Trix & Robert Haussmann – Eine Künstlerbuch-Monografie | REVIEW

Trix und Robert Haussmann. Noch nicht gehört? Das Ehepaar – Jahrgang 1931 und 1932 – gehört zu den wichtigsten Schweizer Architekten des 20. Jahrhunderts, viele ihrer Entwürfe sind gerade in ihrer Heimatstadt Zürich Alltag. Und dennoch ist ihr Werk – das derzeit rund 650 realisierte Projekte umfasst! – bislang noch nicht aufgearbeitet. Gewissermaßen (wieder)entdeckt wurde das Duo durch den Ausstellungsraum STUDIOLO, dessen Kuratoren in einem Zürcher Atelierhaus zeitgenössische Kunst präsentieren. 2012 erarbeitete man gemeinsam die Ausstellung The Log-O-Rhythmic Slide Rule, in deren Zuge auch eine Publikation entstand.

Cover Trix & Robert Haussmann (c) Edition Patrick Frey

Cover | Trix & Robert Haussmann (c) Edition Patrick Frey

Diese will Künstlerbuch und aktualisierende Reinterpretation des Schaffens von Trix und Robert Haussmann sein, hat zugleich aber auch monografischen Anspruch. Ein schönes Buch mit Softcover und auffälligem Zebra-Schutzumschlag, das Biblio- und „Grafiko“-Philen Spaß machen dürfte – auch und vor allem wegen der Abbildungen und der Entwürfe der Architekten selbst. Denn die beiden sind eben auch Designer, ihr Oeuvre ist theoretisch-verspielt

Trix + Robert Haussmann
STUDIOLO / Edition Patrick Frey
With texts by Fredi Fischli, Niels Olsen, Karl Holmqvist, Liam Gillick, Gabrielle Schaad, Trix & Robert Haussmann
Softcover, 180 pages, 80 color images
Edition Patrick Frey

Die Haussmanns haben eine eigenständige Position entwickelt, die einen Bogen schlägt von Architektur und -theorie über Design bis hin zur Stadtplanung. 1967 gründeten sie ihr gemeinsames Büro, die „Allgemeine Entwurfsanstalt“, und hinterfragen seither die erstarrten Lehren der Architekturgeschichte, kritisch und ironisch, abseits vom modernistischen Diktat. Man pflegt, so sagen sie selbst, einen kritischen Manierismus; dieser wird 1980 als „Manierismo Critico“ ausformuliert.

„Es geht dabei weder um ein Rezept noch um eine neue Entwurfsmethode, die allen Aufgaben gerecht werden kann, sondern um den Versuch eines Wiederaufgreifens verloren gegangener Tradition und deren Fortentwicklung und zeitgemässe Neuinterpretation.“ (S. 33) In diesem Sinne bedeutet manieristisch vorzugehen für Trix und Robert Haussmann ein kritisches, oft auch subversives Arbeiten. Gewohnte Denk- und Verhaltensmuster werden ebenso in Frage gestellt wie etablierte Begriffe. Und eine ordentliche Portion Humor und Ironie – auch Selbstironie – gehört für sie dabei ganz selbstverständlich dazu.

Lehrstück II: Störung der Form durch die Funktion, 1978

Lehrstück II: Störung der Form durch die Funktion, 1978 (Blick ins Buch (c) Edition Patrick Frey)

Gestalterisch erprobt haben sie diesen kritischen Manierismus insbesondere in neun Lehrstücken, Objekte und Modelle, in denen verschieden Stilformen und Funktionen kombiniert werden. So ist etwa die „Störung der Form durch die Funktion“ eine illusionistische Transformation einer antiken Säule in einen „Schubladen-Turm“.

Übrigens, Zürcher können am städtischen Hauptbahnhof gleich zwei Haussmann-Entwürfe entdeckten. So gibt es im neuen Hauptbahnhof gestalterische Eingriffe der Architekten, während die nahe gelegene Da Capo Bar eine illusionistische historische Fassadenimitation mit skurrilen Spiegelelementen bricht.

Außerdem im Band ist auch ein umfangreiches Interview mit Trix und Robert Haussmann, das die Kunsthistorikerin Gabrielle Schaad im Rahmen der Ausstellungsorganisation geführt hat. Zudem gibt es zwei Gastbeiträge von Künstlern, die neue Interpretationen des Werks der Architekten finden. So entwickelt Karl Holmqvist ein Wortkunstwerk mittels des Haussmann’schen „Log-O-Rithmic Slide Rule“, einem Begriffsschieber, das nach dem Prinzip des Rechenschiebers funktioniert: Auf zwei Papierstreifen lassen sich Adjektive aus der Architektursprache zufällig und unbegrenzt kombinieren.

Liam Gillick wiederum erzählt die Geschichte eines Hockers, der sich in einen Tisch verwandeln möchte – eine humorvolle Reaktion auf grundlegende Fragen der Transformation, die Trix und Robert Haussmann beschäftigen.

Wer sich inspirieren lassen möchte von einem humorvollen, oft auch (selbst)ironischen, immer aber kritischen Denken um die Ecke und dabei gleich noch das Architektenpaar Trix & Robert Haussmann kennenlernen möchte, dem sei der Griff zu dieser Künstlerbuch-Monografie ans Herz gelegt – am besten gleich jetzt: Mit etwas Glück kann man bei deconarch.com eine von zwei Publikationen gewinnen! Hier geht’s zum Gewinnspiel.

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