Rattenhausen | SABINE WILD in Berlin

Berlin-based photographer Sabine Wild, known for large-format alienation images of buildings and urban landscapes (find out more in our deconarch.com interview!), has documented the habitats of rat and rodent owners in order to visualize the traces of human-animal approaches on a spatial-aesthetic level. That sounds succinct. And indeed, at first glance, the photographs seem to show little more than apartments whose decorating style one may or may not like.

 

Rattenhausen – aus der Serie Territorien © Sabine Wild

Rattenhausen – aus der Serie Territorien © Sabine Wild

Sabine Wild

Rattenhausen – aus der Serie Territorien

13. September bis 13. Oktober 2018

ep.contemporary, Berlin

www.ep-contemporary.de

 

 

 

 

 

PR Info _ Haben Sie schon einmal Albert Camus’ Roman „Die Pest“ gelesen? Dann wissen Sie, dass das Unglück näher rückt, wenn die Ratten aus dem Untergrund aufsteigen, sich in der Stadt, unter den Menschen verbreiten und alle, alle, die sich nicht retten, nicht retten können, mit dem Virus infizieren. Der Tod: kein tanzendes Skelett, wie im Mittelalter, kein Sensenmann, wie im Barock – sondern ein unbeherrschtes Tier, noch dazu eines, das in seinen genetischen Bestandteilen dem Menschen ähnelt.

Kennen Sie einen Menschen, der sich ein Haustier hält? Dann wissen Sie um das seltsam-innige Verhältnis, das sich zwischen den Lebewesen entspinnen kann, eine Beziehung weit jenseits des Pragmatischen (der ursprüngliche Zweck der Haustierzucht war ja deren Nutzen, also purer Pragmatismus), die manchmal regelrecht symbiotisch erscheint, gar auf psychisch-emotionaler Ebene. Wer es ernst meint mit den Tieren, gibt ein Stück seines menschlichen Daseins auf.

Hier setzt die Berliner Fotografin Sabine Wild an, die mit großformatigen Verfremdungsbildern von Bauten und Stadtlandschaften bekannt geworden ist. Über Jahre hinweg hat Sabine Wild die Lebensräume von Rattenbesitzern dokumentiert, um die Spuren menschlich-tierischer Annäherungen auf räumlich-ästhetischer Ebene sichtbar zu machen. Das klingt lapidar. Und tatsächlich scheinen die Fotografien auf den ersten Blick kaum mehr zu zeigen, als Wohnungen, deren Einrichtungsstil man mögen kann oder nicht.

Aber haben Sie genau hingeschaut? Regiert nicht auch hier – Verfremdung? Versuchen Sie einmal, sich die Interieurs ohne den Lebensraum für die Ratten vorzustellen. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie die Arrangements von Käfigen, Gitterwänden, Rädern, Türmen, Brücken, Kisten, Röhren, Rampen, Steinen, Sandhügeln, Kästchen, Stämmen, Näpfen, Decken, Planen im Laufe der Zeit immer größeren Raum erobert haben. Wie sich die Menschen immer weiter zurückzogen, ihren Tieren immer mehr Platz einräumten. Jede Beziehung hat eine Geschichte. Wer lebt hier mit wem? Warum und Wozu? Opposition gegen die Evolution? Aufstand gegen den Hygienewahn der Moderne? Gehen Sie auf Besichtigungstour durch Rattenhausen. (Christian Welzbacher)

Info + illus. courtesy ep.contemporary

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