Marzahn Dingliebe: Karl Heinz Jeron in der Galerie M

6 04 2011

Berlin Galerie M presents “Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe” – love of things. During strolls through this Berlin quarter, Marzahn, the artist has collected random things which he uses as simple “sound makers”: electric circuits change the objects into resonating volumes, thus creating their very own sound. The gallery space is resounding with the sounds of Marzahn.
Jeron collected these objects when strolling around the quarter on a “psychogeographic walk” inspired by situationist ideas.



Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe

Audioguide als Videodokumentation

Gefundene Objekte zum Klingen gebracht

Ausstellung vom 27.3. – 6.5.2011

Workshop zum Bau elektronischer Klangerzeuger am Sonntag, 10.4., 16.00 Uhr

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PR-Text: Ein Audioguide für einen psychogeographischen Spaziergang durch Marzahn

Er soll sich als fiktiver Layer über die reale Welt legen. Dazu benutzt der Künstler eine selbstentwickelte Software, die alle Straßennamen Marzahns auf Einträge im Gutenbergarchiv abfragt und sammelt. Das Gutenbergarchiv ist eine Sammlung zahlreicher klassischer Bücher in deutscher Sprache zum kostenlosen Lesen und legalen Kopieren. Mithilfe der Google Maps API ermittelt die Software alle zusammenhängenden Straßen und legt so die Route für den Spaziergang fest. Google Maps API ist eine Programmierschnittstelle, die den automatisierten Zugriff auf alle Daten von Google Maps erlaubt. Die zu den ermittelten Straßennamen korrespondierenden Texte aus dem Gutenbergarchiv werden mit einer Sprachsynthesesoftware in Audiodateien verwandelt. Zusammen mit der Karte ergeben sie einen Audioguide für Marzahn. Der Audioguide wird im Internet zum kostenlosen Herunterladen angeboten.

Die Idee bezieht sich auf die stituationistische Psychogeographie, also die experimentelle Untersuchung der architektonischen oder geographischen Umgebung auf ihre Einflüsse auf Wahrnehmung, psychisches Erleben und resultierendes Verhalten hin. Die Situationisten beschrieben mit dem Begriff Psychogeographie einen bewußten Zustand im Gegesatz zu DeQuinceys, für den Psychogeographie das planlos Durchwandern einer Stadt in einer Art Traumzustand bedeutet. Für Debor war es eine Frage von konzeptionellen Entscheidungen, wie und wo eine Stadt oder Landschaft „durchstreift“ wurde. Man reklamierte die Stadt als Terrain, das man eroberte, kartographierte und markierte. Eine Stadt oder auch eine Landschaft wird mittels der Psychogeographie erforscht und in psychische „Klimazonen“ eingeteilt. Die Stadt der Situationisten hat daher viele Zentren, die ständig in Bewegung sind. Die Orientierung zu verlieren und sich treiben zu lassen wird dabei als etwas Positives angesehen, etwas das die Abenteuerlust anregt und unvorhergesehene Ereignisse ermöglicht. “Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die größtmögliche emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft und des Lebens, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung mit geeigneten Aktionen durchzusetzen.” (Guy Debord , Rapport zur Konstruktion von Situationen) Vergleichbare Spaziergänge von mir sind auf der Website http://audioguide.projektraum.org dokumentiert.

Klangobjekte

Während seiner Spaziergänge durch Marzahn hat KH Jeron verschiedene Gegenstände auf den Straßen gefunden und eingesammelt. Diese Gegenstände werden in der Galerie zum Klingen gebracht. Eine einfache elektronische Schaltung genügt, um mithilfe des elektrischen Widerstands der gefundenen Objekte Töne zu erzeugen. Unterschiedliche Widerstände erzeugen unterschiedliche Frequenzen. Im Galerieraum zischeln diese Objekte leise ihre eigene Melodie. Die 20 Straßen des Audioguides liefern 20 Objekte für die Klanginstallation. Inspiration dafür ist der Text Supernatural Apparitions and Domestic Life in Japan von Kazuhiko Komatsu.

