DER UNSAGBARE RAUM / PART II – Borges – Hausmann – Reile

Der unsagbare Raum – „unutterable“ space: The exhibition presents works by Berlin artists Isabelle Borges, Jens Hausmann und Sven Reile, whose paintings start an active interaction with each other, with the architecture of the room in which they are shown. They not only question nature and purpose of the site as well as the relationship of space and time;  furthermore they reflect on  the omnipresence of media images.

DER UNSAGBARE RAUM / PART II
ISABELLE BORGES – JENS HAUSMANN – SVEN REILE

( kuratiert von Jens Hausmann )

26. 05. – 20. 07. 2012

ARD-Hauptstadtstudio, Berlin
 
PR-Text: Zu sehen sind drei Positionen gegenwärtiger Malerei aus Berlin im ARD Hauptstadtstudio.

(c) Isabell Borges

(c) Isabell Borges

Isabelle Borges, hat Kunst ( Malerei ) in Rio de Janeiro und an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Ihre Malerei gestaltet sich aus einem Mix geometrischer Abstraktion und ungegenständlicher Collage und Decollage von Pressetexten und Zeitungsbildern. Wenn auch ihre Bilder eindeutig in unserer Gegenwart gedacht und erarbeitet sind, fühlt man sich klar an die Konstruktivisten und an den Dadaisten Kurt Schwitters erinnert. Die Art wie Linien und geometrische Flächen bearbeitet werden, wie sich medialer, visueller Alltagsabfall dazwischen drückt, lässt an archäologische Schichtungen denken.

Jens Hausmann hat Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert. In seinen Bildern geht es wesentlich um die Darstellung von modernistischen Wohnhäusern und Villen, im gedanklichen Kontext einer weltweiten, sich netzartig ausdehnenden Vorstadt. Geplant und erbaut für die neue globalisierte Mittelschicht. Die spürbare Abwesenheit möglicher Bewohner lässt fragen, sind sie noch nicht eingezogen, oder schon wieder weg, oder was ist passiert? Außerdem wird ein Block mit 4 mal 3 Bildern zu sehen sein, anzusehen wie eine Monitorwand, auf denen Wälder abgebildet sind, die Orte von Naturkatastrophen oder auch menschlicher Verbrechen waren. Zwölf Ausschnitte von kontaminierter, zerstörter Natur.

(c) Sven Reile

(c) Sven Reile

Die Bilder von Sven Reile, der an der Friedrich Schiller Universität in Jena Psychologie studierte, zeigen den Marsmond Phobos, einen im schwarzen Nichts des Weltalls schwebenden, das Licht der Sonne reflektierenden Gesteinskörper, der gleich unserem Erdmond seinen eigenen Planeten umkreist, aber eines Tages, auf Grund der niedrigen Höhe seiner Umlaufbahn, auf diesen stürzen wird. Die schwarze Schönheit dieser Bilder, mit ihrem in kosmische Ferne ( Sehnsucht ? ) gerichteten Blick, kippt im Lichte irdischen Raumgefühls und kultureller Standortbestimmungen, in eine Darstellung von Untergangsszenarien wie wir sie aus Katastrophen oder Science-Fiction-Filmen kennen. Die gute, alte Angst, dass uns der Himmel auf den Kopf fallen könnte.

(c) Sven Hausmann

(c) Jens Hausmann

Einfaches, aber zwingendes Thema dieser Ausstellung im Medienzentrum der ARD, ist zum Ersten – das Aufzeigen des klassischen Mediums Malerei, als absichtliches, sprich reflektiertes, Standbild, in seiner sich selbst thematisierenden Komplexität. Die Gemälde treten in einen aktiven Bezug zueinander, zur Architektur des Raumes, in dem sie ausgestellt sind, wie auch zum Wesen und Zweck des Ortes. Wie der Journalismus ist auch die Kunst eine nach Tiefe und Wahrheit suchende Weise der Wirklichkeitsaneignung. Vielleicht sogar eine Art Entgiftung und ein Fasten der Sinne, eine Form der Distanzierung von informationeller und visueller Übermenge. Es findet ein Abbremsen, eine Verlangsamung statt. Eine Bewegung nach Innen. Das Einbringen eigener biografischer Zusammenhänge (was in der Kunst eigentlich nicht vermeidbar ist) in eine Welt permanenter Bild- und Nachrichtenproduktion, ist in seiner Entschleunigung brisant und notwendig.

Zum Zweiten – bilden die drei hier gezeigten Positionen eine lesbare, narrative Konstellation zueinander und in einer gewissen Weise zitiert jeder der 3 Künstler auch Merkmale der elektronischen Bild- und Informationsmedien. Die Bildreste von Journalen und Zeitungstexten, bei Isabelle Borges, die Darstellung zerstörter Wälder als Monitorwand, bei Jens Hausmann, die fotografische Ästhetik der Raumsonden, in der Wiedergabe ferner Welten, bei Sven Reile, zeugen von der Auseinandersetzung der bildenden Kunst mit anderen (den) Medien . Die verschiedenen Bilder und künstlerischen Haltungen geben zusammen einen vagen, seltsamen Eindruck einer möglichen, schleichenden Katastrophe. Zwischen Mikro- und Makrokosmos, eine Auseinandersetzung mit der Jetztzeit, ein nach-postmoderner Zugriff auf die klassische Moderne, als Sockel ästhetischer und psychologischer Normen und Reflexe die in der Globalisierung irgendwie, als mutierte Größe weiter wirksam sind.

Zum Dritten – Bei aller Unterschiedlichkeit thematisieren alle 3 Künstler den Raum im Verhältnis zum Geheimnis der Zeit, als einen zwar sichtbaren, messbaren, aber zum anderen auch, geheimnisvollen (unsagbaren) metaphysischen, mit Sinn ( ? ) erfüllten Raum.

Info + illus. courtesy Jens Hausmann

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