art Karlsruhe 2010

8 03 2010

Vom Geheimtipp zum Pflichttermin: Über das erste Märzwochenende hat die mittlerweile 7. Ausgabe der art Karlsruhe ihre Pforten geöffnet. Von Wirtschaftskrise war nichts zu spüren (aber hier müsste man wohl in die Kassen der Galeristen schauen). Die Stimmung jedenfalls war gut, die Besucher kamen schon zur Preview zahlreich. Die Vorlage vom letzten Jahr – der Rekord lag bei über 42.000 Besuchern – wurde nochmals um über 1000 Besucher getoppt, wie aus Karlsruhe zu hören ist.

Once an insider, it now is an obligatory date in the art scene: The 7th art Karlsruhe fair was held during the first weekend in March. No impact of the economic crisis was visible (but to judge that, we’d have to take a glimpse into the galleries’ books, wouldn’t we). Yet the atmosphere was great, the visitors came in droves. Last year’s record of more than 42.000 visitors could even be topped.

My impression from the preview (in German) can be found on “Art and Events” (Link). Now I’ll present galleries and artists interesting to deconarch’s “architecture meets art” focus.

Einen allgemeinen Bericht von mir frisch von der Preview am 3. März 2010 gibts bei “Art and Events” zu lesen (Link).

Auch aus dem Blickwinkel des „Architecture meets art“ gab es dieses Mal doch einiges zu entdecken bzw. wieder zu sehen. Dazu gehören „alte Bekannte“, deren Ausstellungen bzw. deren Arbeit zu besuchen sich immer wieder lohnt.  So etwa vor allem die Zürcher Galerie Alex Schlesinger mit ihrem Fokus auf Urbanem Leben, Architektur und Industrielandschaften, die u. a. Werke von Tobias Weber, Janika Fabrikant und Patrick Tschudi präsentierte.

Auch die Galerie CP Wiesbaden habe ich 2009 schon erwähnt – hier wurden wieder Arbeiten Anja Ganster und Michael Bach gezeigt. Neue Gemälde von Karl-Heinz Bogner waren bei der Galerie Kränzl zu sehen.

Sheri Warshauer, Brooklyn Bred, 2008, Acryl und Latex auf Leinwand, 152 x 152 cm Unikat, Courtesy Davis Klemm Gallery

Sheri Warshauer, Brooklyn Bred, 2008, Acryl und Latex auf Leinwand, 152 x 152 cm Unikat, Courtesy Davis Klemm Gallery

Eindrucksvoll zu sehen waren auch einige Gemälde von Stefan Hoenerloh in verschiedenen Ständen sowie eine großfromatige Arbeit von Ben Willikens.

Aufgefallen sind darüber hinaus Arbeiten der französischen Künstler Anne Valverde (Fotografien) und Thikent (“Peintographies”), Sheri Warshauer bei Davis Klemm, Frankfurt, Sabine Wilds Fotografien bei Dengler und Dengler, Stuttgart.

Darüber hinaus erwähnenswert sind Detlef Waschkaus Reliefs, die sich zum Teil mit Kultur-Landschaften und Gebautem beschäftigen, sowie Johannes Schramms “Wasser”-Arbeiten.

Die Beschäftigung mit dem Urbanen ist Programm in der “Bastropolis” von M. S. Bastian / Isabelle L.:

Magic Bastropolis Kunstharz auf Leinwand, 2007 190 x 160 cm

M.S. Bastian/Isabelle L., Magic Bastropolis Kunstharz auf Leinwand, 2007, 190 x 160 cm, courtesy Neue Kunst Gallery




„Qualität, Professionalität und Leidenschaft für die Sache“: Die Galerie Alex Schlesinger in Zürich _ Ein Interview mit Alex Schlesinger

8 02 2010

Die Zürcher Galerie Alex Schlesinger präsentiert Kunst, die sich mit den Themen Urbanes Leben, Architektur und Industrielandschaften auseinandersetzt. Gegründet im Jahr 2003 von Alex Schlesinger liegt der Fokus der Galerie auf zeitgenössischer Malerei im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Zurich-based gallery Galerie Alex Schlesinger presents art circling around the topics Urban life, architecture and industrial landscapes. Established in 2003 by Alex Schlesinger, the gallery’s focus is on contemporary painting between abstraction and figuration. In the interview Alex Schlesinger tells deconarch.com about his gallery work.