Er beschreibt darin das Konzept des Ushirometasa. Although it has largely been forgotten since disposability became the order of the day, the Japanese once had a different attitude toward their household goods. They felt guilty about throwing things away, especially utensils made by human hands. The word used for these guilt feelings, ushirometasa, literally means feeling someone’s gaze behind one’s back. One has done something improper; anyone secretly watching would surely disapprove. The gaze implied by ushirometasa includes that of fellow humans, but traditionally it carried stronger connotations of the gaze of a divine spirit. When a utensil is discarded, the agent of the gaze is the spirit of the utensil itself.

Info + illus. courtesy Galerie M, KH Jeron




Karin Rosenberg: “Umbruch” in der Galerie M Berlin

21 10 2010

Karin Rosenberg’s installation spreads into the entire gallery space of Galerie M, Berlin. Its title “Umbruch” translates to “upheaval”, “on the move” – the German word connotes both negative and positive content – and is often used synonymously for “political change”. Rosenberg plays with these association, yet doesn’t show them visually: Using topical urban material she changed the gallery into a walk-in art work.


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Karin Rosenberg “Umbruch”

27.9. – 29.10.2010

Galerie M, Berlin

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Aktuell: Künstlergespräch, 21.10.2010, 19h

Dr. Ralf Hartmann (Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord) diskutiert mit Karin Rosenberg und Emess (Urban Artist) die schon in der Ausstellung thematisierten Fragen zu Kunst und öffentlichem Raum weiter.

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PR-Text: Karin Rosenberg zeigt in der Galerie M eine raumfüllende Installation mit dem Titel „Umbruch“. Umbruch – ein Begriff der heute oft als Synonym für die politische Wende gebraucht wird. Karin Rosenberg nutzt diese Assoziationen, ohne sie jedoch visuell zu spiegeln. Die Künstlerin inszeniert alltäglich wahrnehmbare städtische Materialien – Bauzäune, Platten und andere Baumaterialien und strukturiert so den Galerieraum als begehbares Kunstwerk. Fotomontagen, großformatige Folienschnitte und Texte geben der Installation eine Komplexität, die dem Titel der Ausstellung mehr als gerecht wird.

Alles in der Ausstellung beschreibt einen Zustand zwischen nicht mehr und noch nicht. Bauzäune stehen auf weichem Kunstrasen. Der Schriftzug „Umbruch“ in roten Leuchtbuchstaben an der Wand wird mit dem Bild eines Sprayers kombiniert – in klassischer Streetartmanier direkt an die Galeriewand gesprüht. Underground gegen Kommerz? Die Buchstaben im Stil der Sparkassenwerbung lassen dies vermuten, sind aber mehr. Der Begriff Umbruch steht hier nicht nur für Veränderung und Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse, er benennt und befragt Schnittstellen von Kultur und Natur, von privaten und öffentlichen Räumen.

Großformatige, floral anmutende Folienschnitte an den Wänden stellen Flechten dar. Diese Flechten, hier in schon gigantische Ausmaße vergrößert, werden in der Umweltforschung als Indikator für städtische Luftqualitäten genutzt. Natur als Sensor gesellschaftlicher Veränderungen. Die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten menschlicher Kultur und Natur durchziehen alle Bereiche der Installation.

Der Grundsatz der Chaosforschung “Alles hängt mit Allem zusammen” beschreibt, wenn auch sehr allgemein formuliert, den künstlerischen Ansatz der Ausstellung. Karin Rosenbergs Installation konkretisiert dies und fragt nach der veränderungsauslösenden Situation – für eine wahrnehmbare Veränderung, einen Umbruch.

Info + illus. Galerie M




Schöne Stadt – Urban Cliches: Ausstellung mit Stefan Hoenerloh und Hans Martin Sewcz in Berlin

3 07 2010

Vernissage morgen, 4.7.10 um 18h!

Eine Plattenbausiedlung ist trist, eintönig, hässlich. Das Leben hier ist unpersönlich, anonym, uniform. In modernen Zweckbauten, wie man sie in Marzahn findet, will keiner leben, auch wenn sie zu ihrer Zeit als fortschrittlich, modern, erstrebenswert galten. Altbauten hingegen haben Konjunktur: Hohe Räume, luftig und mit einem besonderen Flair wohnt es sich in ihnen gemütlich, individuell, schön.

