Asmara – Africa’s Secret Capital of Modernism in HDA Graz

9 06 2010

One of the biggest ensembles of modern European architecture can be found in Eritrean capital Asmara. Only Miami South Beach, Tel Aviv and Napier (NZ) have comparable ensembles. The development toward a modern city started only in 1889, when Ethopia was occupied by Italian colonists. Asmara, a city looking back on over 700 years of history, became a military base, in 1900 it was declared capital of the Italian colony Eritrea. With Mussolini’s takeover in 1922 the city became a modern metropolis within few years, until 1941. A touring exhibition presents the intriguing architectural history of Asmara – Africa’s secret capital of Modernism, currently visiting Graz, Austria.

For extensive English information please read on: Asmara Architecture

Asmara - Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne. © Edward Denison 2010

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Asmara – Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne

HDA Graz

10. Juni bis 31. Juli 2010

Photographs: Edward Denison

Architectural models: Wolfgang Knoll (Atelier fuer Architektur + Gestaltung, Stuttgart)

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PR-Text: Mit der Befreiung Eritreas 1991 begann auch die Wiederentdeckung der räumlichen und baulichen Qualitäten der Hauptstadt Asmara als ein eindrucksvolles Beispiel des europäischen Städtebaus des frühen 20. Jahrhunderts. Trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs und des 30-jährigen Befreiungskampfes blieb die Architektur der Moderne fast vollständig erhalten und wurde seit dem Abzug der Italiener 1941 kaum verändert. Dieses Erbe wurde unter kolonialen, faschistischen und rassistischen Bedingungen geschaffen. Trotzdem identifiziert sich die Bevölkerung in hohem Maße damit und strebt der Staat Eritrea die Aufnahme der Architektur ins UNESCO Weltkulturerbe an.

Die Wanderausstellung, die u.a. unter der Schirmherrschaft der UNESCO und der UIA (Union International des Architects) steht, zeigt in Bildern und Modellen herausragende Beispiele moderner Architektur in Asmara unter Miteinbeziehung der historischen Zusammenhänge. Sie soll letztlich ihre Wanderschaft in Asmara beenden.

Kuratoren: Prof. Dr. Omar Akbar, ehemaliger Vorstand und Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau und Naigzy Gebremedhin, ehemaliger Direktor des CARP (Cultural Assets Rehabilitation Project)

Initiator und Leihgeber der Ausstellung: Projektgruppe „4Asmara – Arbate Asmera“ im „Verein zur Förderung von Bildung und Publizistik zu Umwelt und Entwicklung e.V.“

Infos + Abb. HDA Graz

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Cover: Asmara – Africa’s Secret Modernist City, Edward Denison, Guang Yu Ren & Naigzy Gebremedhin, 2003

Die Ausstellung basiert auf dem Buch Asmara – Africa’s Secret Modernist City” von Edward Denison, Guang Yu Ren & Naigzy Gebremedhin (Merrell Publishers, London/New York, 2003). In vier thematischen Einheiten wird nicht nur die Architektur, sondern auch ihr gegenwärtiger sowie ihr historisch-sozialer Kontext beleuchet.

Zum ersten Mal wurde die Schau im Oktober 2006 im Deutschen Architektur Zentrum in Berlin gezeigt, danach folgten Stationen in verschiedenen Städten weltweit. Zuletzt soll die Ausstellung als ständige Ausstellung in Asmara zu sehen sein.

Weitere Infos auf der Webseite Asmara Architecture.

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Ganz besondere Ansichten „Von Menschen und Häusern“ im neuen Jahrbuch des HDA Graz

12 03 2010

Als eines der schönsten Bücher 2009 in der Kategorie „Kunstbücher und Fotobände” ist es vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gerade ausgezeichnet worden, für den Staatspreis 2009 ist es nominiert: Mit „Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark. Architektur Graz Steiermark 2008/2009″ ist dem Haus der Architektur HDA Graz ein ungewöhnliches, ein besonders schönes Architekturbuch gelungen. Herausgegeben von Ilka und Andreas Ruby ist der Band – zugleich auch das Jahrbuch 2009 des HDA – anders aufgemacht, als die bisherigen Jahrbücher, die alle 2 Jahre erscheinen, und entspricht so gar nicht der Vorstellung, die man gemeinhin von Jahrbüchern hat: etwas trocken, etwas behäbig mit vielen Texten und Berichten über Aktivitäten der Herausgeberinstitution.

