: Sie haben Ihre künstlerische Arbeit mit Fotografie begonnen und arbeiten nach wie vor viel mit der Kamera. Warum Fotografie? Welche Möglichkeiten eröffnet sie Ihnen?

H. M. Sewcz: Sammelleidenschaft ist ein wichtiges Motiv, Ereignisse und Situationen festzuhalten. Sobald das Abgebildete nicht mehr existiert, entfaltet sich dessen besondere Geltung.

DDR_Design, Vollformat

DDR-Design 1986

Das Faszinierende am Medium Fotografie ist darüber hinaus, mit der technischen Aufnahme der realen Außenwelt die eigene innere Welt darstellen zu können, subjektives Empfinden einfließen zu lassen.

Bei der Wiedergabe von Objekten des Alltags ergibt sich für mich die spannende Frage, ob das Original oder deren Abbildung mehr Kraft, mehr Berechtigung haben. Deshalb sicherte ich z.B. DDR-Produkt-Verpackungen im Original, statt sie zu fotografieren, hielt sie aber in Zusammenhängen des täglichen Lebens fotografisch fest.

Neben der Auseinandersetzung mit der ganz alltäglichen Konsumkultur der letzten 30 Jahre bilden auch die Architektur sowie urbane Strukturen einen ganz besonderen Schwerpunkt Ihrer Arbeit. Ihre Architekturfotografien haben bislang jedoch noch nicht so viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Was interessiert Sie an der Architektur besonders? Gibt es eine Bauphase, die Sie besonders reizt?

Besonders interessiert mich die Architektur der Moderne in ihrem visionären Schwung, in ihrer Leichtigkeit und Eleganz, die die Aufschwung-Stimmung der Nachkriegszeit mit sich brachte. Gegenwärtig gibt es viele Tendenzen parallel nebeneinander, so auch in Richtung Kaiserzeit-Mentalität, vor allem in Berlin.

Kaiserzeit-Mentalität, hier spielen Sie sicher auch auf die geplante „Neo“-Fassade des Berliner Stadtschlosses an. Ohne auf dieses Streitthema näher einzugehen – der Diskussion darüber könnte man sicher mehr als ein Gespräch widmen –: Gemeinhin werden historische Fassaden und klassische Bauten als schöner empfunden denn moderne und postmoderne Nachkriegsbauten. Diese werden eher wenig beachtet und wenn, dann meist als hässlich bezeichnet. Sie dagegen sprechen vom besonderen Schwung, von Leichtigkeit und Eleganz dieser Bauten, den Sie in Ihren Aufnahmen einzufangen suchen. Können Sie das näher erläutern?

“Das Luftschloss” Berlin 1993

Das geplante Stadtschloss soll das der Kaiserzeit nach außen imitieren. Ich spiele mehr auf steinerne Fassaden in Blockstruktur und Traufhöhe auf dem Grundriss des 19. Jahrhunderts an, gerade dort, wo nach der Maueröffnung Stadträume mit großen Chancen für hervorragende Architektur eng verbaut wurden.

Die Frage nach hässlichen Gebäuden wird von verschiedenen Menschen aus jeweils andersartiger Sicht, oft gegensätzlich beantwortet. Im vergangenem Jahr wurde im Berliner „Tagesspiegel“ der Abriss der sogenannten „Westberliner Bausünden“ gefordert, Wahrheitszeichen wie dem Internationalen Congress-Centrum, kurz ICC, das bei Architekturinterssierten weltweit höchsten Kultstatus hat. Ich leide eher darunter, wenn Architekturdenkmäler der Moderne verunstaltet und vernichtet werden, um plumpem ästhetischen Analphabetismus Platz zu schaffen – ob in Ost oder West, spielt dabei keine Rolle. Meine Affinität zur Architektur der Moderne ist nicht rückwärtsgewandt.

So fasst Patrik Schuhmacher, Partner im Büro Zaha Hadid Architects, die Baustile  gleich folgendermaßen zusammen: Renaissance, Barock, Moderne, Parametrismus (die jüngere Avantgarde-Architektur,in der alles in Beziehung zueinander steht). Den Klassizismus und die Postmoderne zählt er nicht mit auf.

Sie sprechen davon, dass Sie in Ihren Architekturaufnahmen die Gebäude „porträtieren“ . Wie kann man sich das vorstellen?