Aber wer nach Marzahn kommt, findet zwischen den Hochhäusern viel Grün, offene Plätze, Kunst am Bau – es ist bei weitem nicht so trist, wie es das Klischee von der 70er-Jahre-Plattensiedlung glauben macht.

Altbauten sind schön, funktionale Nutzbauten sind hässlich: Sind die „Schubladen“ im Denken so einfach oder sitzen wir urbanen Klischees auf?

Stefan Hoenerloh

Stefan Hoenerloh, Empire of Light, 2010 © S. Hoenerloh

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Schöne Stadt – Urban Cliches

Ausstellung in der Galerie M

5.7.2010 – 17.9.2010

kuratiert von Karin Scheel und Simone Kraft

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Menschenleere Häuserschluchten, verwaschene Hauswände, hohe Bauten in teils verzerrender Untersicht, an denen deutlich der Zahn der Zeit nagt, zeigen Stefan Hoenerlohs Gemälde. Momentaufnahmen, Ausschnitte aus verschiedenen historischen Altstädten europäischer Städte scheinen die von Grau- und Brauntönen dominierten Stadtansichten zu präsentieren. Hoenerlohs Stadtporträts sind reine Fiktion. Fast in altmeisterlicher Manier komponiert er seine Bauten aus architektonischen Elementen auf die Leinwand. Dabei balanciert der Künstler auf der Grenzlinie zwischen Fiktion und Erinnerung und „baut“ auf der Leinwand Architekturen, die sich an der Grenze des Möglichen bewegen, die realistisch zu sein scheinen und es doch nicht sind. Hoenerlohs Stadtpanoramen wirken beunruhigend, verstörend, sie sind eine Spur zu trist, zu grau, um „schön“ kontemplativ zu sein. Zu deutlich sichtbar sind die Spuren des Verfalls, die die Zeit hinterlassen hat, um „schön“ im landläufigen Sinne zu sein. In einer Gratwanderung zwischen malerischer Perfektion und realistisch Möglichem schöpft der Künstler die Möglichkeiten der Malerei aus, komponiert, eröffnet Perspektiven und vermischt Sichtweisen, ohne den Anspruch, Wirklichkeit abzubilden.

Hans Martin Sewcz, Portrait ICC Berlin, 2003 © H. M. Sewcz

Dem stehen Hans Martin Sewcz Fotografien gegenüber. Sie zeigen Ansichten von Berliner Bauten aus den 1960er und 1970er Jahren, Nutzbauten wie der ICC  oder dem „Ahornblatt“, die zwar funktional und zweckmäßig sind, aber weniger als „schön“ empfunden werden.

Sewcz begegnet diesen Gebäuden anders als gewohnt: nicht nüchtern, sondern emotional. Er porträtiert die Bauten wie „Persönlichkeiten“ mit ihren besonderen Stärken und Schwächen, durch die ihr Charakter zum Ausdruck kommt. Intuitiv reagiert Sewcz auf die urbane Umwelt, durch die er sich bewegt. So setzt ein Prozess der Auseinandersetzung ein, auf dessen Weg die Arbeiten reifen.

Der Fotograf nimmt bewusst die Position eines Beobachters ein, der der ihn umgebenden urbane Umwelt unvoreingenommen begegnet und sie auf sich wirken lässt. Seine Architekturfotografien transportieren eine Realität moderner und postmoderner Zweckbauten, die meist verborgen bleibt: Sie zeigen ein unerwartetes, ein „schönes“ Gesicht der funktionalen Gebäude. Die Seherwartungen des Betrachters werden herausgefordert und auf den Kopf gestellt. Macht er sich die individuelle Perspektive des Fotografen zu eigen, kann er sich mit einem neuen Blick durch die Stadt und ihre Architektur bewegen und seine eigenen urbanen Klischees hinterfragen.  (Text: Simone Kraft)




Urbane Forschungsreise in Berlin: Landvermesser K und Humboldt Landvermesser in der Galerie M