Im Gegenteil, das zweisprachig auf Deutsch und Englisch veröffentlichte „Von Menschen und Häusern“ ist in einem größeren Format gehalten, das die bessere Lesbarkeit vor allem der Abbildungen ermöglicht, und konzentriert sich ganz auf die Architektur: Gezeigt werden Aufnahmen von den zwölf besten aktuellen Bauprojekten der Steiermark, die für den Architekturpreis Landes 2009 nominiert waren. In dem entsprechend zwölf Kapitel umfassenden Hauptteil des Jahrbuches werden die Bauwerke in den Fotografien von Livia Corona vorgestellt, einer in New York lebenden mexikanischen Fotokünstlerin, die eigens für dieses Projekt eingeladen wurde.

Präsentiert werden so unterschiedliche Bauprojekte wie ein „In-Side-Out“-Haus (Arquitectos), ein ökosozialer Wohnbau (Hubert Riess) in Graz, Wohn-, Büro- und Geschäftsbauten (Innocad, Markus Perntahler, Splitterwerk, X Architekten), der Umbau des klassizistischen Palais Thinnfeld, in dem sich seit 2007 das HDA befindet (Ifau und Jesko Fezer), aber auch eine Messe-Halle (Riegler Riewe), vier regionale Markstplätze (Hog) und das neue Stadtzentrum Troifach (Yes-Architecture), ein Veranstaltungszentrum (Gangoly + Kristiner) sowie ein Natur- und Alpincamp (Holzbox).

© Livia Corona

In-Side-Out, Pischelsdorf, Arquitectos, Photograph by Livia Corona © 2009

In Coronas Fotografien werden die Bauwerke anders porträtiert, als man es von der herkömmlichen Architekturfotografie gewohnt ist: Keine Standard-Aufnahmen von isolierten Gebäuden in idealisierter Perspektive, Innenansicht, Außenansicht, Aufsicht, sondern Ansichten von Häusern mit Menschen, belebt, bewohnt, genutzt. Oft sind die Bauten selbst gar in den Hintergrund gerückt, vor dem sich alltägliche Szenerien abspielen – nicht umsonst heißt der Band „Von Menschen und Häusern“. Die enge Verbundenheit von Gebäuden und ihren Bewohnern ist ein Aspekt, der in der typischen „Hochglanz-Architekturfotografie“ mit ihren stilisierten und ästhetisierten Gebäudeaufnahmen meist ausgeklammert wird. Coronas Ansichten hingegen stellen ein Gegenmodell dazu dar. Sie zeigen eine Reportage über die Möglichkeiten von sozialräumlichen Handeln.

Corona, die den Rubys wegen ihrer besonderen Herangehensweise an Architektur und deren Abbildung aufgefallen war, überlegt sich für jedes Projekt eine Geschichte, die mit Personen nachgestellt, inszeniert und in analoger Technik fotografiert wird. Für das  Jahrbuch hat ein dreiköpfiges Assistententeam  aus Graz die Fotografin ständig vor Ort begleitet, hat Darsteller/Schauspieler gesucht, die Inszenierungen mitgestaltet und in jeglicher Form assistiert. Ein äußerst aufwendiges Projekt – doch die Mühen haben sich gelohnt.

© Livia Corona

Frog Queen Graz, Splitterwerk, Photographs by Livia Corona © 2009

Der Ansatz, die für den Architekturpreis nominierten Bauprojekte von einer Fotokünstlerin porträtieren zu lassen, ist nicht die einzige Besonderheit und Neuerung. Auch die Auszeichnung selbst hat eine grundlegende Umgestaltung erfahren: Statt von einer Jury wurde  2009 erstmals ein ausgewählter Fachexperte mit der Durchführung betreut, der die eingereichten Projekte begutachtete und das Siegerprojekt auswählte. Der erste Kurator war der renommierte Berliner Architekturkritiker Andreas Ruby.

Eine spannende Neuerung, denn schließlich hat man einen Ruf zu verteidigen in der Grazer Architektur. In den 1980er und 1990er Jahren hat sich hier eine lebhafte Architekturszene mit Architekten wie Manfred Kovatsch, Karla Kowalski und Klaus Kada entwickelt, die als „Grazer Schule” international bekannt ist. Die historische Grazer Altstadt, die mit ihrer charakteristischen Dachlandschaft und Höfestruktur 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, zeichnet sich aus durch ein harmonisches Nebeneinander unterschiedlicher Stile von der Gotik über die italienische Renaissance, den Barock und den Historismus bis ins 20. Jahrhundert. Die stetige architektonische Weiterentwicklung des Stadtbildes prägt den besonderen Charakter Graz’ und wirkt bis heute fort. Aus dem letzten Jahrzehnt finden sich zahlreiche architektonische Besonderheiten, etwa die die Murinsel von Vito Acconci (2003) und das Kunsthaus von Peter Cook und Colin Fournier (2003).

