„Meine Fotografie ist die Negation des ‘entscheidenden Augenblicks’, wie ihn einst Henri Cartier Bresson definiert hat.“ Interview mit Martin Zeller

25 11 2011

Für die Serie „The Diagonal Mirror. Space And Time In Photographing Hong Kong”[1], entstanden zwischen 2003 und 2007, hat Martin Zeller eine außergewöhnliche Art der Präsentation gefunden: Wir sehen keine rechteckigen Fotoprints an der Wand hängen, sondern zwei Fotografie-„Balken“, die aufeinander stoßen, die sich berühren oder überlagern, sich überschneiden oder durchdringen. Die großformatigen Fotografien – zwischen 2m und 4m – sind nicht in herkömmlicher Weise arrangiert, sondern an die Wand inszeniert und arrangiert.

Waterfall Bay, 2008

Waterfall Bay, 2008

Entstanden über einen längeren Zeitraum von rund 3,5 Jahren in Hong Kong zeigen die Aufnahmen Stadtansichten von der Metropole bei Nacht, Straßen und Gebäude, sehr reich an Details, Architekturaufnahmen. Dabei interessiert Zeller nicht das glamouröse Gesicht der Stadt, nicht die bekannten touristischen Ansichten, sondern das Marginale, Unauffällige. Es sind weder groteske noch sensationelle Szene, sondern ganz gewöhnliche Situationen, die die Aufnahmen präsentieren.

Die Szenerien sind bei Nacht entstanden und wurden analog aufgenommen bei sehr langen Belichtungszeiten, die von 30 Minuten bis zu 2 Stunden reichen.

Der Betrachter kann in diese Stadtpanoramen gleichsam eintauchen, in sie eintreten und auf Entdeckungsreise gehen. Allerdings muss er/sie, wenn man davor steht und versucht, sich diese Szenerie zu erschließen, nach der „richtigen“ Position suchen, sich vielleicht sogar hin und her bewegen, um den besten Blickwinkel zu finden. Nur – es gibt ihn nicht, „den“ richtigen Blickwinkel! Es gibt Unschärfen, Verschiebungen, Überschneidungen an den Stellen, an denen sich die Aufnahmen überlagern. Die Perspektive lässt sich nicht eindeutig erschließen, so wie wir es gewohnt sind. Es ist nicht klar, welche Szene, welcher Blickwinkel eigentlich zu sehen ist!

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Durch die Art der Präsentation dieser großformatigen Arbeiten wird der Betrachter aufgefordert, in die Stadt „einzutauchen“, in die Bilder einzutreten, er kann dies aber zugleich nicht „einfach so“. Die Fotografien können nicht einfach „konsumiert“ werden, die Perspektive erschließt sich nicht ohne Weiteres, sondern der Betrachter muss sich darauf einlassen, sich bemühen, sich die Vielschichtigkeit im wahrsten Sinne erschließen. Es gibt keinen Standpunkt und jeden Standpunkt gleichermaßen.

Er/sie sieht anders, auch mit chinesischen Augen.

Martin Zeller (*1961 in Mannheim) lebt und arbeitet seit 2003 in Hong Kong. Zeller ist Fotograf, jedoch kein expliziter Architekturfotograf. Sein Interesse gilt der Darstellung von Raum und Zeit in Bezug zur Kultur- und Mediengeschichte. Er fotografiert ausschließlich Orte, mit denen er vertraut ist, deren Geschichte er kennt. Daher ist es nicht überraschend, dass immer wieder auch städtische Umgebung und Gebautes in seinen Serien eine zentrale Rolle spielt.

Im Interview mit deconarch.com erläutert Martin Zeller, was ihn zu der ungewöhnlichen Präsentationsweise inspiriert hat, welche Themen ihn in seiner Arbeit beschäftigen und wieso er Henri Cartier Bressons „entscheidenden Augenblick“ negiert.

Illus. (c) Martin Zeller

(Alle Abbildungen aus “The Diagonal Mirror”)

INTERVIEW 

Auslöser für Ihre Serie „The Diagonal Mirror“ war Ihr erster Besuch in der Stadt 1998. Warum sind Sie damals nach Hong Kong geflogen?

Silent Witness, 2008

Silent Witness, 2008

Auf Einladung war ich 1998 zum ersten Mal in HK. Es war von meiner Seite eine spontane Zusage, so dass ich zwei, drei Wochen später relativ unvorbereitet im Flugzeug saß und nicht mehr Bilder im Kopf hatte, als wir alle. Also von der Skyline, der Börse und einigen Straßen mit unzähligen Neonreklamen.

Nach der Landung in HK nahm ich wie so oft lieber einen Bus als die Schnellbahn vom Flughafen in die Innenstadt. So kann man schon einmal einen Überblick über die Stadt mit ihrer Landschaft und den Vororten gewinnen. Ich bevorzuge es, Städte von der Peripherie her zu erkunden. So versuche ich auch Länder meist von einer kleinen Ortschaft aus kennenzulernen und erst später in die größeren Städte vorzudringen.

Auf dieser Fahrt vom Flughafen Chek Lap Kok nach Kowloon hing ich vor Überraschung über die vorbeiziehende Stadtlandschaft nur noch am Fenster und meine einzige Frage war: Wie kann ich all diese faszinierenden Orte und Plätze wiederfinden, an denen wir jetzt mit dem Bus vorbeirauschen? Die 3,5 Jahre, die ich von Herbst 2003 bis Frühjahr 2007 mit „The Diagonal Mirror” verbrachte, war ich ausschließlich damit beschäftigt, diese Fahrt vom Flughafen ins Zentrum von HK wieder rückwärts aufzurollen.