15 05 2010

Noch mehr Berlin: Am Sonntag, 16. Mai 2010 (18h), eröffnet die Galerie M in Berlin-Marzahn den zweiten Teil einer Forschungsreise, die Landvermesser K und Humboldt Landvermesser dieses Jahr in diesem Berliner Bezirk unternommen haben. Diesmal suchten sie nach realen und fiktiven Begegnungen im öffentlichen Raum des Bezirkes. Zu sehen sind ganz unterschiedliche Ergebnisse dieser urbanen Forschungsreise…

More Berlin: On Sunday, 16 May, 2010 (18h), Berlin based Galerie M opens the second part of a research journey to and “inside” this Berlin borough: Landvermesser K and Humboldt Landvermesser were looking for real and fictitious encounters in public space. The exhibition presents the very different results of this urban expedition …

landvermesser k und humboldt landvermesser:

zweite forschungsreise und landgang

Johann Zeitler und Klaus W. Eisenlohr
Installation, Texte, Fotografien und Videobilder

Drehbuchtexte: Rita Scharfe

Mit Geschichten von Autoren aus dem Bezirk

16. 05. bis 25. 06. 2010

Galerie M, Berlin

PR-Text: Vor zwei Jahren starteten Klaus W. Eisenlohr und Johann Zeitler eine künstlerische Langzeitstudie über den öffentlichen Raum im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die Sensibilisierung von Wahrnehmungsprozessen im Urbanen ist komplexes Thema ihrer künstlerischen Forschungsarbeit. Im ersten Teil des Projektes wurden die Strukturen des öffentlichen Raumes untersucht, analysiert und in einer Ausstellung in der Galerie M gezeigt.

In diesem Jahr unternahmen Landvermesser K und Humboldt Landvermesser eine zweite Forschungsreise, diesmal suchten sie nach realen und fiktiven Begegnungen im öffentlichen Raum des Bezirkes. Die Konzeption – Einbeziehung der Bevölkerung, der Blick von Außen, der Blick von Innen, die Verschränkung beider Wahrnehmungsweisen ­ wurde diesmal um ein Internetportal, einen Blog landgang.tumblr.com erweitert. Die Künstler luden ein, dort via Mail eine Geschichte ­ angesiedelt im öffentlichen Raum des Bezirkes – zu platzieren. Diese Geschichten werden in der Galerie zu lesen sein, aus einigen entsteht ein Drehbuch, Grundlage für die Filmarbeiten während der Ausstellung. In den realen öffentlichen Räumen werden die Geschichten filmisch umgesetzt, ausschließlich mit Darstellern aus dem Bezirk. Alle Drehtermine sind öffentlich.

Die jetzige Ausstellung thematisiert unter dem Aspekt der Innenansichten auch die Übergänge zwischen realen und virtuellen Welten. Die gesammelten Geschichten stehen neben Portraits ortsansässiger Fotografen. Diese wurden beauftragt, die Landvermesser in ihren jeweiligen Fotostudios abzulichten. Desweiteren zeigt die Ausstellung Objekte, Stationen eigenwilliger öffentlicher Plätze in Marzahn und Hellersdorf. Deren Texturen stehen in Korrespondenz mit virtuellen Räumen (auch diese zitieren reale urbane Situationen) auf Bildschirmen, in denen sich diese Plätze spiegeln. Bestandteil der Ausstellung wird auch ein großes Fotostudio, eine Greenbox sein, Besucher können hier Begegnungen vor der Kamera selbst inszenieren.