Die über 20 Künstler aus dem In- und Ausland, die die Galerie derzeit betreut, arbeiten vor allem mit den Medien Öl oder Acryl auf Leinwand, aber auch mit C-Prints oder – besonders auffällig – Autolack auf Aluminium (Konrad Winter). Die vertretenen künstlerischen Positionen bewegen sich zwischen abstrakt und figurativ/hyperrealistisch, zwischen Fotografie und Malerei, zwischen Comix und Kunst. Fotografie selbst ist jedoch nicht im Programm, die plastische Kunst mit nur einer Bildhauer-Position (Daniel Häsli) vertreten.

Besonders interessant sind – vom architektonischen Standpunkt aus – neben Tobias Weber, über den deconarch.com bereits berichtet hat (s. Interview 2008; ein ausführliches Porträt von Tobias Weber findet sich hier), vor allem die Arbeiten von Janika Fabrikant, Moritz Hasse, Remi Jaccard, Raphaël Renaud, Wolfram Scheffel, Maria Temnitschka, Thitz,  Patrick Tschudi und Konrad Winter.

Pro Jahr veranstaltet die Galerie Alex Schlesinger sieben Ausstellungen mit Künstlern der Galerie und beteiligt sich regelmäßig an Kunstmessen in der Schweiz und im Ausland. So wird sie in Kürze an der art KARLSRUHE 2010 teilnehmen. Die Galerie ist Mitglied des „Verbands Schweizer Galerien” (www.artgalleries.ch) und des Vereins „Die Zürcher Galerien” (www.dzg.ch).

Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass Alex Schlesinger, der französische und spanische Sprache und Literatur und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich sowie in Paris und Madrid studiert hat, neben seiner Galerietätigkeit nach wie vor als Lehrer an einem Zürcher Gymnasium arbeitet.

Im Interview mit deconarch verrät Alex Schlesinger, wie es zur Gründung seiner Galerie kam, und gibt Einblicke in seine Galerie-Tätigkeit.

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© der Abbildungen: die Künstler, courtesy Galerie Alex Schlesinger

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INTERVIEW MIT ALEX SCHLESINGER

deconarch: Sie arbeiten neben Ihrer Galerietätigkeit nach wie vor auch als Gymnasiallehrer für romanische Sprachen, Sie haben also nicht „von Haus aus“ mit Kunst zu tun. Wie kam es zur Gründung Ihrer Galerie?

Maria Temnitschka, Auf der Fußgängerbrücke, Öl auf Leinwand, 80 x 110 cm, 2009

Maria Temnitschka, Auf der Fußgängerbrücke, Öl auf Leinwand, 80 x 110 cm, 2009

Alex Schlesinger: Die Vermittlung von Kunst und Kultur beschäftigt mich seit meinem Studium der Romanistik und Literaturkritik (1987). Im Jahr 2000 absolvierte ich noch eine Zusatzausbildung zum Kulturmanager. Nun erwachte in mir das Interesse, das Gelernte in Praxis umzusetzen und einen kommerziellen Kulturbetrieb aufzubauen und ihn zu führen.

Der Fokus der Galerie liegt auf zeitgenössischer Malerei im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, thematische Schwerpunkte sind dabei vor allem Urbanes Leben, Architektur und Industrielandschaften. Woher kommt dieses Interesse am Architektonischen? Hatten Sie die Idee zu diesem Schwerpunkt schon von Anfang an oder hat es sich nach und nach entwickelt?

