Wolfgang Bachmann liest DRINNEN in Karlsruhe | REVIEW

Warum ein Nachttischchen schon qua descriptionem eigentlich ein Witz ist (weder Tisch noch in der Nacht benutzt!), wie irgendwann aus Regalen Möbeln wurden (nein, schon vor IKEA!), welcher Designer die urdeutsche Eckbank erfunden hat (nämlich keiner!), die Geheimnisse der Architekturkritik (wo entscheiden sich wohl und wehe der Baukultur? Richtig, in den Toilettenfliesen) –  Wolfgang Bachmanns „Drinnen“ verspricht Beobachtungen rund ums Haus, die so wohl nie in einer seriösen Kritik stehen würden.

Bachmann Cover

 

Wolfgang Bachmann

Drinnen

77 Beobachtungen zwischen Tür und Angel

Mit einem Vorwort von Harald Martenstein

Eisenhut Verlag, 2. Auflage, 2014

 

Seit 2011 schrieb Wolfgang Bachmann, jahrelanger Chefredakteur des „Baumeister“ und seit 2011 als Herausgeber, die Kolumne „Drinnen“ – zunächst am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung, später als Blog – mittlerweile hat er sich dem „Draußen“ zugewandt. 77 Beobachtungen von „Drinnen“ sind dagegen in diesem Buch versammelt. Kurz, knackig, eineinhalb Seiten lang. Unterhaltsam und locker zu lesen, dabei aber immer sehr spitzzüngig und direkt, lustig und auch mal böse. Und nebenbei auch noch einige überraschende Einsichten in die Entwicklung der Kulturgeschichte des Wohnens. Eben alles, was eine gute Kolumne liefern kann. Aber das weiß Harald Martenstein sowieso viel besser auszudrücken. Deswegen schreibt er ja auch das Vorwort zu „Drinnen“:

„Die Königsdisziplin ist meiner Meinung nach die thematisch streng festgelegte Kolumne. So, wie Wolfgang Bachmann sie schreibt. Bachmann verfasst Architekturkolumnen, Texte über Gebäude und Räume. Ich halte es für geradezu tollkühn, Gebäuden und Räumen regelmäßig komische, unterhaltsame oder feuilletonistische Aspekte abgewinnen zu wollen. Aber Wolfgang Bachmann gelingt es. Er nimmt sich die Telefonzelle vor, die Garage, das Gästeklo oder den Beichtstuhl. Und ihm gelingt das, was eine gute Glosse und eine gute Kolumne seit jeher ausmacht – er öffnet die Augen. Seit ich es bei ihm gelesen habe, ist mir überhaupt erst bewusst geworden, dass in jedem Gästeklo, fast jedem, auf dem kleinen Handwaschbecken ein Seifenspender steht, und dass dieser Seifenspender bei nahezu jedem Handwaschvorgang in das Handwaschbecken hineinfällt.“

Übrigens: Kommende Woche ist Wolfgang Bachmann in Karlsruhe! Am Mittwoch und Donnerstag, zum Diskutieren und Lesen. Wer ihn also einmal „aus erster Hand“ hören möchte, notiert sich am besten gleich diese beiden Termine:

Finissage der Trinationalen Architekturtage „1001 Farbe der Architektur“ mit Podiumsdiskussion

15.10.14, ab 18 h 

Wolfgang Bachmann mit Riklef Rambow, Tatjana Vautz, Jürgen Strolz und Hinrich Reyelts

und

Wolfgang Bachmann liest Drinnen.

Lesung

16. Oktober 2014, ab 19 h

beide Termine im Architekturschaufenster Karlsruhe

 

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