Review: Informal Arrangements by Peter Bialobrzeski

8 07 2010

Kliptown is not only the oldest, but also a historically very important part of Soweto: In 1955 the anti-Apartheid Congress of the People was held here, when the Freedom charter got published. This Charter became the basis of the new South Africa’s constitution. Kliptown however remained very poor black township. Peter Bialobrzeski photographed the interiors of the shanties, which the inhabitants are trying to turn into homes, against all odds. The calm, unagitated photographs reflect these efforts and present striking “portraits in absentio” (no humans are present in the photos) of Kliptown’s inhabitans.

Kliptown ist nicht nur der älteste, sondern auch ein historisch für die Geschichte Südafrikas sehr bedeutsamer Bezirk von Soweto. 1955 versammelten sich hier 3000 Apartheid-Gegner – unter ihnen auch Walter Sisulu und Nelson Mandela – zum Congress of the People und formulierten die Freiheitscharta, ein Gegenentwurf zu damaligen Apartheid-System. 1990 wurde diese Charta zur Basis der Verfassung des neuen Südafrikas. Seit fünf Jahren erinnert ein steinernes Monument auf einem neu angelegten Platz an die Charta.

© P. Bialobrzeski

Kliptown ist aber auch ein Stadtteil Sowetos, der das Scheitern – oder zumindest die Schwachstellen – der Charta allzu augenfällig aufzeigt. Noch lange nicht sind die darin formulierten Ideale realisiert und flächendeckend umgesetzt. Rund um den Gedenkplatz in Kliptown leben die schwarzen Armen in Hütten, die mehr an Verschläge erinnern. Im Viertel neben dem WM-Stadion, Soccer City ist knappe 10km Luftlinie entfernt, wohnen sie in provisorischen Unterkünften, deren Einrichtung oft nicht einmal dem Wert eines Eintrittsticket entsprechen würde.

© P. Bialobrzeski

Trotzdem versuchen diese Menschen, ihre Unterkünfte zu einem Heim werden zu lassen. Mit Blättern aus Werbezeitungen werden Wände tapeziert und Farbe hineingebracht, mit Postern, Seiten aus Unterwäschekatalogen, Stoff wird Wohnlichkeit erzeugt. Kalender, Vorhänge, auf Betten drapierte Kissen. Hier steht Beauty-Zubehör, dort liegen Kleider, hier ein Fernseher, dort Radio oder DVD-Player.

Der deutsche Fotograf Peter Bialobrzeski blickt in diese Hütten, die so eng sind, dass sie kaum auf das Bild zu passen scheinen. Er präsentiert Ansichten der Behausungen, sehr private Einsichten – ohne Menschen zwar, aber dadurch fast noch intimer: Hier nämlich wird die private Hülle, der persönliche Rückzugsort der Bewohner Kliptowns porträtiert. Gleichsam „schutzlos“ wird er dem Blick der Kamera offenbart und so zum „Porträt in absentio“ – die räumliche Hülle, das Zuhause verrät oft mehr über seinen Bewohner, als man denken mag.

.

Peter Bialobrzeski: Informal Arrangements, Text von Peter Bialobrzeski, Indra Wussow, Gestaltung von Peter Bialobrzeski, Kathrin Hufen, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2660-3

.

.

Bialobrzeski präsentiert diese fast intimen Einsichten in einer ruhigen, unaufgeregten Bildsprache, die sich auch in der Machart der Publikation, bereits dem 7. Projekt des Fotografen mit dem Hatje Cantz Verlag, widerspiegelt. Den fast seitengroßen Abbildungen wird sehr viel Platz eingeräumt, ohne Text oder Beschriftung wirken sie ganz für sich und lassen den Betrachter viel Raum, um sich in sie zu vertiefen.

Voraus geht ein kurzer einleitender Essay auf Englisch und Deutsch von Indra Wussow, deren Johannesburger Kulturstiftung jozi art:lab den Fotografen überhaupt erst zu seinem Projekt in Südafrika gebracht wird.

