Book REVIEW: position alltag. architecture in the context of everyday life || HDA Dokumente zur Architektur 21/22
18 07 2009Eine der aktuellsten Publikationen des Grazer Haus der Architektur HDA widmet sich der “Architektur im Kontext des Alltagslebens”:
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position alltag. architecture in the context of everyday life.
Preis: 19,90 €
HerausgeberInnen/Editors:
Markus Bogensberger, Gabu Heindl
AutorInnen/Authors:
Ellen Bareis, Gabu Heindl, Ernst Hubeli, Otto Kapfinger, Nils Norman, Marc Ries, Riklef Rambow
ISBN 978 3 901174 68 1
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One of the latest publications of HDA Graz (House of Architecture, Graz/Austria) is position alltag architecture in the context of everyday life. The book summarizes the results of a two-year-programme of the HAD about architecture and everyday life. It thus focuses a question which is usually absent from architectural discourse. While signature buildings – let’s call it “Bilbao-ism” – enjoy great attention, architecture in general is neglected.
The publication, written in both German and English, presents 6 essays of high academic standard dealing with different aspects – living, working, preserving, consuming, building – from several perspectives (architectural, media theoretical, artistic, ethnological, psychological) and offer thoughtful insights. It is written in both German and English.
Of particular interest might be artist Nils Norman’s “Urbanomic Archive“, documenting the outgrowth of “defensive devices” in public spaces, as well as Riklef Rambow’s general considerations about what “everyday” actually means in an architectural context (maybe it isn’t so much the extravagant shapes of “Bilbao-istic” buildings vs. the “common” buildings, that needs to be considered, but their suitability for everyday use (- and thus a new structure in architectural discourse is needed)?
Darin wird ein Themenschwerpunkt zusammengefasst, der zwei Jahre lang das Programm des HDA, das baukulturelle Themen vermittelt und den Diskurs über architektonische Fragestellungen fördert, bestimmt hat. Das Leitthema ist ambitioniert – und richtig:
„Angesichts der Dominanz von ikonischen Bauten und deren als Stars bezeichneten Architekten in der medial vermittelten Architekturwelt erschien es uns sinnvoll, den Fokus auf eine Sensibilisierung für Alltägliches zu richten und das Außergewöhnliche gerade im Gewöhnlichen zu suchen.“ (7)
Tatsächlich begegnet derzeit eine seltsam widersprüchliche Situation – spätestens seit Bilbao und Gehrys Guggenheim herrscht ein reges Interesse an spektakulären Gebäuden, und so manches Unternehmen versucht, das visuelle – und werbeträchtige – Potenzial eines extravaganten Baus auszuschöpfen. (Womit sie freilich keineswegs allein auf weiter historischer Flur stehen, man denke nur an die repräsentativen Schlossbauten, an barocke Kirchen und Stadtanlagen, die noch heute Touristen wie Fachleute gleichermaßen faszinieren.)
Diesem gesteigerten Interesse an „Spektakel-Bauten“ steht ein, wenn man so will, erschreckendes Desinteresse, ein Nicht-Bewusstsein für Architektur an sich entgegen. Für die Architektur nämlich, die ständig begegnet, für die Alltagsbauten und Anlagen, die nicht spektakulär daherkommen, weil sie älter sind, einfacher und „hässlich“, unauffällig und funktional. Alltäglich eben. Sie werden in Publikationen oder Ausstellungen nur im seltensten Fall thematisiert. Dabei sind es jedoch gerade diese alltäglichen Bauten und architektonische Strukturen, die ihre Bewohner sowohl im Alltagsleben als auch in der „ideellen“ sozialen, politischen und kulturellen Lebensführung prägen, stärker als man sich oft bewusst ist.
„[W]elche dialektischen Beziehungen zwischen innen und außen sowohl auf der Ebene der Architekturen selbst als auch in einem städtebaulichen Zusammenhang gebildet werden und welchen Einfluss diese auf das soziale Leben und wiederum die Architekturproduktion habe“ (7), rückt „position alltag“ in den Mittelpunkt.
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Die PublikationIn den fünf thematischen Schwerpunkten wohnen, arbeiten, schützen, konsumieren, bauen nähern sich fünf Essays der Themenstellung aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven. Sie verfolgen meist eine sehr theoretische Herangehensweise, die über grundlegende Fragen des Räumlichen im Alltag nachdenkt und über die gebaute Realität hinausführt. Da die Texte interessante Fragen und Blickwinkel auf die Thematik „Architektur und Raum im Alltag“ aufwerfen, schließen sich im Folgenden kurze Abrisse der einzelnen Beiträge an.
Die Texte stellen eine Auswahl der Stellungnahmen dar, die im Rahmen des zweijährigen Veranstaltungsprogramms des HDA – zentrales Element waren Roundtables mit Experten aus verschiedenen Disziplinen – vorgetragen wurden
Angeordnet in sechs Kapiteln (1 Einleitung + 5 Essays) sind die Essays in zwei Sprachen, deutsch und englisch verfügbar. Die Texte sind nur wenig (oder gar nicht) illustriert; dies ist insofern anzumerken, da man von Publikationen eines Ausstellungshauses in der Regel Katalogcharakter erwartet. Diesen hat lediglich der zweite Teil des Bandes, der etwas weniger als ein Drittel des Gesamtumfangs ausmacht und der Abschlussausstellung des Projekts „position alltag“ gewidmet ist, einer Fotografieschau: Architektur 24/7 – eine alltägliche Beziehung (2007).
Gezeigt wurden jedoch keine der üblichen Fotografien von Gebäuden, die „oft den Eindruck machen, deren BenutzerInnen wären auf Urlaub geschickt worden, um die Architektur nicht zu stören“, sondern Aufnahmen von Architektur im Alltag, „die uns 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche“ (109) lang umgibt.
Entstanden sind die Fotografien in Postkartengröße auf Einladung des HDA an Architekturbüros, zu eigenen Gebäuden und Bauprojekten zurückzukehren und diese zu fotografieren, wie sie in Gebrauch sind. Begleitet werden die Aufnahmen von kommentierenden Statements der Bewohner/Benutzer.
So ist eine Sammlung verschiedener Perspektiven auf alltägliche Architektur im Spannungsfeld zwischen fotografierenden Architekten und fotografierten Benutzern der Bauten entstanden.
Kategorien : Architecture + Art, Literatur
Schlagworte : Bilbao, Ernst Hubeli, Gabu Heindl, Marc Ries, Nils Norman, Riklef Rambow, Urbanomics