Termine der öffentlichen Dreharbeiten in Marzahn-Hellersdorf, Treffpunkt ist immer die Galerie M:

Fr. 21. Mai 2010, 16.00 Uhr
Sa. 22. Mai 2010, 13.00 Uhr
Do. 27. Mai 2010, 16.00 Uhr
Fr. 28. Mai 2010, 16.00 Uhr
Do. 03. Juni 2010, 16.00 Uhr
Fr. 04. Juni 2010, 16.00 Uhr
Fr. 11. Juni 2010, 16.00 Uhr
Sa. 12 Juni 2010, 13.00 Uhr
Fr. 18 Juni 2010, 16.00 Uhr
Sa. 19 Juni 2010, 13.00 Uhr
Fr. 25 Juni 2010, 16.00 Uhr




Kunst im Stadtumbau Gespräch in der Galerie M im Rahmen der Stadtumbauwoche Berlin

11 10 2009

Das Gespräch im Rahmen der Berliner Stadtumbauwoche soll Fragen zum Umgang mit der Kunst im öffentlichen Raum im Rahmen des Stadtumbauprozesses thematisieren. Ist die Umsetzung ortlos gewordener Kunst an neue Standorte möglich oder hat sie mit dem Verlust des Ortes ihre Funktion verloren? Diese und weitere Fragen zum Thema stehen am 11.10.09 ab 18.00 Uhr in der Galerie M zur Diskussion.

The talk about “Kunst im Stadtumbau” (Art and Urban Reconstruction) thematizes questions on how to deal with art in public spaces during urban reconstruction measurements. Is it possible to move art works created for a certain public space to a new location (when the original location gets changed) or has it lost its value with the loss of the original position?


The discussion takes place at Galerie M, Berlin (11.10.09, 18h), and is part of the “Stadtumbauwoche Berlin 2009″, an event to raise awareness for urban reconstructive developments in the different districts of Berlin.

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Kunst im Stadtumbau, Gespräch

Galerie M

www.galerie-mh.de
www.kunstraum-m.de

18.00-20.00h, 11.10.09

Gäste:
Josephine Günschel , Künstlerin
Thorsten Goldberg, Künstler
Bruno Ebersbach, Architekt
Gabriele Pütz, Landschaftsplanerin
Norbert Lüdtke, Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
NN, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Moderation:

Peter Funken

Foto: Karin Scheel

Fassade von Jim Avignon, Marzahn, Foto: Karin Scheel

Mit dem Bau der Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf entstanden vor 30 Jahren auch die ersten Werke von Kunst im öffentlichen Raum. Sie waren vorwiegend architekturbezogen und schmückten die Eingänge von Kindereinrichtungen, die Räume der ersten Gaststätten oder die Fassaden von Schulgebäuden. Sie waren das Startsignal für ein bis heute einmaliges Kunstprogramm in einem neu geschaffenen Stadtraum. Nach Abzug der Baukombinate legte das Kunstprogramm für die Großsiedlungen einen Zwischenstopp ein. Im Zuge der Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung lebte es in den 1990er Jahren vor allem in Hellersdorf wieder auf. Im Unterschied zu den 1980er Jahren kam nun vielfach das Verfahren des Kunstwettbewerbs für vordefinierte Standorte zum Zuge. Der Beginn des neuen Jahrtausends stand unter dem Vorzeichen des Stadtumbaus und stellte die Kunst im öffentlichen Raum vielfach auf eine harte Probe. Im Zuge von Rückbaumaßnahmen konnten nicht alle Kunstwerke erhalten werden.
Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat von Anfang an die Kunst im öffentlichen Raum als Bestandteil des Stadtumbau-Programms vorgesehen und eine Bestandsaufnahme veranlasst. In deren Folge wurden einzelne Kunstwerke konservatorisch abgenommen, gesichert und in einem Schaudepot „Zwischenablage“ (Riesaer Str. 94) erneut präsentiert und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein deutschlandweit bislang einmaliges Projekt für einen zeitgemäßen Umgang mit Kunstwerken, die ihren Standort verloren haben.
Seit kurzem liegt mit dem Buch „Kunst in der Großsiedlung“ eine umfassende Dokumentation von 462 Gestaltungen vor, die den Stadtraum der Großsiedlung geprägt haben.

Stadtumbauwoche 2009

Mit der Stadtumbauwoche möchte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit den Bezirksverwaltungen, ihren Beauftragten und programmbeteiligten Akteuren die Bürger und Bürgerinnen der Stadt auf die Vielfalt der Stadtumbauaktivitäten sowie beispielhafte und innovative Veränderungen aufmerksam machen, die sich im Kontext des Stadtumbaus in vielen Stadtteilen vollziehen.