Abbildungen Hatje Cantz




Neue Bücher: Von Walter Niedermayr bis Peter Bialobrzeski. Hatje Cantz im Herbst 2010

10 06 2010

Out now: the autumn program of German art book publisher Hatje Cantz – including several interesting architecture+art publications. And because it’s Fifa World Cup, we’re starting with 2 photo books about South Africa, then turn to Italy and to – it can’t be missed – Berlin.

Please use the links for an English description of the books.

.

Thomas Hoeffgen: African Arenas

Thomas Hoeffgen, eigentlich international erfolgreicher Mode- und Werbefotografen, hat sich von der Begeisterung, mit der in  Afrika Fußball gespielt wird, anstecken lassen und seit 1999 immer wieder Fußballspieler und Zuschauern in Nigeria, Namibia, Botswana, Sambia, Malawi und Südafrika fotografiert – auf den typischen improvisierten Sandbolzplätze des Kontinents mit zwei Holzpflöcken als Tor, aber auch in den Betonarenen der Städte mit ihren Flutlichtern und Tribünen. (Ausstellungen: Auswärtiges Amt, Berlin 30.4.–2.6.2010 | Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, Künstlerhaus im KunstKulturQuartier, Nürnberg 5.6.–18.7.2010).

Thomas Hoeffgen: African Arenas, Hrsg. Nadine Barth, Text von Nadine Barth, Ian Hawkey, Thomas Hoeffgen, Gestaltung von Julia Wagner, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2668-9

.

Peter Bialobrzeski: Informal Arrangements

Sehr viel ernster hingegen Peter Bialobrzeskis neuestes Projekt Informal Arrangements, das Innenansichten südafrikanischer Slumhütten zeigt. Die Fotos entstanden 2009 in Kliptown, einem Vorort von Soweto, in dem 1955 Mitglieder der Anti-Apartheid-Bewegung die »Freedom Charter«, ein Zehn-Punkte-Programm,verabschiedeten, das bis 1990 verboten blieb und heute einen wesentlichen Teil der südafrikanischen Verfassung darstellt. Trotz des historischen Auftrags hat sich die Lebenssituation der Bewohner informeller Siedlungen in den vergangenen 20 Jahren kaum verbessert.

Soccer City, Johannesburgs neues, extra für die WM 2010 gebautes Fußballstadion, ist weniger als zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Eine Eintrittskarte auf dem internationalen Markt ist teurer als die gesamte Einrichtung einer Hütte auf den Fotos von Peter Bialobrzeski. Die Bilder erzählen von dem Wunsch, das Heim mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln wohnlich zu organisieren.

Peter Bialobrzeski: Informal Arrangements, Text von Peter Bialobrzeski, Indra Wussow, Gestaltung von Peter Bialobrzeski, Kathrin Hufen, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2660-3

.

.

Auch aus bzw. über Italien gibt es gleich zwei schöne Bände: Gregory Crewdson: Sanctuary und Walter Niedermayr: Recollection, dessen beeindrucke Arbeiten mir schon lange aufgefallen sind.

Walter Niedermayr (*1952 in Bozen) ist einer der großen europäischen Fotokünstler unserer Zeit. Seine sensible Bildsprache, die in den letzten Jahren von zahllosen anderen Fotografen leider viel kopiert wurde, ist durch die zurückgenommene Farbdichte gekennzeichnet. Einem breiten Publikum bekannt wurde Niedermayr durch seine Bildserien zu alpinen Landschaften, Architekturen und Infrastrukturen.

Für dieses Projekt reiste er in den Jahren 2005 bis 2008 nach Teheran, Isfahan, Yazd, Schiraz sowie in kleinere Städte und zu historischen Stätten des Iran. Es entstand eine neue Werkgruppe, in der er die architekturhistorischen Zusammenhänge der aktuellen iranischen Architektur vor ihrem kulturellen und geschichtlichen Kontext hinterfragt. Das vom Künstler selbst in enger Zusammenarbeit mit den Grafikern und dem Verlag entwickelte Projekt wird, wie die vorangegangenen Bücher Niedermayrs, sicher wieder ein Höhepunkt der »Fotobuchkunst« werden.