Architektur hat mich immer schon fasziniert, nicht einmal als Thema in der bildenden Kunst, sondern als erlebte Architektur. Ich liebe Großstädte. Ich kann mir vorstellen, dass auch meine Vorliebe für Konkrete und Konstruktivisten, die ich vor allem in den Jahren 1980/1990 bewunderte, zu diesem Schwerpunkt in meinem Galerieprogramm beigetragen hat. Die klaren Strukturen, die rigide Bildaufteilung.

Diese Idee hat sich mit der Zeit entwickelt. Sie begann vor allem mit der Aufnahme des französischen Künstlers Raphaël Renaud in mein Programm. Dies war zwei Jahre nach der Gründung meiner Galerie, 2005. Kurz darauf lernte ich Tobias Weber kennen und weitere Künstler, die sich mit „meinem“ Thema beschäftigten.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Es handelt sich ausschließlich um europäische Künstler, jüngere, noch nicht etablierte. Es reizt mich, solche zu entdecken, ihren Werdegang zu verfolgen und bekannt zu machen. Das Alter der Künstler spielt keine Rolle für mich. Entscheidend ist das Ergebnis.

Im Moment betreue ich etwas mehr als 20 Künstler und kann daher keine neuen Künstler aufnehmen, auch wenn es mich manchmal reut, wenn ich ganz spannende Positionen entdecke.

Wollen Sie ein paar Künstler näher vorstellen?

Dies fällt mir schwer. Falls Sie mir einen Namen nennen könnten?

Janika Fabrikant, Cern 1, Acryl auf Leinwand, 120x100cm, 2008

Janika Fabrikant, Cern 3, Acryl auf Leinwand, 140 x 100 cm, 2009

Interessant sind etwa die Arbeiten von Janika Fabrikant, einer über 70 Jahre alten Dame, die neu in Ihrem Programm ist und mit der Sie im Sommer Ihre erste Einzelausstellung machen werden. Aber auch Raphaël Renaud, mit dem Sie schon von Anfang an zusammenarbeiten, und Thitz, dem „Tütenkünstler“.

Mit Janika Fabrikants (*1934) Bilder assoziiert man zunächst den Fotorealismus, von dem sich die Künstlerin allerdings deutlich distanziert. Tatsächlich nimmt sie ihre Motive zuerst mit der Kamera auf, entwickelt sie aber anschließend weiter in Richtung nicht  fotorealistischer Präzision, sondern einer Genauigkeit anderer, keineswegs naturalistischer Art.

Die Darstellungen von Industrieanlagen und Architekturen erscheinen nicht nur als Zeitzeugen, sondern auch als traumhafte, bedrohliche Gebilde.

Fabrikants Arbeiten werden zum ersten Mal in Deutschland am Stand der Galerie Alex Schlesinger (H2/B20) auf der art KARLSRUHE 2010 zu sehen sein.

Raphael Renaud, Tokyo, Öl auf Leinwand, 135 x 190 cm, 2009

Raphaël Renaud, Tokyo, Öl auf Leinwand, 135 x 190 cm, 2009

Der französische Künstler Raphaël Renaud (*1974) zählt zu den wegweisenden und erfolgreichsten Künstlern der Galerie.  Seine bevorzugten Themen sind Städtebilder, die hauptsächlich aus der Vogelperspektive dargestellt werden, und Industrieanlagen jeglicher Art.

Sein Stil vereint häufig gleichzeitig drei Stil- bzw. Kunstrichtungen, die in einem ständigen Wechsel zueinander stehen:    Impressionismus, Hyperrealismus, Abstraktion. Kaum hat sich das Auge an die eine Richtung gewöhnt, wird es fast automatisch in eine andere gelenkt.

Thitz, Zürich, 2007

Thitz, Paris-La nuit, Tüten auf Leinwand, 120 x 140 cm, 2009

Der deutsche Künstler Thitz (*1962), genannt auch der „Tütenkünstler“, konstruiert in seinen Bildern Städte, wobei er von konkreten Modellen ausgeht und an diesen (malerisch und zeichnerisch) weiterbaut. Es entstehen Städte, die sich durch Toleranz auszeichnen und in denen Menschen verschiedener Couleur gleichzeitig leben können.

