Wie haben Sie das gemacht, Mr. Hitchcock? | How have you done it, Mr Hitchcock?

27 02 2008

Eine Literaturempfehlung, die zwar nicht ganz (aber eben doch, darauf komme ich später zurück) zum Thema passt, aber unbedingt eine Erwähnung wert ist: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

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Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Francois Truffaut

Heyne Sachbuch (verschiedene Auflagen, ich habe mit der abgebildeten Ausgabe gearbeitet)

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Das Buch gibt ein rund 50h-Interview wieder, das Francois Truffaut (franz. Filmkritiker und Regisseur, 1932-1984) im August 1962 mit Alfred Hitchcock (1899-1980) geführt hat, und ist bis heute eines der Hauptwerke der Filmliteratur. Das Original „Le Cinema selon Hitchcock“ ist 1966 erschienen, die deutsche Übersetzung als Taschenbuch erstmals 1973, mit sehr viel weniger Abbildungen (zu den publikatorischen Details ist Wikipedia sehr ausführlich).

Übrigens wurde das Interview auf Englisch und Französisch geführt – also Truffaut fragte französisch, Hitchcock antwortete Englisch. Ein Grund, warum es bis zur Veröffentlichung denn auch 4 Jahre dauerte.

Im Interview – es ist auch in Dialogform gedruckt – sprechen Hitchcock und Truffaut über Hitchcocks Karriere von Anfang an, also von Schwarzweiß über Ton bis Farbe, und analysieren wirklich alle Filme, die bis dahin gemacht wurden (gut 50). Der Regisseur plaudert aus dem Nähkästchen, ist sehr offen, direkt und manchmal auch ein bisschen gemein – v. a. wenn es um die Leistungen mancher Schauspieler geht oder um Produzenten…

Fast schon nebenbei erfährt man einiges über das Filmemachen im Allgemeinen und natürlich über Hitchcocks Suspense-Filme im Besonderen.

Nun aber genug des Vorspanns – einige Zitate von Hitchcock persönlich zum Filmemachen, zu Suspense und natürlich den Blondinen:

Zum Filmemachen:

In den meisten Filmen ist sehr wenig Kino. Ich nenne das „Fotografien von redenden Leuten“. Wenn man im Kino eine Geschichte erzählt, sollte man nur den Dialog verwenden, wenn es anders nicht geht. Ich suche immer zunächst nach der filmischen Weise, eine Geschichte zu erzählen durch die Abfolge der Einstellungen, der Filmstücke. Es ist bedauerlich, dass das Kino mit dem Aufkommen des Tonfilms in einer theaterhaften Form erstarrt ist. [...] Wenn man einen Film schreibt, kommt es darauf an, den Dialog und die visuellen Elemente säuberlich zu trennen und, wann immer es möglich ist, dem Visuellen den Vorrang zu geben vor dem Dialog. Gleichgültig in welcher Richtung sich die Handlung entwickelt, das Visuelle muss das Publikum in Atem halten. Zusammenfassend kann man sagen: das Rechteck der Leinwand muss mit Emotion aufgeladen sein (53f.).

Also:

[Es] ist die Sprache der Kamera, die an die Stelle des Dialogs tritt.

Und:

Sie wollen sagen, der Dialog sagt eine Sache und das Bild eine andere? Aber das ist ein entscheidender Punkt jeder Regie. Im Leben ist das nicht anders. Die Menschen drücken nicht ihre innersten Gedanken aus. Sie versuchen, im Bild ihres Gegenüber zu lesen. Häufig sagen sie sich Banalitäten und versuchen dabei, hinter die geheimen Gedanken des anderen zu kommen (201).

Der Meister des Suspense zum Unterschied von Suspense und Überraschung:

Der Unterschied zwischen Suspense und Überraschung ist sehr einfach [...]. Wir reden miteinander, vielleicht ist eine Bombe unter dem Tisch, und wir haben eine ganz gewöhnliche Unterhaltung, nichts besonders passiert, und plötzlich, bumm, eine Explosion. Das Publikum ist überrascht, aber die Szene davor war ganz gewöhnlich, ganz uninteressant. Schauen wir uns jetzt den Suspense an. Die Bombe ist unterm Tisch, und das Publikum weiß es. [...] Das Publikum weiß, dass die Bombe um ein Uhr explodieren wird, und jetzt ist es 12 Uhr 55 – man sieht eine Uhr –. Dieselbe unverfängliche Unterhaltung wird plötzlich interessant, weil das Publikum an der Szene teilnimmt (64).

Also:

Man muss dem Zuschauer eine Information geben, die die Figuren des Films nicht haben. (102).

Zu den Besetzungsbüros:

Es ist immer gewagt, sich auf das Besetzungsbüro zu verlassen. Ich vermute, wenn man von ihnen einen Liftboy verlangt, dann schaun sie in einem alphabetisch geordneten dicken Heft nach unter E wie „Elevator“ und bestellen alle Schauspieler, die irgendwann einmal einen Liftboy gespielt haben (225).

Und zum Abschluss noch die berühmten Blondinen:

Auch wenn ich mich auf der Leinwand mit Sex befasse, vergesse ich nie, dass der Suspense de Hauptsache ist. Wenn der Sex zu aufgetragen, zu dick ist, gibt es keinen Suspense mehr. Weshalb ich immer wieder auf die mondän reservierten blonden Schauspielerinnen zurückkomme? Ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann im Schlafzimmer zu Nutten werden. Der armen Marilyn Monroe konnte man den Sex vom Gesicht ablesen, auch Brigitte Bardot, und das ist nicht besonders fein (220). [...] Die [haben] nur schlechte Filme gedreht. Warum? Weil es mit ihnen keine Überraschung gibt, folglich auch keine guten Szenen (221).

Some literature I have to recommend you even though it does not really fit in the topic (but still, it does fit in a particular way, that I’ll talk about later). Nevertheless, it is worth mentioning: “How have you done it, Mr. Hitchcock?” (literal transl. from German. I think the English title is just “Hitchcock”)

The book retells an 50h interview by Francois Truffaut (French film critic and director) and Alfred Hitchcock, hold in august 1962. It is one of the chief works of film literature. The original „Le Cinema selon Hitchcock“ was published in 1966, the German translation in 1973 as paper back and much less illustrations. Lesen »