„Es ist spannend, die Kunstwerke in einem ganz neuen, fremden Kontext zu sehen.“ INTERVIEW mit Amrei Heyne

Die Stuttgarter Galeristin Amrei Heyne verfolgt ein eher ungewöhnliches Konzept: Sie agiert ohne fixen Ausstellungsraum und stellt an verschiedenen Orten aus – aktuell etwa in der galerie ak 1, Stuttgart, wo sie ihre „Dezemberschau“ (9.-19.12.2010) präsentiert. Sie vertritt zur Zeit sechs Künstler, unter denen sich mehrere insbesondere der Architekturfotografie verschrieben haben. Im Interview mit deconarch.com stellt Amrei ihre Arbeit näher vor.

Mehr Informationen unter www.amreiheyne.de

 

INTERVIEW

Amrei, du bist seit 2 Jahren als selbständige Galeristin tätig und verfolgst ein eher ungewöhnliches Konzept – kannst du das ein wenig näher erläutern?

Ja, ich arbeite mit einem etwas anderen Konzept: Ich mache Ausstellungen auch in Kooperation mit anderen Ausstellern und Kreativen an und in diversen Locations im Moment in Stuttgart und Umgebung ich habe also bewusst keine fixen Galerieräume. Sechs Künstler betreue ich fest und arbeite daneben immer wieder mit Gästen.

Was ist der Vorteil davon, an ungewöhnlichen Orten auszustellen und keine feste Galerieräume zu haben?

Ich möchte eigentlich keine sehr langdauernden Ausstellungen machen, sondern finde es viel spannender, für einen relativ kurzen Zeitraum etwas Interessantes und nicht Wiederholbares zu liefern. Der Ort – manchmal ein Unort –, die Umgebung wird immer mit einbezogen. Es ist spannend, die Kunstwerke in einem ganz neuen, fremden Kontext zu sehen und manchmal auch ganz schön mutig.

Wieso die Entscheidung, als Galeristin zu arbeiten?

Ich würde sagen: der Beruf „Galerist“ hat mich gefunden. Mein Interesse an zeitgenössischer Kunst war immer schon groß und lässt nicht nach, ja ich lerne täglich hinzu!. Meine Biografie hat mich immer wieder zu Künstlern geführt. Mit vielen, die ich vertrete, bin ich seit Jahren freundschaftlich verbunden. Meine Ausbildung ist übrigens eine kaufmännische. Ich habe viele Jahre für einen Architekturfotografen gearbeitet, dies lehrte mich schlichtweg zunächst einmal „Fotos zu sehen“ oder auch gut zu finden oder eben nicht. Es fiel mir leicht, mich für bestimmte Aufnahmen mehr zu begeistern als für andere. Dies prägte sicherlich meine Sichtweise hinsichtlich Architektur- und -fotografie. Dennoch glaube ich, dass man beweglich und offen für Neues bleiben muss – und das gilt für mich für jede Kunstrichtung! Hier gibt es sehr viel Spannendes zu entdecken. Ich bin sehr glücklich über diese Entscheidung – für mich genau das Richtige.

Du arbeitest mit sechs Künstlern zusammen, die du vertrittst. Nach welchen Kriterien wählst du diese Künstler aus? Gibt es eine Grundlinie, die diese verbindet? Was ist das Besondere an deren Schaffen?

Zuallererst muss m i c h ihre Arbeit faszinieren und begeistern. Nicht mehr und nicht weniger. Ich muss etwas Besonderes entdecken. Jeder Künstler zeichnet sich durch einen eigenen Stil aus. Ich mag eigentlich nicht mit Künstlern arbeiten, die unwillkürlich mit anderen zeitgenössischen „Kollegen“ verglichen werden oder deren Arbeit aussieht, so wie die von Herrn X oder Frau Y. Es ist viel interessanter, anderen Menschen „meine“ Künstler näherzubringen und sie im besten Fall für diese Arbeiten zu begeistern

Gleich drei Künstler beschäftigen sich mit Architekturfotografie …

Mit dem Medium Fotografie beschäftige ich mich am längsten. Vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren und ich weiß irgendwann mehr zur Malerei zu sagen. Da ich meine künstlerische „Prägung“ sozusagen über die Architekturfotografie erhalten habe, wie schon gesagt, ist es keine Überraschung, dass viele „meiner“ Künstler sich mit diesem Bereich beschäftigten. Klaus Frahm, Heiner Leiska und Werner Pawlok arbeiten häufig mit dem „Medium“ Architektur, weil sie uns einfach umgibt, aber ich zeige dennoch sehr häufig auch andere gänzliche unbekannte Arbeiten von ihnen, sehr Experimentelles etwa, aber auch Porträts von Menschen.

Willst du kurz ein paar Künstler näher vorstellen?

Sicher. Stellvertretend würde ich gern Tanja Maria Ernst, Ernst Friedrich Drewes und Klaus Frahm nennen, deren Arbeiten in der DEZEMBERSCHAU (9.-19.12.2010) – zusammen mit Werken von Uwe Ditz, Roland Halbe, Andreas Körner, Heiner Leiska, Felix Müller und Werner Pawlok – in der ak1 Galerie mitten in Stuttgart zu sehen sein werden

Tanja Maria Ernst halte ich für eine der besten zeitgenössischen Malerinnen Deutschlands, sie arbeitet kontinuierlich an und mit Themen unserer Zeit. Ihre Bilder sind von höchstem handwerklichen Niveau, das bestätigt jeder, der einmal ein Original von ihr gesehen hat. Wir werden noch viel von ihr hören bzw, sehen. Ernst Friedrich Drewes beschäftigt sich schier unerschöpflich mit dem Ornament. Seine Reliefs – er nennt sie Linienbilder – sind etwas Einmaliges. Klaus Frahm wiederum ist Fotograf mit Leib und Seele, er fotografiert nicht einfach, sondern interpretiert mit jeder seiner Serien, von denen manche Jahre dauern. Ich bin sehr stolz, mit ihm zu arbeiten, und finde seine Arbeiten auf das Schönste zeitlos.

Welche Ausstellungen hast du in der nächsten Zukunft geplant?

Im März / April 2011 wird es von mir in der f75 eine neue Ausstellung mit Fotoaufnahmen des Stuttgarter Fotografen Jürgen Pollak geben. Weitere Dinge sind in Planung, die werde ich rechtzeitig kommunizieren.

Und aktuell ist wie gesagt die DEZEMBERSCHAU in Stuttgart zu sehen.

Was ist charakteristisch für deine Arbeit?

Sehr wichtig ist es, dass man – und das gilt doch für jeden Beruf – seine Arbeit mit Freude tut und sein Bestes gibt. Ich möchte immer das Gefühl haben, man arbeitet gern mit mir zusammen und befruchtet sich im Arbeitsprozess gegenseitig…auch,möchte ich eigentlich nur noch mit Menschen zusammenarbeiten, mit denen es Spaß macht ;-) – nur so kann man letztendlich erfolgreich sein.

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