Thitz integriert in seine Arbeiten Tüten aus den jeweiligen Städten, die er thematisiert. Sie sind die Basis seiner Werke und verleihen ihnen Authentizität.

Welche Zielsetzungen verfolgt die Galerie?

Unbekannte Künstler, die dem Galerieprogramm entsprechen, auf ihrem Weg zu begleiten und sie einem breiten Publikum bekannt zu machen sowie die Teilnahme an renommierten Kunstmessen im In- und Ausland.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Galerie?

Qualität, Professionalität, Atmosphäre in der Galerie, Leidenschaft für die Sache. Ein klares Programm.

Welche Ausstellungen werden in den nächsten Monaten zu sehen sein?

Konrad Winter, Schaufenster Zell, Autolack auf Aluminium, 100 x 120 cm, 2008

Konrad Winter, Schaufenster Zell, Autolack auf Aluminium, 100 x 120 cm, 2008

März/April: Konrad Winter (A): Malerei, Autolack auf Aluminium, moderner Impressionismus, Thema: Stadt

Mai/Juni: Edith Schindler (CH), Malerei, manchmal fast fotorealistisch, Themen: Blumen, Schattenbilder

Juni/Juli: Janika Fabrikant (CH): neu im Programm, Malerei, Themen: Stadt, Industrielandschaften

August/Oktober: Moritz Hasse (D), Malerei, Thema: Stadt

Oktober/November: Raphaël Renaud (F), Malerei, Themen: Stadt, Industrielandschaft

November/Dezember: Peter Anderes (CH), Malerei, die einzig ganz abstrakte Position im meinem Programm

Und noch eine allgemeine Frage zum Abschluss: Welche Rolle spielt Kunst für Sie?

Sie umgibt mich ständig. Ob zu Hause, in der Galerie, in der Freizeit. Sie ermöglicht mir, mein Auge für Dinge zu schärfen, die mir bis anhin verborgen geblieben sind. Sie macht mich zu einem genauen und kritischen Beobachter meiner Umwelt. Natürlich erfreut sie meine Sinne und verhilft mir zu Glücksmomenten und regt mich zum Denken an.

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Alex Schlesinger, haben Sie herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview!

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Email-Interview Tobias Weber

2 04 2008

Vor kurzem habe ich die Arbeit von Tobias Weber vorgestellt und gefragt, was passiert, wenn ein studierter Architekt Kunst macht. Ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, diese und ein paar weitere Fragen zu beantworten.

(For English translation, please scroll down)

weberwesttangente.jpgweberzurich2.jpgwebertiefgarage.jpg

Wie haben Sie zu Ihrer Arbeitsweise gefunden (mit „Tuben zeichnen“)?

Die „Outlines“ verfolge ich schon seit mindestens zehn Jahren.
Ursprünglich haben mich die Umfassungslinien beim Comix fasziniert, da diese den Bildern eine unglaubliche Prägnanz und Klarheit verleihen. Die Outlines verhindern zudem, dass sich verschiedenen Farbflächen an deren Grenzen vermischen, was das Sujet noch klarer zum Vorschein bringt. Nun suchte ich immer nach den perfekten Outlines und wurde schliesslich bei der fliessenden Tube fündig, mit welcher ähnlich wie ein Farbstift freie ununterbrochene Linien generiert werden können. (Und natürlich gefällt mir die unglaubliche Plastizität!)

Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?

Weiss ich bis heute nicht! Ich glaube dennoch, dass die beiden Metiers nicht grundverschieden sind. Sowohl Architekt wie auch Künstler (Kunstmaler)
benötigen eine hohe Affinität zur Zeichnung. Die meisten Architekten und Kunstmaler finden mit Skizzen zur gesuchten Lösung.

Arbeiten Sie auch als Architekt?

