Virtual Exhibition: Alltagsarchitektur | Everyday Architecture
9 03 2011Nur selten achtet man auf die ganz alltägliche Architektur, die einen tagein tagaus umgibt. Architektur wird, wenn man ihr denn mehr Aufmerksamkeit schenkt (alle, die beruflich damit zu tun haben, seien hier einmal ausgenommen), zumeist nur in ihrer monumentalen Form warhrgenommen – Prachtbauten aus vergangenen Zeiten etwa, historische Schlösser, Burgen und Kirchen stehen weit oben auf der touristischen Beliebtheitsskala. Aber auch zeitgenössischere Neubauten fallen auf und sorgen hin und wieder für Gesprächsstoff, seien es die trendy Luxusmalls, die in den letzten Jahren aus dem Boden sprießen, oder giganteske Hochhäuser. Hier jedoch ist es eher das auffällige Äußere, über das man spricht, weniger die Architektur als solche.
Alltägliche Zweckbauten hingegen erregen nur selten Aufmerksamkeit. Allenfalls wenn sie stören oder zum Problem werden, diskutiert man über sie – besonders hitzig so geschehen etwa beim Streit um den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, zuvor trotz Denkmalstatus weniger ein Beispiel beliebter Bauwerke.
Alltagsarchitektur ist meist zweckmäßig, unauffällig, unspektakulär, neutral, nicht unbedingt das, was gemeinhin als “schön” empfunden wird. Alltagsarchitektur sind funktionelle Nutzbauten, sind Wohnbauten und Büros, sind Fabriken und Läden, sind Bahnhöfe, Supermärkte, Hochhäuser, Reihenhäuser, … Die Liste lässt sich lange fortsetzen.
Die folgenden Künstler und Künstlerinnen machen gerade diese Architektur zu ihrem Thema und widmen ihnen ihre Aufmerksamkeit. So werden etwa in Fotoserien oft Bauten zum Thema gemacht, die sonst kaum oder allenfalls beiläufig wahrgenommen werden. In diesen Arbeiten wird gerade die Alltäglichkeit, die Unauffälligkeit und Serialität in den Fokus gestellt, und so manches Mal werden überraschende An- und Einsichten enthüllt. Die hier präsentierten künstlerischen Positionen verfolgen Herangehensweisen und verschiedene Perspektiven, mit denen sie sich dem Thema der Alltagsarchitektur annähern.
Short summary: “Everyday architecture” Hardly do we notice the everyday architecture around us (unless we are dealing with architecture for professional reasons). And if we do so, it is mostly the monumental forms – historical buildings, e.g., castles, palaces, churches are popular touristic sights; or maybe contemporary newly built houses, such as luxurious malls or gigantic highrises. But it is mostly the extravagant exterior that is capturing attention, rather than architecture itself.
These artists focus on everyday architecture, like functional housing, offices, shops, factories, supermarkets, … With different media and their very own point of view, they think about the “everydayness”, the seriality and normality of these buildings.
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Kunst und Architektur inspirieren sich gegenseitig im Schaffen von Tobias Weber. Der Schweizer Künstler ist studierter Architekt und in beiden Bereichen gleichermaßen tätig. Seine Themen findet er in alltäglichen Szenerien der dichtbesiedelten urbanisierten Welt; er zeigt Häuserfassaden, Straßen, Tiefgaragen, kurz: vom Menschen eingenommene funktionale Räume und die Spuren, die dies hinterlässt. Webers Bilder präsentieren Ausschnitte von Zweckarchitekturen, die überall begegnen, die man aus eben diesem Grund jedoch kaum mehr wahrnimmt, geschweige denn, dass man sie in irgendeiner Weise als »künstlerisch« wertvoll empfindet.
Auffällig ist die ungewöhnliche Formensprache der Gemälde: Die Bilder kommen mit wenig Farben aus, meist setzt Weber nur einen Farbton in verschiedenen Abstufungen ein oder kontrastiert wenige Farben. Die Motive werden dominiert von schwarzglänzenden, leicht erhabenen und unregelmäßigen Konturlinien, die wie Lakritze auf der Leinwand zu liegen scheinen. Sie formen reine Farbflächen ohne Schattierungen, die den Bildern eine ungewöhnliche, comichafte Wirkung verleihen.
Mehr über Tobias Weber in meinem Text in der architekturzeitung.de.
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Für seine Serie Orte ohne Wiederkehr etwa hat Johannes Twielemeier die Spuren einer enormen Umsiedlungsaktion mitten in Deutschland festgehalten: Seit 1984 wird das Braunkohletagebaugebiet Garzweiler zwischen Aachen und Düsseldorf erweitert. Bis zum Jahr 2040 wird auf einer Gesamtfläche von ca. 120 Quadratkilometern eines der größten Braunkohletagebaugebiete Europas entstehen – für das über 7500 Menschen in 13 Ortschaften umgesiedelt werden. Eine ganze Region wird in eine Geisterlandschaft aus leerstehenden Häusern und verwaisten Straßen verwandelt. Twielemeiers Fotografien, die von 2002 bis 2009 entstanden, zeigen Szenen dieser vom Verschwinden bedrohten Region.
Es ist eine ungewöhnliche Verbindung künstlerischer Ausdrucksmittel, die Twielemeiers Arbeit prägt: Der gelernte Steinmetz arbeitet nicht nur mit Stein, sondern auch als Fotograf. Den Fotografen Twielemeier beschäftigen die Spuren, die von Menschen in Zeit und Raum hinterlassen werden, die Bruchstellen im urbanen Raum, die sich vor allem und immer wieder in architektonischen Zeugnissen aufspüren lassen.
Mehr Informationen über seine Arbeit gibt Johannes Twielemeier in einem Interview mit deconarch.com.
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Inês d’Orey‘s ongoing project “Porto Interior” shows empty interiors of public and semi-public spaces the photographer’s home city of Porto, Portugal.
“Porto Interior functions as a collection of spaces that I search and find throughout the city. These interiors are photographed absent of any human presence. Familiar places like theatres, swimming pools or staircases, used by people on a daily basis, become stages for a story that is never clear, but that doesn’t need to be clear. Through digital manipulation, I alter the photographs subtly until I create the atmosphere I find appropriate.” Inês d’Orey
More in an interview with Inês d’Orey.
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Kategorien : Architecture + Art, Virtual Exhibition
Schlagworte : Alltagsarchitektur, Inês d’Orey, Johannes Twielemeier, Porto Interior, Portugal, Tobias Weber