Walter Niedermayr: Recollection, Gestaltung von Mevis & van Deursen, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2738-9

.

Gregory Crewdson, der Großmeister rätselhaft verdichteter Fotoinszenierungen hat ein neues Sujet gefunden: die römische Cinecittà.

Bislang waren Crewdsons Serien enorm aufwendig und erforderten große Produktionsteams, eigens gebaute Filmateliers und professionelle Schauspieler. Nun aber kehrte er nur mit einem kleinen Team zurück und arbeitete für seine eindringlichen schwarz-weiß Aufnahmen zerbröckelnder Fassaden und verlassener Straßen vorwiegend mit natürlichem Licht. All dies bedeutet jedoch nicht wirklich einen Bruch zu Crewdsons früheren Serien, denn der dramatische Subtext seiner Bilder, das unheimliche Gefühl, dass in ihnen die Vergangenheit wieder zum Leben erweckt wird, findet sich auch hier.

Gregory Crewdson: Sanctuary, Einleitung von A. O. Scott, Gestaltung von Sarah Gifford, Deutsch, 2010. ISBN 978-3-7757-2734-1

.

.

Und natürlich darf auch Berlin nicht fehlen: Agentur OSTKREUZ: Die Stadt und Christian von Steffelin: Palast der Republik

Mittlerweile leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Welche Hoffnungen und Wünsche verbinden sie mit der Stadt? Auf welche Weise prägt die Stadt ihren Alltag und ihre Beziehungen zu Umwelt und Mitmenschen? Die Fotografen der Berliner Agentur OSTKREUZ sind diesen Fragen nachgegangen. OSTKREUZ steht dabei für eine bestimmte Vorgehensweise, nämlich den Kern der Dinge zu erkennen, ihn abzubilden und in diesem Abbilden ehrlich zu bleiben. Die 18 Fotografen porträtieren die Bewohner der Stadtutopie Auroville in Indien, der Slums von Manila und des von der Mitte aus zerfallenden Detroit, sie dokumentieren das am Reißbrett entstandene chinesische Ordos, die Künstlichkeit der Straßenzüge Dubais und die zerbombten Häuser von Gaza. Was am Ende aufscheint, ist das Porträt einer Stadt, die alle Städte ist.

Die beteiligten Fotografen:

Sibylle Bergemann, Jörg Brüggemann, Espen Eichhöfer, Annette Hauschild, Harald Hauswald, Pepa Hristová, Andrej Krementschouk, Ute & Werner Mahler, Thomas Meyer, Dawin Meckel, Julian Röder, Frank Schinski, Jordis Antonia Schlösser, Anne Schönharting, Linn Schröder, Heinrich Völkel, Maurice Weiss

Ausstellung: C/O Berlin, Postfuhramt 8.5.–4.7.2010

Die Stadt: Vom Werden und Vergehen, Hrsg. Ostkreuz – Agentur der Fotografen, Vorwort von Marcus Jauer, Protokolle von Marcus Jauer, Anne-Dore Krohn, Nachwort von Felix Hoffmann, Gestaltung von Naroska Design, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2659-7

.

Seit 1993 fotografiert Christian von Steffelin (*1963 in Karlsruhe) die drastischen Veränderungen im Osten Berlins seit der Wende. Sein Interesse gilt hier insbesondere den kurzlebigen Stadien einzelner Bauten und Stadträume und deren Vergänglichkeit. Eine Langzeitstudie widmete er dem Palast der Republik in einem Zeitraum von 1994 bis 2009.

Von Steffelin dokumentiert die einzelnen Phasen des Verfalls des einstigen Zentrums der Macht: von den Resten der entfernten Inneneinrichtung über den Baukörper im Rohbauzustand bis zur übrig gebliebenen freien Rasenfläche. Diese Bilder des langsamen Verschwindens offenbaren den gewaltigen Widerspruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Christian von Steffelin: Palast der Republik, Gestaltung von Kai-Olaf Hesse, Text von Christian von Steffelin, Ulrike Westphal, Gerwin Zohlen, Deutsch, Englisch, 2010. ISBN 978-3-7757-2721-1