Wie kam die Gestaltungsweise des „Diagonal Mirror“ zustande? Was hat Sie dazu inspiriert, großformatige Fotografien sich überschneiden zu lassen?

Run Down, 2008

Run Down, 2008

Bevor ich im Herbst 2003 nach HK ging, hatte ich in Berlin über 10 Jahre hinweg zwei große Projekte realisiert: Entstanden zuerst meist großformatige Fotoarbeiten der steinernen Metropole mit weiten Fluchten („Berlin“, 1997), so beschäftigte mich später der Bildraum als Ort von Überlagerungen visueller Informationen – und somit die Vielschichtigkeit des Bildlichen selbst („Die verklärte Nacht“, 2002). Die letzten Bilder, die für „Die verklärte Nacht“ entstanden, sind schon von meinen ersten HK-Besuchen beeinflusst. Arbeitete ich aber bisher vorwiegend in Städten/Regionen, die sich horizontal ausdehnen, war ich zuerst an der zusätzlichen vertikalen Dimension der Stadtlandschaft HKs interessiert.

HK wurde ursprünglich an sehr steiler Hanglage errichtet (Mount Austin, 552 m), was dazu führte, dass später nur noch eine Ausdehnung in der Vertikalen möglich war. Aber die ersten Bilder, die ich in HK machte, zeigten schnell, dass das rechteckige Bildformat ungeeignet war, um mich dieser organischen, vielschichtigen und dreidimensionalen Urbanität zu nähern.

Nach meiner Ankunft in HK hatte ich sogleich begonnen, mich auch mit chinesischer Malerei zu beschäftigen, vorwiegend mit der Landschaftsmalerei der Song Dynastie (960 bis 1279). Auf den ersten Blick sehen diese Bilder wie realistische Darstellungen der Landschaft aus, aber auf den zweiten Blick erkennen wir, dass Vorder-, Mittel-, und Hintergrund jeweils eine eigene Perspektive haben. Dies ermöglicht dem Betrachter, in ein Haus hineinzuschauen und zur gleichen Zeit auch über den Berg hinweg bis zum Horizont zu sehen. Interessant ist auch, dass christliche Mönche schon recht früh Kopien der Meister der Renaissance mit nach China brachten, so dass die chinesischen Künstler über den Schritt der europäischen Malerei zur Zentralperspektive Bescheid wussten. Aber bis auf eine kleine Epoche fand diese Sichtweise, die wohl auch eine Denkweise spiegelt, in China keinen Widerhall. Warum soll ich mich auf eine Perspektive konzentrieren, wenn ich auch zwei, drei oder mehr haben kann?

Hinzu kommt eine weitere Beobachtung, die ich bei einer Busfahrt in HK gemacht habe: Der Busfahrer war recht schnell unterwegs, so dass ich nach vorne blickte, um nach dem Rechten zu schauen. Dabei fiel mir auf, wie der Fahrer seinen Rückspiegel diagonal angebracht hatte. Jetzt verstand ich, wie ich die Stadtlandschaft HKs mit meiner Kamera erfassen konnte: mehrperspektivisch und diagonal.

Hollywood Queen, 2008

Hollywood Queen, 2008

Viele Ihrer Projekte seit 1989 entstanden bei Nacht, wie auch „The Diagonal Mirror“, mit Belichtungszeiten von 30 Minuten bis zu 2 Stunden. Arbeiten Sie bevorzugt bei Nacht?

Die Künstlichkeit des nächtlichen Lichts spiegelt sehr gut die Künstlichkeit des chemischen Prozesses bei der Entwicklung und Vergrößerung der Bilder wieder. Alle Bilder zu „The Diagonal Mirror” wurden analog auf Film aufgenommen und analog auf Fotopapier vergrößert.

Den Farben von Tagesaufnahmen, z.B. dem Blau des Himmels oder dem Grün der Blätter eines Baumes, haftet in der analogen Fotografie immer etwas Künstliches an, so dass ich es seit meinem Projekt „412 432″ vorzog, vorwiegend bei Nacht zu fotografieren.

Aber es entstanden auch immer wieder Arbeiten bei Tageslicht, etwa das erste Kapitel von „Das Dreieck” (1993), die Fotoinstallation „Rampenweg” (1993) oder die Arbeit „Märkischer Sand” (1996). Meist fotografierte ich dann bei gleißendem Sonnenlicht mit harten Schatten, was auch wieder eine gewisse Künstlichkeit des fotografischen Abbilds betonte.

Seit 2008 arbeite ich vorwiegend bei Tageslicht.

Warum Fotografie? Welche Möglichkeiten eröffnet Ihnen die Arbeit mit der Kamera?

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2008

Ausstellungsansicht, Kunsthalle Mannheim 2009

Ich habe, seit ich 13 Jahre alt war, gemalt, mit 16 Jahren die erste Kamera gekauft und mit 24 Jahren mit Video begonnen. Meinen Abschluss an der Fachhochschule für Gestaltung in Darmstadt habe ich mit einer Videoarbeit bestritten, 1988 die erste Diplomarbeit in diesem Medium. Danach, im Jahr 1989, habe ich mehr aus Verdruss an der Arbeit mit Video (damals waren die Bilder schneller als die Technik erlaubte) und Zufall eine erste Nachtaufnahme mit langer Belichtungszeit am Rheinufer gemacht, deren Ergebnis mich so neugierig gemachte hat, dass ich 20 Kilometer dem Licht entlang des Rheins fotografisch gefolgt bin. Die Bilder des „412 432″-Projekts habe ich später im Rahmen des Kultursommers Ludwigshafen multimedial umgesetzt und ein Jahr später habe ich eine Arbeit mit Fotografien auf Transparentfilm auf dem Klüberplatz in Ludwigshafen realisiert. Ich war immer mehr am Medium Fotografie in Bezug zu anderen Medien wie Film, Video, der Malerei oder Skulptur interessiert. Die sogenannte dokumentarische Qualität der Fotografie hat mich nie interessiert.

