(In)Visible Cities: Karl-Heinz Bogner, Stefan Hoenerloh, Johannes Twielemeier, Annett Zinsmeister

4 10 2011

Seit Freitag, 30.09.11, ist die von mir kuratierte Ausstellung “(In)Visible Cities”, ausgezeichnet mit dem Wolfgang Hartmann Preis 2011, im Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten von Karl-Heinz Bogner, Stefan Hoenerloh, Johannes Twielemeier und Annett Zinsmeister.

(In)Visible Cities

KARL-HEINZ BOGNER, STEFAN HOENERLOH, JOHANNES TWIELEMEIER, ANNETT ZINSMEISTER 

ausgezeichnet mit dem Wolfgang Hartmann Preis 2010/11

Ausstellung: 01.10. – 06.11. 2011

Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen

www.invisiblecities2011.wordpress.com

Die Ausstellung wird von einem KATALOG begleitet, der von Vanessa Buffy. Atelier für Typografie und Gestaltung gestaltet wird. Der Katalog enthält einen Essay von Cordula Rau, Walverwandtschaften.

 

 

(In)Visible Cities: Blick in die Ausstellung (Foto SK)

(Aus dem Konzept:) Das Leben in Städten ist normal geworden. In westlichen Ländern wohnen Dreiviertel der Bevölkerung in urbanen Gebieten, die  Wanderungsbewegungen in städtische Räume sind so stark wie nie zuvor. Weltweit leben zunehmend mehr Menschen in Städten als auf dem Land – Tendenz steigend. Metropolen und Megastädte mit mehreren Millionen Einwohnern gewinnen damit eine immer größere Bedeutung als zentrale Lebensräume der Menschheit, die Urbanisierung prägt die menschliche Lebenswelt immer nachhaltiger und grundsätzlicher. Städtische Strukturen sind im 21. Jahrhundert zum normalen Habitat des Menschen geworden. Aber was ist „Stadt“?

Die Stadt, das unbekannte Wesen?

Wie die Stadt wirklich ist, unter dieser dichten Hülle von Zeichen, was sie enthält oder verbirgt – man verlässt Tamara, ohne es je erfahren zu haben. (Italo Calvino: Die unsichtbaren Städte)

(In)Visible Cities: Blick in die Ausstellung (Foto SK)

Eine Stadt ist ein Konglomerat zahlreicher Faktoren, ein Zusammenspiel kultureller und sozialer ebenso wie ökonomischer, infrastruktureller und finanzieller Aspekte. Am deutlichsten sichtbar und damit unmittelbar plastisch erfahrbar wird Stadt jedoch im Gebauten: Architektonische Strukturen und Konstruktionen, Häuser, Straßen, Plätze, Brücken prägen das urbane „Gesicht“.

Dennoch nimmt der Großteil der Stadtbewohner seine architektonische Umgebung kaum bewusst wahr. Funktionale Nutzbauten wie Büros, Wohngebäude, Werkhallen, denen man tagtäglich begegnet, werden nicht beachtet. Allenfalls außergewöhnliche Bauwerke aus vergangenen Zeiten oder extravagante moderne Bauten werden bemerkt und gegebenenfalls diskutiert. Die allgemeinen architektonischen „Hüllen“ unseres Alltags hingegen werden hingenommen, ohne ihnen viel Aufmerksamkeit zu widmen. Eine überraschende Situation, bedenkt man die Bedeutung der Architektur, die nicht nur das menschliche Lebensumfeld gestaltet, sondern auch die kulturelle und historische Identität wesentlich mitformt.

Bauen ist Lebensraum gestalten

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In the land of limitless opportunities: Friederike Vahlbruch in Worms

11 06 2011

Friederike Vahlbruch‘s paintings are both realistic and surrealistic at once. She exceeds the limits of gravitation, diving into a surreal fantasy. The lines of central perspective transform into waves and spirals and open up infinite possibilities of re-viewing the well-known world.