© Livia Corona

Veranstaltungszentrum Bad Radkersburg, Gangoly + Kristiner, Photograph by Livia Corona © 2009

Zurück zum Jahrbuch selbst. Dass das Buch ganz den Bildern gewidmet ist, zeigt sich auch daran, dass für die üblichen Texte, die zu einer Publikation dieses Formats gehören, kein Platz verschwendet wird – drei Vorworte und das Nachwort der Herausgeber sind platzsparend im Einband untergebracht. Ganz ohne schriftliche Informationen kommen aber auch die zwölf Architekturporträts nicht aus. Sie werden von Texten begleitet, die jedoch keine simplen Beschreibungen liefern, sondern – eine weitere gelungene Idee – Statements der „Betroffenen“ darstellen: In Interviews, die von Studenten der TU Graz geführt und ausgewertet wurden, kommentieren Nachbarn, Anwohner, Bauherren und Architekten die Bauprojekte – was ist gelungen, was weniger, was gefällt, was gefällt nicht, was ist praktisch, was müsste verbessert werden. So erhält der Leser die grundlegenden Informationen zu den Gebäuden zwar nicht ganz so schnell und offensichtlich, wie er dies aus einem nur beschreibenden Text ziehen würde, er erhält jedoch einen breiten und vielfältigen Einblick in die „Geschichte“ der porträtierten Gebäude, die facettenreich vor Augen treten. Die Kommentare lesen sich spannend und unterhaltsam und bieten zugleich eine aufschlussreiche Momentaufnahme zeitgenössischer Bauprojekte mit ihren Vor- und Nachteilen. Hinzu kommen Planzeichnungen, die das jeweilige Porträt abrunden. Das Jahrbuch schließt mit einem ausführlichen Statement des Kurators Ruby.

„Von Menschen und Häusern“ ist kein typisches Architektur-Buch, das nur Fachleute anspricht, sondern – ein gewisses Interesse  an Architektur vorausgesetzt – ein sehr viel breiteres Publikum und möglicherweise auch Leute gewinnt, die sich nicht ohne Weiteres mit Bauwerken auseinandersetzen würden – ganz so, wie es denn auch das Ziel des Jahrbuchs war, nicht nur zu dokumentieren, sondern über eine (zu) enge Definition von Architektur hinauszugehen. Durch die unkonventionelle Gestaltung mit den Texten im Einband, den Grundrissen auf transparentem Einleger, dem für Jahrbücher ungewohnten Cover, das sich ein wenig an den Publikationen das NAI orientiert, und nicht zuletzt durch den anderen Zugang zur fotografischen Architekturdarstellung und dem Textteil ist ein Buch gelungen, das ein etwas anderes, ein besonderes Lese- und Schauerlebnis bietet.

Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark. Architektur Graz Steiermark Jahrbuch 2008/2009. Mit Fotografien von Livia Corona

Verlag Haus der Architektur Graz
Herausgeber: Ilka und Andreas Ruby
Text: deutsch/englisch
332 Seiten mit 111 farbigen, ganzseitigen Abbildungen und 45 Grundrissen, Schnitten und Ansichten
Format: 24×31 cm, Broschur
Projektleitung: Markus Bogensberger, Heinz Rosmann, Fabian Wallmüller
Projektkoordination: Tanja Gurke
ISBN 978-3-901174-71-1




Buchpräsentation: HDA Graz in der Berliner Fachbuchhandlung Pro qm

8 11 2009

Für alle Berliner und Berlin-Besucher: Am 13.11.2009 wird das HDA Graz sein neues Jahrbuch “Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark” in der thematischen Buchhandlung Pro qm, Berlin vorstellen.

Über das Jahrbuch werde ich noch genauer berichten.

For all Berlin residents and travellers: On 13.11.2009 the HDA Graz (House of Architecture) will present its new yearbook in Berlin, at the specialized bookshop Pro qm.

More info in English are provided on the website of HDA Graz.

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“Von Menschen und Häusern. Architektur aus der Steiermark. Architektur Graz Steiermark Jahrbuch 2008/2009″
Mit Fotografien von Livia Corona.