Wie finden Sie Ihre Motive?

Reine Intuition.

Welche Themen interessieren Sie? 

Highland Spring, 2008

Highland Spring, 2008

Mein Interesse gilt der Darstellung von Raum und Zeit in Bezug zur Kultur- und Mediengeschichte. So war „412 432″ (1990) eine fotografische Reise entlang der gleichnamigen Rheinkilometer bei Nacht, aber auch eine Auseinandersetzung mit der New American Color Photography und ihren Verweisen auf den amerikanischen Film. „Berlin” (1997) zeigt die deutsche Hauptstadt nach dem Fall der Mauer, aber im Licht der frühen deutschen subjektiven Fotografie. „The Diagonal Mirror” spiegelt die sich von der europäischen Kultur unterscheidende asiatische Raum- und Zeitvorstellung.

Dieses Thema greife ich auch in meinem jüngsten Projekt „New Gardens” auf, das ich mit der chinesischen Künstlerin Sou Vai Keng realisiere: Auf der einen Seite beziehen wir uns auf Walter Benjamins Thesenpapier „Über den Begriff der Geschichte” von 1940, auf der anderen Seite nutzen wir Techniken der chinesischen Landschaftsmalerei.

Sie arbeiten nicht ausschließlich mit Architekturfotografie, trotzdem spielt sie – oder allgemeiner noch gesprochen: das Menschengemachte – in vielen Ihrer Serien eine Rolle. Warum?

Block Two, 2008

Block Two, 2008

Ursprünglich interessierte ich mich mehr für die Architektur des Lichts. Natürlich braucht Licht einen Gegenstand, an dem es sich brechen kann, um sichtbar zu werden, aber die Wahl dieses Objekts unterlag weniger architektonischen Kriterien, als meinem persönlichen Bezug zu ihm. So fotografiere ich ausschließlich Orte, mit denen ich vertraut bin, deren Geschichte ich kenne. Das ist wohl der Grund, weswegen meine ersten Fotoarbeiten in der städtisch und industriell geprägten Region von Mannheim, in der ich aufwuchs, entstanden sind. Meine Fotografie ist die Negation des „entscheidenden Augenblicks”, wie ihn einst Henri Cartier Bresson definiert hat. Ich besuche meine Aufnahmeorte immer und immer wieder, bis ich in einer inneren Kommunikation mit diesem Ort seine Essenz gefunden habe.

Heute interessiert mich mehr die Architektur des Bildes selbst. Die Arbeiten zu „The Diagonal Mirror” sind zugleich Bild und Objekt und auch die Präsentation der Arbeiten des neuesten Projekts „New Gardens”, die auf Reispapier vergrößert und als mehrteilige Rollenbilder präsentiert werden, birgt eine architektonische Qualität.

Analog oder digital?

Hollywood Queen, 2008

Hollywood Queen, 2008

Ich arbeitete bis 2008 ausschließlich analog, heute vorwiegend digital. Die Wahl zwischen analog und digital ist für mich weniger eine medienphilosophische Frage als vielmehr eine der Zweckmäßigkeit. Beide Techniken haben ihre Vor- und Nachteile und während ich früher immer den Grenzbereich der analoger Techniken auslotete, experimentiere ich heute mit den Grenzen der Digitaltechnik. Aber dies ist wirklich ein abendfüllendes Thema.

Was ist charakteristisch für Ihre Arbeit – in Ihren Worten?

Es ist besser, wenn man das als Künstler nicht weiß, sondern immer auf der Suche bleibt. Ansonsten unterliegt man zu leicht der Gefahr, sich zu wiederholen und seine Arbeit nur noch unter einem Markenzeichen zu sehen.

Zum Abschluss noch einen Ausblick auf Ihre neuesten Arbeiten?

„New Gardens“ wurde schon erwähnt. Daneben läuft auch ein Projekt mit dem Arbeitstitel „”Die Rückseite des Auges” ” ist eine weitere Zusammenarbeit mit der chinesischen Künstlerin Sou Vai Keng und bezieht sich auf den norwegischen Maler Edvard Munch.

Martin Zeller, herzlichen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit!

 


[1] The Diagonal Mirror, Kehrer Verlag Heidelberg 2008 (Begleitkatalog zur Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim 2009)




Chernobyl – before and after. 2 photo exhibits in Mannheim and Greifswald

7 04 2011

It’s a anniversary we’d rather forget: 25 years ago the nuclear catastrophe of Chernobyl in Ukraine happened. While Andrej Krementschouk travelled to Chernobyl several times since 2008 and captured how life is – still – going on in the death zone, Semjon Prosjak’s photos show the life in the village of Sednjew, 64 km away from Chernobyl, before the nuclear disaster.