© Friederike Vahlbruch

© Friederike Vahlbruch

 

 

 

 

 

Friederike Vahlbruch
Land der unbegrenzten Möglichkeiten
22.05. bis 19.06.2011
Kunstverein Worms
 

 
 

 
 

 

PR-Text: Die 1964 in Genf geborene Malerin Friederike Vahlbruch studierte 1984-1990 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und lebt seit 1991 in Köln. Einige ihrer Bilder waren bereits im Rahmen der Animal-Art-Ausstellung 2010 zu sehen. Nun präsentiert sie aktuelle Ölgemälde aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Eine gleichermaßen realistische Malerei auf handwerklich hohem Niveau, die sich spielerisch, manchmal auch satirisch einer surrealistischen Phantasie hingibt. Die Gesetze der Schwerkraft werden überwunden und die Linien der klassischen Zentralperspektive verwandeln sich in Wellen und Spiralen. Dieser Zerrspiegel eröffnet unbegrenzte Möglichkeiten, die Welt neu zu sehen, die eigenen Gefühle neu aufzuwirbeln und die persönlich erlebten Reiseeindrücke spannend zu erzählen.

MIDTOWN 2011, Öl auf Nessel, 70x170 cm

MIDTOWN 2011, Öl auf Nessel, 70x170 cm © Friederike Vahlbruch

Weitere Infos HIER




Susanne Beik in Viernheim: Changing architecture painting

4 08 2010

Currently on show at Viernheim Kunstverein: Susanne Beik’s wall paintings that work on the exhibition space’s architecture in a particular manner, regarding specific details such as size, proportions, colours, material and thus changing the space fundamentally.

“NETZWERKE”

Malerische Installation und Tafelbilder von SUSANNE BEIK

im Kunsthaus Viernheim

23.Juli – 21.Aug. 2010

PR-Text: In ihren Wandmalereien bearbeitet Susanne Beik Architektur in einer Weise, die auf spezifische Vorgaben wie Maße, Proportionen, Farbigkeit und Materialien Bezug nimmt, gerade dadurch jedoch den Raum grundlegend verändert.

Vor Jahren schon hat sie eine Bildsprache entwickelt, deren Spektrum auf den ersten Blick eng begrenzt erscheint, in der konkreten Anwendung aber eine erstaunliche Varianzbreite nicht nur graduell, sondern auch grundsätzlich unterschiedlichster Möglichkeiten eröffnet. Einmal mehr zeigt sich, dass radikale Beschränkung – nicht nur in der Kunst – ein Gestaltungs- und Wahrnehmungsspektrum von überraschender Vielfalt erschließen kann. Dem mit Akribie und Disziplin, mit geradezu wissenschaftlicher Neugier und Präzision nachzuspüren, kann zu einer Obsession werden, aus der faszinierende Einsichten und Ergebnisse resultieren.

Susanne Beik verwendet ausschließlich eine Art Schlingmuster, dessen „Tragfähigkeit” sie zunächst in Tafelbildern, später in eindrucksvollen Wandmalereien erprobt hat. Sie setzt es sparsam oder ganze Wandflächen füllend ein, flächendeckend, punktuell oder als Fries.

Susanne Beiks Arbeiten leben aus der Spannung zwischen der seriellen Anordnung ihrer Motive und deren individuell skripturaler, jedenfalls nicht schablonenhaft-mechanischer Ausführung. Diese Ausführung ist nichts, was als sekundär vom konzeptionellen Ansatz getrennt werden könnte. In der individuellen, nicht delegierbaren Aktion des Machens verwirklicht sich erst eigentlich das künstlerische Konzept. Die Arbeit entsteht in einem Prozess höchster Konzentration, der die künstlerische Aneignung des Raumes und das Erleben und Sichtbarmachen der Zeitdimension umschließt. Das weiße Lineament wird dabei nicht einem dunklen Grund aufgesetzt, sondern bleibt als Bestandteil der Wand ausgespart. (Hans Gercke)

Susanne Beik selbst sagt::
Bei meinen malerischen Installationen bin ich durch das Arbeiten vor Ort mit immer neuen räumlichen Situationen konfrontiert. Durch das Eingehen auf und das Arbeiten mit diesen Gegebenheiten entstehen immer neue Installationen, die einzigartig sind – womit ich meine, dass keine von ihnen genau so an einem anderen Ort entstehen kann.

