ARTitecture des Monats (7): Anton Räderscheidt

Unsere neue Reihe ARTitecture des Monats präsentiert Werke, die ARTitecture thematisieren, quer durch alle Epochen und Kontinente, alle Stile und Techniken, von bekannten Künstlern und Künstlerinnen ebenso wie vom zeitgenössischen Nachwuchs.

Und das Beste – wir freuen uns auf Input! Hier könnt ihr, liebe Leser und Leserinnen, euch mit einbringen. Lasst uns wissen, welches euer ARTitecture-Werk des Monats ist, das hier unbedingt vorgestellt werden sollte! Hier in den Kommentaren, bei Facebook oder per Email. Wir sind gespannt auf eure Favoriten!

Our new series ARTitecture of the month is putting art works on the spot that show ARTitecture, through all epochs and continents, all styles and techniques, from well-known artists to the contemporary generation.

And it gets better – we are looking forward for your input! Dear readers, let us know which is your ARTitecture art work of the month and share your  favorites with us, using the comments here or on facebook or email it to us directly.

 

Anton Räderscheidt Haus Nr. 9, 1921 Öl auf Holz, 66 × 54,4 cm

Anton Räderscheidt, Haus Nr. 9, 1921, Öl auf Holz, 66 × 54,4 cm

 

Zu Beginn der 1920er Jahre malt Anton Räderscheidt, unter Einfluss der Pittura metafisicia, vielfach anonyme Stadtkulissen mit leeren Straßen, monotonen Fassaden und mechanisch-puppenhaften Einzelfiguren. Haus Nr. 9 ist ein Hauptwerk Räderscheidts, das den Künstler und seine Frau Marta Hegemann vor ihrem Haus in Köln zeigt (das Künstlerpaar wurde 1927 von August Sander exemplarisch porträtiert).

„… es atmet Kälte, Stille, Schweigen. Der hohe, dunkle Eingang des Gebäudes führt nicht in die Tiefe des Hauses, denn die opake Fläche von brauner Farbe scheint jeden Zugang zu versperren. Die Dimensionen des Eingangs und der Fenster mit durchlaufendem Gesims charakterisieren das Gebäude als Gründerzeithaus, jedoch hat der Maler den typischen Fassadenschmuck eliminiert. Nur die helleren, aufgelockerten Farbpartien geben der Fassade eine Spur von Patina. Der Bürgersteig, auf dem das Paar platziert ist, bricht an der Hausecke ab, wird versperrt durch die hellbraune Fläche eines niedrigen, fensterlosen Anbaus. So wirkt der Trottoir wie ein bloßer Untersatz für Haus und Figuren, abgestellt im aseptisch reinen, scheinbar endlosen Raum von Straßenpflaster, Grünflächen und Himmel. Eine Landschaft, so sauber wie leblos, so leer wie scharfkantig.“

Thema des Künstlers ist – immer wieder und wie keinem anderen seiner Künstlerzeitgenossen – auch der moderne Mann und die moderne Frau, deren Unabhängigkeit für ihn durchaus nicht unproblematisch ist: „Der Mann hat das Haus im Rücken, die Frau die Stadt – eine ikonografische Umkehrung der geschlechtsspezifischen Orte großstädtischer Öffentlichkeit in der Kunst der Moderne – Frau/Prostituierte an der Hausecke wartend, bei der der vorübergehende Mann/Freier stehen bleibt. Raffiniert inszeniert Räderscheidt die gemeinsame Einsamkeit der beiden, ihr sorgfältig inszeniertes Aneinander-Vorbeisehen, bei dem auch kleinste Details, etwa die Schuhspitze des Mannes, von beredtem Schweigen zeugen.“

Für ausführlichere Informationen sei auf diesen Link verwiesen, von dem auch die zitierten Textstellen stammen.

Info, quote + illus. Grisebach

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