Andrej Krementschouk
© Andrej Krementschouk

 

 

 

 

Andrej Krementschouk Zone – Heimat Tschernobyl

20.03. – 31.07.2011

ZEPHYR Mannheim

http://www.zephyr-mannheim.de/

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Der Fotograf Andrej Krementschouk reiste seit 2008 immer wieder in die 30-Kilometer-Sperrzone um den Reaktor. Entstanden sind eindrucksvolle Aufnahmen vom Leben in dieser Zone, die n zwei Bildbänden des Kehrer Verlags “Chernobyl Zone (I)” und “Chernobyl Zone (II) versammelt werden. In der Ausstellung in Mannheim werden ausgewählte Aufnahmen präsentiert.

»Die Zone hat etwas Märchenhaftes. Die Natur wuchert, die Tiere vermehren sich. Im Ort Tschernobyl, der nicht so schlimm verstrahlt ist wie Prypjat, wohnen wieder Menschen. Es sind Rückkehrer, die sich dort frei fühlen. Sie sind dort geboren, sie wollen nicht weg, es ist ihnen egal, ob sie deshalb früher sterben.« (A. Krementschouk)


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Semjon Prosjak

© Semjon Prosjak

 

 

 

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Semjon Prosjak | Sednjew

01. April – 07. Mai 2011

Galerie STP, Galerie für osteuropäische Fotografie, Greifswald

http://www.galerie-stp.de
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PR-Text: Semjon Prosjaks Fotografien des ukrainischen Dorfes Sednjew sind ein kostbares Dokument. Sie zeigen einen Ort und eine Lebensweise, 64 Kilometer vom Kernkraftwerk Tschernobyl entfernt,die es so nicht mehr gibt. Ein Thema aktueller, denn je zuvor.

© Semjon Prosjak

© Semjon Prosjak

„Hier hat eine Photograph nicht nur eine Serie oder ein Thema photographiert, sondern seinen Gegenstand gefunden. Aus ihm hat er in jahrelanger Arbeit einen Photoessay extrahiert, den zweierlei auszeichnet: Beweis zu sein im historischen Prozess und die Qualität des autonomen Bildes, welches über das bloße Abbild weit hinausreicht. Damit erweist sich Prosjak als Autorenphotograph, der seinen Gegenstand auf eben seine ganz eigenen Weise darzustellen vermag.

Dieser Gegenstand ist so reich und vielfältig, wie seine Darstellung einfach und direkt: Sozialdokumentation, die Aufzeichnung von Lebensverhältnissen, einer Lebensweise. Prosjak photographiert Schauplätze, Szenen, auf denen etwas geschieht, zeigen sie nun Landschaften, Räume, Menschengruppen oder Situationen. Sein Bildermachen wie seine Bilder sind nie statisch, nie feststellend, keine Landschafts-. Portrait-, oder Reportagephotographie im traditionellen Sinne, sondern so lebendige wie bewegende Bilder eines Lebenszusammenhangs voller Tradition, Fülle und Stimmigkeit“. (T.O. Immisch 2001)

Info courtesy Galerie STB




ARCHITEKTUR IM FILM: Cinema Quadrat in Mannheim

1 10 2010

Eine kleine Filmreihe des Mannheimer Kinos Cinema Quadrat widemt sich im Oktober der “ARCHITEKTUR IM FILM”. Besonders freue ich mich, dass darunter auch “Visual Acoustics” ist, der Doku-Film von Eric Bricker über Architekturfotograf Julius Shulman, auf den ich bereits mehrfach hingewiesen habe (am 24.10.).


8.10. / 9.10. / 12.10. /13.10. jeweils 19.30h
MUSIK FÜR HOCHZEITEN UND BEGRÄBNISSE (MUSIKK FOR BRYLLUP OG BEGRAVELSEN)
NOR 2002. R: Unni Straume, D: Lena Endre, Bjorn Floberg, Goran Bregovic. 97 Min., OmU

14.10. – 17.10. jeweils 19.30h
BUILDING THE GHERKIN – NORMAN FOSTER BAUT IN LONDON

CH 2005. R: Mirjam von Arx. Dokumentation. 89 Min. OmU

19.10.-20.10. jeweils 19.30h
DER ARCHITEKT ANTONI GAUDÍ – MYTHOS UND WIRKLICHKEIT
DEU 2010. R: Frederike Müller. Dokumentation. 69 Min.

20.10.-23.10. / 26.10. jeweils 19.30h
OSCAR NIEMEYER – DAS LEBEN IST EIN HAUCH (OSCAR NIEMEYER – A VIDA É UM SOPRO)
BRA 2007. R: Fabiano Maciel. Dokumentation. 85 Min., OmU

24.10. um 19.30h
VISUAL ACOUSTICS – THE MODERNISM OF JULIUS SHULMAN

USA 2008. R: Eric Bricker. Dokumentation. 83 Min., engl. OF

Mehr zum Programm von Cinema Quadrat




Kennen Sie Rom? Piranesi in der Kunsthalle Mannheim

25 09 2010

Rome, the eternal city, has been attracting people since the times of the ancient world. No other artist has coined Rome’s image as crucially as Venetian painter Giovanni Battista Piranesi (1720–1778). His etchings “Vedute di Roma“ can be seen in an exhibition at the graphics collection of Kunsthalle Mannheim.

Giovanni Battista Piranesi, Veduta dell’insigne Basilica Vaticana coll’ampio Portico, e Piazza adjacente (Vedute di Roma, 1748–1778), Radierung, Kunsthalle Mannheim

Giovanni Battista Piranesi, Veduta dell’insigne Basilica Vaticana coll’ampio Portico, e Piazza adjacente (Vedute di Roma, 1748–1778), Radierung, Kunsthalle Mannheim

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Kennen Sie Rom?