Illus.: courtesy Kunstverein Viernheim, Susanne Beik




Spatiality and Urbanity at Heidelberg Kunstverein: Tilman Wendland, Armin Linke and Martin Creed

14 03 2010

Gleich zwei von derzeit drei Ausstellungen des Heidelberger Kunstvereins thematisieren Raum und Urbanität in verschiedener Weise: So gewährt der Heidelberger Kunstverein erstmals in dieser Größe Einblick in das außergewöhnliche Fotoarchiv der Globalisierung (das mittlerweile auf über 100.000 Fotografien angewachsen ist) von Armin Linke, der zur Zeit als Gastprofessor für Temporäre Architektur an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe lehrt.Tilman Wendland hingegen hat im und mit dem Raum des HDKV eine Rauminstallation geschaffen, die räumliche Elemente des Ortes aufgreift und weiterentwickelt. Ein anderes Thema hat das Video von Martin Creed, das dem Betrachter einiges an Selbstüberwindung und Offenheit abverlangt.

Two of three exhibits the Heidelberg Kunstverein is currently showing, thematize Space and Urbanity in different ways: Armin Linke’s amazing photo archive of globalization (by now comprising more than 100,000 photographs) is presented in the biggest scope to date. Linke is presently teaching as visitng professor for temporary architecture at the HfG Karlsruhe. Tilman Wendland however has created in and with the exhibition space a spatial installation using and developing architectural elements of the location. Another topic is focused in Martin Creed’s video which requires a certain willpower and open-mindedness of the visitors.

Tilman Wendland, MIMI, 2006, Installationsansicht Kunstverein Mönchengladbach. Foto: Ivo Faber.

Tilman Wendland, MIMI, 2006, Installationsansicht Kunstverein Mönchengladbach. Foto: Ivo Faber.

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TILMAN WENDLAND
13.03.2010 – 16.05.2010

Heidelberger Kunstverein

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Aus dem PR-Text: Tilman Wendland schafft aus anspruchslosen Materialien ephemere Strukturen, die sich in vorhandene architektonische Situationen einpassen. In einer Tradition von Künstlern, die sich in den letzten vier Jahrzehnten nicht damit abgefunden haben, abgeschlossene Werke zu schaffen, sondern den Raum selbst und seine Redefinition zum eigentlichen Inhalt machen, hat Wendland in konzentrierter mehrtägiger Arbeit vor Ort für den Heidelberger Kunstverein ein bemerkenswertes Werk geschaffen.

Fast genau so viel Zeit wie für ihre Entstehung verlangt die Heidelberger Arbeit auch vom Betrachter, um entschlüsselt zu werden. Die Installation greift Elemente aus der Struktur der Ausstellungshalle auf und entwickelt sie eigenständig fort. Räumliche Details wie die Fenstersprossen des Oberlichtes oder die Form einer Außenbeleuchtung werden mit- und ineinander verschränkt. Man sucht das Pendant eines Elements der Installation in der sie umgebenden Architektur und findet meist ein mit feinfühligem Humor gespiegeltes, verkleinertes oder verflachtes Detail wieder. Die zuvor womöglich als nebensächlich eingestufte Architektur der Halle wird selbst sichtbar, ja drängt sich geradezu auf. Plötzlich schaut man sich nicht nur das Werk an, sondern den Raum selbst.