Weil ich eine emotionale Beziehung zur Architektur habe, „porträtiere“ ich sie eher als „Persönlichkeit“, die einen mit den Menschen äquivalenten Lebensablauf haben.

Architektur-Persönlichkeiten haben ein Wesen, strahlen Psychologie aus, die ich aus einem charakterisierenden Blickwinkel einfange. Die Einmaligkeit aller Bedingungen, auch meiner eigenen Befindlichkeit, machen das Bild unwiederholbar.

Wie finden Sie Ihre Themen und Motive?

Das Motiv fesselt mich intuitiv. Ich werde in einer alltäglichen Situation spontan „angehalten“ und von einem Ausschnitt „angesprochen“, den ich mit der Kamera festhalte. Mein Thema reift mit der Auseinandersetzung über eine lange (Lebens-)Zeit.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

Alexanderplatz

Alexanderplatz

Es geht darum, die Existenz in erweiternden Kontexten wahrzunehmen, um Erkenntnis auf verschiedenen Ebenen, die das Bewusstsein reifen lassen. Im Konkreten fotografiere ich Architektur, um deren vergessene Schönheit wieder erlebbar zu machen, der Abrissbirne entgegenzutreten oder deren Andenken zu bewahren.

Wer und/oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

Marcel Duchamp und Andy Warhol haben mich am meisten beeinflusst; beide teilen sich über das Objekt, das Produkt mit. Marcel Duchamps erklärtes Ziel war es, Werke jenseits der Kunst zu schaffen, die allein Ausdruck des Intellektes sind und alle Ästhetik, die sich im Sinnlich-Manuellen manifestiert, wegzulassen. Darauf bezugnehmend arbeite ich an meinem Zyklus „Ready Found“. Andy Warhol, der das alltägliche Produkt zum Kunstwerk erklärte, regte mich  zu dessen Arrangement und Überhöhung an, den Umraum ins Kunstwerk einbeziehend.

Ich lasse mich von wechselnden Künstlern inspirieren, deren Einfluss nicht direkt  in meinen Arbeiten sichtbar wird, aber die Energie, die Art und Weise meines Sehens steuert.

Gegenwärtig bin ich besonders von Günter Fruhtrunk beeindruckt, der in den 70er Jahren  den Vorraum das UN-Sicherheitsrats mit seiner resoluten Streifen-Ästhetik als Geschenk vom modernen Deutschland überzog und die Plastiktüte für Aldi Nord entwarf. Zu seinem Werk schrieb Florian Illies im  vergangenen Jahr in der Zeitschrift „Monopol“: „Hinter der Strenge lodert das Feuer.“ Das beschreibt prägnant, was ich beim Aufspühren  der Architektur der Moderne fühle.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Diese Frage ist vom Künstler selbst schwer zu beantworten, das überlasse ich besser den Rezipienten!

Wollen Sie es trotzdem versuchen? Ein paar Stichworte?

Der Grat zwischen Dokument und künstlerischer Intention.

Gestaltungswillen. Komponierendes Sehen. Klarheit.

Eleganz als Verhältnis aus Spannung und Harmonie.

Meine Bilder entstehen entweder in schwärmerischen Einvernehmen zum Abgebildeten oder gegenteilig im Aufzeigen meiner Abneigung zu etwas bis hin zur Satire: Das anachronistische Design der DDR-Waren in den Schaufenstern der 80er Jahre hielt ich damals mit „Andy Warhol im Kopf“ fest. Zusammen mit dieser Motivwelt des „normalen“ Alltags, damals keiner Aufmerksamkeit würdig, verabschiedete sich eine Gesellschafts-ordnung gänzlich. So empfinde ich mich als Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen aus einem ästhetischen  Blickwinkel:  Mit Ästhetik fängt alles an.

Eine allgemeine Frage zum Abschluss: Welche Bedeutung hat Architektur, gebaute Umwelt für uns?