Piranesi inszeniert die Antike

25.09.2010- 05.12.2010

Kunsthalle Mannheim

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PR-Text: Rom: Die „Ewige Stadt“ zieht seit der Antike Menschen weltweit in ihren Bann. Kein Künstler prägte das Bild der Stadt so entscheidend wie der Venezianer Giovanni Battista Piranesi (1720–1778). Seinen Radierungen, den „Vedute di Roma“, ist die Ausstellung aus der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim gewidmet.
Mit einer faszinierenden Mischung aus topographischer Treue und Phantasie dokumentierte Piranesi Rom im 18. Jahrhundert und ließ so die Antike aufleben. Seine „Vedute di Roma“, die er vornehmlich an Italienreisende verkaufte, zeugen von der Monumentalisierung und Verherrlichung römischer Baukunst der Antike sowie der Gegenwart des 18. Jahrhunderts. Zunächst waren es Plätze, Brunnen, Kirchen und Paläste, die im Fokus der Radierungen standen. Später dann vorrangig antike Bauten, die Piranesi regelrecht inszenierte: Ungewöhnliche Perspektiven und dramatische Licht- und Schattenkontraste rufen Assoziationen zu einer barocken Bühne hervor.
Entstanden sind poetische, nostalgische Rom-Porträts, welche die Reisenden der Grand Tour auf ihrem Weg durch Italien gerne als Souvenir mitnahmen und in die Welt hinaustrugen. Piranesi genoss europaweit einen hervorragenden Ruf und prägte so die Vorstellung Roms über Generationen.

Info + illus. courtesy Kunsthalle Mannheim




Exhibition Broken Vision in Mannheim: Imagin(in)g Reality

15 08 2009

Ist das, was wir sehen, real? Welche Bilder zeigen die Wirklichkeit? Was ist real? Diesen Fragen spüren 13 zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und Japan in der Ausstellung „Broken Vision“ im Mannheimer Kunstverein (12. Juli – 13. September 2009) nach. In ihrem Werk nähern sie sich der Abbildung von Realität an und setzen sich mit verschiedenen künstlerischen Ansätzen und Medien mit der Thematik auseinander. Und werfen dabei mehr Fragen auf, als sie beantworten.

How real is what we see? Which images show reality? What is real? 13 contemporary artists from Germany, Belgium and Japan are tracing these questions in the exhibition “Broken Vision” in Mannheim, Germany. They all deal with questions about imaging reality using different artistic mediums and technics. One important subject area thematizes structuring of habitats and the difficulties to locate oneself in a globalized world.

Philipp Weber

Philipp Weber: Die Jagd – Nora, Kady und Ulrike, 2005, Öl auf Leinwand, 200 x 280 cm, courtesy Galerie Gering, Frankfurt/M.

Überall wird gephotoshopt, digital korrigiert, nachbearbeitet,… Dass wir Bildern in der herrschenden Bilderflut nicht mehr alles glauben dürfen, was wir darauf sehen, ist schon fast zum Gemeinplatz geworden. Im Web-Zeitalter ist auch der Wirklichkeitsbegriff dynamisch und flexibel geworden. Realism 2.0 – echt ist, was der Computer „ausspukt“?

Mit der Thematik der Wirklichkeitsabbildung und den vielfältigen Möglichkeiten und Lösungen dafür, die ein Blick in die Kunstgeschichte offenbart, habe ich mich in Realism 2.0: Wie real ist die Wirklichkeit? auf Art and Events näher befasst. Dort wird auch ein Blick auf die Fotografie geworfen, die den Anspruch auf die uneingeschränkte Abbildung der Realität erhebt, der jedoch bei genauerer Betrachtung nicht so eindeutig zutrifft, wie es oft dargestellt wird.

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Auch die in Mannheim gezeigten Künstler Michael Bach, Beate Bilkenroth, Felix Burger, Eckart Hahn, Christian Hellmich, Ives Maes, Lisa Schairer/Grete Turtur, Josef Schulz, Koshi Takagi, Andreas Wachter, Philipp Weber und Maik Wolf spüren in ihren Arbeiten konstruierten Wirklichkeiten nach – nicht real, aber immer plausibel.

Ein  großer Themenschwerpunkt kreist um die Strukturierung von Lebensräumen und die Schwierigkeiten, sich in einer globalisierten Welt zu verorten, die sich immer mehr angleicht. Dabei beschäftigen sich mehrere Künstler auf unterschiedliche Weise mit Architektur.

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm Copyright: Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz: Blau-grau 2004, C-Print 100 x 130 cm © Josef Schulz / VG Bildkunst

Josef Schulz fotografiert Industriehallen, wie sie auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Am Computer werden seine analogen Aufnahmen nachbearbeitet, alle konkreten Hinweise wie Ortsbezüge, Verweise auf Funktion, Zeit und Größe – kurz alles was einordnenbar macht – entfernt. Die so nur auf Farbe, Fläche und Form reduzierten Zweckbauten gleichen minimalistischen Skulpturen und entfalten in intensiven, kräftigen Farben eine von der Realität abstrahierte Ästhetik, die klassische Züge annimmt:  Die Bauten werden “Tempelartig” präsentiert mit einem tiefen Horizont und in einer Proportionierung, die dem Goldenen Schnitt entspricht.

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Beate Bilkenroth: AM JÄGERPARK 55-57 V / Öl auf Leinwand (2008) / 150 x 200 cm

Auch in den Gemälden von Beate Bilkenroth, Maik Wolf, Christian Hellmich und Michael Bach werden alltägliche Raumerfahrungen künstlerisch verarbeitet. Beate Bilkenroth etwa zeigt serielle Wohnbauten, typische „Menschenorte“ jedoch ohne Protagonisten: Wohnen im funktionellen Planquadrat.