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Armin Linke, Museum, Babylon, Irak, 2002, C-Print, 50 x 60 cm. © Armin Linke, Courtesy der Künstler und Galerie Klosterfelde, Berlin

Armin Linke, Museum, Babylon, Irak, 2002, C-Print, 50 x 60 cm. © Armin Linke, Courtesy der Künstler und Galerie Klosterfelde, Berlin

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ARMIN LINKE

27.02.-16.05.2010

Heidelberger Kunstverein

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Aus dem PR-Text: Algerien, Südkorea, Brasilien, Uzbekistan, Italien, Mexiko oder die Schweiz – so lauten neben vielen anderen über die Welt verteilten Orten die Reiseziele des in Mailand geborenen Fotografen Armin Linke. Seit 1999 arbeitet Linke an seinem außergewöhnlichen, umfassenden Bildarchiv der Globalisierung, das mittlerweile über 100.000 Fotografien umfasst. Dabei geben sich sowohl seine Motive als auch die Bildtitel, die er dafür wählt, nüchtern und unspektakulär. Neben der Ortsangabe verweisen sie lediglich sachlich auf das abgebildete Ereignis. [...] Doch sind die Angaben mehr als nur eine Feststellung von Tatsachen. Sie bezeichnen Aufnahmen von politisch und historisch markanten Ereignissen und Orten, ohne dem jeweiligen Moment zusätzliches Gewicht durch eine poetische oder dramatische Überhöhung zu verleihen. Armin Linke, der nicht nur weltweit reist, sondern auch weltweit ausstellt, verweigert sich sowohl dem Sensationsbedürfnis des Betrachters als auch dessen immanentem Wunsch nach erklärenden, adjektivreichen Bildlegenden, durch welche die alltägliche Berichterstattung das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen versucht.

Armin Linke, Pantelleria, Italy, 2009, C-Print, 150 x 200 cm. © Armin Linke, Courtesy der Künstler und Galerie Klosterfelde, Berlin

Armin Linke, Pantelleria, Italy, 2009, C-Print, 150 x 200 cm. © Armin Linke, Courtesy der Künstler und Galerie Klosterfelde, Berlin

Die Bildtitel sind eine Art Synonym für Linkes gesamtes OEuvre. Die ausgewählten Abzüge zeigen weder dramatische Inszenierungen noch verkünstelte Lichtarrangements. Die Suche nach dem unaufgeregten Abbild scheint an vorderster Stelle zu stehen. Weil keine eindeutigen und tradierten bildlichen Metaphern zu erkennen sind, entziehen sich die Aufnahmen einer einfachen Kategorisierung durch eine sprachliche Deutung. Der Fotograf sucht explizit nach dem visuellen Wissen, das im kollektiven visuellen Gedächtnis (noch) nicht mit sprachlichen Klischees verbunden ist.

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Und auch die dritte Ausstellung verdient aufmerksamkeit, auch wenn sie nicht explizit Architektonisches thematisiert. Trotz und gerade weil Martin Creeds Videoarbeit „Sick Film“ (Work 610), 2006, im wahrsten Sinne geschmacklos ist, eröffnet sie – im Kontext des umfangreichen konzeptuellen Werks des Turner Prize-Gewinners Creed – zahlreiche Assoziationen und Diskussionsansätze.

Martin Creed, Work 548, 2006, 1:31 min., Videostill. Courtesy  Hauser & Wirth © Martin Creed / Foto: Hugo Glendinning

Martin Creed, Work 548, 2006, 1:31 min., Videostill. Courtesy Hauser & Wirth © Martin Creed / Foto: Hugo Glendinning

Aus dem PR-Text: “Dabei hat er das Video nicht ganz alleine gemacht. Vielmehr hat er zwölf Bekannte und Freunde zu einem Abendessen in sein Atelier in London eingeladen. Nach dem Essen hat er jeden von ihnen gebeten, einzeln vor einen weißen Hintergrund zu treten, den er im Vorfeld für die Aufnahmen aufgestellt hatte. Die Vorgabe lautete, sich selbst vor laufender Kamera zum Übergeben zu bringen. Martin Creed nutzt eine Strategie der Provokation des Betrachters, die spätestens seit den Jahren des Aufbruchs in der Kunst um 1969 ein gängiger Topos ist.”