ICC 2003

ICC, 2003

Architektur kann mir Wohlgefühl bis zu beschwingter Freude schenken oder Unwohlgefühl, Beengtsein bis zur Bedrohung auslösen – ein Ärgernis sein. Ich erfreue mich oft einfach an spannenden Proportionen und schwungvollen Linien, vor allem der Gebäude der 50er Jahre bis zur Gegenwart. In der Architektur geht es zuerst um Funktionalität und Lebensqualität. Der West-Berliner Architekt Georg Heinrichs äußert sich im Film „Die Fahrt durchs Haus“ zu seiner Architekturskulpturstruktur: „Ob Form allein moralisch ist, kann ich natürlich nicht beantworten. Aber man kann versuchen, einer bestimmten Moralvorstellung Gestalt zu geben.“

Gegenwärtig bereiten Stefan Hoenerloh und ich die Ausstellung “Schöne Stadt – Urban Cliches” in der Berliner Galerie M vor, für die wir Beziehungsachsen zwischen seinen Gemälde und meinen Fotografien spinnen. Für die Einladungskarte suchte ich das ICC aus, weil der skulpturale Solitär dem Motiv Stefan Hoenerlohs Charisma entgegensetzt.




Urbane Forschungsreise in Berlin: Landvermesser K und Humboldt Landvermesser in der Galerie M

15 05 2010

Noch mehr Berlin: Am Sonntag, 16. Mai 2010 (18h), eröffnet die Galerie M in Berlin-Marzahn den zweiten Teil einer Forschungsreise, die Landvermesser K und Humboldt Landvermesser dieses Jahr in diesem Berliner Bezirk unternommen haben. Diesmal suchten sie nach realen und fiktiven Begegnungen im öffentlichen Raum des Bezirkes. Zu sehen sind ganz unterschiedliche Ergebnisse dieser urbanen Forschungsreise…

More Berlin: On Sunday, 16 May, 2010 (18h), Berlin based Galerie M opens the second part of a research journey to and “inside” this Berlin borough: Landvermesser K and Humboldt Landvermesser were looking for real and fictitious encounters in public space. The exhibition presents the very different results of this urban expedition …

landvermesser k und humboldt landvermesser:

zweite forschungsreise und landgang

Johann Zeitler und Klaus W. Eisenlohr
Installation, Texte, Fotografien und Videobilder

Drehbuchtexte: Rita Scharfe

Mit Geschichten von Autoren aus dem Bezirk

16. 05. bis 25. 06. 2010

Galerie M, Berlin

PR-Text: Vor zwei Jahren starteten Klaus W. Eisenlohr und Johann Zeitler eine künstlerische Langzeitstudie über den öffentlichen Raum im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die Sensibilisierung von Wahrnehmungsprozessen im Urbanen ist komplexes Thema ihrer künstlerischen Forschungsarbeit. Im ersten Teil des Projektes wurden die Strukturen des öffentlichen Raumes untersucht, analysiert und in einer Ausstellung in der Galerie M gezeigt.

In diesem Jahr unternahmen Landvermesser K und Humboldt Landvermesser eine zweite Forschungsreise, diesmal suchten sie nach realen und fiktiven Begegnungen im öffentlichen Raum des Bezirkes. Die Konzeption – Einbeziehung der Bevölkerung, der Blick von Außen, der Blick von Innen, die Verschränkung beider Wahrnehmungsweisen ­ wurde diesmal um ein Internetportal, einen Blog landgang.tumblr.com erweitert. Die Künstler luden ein, dort via Mail eine Geschichte ­ angesiedelt im öffentlichen Raum des Bezirkes – zu platzieren. Diese Geschichten werden in der Galerie zu lesen sein, aus einigen entsteht ein Drehbuch, Grundlage für die Filmarbeiten während der Ausstellung. In den realen öffentlichen Räumen werden die Geschichten filmisch umgesetzt, ausschließlich mit Darstellern aus dem Bezirk. Alle Drehtermine sind öffentlich.

Die jetzige Ausstellung thematisiert unter dem Aspekt der Innenansichten auch die Übergänge zwischen realen und virtuellen Welten. Die gesammelten Geschichten stehen neben Portraits ortsansässiger Fotografen. Diese wurden beauftragt, die Landvermesser in ihren jeweiligen Fotostudios abzulichten. Desweiteren zeigt die Ausstellung Objekte, Stationen eigenwilliger öffentlicher Plätze in Marzahn und Hellersdorf. Deren Texturen stehen in Korrespondenz mit virtuellen Räumen (auch diese zitieren reale urbane Situationen) auf Bildschirmen, in denen sich diese Plätze spiegeln. Bestandteil der Ausstellung wird auch ein großes Fotostudio, eine Greenbox sein, Besucher können hier Begegnungen vor der Kamera selbst inszenieren.