Ja, ich arbeite weiterhin ca. 50 % als Architekt. Ich tue dies allerdings aus Liebe zu beiden Metiers und das eine inspiriert jeweils das andere.

Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur Ihre Kunst? Bei der Arbeitsweise, bei der Themenwahl?

Ja, das Architekturstudium hinterliess tiefe Spuren. Es schärfte mein Verständnis für die gebaute Umwelt, in welcher die meisten von uns sich täglich aufhalten. Funktionalität, Abstraktion, Natürlichkeit, Rationalität oder andere Kriterien lassen Gebäude plötzlich ästhetisch oder gar schön erscheinen, sobald diese in ihrer Idee und ihrer Zeit betrachtet werden.
Alltägliche Zweckarchitektur wie beispielsweise Tiefgaragen, Autobahntunnels oder S-Bahn-Brücken empfinde ich als schön, weil sie eine logische Folge aus Bedürfnissen darstellen und sie dem Nutzen entsprechend konzipiert und gestaltet wurden.
In meinen Bildern probiere ich mittels Ausschnittwahl, Farbgebung und Abstraktion aufzuzeigen, dass solche Räume durchaus unsere Beachtung
verdienen und geschätzt werden können.
Meine Arbeitsweise ist nicht spezifisch von der Architektur beeinflusst.

http://www.tobiasweber.ch

English translation, please click…

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Tobias Weber

23 03 2008

Was passiert, wenn ein studierter Architekt Kunst macht?

Einen habe ich auf der Art Karlsruhe 2008 entdeckt und er hat mich durch seine ausgefallene Arbeitsweise beeindruckt.

 

Der Schweizer Tobias Weber (*1974) ist studierter Architekt. Seine Themen sind vor allem – natürlich?! – urbane Räume. Häuser, Straßen, Brücken, Tiefgaragen, Strommasten, Autos kurz: vom Menschen eingenommene Gebiete und die Spuren, die dies hinterlässt.

weberwesttangente.jpgwebertiefgarage.jpgtobias-weber.jpgtobias-weber2.jpg weberumfahrung.jpg

Hardbrücke (Westtangente), 2007, Acryl auf Baumwolle, 240 x 60 cm
Niveau 3 (Tiefgarage), 2006, Acryl auf Baumwolle, 200 x 70 cm
Park Süd (Schönes neues Zürich), 2006, Acryl auf Baumwolle, 180 x 130 cm
Villa mit Cheminée 1 (Homegate), 2006, Acryl auf Baumwolle, 115 x 85 cm
Forsthaus (Umfahrung), 2006, Acryl auf Baumwolle, 240 x 50 cm

 

Weber hat eine ungewöhnliche Darstellungsweise gefunden:

Seine Bilder sind oft poppig-bunt in knalligen Farben, immer Ton in Ton gehalten: Leuchtgrün, Bonbonrosa, Barbie-Lila, aber auch dunkle gedeckte Töne. Darüber liegen glänzend schwarze Konturen, die wie Lakritze oder Gummi auf das Bild gelegt scheinen.

Weber “zeichnet” seine Motive mit schwarzer Acrylfarbe aus der Tube direkt auf die Baumwoll-Leinwind. Die Farbe verläuft, trocknet an und bekommt eine gummi-artige Konsistenz – zumindest wirken die Bilder so, dass man am liebsten vorsichtig mit dem Finge überprüfen möchte, ob die Farbe auch wirklich schon festgetrocknet ist (was ich natürlich auf der Art KA nicht überprüfen konnte ;) .

Der Arbeitsprozess Webers erhält durch diese Methode eine handwerkliche Komponente. Denn eigentlich geht der Künstler sehr „industriell“ vor: Seine Motive stellt er am Rechner aus zuvor fotografierten Aufnahmen zusammen. Dabei werden oft Elemente aus verschiedenen Fotos zusammenkomponiert und Themen in Serien bearbeitet.
Das fertige Motiv wird in die Breite gezogen – Webers Bilder sind immer im Querformat – und auf die Leinwand übertragen. Nur die Konturen werden schließlich manuell mit der Tube „gezeichnet“. Die Signatur wird mit einer Schablone aufgebracht.