Zugegeben, es ist nicht einfach, das Video anzuschauen. Aber wer sich auf die Arbeit einlässt, kann zu einer komplexen Diskussion finden: Was ist Kunst? Was ist zeigbar? Was ist schön? Ist eine körperliche Reaktion “ekliger” als die massenmediale Bilderüberflutung, die Erdbebenopfer, kriegszerstörte Regionen, angehende Topmodels,  Sportereignisse, … unkommentiert nebeneinadner auf einem Titelblatt aufzuführen vermag?

Infos + Abb. Heidelberger Kunstverein




Exhibition Broken Vision in Mannheim: Imagin(in)g Reality

15 08 2009

Ist das, was wir sehen, real? Welche Bilder zeigen die Wirklichkeit? Was ist real? Diesen Fragen spüren 13 zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und Japan in der Ausstellung „Broken Vision“ im Mannheimer Kunstverein (12. Juli – 13. September 2009) nach. In ihrem Werk nähern sie sich der Abbildung von Realität an und setzen sich mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen und Medien mit der Thematik auseinander. Und werfen dabei mehr Fragen auf, als sie beantworten.

How real is what we see? Which images show reality? What is real? 13 contemporary artists from Germany, Belgium and Japan are tracing these questions in the exhibition “Broken Vision” in Mannheim, Germany. They all deal with questions about imaging reality using different artistic mediums and technics. One important subject area thematizes structuring of habitats and the difficulties to locate oneself in a globalized world.

Philipp Weber

Philipp Weber: Die Jagd – Nora, Kady und Ulrike, 2005, Öl auf Leinwand, 200 x 280 cm, courtesy Galerie Gering, Frankfurt/M.

Überall wird gephotoshopt, digital korrigiert, nachbearbeitet,… Dass wir Bildern in der herrschenden Bilderflut nicht mehr alles glauben dürfen, was wir darauf sehen, ist schon fast zum Gemeinplatz geworden. Im Web-Zeitalter ist auch der Wirklichkeitsbegriff dynamisch und flexibel geworden. Realism 2.0 – echt ist, was der Computer „ausspukt“?

Mit der Thematik der Wirklichkeitsabbildung und den vielfältigen Möglichkeiten und Lösungen dafür, die ein Blick in die Kunstgeschichte offenbart, habe ich mich in Realism 2.0: Wie real ist die Wirklichkeit? auf Art and Events näher befasst. Dort wird auch ein Blick auf die Fotografie geworfen, die den Anspruch auf die uneingeschränkte Abbildung der Realität erhebt, der jedoch bei genauerer Betrachtung nicht so eindeutig zutrifft, wie es oft dargestellt wird.

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Auch die in Mannheim gezeigten Künstler Michael Bach, Beate Bilkenroth, Felix Burger, Eckart Hahn, Christian Hellmich, Ives Maes, Lisa Schairer/Grete Turtur, Josef Schulz, Koshi Takagi, Andreas Wachter, Philipp Weber und Maik Wolf spüren in ihren Arbeiten konstruierten Wirklichkeiten nach – nicht real, aber immer plausibel.

Ein  großer Themenschwerpunkt kreist um die Strukturierung von Lebensräumen und die Schwierigkeiten, sich in einer globalisierten Welt zu verorten, die sich immer mehr angleicht. Dabei beschäftigen sich mehrere Künstler auf unterschiedliche Weise mit Architektur.

