Virtual Exhibition: Night and Day

2 09 2010

Von der Romantic Comedy bis zum Actionthriller: In den wenigsten Hollywood-Filmen fehlt er, der Blick auf das Lichtermeer einer Stadt. Es übt eine besondere Faszination aus, die Weite einer urbanen Ansiedlung reduziert auf ein helles Blitzen und Blinken von Lichtern im Dunkeln vor sich ausgestreckt zu sehen. Die Ausmaße urbaner Ansiedlungen scheinen sich ins Unendliche zu dehnen, während die architektonischen Strukturen selbst nur schemenhaft auszumachen sind. Stadt wird zum abstrakten Lichterspiel.

Verschiedene Künstler und Künstlerinnen beschäftigen sich mit Architektur im Dunklen, in der Nacht. Eine Thematik, die vor allem den Fotografen technisch einiges abverlangt – die Verschlusszeiten sind länger, Licht und Farben in der Dunkelheit in Griff zu bekommen ist anspruchsvoll -, die aber gerade hier besonders ausdrucksstarke Inhalte transportiert. In der Nacht sind eben nicht alle Katzen grau, sondern es lassen sich manche überraschende Beobachtungen anstellen und vielschichtige Einsichten gewinnen, die in der Hektitk des Tageslicht verloren gehen.

Romantic comedy or action thriller: hardly any hollywood movie lacks it, the view from above on the sea of lights of a nightly city. It is fascinating to see the vastness of urban settlements reduced on bright blinking and sparkling in the dark. They seem to extend infinitely, while the actual urban architectures can only be seen dimly. City becomes an abstract “play of lights”.

Several artists focus on the subject of architecture at night, which is very demanding to photographers in particular. Yet it also offers the possibility of very expressive takes: they make surprising observations and gain multifaceted insights which are easily overlooked during the hectic daylight.

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Juliane Eirich, Supermarket, Korea Diary, 2007/08

Juliane Eirich, Supermarket, Korea Diary, 2007/08 © J. E.

Juliane Eirich, Ship, Korea Diary, 2007/08

Juliane Eirich, Ship, Korea Diary, 2007/08 © J. E.

Die Fotografien von Juliane Eirich fangen die spezielle Aura von Orten nachts ein. Dabei geht es Eirich jedoch nicht um die Effekte des nächtlichen Hell-Dunkel-Spiels barocker Darstellungen bei Kerzenlicht, sondern vielmehr um die unverfälschte, klare Perspektive des außenstehenden Beobachters. Mit distanziertem Blick zeigen ihre Nachtaufnahmen meist menschenleeren Aufnahmen, die dem Betrachter die Möglichkeit bieten, dem lauten und immer hektischer werdenden Alltag zu entfliehen.

In einem technisch aufwendigen und langwierigen Prozess fängt Eirich ihre Motive ein. “Diese Orte scheinen mir wie ein Schauspiel, das keine Zuschauer sucht. …mir gefällt, dass sie normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit bekommen, vor allem nicht nachts”, sagt sie.

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Matthias Haun, Wellblechhaus 1, Tokyo 2006 ©

Matthias Haun, Wellblechhaus 2, Tokyo 2006 ©

Matthias Hauns 2006 begonnene Serie Contemporary Fine Daydreams zeigt die ungesehenen, alltäglichen Seiten von Metropolen wie Paris, Tokyo, L.A., Nagasaki. Seine Bilder rücken das Unscheinbaren in den Blick und “verhelfen” ihm dazu, neben dem Stereotypen zu bestehen.

“Obwohl Hauns Motive die großen Städte der Welt sind, deren mediales Bild teilweise schon bis zum Überdruss veröffentlicht ist, präsentiert er einen ganz anderen Blick auf diese Städte. Seine Digital-Aufnahmen gehorchen gerade nicht den gängigen touristischen Sehmustern – und statt den Aufnahmen digital mehr Schärfe, Kontrast und knalligere Farben zu verleihen, nutzt er die digitalen Möglichkeiten vor allem, um Silhouetten zu verbergen und Ansichten zu fragmentieren. Digital nachbearbeitet wird nicht zur Korrektur der Aufnahmen, sondern zur malerischen Intervention ins Bild.”

(Info aus einem Text von Benno Schirrmeister, Webseite Matthias Haun)

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"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 © Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 © Ruben Brulat

Der französische Fotograf Ruben Brulat setzt seinen Körper ein, um die Beziehung des Einzelnen zur Welt zu zeigen, seine Schutzlosigkeit, seine Unschuld, seine Macht – er fotografiert sich selbst nackt und bei Nacht vor und mit urbanen Gebäuden. Er geht dabei nach einem genau konzipierten Drehbuch vor.

Sein Körper wird zur Eigenprojektion im großen Ganzen, nimmt Besitz von der Architektur der Häuser, tritt in Wechselwirkung zur Umwelt, sein Ich tritt in eine Symbiose ein mit der ihn umgebenden (Stadt-)Landschaft.