Presseinfos und Abb. Hatje Cantz




City and Nature: 3 photo exhibits in Berlin

31 01 2010

Drei Foto-Ausstellungen in Berlin beschäftigen sich mit unterschiedlichen Herangehensweisen an die Themen Stadt und Natur, Naturbelassenheit und vom Menschen “bearbeitet”: Jason Langers “Secret City” ist eine Reise in die verborgenen Seiten anonymer Städte, während Peter Bialobrzeski die von Menschen gepflanzte, aber auch die vom Stadtwachstum unberührt gelassene, urwaldartige Natur in den asiatischen Mega-Städten sucht und Ilkka Halso versucht, die bedrohte Natur durch Schutzkonstruktionen heilen zu lassen.

Three photo exhibits in Berlin show different approaches to city and nature, urbanism and naturality: Jason Langers “Secret City” is a journey to the hidden spots of anonymous cities, while Peter Bialobrzeski captures the remains of nature – both man-planted and primeval – in Asian mega cities and Ilkka Halso tries to make the endangered nature heal under protective constructions.

© Jason Langer, from the series Secret City

© Jason Langer, from the series Secret City

.

Jason Langer – ‘Secret City’
15. Januar – 6. März 2010

Galerie Hiltawsky Berlin

.

.

Den Zyklus ‘Secret City’ des amerikanischen Fotografen Jason Langer kündigt die Galerie Hiltawsky als ‘Secret City’ eine mit poetischer Sensiblität erzählte Reise durch die schwach beleuchteten Straßen anonymer Städte, durch deren Räume und zu den Menschen, die sich dort aufhalten.

Aus dem PR-Text: “[Langers] Bilderwelt aus schönen, romantischen Bildern lädt dazu ein, eine geführte Reise durch die verborgenen Geschichten einer Stadt – einer Art Unterwelt – anzutreten. [Sein] sehr intimer subjektiver Blick ist im Ausdruck dabei vergleichbar mit den symbolistischen Bildern von Alvin Langdon Coburn und den frühen Arbeiten von Steichen. Er selber beschreibt seinen fotografischen Stil als “poetisch, kontemplativ, schwarz, symbolisch und offen interpretierbar.” Menschen porträtiert er in der Regel in einer ‘anonymen Art’, bei denen die Gesichter oft von der Kamera abgewandt oder unscharf sind. Seine unbewegten Objekte behandelt er dazu gegensätzlich.”

Abb. u. Info Galerie Hiltawsky

****************************************************************************

Peter Bialobrzeski Paradise Now # 18 2008 60 x 75 und 126 x 160 cm © Peter Bialobrzeski Courtesy LA Galerie Frankfurt / Robert Morat Galerie Hamburg

Peter Bialobrzeski Paradise Now # 18 2008 60 x 75 und 126 x 160 cm © Peter Bialobrzeski Courtesy LA Galerie Frankfurt / Robert Morat Galerie Hamburg

.

Peter Bialobrzeski – Paradise Now

Alfred Ehrhardt – Naturdinge

30. Januar bis 18. April 2010

Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin

.

.

.

Einen anderen Blick auf die Megastadt wirft Peter Bialobrzeski (geb. 1961 in Wolfsburg) in seiner Serie Paradise Now: Hier thematisiert er sowohl die vom Menschen gepflanzte als auch vom Stadtwachstum unberührt gelassene, urwaldartige Natur in den asiatischen Mega-Städten Jakarta, Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur.

Peter Bialobrzeski Paradise Now # 63 2008 60 x 75 und 126 x 160 cm © Peter Bialobrzeski Courtesy LA Galerie Frankfurt / Robert Morat Galerie Hamburg

Peter Bialobrzeski Paradise Now # 63 2008 60 x 75 und 126 x 160 cm © Peter Bialobrzeski Courtesy LA Galerie Frankfurt / Robert Morat Galerie Hamburg