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm Copyright: Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm © Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz fotografiert Industriehallen, wie sie auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Am Computer werden seine analogen Aufnahmen nachbearbeitet, alle konkreten Hinweise wie Ortsbezüge, Verweise auf Funktion, Zeit und Größe – kurz alles was einordnenbar macht – entfernt. Die so nur auf Farbe, Fläche und Form reduzierten Zweckbauten gleichen minimalistischen Skulpturen und entfalten in intensiven, kräftigen Farben eine von der Realität abstrahierte Ästhetik, die klassische Züge annimmt:  Die Bauten werden “Tempelartig” präsentiert mit einem tiefen Horizont und in einer Proportionierung, die dem Goldenen Schnitt entspricht.

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Auch in den Gemälden von Beate Bilkenroth, Maik Wolf, Christian Hellmich und Michael Bach werden alltägliche Raumerfahrungen künstlerisch verarbeitet. Beate Bilkenroth etwa zeigt serielle Wohnbauten, typische „Menschenorte“ jedoch ohne Protagonisten: Wohnen im funktionellen Planquadrat.

Michael Bach malt ebenfalls alltägliche Räume, typische, aber unspektakuläre Großstadt-“Ansichten“ – etwa eine Londoner Ubahn-Station. Eine vertraute Umgebung, mit technischen Elementen, Rolltreppen, Lochblechen, künstlichem Licht – aber Menschenleere, wo sonst Hektik herrscht. Durch die meist sehr großen Formate wirken diese Bilder fremd und entfalten Unbehagen.

Christian Hellmich

Christian Hellmich: Pavillon 2008 Öl auf Leinwand 204 x 150 cm courtesy Tanja Pol Galerie, München und Galerie Lehmann Maupin, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Christian Hellmich (*1977) hingegen  abstrahiert auf andere Weise: Er malt eigenartige „Architekturen“, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Zwar werden eindeutige architektonische Elemente eingesetzt, die jedoch keine Bauten formen -  jedenfalls keine Bauten, wie wir es gewohnt sind. Hier fehlt die klare Einteilung in Innen und Außen. Es gibt Berührungspunkte mit dem, was wir kennen, nicht mehr. Möglichkeitsebenen überlagern sich, Illusionsräume entstehen.

Auch Maik Wolf (*1964) konstruiert aus Bilder-Fundstücken, wie sie in den Massenmedien zuhauf begegnen, Landschaften und Wohnsiedlungen. Dadurch ähneln seine Kompositionen den Bildern, die einem tagtäglich begegnen – wo haben wir welche Abbildung zuletzt gesehen? TV, Internet, Print? Wolf reagiert damit auf ein Phänomen unserer Zeit – die Städte weltweit gleichen sich immer mehr an, die Bilder werden immer ähnlicher: visuelle Globalisierung.

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Amy von Milo

Andreas Wachter: Amy, 2008, Terrakotta 90 x 40 x 40 cm, Leihgeber Sammlung Hofmann Karlsruhe, courtesy GALERIE Supper, Karlsruhe

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Ein anderer Themenkomplex der Ausstellung befasst sich mit gängigen Konstruktionen von Weiblichkeit und den Geschlechterrollen-Klischees, die nach wie vor vorherrschen. Andreas Wachter etwa zeigt eine „Amy von Milo“: Die skandalträchtige Popikone Amy Winehouse wird in der Pose der antiken Venus von Milo inszeniert. Unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an das Bild einer Frau werden überlagert. Was ist archaisch, was modern?

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Informationen aus dem Katalog von “Broken Vision”, Mannheimer Kunstverein

© Abb. die Künstler, KV Mannheim, VG-Bildkunst




Micro House: Baukunst im Biele- felder Kunstverein

28 05 2009

In der Reihe “Baukunst” präsentiert der Bielefelder Kunstverein in diesem Jahr das Phänomen der “Micro Houses”, Kleinsthäuser, die unter optimaler Ausnutzung des Raums auf wenigen Quadratmetern Leben, Wohnen und Arbeiten ermöglichen. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten BDA entstanden. Eine ganz ähnlich gelagerte Schau – “Portraits from Above – Hong Kong‘s Informal Rooftop Communities”  – ist zur Zeit auch im Kunsthaus Hamburg zu sehen; ich werde darauf zurückkommen.