Michael Bach malt ebenfalls alltägliche Räume, typische, aber unspektakuläre Großstadt-“Ansichten“ – etwa eine Londoner Ubahn-Station. Eine vertraute Umgebung, mit technischen Elementen, Rolltreppen, Lochblechen, künstlichem Licht – aber Menschenleere, wo sonst Hektik herrscht. Durch die meist sehr großen Formate wirken diese Bilder fremd und entfalten Unbehagen.

Christian Hellmich

Christian Hellmich: Pavillon 2008 Öl auf Leinwand 204 x 150 cm courtesy Tanja Pol Galerie, München und Galerie Lehmann Maupin, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Christian Hellmich (*1977) hingegen  abstrahiert auf andere Weise: Er malt eigenartige „Architekturen“, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Zwar werden eindeutige architektonische Elemente eingesetzt, die jedoch keine Bauten formen -  jedenfalls keine Bauten, wie wir es gewohnt sind. Hier fehlt die klare Einteilung in Innen und Außen. Es gibt Berührungspunkte mit dem, was wir kennen, nicht mehr. Möglichkeitsebenen überlagern sich, Illusionsräume entstehen.

Auch Maik Wolf (*1964) konstruiert aus Bilder-Fundstücken, wie sie in den Massenmedien zuhauf begegnen, Landschaften und Wohnsiedlungen. Dadurch ähneln seine Kompositionen den Bildern, die einem tagtäglich begegnen – wo haben wir welche Abbildung zuletzt gesehen? TV, Internet, Print? Wolf reagiert damit auf ein Phänomen unserer Zeit – die Städte weltweit gleichen sich immer mehr an, die Bilder werden immer ähnlicher: visuelle Globalisierung.

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Amy von Milo

Andreas Wachter: Amy, 2008, Terrakotta 90 x 40 x 40 cm, Leihgeber Sammlung Hofmann Karlsruhe, courtesy GALERIE Supper, Karlsruhe

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Ein anderer Themenkomplex der Ausstellung befasst sich mit gängigen Konstruktionen von Weiblichkeit und den Geschlechterrollen-Klischees, die nach wie vor vorherrschen. Andreas Wachter etwa zeigt eine „Amy von Milo“: Die skandalträchtige Popikone Amy Winehouse wird in der Pose der antiken Venus von Milo inszeniert. Unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an das Bild einer Frau werden überlagert. Was ist archaisch, was modern?

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Informationen aus dem Katalog von “Broken Vision”, Mannheimer Kunstverein

© Abb. die Künstler, KV Mannheim, VG-Bildkunst




Mannheim, Düsseldorf, Berlin: Three exhibits in Germany presenting Architecture Photography

11 06 2009

Neues aus der Welt der Galerien: Drei Fotoausstellungen in ganz Deutschland zeigen Architekturfotografien.

News from the galleries: Three photo exhibits in Germany present architecture photography.


Jörg Schmiedekind Neukölln 1

Jörg Schmiedekind Neukölln 1 © Jörg Schmiedekind

Jörg Schmiedekind: Neukölln – Stadtfotografie

12.06.2009 – 18.07.2009

Galerie En passant, Berlin

Jörg Schmiedekind, ausgebildeter Architekt, arbeitet seit 2005 verstärkt auch als Fotograf. Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Alltäglichen, Banalen, nicht dem Spektakulären und Besonderen.

“Mir geht es um die Darstellung alltäglicher Orte und ihrer Brüche. Dabei bediene ich mich der Stilmittel der Dokumentarfotografie – wohl wissend, dass Bildausschnitt und Bildaufbau immer eine subjektive Aussage darstellen.”

In der Serie “Neukölln” (entstanden zwischen Dezember 2007 und April 2008) tut Schmiedekind eben dies: Er spürt dem Berliner Stadtviertel nach – fernab von Schlagzeilen und Schreckensnachrichten. In sorgfältig gestalteten Bildern konzentriert den Blick auf die Bebauung und den von ihr geschaffenen Stadtraum, zeigt Schilder, Ampeln, Leuchten, Verteilerkästen, Poller, Autos, Werbung etc. Durch die körperliche Abwesenheit der Menschen beginnen die Dinge für sich selbst zu sprechen.

Jörg Schmiedekind: Neukölln © J. Schmiedekind

Herausgelöst aus dem Alltag werden die alltäglichen Innenstadtlandschaften so zu Bühnenbildern, in denen das soziale Leben geschieht. Ob Wechselwirkungen zwischen Bühnenbild und den meist nicht sichtbaren Akteuren bestehen, bleibt dem Betrachter überlassen.

Dementsprechend ist alles im Bild gleich wichtig, die diffusen Lichtverhältnisse sind bewusst eingesetzt:Nicht um eine bestimmte Stimmung zu schaffen; vielmehr wird durch unterschiedliche Schärfe oder differenziertes Licht nicht akzentuiert oder betont.

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7. Juni 2009 – 24. Mai 2010

Museum Zeughaus C5 I Forum Internationale Photographie

20 Jahre Fall der Berliner Mauer: Zu diesem Anlass werden in Mannheim Arbeiten von Robert Häusser (*1924 in Stuttgart) gezeigt.