Infos + Bilder: Galerie M und Stadtumbau Berlin




Kunst als Reaktion auf eine besondere urbane Situation: “Dies bietet für die Künstler ein ungeheuer großes Arbeitsfeld.” Ein Gespräch über die Galerie M in Berlin

14 09 2009

Vor einiger Zeit hat deconarch die Galerie M in Berlin / Marzahn-Hellersdorf vorgestellt, die – seit 2009 die Kunstwissenschaftlerin Karin Scheel die Leitung übernahm – einen besonderen Themenschwerpunkt verfolgt: Präsentiert werden Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen, die sich mit dem städtischen Raum auseinandersetzen und auf die besondere urbane Situation vor Ort reagieren. In einem Gespräch hat Karin Scheel mehr über die Zielsetzungen der Galerie M erzählt.

A little while ago deconarch introduced Berlin contemporary art gallery “Galerie M”, pursuing a very special topic since art theorist Karin Scheel is heading the gallery (since 2009): The presentation focusses contemporary art dealing with urban space. As Galerie M is located in the Berlin district Marzahn-Hellersdorf, the artists meet a special and challenging working environment: The district is one of the biggest industrial housing areas constructed 30 years ago,  and commonly seen as a socially deprived area – a very stereotype image distributed by the media.

[[The title translates: Art as a reaction to a particular urban situation: "This offers an enormous working environment to the artists." A conversation about Galerie M in Berlin]]

Galerie M

Galerie M © Galerie M

Die Galerie – das „M“ im Namen steht für Marzahn, eigentlich für Marzahn-Hellersdorf, der Lage der Galerie – ist nicht nur die einzige Galerie für zeitgenössische Kunst in diesem Berliner Bezirk, sie ist auch in ihrer Ausrichtung und Zielsetzung so individuell, dass es dafür keine Vorbilder gibt. Der thematische Schwerpunkt entspringt der besonderen räumlichen Situation der Galerie: Marzahn-Hellersdorf ist wohl die größte zusammenhängende Siedlung industrieller Bauweise in Europa und war die größte Großwohnsiedlung im Gebiet der ehemaligen DDR. Sie wurde zwischen Mitte der 1970er und Ende der 1980er Jahre vorwiegend in Plattenbauweise als durchgrünte Stadtlandschaft um das alte Dorf Marzahn und das Gut Hellersdorf errichtet.

Ortsteilserie Marzahn - Blick auf Alt-Marzahn, Foto: Michael Brunner

Ortsteilserie Marzahn - Blick auf Alt-Marzahn, Foto: Michael Brunner

Heute wird der Berliner Bezirk weniger mit Kunst und Kultur, dafür umso mehr als sozialer Brennpunkt mit Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Hartz IV in Verbindung gebracht. Ein sehr vorurteilsbeladene Sichtweise, so Scheel: „Ich sehe die Lage der Galerie nicht als sozialen Brennpunkt. Natürlich wird dies immer vermutet, das ist aber vor allem dem klischeehaften Bild des Bezirkes in den Medien zuzuschreiben. Es ist aber so, dass zeitgenössische Kunst im hiesigen Umfeld kaum bis gar keine Rolle spielt. Dies bietet für die Künstler ein ungeheuer großes Arbeitsfeld.“

Marzahn

Blick auf die Großsiedlung Marzahn © www.stadtentwicklung.berlin.de

Tatsächlich gibt es in Marzahn-Hellersdorf  aber viele Kunstwerke, vorrangig im öffentlichen Raum, zu denen nach 1990 noch einige hinzu kamen. Eine Publikation des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf versammelt diese umfassend gestalteten Stadträume aus 30 Jahren (Kunst in der Großsiedlung. Kunstwerke im öffentlichen Raum in Marzahn und Hellersdorf. Eine Dokumentation, ISBN 978-3-00-026730-7).

Galerie M _ innen

Galerie M innen © Galerie M

Für temporäre Kunstprojekte ist der öffentliche Raum hier jedoch noch kaum erschlossen. Dabei fordert gerade dieses Umfeld zu künstlerischer Auseinandersetzung heraus. Darauf will die Galerie M reagieren und lädt gezielt zeitgenössische Künstler ein, vor Ort zu arbeiten. Ausgewählt werden diese einzig und allein der Qualität ihrer künstlerischen Arbeit wegen.