An exhibit at the Bielefeld Kunstverein focuses the phenomenon of “Micro Houses”, minimal houses making optimal use of space: living and working on few squaremeters.

(Fotos Bielefelder Kunstverein)

exilhäuser architekten  Zusatzraum, 2000  Foto: Thilo Härdtlein

exilhäuser architekten Zusatzraum, 2000, Foto: Thilo Härdtlein

Micro House
30. MAI – 26. JULI 2009

Bielefelder Kunstverein

Beiräge: studio aisslinger; exilhäuser architekten; Haack + Höpfner Architekten und Horden Cherry Lee Architects; Folke Köbberling & Martin Kaltwasser; Korteknie Stuhlmacher Architecten; naumann.architektur; Michael Sailstorfer ; Architekturbüro Hans Peter Wörndl; Yasuhiro Yamashita | Atelier Tekuto;  studentische Projekte des Lehrstuhls für Gebäudelehre und Produktentwicklung (TU München)

Um den Raum auf wenigen Quadratmetern bestmöglich auszunutzen müssen die Kleinsthäuser über eine multifunktionale Raumnutzung und eine flexible Grundrissgestaltung verfügen. Stetig steigende Quadratmeterpreise, das Fehlen von freien Brachflächen in den Metropolen, eine zunehmende Mobilität, aber auch der Wunsch nach individuellen Rückzugsorten verlangen nach Lösungen und Anpassungen an die sich wandelnden Bedürfnisse.

studio aisslinger  Loftcube, 2003/07  Foto: Steffen Jänicke

studio aisslinger Loftcube, 2003/07 Foto: Steffen Jänicke

Darüber hinaus werden in den Micro Houses neue Materialien, Konstruktions- möglichkeiten und Technologien eingesetzt. Häufig sind sie nach den neuesten ökologischen Richtlinien gefertigt und übertreffen die bestehenden Standards mit innovativen Konzepten. So machen Micro Houses nicht nur den Traum vom günstigen Erst- oder Zweithaus wahr, sondern repräsentieren auch neue Formen des Landhauses sowie des sozialen und ökologischen Wohnungs- und Städtebaus.

Die Micro Houses nutzen vorhandene Architekturen, sie nisten sich in Zwischenräume ein, docken an größere Bauwerke an oder machen sich völlig selbständig. Daher haftet ihnen sowohl die Idee des Parasitären als auch des Unabhängigen an.

Yasuhiro Yamashita / Atelier Tekuto  Reflection of Mineral, 2006  Foto: Makoto Yoshida

Yasuhiro Yamashita / Atelier Tekuto Reflection of Mineral, 2006 Foto: Makoto Yoshida

Die Kleinsthäuser stehen in einer ganz eigenen Tradition. Viele Projekte sind inspiriert von einfachsten Gebäudetypen wie Zelten, Bushaltestellen, Garagen, Schutzräumen, Ställen und Hütten. Zudem finden sich Ideen des modularen Bauens und mobilen Wohnens wieder, die bereits von Architekten der Moderne wie Richard Buckminster Fuller, Walter Gropius oder Frank Lloyd Wright formuliert wurden.

Die Ausstellung im Bielefelder Kunstverein versammelt eine Auswahl verschiedener Architekturprojekte, die das Spektrum und die vielfältigen Ansätze auf dem Gebiet der Micro House-Architektur beispielhaft repräsentieren. Darüber hinaus werden in einem eigenen Raum studentische, nicht realisierte Entwürfe und Prototypen des Lehrstuhls für Gebäudelehre und Produktentwicklung (TU München) präsentiert. Nicht zuletzt erweitern künstlerische Beiträge, die insbesondere Aspekte der Transformation und deren gesellschaftliche Funktion thematisieren, die Ausstellung.

(Infos aus dem PR-Text des Bielefelder KV)