Exhibition Broken Vision in Mannheim: Imagin(in)g Reality

15 08 2009

Ist das, was wir sehen, real? Welche Bilder zeigen die Wirklichkeit? Was ist real? Diesen Fragen spüren 13 zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und Japan in der Ausstellung „Broken Vision“ im Mannheimer Kunstverein (12. Juli – 13. September 2009) nach. In ihrem Werk nähern sie sich der Abbildung von Realität an und setzen sich mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen und Medien mit der Thematik auseinander. Und werfen dabei mehr Fragen auf, als sie beantworten.

How real is what we see? Which images show reality? What is real? 13 contemporary artists from Germany, Belgium and Japan are tracing these questions in the exhibition “Broken Vision” in Mannheim, Germany. They all deal with questions about imaging reality using different artistic mediums and technics. One important subject area thematizes structuring of habitats and the difficulties to locate oneself in a globalized world.

Philipp Weber

Philipp Weber: Die Jagd – Nora, Kady und Ulrike, 2005, Öl auf Leinwand, 200 x 280 cm, courtesy Galerie Gering, Frankfurt/M.

Überall wird gephotoshopt, digital korrigiert, nachbearbeitet,… Dass wir Bildern in der herrschenden Bilderflut nicht mehr alles glauben dürfen, was wir darauf sehen, ist schon fast zum Gemeinplatz geworden. Im Web-Zeitalter ist auch der Wirklichkeitsbegriff dynamisch und flexibel geworden. Realism 2.0 – echt ist, was der Computer „ausspukt“?

Mit der Thematik der Wirklichkeitsabbildung und den vielfältigen Möglichkeiten und Lösungen dafür, die ein Blick in die Kunstgeschichte offenbart, habe ich mich in Realism 2.0: Wie real ist die Wirklichkeit? auf Art and Events näher befasst. Dort wird auch ein Blick auf die Fotografie geworfen, die den Anspruch auf die uneingeschränkte Abbildung der Realität erhebt, der jedoch bei genauerer Betrachtung nicht so eindeutig zutrifft, wie es oft dargestellt wird.

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Auch die in Mannheim gezeigten Künstler Michael Bach, Beate Bilkenroth, Felix Burger, Eckart Hahn, Christian Hellmich, Ives Maes, Lisa Schairer/Grete Turtur, Josef Schulz, Koshi Takagi, Andreas Wachter, Philipp Weber und Maik Wolf spüren in ihren Arbeiten konstruierten Wirklichkeiten nach – nicht real, aber immer plausibel.

Ein  großer Themenschwerpunkt kreist um die Strukturierung von Lebensräumen und die Schwierigkeiten, sich in einer globalisierten Welt zu verorten, die sich immer mehr angleicht. Dabei beschäftigen sich mehrere Künstler auf unterschiedliche Weise mit Architektur.

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm Copyright: Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm © Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz fotografiert Industriehallen, wie sie auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Am Computer werden seine analogen Aufnahmen nachbearbeitet, alle konkreten Hinweise wie Ortsbezüge, Verweise auf Funktion, Zeit und Größe – kurz alles was einordnenbar macht – entfernt. Die so nur auf Farbe, Fläche und Form reduzierten Zweckbauten gleichen minimalistischen Skulpturen und entfalten in intensiven, kräftigen Farben eine von der Realität abstrahierte Ästhetik, die klassische Züge annimmt:  Die Bauten werden “Tempelartig” präsentiert mit einem tiefen Horizont und in einer Proportionierung, die dem Goldenen Schnitt entspricht.

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Auch in den Gemälden von Beate Bilkenroth, Maik Wolf, Christian Hellmich und Michael Bach werden alltägliche Raumerfahrungen künstlerisch verarbeitet. Beate Bilkenroth etwa zeigt serielle Wohnbauten, typische „Menschenorte“ jedoch ohne Protagonisten: Wohnen im funktionellen Planquadrat.