Es entstehen Bilder, die durch die kräftigen Farben und vor allem die plastisch glänzenden Konturen auffallen und anziehen. Gleichzeitig machen die Motive stutzig – Brücken, Strommasten, Auto-Straßen, ja und? Das kennen wir doch, was soll daran so schön sein, dass man es malen müsste?

Webers Motive sind die ganz normalen, alltäglichen Bilder, denen man in der westlichen Welt überall begegnen kann und die man deswegen schon gar nicht mehr „sieht“.
Seltsam eigentlich – gerade die Anblicke, denen man im dichtbesiedelten Gebiet jeden Tag begegnet, nimmt man nicht wirklich wahr, geschweige denn, dass man sie in irgendeiner Weise als „künstlerisch“ wertvoll empfindet.

Eine Kritik hat die Arbeiten als beruhigend und klar bezeichnet, eine andere hebt die spannnungsgeladene Stimmung hervor.

 

Auf mich wirken sie weder besonders beruhigend noch besonders beunruhigend oder spannungsvoll. Mich hat – neben den krakeligen Gummi-Konturen – vor allem Webers Ironie beeindruckt, die zumindest bei den auf der Art KA gezeigten Arbeiten zum Ausdruck kommt:
Die Reihentitel “Schönes neues Zürich” und “Homegate” sind sehr anspielungsreich.

weberzurich2.jpg weberhomegate2.jpg

Pool (Schönes neues Zürich), 2006, Acryl auf Baumwolle, 182 x 98 cm
Villa mit Cheminée 3 (Homegate), 2006, Acryl auf Baumwolle, 113 x 70 cm

…aber vielleicht zeigt schon diese Widersprüchlichkeit, dass viel mehr in Webers Arbeiten steckt, als es die simplen, alltäglichen Motive erwarten lassen.

http://www.tobiasweber.ch/ (Bilder alle von hier)




Art Karlsruhe 2008: Eindrücke… / Impressions…

28 02 2008

art-karlsruhe2008.gifAlle Jahre wieder kann mittlerweile schon sagen – zur Zeit läuft bereits die 5. Art Karlsruhe und so langsam mausert sie sich zum „Großevent“. Schon bei der Preview vor der offiziellen Eröffnung am Mi., 27.2.08, waren gut 12.000 Besucher: Um 14h fiel der Startschuss zur Preview – ich bin etwa 20min danach mit dem Messe-Shuttle an der dmArena, der angeblich schönsten Messeanlage Deutschlands, angekommen und es war schon richtig voll. Der Besucherrekord vom letzten Jahr liegt übrigens bei 35.000 und wenn das Interesse weiterhin so anhält, wird er sicher getoppt werden (zum Vergleich: Die Art Basel 38 letztes Jahr haben 55.000 Leute gesehen).

[[Es sind denn 38.000 Besucher geworden, so der Stand am Mo., in der BNN.]]

Über 3 Hallen verteilt präsentieren sich 165 Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst – das sind verhältnismäßig wenig, in Basel sind rund 300 Aussteller beteiligt. Aber dennoch: obwohl in diesem Sinne „überschaubar“, lässt es sich kaum schaffen, alles zu sehen, zumal mit dem Anspruch, die Kunst auch bewusst wahrzunehmen.

Im Messe-Gewusel lassen sich Eindrücke sammeln, Anregungen holen, Interesse wecken. Die Auseinandersetzung mit dem, was man gesehen hat, fängt aber erst zu Hause richtig an. Die Galerien bieten zwar meist sehr viel Werbematerial zum Mitnehmen an, die Informationen sind allerdings sehr knapp gehalten und enthalten, wenn überhaupt Text, selten mehr als eine Kurzvita des/der Künstler. Auch der Katalog – online einzusehen – enthält „messentypisch“ nicht viel mehr Angaben, als allgemeine Informationen zu den Ausstellern und ihrem Programm.

