Tobias Weber

23 03 2008

Was passiert, wenn ein studierter Architekt Kunst macht?

Einen habe ich auf der Art Karlsruhe 2008 entdeckt und er hat mich durch seine ausgefallene Arbeitsweise beeindruckt.

 

Der Schweizer Tobias Weber (*1974) ist studierter Architekt. Seine Themen sind vor allem – natürlich?! – urbane Räume. Häuser, Straßen, Brücken, Tiefgaragen, Strommasten, Autos kurz: vom Menschen eingenommene Gebiete und die Spuren, die dies hinterlässt.

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Hardbrücke (Westtangente), 2007, Acryl auf Baumwolle, 240 x 60 cm
Niveau 3 (Tiefgarage), 2006, Acryl auf Baumwolle, 200 x 70 cm
Park Süd (Schönes neues Zürich), 2006, Acryl auf Baumwolle, 180 x 130 cm
Villa mit Cheminée 1 (Homegate), 2006, Acryl auf Baumwolle, 115 x 85 cm
Forsthaus (Umfahrung), 2006, Acryl auf Baumwolle, 240 x 50 cm

 

Weber hat eine ungewöhnliche Darstellungsweise gefunden:

Seine Bilder sind oft poppig-bunt in knalligen Farben, immer Ton in Ton gehalten: Leuchtgrün, Bonbonrosa, Barbie-Lila, aber auch dunkle gedeckte Töne. Darüber liegen glänzend schwarze Konturen, die wie Lakritze oder Gummi auf das Bild gelegt scheinen.

Weber “zeichnet” seine Motive mit schwarzer Acrylfarbe aus der Tube direkt auf die Baumwoll-Leinwind. Die Farbe verläuft, trocknet an und bekommt eine gummi-artige Konsistenz – zumindest wirken die Bilder so, dass man am liebsten vorsichtig mit dem Finge überprüfen möchte, ob die Farbe auch wirklich schon festgetrocknet ist (was ich natürlich auf der Art KA nicht überprüfen konnte ;).

Der Arbeitsprozess Webers erhält durch diese Methode eine handwerkliche Komponente. Denn eigentlich geht der Künstler sehr „industriell“ vor: Seine Motive stellt er am Rechner aus zuvor fotografierten Aufnahmen zusammen. Dabei werden oft Elemente aus verschiedenen Fotos zusammenkomponiert und Themen in Serien bearbeitet.
Das fertige Motiv wird in die Breite gezogen – Webers Bilder sind immer im Querformat – und auf die Leinwand übertragen. Nur die Konturen werden schließlich manuell mit der Tube „gezeichnet“. Die Signatur wird mit einer Schablone aufgebracht.

Es entstehen Bilder, die durch die kräftigen Farben und vor allem die plastisch glänzenden Konturen auffallen und anziehen. Gleichzeitig machen die Motive stutzig – Brücken, Strommasten, Auto-Straßen, ja und? Das kennen wir doch, was soll daran so schön sein, dass man es malen müsste?

Webers Motive sind die ganz normalen, alltäglichen Bilder, denen man in der westlichen Welt überall begegnen kann und die man deswegen schon gar nicht mehr „sieht“.
Seltsam eigentlich – gerade die Anblicke, denen man im dichtbesiedelten Gebiet jeden Tag begegnet, nimmt man nicht wirklich wahr, geschweige denn, dass man sie in irgendeiner Weise als „künstlerisch“ wertvoll empfindet.

Eine Kritik hat die Arbeiten als beruhigend und klar bezeichnet, eine andere hebt die spannnungsgeladene Stimmung hervor.

 

Auf mich wirken sie weder besonders beruhigend noch besonders beunruhigend oder spannungsvoll. Mich hat – neben den krakeligen Gummi-Konturen – vor allem Webers Ironie beeindruckt, die zumindest bei den auf der Art KA gezeigten Arbeiten zum Ausdruck kommt:
Die Reihentitel “Schönes neues Zürich” und “Homegate” sind sehr anspielungsreich.

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Pool (Schönes neues Zürich), 2006, Acryl auf Baumwolle, 182 x 98 cm
Villa mit Cheminée 3 (Homegate), 2006, Acryl auf Baumwolle, 113 x 70 cm

…aber vielleicht zeigt schon diese Widersprüchlichkeit, dass viel mehr in Webers Arbeiten steckt, als es die simplen, alltäglichen Motive erwarten lassen.

http://www.tobiasweber.ch/ (Bilder alle von hier)