Michael Bach malt ebenfalls alltägliche Räume, typische, aber unspektakuläre Großstadt-“Ansichten“ – etwa eine Londoner Ubahn-Station. Eine vertraute Umgebung, mit technischen Elementen, Rolltreppen, Lochblechen, künstlichem Licht – aber Menschenleere, wo sonst Hektik herrscht. Durch die meist sehr großen Formate wirken diese Bilder fremd und entfalten Unbehagen.

Christian Hellmich

Christian Hellmich: Pavillon 2008 Öl auf Leinwand 204 x 150 cm courtesy Tanja Pol Galerie, München und Galerie Lehmann Maupin, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Christian Hellmich (*1977) hingegen  abstrahiert auf andere Weise: Er malt eigenartige „Architekturen“, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Zwar werden eindeutige architektonische Elemente eingesetzt, die jedoch keine Bauten formen -  jedenfalls keine Bauten, wie wir es gewohnt sind. Hier fehlt die klare Einteilung in Innen und Außen. Es gibt Berührungspunkte mit dem, was wir kennen, nicht mehr. Möglichkeitsebenen überlagern sich, Illusionsräume entstehen.

Auch Maik Wolf (*1964) konstruiert aus Bilder-Fundstücken, wie sie in den Massenmedien zuhauf begegnen, Landschaften und Wohnsiedlungen. Dadurch ähneln seine Kompositionen den Bildern, die einem tagtäglich begegnen – wo haben wir welche Abbildung zuletzt gesehen? TV, Internet, Print? Wolf reagiert damit auf ein Phänomen unserer Zeit – die Städte weltweit gleichen sich immer mehr an, die Bilder werden immer ähnlicher: visuelle Globalisierung.

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Amy von Milo

Andreas Wachter: Amy, 2008, Terrakotta 90 x 40 x 40 cm, Leihgeber Sammlung Hofmann Karlsruhe, courtesy GALERIE Supper, Karlsruhe

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Ein anderer Themenkomplex der Ausstellung befasst sich mit gängigen Konstruktionen von Weiblichkeit und den Geschlechterrollen-Klischees, die nach wie vor vorherrschen. Andreas Wachter etwa zeigt eine „Amy von Milo“: Die skandalträchtige Popikone Amy Winehouse wird in der Pose der antiken Venus von Milo inszeniert. Unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an das Bild einer Frau werden überlagert. Was ist archaisch, was modern?

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Informationen aus dem Katalog von “Broken Vision”, Mannheimer Kunstverein

© Abb. die Künstler, KV Mannheim, VG-Bildkunst




Art Karlsruhe 2008: Eindrücke… / Impressions…

28 02 2008

art-karlsruhe2008.gifAlle Jahre wieder kann mittlerweile schon sagen – zur Zeit läuft bereits die 5. Art Karlsruhe und so langsam mausert sie sich zum „Großevent“. Schon bei der Preview vor der offiziellen Eröffnung am Mi., 27.2.08, waren gut 12.000 Besucher: Um 14h fiel der Startschuss zur Preview – ich bin etwa 20min danach mit dem Messe-Shuttle an der dmArena, der angeblich schönsten Messeanlage Deutschlands, angekommen und es war schon richtig voll. Der Besucherrekord vom letzten Jahr liegt übrigens bei 35.000 und wenn das Interesse weiterhin so anhält, wird er sicher getoppt werden (zum Vergleich: Die Art Basel 38 letztes Jahr haben 55.000 Leute gesehen).

[[Es sind denn 38.000 Besucher geworden, so der Stand am Mo., in der BNN.]]

Über 3 Hallen verteilt präsentieren sich 165 Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst – das sind verhältnismäßig wenig, in Basel sind rund 300 Aussteller beteiligt. Aber dennoch: obwohl in diesem Sinne „überschaubar“, lässt es sich kaum schaffen, alles zu sehen, zumal mit dem Anspruch, die Kunst auch bewusst wahrzunehmen.