Preis: 39,90 €

Verlag Haus der Architektur Graz
Herausgeber: Ilka und Andreas Ruby
Text: deutsch/englisch
332 Seiten mit 111 farbigen, ganzseitigen Abbildungen und 45 Grundrissen, Schnitten und Ansichten
Format: 24×31 cm, Broschur
Projektleitung: Markus Bogensberger, Heinz Rosmann, Fabian Wallmüller
Projektkoordination: Tanja Gurke
Erscheinungstermin: Oktober 2009
ISBN 978-3-901174-71-1

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Buchpräsentation am 13.11.2009 um 20:30h in der Buchhandlung Pro qm Berlin.

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In der vierten Ausgabe des Jahrbuches des Haus der Architektur Graz zeichnet der Berliner Architekturkritiker Andreas Ruby für die Auswahl der veröffentlichten Bauten verantwortlich. Die fotografische Dokumentation der Gebäude und ihrer Bewohner durch die New Yorker Fotokünstlerin Livia Corona sowie Interviews mit Nutzern, Architekten und Auftraggebern garantieren einen subjektiven und pointierten Blick auf das aktuelle Baugeschehen in der Steiermark. Die Darstellung zeitgenössischer Bauten auf den Ebenen Architekturkritik und Fotokunst verleiht dem Buch Komplexität und Vielschichtigkeit.

Gemeinsam mit dem Mitherausgeber des Architecture in the Netherlands Yearbook Roemer van Toorn, werden Markus Bogensberger und Heinz Rosmann (Haus der Architektur Graz) mit Ilka und Andreas Ruby (Herausgeber) über Publikationsstrategien zeitgenössischer Architektur sprechen.

Mehr Infos

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Pro qm ist eine thematische Buchhandlung zu Stadt, Politik, Pop, Ökonomiekritik, Architektur, Design, Kunst & Theorie in Berlin. 1999 gegründet befindet sich Pro qm seit 2007 in Räumlcihkeiten in der Almstadtstraße nahe des Rosa-Luxemburg-Platzes. Die Buchhandlung hat sich international etabliert als Fachbuchhandlung und Veranstaltungsort für interdisziplinäre Debatten um Stadt, Architekturtheorie und künstlerische Praxis.

Die Gestlatung den neuen Räumlichkeiten organisiert den Raum weniger als optimierte Verkaufsfläche, sondern als offenes räumliches Potential für Diskussionen und Bewegungen und wurde konzipiert vom Architekturbüro ifau und Jesko Fezer.

Infos + Bilder Pro qm




Rezension: Architekturführer Graz (Buchtipp)

8 04 2009

Ob ich nicht den neuen Architekturführer von Graz rezensieren wolle, wurde ich gefragt vom Haus der Architektur ebendort, das den Führer herausgibt. Ja sicher, gerne. Aber – warum einen Architekturführer über Graz?


Graz…

Graz im südlichen Österreich ist die zweitgrößte Stadt des Landes und Landeshauptstadt der Steiermark. 2003 war es europäische Kulturhauptstadt – und bietet dem Besucher eine überraschend spannende Architekturszene, wie bereits ein erstes Durchblättern des Führers verrät.

Die historische Altstadt mit ihrer charakteristischen Dachlandschaft und Höfestruktur wurde 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Besonders hervorgehoben wurde in der offiziellen Begründung „die ‚harmonische Kontinuität der Stile’, von der Gotik über die italienische Renaissance, den Barock und den Historismus bis ins 20. Jahrhundert”. (34) Die stetige architektonische Weiterentwicklung des Stadtbildes prägt den besonderen Charakter der Stadt – und wirkt sich bis heute aus:

„Diese internationale Akzeptanz des weitgespannten und speziellen Wechselspieles der Baugeschichte in Graz [...schließt die] neue[] Architektur [mit ein]. In einem solchen Verständnis hat sich die Herausforderung an innovatorisches Bauen auch ständig bewegt und sich vielleicht gerade deshalb zu einer größeren als in anderen historischen Städten entwickelt.” (34)

Dieses besondere Verhältnis zwischen neuer Architektur und historischem Umfeld wird maßgeblich gestaltet von einer lebhaften Architekturszene, die sich in den 1980er und 1990er Jahren entwickelt hat und als „Grazer Schule” international bekannt ist: Architekten wie Manfred Kovatsch, Karla Kowalski, Klaus Kada, haben in den 1960er und 1970er Jahren in Graz studiert und arbeiten immer wieder dort – obwohl sie eigentlich sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen und mittlerweile europaweit tätig sind. „Trotz manch selbstgewollter Ausgrenzung” (38f.) verbindet diese Generation von Architekten/innen ihre enge Beziehung zu Graz.

