Marzahn Dingliebe: Karl Heinz Jeron in der Galerie M
6 04 2011Berlin Galerie M presents “Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe” – love of things. During strolls through this Berlin quarter, Marzahn, the artist has collected random things which he uses as simple “sound makers”: electric circuits change the objects into resonating volumes, thus creating their very own sound. The gallery space is resounding with the sounds of Marzahn.
Jeron collected these objects when strolling around the quarter on a “psychogeographic walk” inspired by situationist ideas.
Karl Heinz Jeron: Marzahn Dingliebe
Audioguide als Videodokumentation
Gefundene Objekte zum Klingen gebracht
Ausstellung vom 27.3. – 6.5.2011
Workshop zum Bau elektronischer Klangerzeuger am Sonntag, 10.4., 16.00 Uhr
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PR-Text: Ein Audioguide für einen psychogeographischen Spaziergang durch Marzahn
Er soll sich als fiktiver Layer über die reale Welt legen. Dazu benutzt der Künstler eine selbstentwickelte Software, die alle Straßennamen Marzahns auf Einträge im Gutenbergarchiv abfragt und sammelt. Das Gutenbergarchiv ist eine Sammlung zahlreicher klassischer Bücher in deutscher Sprache zum kostenlosen Lesen und legalen Kopieren. Mithilfe der Google Maps API ermittelt die Software alle zusammenhängenden Straßen und legt so die Route für den Spaziergang fest. Google Maps API ist eine Programmierschnittstelle, die den automatisierten Zugriff auf alle Daten von Google Maps erlaubt. Die zu den ermittelten Straßennamen korrespondierenden Texte aus dem Gutenbergarchiv werden mit einer Sprachsynthesesoftware in Audiodateien verwandelt. Zusammen mit der Karte ergeben sie einen Audioguide für Marzahn. Der Audioguide wird im Internet zum kostenlosen Herunterladen angeboten.

Die Idee bezieht sich auf die stituationistische Psychogeographie, also die experimentelle Untersuchung der architektonischen oder geographischen Umgebung auf ihre Einflüsse auf Wahrnehmung, psychisches Erleben und resultierendes Verhalten hin. Die Situationisten beschrieben mit dem Begriff Psychogeographie einen bewußten Zustand im Gegesatz zu DeQuinceys, für den Psychogeographie das planlos Durchwandern einer Stadt in einer Art Traumzustand bedeutet. Für Debor war es eine Frage von konzeptionellen Entscheidungen, wie und wo eine Stadt oder Landschaft „durchstreift“ wurde. Man reklamierte die Stadt als Terrain, das man eroberte, kartographierte und markierte. Eine Stadt oder auch eine Landschaft wird mittels der Psychogeographie erforscht und in psychische „Klimazonen“ eingeteilt. Die Stadt der Situationisten hat daher viele Zentren, die ständig in Bewegung sind. Die Orientierung zu verlieren und sich treiben zu lassen wird dabei als etwas Positives angesehen, etwas das die Abenteuerlust anregt und unvorhergesehene Ereignisse ermöglicht. “Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die größtmögliche emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft und des Lebens, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung mit geeigneten Aktionen durchzusetzen.” (Guy Debord , Rapport zur Konstruktion von Situationen) Vergleichbare Spaziergänge von mir sind auf der Website http://audioguide.projektraum.org dokumentiert.
Klangobjekte
Während seiner Spaziergänge durch Marzahn hat KH Jeron verschiedene Gegenstände auf den Straßen gefunden und eingesammelt. Diese Gegenstände werden in der Galerie zum Klingen gebracht. Eine einfache elektronische Schaltung genügt, um mithilfe des elektrischen Widerstands der gefundenen Objekte Töne zu erzeugen. Unterschiedliche Widerstände erzeugen unterschiedliche Frequenzen. Im Galerieraum zischeln diese Objekte leise ihre eigene Melodie. Die 20 Straßen des Audioguides liefern 20 Objekte für die Klanginstallation. Inspiration dafür ist der Text Supernatural Apparitions and Domestic Life in Japan von Kazuhiko Komatsu.
Er beschreibt darin das Konzept des Ushirometasa. Although it has largely been forgotten since disposability became the order of the day, the Japanese once had a different attitude toward their household goods. They felt guilty about throwing things away, especially utensils made by human hands. The word used for these guilt feelings, ushirometasa, literally means feeling someone’s gaze behind one’s back. One has done something improper; anyone secretly watching would surely disapprove. The gaze implied by ushirometasa includes that of fellow humans, but traditionally it carried stronger connotations of the gaze of a divine spirit. When a utensil is discarded, the agent of the gaze is the spirit of the utensil itself.
Info + illus. courtesy Galerie M, KH Jeron
Kategorien : Architecture + Art
Schlagworte : Berlin, Galerie M, Guy Debord, Karl Heinz Jeron, Kazuhiko Komatsu, Marzahn, Psychogeografie, Situationisten

