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© Robert Häusser

In der ersten Zeit des Mauerbaus hielt sich Häusser im Westsektor Berlins auf und fotografierte die Berliner Mauer: Es entstand ein  Bilderzyklus, der eindringlich die Mauer als Physiognomie, Ausdruck und Brutalität des Systems zeigt. Seine Aufnahmen in scharfen Schwarz-Weiß-Kontrasten udn mit strengen Frontalansichten sind jedoch nicht nur zeitgeschichtliche Dokumente deutschdeutscher Geschichte, sondern zeigen auch die persönlicht Sichtweise des Künstlers: in der Darstellung der Häuserfronten, Eingänge, Fenster sowie der Menschen und Dinge im Umfeld der Mauer.

In der Ausstellung sind  vierundzwanzig großformatige Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen, denen denkwürdige Zitate bekannter Politiker und Künstler gegenübergestellt werden, etwa von John F. Kennedy, Willy Brandt, Martin Luther King und Richard von Weizsäcker.

Robert Häusser wurde 1995 mit dem Hasselblad Foundation International Award in Photography ausgezeichent. Seit 2002 ist sein gesamtes fotografisches Werk an die Reiss-Engelhorn-Museen gestiftet worden. Der Künstler lebt und arbeitet heute in Mannheim.

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Wolfgang Lüttgens, Atelierbild 06.14, 2006 © W. Lüttgens

Vom Innen und Außen.
Fotoarbeiten von Wolfgang Lüttgens und Thomas Strogalsk

05. Juni bis 01. August 2009

www.epson-kunstbetrieb.de Düsseldorf

Die Bildwelten zweier Fotografen, die recht unterschiedliche Ansätze verfolgen, werden in Düsseldorf in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt gezeigt: Thomas Strogalski ist Berufsfotograf, während Wolfgang Lüttgens die Fotografie als künstlerisches Medium benutzt: Lüttgens komponiert aus diversen Fotofragmenten eine eigene digitale Bildwelt, während Strogalski ausgehend von einem digital fotografierten Bild als Vorlage in unzähligen Schritten eine ebenfalls neue Bildwelt gestaltet.

((Infos aus der PR-Mitteilung))

Wolfgang Lüttgens ist ein Grenzgänger zwischen realen und imaginären Räumen. In seinen Werken befragt und hinterfragt er die Realität, spielt mit ihren Darstellungsmöglichkeiten und gibt ihr neue Erscheinungsformen. Ausgangspunkt der fotografischen Arbeiten ist die Momentaufnahme eines räumlichen Ambientes. Lüttgens bevorzugt in seinen Bildern ein Format, das annähernd quadratisch ist und durch seine wenig eindeutige Form der Abstraktion hilfreich entgegen kommt. Aus mehreren Fotografien trifft er eine Auswahl und verwendet sie, ganz oder teilweise, für das angestrebte Bild.

Das digitale Bearbeiten gewährt Lüttgens großen Spielraum: Durch Verschieben einzelner Partien, durch deren Verzerren und Ändern ihrer Größe sowie durch das Anlegen unterschiedlicher Ebenen gelangt Lüttgens zu verschachtelten, inkongruenten Räumlichkeiten.

Bei einigen neuen Arbeiten tritt Farbe als rein abstrakte Fläche in Lüttgens Bilder. Zu dieser Wirkung gelangt der Künstler zusätzlich dadurch, dass er Inkjet-Drucke herstellt, deren Oberfläche matt ist. Mit Hilfe dieser Technik erhalten die Fotos eine erstaunlich malerische Qualität. Der Betrachter kann mitunter kaum unterscheiden, ob das Bild und insbesondere die abstrakte Fläche fotografischen Ursprungs ist oder aber handwerklich gemalt wurde.

Thomas Strogalski, Landscape #1, 2008 © Th. Strogalski

Thomas Strogalski, ausgebildeter Profifotograf, Mitglied des Bundes Freischaffender Fotodesigner (BFF) und mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet, sorgt v.a. mit seinen Autowerbe- und Landschaftsfotografien international für Furore. Er inszeniert Außenszenarien mit großer Akribie. Kleinste Details seiner großformatigen Arbeiten scheinen für diesen einen Moment der Belichtung kreiert worden zu sein – sind aber das Ergebnis aufwändiger digitaler Postproduktion. Landschaften und Szenerien werden mit einer bewussten Künstlichkeit versehen, die das endgültige Werk von der „Aufnahme eines Momentes“ zu einem „Status der Ewigkeit“ transformiert.

Interessant bei den Arbeiten von Thomas Strogalski ist auch die Verwendung mehrerer Assoziationsebenen – ein Ergebnis der teilweise überwältigenden Detailfülle seiner Arbeiten. Aus mehreren Metern Betrachtungsabstand wirken die Bilder ungleich anders als „bei näherer Betrachtung“, bei der sich dem Auge viele kleine „Unterwelten“ eröffnen.




Der gerahmte Raum, Comic-Zeichnungen und Video-Installationen in zeitraumexit Mannheim

28 12 2008

zeitraumexit im Mannheimer Kunsthaus stellt „die Auseinandersetzung mit dem ‚gezeichneten’ und dem ‚erzählten’ Raum im Comic” in den Mittelpunkt. Gezeigt werden Arbeiten von vier Künstlerinnen aus Deutschland, Belgien und der Schweiz: Sofia Greff, Kathrin Borer, Géraldine Servais, Joelle Isoz. Mit der konventionellen Comic-Bildsprache haben ihre jedoch nicht viel gemein (mehr zu den Ansätzen der Künstlerinnen am Ende dieses Textes).