Färberplatz, Graz (Quelle: s. Link)

Färberplatz, Graz (Quelle: s. Link)

Den Auftakt für die neuen Entwicklungen machte 1989 ein Dachcafé von Richard Ellmer am zentralen Färberplatz, das „das erste Zeugnis eines zeitgemäßen Neubaus in der Altstadt” darstellt (27, A25). Ein Jahr zuvor, 1988, war auch das Haus der Architektur als Forum und Plattform für einen öffentlichen Diskurs über Architektur gegründet worden, das den Architekturführer herausgebracht hat. Gegründet als gemeinnütziger Verein zur Architekturvermittlung und Förderung zeitgenössischer Baukultur war das HDA Graz das erste Haus dieser Art in Österreich und somit Vorreiter für Gründungen ähnlicher Institutionen in allen anderen Bundesländern  sowie in ganz Europa. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Wettbewerbspräsentationen, Architekturvermittlung und Organisation von Exkursionen bis zu einem eigenen Verlag, der ein breites Angebot von international vertriebenen Architekturpublikationen betreut und herausgibt.

Architekturführer…

Murinsel, Vito Acconci (Quelle: Wikipedia)

Murinsel, Vito Acconci (Quelle: Wikipedia)

Die neuen „Positionen im Stadtraum mit einem Schwerpunkt ab 1990″ thematisiert der neue Architekturführer: Versammelt werden also zeitgenössische Bauten, die in Standardreiseführern gewöhnlich untergehen: Zwar fallen sie dem Besucher (und Bewohner) einer Stadt auf, aber man findet wenig bis gar keine Informationen über sie. Schon allein von diesem Standpunkt aus verfolgt der Architekturführer einen sehr interessanten Ansatz.

Dieser Zielsetzung werden die Grazer konsequent gerecht – bis auf einige ältere Bauten („älter” meint hier vor 1990 fertiggestellte Gebäude; angeführt werden durchweg moderne Nachkriegs-Bauten), die „für die Entwicklung der Architektur Graz von entscheidender Bedeutung sind” (28))werden ausschließlich zeitgenössische Gebäude präsentiert. In der vorliegenden dritten, erweiterten und aktualisierten Auflage sind zudem auch die jüngsten Neubauten ab 2003 mitaufgenommen, etwa die Murinsel von Vito Acconci (2003) und das Kunsthaus von Peter Cook und Colin Fournier (2003).

Kunsthaus Graz (Quelle ebd., s. Link)

Kunsthaus Graz (Quelle ebd., s. Link)

Handlich im Din A5-Format, mit einem rosafarbenen Schutzumschlag passt der Architekturbegleiter gut in jede Tasche. Allerdings ist er trotz des praktischen Formats recht schwer. Die Umschlagfarbe ist Geschmacksache, auch, dass das Cover lediglich auf dem Buchrücken über Eck den Titel verrät.  Diese Gestaltung ist in den letzten Jahren sehr trendy geworden, ist jedoch nicht für jeden Zweck wirklich empfehlenswert, da man nach einem Blick aufs Cover nicht gleich weiß, woran man ist – und das ist für einen Führer zumindest nicht unwichtig. Allerdings ist diese äußere Gestaltung letztendlich nebensächlich. Viel mehr gibt es denn auch nicht zu kritisieren.

Der Preis allerdings ist mit 27,50 € sehr stattlich – und wird wohl Besucher der Stadt, die sich nicht ausdrücklich mit Architektur befassen, nicht zu einem Kauf animieren. Dies ist schade, da der Architekturführer einiges zu bieten hat:

Graz, Burgberg (Quelle N24)

Graz, Burgberg (Quelle N24)

Eröffnet wird der Architekturführer von zwei einleitenden Texten; der kürzere von Renate Ilsinger, ehemalige Leiterin des Verlages HDA Graz, umreißt Zielsetzung und Auswahl des Führers – gezeigt werden öffentlich zugängliche Bauten (um die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren), die von einem internationalen Komitee, darunter Marie-Héléne Contal, Paris, Grigor Doytchinov, Sofia, Peter Blundell Jones, Sheffield, Walter Titz, Graz, Maria Welzig, Wien, Frank R. Werner, Münster, ausgewählt wurden. Daran schließt sich ein Essay von Michael Szyszkowitz an, selbst Architekt der „Grazer Schule”, der dem Leser die Stadt aus der „Flugperspektive” vorstellt, die auf den ersten 8 Doppelseiten auch mit Luftaufnahmen abgebildet wird. Eine schöne Idee, die die vorgestellten Gebäude direkt ins Stadtbild verortet und so einen plastischeren Eindruck der Stadt vermittelt, als es Stadtpläne allein ermöglichen würden.