Ausführlicher schreibe ich an anderer Stelle über die Messe und die verschiedenen Events, die angeboten werden [nämlich hier].

Mein Gesamteindruck von der Art KA in Stichworten:

Sehr viel Malerei, kaum Video + Multimedia, viel Skulptur und Plastik. Nur relativ wenig kritische oder provokante Arbeiten, dafür einiges, das mit den Darstellungsmedien und der Wahrnehmung spielt (Schmirgelpapier-Bilder, großformatige Scherenschnitte, Pappe-Plastiken, bemalte Brokate, …).
Entdeckungen gab es (natürlich) vor allem bei den zeitgenössischen Galerien zu machen.
Überraschend auch, wie viele interessante Galerien es in der Region Karlsruhe gibt!
Aufgefallen außerdem v. a. die koreanischen Galerien – rund 30 Aussteller aus Europa und Asien haben für internationales Flair gesorgt – mit Künstlern, die sich mit ihrer Tradition auseinandersetzen.

Zum Thema Architektur + Kunst gab es allerdings nicht allzu viel zu entdecken:

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Tobias Weber (Galerie Alex Schlesinger, Zürich)

tobias-weber.jpg

Volière, 2006, Acryl auf Baumwolle, 205 x 98 cm (Reihe: Schönes Neues Zürich) © T. Weber

tobias-weber2.jpg

Villa mit Cheminée 2, 2006, Acryl auf Baumwolle, 105 x 75 cm (Reihe : Homegate) © T. Weber

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CP Galerie. Angely Cerny & Ronald Puff, Wiesbaden: haben u.a. Schwerpunkt auf Künstler an der Schnittstelle zwischen “Architektur + Kunst”, vertreten u.a. Michael Bach und Anja Ganster

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le-corbusierklein.jpg

© S. K.

Übrigens auch selten Gesehenes: Grafische Arbeiten von Le Corbusier (Galerie Bommer, Zürich):

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Once a year, you can really say so by now – at the moment it is already the 5th Art Karlsruhe running and it is slowly by steadily becoming a real big event. Around 12.000 visitors came to see the preview on Wednesday, 27 February 2008, even before the actual opening took place. The kick-off of the preview was 14h – I arrived like 20mins later with the shuttle bus and it has already been really crowded. By the way, last year’s visitors’ record was 35.000 (to compare: Art Basel 38, last year, was seen by 55.000 people.

[[According to BNN (local newspaper) on Monday, it's been 38.000 visitors.]]

165 galleries of modern and contemporary art exhibited in three halls – that is rather little, in Basel there are around 300 exhibitors. But still: even though „manageable“ dimensions, you can hardly make it to see everything, particularly when you want to apperceive the works of art.

In the fair’s crowd, you can “collect” impressions that you deal with quietly at home. Besides, the galleries offer loads of info materials “to go”, but usually it is kept very short and contains, if texts at all, seldom more than a vita of the artist/s. The catalogue, too, (also visible online) contains only general information about the exhibitors and their program – quite “typical” for fairs.

I am writing a more detailed report about the art Karlsruhe here (linke to follow, only in German).

An outline of my general impression of art KA:

Great deal of painting, hardly no video + multi media art, much sculpture. Only rather few critical or provocative works, but much that is playing with the means of presentation and perception (abrasive paper pictures, large-sized silhouettes, cardboard sculptures, painted brocade,…). Discoveries could be made especially at the contemporary galleries(, of course). Furthermore surprising, how many interesting galleries there are in the region around Karlsruhe! Also attracting attentention: particularly the Korean galleries – around 30 exhibitors from Europe and Asia made for an international atmosphere – presenting artists working and dealing with their country’s tradition.

However, not much to discover about architecture + arts: (please see pictures and links further up)

By the way, also something rarely seen: graphic works by Le Corbusier (picture further up).