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Untitled 1862, 1996 © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 1862, 1996 © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 2611-a, 2000 C-Print 75 x 95,5 cm © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Untitled 2611-a, 2000 C-Print 75 x 95,5 cm © Todd Hido Courtesy Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Todd Hido ist vor allem für seine Nacht-Fotografien bekannt, in denen er menschenleere Vororte und Straßenränder dokumentiert. Seine Inspiration findet er vor allem in der Vergangenheit, Momentaufnahmen seiner Kindheit – etwa die Atmosphäre des amerikanischen Vororts, in dem er aufwuchs. In seiner Serie “House Hunting” hat der Fotograf Außenfassaden in Häusersiedlungen aufgenommen, deren beleuchtete Fensterscheiben ihre Bewohntheit signalisieren – dennoch wirken sie befremdlich und verlassen.

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Naked in the city: Ruben Brulat’s “Immaculate & Primates” in Hamburg

30 05 2010

Obwohl er erst seit gut zwei Jahren fotografiert, hat der Franzose Ruben Brulat – Jahrgang 1988 (!) – schon sehr viel Aufsehen erregt mit Fotos in internationalen Magazinen und Ausstellungen in Paris, Los Angeles und Dubai. Die G3 Gallery in Hamburg zeigt Ruben Brulats erste Einzelausstellung in Deutschland. Für seine Fotografien geht Brulat sehr ungewöhnlich vor: Er zieht sich aus und fotografiert sich als Teil der (urbanen) Landschaft.

Even though he’s been photographing for about 2 years only, French photoartist Ruben Brulat – born 1988 (!) – has already caused quite a stir. His photos are shown in international magazines and were exhibited in Paris, Los Angeles und Dubai. Hamburg based G3 Gallery presents Ruben Brulat’s first solo show in Germany. Brulat uses a very uncommon approach: He undresses and photographs himself as part of the city/landscape.

(English PR text)

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Pontualité non récurrente" aus der Serie "Immaculate", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

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RUBEN BRULAT “Immaculate & Primates”

28. Mai – 31. Juli 2010

G3 Gallery GmbH,  Hamburg

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Aus dem PR-Text: Was geschieht, wenn man sich einer kalten Büroarchitektur ausliefert, mitten in der Nacht, entledigt all seiner Kleider? Was geschieht, wenn man genauso nackt Teil der Natur wird, irgendwo im Nichts? Der Fotograf Ruben Brulat macht es vor: Er setzt seinen Körper ein, um die Beziehung des Einzelnen zur Welt zu zeigen, seine Schutzlosigkeit, seine Unschuld, seine Macht.

“Als ich anfing, Fotos von mir selbst zu machen, konnte ich das Unbehagen, das mich an diesen Plätzen beschlich, viel einfacher ertragen: Indem ich mich auszog, ging ich eine totale Symbiose mit der Umwelt ein. Und je mehr Bilder ich machte, desto klarer wurde mir das. Eine Fiktion zu erschaffen kann einen näher zur Realität bringen.”

"Classes paradoxales" aus der Serie "Immaculates", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

"Classes paradoxales" aus der Serie "Immaculates", 2009, C-Print, 110x137,5 cm, Edition 3 ©Ruben Brulat

Der Franzose Ruben Brulat geht bei seinen Aufnahmen nach einem genau konzipierten Drehbuch vor. Bei seiner Serie “Immaculate”, in dem die gesichtslose Bürostadt “La Défense” vor den Toren von Paris im Mittelpunkt steht, wartet er, bis die letzten Angestellten die Gebäude verlassen haben und wandert so lang durch die Betonschluchten, bis er von einem Ort inspiriert ist. Er träumt sich in die Szenerie hinein, bis der Drang so groß wird, selbst Teil des Bildes zu werden. Die technischen Parameter sind gesetzt, dann zieht sich der Fotograf aus, läuft an eine bestimmte Stelle, kauert sich hin oder drückt sich an eine Säule oder legt sich flach auf den Boden und verharrt dort regunglos. Sein Körper wird zur Eigenprojektion im großen Ganzen, nimmt Besitz von der Architektur der Häuser, tritt in Wechselwirkung zur Welt der Wirtschaft, die ihn als Individuum dominiert und die er als selbstbestimmter Störfaktor nun auf gegenläufige Weise ebenfalls dominieren kann.

Auch in der Serie “Primates” geht Ruben Brulat eine Symbiose seines Ichs mit der Umgebung ein, diesmal gleich mit der “ganzen” Natur. Kaum zu erkennen ist in den großen Landschaftspanoramen der eine, wie verloren wirkende, entblößte Körper – hier geht es um den Verlust von Identität, wenn der Mensch zwischen Grashügel, Flussbett oder Schneefeld zum Bestandteil von Natur wird und sich die Frage des Überlebens, des eigenen und des der ganzen Gattung, stellt. Wo kommen wir her und können wir dahin zurück? Wie wird unser Verhältnis zur Natur morgen sein? Welche Geschichten werden bleiben? Ruben Brulats Bilder sind immer auch poetische Variationen des einen Ur-Themas: Was ist das eigentlich, das “Sein”?

Info + illus. courtesy G3 Gallery