Im Messe-Gewusel lassen sich Eindrücke sammeln, Anregungen holen, Interesse wecken. Die Auseinandersetzung mit dem, was man gesehen hat, fängt aber erst zu Hause richtig an. Die Galerien bieten zwar meist sehr viel Werbematerial zum Mitnehmen an, die Informationen sind allerdings sehr knapp gehalten und enthalten, wenn überhaupt Text, selten mehr als eine Kurzvita des/der Künstler. Auch der Katalog – online einzusehen – enthält „messentypisch“ nicht viel mehr Angaben, als allgemeine Informationen zu den Ausstellern und ihrem Programm.

Ausführlicher schreibe ich an anderer Stelle über die Messe und die verschiedenen Events, die angeboten werden [nämlich hier].

Mein Gesamteindruck von der Art KA in Stichworten:

Sehr viel Malerei, kaum Video + Multimedia, viel Skulptur und Plastik. Nur relativ wenig kritische oder provokante Arbeiten, dafür einiges, das mit den Darstellungsmedien und der Wahrnehmung spielt (Schmirgelpapier-Bilder, großformatige Scherenschnitte, Pappe-Plastiken, bemalte Brokate, …).
Entdeckungen gab es (natürlich) vor allem bei den zeitgenössischen Galerien zu machen.
Überraschend auch, wie viele interessante Galerien es in der Region Karlsruhe gibt!
Aufgefallen außerdem v. a. die koreanischen Galerien – rund 30 Aussteller aus Europa und Asien haben für internationales Flair gesorgt – mit Künstlern, die sich mit ihrer Tradition auseinandersetzen.

Zum Thema Architektur + Kunst gab es allerdings nicht allzu viel zu entdecken:

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Tobias Weber (Galerie Alex Schlesinger, Zürich)

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Volière, 2006, Acryl auf Baumwolle, 205 x 98 cm (Reihe: Schönes Neues Zürich) © T. Weber

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Villa mit Cheminée 2, 2006, Acryl auf Baumwolle, 105 x 75 cm (Reihe : Homegate) © T. Weber

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CP Galerie. Angely Cerny & Ronald Puff, Wiesbaden: haben u.a. Schwerpunkt auf Künstler an der Schnittstelle zwischen “Architektur + Kunst”, vertreten u.a. Michael Bach und Anja Ganster

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© S. K.

Übrigens auch selten Gesehenes: Grafische Arbeiten von Le Corbusier (Galerie Bommer, Zürich):

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Once a year, you can really say so by now – at the moment it is already the 5th Art Karlsruhe running and it is slowly by steadily becoming a real big event. Around 12.000 visitors came to see the preview on Wednesday, 27 February 2008, even before the actual opening took place. The kick-off of the preview was 14h – I arrived like 20mins later with the shuttle bus and it has already been really crowded. By the way, last year’s visitors’ record was 35.000 (to compare: Art Basel 38, last year, was seen by 55.000 people.

[[According to BNN (local newspaper) on Monday, it's been 38.000 visitors.]]

165 galleries of modern and contemporary art exhibited in three halls – that is rather little, in Basel there are around 300 exhibitors. But still: even though „manageable“ dimensions, you can hardly make it to see everything, particularly when you want to apperceive the works of art.

In the fair’s crowd, you can “collect” impressions that you deal with quietly at home. Besides, the galleries offer loads of info materials “to go”, but usually it is kept very short and contains, if texts at all, seldom more than a vita of the artist/s. The catalogue, too, (also visible online) contains only general information about the exhibitors and their program – quite “typical” for fairs.

I am writing a more detailed report about the art Karlsruhe here (linke to follow, only in German).

An outline of my general impression of art KA:

Great deal of painting, hardly no video + multi media art, much sculpture. Only rather few critical or provocative works, but much that is playing with the means of presentation and perception (abrasive paper pictures, large-sized silhouettes, cardboard sculptures, painted brocade,…). Discoveries could be made especially at the contemporary galleries(, of course). Furthermore surprising, how many interesting galleries there are in the region around Karlsruhe! Also attracting attentention: particularly the Korean galleries – around 30 exhibitors from Europe and Asia made for an international atmosphere – presenting artists working and dealing with their country’s tradition.

However, not much to discover about architecture + arts: (please see pictures and links further up)

By the way, also something rarely seen: graphic works by Le Corbusier (picture further up).