Gemeinsam mit den Künstlern werden die Inhalte der Ausstellung entwickelt, immer im Hinblick auf den konkreten Ort, der in den Arbeiten reflektiert wird: „Die Einbeziehung des öffentlichen Raumes kann sich hier auf einer rein gedanklichen, aber auch auf einer konkreten Ebene entwickeln. Diese intensive künstlerische Auseinandersetzung mit einem fast (Gegenwarts-)kunstfreien Raum hat immer etwas Prozesshaftes und kann auch partizipatorische Elemente enthalten. Überschneidungen mit soziologischer, architektonischer oder auch philosophischer Arbeit sind bei diesem Konzept beabsichtigt.“

Zugrunde liegt die Vorstellung, dass Kunst nicht als universell verwendbares Atelierprodukt zu verstehen ist. Es geht jedoch auch nicht um simples Spiegeln von dem, was ist.  Die individuelle künstlerische Arbeitsweise bestimmt den Charakter und das Thema der jeweiligen Ausstellung.

Durch diese besondere Herangehensweisen haben die Ausstellungen oft einen sehr langen Vorlauf.  Eben dies ist es jedoch, das die spezielle Vorgehensweise der Galerie M auszeichnet. Dass dieser Ansatz der intensiven künstlerischen Auseinandersetzung mit dem architektonischen und sozialen Umfeld vielversprechend ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die vergangenen Ausstellungen der Galerie M neben dem „klassischen“ Galeriepublikum auch viele Bewohner Marzahn-Hellersdorfs in die  Ausstellungsräume lockten.  Zeitgenössische Kunst in Marzahn? Auf jeden Fall, so Karin Scheel, denn „Kunst und Kultur gehören nun einmal zum Leben dazu, nicht nur als nette Accessoires.“

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Karin Scheel, vielen Dank für das Gespräch!




Plattenspieler | Ein fotografisches Projekt von Joachim Seinfeld, Galerie M, Berlin-Marzahn

11 07 2009

Die neue Ausstellung in der Galerie M in Berlin/Marzahn-Hellersdorf , die ich vor einiger Zeit wegen ihres besonderen Ausstellungskonzepts vorgestellt habe, präsentiert ein fotografisches Projekt des Berliner Künstlers Joachim Seinfeld, das eigens für diese Ausstellung entstanden ist. Unter dem programmatischen Titel “Plattenspieler” wurden BewohnerInnen des Bezirks an von ihnen ausgewählten Orten porträtiert. Thema war nicht nur das Selbstverständnis der Fotografierten, sondern auch ihre Beziehung zu dem Ort, an dem sie leben.

The new exhibition in Galerie M, Berlin/Marzahn-Hellersdorf, which I introduced some time ago for its unique exhibition concept, presents a photographic project by Berlin artist Joachim Seinfeld which he realized specially for Galerie M. Residents of this Berlin borough have been portrayed in positions and on locations of their own choice. Thus not only the self-image of the photographed person is shown, but also their relationship to the area they live in. In the exhibition, both the portray of the persons and the “portray” of their chosen location is presented, accompanied by statements of the portrayed persons about their chosen “set of shooting” – being it their favorite place, their routine walking the dog-way, a place the dislike most.

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© Joachim Seinfeld + Galerie M

“Plattenspieler”
Ein fotografisches Projekt von Joachim Seinfeld

12.7. – 20.9.2009

Galerie M, Berlin-Marzahn Hellersdorf

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„Hier wohne ich.“

Hier gehe ich jeden Tag mit meinem Hund hin.“

„Diesen Platz kann ich nicht ausstehen.”

„Fotografier mich aus diesem Winkel, von dort unten.“

Das waren Antworten auf die Frage „Wo und wie würdest du dich der Öffentlichkeit präsentieren, wenn du dazu die Möglichkeit hättest?“, der der Künstler Joachim Seinfeld im Rahmen des Projektes „Plattenspieler“ gestellt und visuell umgesetzt hat.