Termine der öffentlichen Dreharbeiten in Marzahn-Hellersdorf, Treffpunkt ist immer die Galerie M:

Fr. 21. Mai 2010, 16.00 Uhr
Sa. 22. Mai 2010, 13.00 Uhr
Do. 27. Mai 2010, 16.00 Uhr
Fr. 28. Mai 2010, 16.00 Uhr
Do. 03. Juni 2010, 16.00 Uhr
Fr. 04. Juni 2010, 16.00 Uhr
Fr. 11. Juni 2010, 16.00 Uhr
Sa. 12 Juni 2010, 13.00 Uhr
Fr. 18 Juni 2010, 16.00 Uhr
Sa. 19 Juni 2010, 13.00 Uhr
Fr. 25 Juni 2010, 16.00 Uhr




BOOMBOX M in der Galerie M Berlin

31 01 2010

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie M in Berlin wird musikalisch:

The present exhibit at Galerie M Berlin is getting loud: BOOMBOX M focuses on the sound carpet, the architecture and texture of Marzahn-Hellersdorf. In 2 accesible boxes, the visitor can follow traces back to their precise beginning.

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BOOMBOX M von Ritsche, Zast und Marien

Installation und Performance

30.1. – 18.3. 2010

RZM feat Maki/Tagtool (www.tagtool.org)

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BOOMBOX M beschäftigt sich mit der Klangwelt, der Architektur und Textur von Orten in Marzahn-Hellersdorf. In zwei begehbaren Boxen kann der Galeriebesucher die verarbeiteten Spuren zu ihrem konkreten Ursprung verfolgen. Thomas Bratzke und Ritsche Koch arbeiten sein 2002 zusammen, Christian Marien kam 2004 dazu. In ihren Performances erforschen sie weltweit auf spielerische Art die verschiedensten öffentlichen Orte. Mit Ausrucksmitteln zwischen Bildender Kunst, Performance und Musik tasten sie vorgefundene urbane Strukturen ab, spiegeln dieses „Rohmaterial“ akustisch und visuell in einem sich immer wieder neu findenden künstlerischen Prozess.

Thomas Bratzke, 1977 in Berlin geboren, studierte zunächst Design und dann Bildhauerei/Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und war 2005/2006 dort Meisterschüler bei Professor Berndt Wilde. Die Arbeiten von Thomas Bratzke sind durch intensive praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Stadtraum, oft in Verbindung mit Musik und performativen Elementen, geprägt.

Ritsche Koch * 05.04.1979 Das Zentrum Ritsche Kochs Schaffens bildet die Verbindung von Musik mit anderen Kunstrichtungen wie z.B. Bildende Kunst, Tanz oder auch Sprache. So brachte ihn das Projekt „Ritsche&Zast“ mit dem bildenden Künstler Thomas Bratzke an verschiedene Orte weltweit. Seine weiteren Tätigkeitsfelder sind zahlreiche Jazzformationen sowie diverse Pop-Projekte wie z.B.  „Miss Platnum“, “Seeed” oder „Peter Fox“. Ritsche Koch lebt in Berlin.

Christian Marien, *1975, lebt seit 2000 in Berlin, studierte Schlagzeug in Amsterdam und Berlin. Als Mitglied zahlreicher Ensembles (Superimpose, The Astronomical Unit, Computerband, Miss Platnum) spielt er Konzerte in Europa und den USA. Ein besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit mit Tänzern, Schauspielern und bildenden Künstlern an der Schnittstelle von Musik und anderen künstlerischen Ausdrucksformen.

Abb. u. Infos Galerie M Berlin




Simone Niewegs Garten|Konstruktionen in Bochum

4 01 2010

In Bochum werden Arbeiten Simone Nieweg gezeigt, deren Thema Gärten sowie Feld-, Wald- und Wiesenlandschaften sind. Dass die Fotografien Meisterschülerin von Bernd Becher war, ist nicht zu übersehen. Die Ausstellung “Garten | Konstruktionen” ist noch bis Februar zu sehen.

Bochum based Galerie m presents photographs by Simone Nieweg who found her sujets in gardens and landscapes of fields, meadows and forests. That she has been master student of Bernd Becher is obvious.