Sofia Greff

Zeichnung von Sofia Greff



Der gerahmte Raum. Comic-Zeichnungen und Video-Installationen
Arbeiten von  Sofia Greff / DE, Kathrin Borer / CH, Géraldine Servais / BE, Joelle Isoz / CH

kuratiert von Thilo Schwarz

30.11.08 – 24.01.09
Eintritt frei
16-20 Uhr, Sa/So 14-18 Uhr
Vom 22.12.08-8.1.09 ist die Ausstellung geschlossen.

Ein paar Gedanken…

Das Ausstellungsthema wirft komplexe und vielschichtige Fragstellungen auf.

Der Comic als Bildergeschichte ist eine sich linear weiterentwickelnde Erzählsequenz, die von „Bildkästchen zu Bildkästchen” voranschreitet und eine Handlung oder einen Vorgang erzählt. Streng genommen treffen damit zwei sich eigentlich widersprechende Situationen aufeinander: zum einen die Erzählung, die sich weiterentwickelt und voranschreitet, zum anderen das Bild, das einen Momentausschnitt für immer festhält (oder zumindest für so lange, wie das Bildträger-Material es erlaubt).

Das Bild als ein auf den dargestellten Moment festgefrorenen Ausschnitt – spätestens seit der „(Er-)Findung” der Zentralperspektive ist diese Sichtweise geläufig. Albrecht Dürer, der die Konstruktionsmethode der Linearperspektive aus Italien in den Norden gebracht, definiert: „Item Perspectiva ist ein lateinisch Wort, bedeutt ein Durchsehung.” Die malerische Perspektive ermöglicht es, einen Raumeindruck auf einer Bildebene abzubilden. Das Bild wird, mit Alberti gesprochen, zum „Fenster”, durch das man hinausblickt und einen bestimmten zusammenhängenden Ausschnitt sieht, der sich nach allen Seiten hin fortzusetzen scheint, wäre er nicht vom Rahmen des „Fensters” verdeckt.

Grundlegend für die Perspektive ist also, dass der zweidimensionale Bildträger, sei es eine Leinwand, sei es Holz oder Stein, als solcher negiert wird und als bloß materielle Fläche dient, auf die mit bestimmten Farbmitteln ein illusionistischer Malraum aufgetragen wird. Die so geschaffene Bild„ebene” erzeugt die Illusion einer Realitätsabbildung. Wichtig ist dabei, dass die ganze Malfläche zum „Systemraum” wird, in dem die dargestellten Gegenstände und Figuren sowie der sie umgebende Raum in entsprechenden Größenverhältnissen wiedergegeben sind.

Allerdings entsprechen auch (zentral- bzw. linear-) perspektivisch wiedergegebene Bilder nicht zu 100% dem real Gesehenen. Man denke an die Randverzerrung, die durch die gekrümmten Augäpfel entstehen. Panfosky setzt sich mit diesem Thema in seinem nicht undproblematischen Aufsatz „Die Perspektive als ‚Symbolische Form’” auseinander.

Damit ist ein weiteres Problem angeschnitten: So paradox es klingt, Raum an sich kann nicht wahrgenommen werden. Man denke sich einen absolut leeren Raum. Betrachtet man eine farbige Fläche oder ein dreidimensionales Volumen? Räumliche Tiefe wird erst durch die den Raum einfassenden „Ränder” oder durch zwei im Raum sich befindende Objekte, die vor/neben/hinter einanderstehen, wahrnehmbar.

Die Arbeiten in der Ausstellung “Der gerahmte Raum”

In “Der gerahmte Raum” werden vier unterschiedliche Raumauffassungen der Künstlerinnen gegenübergestellt.

Während die 21 Blätter von von der Künstlerin selbst mehrfach umgehängt und im Raum arrangiert wurden, halten sich die Arbeiten von Joelle Isoz an eine feste Reihenfolge. Bei Sofia Greff gibt der Ausstellungsraum selbst den Rahmen vor: Greff hat die Decke des Raums auf einem Oberlicht abgebildet, der Besucher erlebt aus der Froschperspektive ein neues Raumgefühl. Bei Géraldine Servais hingegen reicht der Bildraum ihrer Einzelbilder nicht aus, die Erzählung durchbricht den Rahmen.

(Bildberschreibungen hier und hier)




Richard Meier in Mannheim

26 07 2008

(Fotos von S.)

Eine unerwartete Entdeckung kann man in Mannheim machen: seit 2007 kann man in einem von Richard Meier entwickelten Kaufhaus (P&C) shoppen gehen.

Meier (*1934) ist einer der großen Architekten weltweit; Pritzker-Preisträger von 1984 und einer der New York Five.

Offizielle Website von Richard Meier & Partners

Typisch für Meier sind mit weißen standardisierte Quadern verkleidete geometrische Baukuben mit lichtdurchfluteten Innenräumen, wie es auch in Mannheim zu beobachten ist:

Außen fällt die typische weiße Fassadenverkleidung auf, die allerdings – ein Kaufhaus eben – von sehr viel durchgehender Verglasung “unterbrochen” wird. Innen wirkt der Bau stylisch, unterscheidet sich jedoch nicht wirklich von anderen Käufhäusern. Da ist ein anderer Baublock in der Nähe bedeutend auffälliger und eindrucksvoller – der Store of the Year 2008 (engelhorn-Neubau vom Architekturbüro Blocher Blocher Partners).

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Das Kaufhaus in Mannheim ist übrigens nicht der einzige Meier-Bau in Südwestdeutschland: in Frankfurt ist bereits von 1979-1985 das Museum für Angewandte Kunst entstanden, in Baden-Baden gibt es seit 2004 das “Juwel im Park” / Frieder Burda Museum.