© Joachim Seinfeld + Galerie M

BewohnerInnen des Bezirkes wurden an von ihnen ausgewählten Orten fotografiert. Entstanden sind zwei Aufnahmen: ein Konterfei der Porträtierten und ein Bild des Ort, an dem der Fototermin stattfand. Im Projekt „Plattenspieler“ geht es um die Selbstdarstellung der Porträtierten, zum anderen um deren Verhältnis zu ihrem Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Neben den Fotografien sind in der Ausstellung auch die Statements der Fotografierten zu ihren gewählten Orten zu lesen.

Die Ergebnisse sind ab dem 12. Juli an Wänden, Boden und Fensterscheiben der Galerie M  zu sehen.

Während der Dauer der Ausstellung wird Joachim Seinfeld weiter an dem Projekt arbeiten und BewohnerInnen porträtieren.

Alle Fotografien werden in einer Broschüre dokumentiert, die zur Finissage am 27.9.09 vorgestellt wird.




Galerie M, Marzahn – Kunst im städtischen Raum

3 05 2009

Einen sehr speziellen Ansatz verfolgt die Galerie M in Berlin-Marzahn, seit 2008 Karin Scheel die Leitung übernahm. Seit Anfang 2009 werden vorrangig  Projekte von Künstlerinnen und Künstlern gefördert, die in ihrer Arbeit den städtischen Raum thematisieren. Damit reagiert die Galerie auf ihre besondere urbane Situation in Marzahn, im Nordosten von Berlin: Hier ist die größte Großwohnsiedlung im Gebiet der ehemaligen DDR zu finden, die zwischen Mitte der 1970er und Ende der 1980er Jahre entstand. Die vorwiegend in Plattenbauweise errichteten Häuser wurden um das alte Dorf Marzahn als durchgrünte Stadtlandschaft angelegt.

Galerie M © Galerie M

Dieser besonderen urbanen Lage der Galerie prägt das Programm der Galerie:  Ein Teil der Ausstellungen widmet sich langfristigen Kunstprojekte oder/und Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Damit ist Galerie M ein Unikat der zeitgenössischen Kunstvermittlung – nicht in der Berliner Kunstlanschaft. Bedenkt man die Vielfalt der hauptstädtischen Szene, keine geringe Leistung!

Neben den wechselnden Ausstellungen ist in den Räumen der Galerie die umfassende Dokumentation zur Geschichte und Gegenwart der Kunst im öffentlichen Raum in Marzahn-Hellersdorf zu sehen.

Gerade zu Ende gegangen ist die Ausstellung von T. W. Blum “höhlen menschen”, deren Ausgangspunkt ein vom Berliner Projektfonds kulturelle Bildung gefördertes Projekt war, bei dem T. W. Blum mit Hellersdorfer Jugendlichen arbeitete. Gemeinsam wurde eine Prozess in Gang gesetzt, bei dem mit  komplexen technischen Möglichkeiten der Malerei, Musik, Video und Fotografie  experimentell in Zusammenhang gebracht. Das Ergebnis waren u.  a. Basics für die Performance „Höhlenmenschen“ in der Galerie M. Mehr Informationen hier.

15 sec © Galerie M

Ab heute (3.5. – 18.6.2009) wird 15sec präsentiert:

(aus der Programmbeschreibung) Ein Auto, eine leere Galerie und 15 Sekunden

Die Autohäuser sind voller neuer Autos, die Parkplätze der Autohändler quellen über. In der Galerie „M“ in Marzahn sieht es ganz anderes aus.
Nur ein einziges Auto ist durch die Glasscheiben zu entdecken. Ist es vielleicht das letzte unverkaufte Exemplar eines besonders erfolgreichen Händlers? Die Wirtschaftskrise lässt keine Ecke der Welt mehr unberührt, sie macht vielen Menschen das Leben schwer oder sogar unerträglich, das sollte die Herausforderung für neue Anfänge und Ideen sein. Im seinem Geburtsland wird die Bedeutung des Automobils, seine Geschwindigkeit in Frage gestellt.