Szyszkowitz beschreibt die Besonderheiten Graz’ vom Zentrum ausgehend, den Burgberg, der hier Schlossberg heißt und der Stadt ihren Namen gegeben hat (das slawische  „gradec” bedeutet Burg), die Ufer der Mur, die die Stadt durchfließt, die Altstadt mit ihren Plätzen, „fliegt” dann nach außen in die Studentenstadt im Osten und „zieht Schleifen” über die Viertel im Süden und im Westen der Stadt. Auch ein Kommentar zur aktuellen Situation der politischen Neuorientierung, die durch „Umverteilung des Wohnbauressorts [...] Fundament innovatorischer Möglichkeiten” (44) entzogen hat, fehlt nicht.

An die einleitenden Essays schließt sich der Kern des Führers an, die Vorstellung der Gebäude. Über 150 der wichtigsten zeitgenössischen Bauten werden präsentiert. Die begleitenden Texte, die von den Mitgliedern des Auswahlkomitees verfasst wurden, sind zwar – dem Umfang des Bandes entsprechend – sehr knapp gehalten, aber sie bieten zusammen mit Fotografien konzentriert die wichtigsten Informationen. Pläne bzw. Grundrisse geben eine zusätzliche Orientierungshilfe. Die Auswahl ist sehr vielfältig: Vorgestellt werden ebenso Geschäftsgebäude wie Banken, Polizeiämter und Kaufhäuser, wie Wohnungsbau, Museen, Plätze.

Angeordnet in 11 Rundgängen durch die Stadtviertel kann der Besucher der Stadt Graz und ihre Bauten erlaufen.  Vor jedem Rundweg bietet ein schematisierter Ausschnitt aus dem Stadtplan einen Überblick über das jeweilige Viertel und die Lage der vorgestellten Bauten. Dieses Verfahren ist aus Reiseführern bekannt und bewährt. Zwar war ich selbst noch nicht vor Ort und kann somit nicht beurteilen, ob die Rundgänge gelungen sind. Grundsätzlich aber ist dies die beste Form eine Stadt kennenzulernen – sie zu erlaufen. Die Auswahl der Bauten klingt sehr vielversprechend und verspricht interessante Einblicke und Entdeckungen.

Den Abschluss des Architekturführers bilden kurze Statements der Autoren zur Architektur in Graz sowie ihre Kurzbiografien. Am Ende helfen zwei umfangreiche Indices, gezielt nach Namen der Architekten und nach Bautwerken zu suchen. Auch ein paar Leerseiten für Notizen sind eingeschlossen.

Fazit…

Eine „aufschlussreiche Standortbestimmung der Architekturszene des letzten Jahrzehnts” in Graz verspricht die Ankündigung des Architekturführers Graz. Die „neue und neueste gebaute Architektur” der Stadt soll „facettenreich und vielschichtig einem Fach- und breiteren Publikum näher [gebracht werden]“, heißt es in der Buchbeschreibung des HDA. Und dies triff, kurz gesagt, bestens zu.

Das handliche Buch weckt nicht nur Interesse für die Baukultur Graz’, sondern weckt auch ein generelles Bewusstsein für die zeitgenössische Architektur, die uns umgibt. Gerade aktuelle Bauten fallen zwar meist auf, werden aber selten in ihrem architektonischen Wert wahrgenommen – schlicht und einfach, weil sie zu jung sind. Damit leistet der Architekturführer auch einen Beitrag über die Grenzen der Stadt hinaus: Noch mehr Publikationen dieser Art wünsche ich mir auch für andere Städte.

Vor allem aber macht der Architekturführer  Lust auf einen Besuch in Graz!

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ARCHITEKTUR_GRAZ
Positionen im Stadtraum mit Schwerpunkt ab 1990

Verlag Haus der Architektur Dezember 2008 (3. Auflage)
Text: deutsch/englisch
ca. 400 Seiten, Format: 12 x 16 cm, zahlreiche Farb- und sw-Abbildungen, Broschur
27,50 €
deutsch: ISBN 978-3-901174-66-7
englisch: ISBN 978-3-901174-67-4