Aus dem PR-Text der Galerie: “Wie in seinen früheren Serien Neontigers und Lost in Transition lotet Bialobrzeski die Grenzen des Dokumentarischen meisterhaft aus. Seine Bildkompositionen sind verführerisch wie Gemälde der Romantik, doch ist ihre oberflächliche Schönheit trügerisch. Ausschließlich zur Abenddämmerung oder nachts aufgenommen, lassen die Neonleuchten und angestrahlten Wolkenkratzer das wuchernde Tropengrün zwischen hyperreal und surreal changieren. “Die Bilder inszenieren das üppige Wachstum als Zeichen der Hoffnung, werfen aber auch die Frage auf, ob wir dieses Leuchten angesichts der prognostizierten Klimakatastrophe noch verantworten können” (Bialobrzeski). Die paradiesisch anmutende, von glitzerndem Großstadtlicht erleuchtete Natur scheint sich gegen die urbane Struktur durchsetzen zu können. So evoziert Paradise Now das Szenario einer fernen Zukunft, in der der Mensch von diesem Planeten wieder verschwunden sein wird und sich die Natur ihren Platz zurück erobert.”

Kombiniert wird die Schau mit Foto-Arbeiten von Alfred Ehrhardt (1901-1984) zum Thema “Naturdinge” – ganz dem Ziel des Veranstalters, der gemeinnützigen Afred Ehrhardt Stiftung in Berlin (im Dez. 09 von Köln nach Berlin gezogen), entsprechend, das Werk von Alfred Ehrhardt bekannter zu machen.

Mehr Informationen zu Alfred Ehrhardt und der Arbeit der Stiftung hier.

Abb. und Info Alfred Ehrhardt Stiftung

****************************************************************************

Restoration, Untitled (5), 2000, C-print / Ilfochrome mounted on whiteglass and polystyrol, 100 x 136 cm, Edition of 6 +2AP.

Ilkka Halso, Restoration, Untitled (5), 2000, C-print / Ilfochrome mounted on whiteglass and polystyrol, 100 x 136 cm, Edition of 6 +2AP © I. Halso

.

Ilkka Halso – Restoration

15. Januar – 6. März 2010

WAGNER + PARTNER
Cai Wagner + Margret Uhrmeister, Berlin

.

.

.

Eine Verbindung zwischen Natur und Architektur/Konstruktion untersucht auch der finnische Fotokünstler Ilkka Halso, der sich in seinen Werken seit gut zehn Jahren mit der Heilung und Rettung bedrohter Natur befasst.

Aus dem PR-Text: “In den Werken der Serie “Restoration” entwickelt und baut der Künstler pseudowissenschaftliche Arrangements, in denen er beispielsweise Bäume mit transparenter Gaze einrüstet und beleuchtet. Einem Feldbett gleich wird hier Natur “verarztet”, der beschädigte “Patient” wird medizinisch versorgt. Alle Fotos entstehen bei Nacht, wenn die Natur sozusagen ihren heilsamen Schlaf findet.

Museum of Nature, Museum I, 2003, C-print / Ilfochrome mounted on whiteglass and polystyrol, 100 x 135 cm, Edition of 6 +2AP.

Ilkka Halso, Museum of Nature, Museum I, 2003, C-print / Ilfochrome mounted on whiteglass and polystyrol, 100 x 135 cm, Edition of 6 +2AP © I. Halso

Eine Verschiebung dieses Heilungsansatzes zeigt sich in der späteren Serie “Museum of Nature”. Jetzt wird Natur nicht mehr behandelt, sie wird “gerettet”. Der Betrachter findet Bäume und ganze Landschaften in gläsernen Pavillons. Einem Kunstwerk gleich wird die Natur in einem Museum aufbewahrt und konserviert.

Ist der Patient zur Mumie geworden? Die Frage muss offen bleiben. Während Ilkka Halso für seine Restoration-Serie noch direkt in die Natur eingreift (fotografische Installation), so konstruiert er seine die Natur schützenden Bauten am Computer (digitale Konstruktion) in der Museum-Serie. Ob dies Hilfe oder Teil der Bedrohung ist, wird nicht wirklich beantwortet. Auf der Ebene der Ästhetik bleibt die Vorgehensweise des Künstlers alle Mal reizvoll.”

Abb. u. Info Galerie Wagner + Partner