Isabella Berr, Orte Räume Übergänge (Ausstellung in der Fotogalerie Wasserburg bei München)

25 04 2009

Eine interessante Ausstellung beginnt am Wochenende in der Fotogalerie von Karin Schneider-Henn in Wasserburg bei München, auf die ich bereits für die Schau der Butoh-Fotografien von Alexandra Paszkowska hingewiesen habe.

frau-auerhalb

Isabella Berr, frau außerhalb © Fotogalerie KSH

Isabella Berr
Orte Räume Übergänge

Ausstellung vom 26. April 2009 – 21. Juni 2009

ferne-naehe

Isabella Berr, ferne Nähe © Fotogalerie KSH

Die Arbeiten von Isabella Berr (*1963, seit 1992 freie Fotografin) machen Randerscheinungen des Alltäglichen zum Hauptthema. Ihre weichen, verschwommenen Bilder lassen den Betrachter im Ungewissen über das, was er sieht. In den undeutlichen Szenen kann er nur noch erahnen, welche Situationen er vor sich hat. Vordergrund und Hintergrund verschmelzen, Details verschwinden. Die wie Traumsequenzen anmutenden Fotografien wecken die Bilder Assoziationen mit dem klassischen Kino, etwa dem frühen Luis Buñuuel oder Michelangelo Antonioni, liegen nahe. Berrs Fotografien faszinieren durch ihre Unschärfe, durch die sie eine fast abstrakte, aber auch malerische Qualität entwickeln. Sie gleichen einer vagen Erinnerung, einer der Wirklichkeit entrückten Zwischenwelt.

“Unschärfe ist die höchste Präzision, derer ich fähig bin.”

(Jochen Gerz, zitiert von I. Berr )

Diese Mehrdeutigkeit kommt auch in der Auswahl der Bildtitel zum Ausdruck, die Berr assoziativ gestaltet. Sie wählt Wörter oder Satzfragmente, die sich dem “Dazwischen” nähern. Während sie oft aus literarischen Kontexten zitiert, sind andere Titel sind nur Zuweisungen oder Ortsbeschreibungen.

turners-frau-kor

Isabella Berr, Turners frau © Fotogalerie KSH

Auch die aktuelle Ausstellung “Orte Räume Übergänge” verweist die Zwischenwelt, dem Davor-Dahinter-Dazwischen, nach dem Berr immer wieder sucht. “Räume sind in den Bildern einerseits real definiert, aber führen den Betrachter auch an Orte der eigenen Erinnerung und Empfindung. Sie beschreiben Festlegung und Auflösung, Ferne und Nähe , Realität und eigene Wahrheit”, so die Fotografin.

Berr fotografiert  durch Glasfenster oder Folie, durch Räume hindurch oder gespiegelte Situationen – ihre Bilder entstehen aus dem Moment heraus, ihre Arbeiten entstehen meist unreflektiert. „Ich sehe Situationen, spüre einen Impuls diese festzuhalten. Erst im Atelier beim Auswerten des Materials suche und finde ich das, was später das  Bild wird.” Sie bearbeitet Bildausschnitte, ergänzt, fügt manchmal Bilder zusammen.

Auch die Ausstellungen sind nicht in sich geschlossen zu betrachten, Eher fügen sich die neu entstehenden Bilder zu den schon Vorhandenen und zeigen so immer wieder neue Aspekte.