 Schuppen mit Drahtwerk, Louvres, Val d'Oise, 2006 C-Print auf Alu-Dibond 103 x 145 cm

Simone Nieweg, Schuppen mit Drahtwerk, Louvres, Val d'Oise, 2006 C-Print auf Alu-Dibond 103 x 145 cm © S. Nieweg

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Simone Nieweg

Garten | Konstruktionen

13. November 2009 – 13. Februar 2010

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Die Galerie m in Bochum – nicht zuverwechseln mit der Galerie M in Berlin - zeigt bisher unveröffentlichten Landschaftsfotografien von Simone Nieweg (* 1962 Bielefeld). Nieweg, die in Düsseldorf lebt und arbeitet, war Meisterschülerin von Bernd Becher und das merkt man ihren Arbeiten in der Ausstellung auch an: Auf den großformatigen Farbfotografien sind Gartenkonstruktionen wie Schuppen, Treibhäuser und Stützstangen in sachlicher, nüchterner Manier zu sehen. Fotografiert ohne klischeehafte Assoziationen, pittoreske Motive oder erzählende Elemente zu evozieren.

Simone Nieweg, Treibhaus mit Baustahlgitter, Dillingen, 2004, C-Print

Simone Nieweg, Treibhaus mit Baustahlgitter, Dillingen, 2004, C-Print © S. Nieweg

Darüber hinaus werden auch aktuelle Landschaftsaufnahmen aus dem Nordosten Frankreichs, die eine neuartige Bildsprache innerhalb ihres Oeuvres entwickeln, gezeigt.

Niewegs Themen sind Gärten sowie Feld-, Wald- und Wiesenlandschaften, mit denen sie sich in einer Art Langzeitstudie seit 1986 bzw. 1990 auseinandersetzt.

Aus dem PR-Text der Galerie: Auf langen Streifzügen durch Gärten und Felder findet Simone Nieweg zu einer Vertrautheit mit ihren Motiven. Wiederholt besucht sie bestimmte Orte, um den richtigen Zeitpunkt einer Aufnahme zu finden. Auf dem Mattglas ihrer Großbildkamera erscheint das Bild auf dem Kopf stehend – ein wichtiges abstrahierendes Moment, in dem Simone Nieweg perspektivische Verzerrungen ausgleicht, die Detailschärfe einstellt und dem Bild Ordnung und Struktur verleiht. Ihr konzentrierender Blick findet eine ästhetische Situation innerhalb des gewachsenen Gefüges, die Nieweg als „perfekten Zufall“ bezeichnet. Sie setzt die Wirklichkeit in eine Komposition um, in der Strukturen, Linien und Farben das Bild prägen. Dennoch bleibt die Spannung zwischen dem strukturierten Aufbau der Fotos und der relativen Anarchie der Gärten und Landschaften erhalten.

[...] Es besteht gleichzeitig eine harmonische Gegensätzlichkeit in Simone Niewegs Fotografien: Inhaltlich zwischen den rostenden Bauprovisorien und dem lebendigen Grün, kompositorisch zwischen dem Tarieren von Gerade und Diagonale, Frontal- und Aufsicht sowie Fläche und Detail.

Info und Abb. Galerie m Bochum und Simone Nieweg




Baltha Rauminstallation von Rolf Wicker in der Galerie M Berlin

28 11 2009

In der Galerie M in Berlin-Marzahn/Hellersdorf ist über den Jahreswechsel eine Rauminstallation von Rolf Wicker zu sehen:

Over the turn of the years, Berlin Galerie M presents an all-space installation by Rolf Wicker. The artist developed the scuplture in close connection to the on site situation thus making the gallery an basic part of the installation.

More info and images here.

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Ansicht vom Ausstellungsaufbau © Galerie M

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„Baltha“

Rauminstallation von Rolf Wicker

Ausstellung vom 27.11.2009 – 15.1.2010

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PR-Text: Basierend auf realen historischen Architekturformen entwickelte Rolf Wicker für die Galerie M eine einzigartige Skulptur raumfüllenden Ausmaßes. Der Galerieraum als formale Basis stellt sich als architektonische Gegenform der künstlerischen Gestaltung dar und wird zum Bestandteil der Arbeit.

Die Raumskulptur wurde von Rolf Wicker exakt auf den Galerieraum zugeschnitten, aus unzähligen Platten und anderen Baumaterialien entwirft er ein höchst ästhetisches Objekt an der visuellen Schnittstelle zwischen funktionsorientierter Architektur und zeitgenössischer Skulptur. Ab dem 22.11.09 haben Besucher täglich die Möglichkeit, den Entstehungsprozess dieser beeindruckenden künstlerischen Gestaltung mitzuerleben

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Ansicht vom Ausstellungsaufbau © Galerie M

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Rolf Wicker

Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Steinmetz/Steinbildhauer in Ravensburg studierte Rolf Wicker ab 1990 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, ab 1993 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB). 1996 war er Meisterschüler von Prof. Berndt Wilde, 1998 folgte ein Arbeitsaufenthalt in New York. Wicker erhielt zahlreiche Kunstpreise und Stipendien.

Er arbeitet als freier Bildhauer und ist Gastdozent für das Fach Künstlerische Grundlagen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

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Kunst im Stadtumbau Gespräch in der Galerie M im Rahmen der Stadtumbauwoche Berlin

11 10 2009

Das Gespräch im Rahmen der Berliner Stadtumbauwoche soll Fragen zum Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen des Stadtumbauprozesses thematisieren. Ist die Umsetzung ortlos gewordener Kunst an neue Standorte möglich oder hat sie mit dem Verlust des Ortes ihre Funktion verloren? Diese und weitere Fragen zum Thema stehen am 11.10.09 ab 18.00 Uhr in der Galerie M zur Diskussion.

The talk about “Kunst im Stadtumbau” (Art and Urban Reconstruction) thematizes questions on how to deal with art in public spaces during urban reconstruction measurements. Is it possible to move art works created for a certain public space to a new location (when the original location gets changed) or has it lost its value with the loss of the original position?


The discussion takes place at Galerie M, Berlin (11.10.09, 18h), and is part of the “Stadtumbauwoche Berlin 2009″, an event to raise awareness for urban reconstructive developments in the different districts of Berlin.

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Kunst im Stadtumbau, Gespräch

Galerie M

www.galerie-mh.de
www.kunstraum-m.de

18.00-20.00h, 11.10.09

Gäste:
Josephine Günschel , Künstlerin
Thorsten Goldberg, Künstler
Bruno Ebersbach, Architekt
Gabriele Pütz, Landschaftsplanerin
Norbert Lüdtke, Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
NN, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Moderation:

Peter Funken

Foto: Karin Scheel

Fassade von Jim Avignon, Marzahn, Foto: Karin Scheel

Mit dem Bau der Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf entstanden vor 30 Jahren auch die ersten Werke von Kunst im öffentlichen Raum. Sie waren vorwiegend architekturbezogen und schmückten die Eingänge von Kindereinrichtungen, die Räume der ersten Gaststätten oder die Fassaden von Schulgebäuden. Sie waren das Startsignal für ein bis heute einmaliges Kunstprogramm in einem neu geschaffenen Stadtraum. Nach Abzug der Baukombinate legte das Kunstprogramm für die Großsiedlungen einen Zwischenstopp ein. Im Zuge der Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung lebte es in den 1990er Jahren vor allem in Hellersdorf wieder auf. Im Unterschied zu den 1980er Jahren kam nun vielfach das Verfahren des Kunstwettbewerbs für vordefinierte Standorte zum Zuge. Der Beginn des neuen Jahrtausends stand unter dem Vorzeichen des Stadtumbaus und stellte die Kunst im öffentlichen Raum vielfach auf eine harte Probe. Im Zuge von Rückbaumaßnahmen konnten nicht alle Kunstwerke erhalten werden.
Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat von Anfang an die Kunst im öffentlichen Raum als Bestandteil des Stadtumbau-Programms vorgesehen und eine Bestandsaufnahme veranlasst. In deren Folge wurden einzelne Kunstwerke konservatorisch abgenommen, gesichert und in einem Schaudepot „Zwischenablage“ (Riesaer Str. 94) erneut präsentiert und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein deutschlandweit bislang einmaliges Projekt für einen zeitgemäßen Umgang mit Kunstwerken, die ihren Standort verloren haben.
Seit kurzem liegt mit dem Buch „Kunst in der Großsiedlung“ eine umfassende Dokumentation von 462 Gestaltungen vor, die den Stadtraum der Großsiedlung geprägt haben.

Stadtumbauwoche 2009

Mit der Stadtumbauwoche möchte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit den Bezirksverwaltungen, ihren Beauftragten und programmbeteiligten Akteuren die Bürger und Bürgerinnen der Stadt auf die Vielfalt der Stadtumbauaktivitäten sowie beispielhafte und innovative Veränderungen aufmerksam machen, die sich im Kontext des Stadtumbaus in vielen Stadtteilen vollziehen.

Infos + Bilder: Galerie M und Stadtumbau Berlin